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Erziehungs- und Bildungsgedanken in Goethes "Wilhelm Meisters Wanderjahre" am Beispiel der pädagogischen Provinz

Titel: Erziehungs- und Bildungsgedanken in Goethes "Wilhelm Meisters Wanderjahre" am Beispiel der pädagogischen Provinz

Bachelorarbeit , 2011 , 38 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Anna Wertenbruch (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Ich kann mich rühmen, dass keine Zeile drinnen steht, die nicht gefühlt oder gedacht wäre. Der echte Leser wird das alles schon wieder heraus fühlen und denken.“
Mit diesem Zitat kommentiert Goethe seinen Roman Wilhelm Meisters Wanderjahre rückblickend und weist darauf hin, dass die Wanderjahre einer genauen und detaillier-ten Analyse bedürfen. Durch den gemeinsamen Titelhelden ist das Werk mit seinem Vorgänger, den Lehrjahren, verbunden. Jedoch ist Wilhelm Meister in den
Wanderjahren nicht mehr der Mittelpunkt der Handlung und macht sich – nachdem er in den Lehrjahren Vater geworden ist – über die Bildung seines Sohnes Felix Gedan-ken. Schon zu Ende der Lehrjahre hatte die klassische Idee der universellen Ausbildung des begabten Individuums durch Jarno, dem späteren Montan, einem neuen Ideal, das der Gesellschaft dient, Platz gemacht. Die individuelle Bildung sollte nur noch als Vor-stufe gelten, bevor sich der Einzelne spezialisiert. Wie diese Beschränkung genau statt-finden sollte, erklärt Jarno jedoch in den Lehrjahren nicht. Die Wanderjahre knüpfen an das Geschehen der Lehrjahre an und konkretisieren die bereits vorgezeichnete Entwick-lung Wilhelms. Um die Ausgangsbasis der pädagogischen Diskussion zu verdeutlichen, beginnt der Roman mit der Kritik des früheren universellen Bildungsmodells. Bereits zu Beginn werden durch das Frage-Antwort-Spiel von Felix und Wilhelm die Grenzen der Universalbildung thematisiert und Montan spricht sich für die Spezialisierung aus.
Wilhelm wird im Verlauf der Handlung zu einem Erziehungsinstitut, der pädagogischen Provinz, geführt, in der er schließlich seinen Sohn erziehen lässt.
Wie sich herausstellen wird, diskutiert der Roman die Rolle und Aufgabe von Erziehung bzw. Bildung im Prozess einer gesellschaftlichen Modernisierung. Daher ist es für das Verständnis des Werkes wichtig, die Entstehungsgeschichte aus historischer Perspektive zu betrachten. Dabei konzentriert sich die Arbeit auf mögliche pädagogische Anregungen und Quellen Goethes, bevor die Darstellung und das Erziehungskonzept der pädagogischen Provinz analysiert werden. Abschließend wird die Ernsthaftigkeit der Erziehungsstätte geprüft, indem die Ironisierung und der utopische Gehalt der Romananstalt untersucht werden, so dass im Folgenden die in der pädagogischen Provinz enthaltenen Erziehungs- und Bildungsgedanken herausgestellt werden können.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Pädagogik im Epochenumbruch 18./19. Jahrhundert

3 Die pädagogische Provinz in Wilhelm Meisters Wanderjahre

3.1 Entstehungsgeschichte

3.2 Das ‚äußere‘ Bild

3.3 Das Erziehungskonzept

3.3.1 Das erzieherische Verständnis

3.3.2 Ehrfurcht und Religion als zu vermittelnde Motive

3.3.3 Die Ironisierung des Erziehungskonzepts

3.4 Die pädagogischen Provinz als eine „Art von Utopien“

4 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die in Goethes Roman "Wilhelm Meisters Wanderjahre" dargestellte Erziehungs- und Bildungsthematik, wobei der Fokus gezielt auf der sogenannten „pädagogischen Provinz“ liegt. Ziel ist es, die historischen Anregungen des Autors sowie die spezifische Ausgestaltung dieses Erziehungskonzepts zu analysieren und dabei die kritische, ironische sowie utopische Dimension der Romananstalt zu hinterfragen.

  • Historischer Kontext der Pädagogik um 1800
  • Analyse der Entstehungsgeschichte der "pädagogischen Provinz"
  • Untersuchung des Erziehungskonzepts, insbesondere der Ehrfurchtslehre
  • Reflexion über die Ironisierung des Bildungsmodells und den Utopiegehalt

Auszug aus dem Buch

Die pädagogische Provinz als eine „Art von Utopien“

Die pädagogische Provinz wird durch den Bericht von Lenardo, noch bevor sie im Einzelnen geschildert und ausgemalt wird, als eine Einrichtung beschrieben, die zwar realistisch erscheint, aber in der Art in der Wirklichkeit nicht vorkommen würde. Damit charakterisiert Lenardo die pädagogische Provinz als eine utopische Anstalt. Allerdings ist von einem oberflächlichen Lesen dieser Bemerkung und einer vorschnellen Etikettierung der Institution als Utopie aufgrund der Bemerkung Lenardos abzuraten. In Goethes Werk darf nämlich nicht alles, was den Romanfiguren in den Mund gelegt wird, ohne Skepsis und ironische Distanz betrachtet werden.

