Nutzung sozial-diagnostischer Verfahren zur Förderung der Selbstwahrnehmung von Demenzerkrankten


Studienarbeit, 2011

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. ALTE MENSCHEN
2.1 Soziale Kompetenz
2.2 Altersbedingte Veränderungen des Gedächtnisses
2 2.3. Umfangreiche Diagnostik

3. DEMENZ
3.1 Demenzstadien
3.2 Krankheitsverlauf
3.3 Multimorbidität bei Demenz

4. MERKMALE DER SOZIALEN DIAGNOSTIK
4.1 Soziale Diagnostik und Demenz
4.2 Sozial-diagnostische Verfahren
4.2.1 Visuelle Ersteinschätzung nach P. Pantucek
4.2.2 Kurzdiagnose: Presented-Problem-Analyse (PPA) nach P. Pantucek
4.2.3 Ziel- und Ressourcenorientiertes Verfahren nach Streich/Lüttringhaus
4.2.4 Notationssystem: Die Netzwerkkarte nach P. Pantucek
4.2.5 Testverfahren zur Erfassung der kognitiven Leistung
4.3 Umgang mit Demenz
4.4 Selbstwert von Demenzerkrankten
4.5 Perspektiven in der Sozialen Arbeit

5. FAZIT

6. ABBILDUNGSVERZEICHNIS

7. QUELLENVERZEICHNIS

ANHANG

1. Einleitung

Gewählt habe ich das Thema der Sozialen Diagnostik im Zusammenhang mit Demenz, weil mich die Methoden der Sozialen Arbeit im Hinblick auf die Zielgruppe der alten Menschen sehr interessiert. In der Sozialen Arbeit gibt es wenige Diagnosen, die von ihr gestellt werden können, wie z.B. die Kindeswohlgefährdung. Jedoch denke ich, dass es der Sozialen Arbeit möglich ist, sich diagnostisch dem Syndrom Demenz zu nähern und dessen Auswirkungen für die Betroffenen und deren Angehörige umfangreich erfassen zu können. In dieser Hausarbeit werde ich einige sozialdiagnostische Verfahren nutzen, um ganzheitlich mit der Lebenslage von Demenzerkrankten zu arbeiten.

Ich beschränke mich auf die Betrachtungsweise der Demenz im Frühstadium, da hier die anfänglichen Veränderungen sichtbarer werden und es den KlientInnen in dieser Phase noch möglich sein könnte, sich selbstkritisch mit den Veränderungen auseinanderzusetzen. Zusätzlich würde eine Betrachtung einer fortgeschrittenen Demenz den Rahmen dieser Hausarbeit überschreiten.

2. Alte Menschen

Um sozialdiagnostisch handeln zu können, ist es wichtig, die Veränderungen im Altersprozess zu kennen. Darunter zählt auch die Veränderung im sozialen Bereich, die dadurch gekennzeichnet ist, dass die Sozialkontakte zurückgehen können, da Ereignisse wie der Auszug der Kinder, der Eintritt in das Rentenalter sowie der Verlust des langjährigen Ehepartners die Erhaltung von sozialen Aktivitäten erschweren. Hierbei ist es bedeutsam, den alten Menschen in seinem Lebenskonstrukt zu betrachten um herauszufinden, welche Bedeutung seine Bezugspersonen für ihn haben und wie er sich selbst sieht. Es ist auch wichtig zu wissen, in welcher Position sich der alte Mensch in der Gesellschaft und in der Familie sieht.

2.1 Soziale Kompetenz

Man sollte nicht davon ausgehen, dass die soziale Kompetenz im Alter zwangsläufig abbaut. Nach Betrachtung des Lebenslaufes vieler alter Menschen, wird klar, dass diese eine Vielzahl an schweren gesellschaftlichen und persönlichen Krisen bewältigt haben (vgl. Haag 1996, S. 33). Das Überstehen von Kriegs- und Nachkriegszeit ist nur ein Beispiel dafür.

Jedoch tritt bei alten Menschen oft ein Verlust an sozialer Kompetenz ein. Es gilt, die Ursachen für diesen Kompetenzverlust zu suchen. Hierbei ist es wichtig, verschieden Faktoren in die Analyse mit einzubinden.

2.2 Altersbedingte Veränderungen des Gedächtnisses

Da häufig angenommen wird, dass alte Menschen über ein nachlassendes Gedächtnis klagen und sich meist vergesslicher zeigen als jüngere Menschen, ist es wichtig, empirische Ergebnisse gerontopsychologischer Gedächtnisforschung zu betrachten. Diese zeigen, dass bestimmte Arten von Gedächtnisaufgaben alterskorrelierte Leistungsminderungen aufzeigen, andere jedoch nicht. Dahingehend müssen die Gedächtnisbereiche in den Blick genommen werden, die Altersveränderungen unterliegen. Zu diesen Bereichen gehören das Kurzzeitgedächtnis und das episodische Langzeitgedächtnis. Beim erstgenannten handelt es sich um einen Kurzzeitspeicher, der beispielsweise zum Merken einer soeben nachgeschlagenen Telefonnummer dient. Das episodische Langzeitgedächtnis wird bei einer Alltagsaufgabe wie dem Einprägen benötigter Lebensmittel zu Hause und ihrem Erinnern im Supermarkt genutzt. In diesen Bereichen zeigen alte Menschen klare Defizite zu jüngeren Erwachsenen. Diese Tatsache alleine hat jedoch keine negative Auswirkung im Alltag zur Folge. Dagegen spielen auch die Einstellungen und Erwartungen sowie eine subjektive Ursachenzuschreibung von Erfolgen und Misserfolgen eine bedeutsame Rolle. (vgl. Haag 1996, S. 46f.) Deswegen ist es wichtig, die soziale Kompetenz des alten Menschen in die Verhaltensbeobachtung mit einzubeziehen.

