"Ich habe dich geheiratet, um dich zu schützen. Dass ich dich dabei lieben lerne, war nie Teil des Plans."
Mireya Fyre ist zweiundzwanzig, studiert und arbeitet in einem Café, um sich ein einfaches, ehrliches Leben aufzubauen. Als die Schulden ihres Vaters Mathew Fyre ihn einholen, zerbricht diese Normalität über Nacht. Um sich selbst zu retten, verkauft er das Wertvollste, das er besitzt: die Unschuld seiner Tochter.
Der Mann, der den Preis bestimmt, ist Ricci Caldwell - ein mächtiger Mafia-Boss, der nach außen als respektabler Geschäftsmann gilt.
Statt Mireya weiterreichen zu lassen, zwingt er sie in eine sofortige Ehe. Kein Versprechen. Keine Liebe. Nur Schutz.
Gefangen in einer kalten Verbindung aus Pflicht und Kontrolle lernt Mireya eine Welt kennen, in der Macht über Leben entscheidet.
Ricci bleibt distanziert, unnahbar, korrekt - und genau darin liegt die Gefahr. Denn zwischen Schweigen, Schnee und Regeln wächst etwas, das keiner von beiden geplant hat.
Triggerwarnung / Content Note: In diesem Roman werden unter anderem folgende Inhalte thematisiert: sexuelle Gewalt, Zwangsheirat, Menschenhandel, familiärer Verrat und finanzielle Ausbeutung, Machtungleichgewicht in Beziehungen, emotionale Abhängigkeit und innere Isolation, Angst, Kontrollverlust und psychische Belastung
Bitte achte beim Lesen auf deine eigenen Grenzen und pausiere, wenn du merkst, dass dir die Inhalte zu nahegehen.
Auszüge aus dem Buch
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Prolog
Der Schnee peitschte gegen die Windschutzscheibe, ein endloser Vorhang aus Weiß, der die Stadt in eine unnatürliche, schmutzige Stille hüllte. Doch in diesem Auto war es alles andere als ruhig. Die Spannung war so greifbar, dass man sie hätte schneiden können. Enzo saß neben mir am Steuer. Er sagte kein Wort, doch seine Anwesenheit füllte den Raum. Wir beide wussten, was auf dem Spiel stand. Das Lagerhaus im Hafengebiet. „Verdammt“, fluchte ich leise, als das Gebäude in Sichtweite kam. Der verlassene Betonbau, in dem wir unsere Waffen und die letzte Ladung Drogen zwischengelagert hatten, war ein Schwachpunkt. Wir hätten die Fracht längst verteilen müssen, doch die Logistik hatte versagt. Zeitdruck. Zu wenige Männer. Ausreden, die jetzt nichts mehr wert waren. Wer auch immer versucht hatte, uns dort zu bestehlen, hatte gewusst, was dort lagerte. Und er hatte gewusst, wann es am verwundbarsten war. „Das war kein Zufall“, sagte Enzo, und seine Stimme klang so kalt wie der Wind draußen. Er hatte recht. Das war kein einfacher Raubüberfall. Das hier war Präzisionsarbeit. Wir hatten eine Ratte in unseren eigenen Reihen. Jemand, der unser Logistik-Protokoll kannte. Als wir ausstiegen, schlug uns die beißende Kälte entgegen. Das große Stahltor des Lagers stand einen Spalt weit offen. Drinnen war kein Schlachtfeld – es war ein Exempel. Die Männer, die wir hier platziert hatten, waren keine Amateure, aber sie lagen nun wie achtlos weggeworfene Puppen zwischen den umgestürzten Kisten. Blut klebte wie dunkler Lack auf dem Betonboden. Ich trat an einen der Körper heran. Ein Schuss mitten in die Stirn. „Sie wussten genau, wo sie suchen mussten“, murmelte ich, während ich den Raum absuchte. Das Lager war leergeräumt. Waffen, Drogen, alles weg. Ich spürte Enzos Blick in meinem Rücken. Er suchte nach Hinweisen, nach Spuren, doch ich suchte nach etwas anderem. Ich suchte nach dem Verräter. „Sie werden glauben, sie