Westfälischer Marmor zählt zu den vergessenen Dekorgesteinen Deutschlands. Verwendungen lassen sich von der Renaissance bis in die Gegenwart verfolgen. Dazu werden erstmals seine Bergbau- und Wirtschaftsgeschichte quellenbasiert aufgearbeitet. Dazu gehören neben Akten aus Landes-, Orts-, Pfarr- und Adelsarchiven auch umfangreiche Bestände von Bergamtsakten. In den kalkigen Ablagerungen des sauerländer Devons lassen sich noch die Spuren von 140 Schürfen, Mutungen und Abbaustellen nachvollziehen, die tabellarisch und kartographisch dokumentiert werden. Verwendungsbeispiele aus Schlössern, Kirchen und Staatsbauten können erstmals umfassend dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Einführung und leitende Fragestellungen
1.2 Quellen und geologische Daten
2. Vorkommen, Mutungen und Abbaustellen
3. Bergbau- und Wirtschaftsgeschichte
3.1 Bergbauhistorische und -bergrechtliche Vormerkungen.
3.2 Westfälischer Marmor in vorindustrieller Zeit
Frühe Marmorverwendungen im kurkölnischen Sauerland
Heimischer Marmor für Burg Schnellenberg.
Lokale Marmorverwendungen in Attendorn
Effenberger, regionale Marmorverwendungen im Raum Sundern - Balve
3.3 Marmorsuche an westfälischen Grenzen - Herzogtum Berg, Fürstentümer Waldeck und Lippe, Bistümer Osnabrück und Paderborn
3.4 Marmor im Raum Attendorn 1841 - 1894.
Wiederentdeckung und schwierige Anfänge - C. Kessler und belgische Marbiers 1842 - 1844
Ein Kamin für den preußischen König 1842-1845.
J.G. Tonglet, Marmorfabrikant aus Wallonien 1845-1852
Marmorgesellschaft F. J. Bonzel & Co. 1852 - 1867
Niedergang und Neuversuch 1867 - 1894
Zurück zu den Anfängen - die anderen Muter im Raum Attendorn 1850-1865
3.5 Marmorsuche im östlichen Sauerland 1843 - 1865
Marmor aus Brilon-Rösenbeck für den Berliner Dom?
Marmormutungen, nicht nur seriös..
3.6 Aufbau und Niedergang der Marmorindustrie im östlichen Sauerland 1858 - 1878
J.B. Prang, Beginn in Brilon-Alme 1855 - 1862..
J.B. Prang & Co, Mutung und Verleihung von 63 Marmorgrubenfeldern
Mutung, Verleihung und Abbau von Marmorgrubenfeld Eva I bei Rüthen-Kallenhardt
Betrieb der Marmorgruben bei Brilon,-Alme und Warstein
Beginn der industriellen Marmorförderung und -verarbeitung, Geschäftsentwicklung von J.B. Prang & Co. 1862 bis 1872
Westfälische Marmorwerke zu Allagen bei Soest, Aktiengesellschaft 1872 - 1878
3.7 Westfälische Marmor- und Granitwerke Georg Dassel Allagen 1885 bis 1918
3.8 Westfälischer Marmor 1918 - 1945
Materialmangel und neue Abbauversuche
Marmor versus Kalkstein im Raum Warstein - der erste Marmorprozess
3.9 Der Ausklang 1945 bis 2015.
Verwendung von Restblöcken und -platten aus westfälischem Marmor
Kattenfels- und Westerfels, neue Marmore von Rüthen und Warstein
Renaissance von Mecklinghausen rot in Attendorn-Helden
Endgültiges Ende des Abbaus westfälischen Marmors
Kalkstein versus Marmor im Raum Warstein - der zweite Marmorprozess
Bestehende Marmorgrubenfelder
3.10 Örtliche Erinnerungen an Marmorabbau.
3.11 Akteure des westfälischen Marmors im 19. Jahrhundert
Berggeschworene, Bergräte, Bergeleven und Markscheider
Muter und Gewerken.
4. Verwendungsbeispiele westfälischer Marmore
5. Resümee
Danksagung
6. Quellen- und Schriftenverzeichnis
7. Dokumentation
Abkürzungsverzeichnis
Angebots- und Preisliste für Marmorprodukte, Meissner 1877
Karten zu Marmorgrubenfeldern und Abbaustellen
Karten verliehener und bergrechtlich bestehender Marmorgrubenfelder, Folge der Mutungen, Abbaustellen
Tabelle Verwendungsbeispiele westfälischer Marmore
Tafeln 1 – 39
Kurzfassung
Westfälischer Marmor gehört im Gegensatz zum Baumberger Sandstein, Soester und Rüthener Grünsandstein zu den wenig bekannten heimischen Dekorgesteinen. Seine verschiedenen Sorten sind Marmor im kunsthistorisch-technischen Sinn, also Kalksteine, die sich schneiden, schleifen und polieren lassen. Methodisch ist die Arbeit quellenorientiert: Sie basiert auf der Auswertung von 380 Akten aus 50 Archiven sowie auf der Dokumentation historischer Abgrabungsstellen, Betriebsstätten und Verwendungsbeispiele. Westfälischer Marmor wurde aus Kalksteinen des Mittel- und Oberdevons sowie des Unterkarbons im Sauerland zwischen dem Raum Balve-Arnsberg im Westen und Marsberg im Osten gewonnen. Bislang konnten über 140 Lokalitäten identifiziert werden - größtenteils auch im Gelände -, an denen Marmor gemutet, bergrechtlich verliehen oder abgebaut wurde. Das Arbeitsgebiet gehörte im 17. und 18. Jahrhundert zum kurkölnischen Sauerland und damit zum Kurfürstentum Köln als weltlichem Teil des Erzbistums Köln. Dessen kurkölnische Bergordnung von 1669 regelt die Marmorgewinnung bis in die Gegenwart hinein bergrechtlich. Vorindustrielle Marmorverwendungen sind vor allem seit dem 17. Jahrhundert im Raum Attendorn (u. a. Burg Schnellenberg) sowie im Raum Sundern-Balve durch Grabplatten und Kamineinfassungen belegt. Die zeitgenössische Suche nach Marmor an westfälischen Grenzen blieb dagegen erfolglos. Die industriezeitliche Marmorgewinnung begann 1841 im Raum Attendorn mit Lieferungen an den preußischen Staat. Den ersten beiden Verleihungen von Marmorgrubenfeldern bei Attendorn-Mecklinghausen folgten bis 1865 etwa 130 weitere. Dies führte bei Attendorn-Helden sowie im Raum Brilon-Warstein- Allagen zum Aufbau einer Marmorverarbeitung auf Basis heimischer Vorkommen. Im Raum Attendorn bestand die Marmorgesellschaft F. J. Bonzel & Co. von 1852 bis 1873 und lieferte Säulen aus rotem Mecklinghäuser Marmor für den preußischen Staat. Nach einem Niedergang wurde bei Attendorn-Röllecken 1894 ein nur wenige Jahre dauernder Neuversuch gestartet. Im Raum Brilon-Warstein bauten nach kleineren Anfängen ab 1862 die von J. B. Prang & Co. betriebenen Marmorwerke bei Warstein-Allagen eine Marmorproduktion auf, für die sie 60 Marmorgrubenfelder verliehen bekamen. Produziert wurden vor allem Marmorplatten für architektonische Zwecke. Die Westfälischen Marmorwerke wurden 1872 rein spekulativ in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und gingen 1878 in Konkurs. 1885 entstanden durch Aufkauf der Konkursmasse die Westfälischen Marmor- und Granitwerke Georg Dassel (Allagen), die jedoch erst ab 1904 wieder westfälischen Marmor aus Brilon-Alme zu Säulen für öffentliche und kirchliche Bauten, zu Platten, Taufsteinen und Weihwasserbecken verarbeiteten. In den 1920er Jahren wurden zudem Marmorplatten aus dem Vorkommen bei Meschede-Enkhausen produziert. 1935 gab es einen Großauftrag für die Marmorsorte Lennestein aus den Steinbrüchen der „Mecklinghäuser Marmor- und KalkIndustrie Aktiengesellschaft zu Grevenbrück-Borghausen“ für den Bau des heutigen Finanzministeriums in Berlin. Bis in die 1970er Jahre wurden zudem Restblöcke und -platten für Bodenbeläge verwendet. Als neue Marmorsorten vertrieb die Firma Risse aus Warstein von 1954 an über rund 20 Jahre „Kattenfels“ und „Westerfels“. 1935 kam es vor dem Reichsgericht in Leipzig und 2000 vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe zu Prozessen um die konkurrierende Gewinnung von Marmor versus Kalkstein im Raum Warstein. Beide Verfahren endeten mit einem Vergleich; zugleich wurde der Begriff „Marmor“ höchstrichterlich definiert. Heute bestehen noch 52 bergrechtlich verliehene
Marmorgrubenfelder. Zu den Akteuren des westfälischen Marmors im 19. Jahrhundert gehören Berggeschworene, Bergräte, Bergeleven und Markscheider sowie Muter und Gewerken. Örtliche Erinnerungen an den Marmorabbau bestehen in Attendorn- Mecklinghausen, bei Haus Dassel (Warstein-Allagen) sowie in Brilon-Nehden und Brilon- Alme. Erhaltene Verwendungsbeispiele westfälischer Marmore finden sich in Schlössern, öffentlichen Bauten und Kirchen; weitere sind durch Quellen und Schriften belegt.
Abstract
In contrast to Baumberg sandstone and Soest and Rüthen green sandstone, Westphalian marble is one of the little-known local decorative stones. Its different varieties are marble in the art-historical-technical sense, i.e. limestones that can be cut, grinded and polished. Methodologically, the work is source-oriented: it is based on the evaluation of 380 files from 50 archives as well as on the documentation of historical excavation sites, operating sites and examples of use. Westphalian marble was extracted from limestones of the Middle and Upper Devonians as well as the Lower Carboniferous in the Sauerland between the Balve-Arnsberg area in the west and Marsberg in the east. So far, more than 140 locations have been identified - mostly off-road - where marble was muted, lent out or mined under mining law. In the 17th and 18th centuries, the area of work belonged to the Electorate of Cologne Sauerland and thus to the Electorate of Cologne as a secular part of the Archdiocese of Cologne. Its Electoral Cologne Mining Regulations of 1669 regulate marble extraction under mining law to this day. Pre-industrial marble uses have been documented by grave slabs and chimney surrounds, especially since the 17th century in the Attendorn area (including Schnellenberg Castle) and in the Sundern-Balve area. The contemporary search for marble on Westphalian borders, on the other hand, was unsuccessful. Industrial-era marble extraction began im Jahr 1841 in the Attendorn area with deliveries to the Prussian state. The first two grants of marble mine fields near Attendorn-Mecklinghausen were followed by about 130 more by 1865. This led to the establishment of marble processing based on domestic deposits at Attendorn-Helden and in the Brilon-Warstein-Allagen area. In the Attendorn area, the marble company F. J. Bonzel & Co. existed from 1852 to 1873 and supplied columns of red Mecklinghausen marble for the Prussian state. After a decline, a new attempt was started near Attendorn-Röllecke im Jahr 1894, which lasted only a few years. In the Brilon-Warstein area, after smaller beginnings, the marble works operated by J. B. Prang & Co. built up a marble production facility near Warstein- Allagen from 1862 onwards, for which they were awarded 60 marble pit fields. Marble slabs were mainly produced for architectural purposes. The Westfälische Marmorwerke was converted into a stock corporation in 1872 purely speculatively and went bankrupt im Jahr 1878. Im Jahr 1885, the Westfälische Marmor- und Granitwerke Georg Dassel (Allagen) was created by buying up the bankruptcy estate, but it was not until 1904 that they again processed Westphalian marble from Brilon-Alme into columns for public and church buildings, slabs, baptismal fonts and holy water fonts. In the 1920s, marble slabs were also produced from the deposit near Meschede-Enkhausen. In 1935 there was a large order for Lennestein marble from the quarries of the "Mecklinghäuser Marmor- und Kalk-Industrie Aktiengesellschaft Marmor verarbeiten lassen. Historisch gesehen gerät deren Verwendbarkeit vergleichsweise spät in den Fokus. Denn eben diese Kalksteine mit Vorkommen in Frankreich, im belgischen Wallonien, im Bergischen Land und an der Lahn in Hessen-Nassau finden seit der Renaissance bei der Ausgestaltung von Schlössern und Kirchen nördlich der Alpen eine weite Verbreitung und stehen in Wallonien bis heute im Abbau. Eine derartige Bedeutung erlangt westfälischer Marmor nie. Zwar wird er seit karolingischer Zeit zuweilen für Bodenplatten verwendet; lediglich für die Attendorner Burg Schnellenberg kommt es im 17. und 18. Jahrhundert zu Verwendungen lokaler Kalksteine als Marmor. Sonst beschränken sich die bekannten Objekte dieser Zeit auf zwei Kamineinfassungen, ein Kapellen- und ein Pilasterportal sowie einige Epitaphe. Ein Hinweis auf eine kursorische Marmorverwendung ist 1726 die Bitte des Generalmajors von Lützleben aus Marburg um Marmorproben an den Prälaten des Klosters Bredelar bei Marsberg-Bredelar, mit dem Hinweis, unweit des Klosters solle ein schöner Marmorbruch liegen (HStAM 5 Nr. 13841).
1. Einleitung
1.1 Einführung und leitende Fragestellungen
Westfälischer Marmor war und ist bis heute ein wenig bekanntes Sujet. Im Vergleich zu anderen gängigen Marmorsorten erreicht er nur eine geringe Verbreitung. Doch gerade diese Tatsache macht ihn mit einigen attraktiven Varietäten zur Rarität und damit von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre zu einem für einzelne öffentliche und kirchliche Bauten begehrten heimischen Dekorgestein. Damit wird er Teil des kulturellen Erbes. Davon sind überraschend gut erhaltene Verwendungsbeispiele zu entdecken (Abb. 1). In der Wiederaufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg kommt es zu einer kurzen Wiederbelebung der industriellen Verarbeitung mit neu erschlossenen Vorkommen, die sich vorrangig in Kirchen als Bodenbeläge, Altäre, Taufsteine und Weihwasserbecken wiederfinden. Geologische Voraussetzung für diese Verwendungen sind die sauerländischen Vorkommen mitteldevonischer, oberdevonischer und unterkarbonischer Kalksteine, die sich schneiden, schleifen und polieren lassen und somit als
Abb. 1: Säulen im Chorraum der kath. Pfarrkirche St. Kilian, Letmathe, Goldader, 1917, Westfälische Marmor- & Granitwerke G. Dassel, Allagen.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 2: Übersichtskarte der vorindustriellen Abbaustellen und der zwischen 1847 und 1866 verliehenen westfälischen Marmorgrubenfelder.
1841 beginnen Neuerkundungen nach westfälischen Marmorvorkommen. In deren Folge werden im 19. Jahrhundert im Sauerland die erstaunlich hohe Zahl von 130 Marmorgrubenfeldern bergrechtlich verliehen. Sie erstrecken sich von Balve im Westen bis Marsberg-Giershagen im Osten (Abb. 2) und konzentrieren sich auf die Räume Arnsberg- Balve, Attendorn-Elspe, Meschede-Eslohe, Warstein, Brilon und Marsberg mit ihren devonischen und karbonischen Kalksteinen. Hinzu kommen die unmittelbar an Westfalen angrenzenden waldeckischen Vorkommen bei Diemelsee-Giebringhausen und Korbach- Rhena (Kaplan 2025). Der Abbau von Marmor findet in unterschiedlichem Umfang bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts bei Attendorn und Balve sowie im 19. und 20. Jahrhundert in wenigen Gruben bei Attendorn, Warstein, Meschede und Brilon statt. Verarbeitet wird er - jeweils zu unterschiedlichen Zeiten - lediglich bei Attendorn-Mecklinghausen, Attendorn- Borghausen, Brilon-Alme und vor allem Warstein-Allagen.
Allen dort verarbeiteten Marmorsorten ist gemein, dass ihre westfälische Provenienz oft im Verborgenen bleibt. Dies liegt auch daran, dass die bisherige Literatur keine zusammenfassenden - und nur sehr selten quellenbasierten - Darstellungen bietet und geologische Daten nahezu nie berücksichtigt. Erste knappe Erwähnungen findet der bei Attendorn vorkommende Marmor in Lexika sowie Reise- und Erdbeschreibungen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts (s. u.). In der heimatkundlichen Literatur finden sich erste Hinweise auf den „heimischen Marmor“ in den 1860er Jahren. Bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg sind diese Darstellungen lokalpatriotisch, von 1933 bis 1945 nationalsozialistisch geprägt (vgl. Grimme 1866, 1886, 1905; Löbker 1869; Kopp 1939; Bergenthal 1940; Bicher 1948; Kraft 1960). Daneben gibt es wiederholt beiläufige Erwähnungen in der geologischen Fachliteratur.
Als erster wertet Weber 1981 eine Archivalie zur Marmorprospektion, -gewinnung und - verarbeitung bei Attendorn-Mecklinghausen aus (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe 263). Auf seine Arbeit, ergänzt durch Einsichten in das Archiv der Stadt Attendorn, baut Höffer (2008) bei der Darstellung von Marmorabbau und -verarbeitung in seiner Geschichte des Repetals bei Attendorn auf. Dagegen beschränkt sich Dulek (1999) auf die Rezeption vorhergehender Literatur. Grün (2022) bringt einen Reprint eines Artikels der Zeitschrift für Bauwesen von 1862. Höffer [online a, b, c] stellt auf der Internetseite des Stadtarchivs Attendorn einige Quellen zur Marmorverwendung auf Burg Schnellenberg im 18. Jahrhundert vor. Konzentrieren sich diese Publikationen auf das Gebiet um Attendorn, geht Hölmer (2002) auf den Marmorabbau bei Brilon-Alme ein. Köhne (2008) gibt eine kurze allgemeine Übersicht über einige westfälische Marmore und bezieht dabei auch deren östliches Verbreitungsgebiet bei Marsberg ein. Ferber geht auf der von ihm betreuten Internetseite zu Haus Dassel bei Warstein-Allagen mit interessanten Details auf die Geschichte der Verarbeitung westfälischen Marmors in Warstein-Allagen ein und streift damit auch einige Aspekte des Abbaus (Ferber [online]). Als erster stellt er am Marmorgeschäft beteiligte Personen dar. In der montanwissenschaftlichen, geologischen, bau- und kunsthistorischen Literatur wird westfälischer Marmor, da selten verbaut, auch nur selten angeführt. Lediglich Kosmann (1888) erwähnt in seiner Schrift über die Marmorarten des Deutschen Reiches auch den westfälischen Marmor in einem übergreifenden Zusammenhang und geht mit vier nahezu inhaltsgleichen Publikationen auf ein am Ende des 19. Jahrhunderts neu erschlossenes Marmorvorkommen bei Attendorn-Röllecken ein (Kosmann 1889, 1890, 1891a, 1891b). Keine dieser Arbeiten bietet eine umfassend quellenbasierte Darstellung der geologischen Voraussetzungen sowie der Bergbau- und Wirtschaftsgeschichte des westfälischen Marmors und seiner Verwendungsbeispiele.
Daraus ergibt sich das Ziel dieser monographischen Darstellung. Sie umfasst die geologischen und lagerstättlichen Voraussetzungen, bergbaugeschichtlich die Mutungen, Verleihungen und den Abbau, wirtschaftshistorisch die Verarbeitung und Vermarktung; dazu gehören sowohl kurze biographische Anmerkungen zu den am westfälischen Marmor Beteiligten als auch juristische Auseinandersetzungen bis zum Bundesgerichtshof. Ein wesentlicher Teil ist die Identifikation und Dokumentation von Verwendungsbeispielen. Da bislang keine schriftlichen und nur wenige nichtschriftliche Quellen zur Geschichte des westfälischen Marmors publiziert wurden und diese über unser Thema hinaus Belang haben, wählen wir bewusst eine Mischform von Text- und Quellenedition. Bei der Fülle der Quellen und geologischen Belege muss, um den Umfang dieser Monografie nicht zu sprengen, die Rezeptionsgeschichte des westfälischen Marmors gesondert publiziert werden.
1.2 Quellen und geologische Daten
Die Auswertung der vier genannten Themenfelder gelingt nur mit gegenseitigen Ergänzungen schriftlicher gedruckter, nicht gedruckter und - im historischen Verständnis - nichtschriftlicher Quellen wie Verwendungsbeispiele, geologische Aufschlüsse, Spuren bergbaulicher Mutungen, historische Abbaustellen, Relikte von Betriebsstellen und noch betriebene Steinbrüche. Zu den gedruckten schriftlichen Quellen gehören amtliche Publikationen wie die vom Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten herausgegebene „ Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Preußischen Staate“, die Auskunft geben über betriebene „ Marmorbergwerke “, das Volumen des Abbaus und die Zahl der Arbeiter, aber auch über die zuständigen Bergbeamten. Die Wohnorte der Eigner und Geldgeber, wenn sie nicht im Sauerland residieren, finden sich in online verfügbaren Adressbüchern des 19. Jahrhunderts. Als Rarität sind die Tagebücher Kaspars von Fürstenberg (1572-1610) mit den ersten Erwähnungen von Marmorverwendungen im kurkölnischen Westfalen zu nennen. Eher am Rande spielen Artikel in der „ Zeitschrift für Bauwesen “ und einige Druckschriften des Reichsverbands der Marmorindustrie und des Marmorgewerbes e. V. in den ausgehenden 1930er Jahren eine Rolle.
Für die vorindustrielle Zeit liegen im Archiv des Freiherrn von Fürstenberg-Herdringen (AFH) nicht gedruckte Quellen zur lokalen Marmorverwendung beim Ausbau von Burg Schnellenberg bei Attendorn und mehrere von Schloss Herdringen bei Arnsberg-Herdringen vor, die von O. Höffer, ehemals Stadtarchiv Attendorn, erschlossen wurden. Dazu kommen Bauzeichnungen für Schloss Melschede, Sundern-Hövel, im Archiv Melschede, hinterlegt im LWL-Archivamt Münster. Die spätfeudale Abbaugeschichte der Waldecker Marmore von Diemelsee-Giebringhausen und Korbach-Rhena dokumentieren Akten im Hessischen Staatsarchiv Marburg detailliert, anhand deren sich auch Verwendungsbeispiele identifizieren lassen (Kaplan 2025).
Mit Beginn der industriellen Zeit gehören zu den nicht gedruckten schriftlichen Quellen in erster Linie Mutungsakten von Marmorgrubenfeldern und mitunter beigeheftete Betriebsakten der im Tagebau betriebenen Marmorbergwerke des ehemaligen Oberbergamts Bonn, heute Bezirksregierung Arnsberg (LOBA). Kriegsbedingt sind nicht für sämtliche verliehene Marmorgrubenfelder die Akten vorhanden. Von den etwa 130 uns bekannten Marmorgrubenfeldern liegen 70 Mutungs- und vereinzelt Betriebsakten vor. Sie geben Auskunft über die Lage der Mutung, den zeitlichen Ablauf des Mutungsverfahrens, den Verleihungsriss des Marmorgrubenfeldes und die bergrechtlichen Eigentümer. Einige Verleihungsrisse beinhalten auch die Lage benachbarter Marmorgrubenfelder, von denen keine Akten vorliegen. Wirtschaftshistorisch bedeutsam ist die Beiheftung beglaubigter Abschriften von notariell geschlossenen Kauf- und Hypothekenverträgen. Für den Raum Attendorn enthält die Teilungsakte der Vereinigten Attendorner Marmorgruben von 1930 die kartographische Darstellung aller bis 1862 verliehenen und nachfolgend konsolidierten [vereinigten] 18 Marmorgrubenfelder mit Eintrag ihrer Fundpunkte (LOBA Carrara). Ergänzt werden die Mutungs- und Betriebsakten durch 51 Berggrundakten, die die bergrechtlichen Besitzverhältnisse dokumentieren (LAV NRW W). Bei nicht vorliegenden Mutungs- und Betriebsakten geben sie zumindest Auskunft über den Fundpunkt eines verliehenen Marmorgrubenfeldes und lassen damit seine Verortung zu. Vor den 1847 einsetzenden bergamtlichen Bearbeitungen von Marmormutungen gibt es Belege für die Suche nach Marmorvorkommen im Raum Attendorn, die im amtlichen Schriftverkehr der preußischen Provinzialbehörden (LAV NRW W) und für den Raum Brilon in einer Akte „ Marmorbrüche in Westfalen “ des für den Bergbau zuständigen preußischen Ministeriums für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten zu finden sind (GStA PK I HA). Nur über das Internet zugänglich ist die amtliche Auskunft über Bergbauberechtigungen in Nordrhein-Westfalen (Bergbauberechtigungen in NRW [online]) mit einer Auflistung von Marmorgrubenfeldern, in denen heute noch nach Bergrecht Marmor abgebaut werden darf, und in der auch im 19. Jahrhundert verliehene Marmorgrubenfelder aufgeführt sind, für die uns keine anderen schriftlichen Quellen vorliegen. Da nach Einführung des preußischen Berggesetzes 1865 Marmor nicht mehr bergrechtlich verliehen wird, können im Stadtarchiv von Warstein zwei Belege für Marmorgewinnung außerhalb verliehener Marmorgrubenfelder gefunden werden. Sofern bergamtliche Betriebsakten vorliegen, sind sie die ersten Quellen für die Identifizierung von Abbaustellen, die nicht immer mit den Fundpunkten der Grubenfelder übereinstimmen. Für diese existieren weitere Belege in Brilon-Almer und Rüthen- Körtlinghauser Adelsarchiven (AFK, ASA) sowie in den Orts- und Stadtarchiven von Brilon, Warstein und Attendorn (SAB, SAW, StAA). Diese Quellen ermöglichen die zeitliche Einordnung von Mutung und Verleihung sowie die Verortung der Fundpunkte, der Dimensionen der Marmorgrubenfelder, wenn bekannt, deren Abbaustellen, und erlauben damit deren geographische und kartographische Dokumentation. Die Verortung der Lokalitäten erfolgt mit aktuellen und historischen Kartenwerken (TIM-online). Ist der Fundpunkt eines Marmorgrubenfeldes nicht aktenmäßig bekannt, wird anhand der geologischen und geographischen Gegebenheiten - als Marmor verarbeitbares Gestein, vorhandene historische Aufschlüsse und Wegeanbindungen - wenn möglich ein potenzieller Fundpunkt ermittelt.
Jeder Fundpunkt und jede Abbaustelle werden vor Ort verifiziert. Wenige Ausnahmen ergeben sich dadurch, dass ein historischer Fundpunkt überbaut, nicht auffindbar oder nicht rekonstruierbar ist. Die Gesteinsansprache erfolgt anhand der Erläuterungen der geologischen Karten 1:25000 und ergänzender geologischer Literatur. Damit ist eine systematische lagerstättengeologische Erfassung der Gesteine möglich, die als Marmor gemutet wurden und die letztlich als Marmor abgebaut und verarbeitet wurden.
Das Vorgehen der Muter bei der Auffindung von Marmorvorkommen wird eher am Rande im amtlichen Schriftverkehr der preußischen Provinzialbehörden (LAV NRW W) sowie in Stadt- und Adelsarchiven (SAB, ASA, AFK) erwähnt. Auch können, wenn auch selten, im Gelände Spuren der Freischürfung von Fundpunkten entdeckt werden, die nicht nachfolgend wieder verfüllt, überbaut oder abgebaut wurden. Die Auswertung der Mutungsakten (LOBA) erlaubt eine Rekonstruktion der geographischen und zeitlichen Verbreitung der Mutungen und Verleihungen. Deren Muster lässt auf ein geologisches Grundwissen der Muter schließen, für das es aber keinerlei schriftliche Unterlagen gibt. Dagegen belegen Berichte der zuständigen preußischen Bergbeamten in der amtlichen Korrespondenz deren Kenntnisse über die grundlegenden geologischen Verhältnisse (LAV NRW W). Für einige liegen deren Prüfungs- und Personalakten vor (LAV NRW R). Für das Ende der 1940er Jahre des vorhergehenden Jahrhunderts belegt als ungedruckte Quelle des Kreisarchivs Soest (KrAS) eine architektonische Planzeichnung die Aufschließung des Steinbruchs zum Abbau der Marmorsorte Kattenfels.
Die Quellenlage zum Marmorabbau ist gestreut. Geländebelege sind rar. Da Marmorgruben in der Regel auch als Kalksteinbrüche betrieben wurden und heute noch werden, ist nur eine begrenzte Zahl ursprünglicher Mutungsschürfe und Marmorgruben erhalten. Bei Attendorn- Mecklinghausen wurde die 1862 aufgelassene Grube Grüneberg nur teilweise durch die nachfolgende Gewinnung von Wegebaumaterial überbaut. Hier lassen nicht abtransportierte Gesteinsblöcke und ehemalige Transportwege Einblicke in den historischen Abbau zu. Diese finden ihr quellenmäßiges Pendant in einem Artikel der „ Zeitschrift für Bauwesen “ von 1862, in dem der örtliche Marmorabbau und die -verarbeitung technisch detailliert beschrieben werden. Im Steinbruch am Nehder Kopf bei Brilon-Alme, in dem Anfang des 20. Jahrhunderts abgebaut wurde, belegen noch größere Blöcke im Gesteinsverband den Marmorabbau, dessen Details ein Aufschlussfoto von etwa 1912 in der Jubiläumschrift der Westfälischen Marmor- und Granitwerke (1914) zeigt (Abb. 89). Am Rande des Marmorbruchs Hohlstein bei Meschede-Enkhausen liegen Fragmente ehemaliger Druckluftleitungen für pneumatische Hämmer von Anfang der 1920er Jahre. Beschwerden über Abbauschutt auf Wegen oder in einem Bachbett finden sich in den Brilon-Almer und Rüthen-Körtlinghauser Adelsarchiven (AFK, ASA) sowie im Warsteiner Stadtarchiv (SAB). Die Bergamtsakten enthalten nur drei Revisionsberichte des Bergamtes (LOBA Balthasar, zwei von Pfefferburg), sonst sehr knapp gefasste Betriebspläne mit Namen des Repräsentanten [= Verantwortlichen], Steigers und/oder Grubenaufsehers einer Marmorgrube, teilweise auch zum Umfang der Förderung. Diese werden von 1858 bis 1876 - wie für andere Bergbaubetriebe - für die einzelnen Bergrevierämter jährlich in der „ Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen des Preußischen Staates “ publiziert.
Zur Verarbeitung der Rohblöcke war zum Antrieb der Marmorschneid- und - poliermaschinen bis ins ausgehende 19. Jahrhundert Wasserkraft notwendig. So verwundert es nicht, dass bei den vier Lokalitäten zur Marmorverarbeitung bei Attendorn- Mecklinghausen, Attendorn-Borghausen, Brilon-Alme und Warstein-Allagen noch immer die wasserbaulichen Zuläufe existieren. Bei Warstein-Allagen werden die Hallen des Leitwerks der Westfälischen Marmor- und Granitwerke G. Dassel heute noch genutzt. Gegenüber diesen technischen Belegen geben schriftliche Quellen zur Marmorverarbeitung zuweilen recht detailliert Auskunft. Für Attendorn-Mecklinghausen findet sich in der „ Zeitschrift für das Berg, Hütten- und Salinenwesen des Preußischen Staates “ von 1854 ein Hinweis auf einen Zuschuss für ein Wasserrad. Der bereits oben erwähnte Artikel in der „ Zeitschrift für Bauwesen “ (1862, S. 392) geht detailliert auf die Sägemaschinen und die Verarbeitung des Marmors ein. Zur technischen Ausstattung der Marmorfabrikation in Brilon-Alme geben einmal der im Archiv von Schloss Alme hinterlegte Vertrag von 1858 zwischen Graf von Bocholtz und J. B. Prang über den Umbau des Hammers zu einer Marmorschneidmühle (ASA) und eine schriftliche Auskunft von J. B. Prangs Geschäftsführer 1861 an den Briloner Amtmann (LAV NRW W) Auskunft. Abschnitte eines Gutachtens des Bergreferendars Ditges über die Westfälischen
Marmorwerke von 1868 finden sich in der Bergamtsakte für das Marmorgrubenfeld Hillenberg (LOBA Hillenberg). Es beschreibt ausführlich deren maschinelle Ausstattung. Die Schrift zum 25jährigen Betriebsjubiläum der Westfälischen Marmor- und Granitwerke G. Dassel von 1913 enthält eine umfangreiche Fotodokumentation der Fabrikation.
