Durch das Thema des letzten Semesters im Seminar Kirchengeschichte, durch die
Auseinandersetzung mit eigenen Erfahrungen und durch die Begegnung mit
couragierten Persönlichkeiten begann ich mich für die „Bekennende Kirche“ bzw. den
kirchlichen Widerstand im Dritten Reich zu interessieren. Die Zeit des
Nationalsozialismus ist ein Kapitel der Geschichte, mit dem man sich gar nicht oft und
ausführlich genug auseinandersetzen kann. So entstand meine Motivation, mich mit der
Entstehung der Bekennenden Kirche im Rahmen einer Hausarbeit zu befassen.
Um Form und Umfang dieser Arbeit zu wahren, soll sich in der Bearbeitung auf die
Jahre 1932 bis 1934 beschränkt werden. Dennoch werde ich kurz die Situation nach
1919 darstellen, um einen geeigneten Einstieg in das Thema zu finden. Auch die
Darstellungen zu den Deutschen Christen werden überblicksartig gestaltet. Etwas
ausführlicher werde ich dann die Positionen und Ziele der Bekennenden Kirche
herausarbeiten. Dadurch schlägt diese Hausarbeit einen weiten geschichtlichen Bogen
von 1919 bis 1934. Dies kann nur gelingen, indem gekürzt und gestrafft wird.
Es kann in dieser Arbeit nicht darum gehen, die Wandlung der evangelischen
Theologie in der Zeit von 1919 bis 1933/34 ausführlich zu behandeln, obwohl es für das
Verständnis der Differenz zwischen Deutschen Christen und Bekennender Kirche
hilfreich wäre; dieses Thema bedarf jedoch einer eigenständigen Hausarbeit.
Für die Ausarbeitung einiger Passagen, besonders zur Vorgeschichte und zu den
Deutschen Christen, stütze ich mich insbesondere auf Scholder1, da ich dieses
zweibändige Werk für äußerst informativ, reichhaltig und für die Bearbeitung dieses
Themas nicht zuletzt wegen seines Umfangs sehr geeignet halte.
1 Scholder 1980 und Scholder 1985
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1. SITUATION NACH 1919
2. DIE DEUTSCHEN CHRISTEN
3. DIE BEKENNENDE KIRCHE
4. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Formierung der Bekennenden Kirche im Kontext des kirchenpolitischen Widerstands gegen die Ideologie der "Deutschen Christen" in den Jahren 1932 bis 1934 und analysiert dabei die historischen sowie theologischen Hintergründe dieser Auseinandersetzung.
- Historische Einordnung des deutschen Protestantismus nach 1919
- Die Entstehung und Zielsetzung der Glaubensbewegung "Deutsche Christen"
- Der Widerstand kirchlicher Gruppierungen und die Gründung der Bekennenden Kirche
- Bedeutung und theologischer Gehalt der Barmer Theologischen Erklärung
Auszug aus dem Buch
3. Die Bekennende Kirche
Zunächst zog sich die kirchliche Opposition, namentlich die Jungreformatorische Bewegung, nach der verlorenen Kirchenwahl vom 23. Juli 1933 aus der Kirchenpolitik zurück. Die Mitglieder dieser Bewegung konzentrierten sich einstweilen auf neue Aufgaben, so die gemeindliche Sammlung ihrer Anhänger und die Klärung eines eigenen theologischen Standpunktes. Diese Aktivitäten waren auf einen längeren Zeitraum hin ausgelegt, doch plötzlich sah man sich nach der preußischen Generalsynode durch die drohende Einführung des „Arierparagraphen“ in die Kirche zum Handeln gezwungen. Innerhalb einer Woche kam es daraufhin am 11. September 1933 zur Gründung des „Pfarrernotbundes“, eines Zusammenschlusses aller bekenntnistreuen Pfarrer der gesamten Deutschen Evangelischen Kirche. Zunächst wurde Friedrich von Bodelschwingh die Leitungsfunktion zugedacht, später (am 21.9.1933) übernahm Martin Niemöller diese Rolle. Die Angehörigen des Pfarrernotbundes unterschrieben eine Verpflichtungserklärung, nach der sie ihr Handeln allein an der Schrift und den reformatorischen Bekenntnissen auszurichten und gegen Verletzungen der Bekenntnisse zu protestieren hatten. Der Arierparagraph wird hier wörtlich als eine solche Verletzung des Bekenntnisstandes genannt.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Arbeit motiviert das Interesse an der Bekennenden Kirche und grenzt den zeitlichen Rahmen der Untersuchung auf die Jahre 1932 bis 1934 ein.
1. SITUATION NACH 1919: Dieses Kapitel skizziert die verfassungsrechtlichen und kirchlichen Neuordnungen im deutschen Protestantismus nach dem Ersten Weltkrieg.
2. DIE DEUTSCHEN CHRISTEN: Hier wird die Formierung und ideologische Ausrichtung der Glaubensbewegung "Deutsche Christen" im Spannungsfeld von NSDAP und Kirche beschrieben.
3. DIE BEKENNENDE KIRCHE: Der Abschnitt erläutert die Entstehung des innerkirchlichen Widerstands, die Gründung des Pfarrernotbundes und die Bedeutung der Bekenntnissynode von Barmen.
4. ZUSAMMENFASSUNG: Die Ergebnisse werden reflektiert und die bleibende Bedeutung der Bekennenden Kirche sowie deren Widerstand gegen die Gleichschaltung kritisch gewürdigt.
Schlüsselwörter
Bekennende Kirche, Deutsche Christen, Kirchenkampf, Nationalsozialismus, Barmer Theologische Erklärung, Arierparagraph, Pfarrernotbund, Reichskirche, Gleichschaltung, Kirchenwahlen, Martin Niemöller, Kirchengeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und Entwicklung der Bekennenden Kirche im Dritten Reich als kirchliche Gegenbewegung zu den "Deutschen Christen".
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die politische Instrumentalisierung der Kirche, die Auseinandersetzung um konfessionelle Identität und die theologischen Grundsatzfragen jener Zeit.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den historischen Prozess des Widerstands innerhalb der evangelischen Kirche zwischen 1932 und 1934 nachvollziehbar und transparent darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es handelt sich um eine kirchengeschichtliche Untersuchung, die auf der Analyse zeitgenössischer Dokumente und fachwissenschaftlicher Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der deutschen Kirchenlage nach 1919, die Ideologie der "Deutschen Christen" und die organisatorische Formierung der Bekennenden Kirche.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Kirchenkampf, Bekenntnis, Gleichschaltung und nationalsozialistische Einflussnahme auf die Kirche beschreiben.
Welche Rolle spielte der "Arierparagraph" für die Kirchenopposition?
Er fungierte als Auslöser für den organisierten Widerstand, da er als direkter Angriff auf das Bekenntnisverständnis und die Autonomie der Kirche gewertet wurde.
Inwiefern beeinflusste die NSDAP die Entwicklung der "Deutschen Christen"?
Die NSDAP leistete den "Deutschen Christen" aktive Unterstützung, besonders durch die Mobilisierung bei Kirchenwahlen, auch wenn eine offizielle Eingliederung zunächst vermieden wurde.
- Quote paper
- Robert Stenzel (Author), 2003, Die Formierung der Bekennenden Kirche im Kampf gegen Deutschchristliche Positionen - Der evangelische Kirchenkampf 1933-34, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17211