Der Ursprung der internationalen Handelskammer ist in den Tendenzen zu suchen, die von jeher die Entwicklung der Weltwirtschaft maßgebend
beeinflußt haben. Zum einen ist dies die Arbeitsteilung und zum anderen der Güteraustausch über die nationalen Grenzen hinaus, da sich die wirtschaftliche Entwicklung nicht nach den Grenzen eines Staates, sondern nach den geologischen und geographischen Gegebenheiten richtet 1 . Diese Gesichtspunkte gaben zu Bestrebungen Anlaß, die auf eine Vereinfachung der internationalen Beziehungen abzielten. Die nationalen Wirtschaften hatten sich in den Handelskammern und ähnlichen Organen zur Regelung
ihrer Interessen verständigt. Dieser Rahmen war jedoch für die komplizierten internationalen Wirtschaftsbeziehungen zu eng, so dass sich durch die fortschreitende Ausdehnung des zwischenstaatlichen Güteraustauschs immer neue Schwierigkeiten ergaben. Deshalb wurde bei den Interessenten der einzelnen Länder der Wunsch geweckt, die internationalen Beziehungen in gemeinsamer Arbeit einheitlich zu regeln. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts glaubte man nicht mehr daran, dass die einzelnen Staaten diese Probleme lösen könnten. In diesem Sinne ist die internationale Wirtschaftsbewegung zu sehen, an dessen Spitze sich die internationale Handelskammer in Paris stellte.
Das Ziel der vorliegenden Seminararbeit soll es sein, die Tätigkeitsfelder der Pariser Handelskammer aufzuzeigen und einen Einblick in das weltweit
anerkannte Schiedsgerichtsverfahren der Handelskammer zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die internationale Handelskammer
3. Die Aufgaben der internationalen Handelskammer
3.1 Schiedsgerichtsbarkeit
3.2 Incoterms
3.3 ATA-Carnet
3.4 Dokumenten-Akkreditive
4. Der Schiedsgerichtshof
4.1 Die Notwendigkeit eines internationalen Schiedsgerichts
4.2 Zusammensetzung und Aufbau des Schiedsgerichtshofs
4.3 Die Standard Schiedsklausel
5. Das Schiedsgerichtsverfahren
5.1 Einleitung des Verfahrens
5.2 Anzahl der Schiedsrichter
5.3 Das Verfahren vor dem Schiedsrichter
6. Schlußbemerkung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, die vielfältigen Tätigkeitsfelder der Internationalen Handelskammer (ICC) in Paris darzulegen und einen detaillierten Einblick in deren weltweit anerkanntes Schiedsgerichtsverfahren zu gewähren.
- Struktur und Rolle der Internationalen Handelskammer (ICC) in der Weltwirtschaft.
- Wichtige Instrumente zur Vereinfachung internationaler Handelsabwicklungen wie Incoterms und Dokumenten-Akkreditive.
- Die Notwendigkeit und der Aufbau des internationalen Schiedsgerichtshofs zur Konfliktlösung.
- Der formale Ablauf von Schiedsverfahren zwischen internationalen Handelspartnern.
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Notwendigkeit eines internationalen Schiedsgerichts
Die Geltendmachung von Forderungen gegen ausländische Warenabnehmer und die verschiedenen Auslegungsmöglichkeiten eines Kaufvertrages, der mit einer ausländischen Firma abgeschlossen ist, bringen des öfteren die unangenehmsten Streitigkeiten mit sich und erschweren den internationalen Geschäftsverkehr. Ist eine Streitigkeit erst mal vor Gericht geraten, ist schon vieles verloren, da zum einen die Arbeitszeit und die Energien verschwendet werden, die Geschäftsbeziehungen der Streitenden untereinander beeinträchtigt werden und beide Parteien eine negative Publizität bekommen.
Die Schwierigkeiten liegen in den verschiedenen Rechtsystemen und Gerichtshoheiten, die so zahlreich sind wie die Staaten selbst. Dabei ist nicht so sehr die nationale Verschiedenheit des materiellen Rechts zu betonen als die Verschiedenheit der Handhabung. Zur Klärung eines Streites mit einem ausländischen Geschäftspartner können zwei Wege eingeschlagen werden. Zum einen kann ein inländisches Gericht angerufen werden, um den Prozeß durchzuführen und zum anderen kann die Angelegenheit auch vor dem Gericht des Geschäftspartners verhandelt werden. Im ersten Fall wird man nach mehreren Einsprüchen, die den Prozeß auf Jahre hinausziehen können, ein rechtskräftiges Urteil erwirken können.