Wirtschaftshistorisch zielt unsere Arbeit auf die Aufarbeitung bislang nicht ausgewerteter Quellen. Die Besitzverhältnisse der Marmorgrubenfelder sind in den Mutungs- und Betriebsakten des Landesoberbergamts (LOBA) dokumentiert, ebenso in den vorliegenden Berggrundakten (LAV NRW W). Diese enthalten darüber hinaus Angaben zu Preisen bei Veräußerung von Bergwerksanteilen [Kuxen], beglaubigte Abschriften von notariellen Kaufverträgen sowie zu Hypotheken, Beleihungen und damit einhergehend auch zu Konkursverfahren. Diese Angaben betreffen einerseits sowohl aktive, andererseits nie betriebene Marmorgruben, aber auch die mit umfänglichen Verträgen sehr gut dokumentierte gründerzeitliche Umwandlung der Westfälischen Marmorwerke J. B. Prang & Co. mit ihrem Eigentum an Marmorgrubenfeldern in die Westfälischen Marmorwerke Aktiengesellschaft, deren raschen Niedergang und den Neubeginn als Westfälische Marmor- und Granitwerke G. Dassel Ende der 1880er Jahre. Das Bergrecht, Kalksteine als Marmor abzubauen, und der bergfreie Abbau von Kalksteinen zu anderen Verwendungszwecken führt seit den 1870er Jahren wiederholt zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. Entsprechende Abschriften der Urteile sind den Bergamtsakten (LOBA) beigefügt. Höchstrichterliche Urteile zu diesen Auseinandersetzungen vom Zivilsenat des Reichsgerichts Leipzig von 1935 und des Bundesgerichtshofs Karlsruhe von 2000 finden sich in deren Urteilssammlungen. In beiden Fällen wurden die Verfahren an die untere Instanz zurückverwiesen. Die folgenden Vergleiche der Parteien sind für 1935 in der Akte LOBA Hillenberg teilweise dokumentiert und als Neuaufteilung der Warsteiner Marmorgrubenfelder 2008 in der amtlichen Auskunft über Bergbauberechtigungen in Nordrhein-Westfalen (Bergbauberechtigungen in NRW [online]).
In den ersten Jahren des Marmorabbaus bei Attendorn-Mecklinghausen finden sich Bitten um staatliche Zuschüsse in ungedruckten Akten des Kreises Olpe (LAV NRW W) und deren Gewährung für eine Marmorschneidmühle als gedruckte Quelle in der „ Zeitschrift für das Berg, Hütten- und Salinenwesen im Preußischen Staate “ (1854). Wiederholt fordert die preußische Bauverwaltung auf dem Dienstweg die Betreiber auf, Probestücke einzusenden, wie der Schriftverkehr der Provinzialverwaltung zeigt (LAV NRW W). Frühe Marketingaktionen sind mit einem umfänglichen Schriftwechsel verbundene Schenkungen von Marmorobjekten an das preußische Königshaus. Dieser ist im Landesarchiv NRW Westfalen (LAV NRW W) in Akten des Oberpräsidiums Münster und der Bezirksregierung Arnsberg hinterlegt. Auf der Empfängerseite der Schenkungen sind es historische Akten im Archiv Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG, Archiv) und des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz (GStA PK). Zum Marketing gehören auch Beteiligungen an Gewerbe- und Weltausstellungen Mitte des 19. Jahrhunderts in Berlin, Paris, London und Wien, zu denen sich nicht gedruckte Hinweise im Westfälischen Wirtschaftsarchiv Dortmund (WWA Dortmund) finden. Diese korrespondieren mit den jeweiligen Ausstellungskatalogen. Zu Produktion, Zahl der Beschäftigten und Umsätzen liegen gedruckt die Berichte der für das südöstliche Sauerland zuständigen Industrie- und Handelskammer Arnsberg von 1852 bis 1938 - mit Ausnahmen einiger Jahrgänge - vor (WWA Dortmund). Eine Übersicht über die allgemeine wirtschaftliche Situation der Marmorindustrie im Deutschen Reich gibt Kosmann (1888).
Die Suche nach Katalogen, Preislisten und ähnlichen Dokumenten über Artikel der Marmorfabrikation bleibt wenig ergiebig. Die Produktpalette zu Beginn der Marmorverarbeitung in Brilon-Alme wird in einem Schreiben an den Briloner Amtmann aufgelistet (SAB). Ein ähnliches Lieferprogramm hatte zu der Zeit auch ein Schieferbergewerk bei Bestwig-Nuttlar, für das eine bebilderte Preisliste im Gesamtarchiv von Romberg vorliegt (LAV NRW W). Ein als Buch vorliegender „ Ratgeber und Preiskatalog “ von Meissner (1877) enthält die zur Zeit seiner Publikation bereits obsolete Angebots- und Preisliste der Westfälischen Marmorwerke Actiengesellschaft. Für bauliche Verwendungen mit westfälischem Marmor existieren im Deutschen Architekturmuseum, Berlin (DAM), Baupläne, weitere in Bauakten im Landesarchiv Thüringen Staatsarchiv Altenburg (LATH - STAATBG) sowie in Bauakten im LWL-Archivamt für Westfalen (Archiv LWL). Rechnungen für Lieferungen von westfälischem Marmor sind nur für größere Objekte in Adels-, Provinzial- und Kirchenarchiven hinterlegt: für Schloss Darfeld im Archiv Schloss Darfeld (ASD), Schloss Altenburg, Thüringen, im Landesarchiv Thüringen Staatsarchiv Altenburg (LATH - STAATBG), für das Westfälische Provinzialmuseum, heute LWL-Museum für Kunst und Kultur, im LWL-Archivamt für Westfalen (Archiv LWL) und für die kath. Pfarrkirche St. Balsius, Balve, im Pfarrarchiv Balve (PfA Balve). Für die 1950er bis Anfang der 1960er Jahre des vorhergehenden Jahrhunderts liegt ein Werbeprospekt der Firma Steinwerke Risse, Warstein, vor.
Zur bergbau- und wirtschaftshistorischen Einordnung sind für uns auch biographische Anmerkungen zu den am westfälischen Marmor beteiligten Personen wichtig. Die für die Verleihung und bergamtliche Überwachung der Marmorgrubenfelder zuständigen Bergbeamten werden für die jeweiligen Oberbergämter mit ihren untergeordneten Behörden ab 1854 in der „ Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen “ aufgelistet. Für nicht alle Bergbeamten liegen die ungedruckten Personalakten im Landesarchiv NRW Rheinland als online zugängliche Digitalisate vor (LAV NRW R), die en détail ihren beruflichen Werdegang dokumentieren. Einzelne Ergänzungen finden sich beispielsweise in der Auflistung der Träger der preußischen Rettungsmedaille (Schneider 1867), im Verzeichnis der Mitglieder des naturhistorischen Vereins der preußischen Rheinlande (Correspondensblatt des naturhistorischen Vereins der preußischen Rheinlande und Westphalens 1853) und im Sterberegister 1874-1890 des Stadt- und Landständearchivs im Kloster Wedinghausen Arnsberg (PSA).
Dieser recht übersichtlichen, aber doch aussagekräftigen Quellenlage zu den Bergbeamten stehen vielfältige Zugänge zu den Mutern, Eignern und Betreibern der Marmorgruben und der Marmorfabrikation gegenüber. Auch wenn für deren Gros lediglich Angaben in den oben erwähnten Bergamtsakten im Rahmen der Mutungs- und Verleihungsverfahren vorhanden sind, geben diese doch Einblicke in deren sozioökonomischen Status. Für einige der bedeutsamen Protagonisten geht die Quellenlage deutlich darüber hinaus. Denn online stehen Bevölkerungsregister, Adressbücher, Geburten- und Sterberegister sowie Seiten der Familienforschung zur Verfügung und geben biographische Rahmendaten. Zu den vielfältigen Internetadressen verweisen wir auf das Schriftenverzeichnis. Die oben aufgeführten ungedruckten Quellen ergänzen diese mit individuellen Belegen. Dazu kommen randständige Quellen wie das Testament des Ehepaars Karthaus (Q 441t / Kreisgericht Münster / Testamente, Nr. 0 - II Nr. 10429) oder Entwurfszeichnungen von J. B. Prang, die seinen für den Beginn der industriellen Marmorproduktion bedeutsamen Aufenthalt im Juni 1855 in Marsberg belegen (LAV NRW OWL D 73 / Allgemeine Kartensammlung, Nr. 4/1005110054) und die biographische und wirtschaftshistorische Daten im Detail ergänzen. Diese Kombination vorliegender digitaler, gedruckter und ungedruckter Quellen erläutern wir hier an Beispielen zweier Protagonisten: Für den Initiator der Neuentdeckung des westfälischen Marmors, C. Kessler (*1792, +1866), publizierte Jacobi (2007, S. 136-142) dessen Werdegang bei Lindlar bis in die 1840er Jahre. Seine Aktivitäten zum westfälischen Marmor erschließen sich aus seinem Schriftwechsel mit den preußischen Behörden (LAV NRW W K 335; GStA PK I HA Rep 89 Nr. 28428). Meldedaten aus New York (Wilson 1857 [online]) runden sein biographisches Bild ab. Ähnlich erfährt die kurze Lebensbeschreibung von J. L. J. Knagge, einem frühen Kapitalgeber der westfälischen Marmorindustrie, durch Krauthausen (1978/1979) in „ Beiträge zur westfälischen Familienforschung “ Korrekturen durch in Berggrundbüchern hinterlegte Verträge (LAV NRW W).
Die Dokumentation von Verwendungsbeispielen als historischem Kulturgut ist einer der Kernpunkte dieses Vorhabens. Das Gros der sakralen Verwendungsbeispiele wurde durch systematische Bauwerksbegehungen des Autors im Rahmen seiner Naturbaustein- und Dekorgestein-Kartierungen historischer Bauwerke identifiziert. Dazu geben Datenblätter der Fachstelle Kunst des Erzbistums Paderborn (Erzb PB FK) mit dem Stichwort „Marmor“ wertvolle Hinweise und - was besonders wichtig ist - eine kunsthistorische Einordnung. Ihre Ergänzung finden sie im „Auszug über die in letzter Zeit getätigten größeren Lieferungen in unserem „KATTENFELS“ und „WESTERFELS“-Marmor. Kunststein- und Schotterwerke F. J. Risse - Inh. Gebrüder Risse; Warstein“ (Risse, Gebrüder o. J. b), in dem neben zahlreichen sakralen auch profane Verwendungsbeispiele genannt werden. Diese gehören in die 1950er bis Anfang der 1970er Jahre des vorhergehenden Jahrhunderts. Ältere profane Belege, vornehmlich aus der zweiten Hälfte des 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts, sind den Autoren einerseits aus eigener Anschauung durch Begehungen öffentlicher Bauten oder Schlössern geläufig, andererseits nennen auch heute nicht mehr existierende Verwendungen die „ Zeitschrift für Bauwesen “, die „ Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Preußischen Staate “ und Vermerke in bereits oben erwähnten Schriftwechseln zu Schenkungen und Baumaßnahmen. Weitere Belege finden sich im online stehenden Archiv des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin (TUBA).
2. Vorkommen, Mutungen und Abbaustellen
Eine Marmorproduktion setzt schneid-, schleif- und polierbare Kalksteine ohne schädliche Einschlüsse sowie ein schönes Aussehen voraus. In Westfalen finden sich Kalksteine vom Mittel- und Oberdevon, Unterkarbon, Perm, Trias, Jura bis in die Oberkreide (Abb. 3). In allen erdgeschichtlichen Epochen mit Ausnahme des Perms und der Oberkreide wurden Versuche unternommen, Marmore zu gewinnen. Diese sind Marmore in kunstgeschichtlicher und technischer Definition. Marmore in petrographischer Sicht sind metamorphe Kalksteine wie beispielsweise der bekannte Carrara-Marmor, die im Arbeitsgebiet nicht vorkommen.
Allerdings wandelt sich auch der kunstgeschichtlich-technische Marmorbegriff. So führt die für das Sauerland maßgebliche Churkölnische Bergordnung von 1669 zwar „Marbel“ als Mineral auf, das unter das Bergrecht fällt (Mels.Ak / Altes Archiv, Akten, Nr. Mels.Ak - 4252), ohne eine genauere Definition zu geben. Wenige Jahrzehnte später werden beispielsweise „Marbel“-Brüche im Fürstbistum Osnabrück (NLA OS Rep. 560 Do. Kam. Hannover I Generalia No. 12), in der Grafschaft Pyrmont (HStAM Bestand 125 Nr. 14106) und im Fürstbistum Paderborn (LAV NRW W B 403) erwähnt, deren Kalksteine aus dem oberen Muschelkalk lediglich zu Naturbausteinen und bestenfalls zu geschnittenen Bodenplatten verarbeitet werden können. Erst ab dem 18. Jahrhundert setzt sich der engere technische und kunsthistorische Marmorbegriff durch. Wenn dann ab der Mitte des 19. Jh. Marmorgrubenfelder bergrechtlich gemutet werden und an einigen Stellen ein Abbau beginnt, konzentrieren sie sich gänzlich auf Ablagerungen des Erdaltertums, nämlich des Mittel- und Oberdevons sowie des Unterkarbons. Insgesamt können bislang 143 Abbaustellen und bergrechtlich verliehene Marmorgrubenfelder identifiziert werden, deren geographische Verbreitung Abb. 2 zeigt. Sie werden in Tab. 1 im Anhang aufgelistet, mit Angaben zum Ort und Namen des Abbaus beziehungsweise des Marmorgrubenfelds, dem Muter, Datum von Mutung und Verleihung, bergrechtlichem Status und geologischer Einstufung. Zur besseren Übersicht werden darin Abbaustellen und Marmorgrubenfelder zu regionalen Einheiten zusammengefasst (Anhang Karte 1) und diese in Detailkarten dargestellt: Raum Arnsberg- Balve-Sundern (Anhang Karte 2); Raum Attendorn-Elspe (Anhang Karte 3); Meschede- Eslohe-Bestwig (Anhang Karte 4); Warstein-Rüthen (Anhang Karte 5); Raum Brilon (Anhang Karte 6) und Raum Marsberg (Anhang Karte 7).
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Eine kurze und bündige Beschreibung der Gesteine des westfälischen Devons und Unterkarbons liefert der Erläuterungstext zur geologischen Karte von Nordrhein-Westfalen
1:500.000, Zeitreise durch den Untergrund (Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen 2018): „ Gesteine des Devons sind in NRW weiträumig verbreitet. Aber nur im Rheinischen Schiefergebirge kommen sie unmittelbar an der Erdoberfläche vor. Als Folge der kaledonischen Faltung war im nördlichen Europa ein ausgedehntes Festland entstanden, das nach seinen roten Verwitterungsmassen als Old-Red-Kontinent bezeichnet wird. Dieser war Hauptlieferant der 5.0008.000 m mächtigen Sedimente, die in das ihm südlich vorgelagerte Meeresbecken geschüttet wurden. Neben Ton-, Schluff- und Sandsteinen sind Kalksteine ein charakteristisches Gestein vor allem des Mittel- und Oberdevons. Hier ist besonders der bis zu 1.000 m mächtige Massenkalk zu nennen. Er entstand aus riesigen Korallen- und Stromatoporenriffen, die im Laufe von Jahrmillionen in dem sauberen und tropisch-warmen Wasser des Devon-Meeres aufwuchsen. Der Massenkalk ist ein vielseitiger Rohstoff, beispielsweise für die Bau- und chemische Industrie, im Umweltschutz oder bei der Stahlerzeugung. So werden die sehr reinen Kalksteine im Bergischen Land und im Sauerland in riesigen Steinbrüchen abgebaut. Außerdem sind sie im sonst grundwasserarmen Rheinischen Schiefergebirge wichtige Grundwasserreservoire. Im Devon kam es auch zu untermeerischen Vulkanausbrüchen. Die ausfließende Lava erstarrte zu Diabasen, die man heute im Sauerland an vielen Stellen findet und die hochwertige Rohstoffe für den Verkehrswegebau sind. Zu Beginn des Karbons, im Unterkarbon, setzten sich zunächst noch die Ablagerungsbedingungen des Devons fort. “ Die Verbreitung der kalksteinführenden Ablagerungen des Mittel- und Oberdevons sowie des Unterkarbons zeigt die geologische Übersichtskarte (Abb. 3). Die Abbildung gibt allerdings
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Abb. 3: Geologische Übersichtskarte des Arbeitsgebiets, Kartengrundlagen: Geologische Karte von Nordrhein-Westfalen 1: 500000, Zeitreise durch den Untergrund (Geologischer Dienst NordrheinWestfalen 20189 und Kartengrundlage © GeoBasis-DE / BKG <2020>.
nicht die starke tektonische Beanspruchung des sauerländischen Paläozoikums wieder, die sich oft in einer kleinformatigen Zerrüttung potenzieller Lagerstätten zeigt und die Gewinnung großformatiger Rohblöcke für eine industrielle Verarbeitung einschränkt (Abb. 4).
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Abb. 4: Tektonische Zerrüttung des Massenkalks, aufgelassener Steinbruch am Hillenberg, Warstein, Fundpunkt Marmorgrubenfeld Hillenberg.
Da die Geschichte der Ablagerungen und die Tektonik des Mittel- und Oberdevons sowie des Unterkarbons eingehend beschrieben sind, wird an dieser Stelle auf folgende Publikationen verwiesen: Geologie im Rheinischen Schiefergebirge, Teil 3: Sauer- und Siegerland (Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen [Hrsg.] 2017), den Beitrag von Heggemann (2021) „ Nordöstliches Rheinisches Schiefergebirge “ in Geologie von Hessen, herausgegeben vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, sowie auf die Erläuterungen der geologischen Karte 1:100.000, Blätter Korbach (1980) und Arnsberg (1998), herausgegeben vom Geologischen Dienst NRW. An diesen Publikationen sowie an der „Stratigraphischen Tabelle von Deutschland 2016“ und der „Stratigraphischen Tabelle von Deutschland 2022“ (Deutsche Stratigraphische Kommission 2016; 2022) orientiert sich die Auflistung und Kurzbeschreibung der mittel-, oberdevonischen und unterkarbonischen Kalksteinvorkommen des Sauerlandes, die zusammenfassend in Abb. 5 dargestellt sind. Die bekannten Mutungen und Abbaustellen in den einzelnen Schichtgliedern fasst Tab. 2 zusammen, den tatsächlichen Abbau Tab. 3, differenziert nach vorindustriellen Zeiten vor 1840 und nach 1840. Diesem stratigraphischen Rahmen folgt die Darstellung der einzelnen Marmorlagerstätten. Zur Abrundung des bergbauhistorischen Rahmens werden exemplarisch Gesteinsansprachen der Berggeschworenen in ihren Protokollen zur Feldverleihung zitiert.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 5: Kalkstein-Lagerstätten, Marmormutungen und -abbau im Kontext der regionalen stratigraphischen Skala, ergänzt nach „Stratigraphische Tabelle von Deutschland 2016 und „Stratigraphische Tabelle von Deutschland 2022“ (Deutsche Stratigraphische Kommission 2016, 2022).
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Abb. 6: Abbaustelle des Schnellenberger Kalksteins für Burg Schnellenberg, 18. Jh., Newberrien-
Schichten, Mitteldevon, Eifelium - Givetium, Fundpunkt des Marmorgrubenfelds Naxos 1854.
Newberrien-Schichten, Tentaculiten-Schiefer, Mitteldevon, Eifelium - Givetium
Die Sedimentation von Kalksteinen setzt im späten Mitteldevon, dem Givetium, ein. Gebietsweise schalten sich in die sandigen bis schiefrigen, oft schwarzen, bituminösen Kalkmergelschiefer der unteren Newberrien-Schichten Korallen- und Stromatoporen- Riffkalksteine ein. Im Gebiet der Lenne bei Attendorn treten gebankte Lagen mit lamellaren und massigen Stromatoporen sowie Crinoidenschutt auf (Ziegler 1978, S. 74-75). Im Bereich des Briloner Sattels sind es die Tentaculiten-Schiefer, in denen der schwache Kalkgehalt der Tonsteine im höheren Teil der Schichtenfolge zunimmt und
Kalksteinkonkretionen, Kalkknotenschiefer und vereinzelt sogar geringmächtige Kalksteinbänke auftreten (Ribbert et al. 2006, S. 15). Zahlreiche ausgeprägte Kalzitgänge durchziehen die grauen Kalksteine. Mitunter treten bis über 10 cm große Kalkstein-Klasten auf (Taf. 1, Fig. 3). Die Gesteinsansprache im Bergamtsprotokoll zur Verleihung des Feldes St. Petrus bei Brilon-Messinghausen ist: „ Am Fundpunkte stand Hora 6 streichend mit ... 45 Graden südlichem Einfallen Kalkstein an, der als Marmor verwerthet werden kann. ... Die Bauwürdigkeit der Lagerstätte am Fundpunkte wird anerkannt, da die bergbauliche Gewinnung des Minerals physisch möglich und dasselbe an und für sich des Abbaus nicht unwerth erscheint “ (LOBA St. Petrus). Im Raum Attendorn-Finnentrop-Heggen wurden Kalksteine der Newberrien-Schichten im 18. Jh. für den Ausbau von Burg Schnellenberg am südlichen Lenneufer unterhalb der Burg gewonnen (Abb. 6). 1854 ist diese Stelle der Fundpunkt des Marmorgrubenfelds Naxos (Anhang Karte 4). Weitere Verleihungen von Marmorgrubenfeldern in den Newberrien- Schichten sind bei Finnentrop-Heggen Königin Victoria 1856 sowie bei FinnentropSchönholthausen Aurora und Victor II, beide vor 1863 (Anhang Karte 4). Im Gebiet von Brilon-Marsberg werden in den kalkigen Einschaltungen der Tentaculiten-Schiefer bei Brilon-Messinghausen das Marmorgrubenfeld St. Petrus 1863 und bei Marsberg-Padberg das Feld Alexander 1864 verliehen (Anhang Karte 7). Zu einem Abbau kam es in den verliehenen Feldern nie.
Massenkalk, Mittel- bis Oberdevon, Givetium bis Adorfium
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 7: Massenkalk, Mitteldevon, Eifelium - Givetium, Westkalk, Steinbruch Werk Kallenhardt, Rüthen-Kallenhardt.
Der mittel- bis oberdevone Massenkalk entstand in einem tropischen Meer aus dem Schutt von Korallen- und Stromatoporenriffen und kann eine Mächtigkeit von 1.000 m erreichen. Er ist ein sehr reiner, dichter und belastbarer Kalkstein. Fehlende terrigene Eintragungen führen dazu, dass er insbesondere in seinen Vorkommen zwischen Attendorn und Brilon oft nur eine schwache Schichtung entwickelt. Den unteren Abschnitt des Massenkalks nimmt die Schwelmfazies ein. Sie ist recht fossilreich. Ihr Gehalt an Bitumen färbt sie oft grau bis schwarz. Diese Färbung zusammen mit Stromatoporen- und Korallenanschnitten und die das Gestein durchziehenden Kalzitadern geben aus ihr gefertigten Marmoren ein charakteristisches Erscheinungsbild (Taf. 22, Fig. 1 und 3). Die überliegende Dorpfazies stellt eine abschließende Phase des Riffwachstums dar, mit hellen, dickbankigen bis massigen Kalksteinen. Heute wird Massenkalk in großen Steinbrüchen in den Räumen Balve-Sundern, Warstein-Kallenhardt (Abb. 7) und Brilon abgebaut. Der Abbau im Raum Attendorn-Heggen ist zum Erliegen gekommen. Lediglich im Raum Attendorn-Elspe lassen sich drei vorindustrielle Abbaustellen archivalisch nachweisen: Eine bei Attendorn-Helden wurde um 1840 wieder aufgewältigt und 1854 der Fundpunkt des Marmorgrubenfeldes Blauberg, bis Anfang der 1860er Jahre für Marmor ausgebeutet und nachfolgend noch als Steinbruch genutzt, heute weitgehend verbaut und überwachsen. Es gehört zu den 71 Abbaustellen und bergrechtlichen Verleihungen von Marmorgrubenfeldern im Massenkalk des Arbeitsgebiets (Tab. 2). Beispiele für die Gesteinsansprachen der Berggeschworenen in Verleihungsprotokollen für nachfolgend aktive Marmorgruben sind: Brilon-Alme, Balthasar: „ Es stehen hier Schichten des Massenkalks an, welche h. [Hora] 5 ¥-6 streichen und südlich einfallen, der Kalkstein ist von dunkelblauschwarzer Farbe, von weißen Calcitadern vielfach durchzogen und ist in Bänken von 3-4 ' [Fuß = 0,93-1,24 m] Mächtigkeit geschichtet. Nach den vorgelegten Proben nimmt er eine schöne Politur an “ (LOBA Balthasar); Rüthen-Kallenhardt, Eva I: „zeigte der Besitzer dieser Mutung am Fundpunkte Kalkbänke vor, welcher Kalk sich als Marmor verwenden läßt “ (LOBA Eva I); Warstein, Elisabeth: „ Der Muter J. Prang zeigte am Fundpunkte Massenkalk, der sich als Marmor verwenden lässt “ (LOBA Elisabeth); Warstein, Wester (Abb. 4): „ Am Fundpunkte stand Hora 6 streichend mit Einfallen von ... 50 Graden nach Südwesten Massenkalk an, der als Marmor verwerthet werden kann “ (LOBA Wester). Insgesamt wurden im Raum Arnsberg-Balve-Sundern vier (Anhang Karte 3), im Raum Attendorn-Finnentrop 20 (Anhang Karte 4), im Raum Warstein-Rüthen 11 (Anhang Karte 6) und im Raum Brilon 36 (Anhang Karte 7) Marmorgrubenfelder bergrechtlich verliehen, die fast flächendeckend die dort ausstreichenden Riffkomplexe des Massenkalks abdecken.
Sparganophyllum-Kalk, Oberdevon, Adorfium
Der im nördlichen Sauerland verbreitete Sparganophyllum-Kalk (Lotze 1928), frühere Bezeichnung Actinocystis-Kalk, Oberdevon, Adorfium, erreicht eine Mächtigkeit von durchschnittlich 30 m. Er ist ein massiger Riffkalkstein, dessen Fossilführung durch die namengebende Koralle sowie durch Bryozoen, rugose Korallen, Schwämme, Stromatoporen und Crinoiden geprägt wird (Ebert & Müller 1973, S. 80; Thome 1968, S. 30). Die recht euphemistische Beschreibung des anstehenden Gesteins am Fundpunkt des Feldes Leda I bei Eslohe-Wenholthausen ist die des Berggeschworenen L. Emmerich für den mutenden Brucher F. W. Emmerich (s. u.): „ Am Fundpunkt ist durch Steinbruchbetrieb ein mehreres Lachter mächtiges Massenkalklager aufgeschlossen worden. Dasselbe zeichnet sich durch seine bläulichschwarze Färbung mit weißen Adern, seine Polierfähigkeit und sein Auftreten in großen Blöcken aus, und eignet sich vorzüglich als Marmor “ (LOBA Eva I). Die Gesteinsansprache im Verleihungsprotokoll der Grube Schüren bei Meschede-Enkhausen (Abb. 8) ist dadurch interessant, weil sie von 1922 bis 1928 im Abbau stand: „ Es steht hier eine sicherliche Partie des Elberfelder Kalksteins an. ... Der Kalkstein bricht in großen Stücken, ist von grauer Farbe, nimmt gute Politur an und ist in den geschliffenen und polierten Stücken gewölkt in den verschiedenen Nuancen des Graus “ (LOBA Enkhausen). Beide gehören zu den zwischen 1861 und 1866 zwölf verliehenen Marmorgrubenfeldern im Sparganophyllum-Kalk. Bei Sundern-Endorf wurde bezeichnenderweise ein Korallenberg benannt (LOBA Korallenberg) (Karte 2). Neun weitere finden sich im Raum Eslohe-Meschede, eine bei Meschede-Enkhausen (Karte 4). Im 19. Jh. fand bestenfalls ein versuchsweiser Marmorabbau bei Eslohe-Niedersalwey und - Wenholthausen in den Marmorgrubenfeldern Rauch und Leda II statt (Königliches Oberbergamt zu Bonn 1890, S. 173).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 8: Sparganophyllum-Kalk, Oberdevon, Adorfium, Steinbruch Schüren, Meschede-Enkhausen.
Flinzkalkstein, Adorfer und Padberger Kalk, Adorf-Schichten, Oberdevon, Adorfium bis Nehdenium
Flinzkalkstein, Adorfer Kalk und Padberger Kalk werden in den Verleihungsprotokollen der Marmorgrubenfelder von den Berggeschworenen durchgängig als „Plattenkalke“ angesprochen. Nach Clausen (1984, S. 21) sind die Flinzkalksteine Riffschuttkalksteine, die überwiegend aus Kalzit bestehen, deren Dicke zwischen 2 und 40 cm schwankt. Bituminöse Einlagerungen sorgen für eine Schwarzfärbung, die für eine Verwendung als Marmor gewünscht ist. Paeckelmann (1979, S. 68) hebt ihre Härte, Verwitterungsresistenz und Polierfähigkeit hervor. In den Feldverleihungsprotokollen des 19. Jh. werden sie unterschiedlich angesprochen: Meschede-Calle: „... Flinzkalkschichten ..., dieselben brechen in Platen von 6-10' ' [Zoll = 157-262 mm] Stärke, sind von dunkelschwarzer Farbe “ (LOBA Calle); Warstein: „ ... standen Bänke Flinz an, welche als Marmor verwandt werden können, in anderen Teilen des Feld Massenkalk, der ebenfalls als Marmor verwandt werden kann “ (LOBA Akte Flinz); Warstein-Suttrop: „ Flinz, der als Marmor verwendet werden kann “ (LOBA Akte Prang).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 9: Flinzkalksteine, Adorfium, Oberdevon, Marsberg-Giershagen, historischer Steinbruch des Klosters Bredelar.
Die gut gebankten Flinzkalksteine werden seit dem 9. Jh. als Naturbausteine und Bodenbelag verwendet, wie Mauerwerk und Fußboden der Krypta von St. Walburga in Meschede zeigen (Taf. 24, Fig. 2). Größeren vorindustriellen Abbau gab es bei Diemelsee- Giebringhausen und vermutlich in deutlich geringerem Maße bei Marsberg-Giershagen am Heimberg im Diemeltal (Abb. 9; Kaplan 2025, S. 72, 74). Der mit dem Adorfer Kalk im Kontext stehende Beisinghauser Kalk von Eslohe-Reiste wurde im 18. Jh. in geringem Umfang verarbeitet. Ab 1850 sind 27 bergrechtliche Verleihungen und Abbaustellen nach Abgrabungsrecht im Flinzkalkstein und im Padberger resp. Adorfer Kalk bekannt (Tab. 2). In keinem auf Flinzkalkstein verliehenen Feld fand ein Abbau statt. Mitte des 19. Jh. wurde in den Schieferbergwerken Füchtenzeche und Egon I & II bei Olsberg-Antfeld Flinzkalkstein zur Verwendung als Marmorplatten mitgewonnen (s. u.). Um 1923 gab es bei Marsberg- Giershagen Abbauversuche am Arnsgrund durch das Kalk- und Marmorwerk Welda in Marsberg-Bredelar (KBHSK) und durch Clemens Stein am Südhang des Heimbergs im Diemeltal unweit der historischen Abbaustelle des Klosters Bredelar, die beide rasch aufgegeben wurden (LAV NRW W Kreis Brilon, Landratsamt, Nr. 1402).