2.3. Umfangreiche Diagnostik

Die Veränderungen, die bei alten Menschen häufig im sozialen sowie im gesundheitlichen Bereich liegen, erfordern eine ganzheitliche Diagnostik. So eine umfassende Diagnostik setzt sich aus der Beobachtung verschiedenster Teilbereiche des Lebens zusammen. Hierzu gehören die Funktionsfähigkeit im kognitiven Bereich und die Aktivitäten des täglichen Lebens. Ebenso muss der Status der körperlichen Gesundheit und das Vorhandensein von materiellen Ressourcen geprüft werden.

Weiterhin sind Aussagen von Angehörigen, des Pflegepersonals und auch von anderweitigen Bezugspersonen mit einzubeziehen. (vgl. Haag 1996, S. 18f.)

3. Demenz

Demenz ist ein Syndrom, das sich unter anderem durch die Hauptmerkmale der erworbenen Beeinträchtigungen des Gedächtnisses auszeichnet. Weiterhin sind höhere Hirnfunktionen von den Beeinträchtigungen betroffen. Diese sind so schwerwiegend, dass die Fähigkeit zur Bewältigung alltäglicher Anforderungen eingeschränkt wird. Das kann zum Autonomieverlust in fortgeschrittenen Krankheitsstadien und schließlich zur völligen Hilflosigkeit führen. (vgl. Weyerer 2007, S. 58)

Zur Diagnose einer Demenz müssen bestimmte diagnostische Kriterien erfüllt sein. Diese sind nach ICD-10 unter anderem die Störung des Denkvermögens. Hierbei ist auch das Urteilsvermögen beeinträchtigt. (vgl. Gutzmann 2005, S. 25) Dazu gehört der Nachweis einer Abnahme des Gedächtnisses. Dieser ist in einem solchen Ausmaß vorhanden, dass die Funktionsfähigkeit im täglichen Leben beeinträchtigt ist. Weiterhin entsteht durch die obigen Kriterien eine Verminderung der Affektkontrolle oder des Sozialverhaltens. Für eine sichere klinische Diagnose sollten diese Symptome und Beeinträchtigungen mindestens über einen Zeitraum von sechs Monaten feststellbar sein. (vgl. Wetterling 2001, S. 53)

Im Weiteren wird nicht auf die Unterformen von Demenz eingegangen. Die Ursachen sowie die Risikofaktoren für eine Demenzerkrankung werden in dieser Arbeit ebenfalls nicht berücksichtigt.

3.1 Demenzstadien

Die höheren Demenzstadien werden als kurzer Einblick vorgestellt, jedoch im Verlauf dieser Arbeit nicht für weitere Veranschaulichungen genutzt.

Im Stadium einer leichten Demenz (Abb. 1a) sind die kognitiven Störungen so stark ausgeprägt, dass z.B. Hilfe bei der Haushaltsführung benötigt wird. Dies bedeutet aber noch keine ständige Abhängigkeit von Dritten. (vgl. Weyerer 2007, S. 59)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1a

Im mittelgradigen Stadium (Abb. 1b) sind deutliche Beeinträchtigungen im Alltag vorhanden, die eine dauerhafte Beaufsichtigung und Betreuung durch Angehörige oder andere Pflegepersonen nötig machen. (vgl. Weyerer 2007, S. 59)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1b

Schließlich kommt es im Stadium der schweren Demenz (Abb. 1c) zum Verlust der letzten noch verbliebenen Alltagskompetenzen. In diesem Stadium sind die Patienten meist nicht mehr in der Lage, die Toilette aufzusuchen oder selbstständig das Essen einzunehmen. Sie sind meist bettlägerig und häufig harn- und stuhlinkontinent. Hier besteht meist eine schwere Abhängigkeit von Pflegepersonen. (vgl. Weyerer 2007, S. 59)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1c

Abbildungen 1a-c: Computertomographische Bilder von Patienten mit leichter (a), mittelschwerer (b) und schwerer Demenz (c) vom Typus Alzheimer.

Demenzen verlaufen meist chronisch progredient und enden mit dem Tode (vgl. Weyerer 2007, S. 77).

