Gesundheit ist ein sehr allgemeiner Begriff mit einer großen Brandbreite von Bedeutungen. Jeder, der sich aktiv mit dem Thema Gesundheit auseinander setzt, entwickelt eine ganz persönliche Sichtweise.
Unterschiedliche Gesellschaften haben unterschiedliche Sichtweisen und Verständnisse von Gesundheit. Diese Unterschiedlichkeit ist auf das kulturelle Erbe, welches von Generation zu Generation weitergegeben wurde, zurück zuführen.
Die meisten Menschen interpretieren Gesundheit entweder negativ oder positiv.
Die negative Verständnisweise stellt Gesundheit als die Abwesenheit von Krankheit dar. Diese Interpretation spiegelt auch das medizinisch-wissenschaftliche Modell wider und ist vor allem in der westlichen Gesellschaft weit verbreitet.
Gesundheit im positiven Sinn ist ein komplexes Konstrukt aus mehreren unterschiedlichen Ansätzen. Ein Beispiel hierfür ist die Definition der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahre 1946. Die WHO definiert Gesundheit als einen „Zustand des völligen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur als die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen“.
Derzeit ist keine einheitliche Definition von Gesundheit vorhanden. Hauptgrund hier-für ist offenbar, dass es keine richtige oder falsche Sichtweise von Gesundheit gibt.
Unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche Ansichten zum Thema Gesundheit. Alter, Geschlecht, Schichtzugehörigkeit, ethnischer Ursprung, Beruf und vieles mehr beeinflussen das individuelle Gesundheitsverständnis (vgl. Naidoo & Wills, 2003, S. 5-7).
Aus den oben aufgeführten Gründen ist es wichtig, sein individuelles Gesundheitsverständnis zu erläutern, um Missverständnisse vorzubeugen.
Im Folgenden soll nun zu erst ein Blick auf verschiedene Definitionsbeispiele von Gesundheit geworfen werden, ebenso auf unterschiedliche Gesundheitsmodelle. Im Anschluss werden die Gesundheit und der Gesundheitszustand am Beispiel von übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen dargestellt.
Dabei wird in der vorliegenden Arbeit Gesundheit nach der Definition der WHO in seiner Ganzheit (körperlich, geistig und sozial) betrachtet.
Das Thema Übergewicht und Adipositas wurde gewählt, da es zum einen aktuell ist und viel diskutiert wird bzw. sehr medienpräsent ist, weil es ein weltweit zunehmendes Problem darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definitionsbeispiele von Gesundheit
2.1 Monodisziplinäre Definitionen
2.2 Interdisziplinäre Definitionen
3 Gesundheitsmodelle
3.1 Biomedizinisches Gesundheitsmodell
3.2 Biopsychosoziales Gesundheitsmodell (Engel)
3.3 Salutogenetisches Gesundheitsmodell (Antonovsky)
4 Gesundheitsbegriff am Beispiel von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen
4.1 Definition Übergewicht
4.2 Definition Adipositas
4.3 Forschungsstand
4.4 Ursachen
4.4.1 Energiestoffwechsel
4.4.2 Ernährungs- und Bewegungsverhalten
4.4.3 Genetische Bedingungen
4.4.4 Familiäres Umfeld
4.4.5 Gesellschaftliches Umfeld
4.5 Folgen und Auswirkungen
4.5.1 Physisch
4.5.2 Psychisch
4.5.3 Sozial
5 Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den vielschichtigen Gesundheitsbegriff, um zu verdeutlichen, dass Gesundheit weit über die reine Abwesenheit von Krankheit hinausgeht. Am Beispiel der zunehmenden Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen wird aufgezeigt, wie physische, psychische und soziale Faktoren das individuelle Wohlbefinden beeinflussen.
- Grundlagen verschiedener Gesundheitsdefinitionen und -modelle
- Differenzierung zwischen Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen
- Analyse der Ursachen (biologisch, familiär, gesellschaftlich) von Adipositas
- Darstellung der physischen, psychischen und sozialen Auswirkungen
- Diskussion über das Gesundheitsverständnis und den Forschungsbedarf
Auszug aus dem Buch
3.3 Salutogenetisches Gesundheitsmodell (Antonovsky)
Das wohl bekannteste Gesundheitsmodell stammt von Aaron Antonovsky (Medizinsoziologe). Antonovsky entwickelte das Modell der „Salutogenese“. Mit seiner Vorgehensweise unterschied er sich stark von der üblichen pathogenetisch orientierten Fragestellung. Im salutogenetischen Modell steht primär die Gesundheit und nicht die Krankheit im Vordergrund.
Antonovsky faszinierte die Beobachtung, dass einige Menschen trotz extrem widriger und belastender Lebensumstände wie z.B. einer Gefangenschaft in einem Konzentrationslager erstaunlich gesund blieben (vgl. Antonovsky & Franke, 1997, S. 15). Die Fähigkeit vorhandene Ressourcen für den Erhalt der Gesundheit zu aktivieren und zu nutzen beschreibt Antonovsky mit dem Kohärenzgefühl (sense of coherence) (vgl. Brinkmann-Göbel, 2001, S. 71).
In diesem Zusammenhang entwickelte Antonovsky den Begriff „Gesundheits-Krankheits-Kontinuum“. Damit ist gemeint, dass es keine klare Abgrenzung zwischen Krankheit und Gesundheit gibt. Vielmehr ist ein Kontinuum mit den beiden Endpunkten Krankheit und Gesundheit vorhanden. Wie gesund oder wie krank ein Mensch ist, ist von den belastenden Faktoren (Stressoren), die auf den Menschen einwirken und den schützenden Faktoren (Widerstandsressourcen), die der Mensch mobilisieren kann, abhängig. Somit ist Gesundheit ein dynamischer und kein statischer Zustand (vgl. Waller, 2006, S. 20).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das breite Thema Gesundheit ein und erläutert die Wahl des Schwerpunkts auf übergewichtige und adipöse Kinder und Jugendliche.
2 Definitionsbeispiele von Gesundheit: Hier werden verschiedene monodisziplinäre und interdisziplinäre Definitionen von Gesundheit gegenübergestellt, um die Vielschichtigkeit des Begriffs zu verdeutlichen.
3 Gesundheitsmodelle: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das biomedizinische, das biopsychosoziale und das salutogenetische Gesundheitsmodell.
4 Gesundheitsbegriff am Beispiel von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen: Das Kernkapitel definiert die Begriffe, analysiert den Forschungsstand und beleuchtet detailliert die Ursachen sowie die physischen, psychischen und sozialen Folgen.
5 Schlussbetrachtung und Ausblick: Hier werden die Erkenntnisse zusammengeführt und kritisch reflektiert, wobei auf den zukünftigen Forschungsbedarf bezüglich des individuellen Gesundheitserlebens hingewiesen wird.
Schlüsselwörter
Gesundheit, Salutogenese, Adipositas, Übergewicht, Kinder und Jugendliche, WHO-Definition, Biomedizinisches Modell, Biopsychosoziales Modell, Kohärenzgefühl, Energiebilanz, Lebensqualität, Sozialpsychologie, Prävention, Kinder- und Jugendgesundheitssurvey, Gesundheitsverständnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem komplexen Konstrukt „Gesundheit“ und hinterfragt gängige Sichtweisen, insbesondere durch die Anwendung theoretischer Gesundheitsmodelle auf das Praxisbeispiel Übergewicht und Adipositas.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition von Gesundheit, die Darstellung wissenschaftlicher Gesundheitsmodelle, Ursachen für die Adipositas-Entwicklung sowie deren gesundheitliche Folgen im Kindes- und Jugendalter.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Ganzheitlichkeit des Gesundheitsbegriffs aufzuzeigen und zu verdeutlichen, dass neben körperlichen auch psychische und soziale Faktoren maßgeblich zum Gesundheitszustand beitragen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung von Studien wie dem KiGGS-Survey basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch Gesundheitsmodelle und eine detaillierte Analyse der Ursachen, Risiken und sozialen Folgen von Übergewicht bei Heranwachsenden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Salutogenese, Adipositas-Prävalenz, Gesundheits-Krankheits-Kontinuum und psychosoziale Belastung geprägt.
Warum ist das biopsychosoziale Modell für das Thema Adipositas relevant?
Es ist relevant, da Adipositas nicht nur eine rein physische Störung ist, sondern durch ein komplexes Zusammenspiel aus genetischen, familiären und gesellschaftlichen Einflüssen sowie psychischen Faktoren entsteht.
Was schlägt der Autor für zukünftige Forschungsarbeiten vor?
Der Autor regt an, den Widerspruch zu untersuchen, warum sich Menschen trotz diagnostizierter Krankheit gesund fühlen können und welche Mechanismen diesen Prozess steuern.
- Citation du texte
- B.A. Sportwissenschaft Profil Gesundheitsförderung Willy Belizer (Auteur), 2009, Gesundheit und Gesundheitszustand von übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172373