Cephalopodenkalk, Knollen- und Flaserkalksteine des Oberdevons, Adorfium bis Nehdenium
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 10: „Effenberger“, untere Hemberg-Schichten, Cephalopodenkalkfazies, Nehdenium, Oberdevon, Sundern-Hachen.
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Abb. 11: Mecklinghäuser Marmorbruch, Abbaustelle von „Mecklinghausen rot“, Fundpunkt des Marmorgrubenfeldes Griotte, Cephalopodenkalkstein, Adorfium, Oberdevon, Attendorn- Mecklinghausen,
Über dem Massenkalk bilden sich Knollen- und Flaserkalksteine, die auf den Hochlagen der Attendorner und Warsteiner Massenkalkriffe als Cephalopodenkalk ausgebildet sind. Nach Ziegler (1978, S. 94-95) fasst der Begriff Cephalopodenkalk dichte, tonige Kalksteine unterschiedlichen oberdevonischen Alters zusammen. Diese kommen sowohl gebankt als auch als regelmäßig bis unregelmäßig geformte zenti- bis dezimetergroße, flaserige Kalkknollen vor, die von einem dünnen Tonhäutchen umgeben werden. Diese sind zum Teil abgerollte, zu den Cephalopoden gehörende Goniatiten. Die Farbe des Cephalopodenkalks wechselt von dunkelgrau über grau, graugrün zu rotgrau und rotviolett. Geschliffen und poliert entwickelt er mit seiner wechselhaften Struktur, durch die dunklen tonigen Bestege und das Farbspiel seiner oft in variierenden Rottönen gefärbten Kalkknollen, ein attraktives Erscheinungsbild (Taf. 31-34). Bei der Verwitterung der Kalksteinknollen entsteht eine löchrige Gesteinsoberfläche, die dem Gestein die Bezeichnung „ Kramenzelkalk “ eingebracht hat (Ribbert et al. 2006, S. 43). Sie wird in der älteren geologischen Literatur oft gebraucht und findet sich regelmäßig im 19. Jh. in Protokollen der Berggeschworenen: Rüthen-Kallenhardt, Lucas: „ Kramenzelkalk, der sich zu verschiedenen Zwecken als Marmor verarbeiten lässt “ (LOBA Lucas). Brilon, Poppenberg (Abb. 12): „ stand ... Kramenzelkalk an, welcher sich zu architektonischen Zwecken als Marmor eignet, ... die Bauwürdigkeit der Lagerstätte am Fundpunkte ... wird ausdrücklich anerkannt “ (LOBA Poppenberg); Brilon-Hoppecke, Carolinensegen: „ Kramenzelkalk in Bänken von 9 Fuß [= 2,80 m] Mächtigkeit “ (LOBA Carolinensegen); Marsberg- Giershagen, Lüling: „ Am Fundpunkte stand ... Kramenzel an, von dem einige Kalksteine als Marmor verwendet werden können “ (LOBA Lüling).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 12: Wegeeinschnitt bei Skihütte, Brilon, Marmorgrubenfeld Poppenberg, Cephalopodenkalk / Kramenzelkalk, Hemberg-Schichten, Adorfium, Oberdevon.
Eine vorindustrielle Marmorgewinnung, vorwiegend im 17. und 18. Jh., mit bis in die Romanik zurückreichenden Verwendungen für Naturbausteine sowie Boden- und Grabplatten geschieht im weiteren Gebiet des Effenbergs um Sundern-Hachen, Arnsberg- Müschede und -Holsen, wo die Cephalopodenkalkfazies der unteren Hemberg-Schichten, Nehdenium, Oberdevon, ausstreicht. Er ist namengebend für den „Effenberger“. Historische Abbaustellen konnten bislang nicht identifiziert werden. Eventuell verbirgt sich eine hinter dem Fundpunkt des 1863 verliehenen Marmorgrubenfeldes Effenberg westlich Sundern- Hachen (Abb. 10, Karte 2). Erhaltene Verwendungen sind Grabplatten und eine Kamineinfassung. Vom Herdringer Schlossneubau um 1850 werden marmorne Fensterbretter aus „Effenberger“ erwähnt (AFH 2390).
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Abb. 13: Steinbruch Kattensiepen, Rüthen, Abbaustelle von „Kattenfels“, Marmorgrubenfelder Adam I und Glenne, Knollen- und Flaserkalksteine, Nehdenium - Hembergium, Oberdevon.
Bei Attendorn-Helden-Mecklinghausen liegt eine zweite, nun genau lokalisierbare vorindustrielle Abbaustelle. Auch hier geht die Verwendung als Naturbaustein bis in die Romanik zurück. Erhaltene vorindustrielle Verwendungsbeispiele als Marmor sind wieder Grabplatten und eine Kamineinfassung (s. u.). Die Abbaustelle wurde 1847 als Fundpunkt des Marmorgrubenfelds Griotte gemutet (Abb. 11, Karte 3) und stand vermutlich bis in die 1930er Jahre im Abbau. Markante Verwendungen des 19. und 20. Jh. sind Säulen, Fensterbänke, zwei Altäre, Weihwasserbecken und ein Taufstein. 700 m westlich wurde gleichzeitig das Feld Grüneberg in der gleichen Schichteinheit gemutet, mit einem Abbau von grünlich-grauen Knollenkalksteinen bis Anfang der 1860er Jahre (Abb. 40). Eine dritte Abbaustelle in den Knollen- und Flaserkalksteinen des Hembergiums ist der Steinbruch Kattensiepen bei Rüthen (Abb. 13, Karte 5). Er liegt in den Marmorgrubenfeldern Adam I und Glenne. Hier wurde die Marmorsorte Kattenfels von Anfang der 1950er bis Anfang der 1970er Jahre des vorhergehenden Jahrhunderts gewonnen und vorrangig für Bodenplatten verarbeitet. Nachfolgend wurde das Gestein als Schotter verwendet. Neben diesen drei bedeutsamen Abbaustellen werden im Cephalopodenkalk und in den Knollen- & Flaserkalksteinen in den 1860er Jahren noch 15 weitere Marmorgrubenfelder bergrechtlich verliehen (Tab. 2), davon zwei im Raum Arnsberg-Balve-Sundern am Rande des Effenbergs (Karte 2), eins im Raum Attendorn-Elspe (Karte 3), acht im Raum Warstein-Rüthen (Karte 5) und je eins im Raum Brilon (Karte 6) und Marsberg (Karte 7). Lediglich das Feld Poppenberg bei Brilon (Karte 5) wird in Angebotslisten genannt (s. u.); eine Gewinnung von Marmor in kleinerem Umfang ist nicht ausgeschlossen.
Hellefelder Kalk, Kulm-Kieselkalk, Unterkarbon, Viseum
Der Kulm-Kieselkalk, Hillershausen-Formation, besteht aus einer Wechsellagerung von kieseligen Tonsteinen und eingekieselten dünnen Kalkturbiditen. Die Kalksteinbänke sind üblicherweise zwei bis fünf Zentimeter dick. Wenige dickere Bänke können bis zu einem Meter stark werden. Diese bestehen hauptsächlich aus Crinoiden-Detritus und zurücktretend aus Foraminiferen, Bryozoen, Algen, Calcisphären und Schalen-Material unterschiedlicher Herkunft (Korn 2005c, Heggemann 2021, S. 106). Aus dem Kulm-Kieselkalk wurde lediglich 1844 eine kleine Probe von Sundern-Hachen an die preußischen Behörden gesandt (s.u.), die dort nicht weiterverfolgt wurde. Sonst gab es keine Mutungen oder Abbauversuche.
Im oberen Abschnitt des Kulm-Kieselkalks schaltet sich die bis zu 80 - 100 Meter mächtige Folge reiner Kalke der Hellefeld-Formation ein (Thome 1968, S. 38; Korn 2005a). Die bis zu fünf Meter dicken und grob gebankten Kalkbänke bestehen aus gut sortiertem Kalkdetrius (Thome 1968, S. 38). Kühne (1938, S. 21) spricht diese als Kohlenkalk an, weil sie eine gewisse petrographische und fazielle Ähnlichkeit mit dem Kohlenkalk westlicher Gebiete haben. Im Feldbesichtigungsprotokoll des Marmorgrubenfeldes Königin Auguste bei Meschede- Wennemen von Dezember 1864 heißt es: „ stehen in h. [Hora] 5 - 5 ^ streichende, mit 40° gegen Süden einfallende Schichten des Plattenkalks an, welche theils in großen Blöcken brechen, theils dünngeschichtet sind, von grauer Farbe und politurfähig sind und als Marmor verwendet werden können “ (LOBA Königin Auguste, Karte 4). Diese Verleihung ist die einzige im Hellesfelder Kalk. Ein Abbau von Marmor fand nie statt. Nach Kühne (1938, S. 24) wurden die Kalksteine für Bauzwecke, als Branntkalk und Zuschlag für Hüttenwerke gewonnen.
Kulm-Plattenkalk, Herdringen- und Wennemen-Formation, Unterkarbon, Viseum
Der Kulm-Plattenkalk besteht aus gut gebankten Folgen von biodetritischen Kalksteinen, die mit Tonsteinen wechsellagern (Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen 2017, S. 104). In der Herdringen-Formation „sind alle Kalkstein-Bänke Turbidite und viele von ihnen zeigen die typische Gradierung. Manchmal ist eine Serie von Turbiditen zu einer Bank miteinander verschmolzen. Wie bei vielen Kalkturbiditen ist die Basis der einzelnen Bänke scharf und oft schwach erosiv, aber nach oben zeigt sich ein gradueller Übergang in die überlagernden Pelite“ (Korn 2005d). Die Kalksteinbänke variieren in ihrer Mächtigkeit von wenigen Millimetern bis mehr als 1,50 Meter und alternieren mit Tonsteinen und Alaunschiefern (Korn 2005d). Auch die Wennemen-Formation wird aus Kalkstein-Bänken und TonsteinZwischenlagen aufgebaut und zeigt eine fast regelmäßige Wechsellagerung. Im Gegensatz zur Herdringen-Formation sind die Kalksteinbänke häufig grobkörnig. Die tonigen Zwischenlagen sind fein-laminiert und sehr fossilreich (Korn 2005e). Im Feldbesichtigungsprotokoll von 1865 für das Feld Zorn bei Meschede Laer (Karte 4) heißt es: „ Es stehen hier cirk. 4 ¥2 Hora streichende und mit 40° gegen Süden ein fallende Plattenkalkschichten an, von schwarzer Farbe und dichtem Gefüge, welche polierfähig sind und wegen ihrer Lagerung in dünnen Schichten sich namentlich zur Gewinnung von
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Abb. 14: Plattenkalkfragmente, Halde der Caspari-Zeche, Antimon- und Marmorbergwerk, Arnsberg-Uentrop, Kulm-Plattenkalk, Herdringen-Formation, Viseum, Unterkarbon.
Platten eignen Die Bauwürdigkeit ist anzuerkennen “ (LOBA Zorn). Daneben gibt es noch zwei weitere bergrechtliche Marmorverleihungen bei Meschede Berge und Menden-Asbeck (Tab. 1). Im Antimon- und Marmorbergwerk Caspari bei Arnsberg-Ventrop deutet der Vermerk „Marmor“ auf der Akte des Berggrundbuchs darauf hin, dass hier versucht wurde, die Plattenkalkbänke mitzugewinnen (LAV NRW W Q 504b / Amtsgericht Arnsberg / Berggrundakten, Nr. 44). Ein Abbau von Kulm-Plattenkalk zur Weiterverarbeitung von Marmor fand nicht statt. Auf der alten Zechenhalde finden sich noch zahlreiche Fragmente der Plattenkalkbänke (Abb. 14).
Zusammenfassend entfallen auf den Massenkalk die Hälfte der Abbaustellen und Mutungen. Der vorindustrielle Abbau an nur drei Stellen ist gering. Für die Zeit ab 1840 sind zehn Abbaustellen bekannt, die sich vornehmlich auf den Raum Warstein und Brilon-Alme konzentrieren. Flinzkalkstein, Adorfer, Padberger und Beisinghauser Kalk wurden an 27 Lokalitäten abgebaut oder gemutet; ein tatsächlicher Abbau fand vorindustriell im Adorfer Kalk und im Beisinghauser Kalk je an einer Stelle statt. Nach 1840 wurden Platten an drei Stellen gewonnen, ohne dass sich eine dauerhafte Gewinnung etablierte. Marmore aus Cephalopodenkalk, Kramenzelkalk, Knollen- und Flaserkalksteinen sind von 20 Abbaustellen und Mutungen bekannt. Tatsächlich abgebaut und weiterverarbeitet wurden diese vorindustriell an zwei Lokalitäten. Ab 1840 sind fünf Abbaustellen bekannt. Sparganophyllum-Kalk wurde vorindustriell nicht als Marmor genutzt. Nach 1840 wurden in ihm zwölf Marmorgrubenfelder gemutet. Ein zu vernachlässigender Abbau fand in den 1920er Jahren bei Meschede-Enkhausen statt. Eher marginal nehmen sich die sechs Abbaustellen und Mutungen in den Newberrien-Schichten und im Tentaculiten-Schiefer aus, von denen nur eine vorindustriell bei Burg Schnellenberg bei Attendorn betrieben wurde. Die insgesamt sechs Mutungen im unterkarbonen Kulm-Kieselkalk, Hellefelder Kalk und KulmPlattenkalk zogen nie einen Marmorabbau nach sich.
Abb. 15: Kurfürstentum Köln im 18. Jahrhundert bis zum Ende des Alten Reiches, Geltungsbereich der kurkölnischen Bergordnung. Die Vorkommen des westfälischen Marmors liegen im Herzogtum Westfalen, dem kurkölnischen Sauerland.
3. Bergbau- und Wirtschaftsgeschichte
3.1 Bergbauhistorische und -bergrechtliche Vormerkungen
Sämtliche Vorkommen westfälischer Marmore liegen im Sauerland, dem östlichen Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Bis zum Ende des Alten Reichs 1803 ist es der größere Teil des Herzogtums Westfalen mit Teilen der sich nördlich anschließenden Hellwegebene. Dieses ist wiederum Teil des Kurfürstentums Köln als weltlicher Teil des Erzbistums Köln. Für beide Gebiete sind in der Literatur als Synonyme „ kurkölnisches Sauerland “ und „ Kurköln “ geläufig (Abb. 15). Dies wäre nicht weiter bedeutsam, wenn nicht der Kölner Fürstbischof Maximilian Heinrich von Bayern (*1621; f1688) als Landesherr durch seinen Bergmeister Christoph Frantze (amt. 1669-1684) eine neue Bergordnung ausarbeiten lässt, deren handschriftliche „ Originale Bergordnungh, warnach alle die getruckte Exemplaria verfasset seint “ sich im Archiv Melschede befindet (Mels.Ak / Altes Archiv, Akten, Nr. Mels.Ak - 4252) (Abb. 16). Denn in dieser kurkölnischen
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Abb. 16: Handschriftliche Titelseite der Kurkölnischen Bergordnung von 1669, Archiv Melschede, Schloss Melschede, Sundern-Hövel (Mels.Ak / Altes Archiv, Akten, Nr. Mels.Ak - 4252), Scan LWL Archivamt, Münster.
Bergordnung von 1669 wird auch die Marmorgewinnung geregelt: „ Und dieweilen nicht allein die Marmor- und Alabaster-Brüch, sondern auch alle Mühlenstein- und dergleichen Hauptbrüch in Unseren Landen, wo selbige nur anzutreffen, dessgleichen auch die Schiefersteinbrüch den Bergwercken ankleben, einverleibet und mit incorporirt seynd; Als sollen nicht desto weniger Unser Zehendtner und Bergwercks-Bedienten den Zehenden davon quartalig einfordern und unfehlbar entrichtet nehmen; keinem aber soll zugelassen sein, dergleichen Brüche auffzuräumen, weniger seiner Partirung damit zu treiben, es seye dan, dass er selbige vor Unserem Bergambt ördentlich gemutet und Inhalt Unserer Bergordtnung sich desswegen gebührender massen bestättigen lassen “ (kurkölnische Bergordnung Teil II Art. 5 Abs. 2, zitiert nach BGH, Urteil vom 12. Oktober 2000 -III ZR 242/98).
Dieses Zitat des Bundesgerichtshofurteils macht klar, dass die kurkölnische Bergordnung, was westfälischen Marmor betrifft, nicht obsolet ist. Denn sie spielt bis in das Jahr 2000 mit seiner Feststellung eine Rolle, dass die kurkölnische Bergordnung den Begriff „ Marmor “ nicht definiert und ihn als bekannt voraussetzt. Marmorbergwerke werden lediglich im Zusammenhang mit der Abgabe eines Zehnten erwähnt. In diesem Kontext wirkt es anachronistisch, wenn diese Bergordnung bei der gelegentlichen Marmorgewinnung im kurkölnischen Sauerland bis 1847, dabei 146 Jahre unter kurkölnischer Herrschaft, keinerlei Beachtung findet, dann aber unter preußischem Regiment wieder Rechtsgrundlage wird.
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Abb. 17: Preußische Provinz Westfalen um 1845 mit den Regierungsbezirken Münster, Minden und Arnsberg, Sitz des Bergamts Siegen und der für die Marmorgewinnung zuständigen Bergrevierämter.
Mit dem Wiener Kongress 1815 erhält Preußen im Westen Deutschlands weite Gebiete. Die 1816 etablierte Provinz Westfalen fasst preußische und nicht preußische, weltliche und geistliche, katholische und evangelische Gebiete zusammen (Behr 1983, S. 54). Provinzhauptstadt wird Münster. Den Süden der neuen Provinz, das kurkölnische Sauerland ergänzt um den kurhessischen Altkreis Siegen, nimmt nun der Regierungsbezirk Arnsberg ein (Abb. 17). Preußen richtet eine hierarchisch gegliederte Bergverwaltung ein. Ihre Spitze ist das Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten in Berlin, dem die Oberbergämter unterstellt sind. Sowohl für die westfälische als auch die rheinische Provinz zuständig wird das Oberbergamt Bonn. Sitz des untergeordneten Bergamts für das ehemalige kurkölnische Westfalen ist Siegen von 1816 bis zur Auflösung 1861 (Burkhardt et al. 2003, S. 45). Für die örtliche bergbehördliche Aufsicht zuständig sind, soweit sie Marmor betreffen, die Bergrevierämter Olpe, [Hilchenbach-] Müsen, Meschede, Arnsberg, zeitweise alternierend Brilon und Stadtberge [= Marsberg] (Abb. 17). In diesem Gebiet gilt weiterhin die kurkölnische Bergordnung von 1669. „ Trotz der Wiedervereinigung sämmtlicher ostrheinischen Bestandtheile des vormaligen Churfürstenthums Coeln im Preussischen Staate ist die Gleichheit der bergrechtlichen Zustände doch insofern nicht hergestellt, als ein gemeinsames Subsidiarrecht fehlt “ (Brassert 1858, S. 525 Fußnote). Diese Bergordnung reiht sich ein in einen Kanon von Bergordnungen der Provinzen Rheinland und Westfalen:
„1. die Nassau-Katzenelnbogische Bergordnung vom 1. September 1559
2. die Kurtrierische Bergordnung vom 22. Juli 1564
3. die Homburgische Bergordnung vom 25. Januar 1570
4. die Wildenburgische Bergordnung von 1607
5. die Kursächsische Bergordnung vom 12. Juni 1589
6. die Kurkölnische Bergordnung vom 4. Januar 1669
7. die Jülich-Bergische Bergordnung vom 21. März 1719
8. die Bestimmungen des Allgemeinen Preußischen Landrechts vom 5. Februar 1794
9. das Kleve-Märkische Bergrecht vom 29. April 1766“ (LAV NRW W M 512 / Altes Bergamt Siegen, Findbuch).
Durch Urteile des Königlichen Appellationsgerichts-Hofes zu Köln und des Königlichen Revisions- und Cassationshofes zu Berlin wird nochmals 1827 festgestellt, dass Marmor-, Alabaster-, Mühlstein- und Schiefersteinbrüche dem Bergregal unterliegen; dagegen sind Kalkstein-, Basalt-, Werkstein- und alle sonstigen Steinbrüche frei zu betreiben (Brassert 1858, S. 542 Fußnote). In der Folge unterliegen die Marmorbrüche, auch wenn sie wie Steinbrüche betrieben werden, der Aufsicht der Bergbehörden, die anderen Steinbrüche der Aufsicht der Ortsbehörden (Brassert 1858, S. 543 Fußnote). Am 1. Oktober 1865 tritt das Allgemeine Berggesetz für die Preußischen Staaten in Kraft. Nun kann Marmor wie andere Fest- und Lockergesteine nach dem Abgrabungsrecht gewonnen werden. Doch bereits verliehene Marmorgrubenfelder behalten ihre Rechte, in nicht wenigen Fällen bis in die Gegenwart.
10. Westfälischer Marmor in vorindustrieller Zeit
Marmor spielt als Denkmal- und Dekorgestein im kurkölnischen Sauerland bis in das 19. Jh. hinein nur eine marginale Rolle. Die dazu verwendeten Kalksteine des Mittel- und Oberdevons sowie des Unterkarbons werden vorrangig als lokale Naturbausteine und zum Brennen von Kalk für Mörtel und Düngekalk gewonnen. Für architektonisch und künstlerisch aufwendige Arbeiten wie Epitaphe, Portale, Tür- und Fenstergewänder werden der Soester beziehungsweise Anröchter Stein sowie der Rüthener Grünsandstein vom Nordrand des Sauerlandes bis in das 19. Jh. bevorzugt. Ersterer ist ein glaukonitischer Kalksandstein der Soest-Grünsand-Subformation (Bowitz & Kaplan 2018, S. 231), letzterer ein glaukonitischer, fein- bis mittelkörniger Quarzsandstein der Rüthen-Formation (Kaplan et al. 2018, S. 212). Beide können in größeren Blöcken gewonnen werden und sind bergfrisch gut zu bearbeiten. So finden sie nicht nur in der Hellwegebene, sondern auch im Sauerland eine weite Verbreitung (Kaplan 2009, S. 41, 69). Im östlichen Sauerland im Raum Marsberg-Brilon, im Waldecker Land und auch im Paderborner Dom wird auch der sogenannte Marsberger Mehlstein, ein feiner und wenig lithifizierter Kalkstein des Zechstein-Randkonglomerats als Dekorgestein bevorzugt (Kaplan 2018, S. 246). Er ist ebenso wie der Baumberger Sandstein, ein sandiger Kalkmergelstein aus dem Münsterland, filigran zu bearbeiten. Letzterer ist in Mitteleuropa verbreitet und findet sich von der Gotik an vereinzelt Verwendung für adlige Grabdenkmäler und Sakramentshäuser in Sauerländer Kirchen. Für Altarelemente, Heiligenfiguren und auch Taufbecken war Holz das Material der Wahl, das ab dem 17. Jh. allerdings aufwendig, Marmore imitierend, farblich gestaltet wurde.
Frühe Marmorverwendungen im kurkölnischen Sauerland und in Paderborn
Entsprechend rar sind in der vorindustriellen Zeit Verwendungen heimischen Marmors. Als Marbel, also als Marmor, sprechen die Altvorderen auch Fußbodenplatten aus geglätteten Kalksteinen an, eine Betrachtungsweise, die sich bis in die heutige Zeit in die jüngste Rechtsprechung tradiert (BGH, Urteil vom 12. Oktober 2000 - III ZR 242/98, S. 13). Damit sind 1100 Jahre zurück Fußbodenplatten aus der karolingischen Krypta der Stiftskirche St. Walburga in Meschede die ältesten Belege für Marmorverwendungen in Westfalen (Taf. 24, Fig. 2). Sie wurden aus Flinzkalksteinen des oberen Givetiums, Mitteldevon, gewonnen, die etwa 1500-2500 m östlich der Stiftskirche ausstreichen (vgl. Thome 1968, S. 31), in deren Ausbiss heute noch zahlreiche historische Abgrabungsstellen existieren, die teilweise in den 1865 verliehenen Marmorgrubenfeldern Ruhr-Eisenbahn (LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 37) und Kronprinz von Preußen (LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 38) liegen (Karte 4), aus deren Gesteinen 1954 die Rombergkapelle errichtet wird (Taf. 24, Fig. 1). Für sie werden die dickbankigen Schichten bevorzugt. Dagegen nehmen die karolingischen Werkleute die dünnbankigen, die sich als Bruchsteine unkomplizierter verarbeiten lassen.
Gut 150 Jahre älter ist der opus sectile -Fußboden des Paderborner Doms im Bau des Bischofs Meinwerk von 1009-1015. Er wurde bei Ausgrabungen Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre partiell weitflächig freigelegt und korrespondiert mit einem gleichaltrigen Fußboden der Kapelle unter dem benachbarten Küsterhaus (Lobbedey 1986, S. 180). In beiden Fällen sind es sauber verlegte marmorartige Fußbodenmosaike mit mehreren Zentimeter großen Natursteinfliesen. Diese wurden geometrisch in Dreiecke, Quadrate und Sechsecke formatiert und in unterschiedlichen Verbänden verlegt. Kombiniert wurden helle Kalksteine und dunkle, schiefrige Tonsteine. Erhaltene Reste existieren in der Westchorgrabung des Doms, in der unter dem heutigen Fußbodenniveau des Doms Grabungsbefunde zugänglich sind (Abb. 18). Öffentlich präsentiert werden Relikte im Museum in der Kaiserpfalz und in der Brigidenkapelle im Dom. Die hellen Kalksteine stammen aus der Erwitte-Formation, einer etwa 89 Millionen Jahre alten Stufe der Oberkreide. Sie bildet den Untergrund des mittelalterlichen Paderborns. Damit liegt eine Herkunft aus dem Steinbruch nahe, den Bischof Meinwerk zur Gewinnung von Bausteinen und zur Anlage eines Befestigungsgrabens der Domburg am heutigen Kötterhagen anlegen ließ (Kaplan 2012, S. 26). Für die Herkunft der dunklen und schiefrigen Kalksteinfliesen ergaben Makrofossilien (Kaplan 2018, S. 250) und Mikrofossilien (Lübke et al. 2018, S. 1177) eine Herkunft aus dem etwa 180 Millionen Jahre alten Posidonienschiefer des oberen Jura. Regional streicht er nur östlich des Eggegebirges in vier kleinen, örtlich beschränkten Schollen aus. Eine liegt bei Willebadessen- Borlinghausen - Teutonia (Stille & Mestwerdt 1935, S. 16). Nur hier existieren in einem Bacheinschnitt alte Abgrabungsspuren (Kaplan 2018, S. 250).
Abb. 18: Marmorartige Fußbodenmosaike, Westchorgrabung des Paderborner Doms, Fußboden des Meinwerkdoms, 1009, schwarze tonige Kalksteine des Posidonienschiefers, Jura, und helle Kalksteine der Erwitte- Formation, Oberkreide.
Dass Marmor als Dekorgestein in Westfalen Eingang findet, ist der Verdienst Kaspars von Fürstenberg (*1545; +1618). Als Landdrost des Herzogtums Westfalen und Kurmainzer Amtmann zu Fritzlar baut er ab 1595 Burg Schnellenberg bei Attendorn zu seinem repräsentativen Wohnsitz aus. Er ist der erste, der überhaupt Marmore aus dem Lahngebiet und damit aus Regionen des Rheinischen Schiefergebirges verwenden lässt (Kaplan 2020, S. 154). Seine Tagebuchbemerkung vom 22. April 1598 „ Das Capitul von Meschede verehrt mir alte Marmorsteine uf den Schn [ellenberg]“ (Pieler 1873, S. 182) - es ist das Kapitel der Stiftskirche St. Walburga in Meschede - ist zudem die erste Erwähnung von westfälischem Marmor. Diese Schenkung ist angesichts der schweren Verwüstungen der Kirche im November 1595 durch Freibeuter in den Truchsess’schen Wirren nicht selbstverständlich, aber in Anbetracht der guten Beziehungen Kaspars zum Stiftskapitel und der Tatsache, dass sein Bruder Dietrich, Fürstbischof in Paderborn (*1546; +1618, amt. 1585-1618), dort zeitweise Probst war (Schmitt 2019, S. 65), wiederum nicht ungewöhnlich. Ungeklärt muss bleiben, ob es sich um die oben erwähnten lokalen Flinzkalksteine handelt. Auch ihre weitere Verwendung ist uns nicht bekannt. Für die St. Georg geweihte Schnellenberger Burgkapelle tritt sein Bruder Dietrich als Stifter auf (Stiegemann 2003, S. 42). Aus den Tagebuchaufzeichnungen Kaspars geht hervor, dass er sich selbst um die Beschaffung von Marmor aus dem Lahngebiet bei Runkel, Grafschaft Wied-Runkel, und Alabaster aus Metz, Département Moselle, frühere Region Lothringen, bemüht (Tagebücher Kaspars von Fürstenberg (1572-1610), Bd. 1, S. 782; vgl. auch ebd., S. 785). Leider erwähnt er nicht, vermutlich weil zu trivial, dass das Material für die dort von ihm angebrachte Schriftentafel zum Wiederaufbau von Burg Schnellenberg (Abb. 19) aus dem nur drei Kilometer südöstlich liegenden Vorkommen roter Cephalopodenkalksteine bei Attendorn-Mecklinghausen stammt, der ab dem 19. Jahrhundert mit den Sortennamen anfänglich Griotte und später „Mecklinghausen rot“ eine prominente Rolle unter den westfälischen Marmoren einnehmen wird. Das Wissen der Altvorderen um dieses Gestein stammt aus seiner langen Verwendung als lokaler Naturbaustein, dessen Kolorit sehr schön das Außenmauerwerk der romanischen St. Hippolytus-Kirche in Helden (Taf. 30, Fig. 1) und im Detail eine historische Treppenstufe (Taf. 30, Fig. 2) sowie die linke Seite eines mittelalterlichen Türgewands im Kellergeschoss von Burg Schnellenberg zeigen (Taf. 30, Fig. 3). Während ab 1600 häufiger in westfälischen Kathedral- und Stiftskirchen für Altäre und Epitaphe sowie in adligen Herrensitzen für Kamine und Tischplatten Marmore aus dem bergischen Lindlar, aus Wallonien und seltener aus dem Lahngebiet Einzug halten (Kaplan 2020, S. 162-163), findet westfälischer Marmor dort bis auf Ausnahmen im Sauerland keine Verwendung. Den Anfang dieser Entwicklung initiierten neben Kaspar sein Bruder Dietrich mit seinem prächtigen Epitaph im Paderborner Dom und seine Schwester Ottilie, Äbtissin im Kloster Oelinghausen, mit ihrem bescheideneren Grabmal in der dortigen Klosterkirche aus nassauischen Marmoren des Lahngebiets (Kaplan 2020, S. 154).
Abb. 19: Gedenktafel zum Wiederaufbau in der St. Georgkapelle, um 1600, Burg Schnellenberg, Attendorn, erste künstlerische Verwendung des roten Cephalopodenkalks von Mecklinghausen, Adorfium, Oberdevon.