sind damit durchgekommen“, sagte ich, und meine eigene Stimme klang fremd in meinen Ohren – hart, emotionslos, gefährlich. In diesem Moment gab es keine Zweifel mehr. Die Ratte saß bei uns am Tisch. Und bis ich sie gefunden hatte, würde in diesem Winter niemand mehr schlafen. Nicht unsere Feinde. Und schon gar nicht derjenige, der uns das angetan hatte. Der Krieg hatte nicht mit einem Knall begonnen. Er hatte mit einem Verrat begonnen. Und die Jagd hatte gerade erst angefangen. „Enzo“, unterbrach ich die Stille im Lagerhaus. „Ja, Boss?“ „Bring alle an den Tisch. Gio, Raffaele, Bruno, du und Ilias. Wir müssen herausfinden, wer das war. Jemand von uns hat geplaudert.“ Ich sah ihn kurz an, doch mein Blick wanderte sofort wieder zu dem Chaos, das man hier hinterlassen hatte. „Ich fahre zur Villa zurück. Bring die Aufnahmen mit. Sorg dafür, dass niemand sonst sie zu Gesicht bekommt.“ Enzo nickte nur knapp. Er würde einen der anderen Wagen nehmen müssen, um das Material zu sichern. Ich stieg in meinen Lamborghini, startete den Motor – ein tiefes, aggressives Grollen, das die eisige Luft der Nacht zerschnitt – und raste durch die Straßen von Montreal zurück in Richtung meines Anwesens. Die Fahrt durch den langen, dunklen Waldweg beruhigte mich nicht, im Gegenteil. Die Dunkelheit um mich herum spiegelte das wider, was in mir vorging. Als ich vor dem schweren Eisentor hielt, warf ich einen Blick auf das Emblem an den massiven Pfeilern: Der Wolf und der Panther, ineinander verschlungen, ein Zeichen unserer unerbittlichen Stärke. Als das Tor sich ächzend öffnete, fuhr ich die Auffahrt hoch. Ich parkte den Wagen direkt vor dem Eingang und ließ den Motor verstummen. Die Stille, die sofort darauf folgte, war fast noch bedrohlicher als das Brüllen des Wagens. Ich stieß die schwere Eingangstür auf und trat ein. Isabella, meine Haushälterin, stand im Foyer. Ihr Blick war diszipliniert, ihr Dutt saß perfekt, wie immer. „Willkommen zurück, Signore Ricci“, begann sie, doch ich ignorierte sie einfach. Ich hatte keine Zeit für Höflichkeiten oder den Anschein von Normalität. Ich ließ sie hinter mir stehen, steuerte zielstrebig das Treppenhaus an der linken Seite an und stieg die Stufen hinunter in den Keller. Das hier war nicht einfach nur ein Keller. Es war die Kommandozentrale meiner gesamten Organisation. Ich hatte diesen Bereich vor einigen Jahren komplett umbauen lassen. Der Raum war auf absolute Effizienz und Kontrolle ausgelegt: Vier spezialisierte Kellerbereiche für Verhöre, in denen man das Schreien der Welt nach draußen nicht hören konnte. In der Mitte des Raumes stand der Meeting-Tisch, an dem zwanzig Männer Platz fanden, und an den Wänden flimmerten zehn große Bildschirme. Von hier aus konnte ich jedes meiner Lager, jeden Club und jedes Casino in der Stadt überwachen, wann immer ich wollte. Ich trat an den Tisch und ließ mich auf meinen Stuhl sinken. Während ich darauf wartete, dass Enzo und die anderen eintrafen, versuchte ich, meinen Puls zu beruhigen. Ich nahm einen Stapel Unterlagen zur Hand, die dort bereitlagen – Berichte von Ladenbesitzern, die mir noch Geld schuldeten. Ich blätterte hindurch, meine Augen lasen Zahlen und Namen, bis ich bei einem speziellen Dossier hielt. Dieser eine Besitzer würde die Konsequenzen zu spüren bekommen, um ihn musste ich mich höchstpersönlich kümmern. Aber das musste warten. Verrat stand heute ganz oben auf der Liste.
[...]
