Das Interesse am Gegenstand „Holsteinische Schweiz“ entwickelte sich beim Verfasser aufgrund der offensichtlichen Widersprüchlichkeit des angeführten Begriffspaars. Der Ausdruck wird heute im allgemeinen zur Bezeichnung des nördlichen Ostholsteinischen Hügellandes rund um die Orte Eutin, Malente und Plön gebraucht. Seit 1989 führt ein über 60.000 ha großer Naturpark diesen Namen. Er umfaßt das Gebiet der Ostholsteinischen Seenplatte, deren landschaftliche Entwicklung mit Hilfe dieses Instrumentes gesichert wird.
Was aber ist der „schweizerische“ Aspekt dieser Gegend und warum wandte man ihn auf einen Landschaftsausschnitt in Norddeutschland an? Topographische Ähnlichkeit und erdgeschichtliche Verwandtschaft sind auszuschließen. Die „Schweiz“ muß folglich einem festgefügten Denk- und Wahrnehmungsmuster, einem Topos, entsprechen. Da Europa über einhundert Gegenden mit der Endung -"Schweiz" verzeichnet, wie Fränkische oder Sächsische Schweiz, möchte ich Entstehung, Verbreitung und Verwendung des „Schweiz“-Begriffs untersuchen. Anhand des ostholsteinischen Landesteils werde ich klären, unter welchen Voraussetzungen ein spezielles Denk- und Ausdrucksschema auf norddeutsche Verhältnisse angewendet wurde, so daß „Holsteinische Schweiz“ nachmals zur allgemein akzeptierten Gebietsbezeichnung werden konnte.
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- Claus Lemke (Author), 2002, Holsteinische Schweiz. Die Werdung einer Ideallandschaft als Epochenphänomen um 1800, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1718767