Lektürebezogene Aufgabe: "Das Reich Gottes ist mitten unter euch"


Ausarbeitung, 2010

6 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte.

Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch. (Lukas 17, 20-21)

Sowohl Pharisäer und Juden als auch Christen und Nichtchristen fragten und fragen sich: Wann kommt das Reich Gottes? Ist es schon da? Wird es noch kommen? Ein genaues Datum, Vorzeichen oder Ähnliches sind hier besonders interessant. Um eine mögliche Antwort auf diese Fragen zu bekommen, soll in der folgenden Arbeit eine Stelle aus dem Lukasevangelium (Lk 17, 20-21) auf verschiedene Punkte hin untersucht werden. Ausgehend vom Kontext, in dem die Textstelle steht, werden des weitern handelnde Personen genannt und die Aussage „Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch.“ (Lk 17, 21) mit Hilfe von vier zur Untersuchung herangezogener Quellen von allen Seiten beleuchtet und interpretiert werden.

Als Quellen dienen dabei Theißen „Der historische Jesus“[1], Vanoni „Das Reich Gottes (Die Neue Echter Bibel)“[2], Bovon „Das Evangelium nach Lukas“[3] und Wolter „Das Lukasevangelium“[4], da sich diese Quellen gut zum Auslegen der Bibelstelle eignen und verschiedene Ansichten präsentieren. Schließlich wird meine eigene Meinung am Ende der Arbeit kurz dargestellt und begründet.

Zunächst ist die Ausgangsposition dieser Textstelle zu betrachten, um an den Kern der Aussage Jesu zu kommen.

Zuvor wird im Lukasevangelium von Verführung zum Abfall, von Vergebung und von der Kraft des Glaubens gesprochen. Ein Wunderbericht über ,,Die zehn Aussätzigen‘‘ (Lk 17,12-19) geht der Antwort Jesu auf die Frage der Pharisäer voraus.

Es folgt ein Adressatenwechsel - Jesus spricht ab Lk 19, 22 nicht mehr mit den Pharisäern, sondern seine Worte richten sich nun wieder an die Jünger: ,,Er sprach aber zu den Jüngern […].“ (Lk 17, 22) Er wechselt hierbei auch das Thema: Während bei dem Gespräch mit den Pharisäern über das Kommen der Gottesherrschaft gesprochen wurde, wird jetzt das Kommen des Menschensohnes thematisiert, denn das scheint für die Jünger von besonderer Bedeutung zu sein. Jesus prophezeit ihnen, dass sie nicht auf Wahrsager o.ä. hören oder ihnen folgen sollen, die das Kommen des Gottesreiches proklamieren. Er spricht auch davon, dass er „[…] viel leiden und verworfen werden […]“ (Lk 17, 25) wird von den Menschen, bevor der Tag des Menschensohnes gekommen ist.

In der Erzählung ,,Vom Kommen des Gottesreiches‘‘ (Lk 17, 20-21) stellen zwei handelnde Personen die Hauptakteure dar: Die Pharisäer - als Widersacher und Feinde Jesu, versuchen sie ihn durch scheinbar heimtückische Fragen in die Enge zu treiben, ihn einzuschüchtern und die Sprache zu verschlagen. Die zweite handelnde Person - Jesus - hingegen findet die richtigen Antworten auf ihre Fragen, weiß sich zu rechtfertigen, was er hier auch tut. Die Pharisäer hinterfragen seine Proklamation vom Kommen des Reiches Gottes sehr kritisch. Sie wollen ihn scheinbar in eine unangenehme Situation bringen, da sie einen genauen Zeitpunkt wissen wollen, wann das Reich Gottes anbricht. Jesus hingegen korrigiert das Wissen der Pharisäer, er vereitelt nicht ihre List ihn in die Enge zu treiben, sondern erklärt, dass äußere Mittel der Erkenntnis, wie die Beobachtung sichtbarer Zeichen, bei der Antwort auf die Frage „Wann kommt das Reich Gottes?“ nicht von Nutzen seien (Lk 17, 20b). Das bedeutet zwar, dass es keine beobachtbaren Zeichen gibt, jedoch bedeutet es nicht, dass die Gottesherrschaft gänzlich ohne Zeichen - also plötzlich - kommt.

Als Begründung für seine Abweisung der Frage nach den Vorzeichen, die das Kommen des Reiches Gottes ankündigen, verweist Jesus in Lk 17, 21 vielmehr darauf, dass die Gottesherrschaft überhaupt nicht mehr „kommt“, weil sie schon „da“ ist (Lk 17, 21c). Eine Schwierigkeit, die sich in dieser Textstelle herausbildet, ist der letzte Satz Jesu an die Pharisäer: „Das Reich Gottes ist schon mitten unter euch.“ (Lk 17, 21c)

Hinsichtlich der Proklamationen Jesu führt Theißen in „Der historische Jesus“ aus, dass die Übersetzung „mitten unter euch“ als äußerst umstritten gilt.[5] Vor allem auch deswegen, weil Jesus in der gewählten Textstelle eine Lokalisierung des Reiches Gottes ablehnt („Siehe, hier ist es!, oder: Da ist es!“ Lk 17, 21b). Es kann folglich auch eine spirituelle „Mitte“ gemeint sein - somit könnte das Reich Gottes im Inneren des Menschen als Glaube an Jesus und Gott beginnen.

Andererseits ist auch eine dynamische Deutung dieser Textstelle möglich: Das Reich Gottes ist im unmittelbaren Erfahrungsbereich der Menschen, es ist in ihrer Verfügung und so kann diese Textpassage als Aufforderung verstanden werden, die Gottesherrschaft in Besitz zu nehmen.[6]

Beide Deutungsansätze weisen auf eine präsentische Eschatologie hin. Das bedeutet, dass die Wende der Zeiten bereits geschehen ist und die eschatologische Heilszeit schon begonnen hat, jedoch nicht mit einem Schlag vollendet ist, sondern in der Zukunft vollendet wird.

[...]


[1] Theißen, G./Merz, A., Der historische Jesus. Ein Lehrbuch, Göttingen ³2001, 238f.

[2] Vanoni, G. /Heininger, B., Das Reich Gottes (Die Neue Echter Bibel - Themen 4), Würzburg 2002, S.78 - 79.

[3] Bovon, F., Das Evangelium nach Lukas (Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament III/3), Zürich u.a.

[4] Wolter, M., Das Lukasevangelium (Handbuch zum Neuen Testament), Tübingen 2008, 574 - 578.

[5] Vgl.: Theißen, G./ Merz, A., Der historische Jesus. Ein Lehrbuch, Göttingen ³2001, 238.

[6] Ebd., 239.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Lektürebezogene Aufgabe: "Das Reich Gottes ist mitten unter euch"
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Katholische Theologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
6
Katalognummer
V172253
ISBN (eBook)
9783640920549
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lektürebezogene, aufgabe, reich, gottes
Arbeit zitieren
Sophia Ruschke (Autor:in), 2010, Lektürebezogene Aufgabe: "Das Reich Gottes ist mitten unter euch", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172253

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