Gegenstand meiner wissenschaftlichen Arbeit soll die Einführung in die Theorien zur Entstehung von Kriminalität sein. Mein Interesse an den Erklärungsansätzen, die delinquentes Verhalten erforschten, wuchs im Verlauf des 3. Semesters im Studiengang „Soziale Arbeit“ (Modul 3.2 Theorien, Geschichte, Ethik) und durch meine, vor dem Studium ausgeübte Tätigkeit als Erzieherin in einem Jugendheim in Kassel, mit entsprechend delinquentem Klientel sowie daraus entstandenen Gesprächen mit dem Kriminalhauptkommissar im Polizeirevier Pinneberg (Hamburg) / Ermittlungsgruppe Jugend. Ein besonderes Interesse zur spezifischen Fall- und Theorienanalyse unterliegt außerdem meiner Neigung zur Qualifizierung durch den Masterstudiengang „Kriminologie“. Da die Kriminologie, mit den Theorien das Verhalten sowie die Vorgehensweise eines Täters zu verstehen und vorauszuschauen sucht, ist es mir ein besonderes Anliegen dieses Basisgrundwissen durch meine wissenschaftliche Arbeit für mich zu manifestieren. Meiner Meinung nach ist dieses Wissen außerdem für die Soziale Arbeit, aufgrund unserer Industrialisierung, Globalisierung und der daraus resultierenden gesellschaftlichen Vernetzung, und Zunahme der Kriminalitätsintensität, wichtig.
In dem Verlauf meiner Arbeit möchte ich im Kapitel 2 die Erläuterung zur Herkunft des Begriffes der Kriminologie geben, eine Definition und Aufgaben aufzeigen sowie dem Leser die gesellschaftliche Unterscheidungen zum Verbrechensbegriff eröffnen. Im Kapitel 3 werden die Erklärungsansätze für delinquentes Verhalten gegeben. Dienlich als Basis für die Erörterung des im Kapitel 4 anonymisierten Fallbeispiels des Polizeireviers Pinneberg (Hamburg) und deren sozialen Folgen. Insgesamt möchte ich einen Einblick in die Delinquenzforschung darlegen, eine Verbindung zwischen den bestehenden Theorien und der vorherrschenden Realität geben. Ich verspreche mir davon die Implementierung eines besseren Verständnisses von delinquent gewordenen Klientel der Sozialen Arbeit, dienlich der Professionalisierung meiner pädagogisch, soziologisch und psychologisch qualifizierten Arbeit in der Praxis.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung in die Thematik
2 Einführung in den Kriminologie- und Verbrechensbegriff
2.1 Herkunft, Definition und Aufgaben der „Kriminologie“
2.1.1 Herkunft
2.1.2 Definition
2.1.3 Aufgaben
2.2 Unterscheidungen zum Verbrechensbegriff
2.2.1 Der strafrechtlich (formelle) Kriminalitätsbegriff
2.2.2 Der „natürliche“ Verbrechensbegriff
2.2.3 Der soziologische (materielle) Verbrechensbegriff
3 Kernerklärungsansätze für Kriminalität / delinquentes Verhalten
3.1 Biologische Kriminalitätstheorien
3.2 Psychologische und sozialpsychologische Kriminalitätstheorien
3.2.1 Psychodynamisches Konzept
3.2.2 Theorie des rationalen Wahlhandelns („rational choice approach“)
3.2.3 Lernpsychologische Ansätze
3.2.4 Die Aggressionstheorien
3.3 Soziologisch orientierte Kriminalitätstheorien
4 Fallbeispielanalyse
4.1 Die Vorstellung des Fallbeispiels
4.2 Erörterung der in Frage kommenden Theorieansätze
4.3 Soziale Folgen & ihr sozialpädagogischer Umgang
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht theoretische Erklärungsansätze für die Entstehung von Kriminalität und verknüpft diese wissenschaftlichen Grundlagen mit einer praktischen Analyse eines anonymisierten Fallbeispiels der Kriminalpolizei. Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für delinquentes Verhalten zu entwickeln, um dieses Wissen für die professionelle Praxis der Sozialen Arbeit nutzbar zu machen.
- Historische und theoretische Grundlagen der Kriminologie
- Klassifizierung und Unterscheidung von Verbrechensbegriffen
- Psychologische, biologische und soziologische Kriminalitätstheorien
- Analyse eines konkreten Fallbeispiels gefährlicher Körperverletzung
- Präventionsstrategien und sozialpädagogischer Umgang mit Delinquenz
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Psychodynamisches Konzept
Bei dem psychodynamischen Konzept steht die psychoanalytische Persönlichkeitstheorie zur Verbrechenserklärung nach Siegmund Freud (1856-1939) im Mittelpunkt. Diese basiert auf Bewusstem, Vorbewusstem und Unbewussten, also dem von ihm benannten Es, Ich und Über-Ich. Sie besagt, dass nichts im Seelenleben zufällig und ohne Grund geschieht sowie, dass das dem Menschen Unbewusste, dennoch das Handeln und Fühlen beeinflusst (Schwind. 2010, 116).