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Heimischer Marmor für Burg Schnellenberg
Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) bewirkt eine einschneidende Zäsur. Die nachfolgende Wiederaufbauphase im Barock verlangt stilgemäß nach ausdrucksvollen Materialien. Damit setzt auch eine Suche nach lokalen Marmorvorkommen ein. Für die Burg Schnellenberg ergibt sich das große Glück, baustellennah brauchbares Material zu finden (Abb. 6). So konnte Kaspars Enkel Friedrich von Fürstenberg (*1618; +1662) 1659 auf die noch nicht in Vergessenheit geratenen Marmorvorkommen bei Helden und Mecklinghausen zurückgreifen, als er einen Vertrag mit den Steinmetzgesellen und Brüdern Mattis und Michael Schmick aus Straßburg schloss. Sie sollten auf Burg Schnellenberg vier Kamine mit Schornstein und Portal und Galerie anfertigen. „ Die Galerie ist nun von dem neu erfundenen marmell zu Helden auf der kuhlen ... zu brechen “ (AFH 7903). Die neue Marmorgrube könnte identisch mit der unten beschriebenen Abgrabungsstelle am südlichen Ortsausgang von Helden östlich der Straße „Zu den Gruben“ sein. Quellenmäßig nicht zu belegen, aber zu vermuten ist, dass die Brüder Schmick auch die prachtvoll gearbeitete Kamineinfassung aus rotem Mecklinghäuser Marmor im heutigen Rittersaal des Schlossrestaurants auf Burg Schnellenberg schufen, der ehemals der Beheizung des repräsentativen Raums diente. Sie ist die erste bildhauerisch anspruchsvolle Arbeit aus westfälischem Marmor (Abb. 20, Taf. 31, Fig. 2) und - wie wir unten erfahren - das Modellobjekt für bildhauerische
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Abb. 20: Kamineinfassung im Rittersaal des Schlossrestaurants, Burg Schnellenberg, Attendorn, erstes bildhauerisch anspruchsvolles Objekt aus westfälischem Marmor, spätere Marmorsorte §Mecklinghausen rot“, vermutlich Steinmetzgesellen und Brüder Mattis und Michael Schmick, Straßburg, nach 1659, Seitenansicht Abb. Taf. 31, Fig. 1
Verwendungen in der zweiten Hälfte des 19. und dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Weitere aus diesen Zeiten überlieferte Werkstücke aus Heldener und Mecklinghäuser Marmor sind rar. Zwei Grabplatten liegen in der Attendorner Hospitalkirche St. Barbara, eine von 1682 (Taf. 31, Fig. 1), die Hoberg (2010, S. 165) den Attendorner Steinmetzwerkstätten Hans Heinrich Leiste und Johannes Rieger zuordnet. Zwei weitere sind in Attendorn-Helden in St. Hippolytus, die eine für Pfarrer Casparus Hengstebeck (amt. 1624-1650) kann auf 1651 datiert werden (Attendorn-Helden St. Hippolytus Grabplatte - Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 1190748), die andere ist ausgeblichen und undatierbar (Taf. 32, Fig. 1).
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Abb. 21: St. Barabara-Kapelle, Attendorn, südliche Bildnische Pietà, Johannes Sasse 1683, Holz (Hoberg 2010, S. 160), Marmoreinfassung aus Lindlarer Marmor, lokale Riffbildungen der Grevensteiner Schichten, Mitteldevon (Jux in Jacobi 2007, S. 28), Bergisches Land, Attendorner Werkstatt.
Aus der Attendorner Werkstatt von Johannes Sasse stammt auch die Marmoreinfassung der südlichen Bildnische für eine Pietà von 1683 (Hoberg 2010, S. 160) (Abb. 21). Ausgewählt wird dazu der dunkle und fossilreiche Marmor des etwa 40 Kilometer westlich im Bergischen Land liegenden Lindlar. Dieser wird ab dieser Zeit für den Schlossbau in Ehreshoven gewonnen und verarbeitet (Jacobi 2007, S. 60). Dazu passt, dass Johann Adolf von Fürstenberg im Juni 1680 notiert: „ Ich mit Meister Sassen im Bergischen Land die Marmelstein besichtigt und drei völlige Tage auf der Reise zugebracht mit dem Pferd und Maulesel verzehrt: 3 Rtl. 18 ß.“ O. Höffer bemerkt dazu: „ Dieser Vermerk ist insofern interessant, da er von einer Qualifikation des Meisters Sasse [Bildhauer Johannes Sasse] spricht, die bislang unbekannt war. Sasse ist eher für seine Holzarbeiten bekannt, nicht aber als Fachmann für Marmor “ (AFH 1730, Blatt 190, zitiert nach O. Höffer [online a]). Offensichtlich sind dem Attendorner Steinmetz Leiste die lokalen Vorkommen von schwarzem Marmor, wie sie zum Beispiel beim Stürzenberg östlich Attendorn anstehen und auch zu Grabplatten verarbeitet werden (s. u.), nicht bekannt oder nicht gut genug. Der Transport schwarzer Marmore aus dem nassauischen Lahngebiet oder aus Wallonien wäre zu kostspielig.
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Abb. 22: Portal des Vorwerks, 1708, Burg Schnellenberg, Attendorn, Material Abbaustelle der Kalksteine für Burg Schnellenberg, 18. Jh., Schnellenberger Kalkstein.
Ferdinand von Fürstenberg (*1661; f1718) veranlasst den Um- und Neubau der Wirtschaftsgebäude von Burg Schnellenberg. Im Briefwechsel der Brüder Wilhelm und Johann Adolf mit ihrem Neffen Ferdinand von Fürstenberg in den Jahren 1695 und 1696 tauschen sie sich über ein neues Marmorvorkommen aus (AFH 213, Blatt 36). Im Juli 1695 bekundet Wilhelm von Fürstenberg seine Freude darüber, dass man in unmittelbarer Nähe der Burg Schnellenberg einen Marmelsteiner Bruch gefunden habe (AFH 213, Blatt 193). Dessen Neffe Ferdinand antwortet ihm im August: „ Worauf gehorsambst berichte, daß er in einem berg nechst der Bigge an dem Wasser gelegen, undt sich der hollerbrinck nenne, allernechts unter den hause, gefunden worden, und wird jetzt ein grosser camin mitt pilaren davor verfertigett “ (AFH 213, Blatt 223). Im März 1696 berichtet Johann Adolf von Fürstenberg an seinen Bruder Wilhelm zu Salzburg: „ Zum Schnellenberg finden sich von tag zu tag grössere und längere Marmell stücker, daraus man grose Altar formiren könnte “ (AFH 214, Blatt 36). Noch heute existieren diese alten Abbaustellen im Korallen-Stromatoporen-Riffkalkstein der oberdevonischen mittleren Newberrien-Schichten. Sie liegen etwa 300 Meter nördlich von Burg Schnellenberg am Prallhang der Bigge. Breite und tiefe Einschnitte in die Felsformation lassen die mühselige Herauslösung der Rohquader erahnen (Abb. 6). Im April 1696 freut sich Wilhelm von Fürstenberg in einem Brief über diese Marmorvorkommen an der Burg Schnellenberg (AFH 214, Blatt 36). Da das Portal am Eingang an der Brücke aus kleinen Würdinghauser Steinen gemacht wurde [ein Quarzkeratophyr des Haupt-Vulkanits (K4), Emsium, Unterdevon (Clausen 1991, S. 58)], solle man überlegen, ob man es gegen den neuen Marmor austauschen könne (AFH 215, Blatt 49). Und genau dies geschieht, allerdings erst einige Jahre später (Abb. 22), aber auch Säulen der Ställe und Räume der Vorburg (Abb. 23; Taf. 2, Fig. 1 und 2))
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Abb. 23: Säulen des ehemaligen Pferdestalls, heute Museum und Festsaal, Burg Schnellenberg, Attendorn, Material Abbaustelle der Kalksteine für Burg Schnellenberg, 18. Jh., Schnellenberger Kalkstein.
Dass sich der damalige Bauherr der minderen Qualität des eigenen Marmorvorkommens bewusst ist, zeigt der um 1700 geschaffene große Schaukamin im ersten westlichen Saalzimmer (Geschichte der Burg Schnellenberg, o. J., S. 10) (Abb. 24).
Abb. 24: Großer Schaukamin im ersten westlichen Saalzimmer, 1700, Burg Schnellenberg, Attendorn, Säulen und Sturzrahmen Lahnmarmor Schupbach schwarz, Basen und Kapitelle Gipsgestein, weibliche Gottheiten und das Ornament Stuck, Aufsatz Lindlarer Marmor.
Für die Säulen und den Sturzrahmen wird schwarzer Lahnmarmor aus Schupbach gewählt, für die Basen und Kapitelle Gipsgestein. Die weiblichen Gottheiten und das Ornament werden aus Stuck gearbeitet. Der Aufsatz besteht aus Lindlarer Marmor aus dem Bergischen Land, ein einmaliger Materialmix. Lindlarer Marmor wird beim kontemporären Schlossbau in Ehreshoven bei Engelskirchen ebenfalls repräsentativ für Kamine und Türrahmungen gebraucht (Jacobi 2007, S. 62-67). Weitere westfälisch-lippische Verwendungsbeispiele sind eine Kamineinfassung im barocken Festsaal des Schlosses Rheda, Mitte 18. Jh., und drei in barocken Repräsentationsräumen des Schlosses Detmold (U.K. pers. Beobachtung). Die Verwendungen von Marmor auf Burg Schnellenberg enden mit der Neuanfertigung des Altarfußes der Kapelle auf Burg Schnellenberg im März 1732 durch die Attendorner Bildhauer Anton und Johann Sasse. Sie erhalten für 9 ^ Tage Arbeit den Lohn von 2 Reichstalern (Akte AFH 4613, Seite 341, zitiert nach O. Höffer [online c]). Sie setzen sich mit der Verlegung des Sitzes der Freiherren von Fürstenberg nach Arnsberg-Herdringen fort. Nicht mehr erhalten ist dort eine „ gemachte marmor fontaine “ von Schloss Herdringen, für die der Steinhauermeister Cornelius Guthar von Reiste im November 1729 28 Reichtstaler erhält (AFH 2341). Wir vermuten, dass sie aus „Reister Marmorstein“ gearbeitet wurde. Denn 12 Jahre später „ ist die treppe für die Kirche [des Klosters Grafschaft] mit Meister Corn. Guthar von Reiste verakkordirt, jede treppe 10 fuß lang 7 zoll hoch und 1 fuß in lichten breit von Reister Marmorstein fein sauer (doch nicht poliert) außgearbeitet“ (Wiethoff 1935, S. 99 Fußnote 31). Auch die Treppe ist nicht mehr erhalten. Brunnen und Treppe sind die einzigen bekannten Objekte aus „Reister Marmor“ aus den Steinbrüchen bei Reiste-Beisinghausen, abgesehen vom „Reister Kalkstein“ im
Außenmauerwerk der St. Pankratius-Kirche in Eslohe-Reiste von 1852 (Taf. 25, Fig. 1 und 2). Auch sonst sind vereinzelt Steinmetze bereits seit dem 14. Jh. im Sauerland bekannt. In einer Urkunde des Klosters Oelinghausen von 1338 wird der Konverse Hahn (Gallicus), Steinmetz (lapicida), als Zeuge genannt (LAV NRW W A 118u / Kloster Oelinghausen / Urkunden, Nr. 297). Für Rüthen listet Henneböhle (1974, S. 24-104) für den Zeitraum vom Dreißigjährigen Krieg bis 1750 eine Vielzahl von Bildhauern und Steinmetzen auf, die aber allesamt mit Rüthener Grünsandstein und/oder Holz, aber nie mit Marmor arbeiten.
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Abb. 25: Grabplatte des Adolphus Osterus, 1661, ehemalige Hospitalkirche St. Barbara, Attendorn, an der westlichen Außenwand, Massenkalk, Dorpfazies, Mittel- bis Oberdevon, Givetium bis Adorfium, vermutlich vorindustrieller Abbau am Fundpunkt des Marmorgrubenfeldes Blauberg, „Carrarischer Marmor“ von Kessler 1842.
In einem Bericht von 1825 erwähnt der Attendorner Stadtschultheiß Salomon, in der Vorzeit seien in Heggen Marmor abgebaut und verarbeitet worden (StAA, Akte B / Stadt Attendorn, 1783-1860, Nr. B 366). Genauere Nachrichten oder Verwendungsnachweise liegen nicht vor. In Attendorn sind einige aus örtlichen Massenkalksteinen im 17. und 18. Jahrhundert gefertigte Grabplatten überliefert, die den Blick auf lokale Verwendungen devonischer Kalksteine als Marmor erweitern. Aus einem hellgrauen und im unterschiedlichen Maße rötlich geflammten Marmor sind uns fünf Exemplare bekannt. Zwei sind an der überdachten Westseite der Hospitalkirche St. Barbara eingemauert. Die linke kann Adolphus Osterus, 1661, zugeordnet werden (Abb. 25), die rechte Dorothea Flosbach, 1670.
Die Steinmetze dieser Grabplatten sind nicht bekannt. Zwei weitere lagen im Kirchplatz vor der kath. Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Attendorn und sind durch Begehungen abgeschliffen, sodass keine auswertbaren Schriften erkennbar sind (Taf. 3). Dies gilt auch für ein in der Heldener St. Hippolytus-Kirche an der Südwand aufgestelltes Exemplar (Taf. 32, Fig. 1). Ähnliche helle Kalksteine sind in ihrem romanischen Mauerwerk verbaut (Abb. 26, Taf. 30a).
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Abb. 26: Attendorn-Helden, Pfarrkirche St. Hippolytus, a der von Kessler als carrarischer Marmor angesprochene hellgraue Kalkstein des Massenkalk in Dorpfazies von Helden, b roter und grauer Knollen- und Flaserkalkstein von Mecklinghausen, Cephalopodenkalk mit Mergelkalk, Adorf, Oberdevon, c siltige und gebänderte Tonschiefer und Sandsteine der oberen Newberrienschichten, alle Oberdevon.
Es ist davon auszugehen, dass sie aus der alten Grube am südlichen Ortrand von Attendorn- Helden, Straße „Zu den Gruben“, stammen (Karte 3). Wie unten ausgeführt wird, steht hier nach einem Bericht des preußischen Bergbeamten Obereinfahrer J. Hüser von 1844 (LAV NRW K 001 / Oberpräsidium Münster, Nr. 2812) ein Lager weißen Kalkes an, welches mitunter rötlich wird. Für C. Kessler ist es 1842 sein ersehntes Vorkommen des klassischen carrarischen Marmors. Es ist der Fundpunkt des 1854 verliehenen Marmorgrubenfeldes Blauberg (siehe unten). Geologisch sind die Gesteine als Massenkalk in Dorp-Fazies anzusprechen, der in der Riffrückseite abgelagert wurde (Krebs 1978, S. 88). Zwei weitere Grabplatten wurden aus einem dunkelgrauen bis schwarzgrauen Marmor gearbeitet, dem zahlreiche devonische Fossilien wie Stromatoporen, rugose und tabulate Korallen ihr Gepräge geben. Damit lassen sie sich geologisch als Massenkalk in Schwelm-Fazies, Mitteldevon, Givetium ansprechen. Die Massierung der Fossilien deutet auf eine Herkunft von Attendorn, Westhang des Stürzenbergs, 70 Meter nördlich der Attahöhle, die Krebs (1978, S. 81) von dort erwähnt (Karte 3). Eine liegt im Kirchplatz vor der kath. Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Attendorn. Da sie stark abgelaufen ist, kann sie nicht datiert werden (Taf. 3, Fig. 3). Die andere ist die von Pfarrer Henricus Stam (*1690; f1772), in der Nordapsis der Attendorn-Heldener St. Hippolytus-Kirche (Attendorn-Helden St. Hippolytus Grabplatte - Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 1190749) (Abb. 27). Ungeklärt ist die Provenienz des schwarzen Marmors eines Taufsteins, den Anton Leiste und Dietrich Düringer 1733 gestalten (Hoberg 2010, S. 255) und der heute im Herz-Jesu-Altar der St. Hippolytus-Kirche in Attendorn-Helden eingelassen ist (Attendorn-Helden St. Hippolytus Seitenaltar - Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 1190626) (Taf. 33, Fig. 3).
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Abb. 27: Grabplatte des Pfarrers Henricus Stam, 1772, Attendorn- Helden, Pfarrkirche St. Hippolytus, Massenkalk in Schwelmfazies, Mittel- bis Oberdevon, Givetium bis Adorfium, vermutlich Nordhang des Stürzenberges nördlich Attahöhle.
Effenberger, regionale Marmorverwendungen im Raum Sundern - Balve
Die Steinmetze der Marmorarbeiten in und um die Kirchen in Balve und Oelinghausen aus dem späten 17. und frühen 18. Jh. sind nicht überliefert. Möglicherweise sind auch hier die Attendorner Werkstätten tätig. Gemeinsam ist ihnen, dass ihre Werksteine aus den grauen und roten Kramenzel- und Plattenkalken der Hemberg-Schichten des Oberdevons stammen. Ein größeres Vorkommen liegt nordwestlich von Sundern-Hachen am Effenberg (Karte 3), der damit Namensgeber für den „Effenberger“ wird. Daneben streichen die Hemberg-Schichten in tektonischen Schollen aus, so ortsnah östlich von Balve am Schieberg, am Mittelberg und an den Bilstein-Klippen bis Reigern (s. o.). Prägnante Verwendungsbeispiele präsentiert Schloss Melschede bei Sundern-Hövel, errichtet von 1659-1669 (Dehio 2011, S. 1070). Für die Südseite des Innenhofes (Abb. 28) wird eine vermutlich vom Kapuzinerfrater Bonitius von Trier, lateinisch F. Bonitius Trevirensis, (*1608; +1680) (Dehio 2011, S. 2071) entworfene Galerie später abgerissen; Abbildungen existieren nicht (frdl. mündl. Auskunft J. von Schubert). Die in der Entwurfszeichnung rot eingefärbten Pfeiler und Bögen legen die geplante Verwendung von Effenberger Marmor nahe (Abb. 29; Mels.Ak / Altes Archiv, Akten, Nr. Mels.Ak - 4254). Vermutlich geht auch der Entwurf für das Pilasterportal im Vestibül des Westflügels auf ihn zurück (Abb. 31; Mels.Ak / Altes Archiv, Akten, Nr. Mels.Ak - 4254). Da es umgesetzt wurde, entstanden einige Änderungen im Detail. Das Portal zeigt heute die geringe Verwitterungsresistenz des Effenberger Marmors im Außenbereich, die bildhauerische Feinheiten verblassen lässt (Abb. 30). Dagegen ist das von ihm ebenfalls vermutlich entworfene Säulenportal der Kapelle im Obergeschoss des Südflügels, bezeichnet 1669 und mit Effenberger realisiert, sehr gut erhalten (Abb. 32). Die Zeit seiner Verwendung für die Kamineinfassung im Festsaal ist uns nicht bekannt, dürfte aber an das Ende der Bauzeit um 1669 zu datieren sein (Abb. 33). Sie zeigt enge stilistische Bezüge zur Kamineinfassung aus rotem Mecklinghäuser Marmor im heutigen Rittersaal des Schlossrestaurants auf Burg Schnellenberg (Abb. 20). Wesentlich jünger sind die Trittflächen aus Effenberger Marmor einer Treppe, eingefasst von schwarzen Fliesen der wallonischen Sorte Petit Granit (Taf. 27, Fig. 3). Sie stammen nach unserer Einschätzung von Umbauten von 1920 bis 1923.
Die Einbindung des Bonitius von Trier in den Schlossbau wirft Fragen zur Auswahl des Effenbergers als Dekorgestein auf. Denn der Kapuzinerfrater ist im kurkölnischen Sauerland nicht nur am Bau des Schlosses Melschede, sondern auch an dem des Schlosses Hirschberg, Warstein-Hirschberg, und der Werler Kapuzinerkirche beteiligt (Bonitius / von Trier / 16081680 [online]). Damit sind ihm der Soester und der Rüthener Grünsandstein als westfälische Dekorgesteine vertraut, letzterer weit verbreitet bei der Barockisierung des Sauerlands (Kaplan et al. 2018, S. 219). Dazu ist er im Bereich des Kurfürstentums Trier tätig (Hierotheus 1735, S. 143) und kennt damit die dortigen Verwendungen der Lahnmarmore. Auch wenn letztlich der Bauherr Ferdinand Freiherr von Wrede zu Melschede (*1619; +1685) die Wahl der Dekorgesteine trifft, werden Erörterungen stattfinden. Dazu liegen vermutlich auch Verwendungsbeispiele des Effenbergers vor. Dieser ist künstlerisch attraktiv, stammt vom heimischen Grund, ist damit kostengünstig und stellt vor allem ein Alleinstellungsmerkmal dar.
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Abb. 28: Schloss Melschede, Sundern-Hövel, Südseite des Innenhofes, 1659-1669, Kapuzinerfrater Bonitius von Trier, Tor, Tür und Portal Effenberger.
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Abb. 29: Schloss Melschede, Sundern-Hövel, Entwurf, für Galerie, später abgerissen (Mels.Ak / Altes Archiv, Akten, Nr. Mels.Ak - 4254).
Abb. 30: Schloss Melschede, Sundern-Hövel, Pilasterportal im Vestibül des Westflügels), Effenberger.
Abb. 31: Schloss Melschede, Sundern-Hövel, Entwurf für das Pilasterportal im Vestibül des Westflügels, da umgesetzt, einige Änderungen zum Entwurf (Mels.Ak / Altes Archiv, Akten, Nr. Mels.Ak - 4254), Effenberger.
Abb. 32: Schloss Melschede, Sundern-Hövel, Säulenportal der Kapelle im Obergeschoss des Südflügels , bezeichnet 1669, Effenberger.
Ältester erhaltener Beleg für die Verwendung des Effenbergers ist eine romanische Fußbodenplatte in der katholischen Pfarrkirche St. Blasius in Balve im Verband mit anderen lokalen Gesteinen (Taf. 26, Fig. 1). Ein vor der Kirche stehender St.-Agatha-Bildstock aus verblichenem Kramenzel-Kalkstein stammt von 1698 (Taf. 26, Fig. 2 und 3). Im Erdgeschoss des Kirchturms im Andachtsraum der Kirche sind seit 1983-1984 vier Priestergrabplatten aufgestellt, die ursprünglich im romanischen Chor lagen (Leuker 2021, S. 13). Leuker (2021, S. 14-17) ordnet sie Johannes Matthäus Höyinck (*1638/1639; +1683) (Taf. 27, Fig. 1), Johannes Karl Höyinck (*1654; +1691) (Taf. 27, Fig. 2), Eberhard Gödde (amt. 1692-1733, +1733) (Taf. 28, Fig. 1) und Walter Franzen oder Johannes Schulte +1755 (Taf. 28, Fig. 2) zu. In diese Zeit gehören auch die qualitätsvoll gearbeiteten und gut erhaltenen Priester-Grabplatten in der Kreuzkapelle der Klosterkirche St. Petri in Arnsberg-Oelinghausen. Ihre ursprüngliche Aufstellung in der Kirche beschreibt Dünnebacke (1903, S. 74), der auch deren Umschriften transkribiert. Die älteste von 1688 ist von Wilhelm Bernhard von Wrede (+1688), Gutsbesitzer zu Reigern und Probst von Hachen, und wurde aus rötlich-grauem Kramenzel-Kalkstein gearbeitet (Taf. 29, Fig. 1). Aus grauem Kramenzel-Kalkstein sind die Grabplatte des Probstes
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Abb. 33: Schloss Melschede, Sundern-Hövel, Kamineinfassung im Festsaal, vermutlich um 1669, Effenberger.
Nikolaus Engel (+1697) (Taf. 29, Fig. 2) und des Probstes Theodorus Sauter (+1732) (Taf. 29, Fig. 3); dies ist, wie bereits Dünnebacke (1907, S. 76) bemerkt, eine sehr hübsche Arbeit. Die Reihe der Grabplatten schließt die des Probstes Wilhelm Schmidtman (+1704) ab (Taf. 29, Fig. 4). Schmidtmann selbst erbittet sie aus dem Steinbruch Karhöfer in der Umgebung von Balve- Volkeringhausen (Mels.Ak / Altes Archiv, Akten, Nr. Mels.Ak - 3979); gefertigt wurde sie aus Soester Grünsandstein.
Die Oelinghäuser und Balver Grabplatten spiegeln das natürliche Farbspektrum der Hemberg-Schichten wider. Erstaunlich ist die Kontinuität des bildhauerischen Materialgebrauchs im 17. und 18. Jahrhundert über 70 Jahre. Wir gehen davon aus, dass Grabplatten aus Effenberger Marmor nur teilweise überliefert sind. Dass Marmor bei Attendorn bereits im 18. Jh. und Anfang des 19. Jh. über das kurkölnische Sauerland hinaus Bemerkungen findet, zeigen mehrere Einträge in Lexika, Reise- und Erdbeschreibungen des 18. und frühen 19. Jh., die Fröhling (1975, S. 10-13) in seinem Beitrag „ Über zwei Jahrhunderte Attendorn im Lexikon “ zitiert.
3.3 Marmorsuche an westfälischen Grenzen - Herzogtum Berg, östliches Sauerland, Fürstentümer Waldeck-Pyrmont und Lippe, Bistümer Osnabrück und Paderborn
Herzogtum Berg
Mit Beginn des 17. Jh. bis in das 18. Jh. gibt es auch in angrenzenden Gebieten des kurkölnischen Sauerlandes Versuche, Marmor zu finden (Abb. 34). So erlaubt Herzog Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg (*1562; +1609) dem Kölner Bürger Sebastian Deutz, im nördlich an das Herzogtum Westfalen angrenzenden Herzogtum Berg nach Marmorsteinen zu suchen (LAV NRW R AA 0640 / Handschriften AA 0640, Nr. A I 7). Die Initiierung dieser offensichtlich erfolglosen Suche ist insofern bemerkenswert, weil erst wenige Jahre zuvor die nassauischen Marmorvorkommen an der Lahn bekannt geworden sind.
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Östliches Sauerland
Wir gehen davon aus, dass der, wie oben erwähnt, mit Marmor- und Alabasterproben beschenkte Landdrost Daniel Dietrich von Landsberg zu Erwitte seinen Landesherrn, den Kölner Erzbischof und Kurfürsten Maximilian Heinrich von Bayern (*1621; f1688), über die Sendung des Grafen Christian Ludwig von Waldeck wissen lässt. Denn der Erzbischof und Kurfürst gibt 1680 seinem Bergmeister Christoph Frantze (amt. 1669-1684) den Befehl, im östlichen kurkölnischen Sauerland nach Alabaster- und Marmorvorkommen zu suchen. Der berichtet dann mehrfach aus dem Gebiet östlich von Brilon und Marsberg-Giershagen (Reininghaus & Köhne 2020, S. 96-97; Mels. Ak / Altes Archiv, Akten, Nr. Mels. Ak - 1431). Hoffnung auf eine erfolgreiche Prospektion machen wohl das Waldecker Marmorgeschenk und das zweieinhalb Kilometer von der Grenze liegende Alabaster-Vorkommen (Abb. 34;
Karte 6 und 7). Wenig Gips, aber keinen Alabaster, gibt es auf westfälischer Seite. Doch streichen dort die Flinz-Kalksteine an verschiedenen Stellen aus, aus denen später der Waldecker Marmor gewonnen wird. Aber auch als Marmor verarbeitbarer Massenkalk kommt vor, wie Verleihungen von Marmorgrubenfeldern im 19. Jh. belegen. Sie finden beim Bergmeister keine Beachtung. 1726 soll ein schöner Marmorbruch unweit des Klosters Bredelar [Marsberg-Bredelar] existieren, wie aus einer Anfrage und der Bitte um Proben des Sekretärs des Generalmajors von Lützleben aus Marburg an den Prälaten des Klosters hervorgeht (HStAM Bestand 5 Nr. 13841). 250 m nordwestlich vom Kloster existiert heute noch ein Steinbruch mit plattigen Kulm-Kieselkalken, Unterkarbon (Ribbert et al. 2006; Karte 7), die sich zu Fußbodenbelägen verarbeiten lassen. Besser eignet sich der oberdevonische Padberger Bänderkalkstein, der in der Marsberg-Giershagener Gemarkung am Südhang des Heimbergs vorkommt (Abb. 9) und 1923 als Marmor abgebaut wurde (LAV NRW W Kreis Brilon, Landratsamt, Nr. 1402, Steinbrüche (Kalk, Dachschiefer, Marmor)). Für diese, aber auch für Kalksteine des Werra-Randkarbonats, Zechstein 1, Perm, die gut als Quader behauen werden können, sind für die Jahre 1766 bis 1772 Steinfuhren zum Wiederaufbau des kriegszerstörten Klosters belegt (LAV NRW A 103 / Kloster Bredelar / Akten, Nr. 63; LAV NRW A 103 / Kloster Bredelar / Akten, Nr. 64).
Fürstentum Waldeck - Waldecker Marmor
Eine umfassende Beschreibung des Waldecker Marmors gibt Kaplan (2025). Er wird von 1747 bis 1849 in Diemelsee-Giebringhausen und von 1838 bis 1852 in Korbach-Rhena abgebaut (Abb. 34; HStAM 125 Nr. 2346; HStAM 125 Nr. 10069). Im Gegensatz zu anderen Marmorfabrikationen des 18. und frühen 19. Jh. wird im Fürstentum Waldeck nur für den Bedarf des Fürstenhauses und des ihm gehörenden Bads in Pyrmont produziert. Ein anderweitiger Verkauf geschieht nur vereinzelt und in geringem Umfang. Gewonnen werden dazu in Giebringhausen Flinz-Kalksteinbänke des Mittel- und Oberdevons, in Rhena der unterkarbonische Rhenaer Kalk (Abb. 5). Beide besitzen nur eine begrenzte Lagerstättenkapazität und erlauben wegen der dünngebankten Rohblöcke lediglich eine Produktion von Marmorplatten und im geringen Umfang von schmalen Friesen und Stürzen. Damit ist - im Gegensatz zu anderen Marmorvorkommen in Deutschland und dem benachbarten Wallonien - eine Anfertigung von großvolumigen Objekten wie Säulen, raumgreifenden Altären und Skulpturen nicht möglich. In beiden Gebieten stehen auch attraktive farbige Varianten im Abbau, die in Waldeck fehlen. Die Verarbeitung des Marmors im Zuchthaus auf Schloss Waldeck ab 1787 entspricht zeitgenössischen Trends. Beispielsweise wird um 1779 in Hessen-Nassau im Schloss Dietz ein Zuchthaus eingerichtet, in dem die Gefangenen die aus der Umgebung stammenden Lahnmarmorsorten bearbeiten müssen. Die Zwangsarbeit dient einerseits der Finanzierung des Haftaufenthalts, andererseits der Disziplinierung der Gefangenen durch schwere körperliche Arbeiten. Die technische Einrichtung ist einfach und verursacht keine großen Kosten (HStAM 125 Nr. 1484; HStAM 118 a Nr. 3442; HStAM 121 Nr. 1084). Dies gilt auch für die Hilfsmittel zum Schleifen und Polieren, die dem technischen Standard des 18. Jh. entsprechen. Der Einsatz von qualifizierten Steinbrechern zum Brechen der Rohblöcke ist auch in anderen Regionen, beispielsweise in Bayern, belegt (Sonnenwald 2025, S. 83). Der Abbau für das Fürstenhaus unter dem bis 1833 gültigen feudalen Recht ermöglicht, dienstpflichtige Bauern mit dem kostenlosen Transport der Rohblöcke zu belasten. Danach werden die Fuhren gegen Bezahlung vergeben. Abbau und
Verarbeitung werden durch eine kameralistische Bürokratie organisiert. Der übergeordneten Behörde des Hohen Kollegiums sind selbst nebensächliche Entscheidungen vorbehalten. Die Lieferungen gehen bis auf wenige Ausnahmen an das Pyrmonter Fürstlich-Waldeckische Brunnen- und Badehaus und an das Schloss Arolsen. Verwendungsbeispiele sind Platten für Bodenbeläge, Tische, Auskleidungen gemauerter Badewannen und vereinzelt für Epitaphe (HStAM 125 Nr. 10070). Lieferungen über die Grenze des Fürstentums Waldeck-Pyrmont gibt es nicht. Dies ist ein wesentlicher Grund, dass der Waldecker Marmor außerhalb des Fürstentums weitgehend unbekannt bleibt. Der Abbau wird wegen zu hoher Gewinnungsund Transportkosten 1852 eingestellt (Kaplan 2025, S. 92).
