Im Folgenden sollen anhand der beiden Filme "L’ Année dernière à Marienbad" von Alain Resnais und "Alice in Wonderland" von Nick Willing dargestellt werden, dass auch in den Konzeptionen der Unterwelt als Unterbewusstsein die äußere Gestaltung sowie Motive und Symbolik Aufschluss über die Art der Unterwelt geben können und sich als Hinweise auf die psychischen Prozesse der Protagonistinnen interpretieren lassen.
Dazu soll zunächst kurz auf das jeweilige Genre und seinen Einfluss auf die Gestaltung der Unterwelt eingegangen werden. Anschließend werden der Schnitt und die Farbgebung der Filme als Beispiele gestalterischer Mittel in beiden Filmen hinsichtlich ihres Effekts auf die Realitätswahrnehmung und die mentalen Prozesse, die sich im Unterbewusstsein abspielen, analysiert, daraufhin werden die Motive der Zeit und des Gartens, welche in beiden Filmen eine große Bedeutung haben, im Hinblick auf deren Bedeutung für die Unterwelt bezüglich Realitätswahrnehmung und Interpretation hinsichtlich des Unterbewusstseins betrachtet. Abschließend sollen die jeweiligen Thematiken der Protagonistinnen anhand der erarbeiteten Ereignisse nochmals verdeutlicht und damit der Einfluss der Art der psychischen Prozesse auf die Darstellung der Unterwelt hervorgehoben werden. Dabei soll der Fokus auch auf die Unterschiede der jeweiligen Genres gelegt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einfluss des Genres auf die Gestaltung der Unterwelt
2.1 Alice in Wonderland als erzieherischer Kinderfilm
2.2 Der Nouveau Roman und seine filmische Umsetzung
3. Technische Gestaltung des Films
3.1 Farbe und Schnitt als Mittel der Narrativik
3.2 Schwarz-Weiß Effekt und harte Schnitte
4. Das Motiv der Zeit und des Gartens
4.1 Zeit- und Raumgestaltung im Wunderland
4.2 Zeit und Garten in Marienbad
5. Schluss
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die filmische Darstellung der Unterwelt als Projektionsfläche des Unterbewusstseins am Beispiel von „Alice in Wonderland“ und „L’année dernière à Marienbad“. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche erzählerische Gattungen und filmische Gestaltungsmittel dazu genutzt werden, psychische Prozesse der Protagonistinnen in einer irrealen Umgebung abzubilden und zu interpretieren.
- Analyse des Einflusses filmischer Genres (Kinderfilm vs. Nouveau Roman) auf die Konzeption der Unterwelt.
- Untersuchung technischer Gestaltungsmittel wie Farbgebung, Lichtsetzung und Schnitttechnik als Indikatoren für mentale Zustände.
- Interpretation der Motive „Zeit“ und „Garten“ als Symbole für Identitätssuche und Erinnerungsprozesse.
- Vergleich der psychologischen Besetzung der Unterwelt als Ort der Angst, Verwirrung oder Erinnerungsarbeit.
Auszug aus dem Buch
3.2 Schwarz-Weiß Effekt und harte Schnitte
In Alain Resnais filmischer Umsetzung des Ciné-Romans L’année dernière à Marienbad von Alain Robbe-Grillet wurde bewusst auf Farbe verzichtet, um den Eindruck der Irrealität hervorzurufen. Neben dem Schwarz-Weiß-Effekt lassen sich auch die Lichtverhältnisse als Hinweis auf die Natur der Unterwelt als mentalen Ort interpretieren. Die Schnitttechnik trägt ebenso zu dieser Charakterisierung bei.
Nachdem der Schwarz-Weiß-Film zu Beginn der Filmgeschichte noch die einzige technische Möglichkeit darstellte, Bilder auf die Leinwand zu bannen, wurde es bereits Ende des 19. Jahrhunderts möglich, farbige Filme zu produzieren. Wird sich, wie in Marienbad, für einen Verzicht von Farbe entschieden, so soll damit ein spezieller Effekt hervorgerufen werden. Durch die Schwarz-Weiß-Gestaltung des filmischen Raumes entsteht ein Kontrast zur farbigen Realität, der dem Rezipienten das Gefühl der Irrealität vermittelt. Gleichzeitig dient die schwarz-weiße Gestaltung der Diegese dazu, die Unterwelt Marienbad als leblos und zeitentrückt zu charakterisieren, ein Ort „[…] sans origine et sans destination où rien n’existe vraiment, sinon l’absence.“ Dieser Ort lässt sich, so Alain Robbe-Grillet im Vorwort seines Romans, als Traum oder Gedächtnis interpretieren.