Außerdem fließen die Kontrolltheorien (Social Control - theories) in das psychodynamische Konzept ein. Sie setzen sich mit der Fragestellung „Warum begehen Menschen keine Straftaten?“ (Schwind. 2010.120 vgl. Meier. 2007, 63) auseinander. Hier spielen die Halttheorien nach Reiss (1951) und Reckless (1961), die „auf den Einfluss intakter familiärer Beziehungen (zwischen Eltern und Kindern) und Erziehung“ (Schwind. 2010, 120) zurückgehen, eine zentrale Rolle.
Darauf aufbauend beschäftigte sich Travis Hirschi mit der sozialen Bindungstheorie (Social bonding theory) und versucht zu erklären, „welche Einflussfaktoren (Bindung mit kriminoresistenter Wirkung „bo(u)nds“) den inneren und äußeren Halt (wesentlich) mitbestimmen (können)“ (Schwind. 2010, 121 vgl. Meier. 2007, 65) Es geht hier also im wesentlichen um „attachement to others“ (enge, persönliche Bindung an wichtige Bezugspersonen, das zur Rücksichtnahme verpflichtet), um „commitment to conventional goals“ (Abwägung der Risiken und Nachteile, die mit einer Straftat verbunden wären), dem „involvement in conventional activities“ (die Einbindung in gesellschaftliche Gruppen) und das „belief in social rules“ (der Glaube an die Verbindlichkeit moralischer und sozialer Werte und -vorstellungen) (Meier. 2007, 65)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung in die Thematik: Die Autorin begründet ihre wissenschaftliche Motivation und erläutert den Aufbau der Arbeit im Kontext ihres Studiums der Sozialen Arbeit.
2 Einführung in den Kriminologie- und Verbrechensbegriff: Dieses Kapitel definiert die Kriminologie, ihre Aufgaben und grenzt verschiedene Verbrechensbegriffe (strafrechtlich, natürlich, soziologisch) voneinander ab.
3 Kernerklärungsansätze für Kriminalität / delinquentes Verhalten: Es werden die biologischen, psychologischen und soziologischen Theorien zur Kriminalitätsentstehung systematisch dargestellt und erläutert.
4 Fallbeispielanalyse: Anhand einer anonymisierten Strafanzeige werden die vorgestellten Theorien auf ein konkretes Fallbeispiel angewandt und sozialpädagogische Interventionsmöglichkeiten diskutiert.
5 Fazit: Das Fazit resümiert die theoretischen Erkenntnisse und betont die Relevanz der Fallanalyse für das Verständnis deliktorientierter Arbeit in der sozialen Praxis.
Schlüsselwörter
Kriminologie, Kriminalitätstheorien, Soziale Arbeit, Delinquenz, Prävention, Fallbeispielanalyse, Psychodynamisches Konzept, Anomietheorie, Subkulturtheorie, Lernpsychologie, Straffälligkeit, Jugendkriminalität, Soziale Folgen, Interdisziplinarität, Sozialpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Herleitung von Kriminalität und der Verknüpfung dieser Erkenntnisse mit einem praktischen Fallbeispiel aus der polizeilichen Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind kriminologische Theorien (biologisch, psychologisch, soziologisch), das Verständnis von Kriminalität sowie die sozialpädagogischen Ansätze der Gewaltprävention.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für delinquente Klientel zu entwickeln, um die eigene pädagogische und soziologische Arbeit in der Praxis zu professionalisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine literarische Auseinandersetzung mit der Fachliteratur, kombiniert mit einer theoretischen Fallanalyse eines realen Polizeiberichts.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Kriminologie, eine detaillierte Auflistung verschiedener Kriminalitätstheorien und deren Anwendung auf ein konkretes Fallbeispiel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Kriminologie, Delinquenz, Prävention, Soziale Arbeit und Kriminalitätstheorien.
Welches konkrete Fallbeispiel wird analysiert?
Es wird eine Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung eines Polizeireviers in Pinneberg (Hamburg) aus dem Jahr 2009 analysiert.
Welche Rolle spielt die Prävention in dieser Arbeit?
Die Prävention wird als zentraler sozialpädagogischer Umgang mit Delinquenz verstanden und in primäre, sekundäre sowie tertiäre Maßnahmen unterteilt.
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- Anna Vernaleken (Author), 2011, Geschichte und Theorien zur Entstehung von Kriminalität und ethische Beleuchtung eines anonymisierten Beispiels, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172352