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Koevolution von Organisation und Management II

Title: Koevolution von Organisation und Management II

Diploma Thesis , 2001 , 88 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Marion Flötotto (Author)

Sociology - Work, Education, Organisation
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Wir schließen an den ersten Teil von Koevolution von Organisation und Management an. Dort haben wir nach den funktionalen Äquivalenten für die Erfordernisse des Managements, sich in die Organisation einzunisten, gefragt. Nun beleuchten wir die andere Seite dieser Koevolution.

Management nistet sich parasitär in die Paradoxien der Organisation ein. Wir suchen nach diesen Paradoxien und nach funktionalen Äquivalenten auf Seiten des Managements, um den gemeinsamen Lock-In aus heroischem Management und pseudo-rational blinder Organisation auch von dieser Seite zu lösen.

Es wird aus der Perspektive der Viabilität der Organisation geschrieben. Die Organisation wird als unter Selektionsdruck stehend beschrieben. Dieser wird als sich aufgrund der Umweltveränderung auf die Ebene der Wahrnehmung- und Lernfähigkeit verschiebend beobachtet.

Jedoch ist die gesamte organisationale Perepherie auf die von der Gesellschaft delegierte Aufgabe der „Unbestimmtheitsabsorption“ zur Entscheidung von Unentscheidbarem innerhalb der Organisation ausgerichtet, was der Flexibilität der organisationalen Wirklichkeitsattraktoren entgegensteht.

Die undurchschaubare Differenz psychischer und sozialer Operationen kristallisiert sich an der Stelle des Managements auf doppelte Weise. Es ist am empfindlichsten Lebensnerv der Organisation spezialisiert und zuständig für die

Ungewißheitsabsorption, und es ist die Adresse für Karriere auf Seiten der Individuen und damit strukturell der Nukleus opportunistischer Präferenzen.

Daraus folgt die Paradoxie, daß das Management, welches die Organisation intern aufsteigen läßt, die Organisation als Ganzes auf Dauer absteigen läßt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

I. Einführung

I.1. Problemstellung

I.2. Methodische Grundlagen

I.3. Interpenetration

I.4. Rekursivität

I.5. Soziologische Perspektive und ökonomisches Economizing

I.6. Praxisrelevante Abstraktion

II. Organisation und Entscheidung

II.1. Die doppelte Schließung

II.2. (Un)Sicherheitsabsorption

II.3. Verpackungen

II.4. Zeitverhältnisse

II.5. Rationalität als Self-fullfilling prophecy

III. Die Ökologie der Entscheidung

III.1. Psychische Systeme

III.2. Wahrnehmung und Kommunikation

III.3. Wahrnehmung und Wirklichkeit

III.4. Mitgliedschaft und Karriere

III.5. Kleiner Schluß

IV. Funktionale Äquivalente

IV.1. Notwendig Unmöglich Kontingenzwahrnehmung

IV.2. Operation Beobachtung Ambivalenztstoleranz

IV.3. Management Mitarbeiter Identitätstoleranz

IV.4. Kontrolle Abhängigkeit Abhängigkeitstoleranz

IV.5. Entscheidung als sozialer Rechenprozess

V. Resümee triesierung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die paradoxe Rolle des Managements innerhalb von Organisationen, wobei insbesondere die Koevolution von Organisation und Management unter systemtheoretischen Gesichtspunkten beleuchtet wird. Das zentrale Ziel ist es, die Schließungsdynamik der Organisation zu analysieren und aufzuzeigen, wie Management "parasitär" in Paradoxien nistet, um Unsicherheiten zu absorbieren. Dabei wird hinterfragt, ob das heroische Managementmodell noch funktional für Organisationen in turbulenten Umwelten ist oder ob neue, postheroische Lösungswege erforderlich sind.

  • Systemtheoretische Analyse von Organisationen als autopoietische soziale Systeme
  • Untersuchung der Schnittstelle zwischen psychischen Systemen (Individuen) und sozialen Systemen (Organisation)
  • Problematisierung der Unsicherheits- und Unbestimmtheitsabsorption durch das Management
  • Erforschung funktionaler Äquivalente für ein postheroisches Management
  • Kritische Reflexion der Karriere als Integrationsmodus im Zeitalter der Organisation

Auszug aus dem Buch

Die Schließungsdynamik der Organisation

Das zentrale Problem, mit dem sich diese Arbeit auseinandersetzt, besteht daher in der Schließungsdynamik der Organisation. Die Organisation wird als „soziales System“ verstanden, das sich kommunikativ reproduziert und daher auf „Wahrnehmung“ nur in ihrer eigenen Umwelt, konkret: in den sich an der Organisation beteiligenden psychischen Systemen, zurückgreifen kann. Die Wahrnehmung psychischer Systeme (Manager wie Mitarbeiter) befindet sich daher grundsätzlich in der Situation inkludierter Exklusion: Sie wird als ausgeschlossene wieder eingeschlossen, das heißt in ihrem Ausschluß und ihrem Einschluß (in ihrer Demotivierung und in ihrer Remotivierung, wie die Linguistik sagt) durch die Organisation konditioniert.

Daraus ergibt sich die brisante Situation, daß nur die Organisation ein Problem lösen kann, das sie selbst schafft. Das Stichwort der „Koevolution“, das der Arbeit ihren Titel gibt, reagiert auf genau diese Problemstellung. Gesagt ist damit, daß die Organisation nicht etwa in der Situation ist, über Einschluß und Ausschluß von Wahrnehmung zu entscheiden, sondern in der Situation ist, die koevolutionär gefundenen Zustände hinzunehmen, ohne wissen zu können, wie sie zustande gekommen sind, ja ohne wissen zu können, daß es sich dabei überhaupt um beschreibbare Zustände handelt.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einführung: Das Kapitel führt in die Perspektive der funktionalen Äquivalente auf die Gesellschaft ein und definiert das methodische Vorgehen unter Einbeziehung der systemtheoretischen Ansätze von Niklas Luhmann.

II. Organisation und Entscheidung: Hier wird die Organisation als operativ geschlossenes soziales System beschrieben, dessen basale Einheit die Entscheidung ist, und der Mechanismus der Unsicherheitsabsorption kritisch hinterfragt.

III. Die Ökologie der Entscheidung: Dieses Kapitel analysiert das Zusammenspiel von psychischen Systemen, individueller Wahrnehmung und sozialer Kommunikation sowie die Rolle des Managements bei der Konstruktion organisationaler Wirklichkeit.

IV. Funktionale Äquivalente: Die Arbeit diskutiert hier spezifische Interventionsmöglichkeiten, um das bisherige heroische Management durch postheroische Ansätze zu ersetzen, die auf Kontingenz- und Identitätstoleranz basieren.

V. Resümee triesierung: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass die Analyse nicht auf absolute Wahrheiten zielt, sondern Unterschiede aufzeigt, die für ein Verständnis organisationaler Dynamiken relevant sind.

Schlüsselwörter

Organisation, Management, Systemtheorie, Koevolution, Unsicherheitsabsorption, Autopoiesis, Kommunikation, Wahrnehmung, Paradoxie, Postheroisches Management, Kontingenz, Entscheidung, Identität, Soziale Systeme, Funktionalanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die systemtheoretische Untersuchung der wechselseitigen Entwicklung (Koevolution) von Organisationen und dem Management, insbesondere im Hinblick auf deren Umgang mit Unsicherheit und Paradoxien.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themenfelder sind die soziologische Systemtheorie, die autopoietische Reproduktion sozialer Systeme, die Rolle des Managements als "Parasit" in organisationalen Paradoxien sowie die Suche nach postheroischen Management-Alternativen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, das heroische Managementmodell als historisch gewachsene, aber zunehmend dysfunktionale Antwort auf organisationale Probleme zu demaskieren und durch eine "viabilitätsorientierte" Analyse Ansätze für ein zukunftsfähiges Management aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die soziologische Systemtheorie, insbesondere das Instrumentarium von Niklas Luhmann und den Äquivalenzfunktionalismus, um organisationale Phänomene als kontingente und veränderbare Strukturen zu begreifen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Schließungsdynamik der Organisation, die Mechanismen der Unsicherheitsabsorption durch "Verpackungen", die Rolle von Zeitverhältnissen bei Entscheidungen und die Bedeutung von "Toleranzen" (wie Kontingenz- und Identitätstoleranz) für das Management der Zukunft detailliert analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Systemtheorie, Koevolution, Autopoiesis, Unsicherheitsabsorption, Kontingenz und postheroisches Management beschreiben.

Warum ist die Unterscheidung zwischen psychischen und sozialen Systemen so wichtig?

Sie ist entscheidend, weil die Organisation als soziales System zwar Kommunikation produziert, aber auf die Wahrnehmungen psychischer Systeme (Individuen) angewiesen ist, diese jedoch nicht direkt kontrollieren kann. Diese "Schnittstellenproblematik" ist der Engpass, den das Management bisher durch "parasitäre" Mechanismen zu überbrücken versucht.

Was bedeutet der Begriff "heroisches Management" im Kontext der Arbeit?

Das heroische Management bezeichnet ein klassisches, oft auf Souveränitätsgesten basierendes Führungsverständnis, das versucht, Unbestimmtheit durch eine (Schein-)Rationalität zu überdecken und die Organisation in eine vorab definierte Zukunft zu "steuern", was jedoch die tatsächliche Komplexität ignoriert.

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Details

Title
Koevolution von Organisation und Management II
College
University Witten/Herdecke  (Institut für Unternehmenskultur)
Grade
1,0
Author
Marion Flötotto (Author)
Publication Year
2001
Pages
88
Catalog Number
V17217
ISBN (eBook)
9783638218405
Language
German
Tags
Koevolution Organisation Management
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marion Flötotto (Author), 2001, Koevolution von Organisation und Management II, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17217
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