Die Verhältnisse von Licht und Schatten tragen ebenfalls dazu bei, die Unterwelt als Unterbewusstsein zu interpretieren. So wird in verschiedenen Szenen die Protagonistin (im Roman A genannt) optisch hervorgehoben, indem beispielsweise die ganze Aufnahme im Dunkeln liegt, während A vom Licht eingerahmt wird. Damit kann argumentiert werden, dass es sich bei A um die Inhaberin des Gedächtnisses handelt und die Handlungen darin ihre geistigen Prozesse darstellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Unterwelt als Darstellung des Unterbewusstseins ein und stellt die beiden zu untersuchenden Filme sowie die methodische Herangehensweise vor.
2. Einfluss des Genres auf die Gestaltung der Unterwelt: Dieses Kapitel erörtert, wie die spezifischen Gattungen (erzieherischer Kinderfilm versus Nouveau Roman) die topographische und narrative Struktur der Unterwelt in den Filmen maßgeblich prägen.
3. Technische Gestaltung des Films: Hier werden technische Aspekte wie Farbgebung, Licht und Schnitt analysiert, um aufzuzeigen, wie diese Mittel zur Charakterisierung der Unterwelt als irrealer mentaler Raum dienen.
4. Das Motiv der Zeit und des Gartens: Dieses Kapitel untersucht die Funktionen von Zeitdehnung, Zeitstille und der Architektur von Gärten als zentrale Symbole für psychische Prozesse wie Erinnerung oder Identitätssuche.
5. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, dass beide Filme trotz unterschiedlicher Genres ähnliche Techniken nutzen, um die Unterwelt an die mentalen Prozesse der Protagonistinnen anzupassen.
Schlüsselwörter
Unterwelt, Unterbewusstsein, Filmanalyse, Alice in Wonderland, L’année dernière à Marienbad, Genre, Nouveau Roman, Identitätsfindung, Erinnerungsprozess, Barockgarten, Zeit-Bild, psychologische Prozesse, Filmgestaltung, Schwarz-Weiß-Film, Traumwelt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie zwei verschiedene Filme die „Unterwelt“ nutzen, um das Unterbewusstsein ihrer Protagonistinnen visuell und erzählerisch darzustellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die filmische Raumgestaltung, der Einsatz von Farbe und Schnitt sowie die symbolische Bedeutung von Zeit und Gärten als Spiegel mentaler Prozesse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Einfluss von Genrekonventionen auf die Darstellung psychischer Zustände zu analysieren und zu zeigen, wie die äußere Gestaltung einer Filmwelt Rückschlüsse auf das Innenleben der Charaktere zulässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine komparative Filmanalyse angewandt, die sich auf filmgestalterische Mittel wie Schnitt, Farbgebung und Lichtsymbolik stützt und diese mit literatur- und filmtheoretischen Ansätzen verknüpft.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Genreeinflüsse, die Untersuchung technischer Gestaltungsmittel und eine detaillierte Deutung der Motive „Zeit“ und „Garten“ in beiden Filmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Unterbewusstsein, Erinnerungsprozess, Filmanalyse, Zeit-Bild und Identitätssuche charakterisiert.
Wie beeinflusst der Kontrast zwischen Farbe und Schwarz-Weiß die Interpretation der Filme?
In „Alice in Wonderland“ dient Farbe zur Kennzeichnung von Traumzuständen, während der Schwarz-Weiß-Einsatz in „Marienbad“ eine zeitentrückte, irreal-gedächtnisartige Atmosphäre schafft.
Warum ist das Motiv des „Gartens“ in beiden Analysen so bedeutsam?
Der Garten fungiert sowohl als Spiegel für die psychische Ordnung (Barockgarten) als auch als Hindernis (Irrgarten) und verdeutlicht den subjektiven Versuch der Protagonistinnen, sich ihren Erinnerungen oder ihrer Identität anzunähern.
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- Anonym (Author), 2016, Die Unterwelt als Unterbewusstsein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1718699