Landwirtschaft in Vietnam


Hausarbeit, 2010

24 Seiten


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Geschichte der Landwirtschaft in Vietnam
2.1 Entwicklungen in der Landwirtschaft
2.2 Kollektivierung und Landreform
2.2.1 Die Umstrukturierung des Agrarsektors in Nord- und Südvietnam
2.2.2 Reformen im landwirtschaftlichen Sektor
2.2.3 Das Bodengesetz
2.3 heutige Situation

3 Bodennutzungssysteme
3.1 Ackerbau
3.1.1 Wanderfeldbau
3.1.2 permanenter Trocken- und Regenfeldbau
3.1.3 Nassreissystem
3.1.4 Dauerkultursystem
3.1.5 Bewässerungswirtschaft
3.2 Viehhaltung

4 Bodennutzungssysteme zum Erosionsschutz
4.1 Fruchtwechsel
4.2 Mischanbau
4.3 Agroforstwirtschaft
4.4 Mulchen

5 Anbauprodukte
5.1 Reisanbau
5.2 Kaffeeanbau
5.3 Pfeffer
5.4 Cashew
5.5 Kautschuk
5.6 Maniok
5.7 Tee
5.8 Zuckerrohr
5.9 Obst- und Gemüse
5.10 Tierproduktion

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der gezielte Anbau von Pflanzen begann wahrscheinlich vor rund 12.000 Jahren. Entscheidende Faktoren dafür war die Veränderung des Klimas durch das Ende der letzten Eiszeit, das Bevölkerungswachstum und die anfängliche Sesshaftigkeit. Die Landwirtschaft eines Landes spielt über die Sicherung der Ernährung und die Produktion von nachwachsenden Rohstoffen hinaus die eine bedeutende Rolle für die Erhaltung und Entwicklung der Kulturlandschaft.

Wer schon einmal das Land Vietnam im südostasiatischen Raum bereist hat, der wird sich an eine ganz bestimmte Farbe erinnern. Es ist das leuchtende Grün, welches sich über das ganze Land zieht und die Menschen ernährt. Vietnam ist ein Land der Reisfelder. Das tropische Klima im Süden und das Monsunklima mit heißen, regnerischen und warmen, trockenen Perioden im Norden sind in Kombination mit den geomorphologischen und pedologischen Beschaffenheiten ein wichtiger Faktor für eine ausgeprägte Landwirtschaft (www.cia.gov). Von großer Bedeutung für die Landwirtschaft sind die Tiefländer im Norden und Süden des Landes. Das Mekong-Delta im Süden und das Delta des Roten Flusses im Norden bilden die Reiskammern des Landes.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Vietnam (www.cia.gov)

Im Rahmen der folgenden Arbeit wird die Landwirtschaft Vietnams beschrieben. Es wird sowohl auf die geschichtliche Entwicklung als auch auf die Bodennutzungssysteme Vietnams eingegangen. Ferner werden Erosionsmaßnahmen und die wirtschaftliche Stellung der einzelnen Anbauprodukte dargestellt.

2 Geschichte der Landwirtschaft in Vietnam

2.1 Entwicklungen in der Landwirtschaft

In Vietnam war im Zeitraum der kommunistischen Machtübernahme der kleinbäuerliche Familienbesitz kennzeichnend für das Land. So waren ca. 98% der Bauern in der Region des Roten- Fluss- Deltas Eigentümer ihrer meist kleinen Grundstücke. Davon waren jedoch 60% der landwirtschaftlichen Nutzfläche Privateigentum, 40% galten als „öffentliche Felder“, welche von der Dorfgemeinschaft eingenommen wurden und von den einzelnen Familien gleichermaßen bewirtschaftet werden durfte. Demgegenüber besaßen im länger kapitalistisch ausgerichteten Mekong- Delta die Großgrundbesitzer große Länderein. Im südlichen Bergland waren es die kolonialen Plantagengesellschaften, welche eine enorme landwirtschaftliche Nutzfläche aufweisen konnten (VORLAUFER 2009, S. 127).

2.2 Kollektivierung und Landreform

Mit dem Sieg der Kommunisten in Nordvietnam 1954 und in Südvietnam 1975 erfolgte eine vollständige Beseitigung des landwirtschaftlichen Privatlandes. Betriebe der in den Städten lebenden und auch nicht selten chinesischen Großgrundbesitzer wurden zu Genossenschafts- oder Staatsbetrieben umgewandelt. Das betraf vor allem die großen Betriebe im Nassreisanbau im Mekong- und im Roten- Fluss- Delta. In Südvietnam wurden die Flächen vorwiegend ausländischer Eigner, die zumeist für Kautschukplantagen genutzt wurden, verstaatlicht. Ein Großteil der Agrarflächen wurde seit dem Reformkurs im Jahre 1986 wieder den Bauern in Erbpacht überlassen bzw. privatisiert (VORLAUFER 2009, S. 127).