Mireya Kapitel 8
Gegenwart
Ich atmete tief durch, die Luft schmeckte metallisch, fast so, als würde meine Angst den Sauerstoff im Auto verbrauchen. Meine Hände zitterten so stark, dass ich die Strickjacke kaum richtig zuziehen konnte, aber es gelang mir. Die Jacke verdeckte den Schnitt an meinem Rücken. Ein kleiner Sieg. Ein winziger Schutzwall gegen das Monster, das da draußen wartete. Ich durfte jetzt nicht zusammenbrechen. Wenn ich das tat, würde er mich brechen. Endgültig. Mit zögerlichen Bewegungen drückte ich den Türgriff nach unten. Die Tür schwang auf, und die kalte Luft von Montreal schlug mir entgegen. Ich stieg aus, und für einen Moment fühlte ich mich völlig entblößt, trotz des Kleides und der Jacke. Die Männer, die wie schwarze Statuen um das Auto herumstanden, würdigten mich keines Blickes. Ihre Disziplin war beängstigend. Ricci stand direkt vor mir. Er hatte die Arme vor der Brust verschränkt, sein Blick scannte mich ab, von meinen nackten Beinen bis hinauf zu meinem Gesicht. Sein Blick blieb kurz an meiner Strickjacke hängen. Ein kurzes Zucken seiner Mundwinkel verriet mir, dass er wusste, warum ich sie trug. Er wusste, dass ich etwas verbarg. Doch er sagte nichts. Er genoss es einfach, mich so zu sehen: verängstigt, in einem Kleid, das er ausgesucht hatte, in einer Welt, die er kontrollierte. „Du siehst akzeptabel aus“, sagte er leise. Seine Stimme war ruhig, fast beiläufig, was sie nur noch grauenvoller machte. Er trat einen Schritt näher. Ich wich unwillkürlich zurück, doch seine Hand schoss vor und legte sich fest auf meinen Oberarm. Sein Griff war nicht schmerzhaft, aber er war ein Eigentumsbeweis. Er drückte mich sanft, aber bestimmt in Richtung des Eingangs des Rathauses. „Gehen wir, Mireya. Wir haben einen Termin.“ Ein Termin? Mein Herz setzte einen Schlag aus. Was für ein Termin in einem Rathaus? Mein Kopf begann zu rasen. Ehe? War das wirklich sein Plan? Wollte er mich hier, vor den Augen der Behörden, an sich binden? Jeder Schritt auf den Stufen des Rathauses fühlte sich an wie ein Schritt in eine Falle. Das riesige Gebäude wirkte wie ein Schlund, der uns gleich verschlingen würde. Ich versuchte, mich loszureißen, doch sein Griff wurde nur einen Hauch fester. „Nicht hier“, flüsterte er, während wir die schweren Flügeltüren passierten. „Mach keine Szene, Täubchen. Hier drin spielt die Welt nach meinen Regeln. Und wenn du nicht willst, dass ich heute Abend noch jemanden besuchen muss, der dir wichtig ist, dann benimmst du dich.“ Sein Blick war jetzt so kalt, dass ich augenblicklich erstarrte. Jemand, der mir wichtig ist. Er meinte es ernst. Er würde jeden zerstören, der mir nahestand, nur um mich zu brechen. Ich schluckte den Kloß in meinem Hals hinunter und versuchte, meine Haltung zu wahren. Wir gingen durch den langen, marmorierten Flur. Die Absätze meiner Schuhe – auch die hatte er ausgesucht – klackerten laut auf dem Boden. Ein Echo, das wie ein Countdown klang. Wir blieben vor einem der Büros stehen. Über dem Türrahmen prangte ein Schild. Standesamt. Mein Magen drehte sich um. Ich blieb stehen und wollte meine Hand aus seinem Griff ziehen, doch es war unmöglich. „Ricci, bitte nicht“, flüsterte ich, meine Stimme war kaum mehr als ein bettelndes Hauchen. „Lass mich gehen. Bitte.“ Er sah mich nicht einmal an. Er öffnete die Tür zum Büro, als wäre es das Normalste auf der Welt. „Wir sind hier, um Formalitäten zu klären, Mireya“, sagte er und sah mich nun direkt an, ein gefährliches Glitzern in den Augen. „Es ist Zeit, dass jeder weiß, wem du gehörst.“
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- Citation du texte
- Tabea Spremberg (Auteur), 2026, White Winter - Ehe aus Schnee, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1719924