Im Folgenden soll gezeigt werden, dass der Interdiskurs von körperlicher und geistiger Produktivität dazu beiträgt, die Konzeption von Autorschaft und Geschlecht im kulturellen Kontext des jeweiligen literarischen Texts tiefer zu verstehen. Zu diesem Zweck sollen die männliche Künstlerfigur Jakob Bronsky aus Edgar Hilsenraths "Fuck America" und die weibliche Kontrastfigur, Helen Memel aus Charlotte Roches "Feuchtgebiete", mithilfe des Prokreationsmodells sowie der Autorkonzeption der Genieästhetik analysiert werden. Dabei wird auch der soziokulturelle Kontext berücksichtigt. Die Interdiskursanalyse macht deutlich, dass sowohl Bronsky als auch Memel die Kunstproduktion als eine (Wieder-)Geburt verstehen, welche jedoch bei beiden Figuren nicht zur gewünschten Identitätsfindung führt.
Zunächst werden dafür das Prokreative Künstlermodell definiert und in einen historischen Kontext gestellt. Es wird gezeigt, wie kulturelle Einflüsse wie neue biologische Erkenntnisse das Modell beeinflussen und sich die Künstlerkonzeption der Genieästhetik herausbildet. Anschließend wird gezeigt, wie sich der Interdiskurs aus Sexualität und Kunstproduktion auf "Fuck America" und "Feuchtgebiete" übertragen lässt und welche Unterschiede die männliche und weibliche Autorenkonzeption für den Text bedeuten. Um die tiefere Verständnisebene, die das Prokreativen Modell für den Text eröffnet, zu illustrieren, wird in Hilsenraths "Fuck America" auch seine Bedeutung auf den kulturellen und wirtschaftlichen Kontext des Texts eingegangen.
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- Anonym (Autor), 2017, Vaterschaft-Mutterschaft-Autorschaft, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1718684