Gehorsam bis zum Tod - Das Selbstbewusstsein und Todesverständnis Jesu


Hausarbeit, 2007

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Gedanken

2. Jesu Selbstbewusstsein
2.1 Jesu Gottesbild
2.1.1 Die Botschaft von der Gottesherrschaft
2.1.2 Das besondere Gottesverhältnis
2.2 Jesu Anspruch
2.2.1 Jesu Sendungsanspruch
2.2.2 Christologische Hoheitstitel
2.2.3 Pro-Existenz im Leben Jesu

3. Jesu Todesverständnis
3.1 Die letzten Tage in Jerusalem
3.1.1 Der sich zuspitzende Konflikt
3.1.2 Jesu Wissen um seinen bevorstehenden Tod
3.2 Jesu Selbstverständnis des Kreuzes
3.2.1 Die absolute Krise
3.2.2 Jesu Tod im Kontext seiner Botschaft
3.3 Todesdeutungen

4. Der nachösterliche Christus
4.1 Kreuz und Auferstehung
4.2 Darf der Christus den Kreuzestod sterben? - Christologische Denkmuster
4.3 Christologie heute

5. Fazit - Gehorsam bis zum Tod

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitende Gedanken

Wer war dieser Jesus von Nazareth? Warum hat Gott sich gerade in diesem Galiläer geoffenbart? Wie hat Jesus sich, sein Leben und seinen Tod selber verstanden? Diesen Fragen soll in dieser Arbeit nachgegangen werden, in der Erwartung, näher zu Jesus selbst vorzudringen und das Unfassbare, dass Gott selbst in ihm Mensch geworden ist, ein Stück weit besser zu begreifen.

Auch wenn eigentlich nicht Jesu Botschaft von der Gottesherrschaft behandelt wer- den soll, so ist doch eine knappe Darstellung dieses zentralen Themas Jesu notwen- dig, denn Jesus und seine Botschaft lassen sich nicht getrennt voneinander betrach- ten. Es soll jedoch vorwiegend um die Aspekte gehen, die sein Selbstbewusstsein prägen.

Nach Meinung einiger Theologen ist der Begriff „Selbstbewusstsein“ für eine theologische Rückfrage nach der Person Jesu zu vermeiden, so sagt Merklein, dass dieser Ausdruck zu psychologischen Assoziationen verleite und deshalb lieber vom Selbstverständnis Jesu gesprochen werden sollte.1 Gnilka bevorzugt auch aus diesem Grund den Ausdruck „Sendungsautorität“.2 Im Verlauf dieser Arbeit wird jedoch trotzdem der Begriff „Selbstbewusstsein“ Jesu verwendet, mit dem Hinweis, diesen nicht in psychologischer Hinsicht zu verstehen.

2. Jesu Selbstbewusstsein

2.1 Jesu Gottesbild

2.1.1 Die Botschaft von der Gottesherrschaft

Die Botschaft von der [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] bildet das zentrale Thema der Verkündigung Jesu, laut Kessler sei es im Grunde genommen sogar das einzige Thema seines Auf- tretens.3 Es stellt sich die Frage, wie Jesus zu seinem einzigartigen Verständnis von der Herrschaft Gottes4 kam.

Im zeitgenössischen Judentum war die Hoffnung auf ein baldiges Kommen Gottes als König/Herrscher nicht neu, jedoch war der Begriff der „Gottesherrschaft“ in diesen eschatologischen Zusammenhängen selten und marginal.5

Überhaupt keine Bedeutung hat der Ausdruck der Gottesherrschaft bei Johannes dem Täufer, bei dem es einzig um das drohende Zorngericht Gottes geht. Weil dieses Gericht unmittelbar bevorsteht („Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt“ Lk 3,9), fordert er zur Taufe und zur radikalen Umkehr auf. So ließ sich auch Jesus wie viele andere taufen (Vgl. Mt 3,13-17; Mk 1,9-11; Lk 3,21f) und war von der Bot- schaft des Täufers ergriffen.

Schürmann meint, Jesus habe schon gewusst, dass die Mission des Johannes scheitern würde, und bereits sein ureigenes Bild von der Basileia Gottes gehabt, als er zum Jordan kam. Dieses Verständnis sei sicherlich durch sein jüdisches Glaubensleben geprägt worden, aber vorrangig sei es von seinen bisherigen Gotteserfahrungen mit dem Gott, den er Abba nennt, bestimmt worden.6

So verlässt Jesus die Wüste und greift die Gerichtspredigt nicht auf, sondern verkündet das kommende Reich Gottes mit dem unermesslichen Heil für die Menschen. Dieses trotz der nicht gelungenen Sammlung und Umkehr Israels. Das scheint auf den ersten Blick paradox, jedoch verdeutlicht z.B. das Logion „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“ (Lk 10,18), dass Jesus die Gewissheit hat, dass das Böse im Himmel durch Gott schon besiegt ist und es so auch auf Erden geschehen wird. Somit hat er im Gegensatz zu Johannes keine bis zum äußersten gespannte Nächsterwartung, sondern eine entspannte Naherwartung.7