2.2.1 Die Umstrukturierung des Agrarsektors in Nord- und Südvietnam

Nordvietnam vollzog nach seiner Entstehung im Jahre 1954 eine Wirtschaftsentwicklung im Rahmen der sowjetischen Planwirtschaft. Charakterisiert wird diese Entwicklung durch eine rasante Industrialisierung durch die Staatsbetriebe und durch die Kollektivierung der Landwirtschaft (DO 2004, S. 25). So kam es in Nordvietnam 1953/54 zu einer Bodenumverteilung. Dabei bekamen Landlose (Teil der Bevölkerung ohne landwirtschaftliche Nutzfläche) und Städter, wenn auch zum Teil ungewollt, Kleinstparzellen aus dem Besitztum der ehemaligen Großgrundbesitzer. Bei dieser Enteignung wurden etwa 50000 bis 100000 Großgrundbesitzer hingerichtet. Ab 1958 setzte Nordvietnam die Zwangskollektivierung der Bauern vollständig durch. Dabei wurden die Bauern zu Produktionsgenossenschaften zusammengeschlossen. So waren 80% der landwirtschaftlichen Nutzfläche und 90% der bäuerlichen Haushalte in Nordvietnam genossenschaftlich erfasst (VORLAUFER 2009, S. 127). Zudem war die Zeit durch eine zentrale Planung und Führung der Wirtschaft gekennzeichnet. Jegliches landwirtschaftliches Produktionsvolumen musste sich nach geregelten Zielvorgaben richten. Dabei erfolgte auch die Zuweisung der Ressourcen zentral. Demnach wurden von den Haushalten nur fünf Prozent Agrarfläche zum Eigenbedarfsanbau benutzt. Die Produktion für den Markt wurde diesen Haushalten verboten (DO 2004, S. 25).

In Südvietnam konnte die Kollektivierung, so wie sie sich in Nordvietnam vollzog, durch die Doi- Moi- Politik von 1986, welche kurz nach der kommunistischen Machtübernahme einsetzte, nicht erreicht werden. Die Dörfer bildeten eine Art Produktionsgemeinschaft. Durch die Kollektivierung wurden große staatlich- genossenschaftliche Einkaufs- und Verkaufsorganisationen gebildet. Den Markt mit seinen Funktionen und auch Anreize zur Produktionserhöhung gab es nicht. Hauptaufgabe war es den Eigenbedarf der Genossenschaftsmitglieder zu decken, nicht aber den der Stadtbevölkerung (VORLAUFER 2009, S. 127).

2.2.2 Reformen im landwirtschaftlichen Sektor

Die erste Reform in der Landwirtschaft von 1979 war durch die Einführung von Produktionsverträgen bzw. die Einführung eines Kontraktsystems in einer Kooperative gekennzeichnet. Den Haushalten war es dadurch erlaubt die auf ihrer eigenen Agrarfläche produzierten Güter am Markt zu verkaufen. Allerdings geschah dies unter der Voraussetzung, dass die Abgabepflicht an die Kooperative erfüllt wurde. Demnach konnten nur Überschüsse verkauft werden. Zum gleichen Zeitpunkt wurden die Landwirtschaftssteuern über fünf Jahre herunter gesetzt. Daneben gab es einen drastischen Anstieg der staatlichen Aufkaufpreise um 400-600%. Die Monopolstellung der Kooperativen blieb dabei unverändert (DO 2004, S. 25). Durch das Einsetzen des Reformkurses von 1986 und Reformbeschlüssen im Jahre 1993 folgte eine enorme Umorientierung. Im Blickfeld der Politik standen nun nicht mehr die Veränderung der Eigentums- und Produktionsverhältnisse, sondern die Verbesserung von Produktivkräften und eine Produktionssteigerung der Landwirtschaft mithilfe technisch- organisierten Vorraussetzungen (VORLAUFER 2009, S. 127). Die zweite Reform im April 1988 war demnach durch die Dekollektivierung landwirtschaftlicher Nutzfläche gekennzeichnet, wobei mittels langfristiger Verfügungsrechte das Land an private Haushalte zurückgegeben wurde. Durch eine Preisliberalisierung und durch den Wegfall der Subventionierung landwirtschaftlicher Produktionsmittel war es den Haushalten möglich nach ökonomischen Richtlinien zu wirtschaften (DO 2004, S. 25).

2.2.3 Das Bodengesetz

Seit der Überarbeitung des Bodenreformgesetzes im Jahre 1993 ist es den Bauern möglich, Nutzungsrechte für verschiedene Landkategorien zu erwerben. Diese Nutzungsrechte dürfen übertragen, vererbt und verpachtet werden (VORLAUFER 2009, S. 128). Der private Landbesitz ist allerdings untersagt, wodurch Vietnams Fläche Staatseigentum ist. Die Nutzungsrechte werden von einem Volkskomitee vergeben. Bei landwirtschaftlichen Nutzflächen mit einjährigen Kulturen spricht man dabei von einer Dauer von 15-20 Jahre, bei Dauerkulturen und forstwirtschaftlich genutzten Flächen sind es 30- 50 Jahre. Je größer die Fähigkeiten und Möglichkeiten des Betriebsleiters die Agrarfläche zu bewirtschaften sind, desto größer wird die ihm zugeordnete landwirtschaftliche Nutzfläche sein (DO 2004, S. 26). Allerdings hat die vollständige Durchsetzung dieses Bodengesetzes bis zum heutigen Tage noch nicht statt gefunden.