3.2 Krankheitsverlauf

Eine Demenz schreitet meist so voran, dass die Menschen diese erst später bemerken. Sie macht sich nicht plötzlich bemerkbar. In den meisten Fällen geht ihr eine leichte kognitive Beeinträchtigung voraus. Diese weist keine schwerwiegenden Defizite auf, so dass die Alltagsbewältigung noch nicht beeinträchtig ist. Die Betroffenen können jedoch nicht mehr auf ihre volle kognitive Leistungsfähigkeit zurückgreifen. (vgl. Mösch 2003, S. 16)

Die Betroffenen merken dies meist zuerst, und das führt oft zu innerer Unruhe und Angst. Für Außenstehende ist es aber schwierig oder unmöglich derartige Fehlleistungen als Beginn eines Krankheitsprozesses zu erkennen. (vgl. Trebert 1991, S. 30)

Die Reaktionen auf diese zunehmende Merkschwäche können bei jedem Menschen unterschiedlich sein. Trebert (vgl. 1991, S. 30) unterteilt diese in eher akzeptierende und nicht-akzeptierende Reaktionen. Beim ersteren kann es zu einer Vermeidung von schwierigen Situationen kommen, wodurch kurzzeitig Erleichterung entsteht. In dieser Phase kann es zu Resignation und Depression kommen. Weiterhin ist es möglich, dass die Angehörigen der Betroffenen zu viele Aufgaben abnehmen und ihn bevormunden. Bei Nicht-Akzeptanz der Situation kann es zu Verleugnungen von Schwächen kommen. Dies kann eventuell zu einer Projektion der eigenen Schwächen auf die Umwelt führen. (vgl. Trebert 1991, S. 30) Durch diese Verhaltensweise entstehen oft Probleme mit den Angehörigen und anderen Bezugspersonen.

3.3 Multimorbidität bei Demenz

Eine Depression und das Demenz-Syndrom können sehr leicht verwechselt werden, da die Betroffenen bei einer Depression Symptome wie Merkschwächen und Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit aufweisen können. Weiterhin kann zu Beginn der Demenz auf die zunehmenden Gedächtnisprobleme mit einer Depression reagiert werden. Bei psychologischen Tests zeigen die PatientInnen mit Depression nicht die für eine Demenz typische Form der Leistungsminderung. Bei Vorliegen einer Depression kann man davon ausgehen, dass die Betroffenen deutlich über ihre Einbußen klagen werden, während die demenziell Erkrankten diese eher verharmlosen. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass bei einigen PatientInnen eine Kombination der beiden Erkrankungen vorliegt oder die depressiven Symptome Vorboten eines Demenzsyndroms sind. (vgl. Trebert 1991, S. 41)

Des Weiteren sollte ein Delir (Verwirrtheitszustand) ausgeschlossen werden. Dies erläutere ich anhand eines Fallbeispiels aus meiner beruflichen Praxis.

Eine ältere Dame kam aufgrund eines Sturzes und anschließendem Krankenhausaufenthalt in ein Pflegeheim. In diesem Pflegeheim wurde sie in einem Pflegezimmer untergebracht, in der sich eine weitere Dame befand, die nach kurzer Zeit verstarb. Die nächste Mitbewohnerin verstarb ebenfalls nach einiger Zeit. Die Dame, die darauf in das Zimmer einzog, brauchte sehr viel pflegerische Fürsorge. Zu der ursprünglichen, drastischen Veränderung kam eine weitere Belastung hinzu, da es am Tage wenige Minuten gab, in denen nicht jemand vom Personal das Zimmer betrat. Mir war aufgefallen, dass die Dame sehr schnell überfordert schien. Dies machte sich durch ihre Unsicherheit bemerkbar, denn beispielsweise rief mich die Dame an um nach terminlichen Verabredungen zu fragen, die sie sich jedoch in ihren Terminplaner eingetragen hatte. Weiterhin bemerkte man ein erhöhtes Stressniveau, wenn die Pflegerin den Kaffee nicht pünktlich zur sonst üblichen Zeit ins Zimmer brachte. Dieser leichte Verwirrtheitszustand besserte sich allmählich, war jedoch noch für den Zeitraum feststellbar, in der die Dame in dem Pflegezimmer wohnte. Als diese in ein eigenes, abschließbares Zimmer umgezogen war, besserte sich ihr Zustand rapide. Ab diesem Zeitpunkt konnte die Dame ihren Tagesablauf weitestgehend selbst bestimmen. Es fiel auf, dass dies sehr schnell nach dem Umzug wieder möglich war. Nach einiger Zeit war zu bemerken, wie die Dame wieder Interesse an neuen und altbekannten Dingen in ihrem Leben zeigte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Nutzung sozial-diagnostischer Verfahren zur Förderung der Selbstwahrnehmung von Demenzerkrankten
Hochschule
Fachhochschule Kiel
Veranstaltung
Soziale Diagnostik
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V172366
ISBN (eBook)
9783640922611
ISBN (Buch)
9783640922512
Dateigröße
2932 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nutzung, verfahren, förderung, selbstwahrnehmung, demenzerkrankten, soziale diagnostik, demenz, demenzerkrankung, demenzerkrankte
Arbeit zitieren
Stephanie Jasper (Autor), 2011, Nutzung sozial-diagnostischer Verfahren zur Förderung der Selbstwahrnehmung von Demenzerkrankten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172366

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