Im Zentrum der vorliegenden Hausarbeit steht das Problem, das durch den verschärften strafrechtlichen Umgang mit Minderjährigen, die nach Erwachsenenstrafrecht mitunter zu lebenslanger Haft verurteilt werden, in den USA und Großbritannien entstanden ist. Dadurch werden zahlreiche Fragen aufgeworfen, die in dieser Arbeit angesprochen werden sollen. Anschließend werden zwei authentische Einzelfälle dargelegt, die in den USA und Großbritannien Forderungen nach diesem strikteren Strafrecht verstärkt haben. Danach geht es darum, die Fragen vor dem theoretischen Hintergrund der New Penology zu diskutieren. Mögliche Lösungen des Problems werden im Anschluss erläutert.
Da sich die bisherige Analyse auf die USA und Großbritannien beschränkt, stellt sich die Frage nach den Gegebenheiten in Deutschland. Dies soll im letzten Teil dieser Hausarbeit besprochen werden. Die Verabschiedung eines deutschen Gesetzes zur nachträglichen Sicherheitsverwahrung von Minderjährigen im Jahr 2008 und ein weiterer Einzelfall aus Deutschland, der in der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ thematisiert wurde, liefern dazu weitere Erkenntnisse.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Aufbau und Inhalt der vorliegenden Hausarbeit
Das Problem: Strafrechtlicher Umgang mit Minderjährigen
Zwei Fallbeispiele aus den USA und Großbritannien
Wieso muss man dieses Problem lösen?
Theoretische Aspekte
Penology: Old versus New
Abschaffung des wohlfahrtsstaatlichen Strafens (penal welfarism)
Neues Verständnis von Resozialisierung
Verschiebung des Fokus von Täter auf Opfer
Bedeutung von Normen und Werten
Sicherheitsbedürfnis der Gesellschaft
Massenmedialer Einfluss
Gesellschaftlicher Wandel: die Konstruktion der Unterklasse
Aspekte des politischen Systems
Populismus
Forderung einer handlungsfähigen Politik
Einsparungen
Zweifel an validen Indikatoren von Gefährlichkeit
Inkompatibilität mit anderen nationalen Rechtsvorschriften
Wandel im rechtlichen Umgang mit anderen Delikten
Vorgeschlagene Lösungen
New Penology in Deutschland?
Die Verankerung der Resozialisierung im Grundgesetz
Die Debatte zur nachträglichen Sicherheitsverwahrung von Jugendlichen
Diskussion des Verhältnisses von New Penology und Penal Welfare
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel im strafrechtlichen Umgang mit minderjährigen Straftätern, insbesondere in den USA und Großbritannien, und analysiert diesen vor dem theoretischen Hintergrund der „New Penology“. Ziel ist es, die Verschiebung von einer resozialisierungsorientierten Strafpraxis hin zu einer risikobasierten Verbrechenskontrolle zu beleuchten und deren Übertragbarkeit auf aktuelle Entwicklungen in Deutschland kritisch zu diskutieren.
- Wandel von Rehabilitation hin zu Verbrechenskontrolle (New Penology).
- Einfluss von Populismus und Sicherheitsbedürfnis auf die Gesetzgebung.
- Die Rolle der „Unterklasse“ in der modernen Strafrechtspraxis.
- Debatte um nachträgliche Sicherheitsverwahrung bei Minderjährigen.
- Konflikt zwischen „verdienter Strafe“ und präventivem Risikomanagement.
Auszug aus dem Buch
Penology: Old versus New
Die Praxis, jugendliche Kriminelle lebenslang einzusperren, stimmt mit vielen Aspekten der New Penology überein. Betrachtet man die Zeit vor der New Penology, dann galt die Präventionsperspektive im Sozialstaat der Nachkriegszeit, die auf dem Konzept der sozialen Kriminologie beruhte (vgl. Krasmann 2003, 29).
Die Old Penology und die traditionelle soziologische Kriminologie konzentrierten sich auf die Beziehung zwischen den Individuen und den Gemeinschaften (vgl. Simon/ Feeley 1992, 465). Es galt die Überzeugung, dass ein stabiler familiärer Hintergrund und ein fester Arbeitsplatz das Auftreten von Kriminalität verhindern könnten (vgl. ebd. 466).
Während sich die Vertreter der Old Penology also auf Bestrafungstheorien beriefen, bei denen das Individuum im Zentrum stand, konzentriert sich die New Penology, die nach 1980 aktuell ist und strukturelle Veränderungen hervorruft, als neuer strategischer Ansatz weniger auf die Behandlung eines einzelnen Täters (vgl. ebd. 451f.). Man will stattdessen die Delinquenten als Aggregat managen, sie als Gesamtheit unter Kontrolle halten und das Risiko, das sie für die Gesellschaft darstellen, eliminieren (vgl. ebd. 450). Beim Konzept der Old Penology standen eine Reihe von Grundsätzen wie Verantwortung, moralische Sensibilität, Diagnose und Intervention im Vordergrund, wohingegen die New Penology vor allem das Ziel verfolgt, bestimmte Gruppen zu managen (vgl. ebd. 452).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Aufbau und Inhalt der vorliegenden Hausarbeit: Einführung in das Problem des verschärften Umgangs mit jugendlichen Straftätern in den USA und Großbritannien sowie die geplante Untersuchung der deutschen Situation.
Das Problem: Strafrechtlicher Umgang mit Minderjährigen: Darstellung der Entwicklung hin zu härteren Strafen für Jugendliche und der weltweiten Sonderstellung der USA bei lebenslangen Haftstrafen ohne Begnadigungschance.
Zwei Fallbeispiele aus den USA und Großbritannien: Analyse der Fälle Craig Price und James Bulger, die als Katalysatoren für die Forderung nach einem strikteren Jugendstrafrecht dienten.
Wieso muss man dieses Problem lösen?: Diskussion der ethischen und kognitionspsychologischen Argumente gegen die Inhaftierung von Minderjährigen unter Erwachsenenstrafrecht.
Theoretische Aspekte: Analyse des Paradigmenwechsels von der Old zur New Penology, der Abschaffung des wohlfahrtsstaatlichen Strafens und der Rolle der Opferdiskussion sowie gesellschaftlicher und politischer Faktoren.
Vorgeschlagene Lösungen: Erörterung von Ansätzen zur Resozialisierung und präventiven Maßnahmen, die eine Abkehr von rein repressiven Strategien fordern.
New Penology in Deutschland?: Untersuchung der deutschen Rechtslage, insbesondere der Verankerung der Resozialisierung und der aktuellen Debatte um nachträgliche Sicherheitsverwahrung.
Schlüsselwörter
New Penology, Jugendstrafrecht, Resozialisierung, Sicherheitsverwahrung, Risikomanagement, Penal Welfare, Kriminalpolitik, Strafvollzug, Viktimologie, Unterklasse, Prävention, lebenslange Haft, Jugendkriminalität, Verbrechenskontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Entwicklung hin zu einem verschärften strafrechtlichen Umgang mit minderjährigen Straftätern und analysiert, inwiefern dieser Trend durch das theoretische Konzept der New Penology erklärt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind der Paradigmenwechsel in der Strafpraxis (von Rehabilitation zur Risikokontrolle), der Einfluss von Medien und Populismus auf die Politik sowie die Auswirkungen auf gesellschaftliche Gruppen wie die sogenannte Unterklasse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Verschiebung von einem wohlfahrtsstaatlich geprägten Jugendstrafrecht hin zu einer restriktiven Sicherheitslogik aufzuzeigen und deren Konsequenzen sowie die Übertragbarkeit auf Deutschland kritisch zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und einer vergleichenden Untersuchung von Fallbeispielen aus den USA, Großbritannien und Deutschland.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Hintergründe, die Bedeutung von Normen, den Einfluss von Politik und Medien sowie die spezifische Situation in Deutschland unter Einbeziehung von Einzelfällen und gesetzlichen Entwicklungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind New Penology, Risikomanagement, Resozialisierung, Strafverhärtung und die Instrumentalisierung von Opferinteressen.
Inwiefern beeinflusst der „New Penology“-Ansatz die Behandlung von Jugendlichen?
Der Ansatz führt dazu, dass Jugendliche nicht mehr als Individuen betrachtet werden, die resozialisiert werden müssen, sondern als Teil von Risikogruppen, die primär zu managen und von der Gesellschaft fernzuhalten sind.
Gibt es einen speziellen Fokus auf Deutschland?
Ja, im letzten Teil wird die deutsche Rechtslage beleuchtet, insbesondere das Grundgesetz-Gebot der Resozialisierung im Kontrast zur neu eingeführten nachträglichen Sicherheitsverwahrung für Jugendliche.
Welche Bedeutung hat der Fall „Maik S.“ für die Arbeit?
Der Fall dient als Beispiel für die Diskussion des Verhältnisses von staatlicher Fürsorge und Sicherheitsbedürfnis und zeigt, wie politische Entscheidungen in Deutschland zunehmend durch populistische Forderungen nach „Wegschließen“ beeinflusst werden.
- Citar trabajo
- Annette Walter (Autor), 2008, Die lebenslange Inhaftierung minderjähriger Straftäter vor dem Hintergrund der New Penology, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171929