Erzwungene Migration

Wie Industrienationen Migrationsbewegungen aus der Dritten Welt herbeiführen


Seminararbeit, 2011
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursachen für Migrationsbewegungen
2.1 Push-Faktoren
2.2 Pull-Faktoren
2.3 Das Zusammenspiel von Push- und Pull-Faktoren

3. Der Einfluss der Industrienationen
3.1 Freier Welthandel und Subventionen
3.1.1 Baumwolle
3.1.2 Fischerei
3.1.3 Preisdumping von Rindfleisch und Geflügel
3.2 Geld als Druckmittel
3.2.1 Die Rolle von Weltbank und IWF
3.2.2 Kredite und Zinsschulden
3.3 Militärische und geheimdienstliche Auslandsintervention

4. Fazit

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Wanderbewegungen von Menschen, Menschengruppen oder sogar ganzer Völker, gab es in der Geschichte seit jeher. Die Gründe hierfür sind verschieden, stellen aber oftmals sowohl Einwanderungs- als auch Auswanderungsland vor größere Schwierigkeiten.

In Folge der Globalisierung sind vermehrte Migrationsbewegungen aus Ländern der Dritten in Länder der Ersten Welt zu beobachten.1, 2 Diese sind jedoch nicht allein auf eine gestiegene Freizügigkeit und die engere Vernetzung der Welt zurückzuführen. Zahlreiche Auslöser werden vielmehr von den Industrienationen selbst begünstigt oder herbeigeführt und finden in ihrem Verhalten gegenüber Entwicklungsländern Ausdruck.3

Im Rahmen der Hausarbeit soll zuerst allgemein erläutert werden, welche Ursachen es für die Entscheidung zur Migration gibt und unter welchen Umständen diese zu Migrationsbewegungen führen. Danach wird anhand von Praxisbeispielen und üblichen Handlungsweisen die Frage gestellt, wie groß der Einfluss von Industrienationen auf Entwicklungsländer tatsächlich ist und inwiefern dabei selbst Bedingungen geschaffen werden, die Missstände provozieren und schließlich in Migrationsbewegungen enden.

Zum Abschluss werden mögliche Lösungsansätze angeführt, die zur Bewältigung dieses Konflikts beitragen sollen, der bereits heute alle Beteiligten vor große Probleme stellt und sich in Zukunft vermutlich weiter zuspitzen wird.

2. Ursachen für Migrationsbewegungen

Grundsätzlich werden die Ursachen, die zu Migration führen in „Push"-und „Pull"- Faktoren unterschieden. Dabei sind die Push-Faktoren verantwortlich für die Entscheidung, ein Land zu verlassen, z.B. weil in bestimmten für die Menschen wichtigen Bereichen Defizite vorherrschen. Unter den Pull-Faktoren wird hingegen die Anziehungskraft des Ziellandes verstanden, welches einen attraktiven Mehrwert für das Leben der Menschen bereithält.4

2.1 Push-Faktoren

Der Entschluss zur Auswanderung wird gefasst, wenn eine Gesellschaft nicht mehr in der Lage ist, die Erwartungen der Menschen zu erfüllen. Die ausschlaggebenden Push-Faktoren werden je nach Ausmaß der Bedrohung in vier Bereiche untergliedert:

1.) Die Bedrohung der physischen Existenz (z.B. Nahrungsknappheit)
2.) Gefährdung ökonomischer Ziele durch die institutionelle Struktur (z.B. fehlendeArbeitsmöglichkeiten, niedriges Reallohnniveau)
3.) Politisch-ideologische Unsicherheit (z.B. Nichtidentifikation mit den Werten und Normen der Gesellschaft oder gar Verfolgung)
4.) Fehlende Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung der eigenen Lebensvorstellungen

2.2 Pull-Faktoren

Dem gegenüber stehen die Pull-Faktoren, die als Gegenpol für die Bedürfnisdefizite der Auswanderer stehen und eine Sogwirkung entfalten. Diese liegen vor Allem dann vor, wenn im Zielland ein Ausgleich für die für den Migrationsentschluss verantwortlichen Push-Faktoren vorliegt, z.B. Schutz und Sicherheit im Einwandererland bei Flucht vor Verfolgung im Auswandererland. Weiterhin zählen auch das Vorhandensein von Wissen, Informationsystemen und Netzwerken zu klassischen Pull-Faktoren.5