Grafschaft Pyrmont
Die Erwähnung eines Marmorbruchs über dem Bad Pyrmonter Ortsteil Löwensen (Abb. 34) geht lediglich auf eine Erörterung von 1786 zurück, ob sein Betrieb eine Quelle am Schwefelbrunnen bzw. an der Schwefelgrube beeinträchtigen könne (HStAM Bestand 125 Nr. 14106). Bei der handelt es sich um den am örtlichen Sportplatz gelegenen Uhlenbrunnen mit mineralisiertem und sulfathaltigem Wasser (Bad Pyrmont Mineralquellen [online]), an den eine alte Abbaukante im oberen Buntsandstein angrenzt. Für den Marmorbruch kommt nur der Trochitenkalk des oberen Muschelkalks in Frage, der nach der geologischen Karte 1:25000 (Grupe 1927) etwa 1100 m nordöstlich am Hohe Stolle ausstreicht. Nach der Beurteilung des Korbacher Rates Gieseke geht vom Marmorbruch keine Gefahr aus. Grupe (1927, S. 43) erwähnt die Verwendung des Trochitenkalks als Naturbaustein. Die Kalksteinbänke der Ceratiten-Schichten und des Wellenkalks dienen der Beschotterung von Straßen und Forstwegen. Einen Gebrauch als Marmor erwähnt er nicht.
Fürstbistum Osnabrück
Im Osnabrücker Bistum, nach dem Westfälischen Frieden 1648 alternierend von protestantischen und römisch-katholischen Bischöfen landesherrlich regiert, baut der Wittelsbacher Franz Wilhelm Kardinal Reichsgraf von Wartenberg (*1593; +1661) den Rittersaal des Bad Iburger Schlosses repräsentativ um (Tauss 2007). Er wird mit einem neuen Belag aus schwarzen und weißen rautenförmigen Florsteinen entsprechend dem bayerischen Wappen des Bischofs als abwechselnd blauschwarze und hellgraue Rauten verlegt (Jaenecke 1909, S. 47). Diese sind in Teilen um die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts noch vorhanden. Nach Uhrmacher (2007, S. 298) kommen die polierfähigen schwarzen Platten aus einem Steinbruch in Neuenkirchen bei Melle und die weißen Platten aus einem Steinbruch bei Lüstringen, die beide zum oberen Muschelkalk gehören. In den 1720er Jahren bemüht sich der protestantische welfische Bischof Ernst August II. mit verschiedenen Projekten, die Wirtschaft seines Landes zu fördern. Dazu gehört auch die Einrichtung einer Marmorschleiferei. Sein Nachfolger, der katholische Kölner Erzbischof und Kurfürst Clemens August, lässt die Suche fortsetzen (Hamm 1962, S. 67-68). Als Marmor angesprochene Gesteine finden sich nach Hamm in den Steinbrüchen des oberen Muschelkalks zwischen Osnabrück-Düstrup und Bissendorf, mögliche blaue und schwarze Marmore mit großer Wahrscheinlichkeit in den Gigas-Schichten der jüngsten Jurazeit (Malm) am Nordsaum des Wiehengebirges. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Zugehörigkeit des mit „Schwefelkies melierten“ Kalkes von Buer zum Lias (unterer Jura) vielleicht nicht ganz ausgeschlossen ist (Abb. 34). Die Spärlichkeit der überlieferten Unterlagen macht nach Hamm (1962, S. 71) jedoch eine genaue Lagebezeichnung damals benutzter Brüche unmöglich. Hamm bezieht sich auf Akten „ Die Entdeckung von Marmor-Brüchen im Hochstift Osnabrück 1829/87 “ (NLA OS Rep. 560 Do. Kam. Hannover I Generalia No. 12), „ Acta betreffend den im hiesigen Hochstifte vorhandenen Marmor und dessen Bearbeitung “ (NLA OS Rep. 100 Abschnitt 124 No. 2) und „Beiträge zur Chronik Osnabrücks Band XXXVIII Gesammelt von H. Freund“ (NLA OS Dep. 3b XVI Stadt Osnabrück No. 38). Eine weitere bislang unbekannte Spur ergibt sich aus zwei Akten zur „ Verpachtung landesherrlichen Besitzes im Amt Grönenberg “ mit einem Hinweis auf einen „ Marmorbruch im Kirchspiel Wellingholzhausen “ mit Laufzeiten von 17771794 (NLA OS, Rep 560 VII, Nr. 384 Bd. 2) und 1796-1804 (NLA OS, Rep 560 VII, Nr. 387 Bd. 1). Das einzige in Frage kommende Gestein ist dort der Trochitenkalk des oberen Muschelkalks. Der streicht im Kirchspiel Wellingholzhausen vier Kilometer nordwestlich am Nordhang des Rechenbergs in einem schmalen Streifen aus, wo in der Preußischen Kartenaufnahme (Neuaufnahme) 1:25000 für Blatt 3815 Dissen [alt Borgholzhausen] von 1897 (TIM-online2.0 [online], Reichsamt für Landesaufnahme und seine Kartenwerke 1931, S. 80) ein Steinbruch verzeichnet und nach Begehung des Autors noch vorhanden ist (Koordinaten UTM 32 N Ostwert 446 070 m; Nordwert 5 777 417 m).
Fürstentum Lippe und Hochstift Paderborn
Sowohl abermals der obere Muschelkalk als auch Kalksteinbänke des unteren Lias spielen in zwei weiteren Versuchen eine Rolle, Marmor zu finden. In einem Bericht von 1731 wird bei Steinheim-Sandebeck im Fürstbistum Paderborn unweit der Grenze nach Lippe eine Marmorgrube erwähnt (Abb. 34; LAV NRW W B 403), die nach Geländebegehungen im Trochitenkalk des oberen Muschelkalks gelegen haben muss (vgl. Farrenschon 1990, S. 40 ff.). Fast 20 Jahre später gibt es ein „ Attestatum des Vogts Kramer zu Sandebeck, daß von dem Marmelsbruchsberge an die Renterei zum Dringenberg 14 Schillinge entrichtet [werden] , 10. März 1750 “ (LAV NRW W B 414). Für die Verwendung als Naturbaustein gibt es vielfältige Beispiele. Für seine Verwendung als marmorartig verarbeiteter Kalkstein im Innenbereich sakraler und herrschaftlicher Bauten aus Lippe und dem Hochstift Paderborn sind keine historischen Verwendungsbeispiele bekannt (persönliche Beobachtungen). Der Posidonienschiefer, unterer Lias, steht in beim lippischen Lüchte-Falkenhagen in den dortigen Bachläufen mit der sogenannten Stinkkalkbank an (Kaiser 2021, S. 49). Bei Bergbauversuchen im 18. Jahrhundert wird sie vermutlich entdeckt und ihre Verwendung als Marmor möglicherweise in Erwägung gezogen (LAV-NRW OWL L 95 I). Hierfür finden sich in einer Beschreibung der regionalen Geologie von Weerth (1929, S. 29, 121) keinerlei Hinweise. Dass dieses denkbare Ansinnen nicht von vornherein ohne Erfolg gewesen sein dürfte, präsentieren zwei Beispiele. Seine großflächige Verlegung als Fußbodenmosaik im Meinwerkbau des Paderborner Doms 1009-1015 wurde oben erwähnt (Abb. 18). Dass sich die auch bei Falkenhagen anstehende Stinkkalkbank des Posidonienschiefers als polierfähiger Kalkstein mit attraktiven Ammonitenquerschnitten verarbeiten lässt, zeigt der süddeutsche Altdorfer Marmor, der aus diesem Einzelhorizont stammt und ein Modegestein des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts ist (Kursawe & Riegraf 2010, S. 848; Lehrberger et al. 2019, S. 24). Ein Beleg im Arbeitsgebiet sind zwei undatierte Tischplatten im Schloss Arolsen, die aus einem Block geschnitten spiegelbildlich exponiert werden (Abb. 35).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 35: Schloss Arolsen, Bad Arolsen, Tischplatte, Altendorfer Marmor, Dactylioceras-Bank, Posidonienschiefer-Formation, Unterjura - Toarcium.
3.4 Marmor im Raum Attendorn 1841 - 1894
Wiederentdeckung und schwierige Anfänge - C. Kessler und belgische Marbiers 18421844
Zur Wiederentdeckung der Marmorvorkommen in den Gemarkungen zum damaligen Amt und heute zur Stadt Attendorn gehörenden Dörfern Helden und Mecklinghausen Anfang der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts liegt uns die recht kurze und bündige Nachricht des Arnsberger Regierungsrats Jacobi (*1816; +1882) (1857, S. 116) vor. In seinem 590 Seiten mächtigen Werk über „ Das Berg-, Hütten- und Gewerbe-Wesen des Regierungs-Bezirks Arnsberg in statistischer Darstellung “ widmet er dem Marmor ganze 24 Zeilen und damit nicht mehr als eine Randbemerkung. Danach sind die oben beschriebenen Verwendungen nicht in Vergessenheit geraten und geben im Jahre 1841 Veranlassung, neue Nachsuchungen anzustellen. Infolgedessen werden seit einigen Jahren Marmorbrüche bei Mecklinghausen betrieben. Den Anstoß gibt nicht Jacobi selbst. Er ist noch ostpreußischer Regierungsassessor 1840-1841 in Danzig und 1842-1844 in Gumbinnen (Hansen & Tennstedt 2010, S. 79).
Es ist der 49-jährige Christian Kessler (*1792; +1866), der mit viel Enthusiasmus beginnt, die vergessenen Marmorvorkommen wieder aufzuwältigen. Er stammt aus Hartegasse bei Lindlar im Bergischen Land, der Quelle des Lindlarer Marmors, 40 Kilometer westlich von Mecklinghausen, wo er 1836 eine Marmorproduktion aufbaut (Jacobi 2007, S. 136-145). Diese geschäftliche Umtriebigkeit begegnet uns wiederholt in seinem weiteren Wirken, aber auch in seinem Schriftverkehr. Von Dezember 1841 bis Oktober 1842 sind von ihm 14 Briefe an den westfälischen Oberpräsidenten von Vincke (*1774; +1844; amt. 1815-1844) archiviert (LAV NRW W K 001 / Oberpräsidium Münster, Nr. 2812). Diese lassen diesen einmal höflich, aber bestimmt antworten: „ Diese Mittheilungen suche ich doch zukünftig auf gewisse Termine zu beschränken, sowohl um Ihre damit verbundenen Bemühungen und Porto-Auslagen zu vermindern als auch zur Erlangung einer zusammenhängenden Übersicht Ihres Wirkens “. Auch in seinem Diktum ist und bleibt er stets euphemistisch, wie bereits in seinem ersten Schreiben im Dezember 1841 an von Vin>Dies ist der Anstoß zu einer sich bis 1865 ausweitenden Suche nach westfälischen Marmorvorkommen zwischen Balve im Westen und Marsberg im Osten, die letztlich zur bergrechtlichen Verleihung von 130 Marmorgrubenfeldern führt (Abb. 2). Für Kessler beginnen wiederholte Aufenthalte im Raum Attendorn. Quartier bezieht er auf Burg Schnellenberg bei Rentmeister M. Schneidersmann (*1814; +1892), der uns einige Jahre später als Gewerke [Miteigentümer] der Attendorner Marmorgruben begegnen wird. Er versucht, den seit der Antike berühmten weißen italienischen Carrara-Marmor zu finden, weil er in seiner Heimat nichts „ Rares “ hat: „ Unter andern kömmt zwischen dem [...] Fürstenbergschen Schlosse Schnellenberg und Ahlhaus der carrarische [Marmor] zum Vorschein, welche ähnliche Bank sich auf Kirchhelden und Dünschede zu zeigt, womit also dem Mangel an weißen Marmor in hiesigem Lande abgeholfen ist. Auch den türkischen habe ich gefunden, ebenso den Marbre Napoleon, welcher letztere aber nicht zu den Feinsten gehört “. Eine entscheidende Spur liefern ihm dann hellgraue bis weiße Kalksteinquader im Außenmauerwerk der Heldener St. Hippolytus-Kirche (Abb. 26) (Kölnische Zeitung vom 3. September 1855, nach Höffer 2008, S. 577-580), deren Herkunft er richtigerweise in der näheren Umgebung südlich der Kirche vermutet.
Für seine Suche und Anlage von Gruben hat er die Zusicherung, dass das Haus Fürstenberg nicht im Wege stehen werde. Auch der Attendorner Amtmann Anton D’ham (amt. 18511901) sichert ihm seine Unterstützung zu. Begleitet war dieser Aufenthalt von widrigem Wetter: „ Auf dieser Reise bin ich täglich von Morgen bis Abend naß gewesen “. Kessler hat bereits Pläne, eine Marmorschneidmühle bei Kirchhelden anzulegen, und kündigt auch die Einsendung von Proben an, die sich aber immer wieder verzögert. Von Vincke bittet noch im Dezember 1841 den Attendorner Amtmann darum, Kessler insbesondere bei der gütlichen Einigung mit den Grundstückseigentümern zu unterstützen. Schon im Februar 1842 schaltet von Vincke das königliche Oberbergamt in Bonn ein, dem er auch Kesslers Proben übergibt. Er teilt Kessler mit, dass weitere Unterstützungen abhängig von dem Ergebnis deren Untersuchung, dem Befinden und Betrieb der Brüche sein werden und ob sie wirklich Marmor liefern.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 36: Attendorn-Helden, aufgelassene und teilverfüllte Steingrube „Zu den Gruben, Parzelle 40“, Zustand Mai 1956, vermutlicher vorindustrieller Abbau, 1840 wieder aufgewältigt durch C.
Kessler, 1854 Fundpunkt des Marmorgrubenfeldes Blauberg, bis ca. 1860 Marmorabbau. Historisches Orthophoto, Geobasis NRW, Hansa Luftbild AG, Landesarchiv NRW, RW 0230.
Diese Umtriebe bleiben nicht verborgen und am 18. Februar 1842 schreibt der Sattler und Waldarbeiter Anton Belke (*1776; +1865) aus Helden (Anton Belke [online]) an den Olper Landrat Adolf Freusberg (*1802, +1869, amt. 1837-1869). Dieser Brief findet sich in der Akte „ Marmorgewinnung bei Helden, 1842 - 1891 “ (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263), die bereits Weber (1981) zu einem gewissen Teil allerdings nicht vollständig auswerten konnte und auf die wir uns nachfolgend ergänzend zu seinen Exzerpten beziehen. „ Es wird Euer Hochwohlgeborn bekannt sein, daß Herr Christian Keßeler von Lindlar in der Nähe des hiesigen Pastorats eine Marmorgrube angelegt und die schon gegenwärtig eine solche Masse zu Gesichte zeigt, die mehrere Jahre erfordert, um solche Masse zu behauen, zu Schneiden und zu Schleifen. Täglich zeigen sich mehrere Spuren zur Anfallung, und Verfeinerung. Herr Keßeler sagt, dass er diesen Sommer statt der jetzt 16 Mann in dieser Grube beschäftigt sind, diesen Sommer wenigstens hundert erforderlich wären. Es wird Herrn Hochwohlgeborn gewiß angenehm sein das in unserem Kreise eine so wichtige Entdeckung gemacht ist die so vielen Menschen das Brod verschaft, und unser dort besonders zum Neu-Cararien macht “ (Weber 1981, S. 98; LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263). Kessler sucht offensichtlich weitere Marmorvorkommen im Sauerland, wie einige von Reiste und Bigge abgesandte Briefe an von Vincke nahelegen (LAV NRW W K 001 / Oberpräsidium Münster, Nr. 2812).
Das Bonner Oberbergamt reagiert rasch auf von Vinckes Anfrage und beauftragt das Bergamt Siegen mit Untersuchungen. Obereinfahrer J. Hüser, der uns schon knapp drei Jahre später als Briloner Berggeschworener wieder mit einem Marmorfund Kesslers bei Brilon- Rösenbeck und dann 20 Jahre später beratend als pensionierter Bergbeamter bei einer Briloner Marmormutung begegnen wird, liefert schon Anfang Mai 1842 seinen Bericht ab. Er wird die Fundorte nur mit der Begleitung C. Kesslers gefunden haben. Ganz preußischer Bergbeamter beschreibt er diese im Gegensatz zu Kesslers Mitteilungen in seinem amtlichen Bericht so präzise, dass sie heute noch nachvollzogen werden können (LAV NRW W K 001 / Oberpräsidium Münster, Nr. 2812) (Karte 2).
„Indem ich einer Königl. wohllöblichen Bergamte die sehr verehrten ... Verfügung vom 15ten April c. sub No. 1770/42 samt den 3 Anlagen, den rubrizierten Gegenstand betr., gehorsamst remitiere, beehre ich mich Nachstehendes zu berichten.
Das Vorkommen von Marmor in der Gegend von Niederschhelden, Kreis Olpe, befindet sich auf dem bekannten mächtigen Lager Webergangs-Kalkstein, welches auf der Staatsstraße von Meschede nach Olpe an der Barriere Grevenbrücks entblößt worden ist, von Altvalbert [= Lennestadt-Altenvalbert] nach Sporke und Hedbeck [= Lennestadt-Hespecke] geht, bei Grevenbrück die Lenne durchsetzt, und in westlicher Erstreckung durch Dünscheid [= Attendorn-Dünschede], Niedershelden bis nach Riflinghausen [= Attendorn-Rieflinghausen] streicht, wo dasselbe sein Ende erreicht.
Das Lager Kalk streicht, wie das übrigen Schieferungsgebierge von Abend in Morgen [= West nach Ost], und fällt deutlich aber bei sehr verschiedener Neigung der einzelnen Schichten gegen Mittag [= Süden] ein; im Ganzen ist das Vorkommen massig und wenig geschichtet. Klüfte durchziehen vielfach in allen Richtungen das Gebirge.
1. Der Hauptfundpunkt (= des sogenannten carrarischen Marmors) liegt südlich von Kirchhelden, in der Nähe des Dorfes, in der sogenannten Schleh [vermutlich Flur Auf den Gruben, Bereich Fundpunkt Marmorgrubenfeld Blauberg] (Karte 3, Abb. 36). Es ist darselbst ein Lager weißen Kalkes, welches mitunter rötlich wird, in seiner Mächtigkeit von 9 I [= 9 Fuß = 2,80 m] auf etwa 90 I Länge [= 90 Fuß = 28 m] entblößt worden. Das Vorkommen ist ganz massig, in den Lagerabtheilungen dem Streichen des Lagers generell (= Schichtungen) vorhanden sind. Das Streichen geht deutlich in hora 4 [= 120°] und das Einfallen unter 74° gegen Mittag. Querklüftungen in hora 10 -12 [= 300° - 360°]streichend, durchsetzen in einer Entfernung von mehreren Füßen von einander das Lager, und werden somit die Gewinnung sehr erleichtern. Das Nebengestein ist gewöhnlicher grauer Kalkstein, welcher sehr geschichtet ist. Bei einer künftigen Gewinnung des weißen Kalklagers muß das hangende Nebengestein mitgenommen werden, um freie Seiten zu erhalten, wobei die deutliche Schichtung desselben nur vortheylhaft sein kann. Der Hügel, in welchem das Lager vorkömmt, ist sehr sanft, so daß unter jeder Bedingung die Gewinnung nach der Teufe zu eingeleitet werden muss. Die 2 Probestücke mit No. 1 bezeichnet, sind von diesem Fundpunkte.
2. Ein zweiter Fundpunkt liegt in der sogenannten Hölle [In der Helle und Höllensiepen = Fundpunkt Marmorgrubenfeld Grüneberg] (Abb. Karte 3; Abb. 00501) bei Mecklinghausen, jedoch nicht auf dem, eingangs dieses Berichts bemerkten Haupt-Kalklagers, sondern einem hangenden Lager, welches vom ersten durch ein starkes Schiefermittel getrennt ist. Der Kalkstein, welcher hier den Gegenstand der Gewinnung bildet, und im Munde der Arbeiter Kramenzelstein genannt wird, streicht in hora 4 [= 120°] und fällt mit 72° deutlich gegen Mittag ein. Derselbe ist sehr schön geschichtet, und beträgt die Mächtigkeit der Schichten abwechselnd 2, 3 - 4 I [= 3 - 4 Fuß, = 94 - 125 cm] soweit die Entblößung solches dargethan hat. Der eröffnete Bruch hat das in Rede stehende Vorkommen auf 15 I [= 15 Fuß = 4,70 m] Breite und 8 I [= 8 Fuß, = 2,50 m] Teufe aufgeschlossen, indessen ist das Lager noch sehr bedeutend mächtiger, wie dieses auch die Zukunft ergeben wird. Das Gebirge steigt gegen Osten stark an, so daß auf diesem Punkte eine Gewinnung auf eine unberechenbare Reihe von Jahren einzuleiten ist. Der zu gewinnende Kalk ist der Art, daß er sich nicht wird hauen lassen; geschliffen muß er werden, wenn eine fernere Verarbeitung statt haben soll. Die 4 Probestücke, mit No. 2 bezeichnet, habe ich aus diesem Fundpunkte entnommen.
3. Ein dritter Punkt, und genau derjenige, auf welchen der Fabrikant Kessler ein so großes Gewicht gelegt hat, daß er bereits bedeutende Summen darauf verwendet, um Terrain zu akquirieren, liegt südlich des Dorfes Silbecke, an der sogenannten Silbecker Schlah [In der Schlade, identisch mit Fundpunkt Marmormutung Rotheburg] (Karte 2; Anhang). Das Lager, welches hier in Angriff genommen ist, und dessen Mächtigkeit ich zu 3 - 4 I [3 - 4 Fuß, = 94 - 125 cm] ermittelt habe, streicht hor: 8 - 9 [240° - 270°] und fällt gegen Mittag [= Süden] unter dem flachen Winkel von 20 Grade ein. Das Hangende bildet ein aufgelöster rother Kalk, welcher lettenartig geworden ist und zu keiner Gewinnung Anlaß geben kann; das Liegende ist gewöhnlicher weißgrauer Webergangs-Kalkstein, der ebenfalls nicht zu verwenden ist. Durch das flache Einfallen des gering mächtigen Lagers ist auf demselben eine ausgedehnte Entblößung eingeleitet worden, und hat zu dem Glauben geführt, daß hier ein mächtiges Kalk Lager vorhanden wäre, welches sich nach Art des rothen Marmors zu Kunstgegenständen verarbeiten ließe. Die Verkennung der Lagerungsverhältnisse liegt klar vor Augen und dürfte deshalb die Einstellung des Betriebes dem Unternehmer sehr zu empfehlen seyen, da die geringe Mächtigkeit des Lagers wohl keinen nachhaltigen Betrieb zuläßt. Der Kalk selbst ist sehr schön und nimmt eine ausgezeichnete Politur an. Die zwei Probestücke No. 3 sind von hier entnommen; das Stück No. 4 ist liegendes Nebensgestein.
4. Ein weiterer Fundpunkt liegt vor der Ebenhöhe [Ebenhöh] bei [südöstlich] Silbecke (Karte 2). Ich übergehe die nähere Angabe der Verhältnisse und bemerke nur, daß ein schwarzes Kalkspathtrumm (?), welches noch nicht einmal ganz aufgeschlossen ist, für den carrarischen Marmor abgebaut werden soll.
5. Ein fünfter Fundpunkt, worauf ebenfalls großes Gewicht gelegt wird, liegt unmittelbar an der Barriere Grevenbrück [Lage vermutlich unterhalb der Burgruine Peperburg, Fundpunkt Marmorgrubenfeld Pfefferburg, Grevenbrück] (Karte 2). Das Lager, dessen Angriff beabsichtigt wird, ist noch nicht genau aufgeschlossen, und kann ich die Mächtigkeit deshalb nicht angeben. Das Streichen scheint in hor: 5 [= 150°] zu gehen; die einzelnen Schichten stehen auf dem Kopfe. Im Ganzen ist das Vorkommen durchgehend massig zu nennen, der Kalk selbst ist sehr (?) und daher wohl nicht zu ferneren Verarbeitungen geeignet. Die einzelnen Kluftflächen sind angelaufen und mit Eisenerz bekleidet, und mag das dadurch entstehende Farbenspiel Veranlassung gegeben haben, eine Verarbeitung zu Kunstsachen einzuleiten. Auch hier hat z. Kessler Terrain-Akquisition vorgenommen. Die 2 Probestücke No. 5 sind von hier entnommen.
Dieses sind die Bemerkungen, welche ich über das Vorkommen des angeblichen Marmors zu machen habe; bestimmte Aeußerungen über die Verarbeitung und Benutzung desselben kann ich nicht machen, da es bis jetzt noch an Erfahrungen fehlt, welche allein maßgebend seyn können. Uebrigens bemerke ich noch gehorsamst, daß schon in früheren Zeiten die vorkommenden Kalksteine marmorartig verarbeitet worden sind, namentlich zu Taufsteinen in Kirchen, welche ein recht schönes Ansehen haben sollen. Zu beachten ist, das Vorkommen immerhin, und nicht ohne der Aufmerksamkeit zu entziehen, bis die Er. Erfahrung Entscheidung gegeben“.
Zwei Aspekte in seinem Bericht sind beachtenswert. Zum einen erwähnt er nicht die bereits wenige Monate später hoch geschätzten roten Kramenzelkalke von Mecklinghausen. Zum anderen zeigt er schon zu Beginn der Suche nach westfälischen Marmorvorkommen auf, dass diese nur begrenzt verwertbar sein werden. Eine Sichtweise, der das Oberbergamt folgt, als es 1842 Hüsers Bericht an von Vincke weiterleitet. „Nach den Proben und dem Bericht scheint allerdings, daß das Vorkommen von Kirchhelden, welches in dem Berichte sub No. 1 erwähnt ist, näherer Berücksichtigung verdienen. Dieser weiße Marmor mit einigen lichten grauen Wölkungen, auch eine leicht fleischrothe Varietät, welche dabei vorkömmt, haben ein krystallines körniges Gefüge, und dadurch einige Aehnlichkeit mit carrraweißem Marmor, ohne jedoch dessen Reinheit und Gleichförmigkeit zu besitzen. Er wäre zum Marmor wohl zu Luxus-Marmor von einem etwas untergeordnenten Werthe zu benutzen, wenn sie sich in großen Stücken gleichförmig genug erscheinen, welches nach den vorliegenden Proben nicht hinreichend zu bestimmen ist. Der schön rothe dolomitische Marmor von Silbecke No. 3 des Berichts dürfte sich geschliffen und poliert recht gut ausnehmen, wenn er nicht in großen Stücken Drusenräume enthält, wovon die kleinen Probestücke Andeutungen geben. Leider gibt aber der Bericht des Hüsers durchaus keine Hoffnung, daß dieses Gestein in einer ausreichenden Mächtigkeit vorhanden sey. Die übrigen Fundpunkte welche in diesem Berichte erwähnt sind, dürften nach den eingesandten Proben keine Marmorsorten liefern, welche einer guten Politur fähig sind.
Da der Kessler, nach seiner Euer Exzellenz gemachten Mittheilungen, bereits Marbriers aus Belgien hat kommen lassen, so wird auf diesem Wege die Brauchbarkeit seiner gefundenen Marmore sich am besten herausstellen, da man gerade in diesem Lande besonders mit dem Verarbeiten des Marmors abgibt und die dortigen Arbeiter eine große Geschicklichkeit in diesem Industrie-Zweige besitzen“ (LAV NRW W K 001 / Oberpräsidium Münster, Nr. 2812).
Einer der belgischen Marbriers, ein Marmorarbeiter bzw. Marmorschleifer, ist Jean Gérard Tonglet, auch Johann Gerhard Tonglet (*1809; +1891), belgischer Marmorhändler und Wattefabrikant (Gerard Tonglet [online]). Kessler wird ihn bei seiner Reise nach Belgien im März 1842 aufgesucht haben, bei der er, wie er schreibt, vornehmste Ateliers in Brüssel und Lüttich und auch Marmorbrüche in Namur und Dinant besucht. Tonglet kommt im Juli 1842 nach Westfalen, so dass Kessler von Vincke berichten kann „ Gestern kam ich mit dem Marmor Fabrikanten Tonglet von Lüttich nach den westfälischen Brüchen, derselbe hat auch eine gute Meinung vom westfälischen Marmor, hat einen Block bestellt und will die fertige Arbeit zu Brüssel zur Schau aufstellen um das allgemeine Urtheil darüber zu hören “ (LAV NRW W K 001 / Oberpräsidium Münster, Nr. 2812).
Dieser Block wird aus dem roten Kramenzelkalk von Mecklinghausen sein, der späteren Marmorsorte Mecklinghausen rot, die bei den Nationalsozialisten zu Helden rot wird, und er wird uns weiter beschäftigen. Es ist naheliegend, dass J.G. Tonglet den Anstoß zu den Abbauversuchen auf den roten Mecklinghäuser Marmor gibt, den Kessler bisher nicht im Focus hat. Er wird zusammen mit Kessler auf Burg Schnellenberg logieren. Zu Gesichte kommt ihm in im südlichen Turmzimmer der „Solitüde“ der künstlerisch hervorragend gearbeitete barocke Prachtkamin aus eben diesem Marmor (Abb. 20), der erst 1954 in die Vorburg transloziert wurde. Dies geschieht vielleicht sogar bei Kaminfeuer und nicht nur einem Krug Bier, das Rentmeister Schneidermann in der burgeigenen Brauerei braut. Der Kamin zeigt ihm als professionellen Marbrier das Potential des Mecklinghäuser Marmors wegen seiner Ähnlichkeit mit der französischen Marmorsorte Griotte. auf. Die anderen von Kessler gefundenen Marmore besonders den weißen „carrarischen“ von Kirchhelden verwirft er, weil dieser „ sich mit dem Eisen nur übel und zu langsam verarbeiten läßt und geschnitten werden muß “.
Beim Bau zweier königlicher Schlösser in und bei Koblenz sollen sechs Kamine aus ausländischem feinen Marmor aufgestellt werden. Kessler versucht von Vincke dazu zu bewegen, dass wenigstens einer aus westfälischem Marmor geliefert wird. Der antwortet ihm im Oktober 1842 abschlägig. „ Ich freue mich bei Rücksendung der Anlagen vom 24 d. m. des guten Fortganges Ihrer Unternehmens, bin aber nicht im Stande die Benutzung Ihres westfälischen Marmors für die Kamine in den königlichen Schlössern in und bei Coblenz zu erwirken, weil mir alle Überzeugung mangelt, ob Sie den Kamin Marmor in hinreichender Menge und Beschaffenheit so schnell zu liefern vermögen, als dies bei der großen Eile womit die Einrichtung jener Schlösser in 2 Monaten betrieben wird “ (LAV NRW W K 001 / Oberpräsidium Münster, Nr. 2812). Zwischenzeitlich reist Kessler wieder nach Belgien und versucht ein ähnliches Geschäftsmodell mit einerseits kapitalkräftigen, andererseits sachkundigen Teilhabern wie bereits 1836 bei dem Aufbau der Marmorschleifmühle in Hartegasse zu realisieren. Und er war erfolgreich. Im Oktober 1842 schreibt er von Vincke, er „ habe die Ehre unterthänigst anzeigen zu können, daß ich mit dem Herren Grafen Berlaymont (*1815, +1884) (Florent Louis Jules de Berlaymont [online]) zu Sehlur Florzie 4 Stunden südlich von Lüttich vor den Notar Parmantier zu Lüttich einen Gesellschaftsvertrag geschlossen habe, um den westfälischen Marmor in Blöcken und in geschliffenen Platten zu verkaufen, ferner denselben in der Marmorfabrik der Herren Ledant et Tonglet zu Lüttich und Chene, welche zugleich partizipieren, wovor arbeiten zu lassen “.