Im zweiten Fall stellt sich die Angelegenheit noch schwieriger dar. Abgesehen von den höheren Kosten, die durch die Prozeßführung im Ausland anfallen, besteht hier immer die Gefahr, dass bei einem Prozeß zwischen Inländer und Ausländer der Ausländer immer im Nachteil ist. Es ist eine allgemeine Erfahrungstatsache, dass der staatliche Richter unbewußt die Tendenz hat, den eigenen Landsmann nach Möglichkeit zu schonen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert die historische Entstehung der internationalen Handelsbewegung und definiert das Ziel, die Tätigkeitsfelder und das Schiedsverfahren der Pariser Handelskammer zu beleuchten.
2. Die internationale Handelskammer: Es wird die Gründung, Struktur und die Rolle der ICC als privatrechtlich unabhängige Institution zur Wirtschaftsförderung vorgestellt.
3. Die Aufgaben der internationalen Handelskammer: Dieser Abschnitt beschreibt zentrale Instrumente der ICC wie die Schiedsgerichtsbarkeit, Incoterms, ATA-Carnets und Dokumenten-Akkreditive zur Harmonisierung des Welthandels.
4. Der Schiedsgerichtshof: Hier werden die Gründe für die Notwendigkeit internationaler Schiedsgerichte, die Organisation des Gerichtshofs sowie die Bedeutung der Standard-Schiedsklausel erörtert.
5. Das Schiedsgerichtsverfahren: Das Kapitel detailliert den formalen Ablauf eines Verfahrens, von der Einleitung über die Bestellung der Schiedsrichter bis hin zum Schiedsspruch.
6. Schlußbemerkung: Die Arbeit fasst zusammen, dass die ICC durch ihre Regelwerke maßgeblich zur Rationalisierung und Entlastung des internationalen Wirtschaftsverkehrs beiträgt.
Schlüsselwörter
Internationale Handelskammer, ICC, Wirtschaftsrecht, Schiedsgerichtshof, Schiedsverfahren, Incoterms, ATA-Carnet, Dokumenten-Akkreditiv, Handelspraxis, Konfliktlösung, Welthandel, Schiedsklausel, Vertragswesen, Wirtschaftsbeziehungen, Handelsbarrieren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit?
Die Arbeit behandelt die Aufgaben und die historische Bedeutung der internationalen Handelskammer (ICC) sowie deren Rolle bei der Standardisierung von Handelsabläufen und der Beilegung von internationalen wirtschaftlichen Streitigkeiten.
Welche zentralen Themenfelder deckt der Text ab?
Neben der allgemeinen Organisation der ICC werden schwerpunktmäßig die Anwendung von Incoterms, die Nutzung von Akkreditiven und der detaillierte Prozess der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit analysiert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Lesern die Arbeitsweise der Pariser Handelskammer aufzuzeigen und insbesondere das weltweit anerkannte Verfahren zur Schlichtung von Handelskonflikten transparent zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, bei der rechtliche Grundlagen und offizielle Regelwerke der ICC herangezogen werden, um die praktische Relevanz der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit zu untermauern.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der ICC-Aufgaben, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Schiedsgerichtsbarkeit und die schrittweise Erläuterung des Schiedsverfahrens, vom Einreichen der Klage bis zur Urteilsverkündung.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Schiedsgerichtsbarkeit, Incoterms, internationale Handelsbeziehungen und ICC-Schiedsordnung.
Warum ist die Standard-Schiedsklausel der ICC für Unternehmen so wichtig?
Die Klausel bindet die Vertragspartner an die Schiedsordnung der ICC, was im Streitfall eine schnelle, unparteiische und international vollstreckbare Entscheidung außerhalb staatlicher Gerichte ermöglicht.
Welche Funktion hat der Schiedsgerichtshof konkret?
Der Schiedsgerichtshof selbst entscheidet keine Fälle, sondern organisiert die Verfahren, ernennt oder bestätigt Schiedsrichter und prüft den Entwurf des Schiedsspruchs auf formale Korrektheit.
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- Oliver Schüller (Author), 2003, Pariser Handelskammer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17234