2.3 Das Zusammenspiel von Push- und Pull-Faktoren

Die meisten Migrationsforscher gehen besonders im Hinblick auf das Push-Pull-Modell von einer natürlichen Neigung des Menschen aus, sich an seine gewohnte Umgebung anzupassen und einen Zustand der Sesshaftigkeit anzustreben.6,,Menschen werden ihrer vertrauten Umgebung den Vorzug geben, wenn auf sie nicht der Druck materieller und sozialer Not oder politischer Verfolgung ausgeübt wird oder sie in den Sog einer Massenauswanderung (die das Gefühl produziert, zu kurz zu kommen oder alleine übrigzubleiben) geraten.7

Aus diesem Grund ist anzunehmen, dass erst ein Zusammenspiel mehrerer starker Push-Faktoren im Auswanderungsland sowie starker Pull-Faktoren im Einwanderungsland zur Migrationsentscheidung führt.8 Meist handelt es sich zudem bei den ausschlaggebenden Push-Faktoren um ein „Bündel von Ursachen" und nicht bloß um einzelne Beweggründe, wie beispielsweise die Aussicht auf wirtschaftlichen Wohlstand.

Blickt man auf die weltweit zunehmende Armut und den damit verbundenen Mangel an Ressourcen bei einem Großteil der Bevölkerung in Ländern der Dritten Welt und vergleicht diesen dann mit dem ständig anwachsenden Wohlstand und Überfluss der Industrienationen, lassen sich Anzeichen erkennen, die auf eine zusätzliche Ausweitung der Migrationsströme hinweisen: „Damit massenhafte Migration stattfindet, müssen sowohl der Leidensdruck potenzieller Migrant(inn)en als auch die Attraktivität des Zielortes oder -landes sehr groß sein. Mit dem immer weiter abnehmenden Lebensstandard in einigen Teilen und dem ansteigenden Konsum in anderen Teilen der Welt entstehen die Voraussetzungen für eine massenhafte Migration."9

3. Die Rolle der Industrienationen und deren Einfluss

Die als Globalisierung definierte zunehmende Verflechtung der Gesellschaften und Länder unserer Erde ist grundsätzlich als positiv anzusehen, bereichert es den Menschen doch an Möglichkeiten zur Ausweitung des Gedanken- und Warenaustauschs.10 In die Kritik geraten ist der Begriff der Globalisierung aber vor Allem deshalb, weil die damit verbundene Liberalisierung oftmals dem Recht des Stärkeren nachgibt und Moral und Menschlichkeit zunächst außen vor lässt.11 Tatsächlich scheint es die mit dem Kapitalismusbegriff einhergehende Gier nach Macht und Geld zu sein, die die bewusste und unbewusste Einflussnahme reicher Industrienationen auf ärmliche und schwache Entwicklungsländer vorantreibt. Anders ist die Politik mancher Staaten und international tätiger Unternehmen nicht zu erklären.

Um die Tragweite dieser negativen Dimension der Globalisierung und deren Auswirkungen auf Migrationsbewegungen aus der Dritten in die Erste Welt besser illustrieren zu können, werden im Folgenden drei Aspekte herausgegriffen, die die politische und wirtschaftliche Stabilität von Entwicklungsländern stark beeinflussen. Hierbei wird eine hohe Konzentration auf die Untersuchung der Push-Effekte gelegt, da diesen aufgrund der natürlichen Trägheit des Menschen für den Entschluss zur Migration eine größere Wichtigkeit beigemessen wird. Die Aspekte sind:

1) Freier Welthandel und Subventionen
2) Geld als Druckmittel
3) Militärische und geheimdienstliche Auslandsinterventionen

3.1 Freier Welthandel und Subventionen

Aus volkswirtschaftlicher Perspektive scheint ein auf den Prinzipien der freien Marktwirtschaft beruhender Welthandel für alle daran teilnehmenden Länder die fairste Lösung zu sein. Das sich selbst regulierende System von Angebot und Nachfrage soll dem Herstellerland mit den günstigsten Preisen und der besten Qualität den Vorzug geben. Die Praxis sieht jedoch ganz anders aus. Während die Industrienationen nach Außen hin zwar auf Liberalisierung setzen, wenden sie diese selbst gar nicht an. Vielmehr drücken sie diese zahlreichen Entwicklungsländern durch Vereinbarungen und Handelsabkommen auf.12 „Während der Vertrag von Lome von 1975 den am wenigsten entwickelten Ländern noch zugestanden hatte, dass sie ihre Märkte nicht öffnen müssen, verlangen die EPAs (Europäischen Partnerschaftsabkommen, Anm. d. Autors) nun eben das."13