Das Geschäftsmodell nimmt konkretere Formen an. Kessler, Tonglet und Ledant wollen bei Attendorn eine Marmorschneidmühle bauen, was nun wegen des gefundenen Sandes möglich sei. Quarzsand ist essentiell für das Sägen der Rohblöcke. Vor allem wollen sie die enormen Transportkosten nach Belgien einsparen. Er übermittelt auch die Bitte des Grafen Berlaymont an die preußischen Behörden, die Hälfte des Anlagekapitals von 40000 Thaler zuzuschießen, die in 20 Jahren zurückgezahlt werden sollen. Um Transportmöglichkeiten zu schaffen , sucht er nach besseren Straßenverbindungen (LAV NRW W K 001 / Oberpräsidium Münster, Nr. 2812). Vincke antwortet ihm Ende 1842, die Realitäten nicht verkennend, auf die auch in den kommenden Jahren immer wieder und nicht nur an ihn gestellten Forderungen nach staatlicher Unterstützung, besseren Verkehrswegen und einem Einfuhrzoll für ausländischen Marmor: „... dagegen kann von Besteuerung des fremden Marmors erst Rede sein, wenn die Fabrik in Attendorn im Stande ist, das Inland mit Marmorplatten zu versehen. Erfreuen wird Sie, dass eine Chaussee von Grefenbrück nach Altenhundem, Benolpe auch bald in Betrieb kommen wird “ (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263; Weber 1981, S. 98). Sicherlich religiös intendiert vor allem werbewirksam ist Kesslers „ unentgeltliche Lieferung und Bearbeitung einer Partie westfälischen Marmors, rötlich mit grünen Adern, zu einem Weihwasserkessel für den Eingang des [Kölner] Domes im Wert von 25 Thalern “ (LAV NRW W K 001 / Oberpräsidium Münster, Nr. 2812; Jacobi 2007, S. 141). Da nun gerade die Mecklinghäuser Marmorsorten empfindlich auf Wasser reagieren oder das Domkapitel von der Arbeit nicht ganz überzeugt sein möchte, verwundert es nicht, dass über dessen Verbleibt nichts bekannt ist (frdl. pers. Mitt. von Plehwe-Leisen).
Zwischenzeitlich gibt es bergrechtliche Irritationen. Kessler muss sich vom Bonner Oberbergamt belehren lassen, dass im westfälischen Sauerland anders als in seiner bergischen Heimat die Churkölnische Bergordnung von 1669 gilt, nach der Marmor-, Alabaster- und Mühlsteinbrüche unter das Bergregal fallen. Damit muss er die entsprechenden Vorkommen bergrechtlich muten. Es ist die erste Mutung auf Marmor 178 Jahre nach der Einführung der kurkölnischen Bergordnung. Dann wird auch der Olper Landrat Freusberg involviert. Er bittet von Vincke um eine Unterstützung unter anderem für den Bau einer Marmorschneidmühle. Ein von Freusberg um die Jahreswende von 1843/1844 lancierter Zeitungsbericht über die neuen Marmorvorkommen findet seinen Weg bis nach Berlin. Dieser veranlasst den preußischen Finanzminister von Bodelschwingh (*1800; f1873; amt. 1842-1846) nach einer allerhöchsten Kabinettsorder des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. (*1795; f1861; amt. 1840-1858; Borries 1961, S. 563) im Januar 1843 zu verfügen, Kessler solle Probewürfel von ^ bis 1 Kubikfuß [= 15,7 cm bis 31,4 cm Kantenlänge] gegen sofortige Erstattung der Kosten einsenden, „ wenn es der Besitzer es nicht vorzieht, diese Proben kostenfrei abzugeben “ (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263; Weber 1981, S. 98).
Dieses Interesse der preußischen Staatsspitze an Marmor aus dem erst seit 1815 zu Preußen gehörenden kurkölnischen Sauerland findet seine Erklärung in den traditionell reichen Marmorverwendungen in preußischen Schlössern sowie den künstlerischen und architektonischen Interessen König Friedrich Wilhelm IV. Schon von 1805 bis 1830 führt das Ministerium für Handel und Gewerbe, Abteilung für das Bergwerks-, Hütten- u. Salinenwesen eine „ Acta betreffend des Vorkommen von Marmor in Preußen “ (GStA PK I HA Rep 121, Nr. 121), die sich allerdings noch auf schlesische Marmorvorkommen beschränkt. Diese sind in Grautönen gehalten und damit im Vergleich mit anderen Marmorsorten wenig attraktiv. So bestellt der Schinkelschüler Ludwig Persius (*1803; +1845) 1843 vor und während einer Reise italienische Marmore für königliche Bauvorhaben in Berlin (GStA PK I. HA Rep. 89, Nr. 20592). Doch ist nun das Interesse an westfälischem Marmor geweckt. Von 1845 bis 1849 wird in Berlin eine Akte zu den Marmorbrüchen in Westfalen geführt (GStA PK I HA Rep 89 Nr. 28428). Auch bei der Untersuchung und Auswahl von Marmor und anderer Materialien für den Berlin Dom von 1843 bis 1856 findet westfälischer Marmor Aufmerksamkeit (GStA PK I HA Rep 137 II J Nr. 5).
Vor diesem Hintergrund verwundert die Aufforderung nicht, größere Probestücke einzusenden. Mit einer Anordnung der königlichen Regierung in Arnsberg vom 27. Januar 1843 hat C. Kessler die Proben vor Ort zu veranlassen und wird umgehend am 6. Februar benachrichtig. Er antwortet dem Landrat bereits am 15. Februar, dass ein ähnliches großes Marmormuster wie gestern geschickt werde. Seine Proben werden in Berlin geprüft und begutachtet. Die Berliner Bauräte vergleichen eine Probe des roten Mecklinghäuser Marmors mit dem „ rosso corallino antico “, einer der roten Veroneser Marmorsorten. Sie wird später unter dem Handelsnamen „ Rosso Corallo “ (Herbeck 1953, S. 154) beziehungsweise „ Verona Rosso Corallo (Naturstein-Datenbank.de [online]) bekannt und lässt auf eine umfangreiche Berliner Sammlung von Musterplatten und -stücken schließen. Die dem „ rosso corallino antico “ ähnliche Probe wird im Mai 1843 an die königliche Regierung in Arnsberg zurück geschickt mit dem Auftrag, „ ein Marmorstück von etwa 2 Kubikfuß [etwa 63 cm Kantenlänge] zu veranlassen “ (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263). Über sie bekommt Tonglet die Aufforderung, Proben einzusenden. Er antwortet im Januar 1844, er wolle ein zwei Kubikfuß großes Muster von westfälischem Marmor genauer Griotte No. 2 beschaffen, wenn in sechs Wochen der Schnee geschmolzen sei. Jedoch unterbleibt dessen Anfertigung und Einsendung, weil der Betrieb in der Grube schon seit Juli 1843 ruht. Auf eine betreffende Anfrage des Olper Landrats Freusberg Anfang Februar 1844 berichtet aus Attendorn Amtmann D'ham, der Betrieb des Marmorbruchs sei bis jetzt noch nicht wieder in Betrieb gesetzt worden, weil das Wasser in der Grube überhandnahm und ohne einen Stollen nicht abgeleitet werden könne. Kessler wolle aber den Bruch wieder in Betrieb setzen.
Vermutlich ist der Wassereinbruch wohl eher eine Folge als ein Grund der Betriebsruhe. So beklagt sich Kessler in einem Schreiben an Landrat Freusberg: „ Da indessen zwischen meinen 3 belgischen Associes, im Juli vorigen Jahres eine Uneinigkeit eingetreten ist, in dem der Herr Graf von Berlaymont klagte, daß Tonglet und Ledent nicht redlich in ihren Rechnungen seien und kein nöthiges Geld für den westphälischen Marmor anschafften, so ist die Exploitation in Stillstand geraten “. Auch Probleme bei seiner Bearbeitung mögen dabei eine Rolle gespielt haben, denn sowohl von ihm als auch von Tonglet finden sich verstreut Anmerkungen, dass der Marmor nur schlecht Politur annimmt. Er habe „ mit dem Herren Grafen von Berlamont, Inhaber der größten Schneidemühle von Belgien und den Marmor-Arbeitern Tonglet und Ledent auf die Dauer von 12 Jahren einen Contract geschlossen, um den westfälischen Marmor zu exploitieren und bekäme im glücklichen Falle aus dem Gewinn der Gesellschaft, die alle Vorschüsse leisten muss, 6000 Thaler “. Sein Mitgewerke Tonglet betont in einem Schreiben an Landrath Freusberg, er sei „ höchst beteiligtes Mitglied der zwischen den Graf von Berlamont, Kessler, meinem Schwiegervater Ledent und ihm bestehenden Gesellschaft “ (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263). Diese Feststellung ist für die weitere Entwicklung der Gewerkschaft wichtig. Zwar macht sich Kessler noch Hoffnung, mit dem Grafen Berlaymont und einem Herrn Mathee aus Aachen weiterzuarbeiten, wenn Tonglet und Ledent zurückträten. Alternativen wären für ihn, dass bis Juli 1844 ein neuer Vertrag zustande käme, oder es ihm freistehen würde, allein zu arbeiten. „ Dieses Alleinarbeiten ohne Belgier würde mir am besten gefallen. Im Falle der Marmor den Allerhöchsten Beifall erhalten würde, könnte ich ja bloß für das Königliche Haus und die Königliche Familie ein Atelier errichten, wodurch dieselben folglich eine Decoration Ihrer Häuser einrichten lassen könnten, wie es sonst Niemand kann, was alles zusammen genommen inclusive der Schneidemühle einen Vorschuß von 8000 Thl. erfordern würde “ (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263).
Ein Kamin für den preußischen König 1842-1845
Im Januar 1844 wendet sich Tonglet aus Lüttich an Oberpräsident von Vincke in Münster mit der Ankündigung, eine Kamineinfassung aus westfälischem Marmor als Probewerk einzusenden. Wir gehen davon aus, dass sie aus dem ersten, im Juli 1842 von ihm erworbenen Rohblock aus Mecklinghausen gearbeitet wird, da dann weitere Tätigkeiten im Steinbruch offensichtlich ruhen. Wie oben erwähnt, soll aus ihm eine Arbeit in Brüssel zur Schau gestellt werden (LAV NRW K 001 / Oberpräsidium Münster, Nr. 2812). Die Antwort von Vinckes im Februar 1844 ist recht harsch, da zuvor angeforderte Proben nicht eingesandt wurden: „ Mich hat bei Ihrem Schreiben vom 26ten vorh. Monats wegen Förderung der gesellschaftlichen Gewinnung und Bearbeitung von westfälischem Marmor befremden müssen, daß gerade die Hauptsache, der Betrieb des Marmorbruchs seit Mitte vorigen Sommers eingestellt worden ist und daß Sie eine Gelegenheit zur Vorlegung von Proben in Berlin suchen, nachdem dem beim Unternehmen wesentlich betheiligten Herrn Kessler von dem Herrn Landrath zu Olpe am 14. Juni v. J. aufgefordert worden ist, ihm die von des Königs Majestät verlangten größeren Proben zur Beförderung nach Berlin einzusenden. Stattdessen aber hat der Letztere weder die Ursache der Einstellung des Betriebs angezeigt, noch sich weiter in der Gegend seitdem sehen lassen. Ich kann daher nur rathen, daß Sie den bereits gebahnten Weg zu den höheren Behörden nicht verlassen, vielmehr bald thunlich das dafür bestimmte größere Probe-Werk, die aus westfälischem Marmor gefertigte Kamin-Bekleidung, ... dem ... Landrat zur Weiterbeförderung zugehen lassen und vor allem den Bruch wieder in Angriff nehmen “ (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263; Weber 1981, S. 98-99).
In der gleichen Sache schreibt im Februar 1844 Tonglet an den Olper Landrat Freusberg zum Transport dieser Kamineinfassung: „ Erste dieser Proben, eine aus westphälischem Marmor von mir bearbeitete Kamin-Bekleidung ist bereits in zwei Kisten, wiegend c. 300 Kilogramm, verpackt und nach Anleitung des abschriftlich hier beiliegenden Schreibens Er. Hochwohlgeboren zur gefälligen Beförderung nach Berlin bestimmt. Bis Aachen werde ich selbst der Zollformalitäten wegen des Gegenstands begleiten “ (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263).
Verfolgen wir den Weg dieser Kamineinfassung weiter. Denn etwas später, im März 1844, wendet sich auch Kessler an Landrat Freusberg. Er gibt an, die im Juni 1843 angeforderten zwei Fuß großen Marmormuster nicht erhalten zu haben, weshalb er nach Chenee reise. „ Wenngleich nun der Befehl seiner Sr. Exzellenz des Finanzministers nicht pünktlich ausgeführt werden wird, so bitte ich doch sehr darum, daß der gegenwärtig vorgefertigte Kamin aus dem westfälischen Marmor an Sr. Majestät unseren König abgeführt werden möge, indem er sehr schön ist, sowohl wegen seiner Rarität der Farben, wie er sonst nirgends auf der Erde vorkommt, als auch wegen dem damit auch gegebenen Berichte wie er sich verarbeiten läßt. ... Der Kamin wird heute abgeladen bei Herrn Merkens et Seitlitz in Köln und habe ich diesem Hause angezeigt, daß derselbe entweder nach Olpe oder nach Berlin zu spedieren sei, worüber ich bei Er. Hochwohlgeboren anfrage und über das, was bestimmt würden, berichte würde, bis wohin er in Köln bleiben müsse. Um diese hochgefällige Verfügung bitte dann hiermit mit der gehorsamsten Anmerkung, daß es 2 Kisten sind, von denen eine ... 6 Fuß Länge hat [= 190 cm] , folglich nicht mit dem Postwagen befördert werden kann “ (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263).
Schon am 6. März 1844 berichtet er ihm über den weiteren Transport: „ An den Herren Landrath Hochwohlgeboren zu Olpe in Westfalen. Nach Anleitung eines Schreibens seiner Excellenz des Herren Oberpräsidenten der Provinz vom 12 Februar 1844 n 830 habe ich Ehren Er Hochwohlgeboren Behufs (?) hochgefälliger Weiterbeförderung an die Höchsten Behörden zu Berlin beigehend zu überreichen.
A 1 eine Kiste wiegend 208 Killo
A 2 eine Kiste wiegend 148 Killo
zusammen 356 Killo
enthaltend mit die 1 et 2 eine aus westfälischem Marmor gefertigte Kamin-Einkleidung aus der Fabrike der J.G: Tonglet et Compania zu Chenee bey Lüttich.“
Im April 1844 sucht der umtriebige Kessler weiter nach anderen Marmorvorkommen. Dem Olper Landrat berichtet er, dass er „ die vergangenen Wochen das Gebirge auf der hannoverischen Gränze bey Versmold nach Bielefeld hin und bey meiner Retour bey Arnsberg zu Hürten [Hüsten], Müschede, so wir auf der anderen Seite der Rühr [Röhr] zu Hensbrügen bis auf [Sundern-] Enghausen [bei Hachen]“ bereist habe (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263). Er sendet von Sundern-Enkhausen, einem Dorf sieben Kilometer südwestlich von Arnsberg, ein „ Pröbchen “ an den Landrat. Sie stammt aus schwarzen Kulm-Plattenkalken des Unterkarbon (Karte 2). Verwunderlich ist, dass er die bei Hachen an den westlichen Talhängen der Röhr offen zu Tage tretenden roten und grauen Knollen- und Flaserkalke des Effenbergs nicht wahrnimmt. Diese bekannten Marmorvorkommen stehen dem roten Mecklinghäuser Marmor der Kamineinfassung in Burg Schnellenberg in nichts nach, wie die oben beschriebenen Grabplatten in der Oelinghauser Klosterkirche und die Kamineinfassung sowie das Kapellenportal in Schloss Melschede beweisen (Abb. 33). Noch im Juni 1844 bemüht er sich beim Olper Landrat Freusberg darum, die Kamineinfassung auf der Berliner Industrieausstellung präsentieren zu dürfen. Auf Aufforderung schätzt er ihren Wert auf „ 500 Francs, wenn die Arbeit im Marmorbruch fortgesetzt würde, wenn nicht, wäre sie Liebhabern 1000 Francs wert, weil es dann keine zweite in der Welt geben würde “. Er hebt ihre Geltung hervor, um sie dem preußischen König als Geschenk anzudienen: „ Sollte dieser Kamin möglichen Falls allerhöchsten Beifall finden, so würde sich die ... Gesellschaft außerordentlich erfreuen, wenn Seine Majestät geruhen würden, denselben ... zum Geschenk anzunehmen “.
Doch für ihn entwickeln sich die Dinge anders als erwünscht; der Traum vom königlichen Marmorlieferanten zerschlägt sich. Im gleichen Schreiben erwähnt er zum Fortbestand der Gewerkschaft: „ Bis zum 28. July dieses Jahres wird sich dieses entscheiden “ (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263). Über den Ausgang liegen uns keinerlei Nachrichten vor. Im Juli 1844 wird die Regierung in Arnsberg gebeten, Tonglet zu benachrichtigen, die Kamineinfassung werde noch im August an das königliche Zeughaus abgeliefert, ihn aber auch zur Weiterarbeit im Bruch anzuhalten. Kessler wird nicht erwähnt. Dies bestätigt auch das „ Amtliche Verzeichnis der aus den Staaten des Deutschen Bundes, dem Königreich Preußen und Großherzogtum Posen zur Gewerbeausstellung in Berlin 1844 eingesandten Objekte “ (1844, S. 93, 113):
J. Ch. Keßler, in Hartegasse bei Lindlar, desgl.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Kesslers Platte stammt aus seinem bergischen Betrieb. Die Kamineinfassung wird demnach allein Tonglet zugeschrieben. Damit scheidet Kessler zusammen mit Graf von Berlaymont und Ledent im Juli 1844 noch vor dem Beginn der Gewerbeausstellung am 15. August 1844 aus der Gewerkschaft aus, und Tonglet wird ihr Alleinbesitzer.
Aufschlussreich ist die Bewertung beider Arbeiten: „a . Arbeiten gewöhnlicher Art. Unter Nr. 1016 lieferte J. Ch. Keßler, in Hartegasse bei Lindlar, eine kleine Fußbodenplatte von Marmor. Die Platte ist 1 Fuß lang und breit [= 31,4 cm] , und hat 7/8 Zoll Dicke [= 2,3 cm] . Der Preis 10 Rthlr. pr. 100 Stück ist sehr wohlfeil, wenn man berücksichtigt, daß die Oberfläche gut geschliffen ist und die Kanten in der ganzen Stärke sorgsam gearbeitet sind, so daß beim Verlegen die Fugen sehr fein gehalten werden können. Die gleichmäßige tiefschwarze Farbe und der äußerst geringe Preis (wenn im Bruch die Platten nämlich schon so fertig wie die vorliegende geliefert werden) wird diesem, wahrscheinlich auch nur eine geringe Abnutzung erleidenden Material, zu Fußböden gewiß eine ausgedehnte Anwendung verschaffen“ (Amtlicher Bericht über die allgemeine Deutsche Gewerbeausstellung in Berlin im Jahre 1844 Zweiten Theils zweite Abtheilung, 2. Auflage 1846, S. 10). Der Ausstellungsbericht gibt unter der Rubrik „ b. Sorgsamer ausgeführte Arbeiten aus Marmor “ die einzige detaillierte Beschreibung der Kamineinfassung: „Unter Nr. 1264 hat Tonglet in Helden, Reg. Bez.- Arnsberg, eine große Kamineinfassung von rothbraunem Marmor ausgestellt; die Bearbeitung der Flächen und Kanten, so wie die der verzierten Consolen ist durchweg sehr rein und scharfkantig ausgeführt. Sie würde noch günstiger hervortreten, wenn der Marmor gleichmäßiger hart wäre und eine bessere Politur in der Fläche angenommen hätte, diese ist jedoch überall nur gering. Die Konstruktion der Einfassung ist indeß nicht ganz zu loben, und namentlich der Sturz zu schwach gehalten worden, weshalb derselbe denn auch schon beim Transport zerbrochen ist. Nächstens ist aber auch die Benutzung von Marmorplatten zur Verkleidung von Brandmauern unzweckmäßig, indem der Marmor dem Einfluß des Feuers nicht widersteht “ (Amtlicher Bericht
über die allgemeine Deutsche Gewerbeausstellung in Berlin im Jahre 1844 Zweiten Theils zweite Abtheilung, 2. Auflage 1846, S. 12).
Die Bearbeitungsprobleme sind durchaus bekannt. So schreibt Kessler im Dezember 1844 dem preußischen Finanzminister Freiherr von Bodelschwingh, dass der Marmor schwierig und unvollkommen die Politur annimmt und sich nur schwierig gegen seinen Riss verarbeiten lässt. Störend sind auch „ unliebliche weiße Adern “, dünne Kalzitgänge (vgl. Ambo von 1976 in St. Hippolytus in Attendorn-Helden; Taf. 34, Fig. 2). Diese werden bei dem zur Industrieausstellung geschickten Kamin wohl teilweise herausgeschnitten (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263). Vermutlich wird damit die Sollbruchstelle im verunglückten Sturz geschaffen. Nun sollte man meinen, dass die Kamineinfassung wegen dieser recht kräftigen Kritik keine weitere Beachtung finden würde. Doch Ende November 1844 wendet sich die Kommission der Berliner Gewerbeausstellung an den königlichen Hofmarschall von Meyerinck: „ Euer HWG zeigen wir ganz ergebenst an, daß der Marmorschleifer Tonglet zu Helden, Regierungsbezirk Arnsberg, zur hiesigen Gewerbe-Ausstellung eine aus dortigem neu aufgefundenen Marmor versuchsweise angefertigte Camin-Einfassung mit dem Bemerken eingesendet hat, daß er solche zum Geschenk für Se. Majestät den König bestimmte “. Der Verfasser des Briefs weist auf die dürftigen Verhältnisse von Tonglet hin und empfiehlt, „ um ferneren Belästigungen überhoben zu sein “, die Kamineinfassung für 125 Thaler anzukaufen. Bei dessen Bewilligung sollte die Bedingung gestellt werde, dass Tonglet für den zerbrochenen Sturz ein tadelloses Stück nachliefern solle (SPSG, Historische Akten, Nr. 192, fol. 137 [Transkription C. Sommer, SPSG Berlin-Brandenburg]). Der König will das Geschenk nicht annehmen, macht aber der Kommission den Vorschlag, die Kamineinfassung für den genannten Preis „ aus der Chatoulle Se. Majestät anzukaufen “ (SPSG, Historische Akten, Nr. 192, fol. 138 [Transkription C. Sommer, SPSG Berlin-Brandenburg]). Bereits Anfang Dezember erhält Tonglet eine erste kurze Nachricht vom Olper Landrat über den beabsichtigten Ankauf. Mitte Dezember 1844 folgt von ihm ein längerer Brief. Die Kamineinfassung solle nicht für 125, sondern für 250 Thaler angekauft werden, allerdings mit der Auflage, ein neues Tragstück zu liefern. Zwischenzeitlich erhält Tonglet die Mitteilung, dass der Kamin im königlichen Hofmarschallamt abgeliefert worden ist. Ende Februar 1845 sagt Tonglet zu, das beschädigte Teil zu ersetzen und dafür nach Helden zu reisen (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263). Im Dezember 1845 schreibt Finanzminister Flottwell der Bezirksregierung in Arnsberg: „ Im Verfolg der Berichte der Königlichen Regierung vom 28ten August und 25. Oktober d.J., die Nachlieferung eines neuen, zu der von dem Marmorschleifer Tonglet zu Helden zur vorjährigen hiesigen Gewerbe Ausstellung neugelieferten, auf Befehl Sr. Majestät des Königs angekauften marmorenen Kamin-Einfassung gehörigen Sturzstückes betreffend, - wird demselben eröffnet, daß selbiger laut einer Benachrichtigung des Königlichen Hofmarstall Amtes, nunmehr aufgefunden und wohlbehalten abgeliefert, auch Seitens des Königlichen Hofmarstall Amtes das Erforderliche wegen Berichtigung des Kaufgeldes an den z. Tonglet veranlaßt und bei der Geringfügigkeit der Kosten, welche durch das Einsetzen des neuen Sturzstückes entstanden sind, von dem Anerbieten des letzteren in dem Berichte des Landraths und Regierungsraths zu Olpe vom 10ten April diese Kosten zu tragen abstrahiert worden ist. Die königliche Regierung wolle daher den Tonglet hiervon benachrichtigen “. Was die Bezirksregierung in Arnsberg pflichtgemäß auch tut. Tonglet erhält die zugesagten 250 Taler (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263). Für den Schlossneubau in Herdringen bei Arnsberg 1850 liegt die Kostenberechnung eines Jacob Kaaf aus Köln für zwei gleichwertige Kamine aus schwarzem oder sonstigem Marmor bei 140-160 Thaler pro Stück (AFH 2350, Blatt 36). Damit wird Tonglet offensichtlich recht großzügig honoriert.
Spannend ist nun die Frage nach dem Verbleib der Kamineinfassung. Die Spur dazu liefern zwei beiläufige und versteckte Notizen. Nach einer Anmerkung des Handels- und Finanzministers von der Heydt (*1801; f1874, amt. 1848-1862) in einer Vorlage für den König vom Juli 1849 wurde sie auf dessen Befehl „in einer der Paradekammern des hiesigen Schlosses“ aufgestellt (GStA PK I HA Rep 89 Nr. 28428). In einer Randnotiz eines Schreibens der Arnsberger Bezirksregierung vom Juli 1853 (SPSG, Hist. Akten, Nr. 194, fol. 124 [Transkription C. Sommer, SPSG Berlin-Brandenburg]) erwähnt Ober-Hofbaurat Stüler, dass sich im Berliner Stadtschloss in der Brandenburgischen Kammer neben dem Rittersaal ein Kamin des Marmors aus Mecklinghausen befindet. Friedrich Wilhelm IV. lässt anfangs seiner Regierungszeit mit anderen Paradekammern auch diesen Raum stark erneuern und mit einem neuen Kaminrahmen ausstatten (Peschken & Klünner 1991, S. 475), eben mit der Kamineinfassung von Tonglet. Bei einem Bombenangriff während des Zweiten Weltkrieges wird das Schloss 1945 zerstört, die Reste werden im September 1950 gesprengt (Berlin, Stadtschloss [online]). Vom Kamin liegt einmal von Peschken & Klünner (1991, Abb. 106) eine undatierte Schwarzweißfotografie der Kaminwand der Brandenburgischen Kammer (Rote Adler Kammer) vor, die allerdings nur wenig die Details des Kamins erkennen lässt. Dieser ist durchaus imposant und mit vielfältigen Dekorelementen versehen, wie weitere historische Aufnahmen der Messbildstelle zeigen (Abb. 37).
J.G. Tonglet, Marmorfabrikant aus Wallonien 1845-1852
Deutlich bescheidener fällt 1845 Tonglets erstes Werkstück als alleiniger Gewerke aus: „ Das Erstlingsstück seiner Mühen hat Tonglet zu einem Weihwasserfaß verarbeitet und am 13. August 1845, als am Gedächtnistage des Hl. Hippolytus [Kirchenpatron] der Pfarrkirche zu Helden, geschenkt. Dies Geschenk ist am genannten Tage am Haupteingange der Kirche eingemauert und resp. zum ersten Male in Gebrauch genommen worden “ (PfA Helden, B 20, S. 113 f, Pfarrchronik: Allgemeines, [Transkription O. Höffer, Stadtarchiv Attendorn]). Leider erwähnt die Pfarrchronik nicht, aus welchem Marmor das nicht mehr erhaltene Weihwasserfass gefertigt wurde. Denn um diese Zeit mutet J.G. Tonglet die Marmorgrubenfelder Griotte und Grüneberg bergrechtlich mit ihren unterschiedlichen Gesteinen (GStA PK I HA Rep 137 II J Nr. 5). Mit „Griotte“ nimmt J.G. Tonglet zugleich zu zwei gleichnamigen Marmorsorten werbewirksam Bezug: zur wallonischen „ Griotte “ (Cnudde et al. 1990, S. 134) und zur „ marbre Griotte “ aus den östlichen Pyrenäen (Martzluff et al. 2016, S. 64-65, Fig. 1 und 8), dem der rote Mecklinghäuser Marmor in Farbe und Textur ähnelt. Unterstützung erhält er durch Landrat Freusberg, der den preußischen Oberbaurat Stüler werbend auf den Mecklinghäuser Marmor aufmerksam macht. In Vertretung antwortet ein Kollege, namentlich leider nicht identifizierbar, weil unleserlich unterzeichnend: „Allein wenn es sich von Beschaffung der Gesteine für größere Bauten handelt, kann die Beförderung der Betriebsamkeit einer bestimmten Gegend, welche das gewünschte Material liefert, nur dann
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 37: Tonglets Kamin aus rotem Mecklinghäuser Marmor in der Brandenburgischen Kammer (Rote Adler Kammer) des Berliner Schlosses, Foto 1916. Messbildarchiv und Bildarchiv des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums.
berücksichtigt werden, und wird es dann auch, wenn die Lieferungs Preise nicht so sehr von gewöhnlichen verschieden sind. Dies ist leider bei den Mecklinghäuser Brüchen, im Vergleich mit anderen, namentlich der Nassauischen, der Fall gewesen. Es ist gar nicht die Absicht, den Besitzer zu veranlassen, unter dem Preise zu arbeiten, um sich die Bestellung zu sichern; jedoch ist auf der anderen Seite auch nicht zu verlangen, daß ein ganz unverhältnismäßig höherer Preis geben werde, um gerade Säulen aus diesen Brüchen zu erlangen, um dadurch ihren Betrieb zu heben“ (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263; Weber 1981, S. 101). Der klare Hinweis auf die Preise ist nachvollziehbar, doch ist interessant, dass hier zum ersten Mal das Stichwort „Säulen“ fällt, die uns in verschiedenen auffallenden und prominenten Verwendungsbeispielen des
Mecklinghäuser Marmors begegnen werden. Dazu gehört auch die endlich von Tonglet selbst veranlasste Probenahme aus beiden Marmorgrubenfeldern:
„No: 210 [Mecklinghausen, 15. Mai 1846] [Attest des Revierbeamten Bergmann] Dass die beifolgenden, von mir hier mit dem Dienstsiegel versiegelten, und mit den Buchstaben A., B., C., D. E., F., G., H., J., K., L., M. und N. bezeichneten verschiedenen Marmorproben aus den unter dem Namen Grüneberg und Griotte in Mutung genommenen Marmorbrüchen bei Mecklinghausen, Gemarkung Mecklinghausen, Amtsbezirk Attendorn, Kreis Olpe, Regierungsbezirk Arnsberg, Geschworenen—Revier Olpe entnommen worden sind, wird hiermit dem Muther Herrn J. G. Tonglet auf Verlangen unter Beidrückung des Dienstsiegels pflichtmäßig bescheinigt. Die in oben bezeichneten Marmorbrüchen vorkommenden Marmorblöcke haben eine Größe von 5., 10. bis 15. Fuß Länge [= 1,57 m, 3,14 m, 4,71 m] und 3., 4. Bis 5 Fuß Breite [= 0,94 m, 1,26 m, 1,57 m], welches ebenfalls bescheinigt wird.
Mecklinghausen, den 15. Mai 1846
Der königliche Revierbeamte
gez. Bergmann“
(GStA PK I HA Rep 137 II J Nr. 5).
J.G. Tonglet sichert sogar zu, breitere Blöcke liefern zu können. Damit haben sie Dimensionen für die Anfertigung von Säulen. Das Oberbergamt Bonn fragt beim Oberberghauptmann Graf von Beust in Berlin an, wie mit den Proben umzugehen sei, und betont, dass sie „ zum Theil ihrer Schönheit und Eigentümlichkeit wegen ... Aufmerksamkeit verdienen “. Sie werden nach Berlin gesandt und vom König bei der Inaugenscheinnahme als sehr schön gefunden. Nach einem Vermerk sind die Proben zu inventarisieren. Diese positive Aufnahme durch Friedrich Wilhelm IV. lässt Landrat Freusberg darauf bauen, dass ein Gewerbebetrieb entsteht. Doch ein erster größerer Auftrag, die Lieferung von 54 Marmorsäulen für die ev. Garnisonskirche in Köln, geht nicht an J.G. Tonglet, da die Kirche nicht gebaut wird. Darüber äußert sich Landrat Freusberg in einem Schreiben an Oberbaurat Stüler enttäuscht und bittet um Beachtung des Marmors (GStA PK I HA Rep 137 II J Nr. 5).
J.G. Tonglet werden Ende 1847 die Marmorgrubenfelder Griotte und Grüneberg vom Oberbergamt Bonn nach dem kurkölnischen Bergrecht als alleinigen Besitzer mit 128 Kuxen [Anteile an Bergwerken] verliehen und er erhält 1849 dafür und den Betrieb seiner beiden Gruben eine recht deftige Gebühren- und Gefällerechnung (LAV NRW W Q 560b / Amtsgericht Olpe / Berggrundakten, Nr. 25; Nr. 31):
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Er ersucht die preußische Regierung um deren Niederschlagung. In einer Vorlage für den preußischen König attestiert ihm Handelsminister von der Heydt im Juni 1849, dass er seit 1845 mit Tüchtigkeit und Eifer den Betrieb führt. Die Brüche liefern nach dem Urteil erfahrener Bautechniker ein zu größeren architektonischen Ausführungen brauchbares Material. Mit einer Verfügung ermächtigt Friedrich Wilhelm IV. seinen Minister, die Gebühren niederzuschlagen und das Rezeßgeld für beide Brüche auf 2 Thaler anzusetzen. Auch muss Tonglet den für beide Brüche zu entrichtenden Kanon von nun zwei Thalern zahlen (GStA PK I HA Rep 89 Nr. 28428). Doch weitere Unterstützung bleibt aus. Zwar wird die königliche Baudeputation auf die Wichtigkeit der Mecklinghäuser Marmorbrüche hingewiesen, dem Verein zur Förderung des Gewerbefleißes in Preußen wird von der Äußerung des Königlichen Bergamtes in Siegen Mittheilung gemacht und ihm anheimgegeben, dieselbe durch Abdruck in seinen Verhandlungen zur Kenntnis des gewerblichen Publikums zu bringen. Doch J.G. Tonglets Antrag, eine gemischt staatlichprivate Gesellschaft zu gründen, wird abgewiesen, da „ höheren Orts eine weitere unmittelbare Beteiligung des Staates an der Nutzbarmachung dieser Marmorbrüche abgelehnt worden ist “ (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263; Weber 1981, S. 101). Im Oktober 1850 versucht Landrat Freusberg mit einem Schreiben an die Bezirksregierung in Arnsberg vergeblich zu intervenieren (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263).
Marmorgesellschaft: Franz Jos. Bonzel & Co. 1852 -1873
Für J.G. Tonglet ist diese Entscheidung offensichtlich der Anlass, sich von seinen beiden westfälischen Marmorgruben zu trennen. Damit kommt für ihn 1853 eine Bekanntmachung der königlichen Regierung im Amtsblatt der Königlich Preußischen Regierung zu Düsseldorf über die Marmorbrüche von Mecklinghausen zu spät: „ In neuerer Zeit ist bei den höheren Behörden wiederholt auf die Wichtigkeit der Marmorbrüche bei Mecklinghausen, im Kreis Olpe, aufmerksam gemacht worden, welche sich im Besitz des Herrn J.G. Tonglet befinden und von demselben mit Umsicht und Fleiß betrieben werden. Mehrere an das Königl. Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten gelangte Marmorproben sind hierauf einer näheren Prüfung unterzogen worden, und es hat sich hierbei ergeben, daß der Marmor von Mecklinghausen mit dem meistens angewandten Pyrenäen-Marmor wohl rivalisieren kann. Im Interesse der Architektur erscheint es daher wünschenswert, daß der Marmor von Mecklinghausen eine größere Verbreitung findet als das dies bisher der Fall gewesen ist, und machen wir daher das hierbei interessierte Publikum auf die gedachten Marmorbrüche aufmerksam. Düsseldorf den 30. April 1853 “ (Amtsblatt der Königlich Preußischen Regierung zu Düsseldorf 1853, S. 226-227).
Die Kosten für das Brechen der Rohblöcke und vor allem der teure Transport zu seiner 215 km oder fünf bis sechs Tagesreisen entfernten Werkstatt in Chenee bei Lüttich sind zu hoch. Im Juni und Juli 1851 veräußert er in mehreren Tranchen 116 seiner 128 Kuxen. Der Olper Eisenunternehmer und Kaufmann Franz Josef Bonzel (*1783; +1857) kauft von J.G. Tonglet laut notariellem Verkaufs- und Gesellschaftsvertrags vom 14. Juni 1851 48 Kuxen. Mit nachfolgenden Käufen erhöht er seinen Anteil auf 64 Kuxe. Er wird damit Mehrheitseigner und Kopf der Marmorgesellschaft Franz Jos. Bonzel & Co. (LAV NRW W Q 560b / Amtsgericht Olpe / Berggrundakten, Nr. 25; Nr. 31). Amtmann Franz D'ham aus Attendorn engagiert sich mit 16 Kuxen, die er allerdings bis 1855 nach und nach an seine Mitgewerken, vorrangig an F.J. Bonzel abgibt. Mit acht Kuxen ist die Beteiligung von Rentmeister Martin Schneidersmann (*1814, +1892) von Burg Schnellenberg bei Attendorn deutlich bescheidener. Der Paderborner Amtsrat Ferdinand Risse (+1857) erwirbt zunächst im Februar 1852 24 Kuxen und erhöht später seinen Anteil auf 32 Kuxen (LAV NRW W Q 560b / Amtsgericht Olpe / Berggrundakten, Nr. 25; Nr. 31). Hermann Josef Hesse (*1798; +1865), Paderborner Eisenwaren-Kaufmann beteiligt sich im Anfang Juli 1852 mit 16 Kuxen. Nun steht J.G. Tonglet vor dem Problem, seine letzten 12 Kuxen zu veräußern. Im Olper Kreisblatt No. 31 Sonnabend den 31. Juli 1852 (KAO Olper Kreisblatt No. 31) lässt er annoncieren: „ Der Gewerke Johann Gerhard Tonglet zu Chenei bei Lüttich beabsichtigt seine beiden Stamm-Antheile an den Marmorgruben bei Mecklinghausen freiwillig zu verkaufen. - Die näheren Bedingungen sind bei mir zu erfahren, und gilt die Offerte dieses Verkaufs nur für die nächsten vierzehn Tage. Olpe 30. Juli 1852. Hundt Rechts-Anwalt und Notar “. Aber es dauert nicht 14 Tage sondern acht Monate bis März 1853, dass er je sechs Kuxen an H. Hesse und F. Risse verkaufen kann. Summiert man die Einzelverkäufe, erhält J.G. Tonglet insgesamt 7370 Thaler ausgezahlt (LAV NRW W Q 560b / Amtsgericht Olpe / Berggrundakten, Nr. 25; Nr. 31), ein für die damaligen Verhältnisse enorm großer Betrag. 1855 stellen sich die Eigentumsverhältnisse so dar: F. J. Bonzel 64 Kuxen (50%), F. Risse 32 Kuxen (25 %), H. Hesse 24 Kuxen (18,75 %), M. Schneidersmann 8 Kuxen (6,25 %). Dann ergibt sich 1857 eine Aufsplitterung der Besitzverhältnisse durch den Tod von F. J. Bonzel und den von F. Risse. Bonzels sieben Kinder erben je 9 1/7 Kuxen und Risses drei Kinder gemeinschaftlich dessen 32 Kuxen. Risses Tochter wird durch ihren Mann Rittmeister, später Major von Schlechtendahl als Gewerke vertreten (LAV NRW W Q 560b / Amtsgericht Olpe / Berggrundakten, Nr. 25; Nr. 31). Für die Stabilität des Geschäftsmodells spricht, dass mit gleichen Anteilen sich alle an den nachfolgenden 16 Mutungen der Marmorgesellschaft zwischen 1856 und 1862 beteiligen und im Oktober 1862 die Konsolidierung der 18 Marmorgrubenfelder zu dem einzelnen Marmorgrubenfeld Vereinigten Mecklinghäuser Marmorgruben mittragen (LOBA Akte Attendorn 1930) (Karte 3). Verarbeitet J.G. Tonglet die Rohblöcke in seiner Marmorschleiferei in Chenee bei Lüttich, steht die neugegründete Marmorgesellschaft nun vor dem Problem, diese selbst schneiden und bearbeiten zu müssen. Das für eine Marmorschneidmühle erforderliche Wasser bot der Zusammenfluss von Haardtmecke und Helle in der Heldener Gemarkung, 2026 im Areal des Golfclubs Repetal Südsauerland. Das zugehörige Grundstück wird schon früh im Mai 1852 von den Eheleuten Landwirt Friedrich Hasenau und Anna Katharina Hasenau geborene Schulte aus Mecklinghausen angekauft. (Amtsgericht Olpe, Hypothekenakten Helden VI-44). Nach unseren Geländebegehungen sind beide Zuläufe mit ihrer geringen Wasserführung eher Rinnsale als Bäche.
Auch wird prompt Beschwerde gegen den Bau eingelegt (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263). Beschwerdeführer sind der Müller Isaac Maisborn von der Röllecker Mühle, der Landwirt Gottfried Belke aus Niederhelden und der Wagner Franz Pulte aus Mecklinghausen. Die Gewerkschaft wird von ihren ortsansässigen Mitgliedern F. J. Bonzel aus Olpe, M. Schneidersmann von Burg Schnellenberg und Franz D'ham aus Attendorn vertreten. Den Ortstermin im April 1852 moderieren der Olper Landrat Freusberg sowie der Attendorner Amtmann D'ham, Sohn des Franz D'ham und erreichen eine gütliche Einigung (KAO Akte A 2312 [Transkription O. Höffer, Attendorn]). Nach einer nachfolgenden Vermessung darf der Sammelteich eine Oberfläche von 22 Quadratruthen [= 312 m[2]] und Tiefe von 25 1/2 Zoll [= 0,66 m] haben (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 2639; Vermessung mit tim-online.nrw.de). Damit ist sein Fassungsvermögen von etwa 206 m[3] recht gering. Die niedrigen Dämme des Sammelteiches heben sich heute noch aus dem Gelände empor (Abb. 39).
Abb. 38: Situationsplan von Burg Schnellenberg, MarmorSteinbruch an der Bigge, Marmor-Steinbruch bei Helden und Mecklinghausen, Ausschnitt des Uraufnahme Blatt 4813 Attendorn, 1840, Kartenausschnitt https://www.tim-online.nrw.de/tim-online2/ .
Ende 1852 erteilt die Regierung in Arnsberg den Erlaubnisschein zum Bau einer Marmorschneidmühle (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263). Der flache Wiesengrund lässt nur ein unterschlächtiges Wasserrad zu. Dessen Höhe beträgt 24 Fuß [= 7,5 m]. Es betreibt zwei Sägegatter, von denen jedes 25 Sägeblätter aufnehmen kann (Jacobi 1857, S. 116). Dafür erhält die Gewerkschaft überraschend eine Unterstützung von 500 Thaler aus Staatsfonds, „ Sie hat im letzten Jahre ein durch Wasser bewegtes Schneidewerk angelegt “ (Zeitschrift für das Berg,- Hütten- und Salinen-Wesen in dem Preussischen Staate, 1854b, S. 115), hat doch die preußische Regierung in den vorhergehenden Jahren stets jegliche Unterstützung für das Unternehmen abgelehnt. Dann erhält die Gewerkschaft wie immer über den Dienstweg - vorgesetzte Berliner Behörden, Regierung in Arnsberg, Olper Landrat Freusberg -„ Sie wollen dies der Gewerkschaft mittheilen “ die Aufforderung der königlichen technischen Baudeputation in Berlin ein etwa drei Zoll [= 0,94 m Kantenlänge] großes Probestück, an einer Seite geschliffen und poliert, in den übrigen Seiten bloß abgesprengt, zu überreichen (LAV NRW W. K 335, Kreis Olpe, 263).
Die Marmorgruben sind bergrechtlich Bergwerke. Ihr Steiger wird Peter Johann Belke (*1825; f1882), der Sohn des oben erwähnten Sattlers und Waldarbeiters Anton Belke, der 1842 den Olper Landrat über den neuentdeckten Marmor informierte (Peter Johann Belke [online]). Dessen „ Dienst-Contract “ wird vom Mehrheitseigner F.J. Bonzel unterzeichnet (Ruegenberg 1987, S. 50). P: Belke erhält einen Monatslohn von 15 Thaler. Produziert werden „ Tisch- und Schrankplatten, Fensterbänke, Mörser, Badewannen, Grabdenkmäler “ (Zeitschrift für das Berg,- Hütten- und Salinen-Wesen in dem Preussischen Staate, 1855b, S. 255).
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Abb. 39: Dämme des 1852 angelegten Sammelteichs der Marmorschneidmühle der Firma Franz Josef Bonzel & Co. bei Attendorn Mecklinghausen am Zusammenfluss von Haardtmecke und Helle im Areal des Golfclubs Repetal Südsauerland.
Die Firma F: J: Bonzel & Co. ist von 1852 bis 1867 geschäftlich aktiv. Eine Übersicht der wirtschaftlichen Entwicklung der westfälischen Marmorproduktion von 1852 - 1872 gibt die stichwortartige Zusammenfassung der Jahresberichte der Handelskammer in Arnsberg (ab 1909 Handelskammer für das südöstliche Westfalen) nach Abschriften von Prozessakten in der Bergamtsakte Hillenberg (LOBA Hillenberg). Detaillierte aber nicht immer vollständige und kohärente Angaben zur Zahl der betriebenen Marmorgruben, Anzahl der Arbeiter, der Förderung in preußischen Kubikfuß und des Geldwerts der Rohförderung in preußischen Talern liefern die Jahrgänge 1 bis 16 der „ Zeitschrift für das Berg,- Hütten- und Salinen-Wesen in dem Preussischen Staate “. Die Angaben werden in Tab. 4 zusammengefasst, in der die preußischen Mengenangaben in Kubikfuß in Kubikmeter ergänzt werden. In den ersten beiden Jahren wird nur in den bereits bergrechtlich verliehenen Gruben Grüneberg und Griotte abgebaut. Im Mai 1854 kommt das Marmorgrubenfeld Blauberg und Januar 1856 das Marmorgrubenfeld Schwarzkopf hinzu (LAV NRW W Q 560b / Amtsgericht Olpe / Berggrundakten, Nr. 25; 31). Beide liegen nicht weit von der Marmorschneidmühle entfernt. Die Wegestrecke von der Grube Blauberg bis zur Marmorschneidmühle beträgt 1600 m, von der Grube Schwarzkopf 1800 m, wie der Kartenausschnitt aus der preußischen Uraufnahme zeigt (Abb. 38. In allen anderen an F. J. Bonzel & Co. verliehenen Marmorgrubenfeldern im Raum Attendorn wird in diesen Jahren kein Marmor abgebaut. Ab 1862 wird nur noch der rote Mecklinghäuser Marmor in der Grube Griotte gewonnen. In der Grube Grüneberg blieben bis heute in ihrem nordöstlichen Teil 1861 frisch gebrochene, heute angewitterte Rohblöcke liegen und geben den äußerst seltenen Einblick in den historischen Betrieb einer Marmorgrube (Abb. 40).
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Abb. 40: Marmorgrube Grüneberg, Attendorn-Mecklinghausen, Cephalopodenkalkstein, Adorfium, Oberdevon, Attendorn-Mecklinghausen, bergrechtlich verliehen 1847, Betrieb aufgelassen 1861 mit Relikten von Rohblöcken.
Die Abbaumengen und Zahl der beschäftigten Arbeiter zeigen deutliche Schwankungen. Einerseits sind sie von der Auftragslage abhängig. Andererseits schränkt in den Jahren 1857 und 1858 ein andauernder Wassermangel bei guter Auftragslage die Arbeit ein (Zeitschrift für das Berg,- Hütten- und Salinen-Wesen in dem Preussischen Staate, 1858b, S. 163; 1859, S. 172). Hier rächt sich die Anlage der Marmorschneidmühle an den beiden nur geringe Wassermengen liefernden Bächlein mit einem zu klein dimensionierten Mühlteich. Dazu kommen in den Anfangsjahren die immer noch begrenzten Transportmöglichkeiten. So erwähnt die Industrie- und Handelskammer von Arnsberg in ihren Jahresberichten für 1852 und 1853, dass die Eisenbahn den Transport erleichtern würde (WWA Dortmund, S 6 - Jahresberichte von [Industrie- und] Handelskammern 946 Arnsberg).
Gleich zum Geschäftsbeginn der Gewerkschaft präsentiert F.J. Bonzel den Marmor mit seinen anderen Geschäftsbereichen auf der im Juli 1852 eröffneten Provinzial-Gewerbe- Ausstellung für Rheinland und Westphalen in Düsseldorf. Neben verschiedenen Sorten von Eichenblechen, einigen durch Tiefbruch gewonnenen Platten Dachschiefer auch „ Gegenstände aus Westphälischem Marmor: 1 runder Tisch von 2 ¥¥ [= 2 ^ Fuß = 78,5 cm], zwei Spiegel-Console, zwei Platten zu Einlagen auf Nachttische “ (Katalog der Provinzial-Gewerbe-Ausstellung für Rheinland und Westphalen in Düsseldorf 1852, S. 70). Doch steht er mit diesem neuen Geschäftsfeld nicht allein dar. Aus dem Neandertal bei Düsseldorf stellen die Steinbruchbesitzer Diepgen und Beckershoff „ Ein Assortiment von geschliffenen, geschnittenen und polierten Marmorsachen “ neben weiteren Steinbruchprodukten aus (Katalog der Provinzial-Gewerbe-Ausstellung für Rheinland und Westphalen in Düsseldorf 1852, S. 65). Der Trierer Techniker Besselich zeigt „ 10 verschiedene Marmorplatten gewonnen in der Eifel (Kreis Prüm) “ (Katalog der Provinzial-Gewerbe-Ausstellung für Rheinland und Westphalen in Düsseldorf 1852, S. 81).
Sein nächster Coup ist es, dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV ein Geschenk aus Mecklinghäuser Marmor anzudienen. Der König bereist im Sommer 1853 Westfalen. Am 21.07.1853 gelangt er über Warburg, Paderborn, Lippstadt und Soest am Abend nach Arnsberg. Am anderen Tag setzt er am Vormittag seine Reise über Schloss Herdringen, Werl und Hamm nach Bad Oeynhausen fort (LAV NRW W Regierung Arnsberg, Nr. 15; Huch 2019, S. 253). F.J. Bonzel nimmt diese Gelegenheit war und richtet ein Gesuch an den Präsidenten der Regierung Arnsberg, E. von Bodelschwingh (*1794; +1854), einen von seiner Gewerkschaft gefertigten Tisch dem König als Geschenk anbieten zu dürfen. Von Bodelschwingh unterstützt auch aus wirtschaftlichen Erwägungen diesen Wunsch. Er schreibt am 4. Juli 1853 im Vorfeld des Königsbesuchs an dessen Oberhofmarschall Alexander Graf von Keller (*1801; +1879): „ Die Gewerkschaft „F. J. Bonzel & Compag.“ zu Olpe , welche die Marmorbrüche und Schleifereien zu Mecklinghausen betreibt, hat einen Tisch ganz von Marmor fertigen lassen, auf dessen Platte sich ein eingelegter Stern befindet, welcher eine Musterkarte der vorzüglichsten, in diesen Brüchen vorkommenden Marmor-Arten enthält.
Da Seine Majestät der König sich für den inländischen Marmor überhaupt, ganz besonders aber für denjenigen von Mecklinghausen interessieren, dessen vorzügliche Eigenschaften durch das Königliche Ministerium für Handel und Gewerbe öffentliche Anerkennung gefunden haben, so wünscht die Gewerkschaft den bezeichneten Tisch Seiner Majestät dem Könige als ein Zeichen ihrer Verehrung und Dankbarkeit für dieses Interesse zu übersenden und hat mich ersucht, hierzu die Allerhöchste Erlaubnis auszuwirken.
Ich habe diesem Wunsche um so mehr entsprechen zu müssen geglaubt, als die Mecklinghauser Marmorbrüche bei weiterer Ausdehnung eine reiche Erwerbsquelle für den armen und im allgemeinen stiefmütterlich von der Natur ausgestatteten Kreis Olpe werden könnten, und die huldreiche Annahme des kleinen Geschenks von seiten Seiner Majestät des Königs sowie die sich daran vielleicht anknüpfenden Bestellungen gewiß wesentlich dazu beitragen würden, die Produkte dieses neuen Industriezweiges in weiteren Kreisen bekanntzumachen und dadurch ihren Absatz zu heben, welcher allein den weiteren Fortschritt bedingt, da die Lager eine fast unerschöpfliche Mächtigkeit haben und bei fernerem Betriebe der Brüche in der Tiefe aller Wahrscheinlichkeit nach die Produkte noch edler werden dürften.
Euer Hochgeboren bitte ich daher ganz ergebenst, Seiner Majestät dem Könige auf dem Grund dieses Schreibens über das Gesuch der Gewerkschaft Vortrag halten, die Allerhöchste Erlaubnis zur Annahme des Tisches erwirken und mich von der Entscheidung Seiner Majestät in Kenntnis setzen zu wollen „.(GStA PK, BPH, Rep. 113, Nr. 608, Bl. 142-143; Huch 2019, S. 1136-1137).
Am 13. Juli 1853 antwortet ihm Graf Keller: „ Euer Exzellenz geehrtes Schreiben vom 4.n.M. habe ich Seiner Majestät vorzutragen die Ehre gehabt und bin beauftragt worden, Er. Exzellenz mitzutheilen, daß Allerhöchstdieselben den von der Gewerkschaft F.J. Bonzel & Comp. zu Olpe offerierten Marmor-Tisch anzunehmen geruhen wollen und daß Eur. Exzellenz den Tisch zur Allerhöchsten Ansicht aufstellen zu lassen die Güte haben möchten “ (LAV NRW W Regierung Arnsberg 15, Blatt 17). Der königliche Aufenthalt in Arnsberg ist bei dessen eng getacktetem Programm recht kurz. Abends angekommen muss er etwa um 11 Uhr bereits wieder mit der Extrapost zum Dejeuner in Schloss Herdringen. Doch es bleibt genügend Zeit, dass Amtmann Risse als Vertreter der Gewerkschaft dem König den Marmortisch übereichen kann (Jolk 2003, S. 224). Regierungspräsident von Bodelschwingh berichtet an den Oberhofmarschall Graf Keller, „daß die Gewerkschaft F.J. Bonzel &Comp. den für Se. Majestät den König Marmortisch Allerhöchstdemselben hier vorgestellt und daß seine Majestät befohlen haben, denselben nach Potsdam zu senden “ (SPSG. Hist. Akten, Nr. 194, fol. 124 [Transkription C. Sommer, SPSG Berlin-Brandenburg]). Den Transport nach Potsdam organisiert der Attendorner Amtmann D'ham. Die Tischplatte wird von ihm nach Soest und von dort mit der Eisenbahn nach Potsdam gebracht (SPSG. Hist. Akten, Nr. 194, fol. 125 [Transkription C. Sommer, SPSG Berlin-Brandenburg]). Die Bestätigung des Eingangs nutzt F.J. Bonzel noch einmal in einem Dankschreiben im November 1853 werbend auf die Mecklinghäuser Marmore hinzuweisen: „ Es war uns erfreulich, aus dem an Herrn D'ham gerichteten [...] Schreiben vom 10. November zu entnehmen, dass der Marmortisch, den Se. Majestät [...] bei dessen Anwesenheit in Arnsberg geruhten anzunehmen, glücklich auf Sanssouci angekommen und die an dem Tisch angebrachten Marmor Proben den Beifall [.] gefunden haben. Wir nehmen hiermit Veranlassung unseren verbindlichsten Dank auszusprechen, dass Eur. Hochgeboren dem Geheimen Ober-Hofbaurat Stüler diese Angelegenheit überwiesen, um Vorschläge zur Verwendung des Mecklinghauseners Marmors für Königliche Hofbauten zu machen. Möchte diese Verwendung eine recht umfangreiche werden; das großartige Vorkommen der Marmore entspricht allen derselbigen Anforderung “ (SPSG. Hist. Akten, Nr. 194, fol. 129 [Transkription C. Sommer, SPSG Berlin-Brandenburg]). Auf Befehl des Hofstaatsekretärs Bussler wird im April 1857 „ ein runder Tisch von rotem Marmor mit dreiteiligem Säulenfuß und Mosaikeinlage als Musterkarte aus dem Marmorbrüchen von Mecklinghausen 2' 5 2/3'' [= 77,6 cm] von der Potsdamer Bildergalerie in das Marmorpalais verbracht (SPSG. Hist. Akten, Nr. 13, fol. 93 [Transkription C. Sommer, SPSG Berlin- Brandenburg]). Der weitere Verbleib des Tisches ist unbekannt (frdl. pers. Mitt. C. Sommer, SPSG Berlin-Brandenburg). Die genannten Maße stimmen recht gut mit denen des auf der Düsseldorfer Gewerbeausstellung gezeigten Tisches überein und lassen die Vermutung nicht ausschließen, dass es sich um ein und dasselbe Exemplar handeln könnte. Zu diesem Tisch existierte offensichtlich ein Pendant:
„Im Mineralogischen Institut der Universität Bonn im Schloß zu Poppelsdorf befindet sich ein runder Tisch von etwas mehr als 1 m Durchmesser, dessen Tafel mit Platten aus den Abänderungen des Marmors von Mecklinghausen belegt ist. Die Hauptmasse derselben besteht aus röthlich grauem Marmor, der von zahllosen dünnen schwärzlich grauen Aederchen (Thonschiefermasse) durchzogen ist. In der Mitte befindet sich ein Stern, der aus 8 verschiedenen Marmorsorten zusammengesetzt ist, und zwar aus folgenden:
1. dunkelroth, mit breiten unregelmäßigen fleischrothen Adern und Flecken;
2. bräunlichroth, mit dunkelbraunen Adern;
3. schwärzlich grau mit schwarzen Adern;
4. Abänderung, ähnlich der Hauptmasse des Tisches, jedoch mit kleineren fleischrothen Flecken;
5. lichtfleischroth, beide Platten mit Durchschnitten großer Korallenstücke,
6. roth mit weißen Kalkspatadern,
7. fleischroth mit dunkelrothen Adern,
8. dunkelroth, fast rein, selten weiße Kalkspatpunkte und Aederchen enthaltend.“
(Kosmann, 1888, S. 45). Der Tisch ist undatiert. Die gleichartige Gestaltung wie die des Potsdamer Exemplars legt nahe, dass er kontemporär mit dem Berliner Exemplar hergestellt wurde. Mit einem Durchmesser von etwas mehr als 100 cm ist er größer als das Berliner Exemplar mit 2 Fuß 5 2/3 Zoll [= 77,6 cm.] Er wurde bei einem Luftangriff 1944 zerstört. Zu den sternförmigen Einlegearbeiten der Tische passt sehr gut, dass im Juli 1852 für den Schlossneubau des Freiherrn von Fürstenberg in Herdringen Rentmeister Schneidersmann meldet: „ Von Schnellenberg (aus den Marmorgruben) wird ein Sternbelag nach Herdringen geliefert. Dieser ist durchnummeriert und kann gekittet werden “ (AFH 2382, Bl. 203-205), gemeint sind die Mecklinghäuser Marmorgruben. Schon im April 1852 teilt er mit, dass Fensterbretter von Marmor aus den Marmorgruben am Effenberg übersandt werden, (AFH 2382, Bl. 203-205). Rentmeister Schneidersmann wird sich über diese Lieferungen gefreut haben, ist er doch mit 8 Kuxen (6,25 %) an der Marmorgesellschaft F. J.. Bonzel & Co. beteiligt. Leider geht die Beschreibung des Schlossbaus Herdringen und Beschreibung der Herrschaft Herdringen von 1856 nicht genauer auf die Fußböden ein: „ Neben diesem Speisesaal liegt im anstoßenden hohen Turm ein rundes gewölbtes Eckzimmer mit marmornen Fußboden, welcher in den Marmorbrüchen in Mecklinghausen angefertigt worden ist. [...] In ähnlicher Weise sind auch die Fenster des Kreuzgangs behandelt, welche nach einem Schlosshofe zuführen und deren breite Laibung mit Effenberger marmornen Fensterbretter, der Dauerhaftigkeit wegen, belegt wurden, und an Ort und Stelle nach eigener Manipulation geschnitten und poliert worden sind “ (AFH 2390).
Wir gehen davon aus, dass aus gestalterischen Aspekten neben dem roten Mecklinghäuser auch Material aus der Grube Grüneberg im Lieferprogramm ist. Dass diese Fußböden und Fensterbretter nicht mehr erhalten sind, verwundert bei deren geringen Abriebfestigkeit, Witterungs- und Wasserempfindlichkeit nicht. Möglicherweise fällt in diese Zeit auch ein in der Arnsberg-Rumbecker St. Nikolaus-Kirche aufgestelltes „ hohes und schlankes Taufbecken aus poliertem schwarzen Stein auf oktogonalem Fuß mit profilierter Einziehung zum ebenfalls oktogonalen Schaft, der über einem Halsring ein halbkugeliges Becken mit profiliertem Rand trägt “ (Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst, Datenblatt Rumbeck 02280372). Das Taufbecken ist allerdings nicht aus schwarzem polierten Stein sondern aus rotem Mecklinghäuser Marmor (Taf. 32, Fig. 2) und das einzige uns bekannte seiner Art. Im Haus Kupferhammer in Warstein, das ab 1850 für den Fabrikanten W. Bergenthal umgebaut und eingerichtet wird (Dehio 2011, S. 1156, Lange 2015, S. 12), sind noch drei Mecklinghäuser Marmore aus der Abbauperiode Anfang der 1850er Jahre erhalten. Im Vestibül existieren Wandverkleidungen in Sockelhöhe aus Marmorplatten. Diese changieren farblich zwischen blass gräulich, rötlich und grünlich, zeigen Fragmente von Stromatoporen und Korallen, die mitunter rot gefärbt sind. Bis zu ein Zentimeter breite Kalzitgänge durchziehen die Platten, die von dünnen, dunklen Klüften gequert werden (Abb. 41). Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um Material von Attendorn-Mecklinghausen aus dem Abbau am Fundpunkt des Marmorgrubenfeldes Grüneberg, von dem Jacobi (1857, S. 116) eine entsprechende Variante erwähnt. Eingefasst werden die Platten von Bodenleisten und Friesen aus einem schwarzen, grau gewölkten Marmor. Diese könnten aus dem benachbarten Marmorgrubenfeld Schwarzkopf stammen. Im Oberschoss existieren noch Fensterbänke aus rotem Mecklinghäuser Marmor (Taf. 32, Fig. 3). Allerdings können die geologischen Bestimmungen nicht durch die Bauakten verifiziert werden, weil diese keine Materiallieferungen aufweisen (WWA Dortmund, N 3 - Franz Anton Wilhelm Bergenthal).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 41: Haus Kupferhammer, Warstein, 1850, Wandverkleidung vermutlich Marmorgrubenfeld Grüneberg, Fries und Bodenleiste Marmorgrubenfeld Schwarzkopf, Attendorn-Mecklinghausen.
F.J. Bonzels zweiter werbewirksamer Coup ist ein längerer Artikel der Kölnischen Zeitung vom 3. September 1855 über die Mecklinghäuser Marmorvorkommen, der ohne seine Initiative und sein Wissen um die Marmorvorkommen wohl nicht erschienen wäre. Löbker (1869, S. 34ff) und Höffer (2008, S. 577-580) geben ihn vollständig wieder. Er liest sich wie eine Werbeschrift für das gelehrte Publikum. Ausgehend von einer Beschreibung der geologischen Verhältnisse „ Die Schichten, durch kleinere Mulden und Sättel noch zerrissen, fallen meist südlich ein und streichen in Hora 4-5. Unter den Knollenkalken zeichnen sich vor allem die sogenannten Clymenien- und Goniatiten-Schiefer aus, weil sie die Fundorte der Marmorarten sind, von welchen hier die Rede sein wird. Kalkknollen, deren Kern sehr häufig eine Clymenie oder ein Goniatit bildet, die mitunter aber auch die schönsten Corallen umschließen, bilden, durch Thonschieferflasern mit einander fest verbunden, mächtige Lager, verschieden an Farbe, Structur und Mächtigkeit “ geht er über zur Geschichte „ Schon vor Jahrhunderten kannte man in besagter Gegend, namentlich bei Heggen und Attendorn, Marmor, und in mancher älterer Kirche und in manchem Schlosse stehen noch die schönen schwarzweißen und blauen Marmorpfeiler so wie auch ältere geographische Werke hier Marmor aufführen. Aber auch schon über ein Jahrhundert sind die Brüche verschüttet “. Vergleichen wir die folgende Ausführung mit der bergmännischen Beschreibung der Marmore durch den oben rezipierten Bericht des Bergamtsbeamten Hüser von 1843 tun sich große Differenzen auf: „ Einzig in Bezug auf Qualität und Quantität der Marmorarten in Westfalen, ja in Deutschland dastehend, sind die Brüche auch bis jetzt fast die einzigen in Preußen und im Norden von Deutschland, die, man kann es wohl mit Gewissheit sagen, jede Concurrenz beseitigen und große Bedeutung gewinnen werden. Die bis jetzt entdeckten Marmorarten kommen den schönsten Marmorarten der Pyrenäen, marbre griotte, und Belgiens gleich, und übertreffen sie noch in den rothen Sorten, worunter der rosso antico, und den weißen Sorten, worunter ein weißer Marmor mit lichter rosenrother Färbung. Neben diesen edlen Marmorarten erscheinen nun noch gewöhnlichere Marmore in den verschiedensten Varietäten. Die verschiedenen Arten finden sich nicht in verschiedenen Brüchen getrennt vor, sondern ein Bruch liefert oft 6 bis 10 verschiedene Marmore. Von Süden ausgehend treffen wir das erste Lager dicht neben dem Dorfe Mecklinghausen. Streichen in Hora 5 bei südlichem Einfallen. Große Mächtigkeit, 5 bis 20 Lachter [= 10,5 m - 42 m] , sei schöner Färbung der Marmorarten. Fundpunct der einfach rothen, rothweißen und braunrothen Marmorfarben. Blöcke bis zu 800 Cubikfuß Gehalt [= 15,5 m[3]] , deren Größe und Schönheit nach der Teufe zuzunehmen scheint, sodaß Säulen bis zu 10 Fuß Höhe und Platten von 10 bis 50 Quadratfuß Fläche können gewonnen werden “.
Wohl um über Preußen hinaus ins Geschäft zu kommen, beteiligen sich F.J. Bonzel & Co. 1855 an der Pariser Weltausstellung aus (WWA Dortmund S 4/15, Auszüge aus dem Reisebericht von Dr. Casselmann über die Pariser Industrieausstellung im Jahre 1855, S. 37). Er kann seine Ausstellungsstücke im „ Palais “ des preußischen Königs präsentieren „ les marbres d'Olp, en Westphalie, employés au palais du roi de Prusse “ (Tresca 1856, S. 580). Damit stellt sich die Gewerkschaft einem internationalem Vergleich: „ Fast alle Länder hatten sich sehr lebhaft bei der Ausstellung dieser edlen Baumaterialien betheiligt. Ein jedes hatte sein Bestes geschickt, besonders Frankreich hatte gewaltige Anstrengungen gemacht und verschiedene Kollektionen von mehr als 30 Sorten eingesandt “ (Viebahn & Schubarth 1856, S. 323). Die harte Konkurrenz auf dem Marmormarkt ist klar: „ Dagegen zeichnen sich die Marmore von den Ufern der Loire, aus Französisch Flandern, dem Boulonnais und Mans durch ihre große Billigkeit aus, werden aber noch weit in diesem Punkte durch Belgien übertroffen, so daß dieses Land nicht allein für ganz Deutschland, sondern auch selbst für Paris und Frankreich die Marmore liefert. [...] Preußen ist vertreten durch die von Bonzel in Olpe eingesendeten Säulen und Tischplatten aus grünem und rothbraunem Marmor der Mecklinghauser Brüche, sowie durch die von der Gesellschaft des Neanderthales bei Düsseldorf eingesendeten kleinen Proben von grauem und schwarzem Marmor, für deren schöne Politur der Herr Beckershoff daselbst noch besondere Anerkennung erhalten hat. Eine große und schöne von Barbeine, in Berlin [preußischer Hoflieferant] , ausgestellte Tischplatte von circa 10 Fuß Länge, aus grauem Schlesischen Marmor [...] ist das größte bis jetzt zur Verwendung gekommene Stück aus den schlesischen Brüchen“ (Viebahn & Schubarth 1856, S. 324). Die Gewerkschaft F.J. Bonzel & Co. ist damit immerhin einer der drei preußischen Aussteller und erhält für ihre Marmorsäulen und Tischplatten eine Bronze-Medaille (Medaille 2. Klasse). Sie schneidet damit besser ab als der Mitbewerber aus der klassischen deutschen Marmorregion in Hessen-Nassau, der Direktion des Zuchthauses von Dietz an der Lahn, die nur eine Ehrenvolle Erwähnung erhält (Viebahn & Schubarth 1856, S. 329).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 42: Stiegenhaus des Kronprinzenpalais mit Säulen aus rotem Mecklinghäuser Marmor, Berlin, Entwurf Strack 1856, Technische Universität Berlin, Architekturmuseum, Inventarnummer: 46304.
Endlich kommen die prestigeträchtigen Großaufträge aus Berlin. Deren Überlieferung ist verstreut. So erwähnt die „Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinen-Wesen in dem Preussischen Staate 1857b, S. 132“ für die Marmorbrüche bei Mecklinghausen „Die Bestellungen, namentlich auf Flurplatten, Tische, Mörser und Grabsteine, waren häufiger als früher. Von grösseren Arbeiten sind 6 Säulen zu erwähnen, die für das Gebäude des Königl. Handelsministerium zu Berlin geliefert worden sind. Dieselben waren aus einem Blocke der Grube Griotte; ihre Höhe betrug 8 Fuß [= 2,51 m] bei 13 Zoll [= 0,34 m] Durchmesser“. Anlass war dessen Umbau. „Im Jahre 1848 bezog das neu errichtete Preußische Ministerium für Handel, Gewerbe und Öffentliche Arbeiten das Haus Wilhelmstraße 79. Das Gebäude wurde 1854 - 1856 nach Plänen von Friedrich August Stüler, der als Geheimer Oberbaurat selbst der Hochbauabteilung des Ministeriums angehörte, um ein Stockwerk erhöht; gleichzeitig wurde die Fassade umgestaltet“ (Reichsverkehrsministerium [online]).
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Abb. 43: Stiegenhaus des Kronprinzenpalais mit Säulen aus rotem Mecklinghäuser Marmor, Messbildarchiv und Bildarchiv des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums.
Damit verwendet Ober-Hofbaurath Stüler zehn Jahre nach der Einsendung erster größerer Proben erstmals Säulen aus rotem Mecklinghäuser Marmor für Architekturstücke. Und schon ein Jahr später, 1856, kommt ein Auftrag, der diesen an Bedeutung und Prestige deutlich übertrifft. Es ist die Lieferung von Säulen aus „ rotem Mecklinghauser Marmor “ für das neue Treppenhaus des Kronprinzenpalais, auch bekannt als Stiegenhaus. Zur Mecklinghauser Marmorgewerkschaft dringen wohl nicht die Turbolenzen um diesen Auftrag durch. Der preußische König Wilhelm I und späterer Kaiser Wilhelm I (*1797; f1888) offeriert seinem Sohn Kronprinz Friedrich Wilhelm III und späterer Kaiser Friedrich III (*1831; f1888) das Kronprinzenpalais als Wohnsitz nach seiner Vermählung mit der englischen Prinzessin Victoria von Großbritannien und Irland (*1840; f1901). Seidel (1907, S. 251) waren Friedrichs Wilhelms
Abb. 44: Stiegenhaus des Berliner Kronprinzenpalais, oberes Säulensegment aus rotem Mecklinghäuser Marmor, Farbdiaarchiv Mitteleuropäische Wand- und Deckenmalerei, Stuckdekorationen und Raumausstattungen Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte, FMLAC8804_40, Aufn. Otto Cürlis, 1943/1945.
„Notizen über den Bau des „Königs Palais" 1856 57“ zugänglich. Diese offenbaren, dass der Umbau von nicht geringen Konflikten zwischen König und Kronprinz begleitet wird: „Sogleich ward der HoftauRath Strack, der von 1838 bis 1849 mein Zeichenlehrer gewesen, den weiteren Bau des Babelsberger Schlosses geleitet hatte und als uralter Bekannter immer schon die Hoffnung hegte, dereinst meine künftige Behausung bauen zu können, gebeten umgehend nach London zu kommen“ (Seidel 1907, S. 251). Doch noch hält der Vater die Oberhand über die Bauplanung: „Wenige Tage vor meiner Abreise dahin [nach Moskau] gestatteten Seine Majestät einen gemeinschaftlichen Vortrag von mir und den Ober-Hoftauräthen Stüler und Strack über den Palais-Bau. Seine Majestät genehmigten bei dieser Gelegenheit das Einreißen des ganzen Flügels nach der Wallstraße, der als feucht und baufällig von Sachverständigen erkannt worden war, und dessen Wiederbau mit einem 3. Stockwerk. ... Dagegen konnten sich Seine Majestät nicht entschließen meinen Wunsch zu gewähren, und aus der vorhandenen einarmigen Treppe eine doppelarmige erbauen zu lassen“ Seidel (1907, S. 251). „Im Spätherbst trug ich in Sanssouci noch einmal Seiner Majestät den Wunsch vor, eine doppelarmige Treppe zu gewähren und genehmigte hier der König endlich jenen Wunsch, den ich sofort voller Freude dem Hoftaurath Strack brieflich mittheilte“ Doch im März 1857 eskaliert der Konflikt zwischen Vater und Sohn. Bei seinem Vortrag über den Bau in Anwesenheit von Ober-Hof- und Hausmarschall Graf von Keller sowie von OberHoftaurath Stüler „wurde der König erregt und bezweifelte vor allem die Erlaubniß zur 2armigen Treppe. (Das Treppenhaus war jetzt schon zur Höhe des 2. Stockes gediehen). Bewiesen wurde dies aber durch meinen Brief an Strack, ebenso auch die allerhöchste Erlaubniß den Flügel nach der Wallstraße einzureißen und neu aufzubauen. ... Auf die Bemerkung der Neu-Bau sei aber schon bedeutend vorgeschritten, die bestellten Marmorsäulen in Arbeit, auch das Dach des neuen Treppenhauses bereits fertig, erwiderte der König, er kenne derartige Vorhaltungen und das gegen seine Befehle Aufgeführte solle wieder eingerissen werden“ (Seidel 1907, S. 252).
Doch letztendlich konnte sich der Kronprinz mit seinen Vorstellungen durchsetzen und Strack seine Planungen realisieren. Die Marmorsäulen aus rotem Mecklinghäuser Marmor werden nicht eingerissen. Die Entwürfe dafür stammen schon von 1856, wie eine aquarellierte Ansicht- und Schnittzeichnung Stracks im Architekturmuseum TU Berlin belegt, in der die Säulen bereits im Farbton des Mecklinghäusers Marmors koloriert sind (Abb. 42; TUBA Inventarnummer: 46304). Den Zustand Anfang des 20. Jh. zeigt eine Messbildaufnahme (Abb. 43). Das einzige überlieferte Farbbild der Treppenanlage stammt aus dem Farbdiaarchiv Mitteleuropäische Wand- und Deckenmalerei, Stuckdekorationen und Raumausstattungen Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte. Die Aufnahme O. Cürlis von 1943/1945 zeigt ein oberes Säulensegment (Kronprinzenpalais, FMLAC8804_40 Figurenkapitell und Malereien in den Gewölbezwickeln, Aufn. Cürlis, Otto, 1943/1945) (Abb. 44).
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Abb. 45: Weihwasserbecken aus rotem Mecklinghäuser Marmor, 1859, Pfarr- und Propsteikirche St. Magnus, MarsbergNiedermarsberg.
Auch sollen im ersten zwischen 1856-1859 errichteten Gebäude der Oberpostdirektion Düsseldorf an der Haroldstraße, Ecke Kasernenstraße (Oberpostdirektion Düsseldorf [online]) Säulen aus Mecklinghäuser Marmor verbaut worden sein, wie G. Dassel 1907 in einem Schreiben an den westfälischen Landeshauptmann bemerkt (Archiv LWL 130/638, S. 456). Wir können diese Nachricht nicht weiter verifizieren, da das Gebäude nicht mehr existiert. Ein seltener Beleg für einen kleinen, von Rentmeister Schneidermann auf Schnellenberg abgewickelten Auftrag ist die 1859 erfolgte Lieferung von vier Weihwasserbecken für die Marsberg-Niedermarsberger Pfarr- und Propsteikirche St. Magnus (Abb. 45), findet sich im dortigen Pfarrarchiv. Angeboten wird eine größere Form für 50 und eine kleinere für 35 Silbergroschen, wobei die kleinere vorrätig ist (PfA Niedermarsberg St. Magnus). Anfangs 1860 wird schließlich die Wegstrecke zwischen den Dörfern Mecklinghausen und Niederhelden gebaut, so dass nunmehr auch das hiesige Marmorlager besser ausgebeutet werden kann (PfA Helden, B 20, S. 113 f, Pfarrchronik: Allgemeines [Transkription O. Höffer, Stadtarchiv Attendorn]). Dann wird 1861 die Ruhr-Sieg-Bahn eröffnet. Der nächste Bahnhof in Grevenbrück liegt über Feldwege knapp vier Kilometer von der Marmorschneidmühle entfernt. Für die Abwicklung des nächsten Großauftrags ist seine Nähe eine erhebliche Erleichterung. In der „Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen in dem Preussischen Staate (1861b, S. 127)“ heißt es „ Von 33 beliehenen Marmorgruben in den Revieren Arnsberg, Stadtberge und Olpe waren nur 3 in letzterem belegene in Betrieb, und lieferten mit 4 Arbeitern 368 Kbfss. [= 11,4 m[3]] rohen Marmor, welcher im Werthe von 428 Thlr. grösstenteils in 12 Säulen für das Königsberger Universitätsgebäude bestanden “. Architekt ist - wieder - der Berliner OberhofBaurat Stüler, der zur Verwendung von rotem Mecklinghäuser Marmor neben rotem belgischen und schlesischem Kunzendorfer Marmor schreibt: „ Theils um auch Marmor aus anderen Landestheilen eine Verwendung angedeihen zu lassen, theils um die Ausbildung in den oberen Geschossen zu steigern, wurde zu den Säulen der Treppenanlage und der oberen Flure braunrother Marmor aus Mecklinghausen bei Olpe (im Herzogthum Westfalen) gewählt, deren korinthische Capitelle aus Bisquitmasse in der Königl. Porzellan-Manufactur zu Berlin ausgeführt wurden “ (Stüler 1864, S. 7). Das Gebäude ist kriegszerstört. Es existiert eine perspektivische Innenansicht des Vestibüls von Stüler mit Säulen aus rotem Mecklinghäuser Marmor im Atlas zur Zeitschrift für Bauwesen, 14, 1864, Original im Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin (Abb. 46; TUBA ZFB 14,006).
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Abb. 46:.Universitätsgebäude, Königsberg, Perspektivische Innenansicht des Vestibül mit Säulen aus rotem Mecklinghäuser Marmor, Friedrich August Stüler, 29,2 x 45,5 cm (aus: Atlas zur Zeitschrift für Bauwesen, hrsg. v. G. Erbkam, Jg. 14, 1864), Technische Universität Berlin, Architekturmuseum, Inventarnummer Nr. ZFB 14,006.
Die mühselige, händische Gewinnung der mitunter tonnenschweren Rohblöcke, ihr aufwendiger Transport mit einfachsten Hilfsmitteln vom Steinbruch zur
Marmorschneidmühle und deren Verarbeitung schildert sehr anschaulich ein Artikel über „ Vorkommen und Gewinnung des Marmors im Revier Olpe “ in der Zeitschrift für Bauwesen von 1862, S. 388 - 392, der von Grün in den Heimatkundliche Beiträgen aus der Gemeinde Finnentrop (Grün 2022, S. 32-44) ebenfalls erneut abgedruckt wurde. Dessen detaillierten geologischen, bergbaulichen und technischen Angaben lassen uns als Autor dieses namentlich nicht gekennzeichneten Artikels den derzeit zuständigen Berggeschworenen W. Schmidt vermuten:
„Ueber den Betrieb der Marmorgruben läßt sich nur wenig sagen, da die bergbaulichen Verhältnisse einfachster Natur und die vorhandenen mechanischen Arbeitsmaschinen die Handarbeit nur in geringem Maaße ersetzen. Auf sämmtlichen Marmorgruben findet bis jetzt und wahrscheinlich auch noch für lange Zeit Tagebau statt. Die Brüche sind meist in der Sohle der nächsten Thälchen angelegt, so daß nach geringer Arbeit hinreichend hohe Felsblöcke entblößt sind. Man greift die Lagerstätte meist im Streichen an, weil das Einfallen derselben sehr steil und die Gewinnung leicht ist.
Der Marmor steht in allen Brüchen in starken Bänken von 6 Zoll bis 4 Fuß [= 15 cm bis 126 cm] Mächtigkeit, welche durch weite offene Schichtungsklüfte von einander getrennt und durch offene Querklüfte in Blöcke von wenigen bis zu 150 und mehr Cubikfuß [= 4,6 m[3]] getheilt sind, an. Zuweilen sind die Klüfte nicht mehr offen, sondern mit Gerölle erfüllt, welches entweder lose oder, wie namentlich gern im Elberfelder Kalk, durch Kalksinter wieder verbunden ist. Es ist einleuchtend, daß diese natürliche Absonderung in getrennte Blöcke, welche sich bis in die bis jetzt aufgeschlossenen Tiefen überall findet, die Gewinnung der Blöcke ungemein erleichtert. Die Gewinnung findet nun in der Weise statt, daß wenn man einen guten Block vorliegen hat, man zunächst die Klüfte da noch zu öffnen sucht, wo Gerölle die Bewegung des Blockes hindern könnten, dann durch Eintreiben von hölzernen Keilen und Anlegen von starken eisernen Haken, welche durch eisernes Gestänge und ein schweres Tau mit einer vor dem Bruche aufgestellten, verstrebten und mit Blöcken beschwerten Erdwinde in Verbindung gebracht sind, den Block aus den Schichten herauszieht (vgl. 013 Abb. 00451.
Wo es erforderlich ist, müssen natürlich die hangenden Schichten durch Unterzug und Stempel abgefangen werden. Dieser Fall tritt jedoch nur selten ein.
Hat man nun den Block isolirt im Bruche liegen, so wird derselbe, falls er solche Dimensionen hat, daß er ohne außerordentliche Vorrichtungen zu transportiren ist, auf Walzen bis nach der Marmormühle geschaff. Man bedient sich hierzu eines hölzernen, auf zwei hölzerne Walzen ruhenden, durch mehrere Querbalken verstärkten Gevieres, an welchem Stange und Wage zum Anspannen der Pferde angebracht ist. Vor einiger Zeit wurde versuchsweise die hölzerne Rolle durch eine eiserne mit massiven eisernen Walzen, von denen die vordere um eine verticale Achse (Schloßnagel) drehbar war, ersetzt. Dieser Versuch hat jedoch ein schlechtes Resultat gehabt, weil die Walzen zu schwer und von zu kleinem Durchmesser waren.
Hat man nun den Block mühselig mittelst Wagen winden auf die Rolle gebracht, so wird letztere auf untergelegten Bohlen fortbewegt, indem; wenn dieses auf eine Bohlenlänge geschehen, die freigewordene Bohle vorn wieder vorgestoßen wird. In solcher Weise vorschreitend, erfordert der Transport bis in die Schneidemühle bei günstigem Wetter selbst aus den nächsten, nicht über 10 Minuten entfernten Brüchen 8 bis 14 Tage Zeit und den entsprechenden Geld-Aufwand.
Bedenkt man nun ferner, daß sich die großen Blöcke von 100 bis 150 und mehr Cubikfuß [= 3 m3 bis 4,5 m[3]], welche zu Säulen gebraucht werden, mit diesen geringen Mitteln nicht transportiren lassen, sondern im Bruche selbst mit der Hand in transportable Stücke zerschnitten werden müssen, und daß 2 Mann zu einem Schnitt bisweilen 4 Wochen Zeit nöthig haben, so begreift man, daß die Marmor-Preise hier noch sehr hoch stehen müssen, aber einer großen Ermäßigung fähig sind, wenn erst die Einsicht in die enormen Vortheile der Verwendung von locomobilen Dampfmaschinen gekommen sein wird.
Der rohe unförmliche Block wird nun zunächst mit der Hand behauen und in eine regelmäßigere, meist parallelepipedische Form gebracht; dann wird er in Stücke geschnitten, welche die roheste Form der Gegenstände haben, die aus ihm gefertigt werden sollen. So erhält man entweder Säulen oder Platten.
Das Zerschneiden der Blöcke auf der Marmormühle wird durch Wasserkraft bewirkt, und ist die angewandte maschinelle Vorrichtung folgendermaaßen eingerichtet:
Ein 24 Fuß [= 7,53 m] hohes rückenschlägiges Wasserrad mit 18 Fuß [= 5,65 m] Gefälle, aber geringem Aufschlagewasser, setzt durch ein großes Stirnrad ein kleines Getriebe, und dieses mittelst eines auf derselben Achse befindlichen größeren Stirnrades wiederum ein kleineres Getriebe, an dessen Welle jederseits eine Kurbel mit Zugstange befestigt ist, in Bewegung, Jede der beiden Kurbeln bewegt mittelst der Zugstange einen starken hölzernen Rahmen, in welchen die Sägeblätter eingespannt sind, in horizontaler Richtung. Die Rahmen werden je durch vier Säulen mit eisernen Streichschienen geradlinig geführt und einer derselben durch ein Gegengewicht, der andere durch ein Zahnrad mit Sperrklinke gehalten, um einen gleichmäßigen, nicht zu starken Druck auf die Sägeblätter zu erzielen.
Die Sägeblätter sind von 1/8 Zoll [= 3,3 mm] starkem Eisenblech circa 6 Zoll [= 15,7 cm] hoch, laufen an jedem Ende in einen Zapfen von quadratischem Querschnitt aus und werden mit diesem Zapfen durch einen an den Giebelseiten des mit Eisenplatten armirten Rahmens befindlichen Längsschlitz gesteckt und durch Keile befestigt. Die Anzahl der Sägeblätter richtet sich nach der Dicke der Blöcke und der aus ihnen zu schneidenden Platten und wechselt meist von 3 bis 20.
Das Einschneiden der sich hin und her bewegenden Sägeblätter wird durch scharfen Quarzsand bewirkt, welcher vom Rhein bezogen, auf den Block gestreut und durch einen schwachen aus dem Obergraben geleiteten Wasserstrom unter die Sägeblätter in die Einschnitte gespühlt wird.
Die Leistung bei mittlerem Aufschlagewasser-Quantum beträgt bei einer kleinen Zahl von Sägen in 24 Stunden circa 4 Zoll [= 10,5 cm], bei einer großen Anzahl hingegen nur 2 Zoll [= 5,2 cm].
Mit der Betriebswelle kann außerdem noch eine Vorrichtung zum Rundsägen in Verbindung gebracht werden; doch geschieht dies jetzt nicht mehr, sondern die rund zu schneidenden Gegenstände werden aus freier Hand geschnitten. Die mechanische Vorrichtung zum Rundsägen war sehr einfach, indem eine stehende Welle mit horizontalem Arm ein nach der Krümmung des zu schneidenden Kreises gebogenes, angeschraubtes Eisenblech trug und durch die Kraftwelle mittelst Riemscheiben bewegt wurde.
Die weitere Verarbeitung der Platten wie der Säulen erfolgt mit der Hand. Nachdem den Gegenständen mit dem Meißel die Form gegeben ist, werden sie geschliffen, und zwar zunächst entweder mit Marmorstöcken, oder mit Eisenplatten und Quarzsand (gefrottert).
Das weitere Schleifen geschieht sodann mit Sandstein von gröberem Korn, fortschreitend zu solchem von feinerem Korn, und bedient man sich hierzu vorzugsweise eines gelblichgrauen Sandsteins aus der Bunten-Sandstein-Formation von Heilbronn und Aschaffenburg, dann mit Bimsstein und Wasser. Sind auf diese Weise alle Spuren der Schrammen, welche der grobe Sand beim Schneiden zerrissen hatte, vertilgt, so beginnt das Führen mit Schmirgel, welcher in Leinen zu Ballen gedreht ist. Auch bei diesem Poliren wird der Marmor feucht gehalten. Hierauf wird dem Schmirgel Bleifeile zugesetzt und endlich zur Erhöhung des Glanzes mit Mannheimer Roth oder mit Metazinnsäure polirt“.
Ob es die Anregung des Berggeschworenen W. Schmidt ist, eine „lokomobile Dampfmaschine“ anzuschaffen, bleibt ungeklärt. Deren Aufstellung wird im November 1862 von der Regierung in Arnsberg genehmigt (KAO Akte A 2312). Ohne sie wäre der nächste Großauftrag, die Lieferung von Marmorsäulen für das Residenzschloss des Herzogs von Sachsen-Altenburg Ernst I. (*1826; f1908, amt. 1853-1908) im heute thüringischen Altenburg, nur schwer zu bewältigen. Doch bevor die Firma Franz Joseph Bonzel & Comp. zum Zuge kommt, holt der Altenburger Oberbauinspektor R. Enger auch Angebote der Firma G.F. Geil & Co. in Gent und beim Berliner Hoflieferanten R. Barbeine über rote wallonische Marmore ein (LATH - STAATBG, Bauamt Altenburg, 36).
Die Vertragsabwicklung dokumentieren detailliert die „ Bauamts-Acten. Den Neubau der am 24. August 1864 abgebrannten Theile des hiesigen Herzogl. Residenzschlosses. - Saalbau Flügelgebäude “ (LATH - STAATBG, Bauamt Altenburg, 36), auf die wir uns im Folgenden beziehen. Im Vertrag vom 11. August 1865 mit dem Oberbauinspektor R. Enger begegnen uns mit F.J. Bonzel <Erben>, Rentmeister M. Schneidersmann, Major von Schlegdenthal, Assessor E. Risse und H. Hesse als Inhaber der Firma Franz Joseph Bonzel & Comp. alte Bekannte. Nach § 1 sollen aus den Mecklinghäuser Marmorgruben geliefert werden 56 Stück runder Säulen mit einem Durchmesser von 15 Zoll [= 39,2 cm] und zehn Fuß zwei Zoll rheinischen Werkmaßes Höhe [= 3,19 m] sowie vier Stück quadratischer Säulen von derselben Höhe und 15 Zoll [= 39,2 cm] Seitenlänge. Für die Rundsäulen liegt dem Vertrag eine Werkzeichnung bei (Abb. 47; LATH - StA Altenburg, Bauamt Altenburg, Nr. 36, Bl. 73). Vereinbart wird ein fester Preis von 130 Thaler für jedes Stück, also insgesamt 7800 Thaler zu folgenden weiteren Lieferbedingen:
„§ 2 Die Inhaber der Firma Bonzel & Comp. haben zu den fraglichen Säulenschäften rothen, schönen und gesunden Marmor, also weder rissigen, noch stichigen, faulen oder verwitterten Stein aus den bezeichneten Marmorbrüchen zu entnehmen und zu verwenden und diese Säulen unter strenger Einhaltung der Maaßen und Formen fein geschliffen und von hoher Glanzpolitur in derjenigen gleichen und harmonischen Farbnuancierung auszuführen und zu liefern, wie solche vor mehreren Jahren von den selben in das Treppenvestibül des Kronprinzen Palais in Berlin gefertigt und geliefert worden sind. Hierbei wird noch besonders bedungen, daß sämtliche Säulen aus einem Stück und in einer und derselben rothen Farbnuance zu fertigen sind und daß zur Erzielung einer schönen und haltbaren Politur keine Wachsmilch oder sonstige künstliche Grundmasse verwendet werden darf
§ 3 Dieselben verpflichten sich ferner, die qu. Säulen auf ihre eigene Gefahr bis franko Bahnhof Altenburg zu dem vereinbarten Akkordpreis zu liefern und haben für alle Schäden, welcher auf dem Transport bis Bahnhof Altenburg entstehet zu haften und einzustehen. Sie sind gehalten behufs dieses Transports und zum weiteren Transport für eine gute Einballung der qu. Säulen in Leinwand und Holzwierungen zu sorgen. ...
§ 5 Die Akkordübernehmer sind verbunden, die Hälfte der Säulenschäfte bis ultimo August 1866 und die andere Hälfte bis längstens ultimo März 1867 in der Bedingungen Weise zu liefern. Für jede Woche, um die sich mit oder ohne ihre Schuld die respektiven Lieferungen über diesen Endtermine hinaus verzögern, haben sie an den anderen Theil eine Konventionalstrafe von Ein Hundert Thaler zu zahlen und sind hierfür solidarisch verhaftlich.
§ 6 Die Zahlung erfolgt gegen der von Enger vorbehaltlich jedoch der Kürzung etwa fällig gewordener Conventionalstrafen attestierte Quittung aus Herzoglicher Steuer- und Rentamtskasse zu Altenburg in der Weise, daß für die bis ultimo August 1866 zu liefernden Säulen sofort nach deren vorschriftmäßigen Lieferung % des kontraktmäßig hierfür zu erlegenden Preises, dagegen nach vorschriftsmäßig bis ultimo März 1867 geschehener Lieferung der übrigen Säulen sofort der akkordmäßige Preis hierfür und das noch ausstehende Viertel des Preises für die bis ultimo August 1866 gelieferten Säulen gewährt wird“
(LATH - STAATBG Bauamt Altenburg, 36).
Abb. 47: Werkzeichnung der Rundsäulen aus rotem Mecklinghäuser Marmor für den Festsaal des Residenzschlosses Altenburg, 1861, LATH -STAATBG, Bauamt Altenburg, 36.
Dass die Wahl des Marmors auf den „ roten Mecklinghäuser Marmor “ fällt und die lang bewährten belgischen Sorten draußen vor bleiben, geht sicherlich auf die repräsentative Wirkung und das Alleinstellungsmerkmal dieses Marmors im Treppenhaus des Kronprinzenpalais zurück, auf den der Vertrag ausdrücklich Bezug nimmt. Andererseits wird diese Entscheidung wohl wieder einmal vom preußischen Oberbaurat Stüler beeinflusst, der beratend tätig ist. Er sieht keine Probleme bei der Verwendung von Marmorsäulen, ohne den „Mecklinghäuser“ namentlich zu nennen. Für die Basen schlägt er eine Bekleidung aus schlesischem oder italienischem Bardiglio-Marmor (blaugrau) vor (LATH - STAATBG Bauamt Altenburg, 36) vor. Letzterer erhält den Zuschlag. Die Säulen im Festsaal des Altenburger
Residenzschlosses sind die einzigen verbliebenen großformatigen Zeugen für die einmalige Wirkung des roten Mecklinghäuser Marmors (Abb. 48 und 49).
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Abb. 48: Säulenbündel aus rotem Mecklinghäuser Marmor im Festsaal, 1867, Residenzschlosses Altenburg Schloss- und Spielkartenmuseum.
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Abb. 49: Gesamtansicht des Festsaals mit Säulen aus rotem Mecklinghäuser Marmor,1867, Residenzschlosses Altenburg Schloss- und Spielkartenmuseum.
Niedergang und Neuversuch 1867 - 1894
Im folgenden Jahr geht die Gewinnung von Rohblöcken auf 149 Kubikfuß [= 4,6 m[3]] drastisch zurück. