"Ophélie" (1870) von Arthur Rimbaud und "Ophelia" (1910) von Georg Heym. Beide Texte greifen das ikonische Bild der toten Ophelia auf, rücken jedoch unterschiedliche Aspekte in den Fokus: Rimbaud entwirft eine symbolistisch überhöhte Szene traumartiger Entrückung, während Heym eine expressionistisch verschärfte, körperlich entstellte Version vorlegt. Gerade weil Heym nicht, wie viele Bearbeitungen zuvor, direkt auf Shakespeare zurückgreift, sondern sich erkennbar auf Rimbaud bezieht, eignet sich die Kombination der beiden Texte in besonderer Weise für eine intertextuelle Untersuchung. Rüesch zufolge lässt sich der Einfluss Rimbauds auf Heym nicht nur durch thematische Parallelen, sondern auch durch eine neue ästhetische Haltung erklären, die in der Literatur nach der Jahrhundertwende stilprägend wurde. Die vorliegende Arbeit greift diesen Zusammenhang auf, indem sie den poetischen Dialog der beiden Gedichte rekonstruiert. Ziel der Arbeit ist es, herauszuarbeiten, wie die Figur der Ophelia in den beiden Gedichten poetisch konstruiert wird und welche Unterschiede sich dabei in den symbolischen, motivischen und weltanschaulichen Zugängen der Autoren offenbaren. Grundlage der Analyse bildet dabei ein intertextuelles Vorgehen im Sinne der struktural orientierten Intertextualitätsforschung, die literarische Texte als Gefüge kultureller Bezugnahmen versteht.
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- Celina Mehlmann (Autor), 2025, Zwischen Verklärung und Verwesung. Poetische Transformationen des Ophelia-Motivs in Rimbauds "Ophélie" und Heyms "Ophelia", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1724152