Goethe klärte die Interpretation der Erziehungsanstalt und der damit verbundenen Frage nach ihrer Ernsthaftigkeit bzw. ihrem Utopiegehalt zwar nie auf, gab aber Hinweise zum Verständnis der Romaninstitution. Neben den Parallelen der pädagogischen Provinz mit Fellenbergs Institut in Hofwil weist die Erziehungsstätte auch im Roman realistische Züge auf, denn Felix und Montan treffen im Handlungsverlauf in der Anstalt ein und klassifizieren die Örtlichkeiten der Erziehungsstätte somit als einen wirklichkeitsnahen Schauplatz des Romans.

Dieser zweifellose Zusammenhang mit der Anstalt in Hofwil und die durchaus realistische Aufnahme der Provinz als Schauplatz im Roman beweisen, dass der Anstalt mehr als eine utopische Bedeutung zukommt. Des Weiteren wird Lenardos Ausspruch bei genauerem Lesen relativiert und somit die Frage nach dem utopischen Gehalt der Provinz weiter in der Schwebe gehalten, da die Romanfigur die Anstalt gar nicht kennt, sondern nur Gehörtes wiedergibt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Rolle der pädagogischen Provinz im Roman sowie die historische Relevanz des Bildungsprozesses.

2 Die Pädagogik im Epochenumbruch 18./19. Jahrhundert: Das Kapitel beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel sowie die pädagogischen Debatten dieser Ära, insbesondere den Ruf nach Institutionalisierung und Spezialisierung.

3 Die pädagogische Provinz in Wilhelm Meisters Wanderjahre: Dieser Hauptteil analysiert die Entstehung, das äußere Erscheinungsbild, die erzieherischen Konzepte, die Rolle der Ehrfurcht und Religion sowie die ironische Distanz innerhalb der pädagogischen Institution.

4 Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und betont den Charakter der pädagogischen Provinz als ein komplexes literarisches Gebilde zwischen Ideal und Wirklichkeit.

Schlüsselwörter

Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre, Pädagogische Provinz, Erziehungskonzept, Ehrfurchtslehre, Bildung, Spezialisierung, Individualität, Gemeinschaft, Ironie, Utopie, Romananalyse, Gesellschaftliche Modernisierung, Lehrmethoden, Philanthropismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit widmet sich den Erziehungs- und Bildungsgedanken, die Johann Wolfgang von Goethe in seinem Roman "Wilhelm Meisters Wanderjahre" anhand der fiktiven Institution der „pädagogischen Provinz“ thematisiert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Felder sind die historische Verortung der Pädagogik um 1800, das spezifische Erziehungskonzept des Romans, die Rolle von Religion und Ehrfurcht sowie die kritische Reflexion des Utopiegehalts dieser Bildungsstätte.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, das Konzept der pädagogischen Provinz nicht als starres Modell zu verstehen, sondern seine Funktion als literarisches Werkzeug zu analysieren, das zur Auseinandersetzung mit Bildung und Gesellschaft anregen soll.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit folgt einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die den Romantext mit historischen Quellen (etwa Fellenbergs Institut in Hofwil) sowie zeitgenössischen und modernen pädagogischen Fachdebatten in Beziehung setzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Entstehungsgeschichte, der strukturellen Gliederung der Provinz, der Vermittlung von Werten durch die Ehrfurchtslehre und die kritische Beleuchtung des Erziehungserfolgs anhand der Figur des Felix.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind neben dem Autor und dem Werk insbesondere die Begriffe Bildung, Erziehungskonzept, Ehrfurcht, Individualität, Gemeinschaft, Spezialisierung und Ironie.

Welche Rolle spielt der Charakter Felix für das Verständnis der Provinz?

Felix dient im Roman als eine Art "Korrektiv", dessen Unbelehrbarkeit und jugendliche Vitalität das starre und normierte Erziehungssystem der pädagogischen Provinz ironisiert und in Frage stellt.

Wie ist die „Ehrfurchtslehre“ in der pädagogischen Provinz strukturiert?

Sie ist in einer dreifachen, später vierfachen Struktur organisiert: Ehrfurcht vor dem, was über, unter und neben uns ist, sowie die abschließende vierte Form der Ehrfurcht vor sich selbst, die als höchste Stufe gilt.

Warum wird die pädagogische Provinz auch als Utopie bezeichnet?

Der Begriff fällt im Roman durch die Figur Lenardo, doch die Arbeit warnt davor, die Anstalt als reine Utopie zu missverstehen, da sie poetisch-literarisch gestaltet ist und nicht als direkt anwendbares pädagogisches Modell fungieren soll.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Erziehungs- und Bildungsgedanken in Goethes "Wilhelm Meisters Wanderjahre" am Beispiel der pädagogischen Provinz
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistisches Institut)
Note
1,7
Autor
Anna Wertenbruch (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
38
Katalognummer
V172135
ISBN (eBook)
9783640918928
ISBN (Buch)
9783640918652
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erziehungs- bildungsgedanken goethes wilhelm meisters wanderjahre beispiel provinz
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anna Wertenbruch (Autor:in), 2011, Erziehungs- und Bildungsgedanken in Goethes "Wilhelm Meisters Wanderjahre" am Beispiel der pädagogischen Provinz , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172135
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Leseprobe aus  38  Seiten
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