Inhaltlich sind nach Kessler mehrere Kennzeichen der Basileia-Botschaft Jesu hervor- zuheben: a) Die Gottesherrschaft ist nahe gekommen und schon in der Gegenwart erfahrbar, b) Gott richtet sein Heilsangebot uneingeschränkt an alle und wendet sich vor allem an die Verlorenen und c) die Gottesherrschaft ist an die Person Jesu gebunden, durch sein Wirken wird sie erfahrbar.8 „Jesus versteht sich als das Werkzeug dieser göttlichen Aktion auf der Erde.“9

Die Basileia-Verkündigung unterliegt einer eschatologischen Spannung, sie bricht durch Jesu Wirken „Schon jetzt“ an (vgl. Lk 11,20 „Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen.“), ist aber „Noch nicht“ vollendet (vgl. Lk 11,2; Mt 6,10 „Dein Reich komme“).

Jesus verdeutlicht in seiner ganzen Lebensweise die Botschaft von der anbrechenden Gottesherrschaft, so wendet er sich in erster Linie an die Verlorenen, hält mit Außenseitern Mahlgemeinschaft, heilt Kranke und treibt Dämonen aus. „Sache und Person Jesu Christi sind unablösbar miteinander verknüpft“.10

2.1.2 Das besondere Gottesverhältnis

Die zärtliche Gottesanrede „Abba“, das aramäische Lallwort für „Vater“, gilt als ein ipsissimum verbum Jesu. Die Gottesanrede „Vater“ ist bei Jesus nicht völlig neu, auch im Alten Testament wird Gott 15 Mal als Vater bezeichnet und es werden Ver- gleiche der Gottesbeziehung zu der von Eltern und ihren Kindern aufgestellt. In den Evangelien gebraucht Jesus 174 Mal die Bezeichnung „Vater“ für seinen Gott. Im griechischen Markusevangelium wird das aramäische Fremdwort „Abba“ an einer Stelle stehengelassen, im Gebet im Garten Getsemani,11 Jesus hat Angst vor dem bevorstehenden Tod, gibt sich aber auch hier ganz dem Willen seines Vaters hin (Mk 14,36). „Daß [!] Jesus den Gott Israels in der Umgangssprache und mit großer Schlichtheit und Direktheit als ‚abba, Vater’ anredet, bezeugt, wie nahe und vertraut er ihm ist.“12

Nicht nur aus der Abba-Anrede, vor allem auch in Jesu gelebter Nähe zu seinem Gott lässt sich diese besondere Gottverbundenheit erkennen. Jesus hat aber kein nur für ihn geltendes Sohnesbewusstsein, sondern er möchte, dass alle Menschen sich als Söhne bzw. Töchter Gottes begreifen können.13

Jesus verstand sich selber von der Basileia-Botschaft her. Da die kommende Gottesherrschaft im apokalyptischen Sinn jedoch nichts anderes als das Kommen Gottes selber bedeutet, hat sich Jesus also ganz von Gott her verstanden.14 „Für Jesu Selbstverständnis ist es also so, daß [!] es nichts in seinem Leben gibt, was nicht von Gott selbst bestimmt ist.“15

Jesu Botschaft von der Gottesherrschaft und seine außergewöhnliche Gottesbeziehung stehen demnach in einem wechselseitigen Bezug und lassen sich nur schwerlich getrennt voneinander betrachten. Sie sind die entscheidenden Faktoren, die das Selbstbewusstsein Jesu bestimmen und ausmachen.

2.2 Jesu Anspruch

2.2.1 Jesu Sendungsanspruch

Das intime Gottesverhältnis Jesu zu diesem gütigen und liebenden Gott erklärt, mit welchem Hintergrund Jesus auf seine Weise handeln konnte. Sein Wirken ist geprägt von der Gottesherrschaft, die er durch sich selbst bereits angebrochen sieht. So nahm er für sich in Anspruch, Dämonen „mit dem Finger Gottes“ auszutreiben (vgl. Lk 11,20 „Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe“). „Damit stellt er sein Wirken auf eine Stufe mit den entsprechend qualifizierten Wundern der Schöpfung (Ps 8,4), des Exodus (Ex 8,19) und des Sinai, den mit Gottes Finger beschrieben Gesetzestafeln (Ex 31,18; Dtn 9,10).“16

Dass Jesus Heilungen vollbracht hat, gilt als unbestritten. Jesus wertet seine Taten als Zeichen des präsentischen Einbruchs des Heils Gottes (vgl. Lk 11,20 „…dann ist doch das Reich Gottes schon zu Euch gekommen.“). Zwar kann Jesus nur eine be- grenzte Anzahl von Menschen heilen, aber er versteht sein Wirken als zaghaften, a- ber wichtigen Beginn der Gottesherrschaft (vgl. Mk 4,30-32 Das Gleichnis vom Senf- korn), die durch Glauben und Mitwirken der Menschen schon jetzt wirksam wer- den kann.17

Jesus verkündigt nicht sich selbst, sondern sein ganzes Wirken ist auf Gott und seine kommende Herrschaft ausgerichtet, nach Kessler stellt er sich selbstvergessen hinter seine Botschaft zurück.18

Trotzdem läge in seinen Aussagen ein ungeheurer Sendungsanspruch. Durch seine Dämonenheilungen, seinen äußerst freien Umgang mit der Tora und seine Sündenvergebung präsentiere sich Jesus als der endgültige Offenbarer Gottes. In den Antithesen der Bergpredigt (Mk 5,21-48 parr) würde deutlich, dass Jesus für sich beansprucht, den Willen Gottes sogar besser zu kennen als Mose. Weil durch seine Person und sein Wirken das Heil Gottes schon beginne, müssten sich die Menschen konkret an ihm entscheiden, für oder gegen Gott.19

Vor allem die Sündenvergabe verdeutlicht, dass Jesus einen ungeheuren Vollmachtsanspruch besaß. Sünde wird verstanden als eine Abkehr von Gott, von dem Gott des Lebens. Wenn Sünde also vergeben wird, kann der Mensch wieder neu in Beziehung zu diesem Gott des Lebens treten, eine „Neuschöpfung“ vollzieht sich. Wenn Jesus diese Handlung also durchführt, wird klar: Er steht in einem ganz besonderen Verhältnis zu dem Gott, der das Leben schenkt.

Dieses Selbstverständnis und das Wagnis, wie selbstverständlich an Gottes Stelle zu handeln, zeigen, dass sich Jesus als endzeitlich Gesandten und Bringer des Heils verstanden haben muss und somit wahrscheinlich einen messianischen Anspruch gehabt hat, ein implizit christologisches Verständnis.20

2.2.2 Christologische Hoheitstitel

Das, was beim irdischen Jesus implizit zum Ausdruck kommt, wird nachösterlich ex- plizit durch Hoheitstitel versucht auszudrücken. Die urchristlichen Gemeinden wollen Jesu Botschaft nicht verfälschen, sondern vielmehr verdeutlichen und Stellung bezie- hen.21

[...]


1 Vgl. Merklein, Helmut, Jesu Botschaft von der Gottesherrschaft, Eine Skizze, in: H. Merklein, E. Zen- ger (Hgg.), Stuttgarter Bibelstudien 111, Stuttgart 1983, 145.

2 Vgl. Gnilka, Joachim, Jesus von Nazaret, Botschaft und Geschichte, Freiburg 1993, 251.

3 Vgl. Kessler, Hans, Christologie, in: T. Schneider (Hg.), Handbuch der Dogmatik2 1, Düsseldorf 2002, 268.

4 Anm.: Obwohl in den Einheitsübersetzungen zumeist vom „Reich Gottes“ die Rede ist, ist der Begriff der „Herrschaft Gottes“ vorzuziehen, da er als dynamischer Begriff besser die Aktivität Gottes auszudrücken vermag. (Vgl. a.a.O., 267.)

5 Vgl. a.a.O., 268.

6 Vgl. Schürmann, Heinz, Jesus - Gestalt und Geheimnis, Gesammelte Beiträge, K. Scholtissek (Hg.), Paderborn 1994, 31.

7 Vgl. Roloff, Jürgen, Jesus, München 2000, 73.

8 Vgl. Kessler, Hans, Sucht den Lebenden nicht bei den Toten, Die Auferstehung Jesu Christi, Würz- burg 2002, 83.

9 Kessler, Christologie 2002, 269.

10 A.a.O., 274.

11 A.a.O., 276f.

12 A.a.O, 277.

13 Vgl. ebd.

14 Vgl. Jüngel, Eberhard, Der historische Jesus - eine Gesamtschau, in: H. Schmidinger (Hg.), Jesus von Nazaret, Köln 1995, 32.

15 A.a.O., 33.

16 Kessler, Christologie 2002, 273.

17 Vgl. a.a.O., 272.

18 Vgl. a.a.O., 273.

19 Vgl. ebd.

20 Vgl. a.a.O., 274.

21 Vgl. Kasper, Walter, Einführung in den Glauben, Mainz 1972, 53f.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Gehorsam bis zum Tod - Das Selbstbewusstsein und Todesverständnis Jesu
Hochschule
Universität Osnabrück  (Katholische Theologie)
Veranstaltung
Christologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V172204
ISBN (eBook)
9783640919789
ISBN (Buch)
9783640919819
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Christologie, Systematische Theologie, Jesu Selbstbewusstsein, Jesu Todesverständnis, Jesus von Nazareth, Christus
Arbeit zitieren
B.A. Maria Pohlmeyer (Autor), 2007, Gehorsam bis zum Tod - Das Selbstbewusstsein und Todesverständnis Jesu, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172204

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Gehorsam bis zum Tod - Das Selbstbewusstsein und Todesverständnis Jesu



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden