„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.“ Der Schlachtruf der französischen Revolution. Dass das Wort „Freiheit“ darin vorkommt ist keine Besonderheit. Im Namen der Freiheit wurden im Laufe der Geschichte viele Revolutionen und Kriege ausgerufen. Diese Revolutionen und Kriege gingen meistens gegen Regierungs- bzw. Staatsformen. Somit scheint die Freiheit eng mit der Politik verknüpft zu sein. Und oft scheint die Freiheit von der Politik unterdrückt zu werden, eine wahrscheinliche Tatsache, die bei den Menschen Widerwille hervorruft. War es schon immer so und sind dies wahre Tatsachen? Wenn ja, warum und wie kann man den Freiheitswunsch des Menschen mit der Gesellschaft, die doch eine Staatsform nötig macht, vereinen?
Mit all diesen Fragen hat sich schon einer der wichtigsten Denker der Neuzeit beschäftigt, Jean-Jacques Rousseau. Kaum einer hat wie er sein Lebensgefühl mit dem Denken verbunden und zum Ausdruck gebracht. Obwohl er bürgerlich aufgewachsen war, zog er das Leben in der Natur vor. Er litt unter den Zwängen der Gesellschaft und beschäftigte sich daher intensiv mit ihr.
Rousseau glaubte die Gründe für das Elend der Menschheit in der Gesellschaft und in der vorherrschenden Politik gefunden zu haben und stellte Theorien vor, die revolutionär wurden. Seine drei wichtigsten Theorien sind:
1. Im Naturzustand war der Mensch frei
2. Der bürgerliche Mensch ist unfrei
3. Da der Mensch nicht mehr in den Naturzustand zurückkehren kann, muss sich die Gesellschaft ändern um frei zu werden – Lösung: Der Gesellschaftsvertrag.
Ich habe mich mit seinen drei Haupttheorien unter dem Aspekt der Freiheit auseinander gesetzt und werde sie im Folgenden chronologisch darstellen sowie diskutieren.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Freiheit beim Naturmenschen
a.) Freiheit von Natur gegeben
b.) Glück, Gleichheit und Gerechtigkeit
III. Unfreiheit beim bürgerlichen Menschen
a.) Unfreiheit durch die Gesellschaft und Gesetzen
b.) Unfreiheit durch Herrschaft
IV. Freiheit durch den Gesellschaftsvertrag
V. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Rousseaus Freiheitsbegriff im Kontext der Entwicklung vom Naturzustand hin zur bürgerlichen Gesellschaft. Das Hauptziel besteht darin, Rousseaus These, dass der Mensch von Natur aus frei ist, die Gesellschaft ihn jedoch in Ketten legt, kritisch anhand seiner theoretischen Konzepte darzustellen und zu diskutieren.
- Die Freiheit des Naturmenschen und die Rolle natürlicher Triebe
- Die Entstehung von Unfreiheit durch soziale Strukturen und gesellschaftliche Abhängigkeiten
- Der Einfluss von Eigentum und Moralvorstellungen auf die menschliche Freiheit
- Das Konzept des Gesellschaftsvertrags als Lösungsansatz für bürgerliche Unfreiheit
Auszug aus dem Buch
Freiheit beim Naturmenschen
Der Ursprung der Menschheit liegt in der Natur. Hier begann unsere Lebensgeschichte. Es herrschte schon immer ein Unterschied zwischen den Tieren und den Menschen. Während die Tiere ihrem Instinkt unterworfen und somit unfrei sind, besitzt der Mensch einen Verstand und einen Willen. Somit war ihm die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen und dem entsprechend zu handeln, gegeben.
Da es im Naturzustand noch kein Eigentum im heutigen Sinne gab, konnte der Mensch alles nutzen, was er wollte und brauchte. Er war ein Einzelgänger und kannte keine Gemeinschaften. Somit musste er keine Rücksicht auf jemanden nehmen und war somit in seinen Handlungen nicht eingeschränkt. Auch hatte er keine Moralvorstellung, was gut und was böse bedeutet. Somit schränkte ihn noch nicht einmal sein Gewissen in irgendeiner Weise ein.
Rousseau gibt jedoch zu, dass der Mensch nicht absolut frei war. Seine Handlungsfähigkeit wurde von seinem körperlichen Können eingeschränkt. Wenn er hätte fliegen wollen, so hätte er es nicht gekonnt. Wenn er schneller laufen wollte als der Leopard, so hätte er es auch nicht gekonnt. Doch solche „Wünsche“ besaß der Mensch gar nicht. Somit ist diese Einschränkung nicht von Bedeutung. Es genügte dem Menschen, wenn seine zwei Triebe gestillt werden, der Selbsterhaltungstrieb und der Fortpflanzungstrieb.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik von Freiheit und gesellschaftlichen Zwängen bei Jean-Jacques Rousseau ein und formuliert die drei zentralen Thesen des Autors zum Naturzustand, dem bürgerlichen Menschen und dem Gesellschaftsvertrag.
II. Freiheit beim Naturmenschen: Das Kapitel analysiert den Naturzustand, in dem der Mensch aufgrund fehlender gesellschaftlicher Bindungen und Eigentumsverhältnisse als frei und durch Triebe geleitet beschrieben wird.
III. Unfreiheit beim bürgerlichen Menschen: Hier wird dargelegt, wie die Entstehung von Sprache, Eigentum, moralischen Geboten und hierarchischen Herrschaftsstrukturen zu einer dauerhaften Abhängigkeit und Unfreiheit des modernen Menschen führt.
IV. Freiheit durch den Gesellschaftsvertrag: In diesem Abschnitt wird erläutert, wie Rousseau den Gesellschaftsvertrag als Instrument vorschlägt, um durch den Gemeinwillen eine neue Form der bürgerlichen Freiheit innerhalb staatlicher Ordnungen zu begründen.
V. Schlussbemerkung: Der Autor reflektiert kritisch über Rousseaus Idealzustand, vergleicht ihn mit der heutigen Demokratie und hinterfragt die Umsetzbarkeit der Überwindung gesellschaftlicher Normen zugunsten individueller Freiheit.
Schlüsselwörter
Jean-Jacques Rousseau, Freiheitsbegriff, Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, bürgerliche Freiheit, Unfreiheit, Gemeinwille, Eigentum, Zivilisation, Naturmensch, Gesellschaft, politische Theorie, Individualität, Unterdrückung, Herrschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das philosophische Konzept der Freiheit bei Jean-Jacques Rousseau und wie sich diese vom ursprünglichen Naturzustand bis in die bürgerliche Gesellschaft verändert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die menschliche Natur, der Einfluss von Gesellschaft und Eigentum auf das Individuum sowie die Möglichkeiten von Freiheit in einem politischen System.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entwicklung der menschlichen Freiheit bei Rousseau chronologisch darzustellen und zu diskutieren, ob der "Gesellschaftsvertrag" tatsächlich ein Mittel zur Wiedererlangung der Freiheit darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt einer philosophischen Textanalyse der Hauptwerke Rousseaus, ergänzt durch eine kritische Diskussion unter Einbeziehung von Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Naturmenschen, die Analyse der Ursachen für die Unfreiheit in der Gesellschaft sowie die Erläuterung der Lösungsansätze mittels eines Gesellschaftsvertrags.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Freiheit, Naturzustand, Rousseau, Gesellschaftsvertrag, Gemeinwille, Unfreiheit und soziale Gerechtigkeit.
Warum betrachtet Rousseau den bürgerlichen Menschen als unfrei?
Weil der bürgerliche Mensch durch künstliche Bedürfnisse, Privateigentum und soziale Normen in Abhängigkeiten gerät, die seine natürliche Freiheit ersticken.
Wie definiert Rousseau den "Gesellschaftsvertrag"?
Als eine Vereinbarung, bei der Individuen ihre natürliche Freiheit gegen eine bürgerliche Freiheit eintauschen, wobei sie sich dem selbstgewählten Gemeinwillen unterordnen, um als Teil des Ganzen frei zu bleiben.
Ist der Naturmensch laut der Arbeit komplett frei?
Rousseau beschreibt ihn als frei, da er nicht durch gesellschaftliche Zwänge oder Eigentumsansprüche fremdbestimmt ist, erkennt jedoch an, dass er physischen Grenzen der Natur unterliegt.
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- Nicole Lenz (Author), 2006, Rousseaus Freiheitsbegriff, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172180