3.1.1 Baumwolle

Welche Konsequenzen dies hat, wird deutlich am Beispiel des Baumwollhandels. In vielen Ländern West-Afrikas, z.B. in Benin und Burkina Faso, machen die Produktion und der Export von Baumwolle zwischen 5 bis 10% des BIP aus. In Benin (80%) und in Burkina Faso (68%) stellt Baumwolle damit den größten Teil der landwirtschaftlichen Exporteinkommen dar.14 Im Rahmen von SAPs (Strukturanpassungsprogrammen) wurde diesen Ländern durch die Weltbank und den IWF eine Liberalisierungspolitik aufgezwungen, was seit den 1980er Jahren in diesen Ländern zu einer signifikanten Verschlechterung der Handelsbedingungen geführt hat.Im Gegensatz dazu subventionieren die Industrienationen selbst ihre Baumwollproduktion in hohem Maße. Die USA mit etwa 2,3 Mrd. US-Dollar, China mit etwa 1,2 Mrd. US-Dollar und die EU mit etwa 0,7 Mrd. US-Dollar jährlich. Die Folgen bleiben nicht aus.

[...]


1 vgl. Han, P., Soziologie der Migration, Stuttgart, 2005, S. 1

2 vgl. Kohnert, D., in „Afrikanische Migranten vor der Festung Europa" in GIGA Focus, Ausgabe 12/2006, S. 1

3 vgl. Treibel, A., Migration in modernen Gesellschaften, Weinheim und München, 2008, S. 42-43

4 vgl. Galtung, J., Globale Migration, in: Butterwegge, Ch./Hentges, G. (Hg.): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, Wiesbaden, 2009, S. 11

5 vgl. Treibel, A., Migration in modernen Gesellschaften, Weinheim und München, 2008, S. 43

6 Treibel, A., Migration in modernen Gesellschaften, Weinheim und München, 2008, S. 44

7 vgl. Galtung, J., Globale Migration, in: Butterwegge, Ch./Hentges, G. (Hg.): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, Wiesbaden, 2009, S. 11

8 Galtung, J., Globale Migration, in: Butterwegge, Ch./Hentges, G. (Hg.): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, Wiesbaden, 2009, S. 11

9 vgl. Angenendt, St., Wanderungsbewegungen und Globalisierung, in: Butterwegge, Ch./Hentges, G. (Hg.): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, Wiesbaden, 2009, S. 37

10 vgl. http://www.eed.de, Welthandel ist für Afrika wie Fußball bergauf, Abruf am 20.11.2010

11 vgl. Kohnert, D., in „Afrikanische Migranten vor der Festung Europa" in GIGA Focus, AAusgabe 12/2006, S. 6

12 http://www.eed.de, Welthandel ist für Afrika wie Fußball bergauf, Abruf am 20.11.2010

13 vgl. Kohnert, D., in „Afrikanische Migranten vor der Festung Europa" in GIGA Focus, AAusgabe 12/2006, S. 5

14 vgl. Kohnert, D., in „Afrikanische Migranten vor der Festung Europa" in GIGA Focus, Ausgabe 12/2006, S. 5

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Erzwungene Migration
Untertitel
Wie Industrienationen Migrationsbewegungen aus der Dritten Welt herbeiführen
Hochschule
Universität Kassel  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Migration und Menschenrechte
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V172296
ISBN (eBook)
9783640921638
ISBN (Buch)
9783640921348
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Migration, Menschenrechte, WTO, GATT, Europäische Union, Weltbank, IWF, Währungsfond, Subventionen, Afrika, Asien, Außenhandel, Preisdumping, Schulden, Zinsen, Baumwolle, Liberalisierung, Push, Pull, Rassismus, Welthandel, Militärische Intervention, SAP, Handelsabkommen, Dritte Welt, Industrienation, EU, USA, Weltmarkt, Fischerei, Rindfleisch, Geflügel, Hähnchen, Billigfleisch, Entwicklungsländer, Kredite, Zwang, Chile, Allende, Irak, Hussein, Bush, Militär, Postkolonialismus
Arbeit zitieren
Volker Ahmad Qasir (Autor), 2011, Erzwungene Migration, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172296

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