2.3 heutige Situation

Momentan spricht man in der Theorie von einer vollständigen Privatisierung der Landwirtschaft (gemäß des Bodenreformgesetztes von 1993). Die ehemals dominierende Subsistenzwirtschaft gab der Kommerzialisierung den Weg frei. Dementsprechend entstand in wenigen Jahren aus dem Reisimportland das zweitgrößte Reisexportland der Welt. Auch im Anbau von (Robusta-) Kaffe wird es einzig und allein von Brasilien geschlagen. Durch die Kommerzialisierung der Produktion verstärkten sich der Prozess der Landkonzentration sowie die soziale Differenzierung der Landbevölkerung. Die Anzahl der Haushalte, welche keine landwirtschaftlich nutzbare Fläche besaß, nahm rapide zu. Diese stieg allein zwischen 1994 und 1998 von 12250 (0,7% der Bevölkerung) auf über eine Million (6% der Bevölkerung). Im Jahre 2007 waren im staatlichen Agrar- und Forstsektor weniger als 1% der dort Arbeitenden tätig. Das entspricht einer Beschäftigtenzahl von 197.700 Personen. Der Staat ist dabei oftmals nur noch bei der Bewirtschaftung von großen Plantagen tätig. Die geringen Betriebsgrößen und die gewaltige Besitzzersplitterung gehören zu den zentralen Problemen der Landwirtschaft in Vietnam. So beträgt die durchschnittliche Betriebsgröße im Mekong- Delta gerade mal 1,2 ha. Nur wenige Haushalte haben eine Betriebsfläche von 3- 4 ha. Im Delta des Roten Flusses ist die durchschnittliche Betriebsfläche noch niedriger. Die Betriebsgröße an sich variiert durch die gleichmäßige Landverteilung kaum. Aus diesem Grund werden oft nur 8 bis 9 Parzellen mit einer Größe von jeweils 200m² von einem Haushalt bewirtschaftet. In den Bergregionen ist die Flurzersplitterung sogar noch größer, weil die Bodenqualität der einzelnen Flächen stark variiert. Im Jahre 2000 gab es in Vietnam ungefähr 75 Mio. Parzellen für ca. 11 Mio. Agrarhaushalte. Diese besaßen entsprechend durchschnittlich 8- 10 Parzellen. Dabei waren 10% der Parzellen kleiner als 100m², was auch die Mechanisierung der Landwirtschaft erheblich erschwert hat. Nichtsdestotrotz stieg die Anzahl der Traktoren von 37.627 (1992) auf 163.000 (2002). Dies geschah unter anderem auch durch die Flurbereinigung nach 1999. Die einzelnen Parzellen wurden so zu größeren Arealen zusammengelegt. So konnte bis zum Jahre 2000 die Besitzzersplitterung in einigen Regionen um 20% reduziert werden (VORLAUFER 2009, S. 127- 128). Heute vollzieht sich ein enormer Wandel in der Agrarwirtschaft Vietnams. Durch den rapiden Wachstum der Bevölkerung und den dadurch resultierenden Nahrungsmittelbedarf seit den 60/70er Jahren weiten sich nicht nur Siedlungsflächen und die Verkehrsinfrastruktur aus, sondern auch die Agrarflächen. Im Zusammenhang mit der Industrialisierung resultiert ein drastischer Wandel, welcher den Weg für eine weitläufige Expansion der Kulturlandschaft bereitet. Dies geschieht auf Kosten der natürlichen Vegetation. So kam es z.B. durch den Kaffee- und Pfefferboom zu großflächigen Entwaldungen im Zentralen Hochland Vietnams. Nicht nur der Verlust und die Erschließung neuer Agrarflächen sind prägende Besonderheiten des kulturlandschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels, sondern auch die Veränderung in der Art der Nutzung der Agrarflächen, welche durch eine rapide Ausweitung der binnen- und weltmarktorientierten Erzeugnisse gekennzeichnet ist (VORLAUFER 2009, S. 117).

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Landwirtschaft in Vietnam
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Autor
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V172248
ISBN (eBook)
9783640920907
ISBN (Buch)
9783640921096
Dateigröße
1592 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kollektivierung, Landreform, Wanderfeldbau, Nassreissystem
Arbeit zitieren
Sylvia Lorenz (Autor), 2010, Landwirtschaft in Vietnam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172248

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Landwirtschaft in Vietnam



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden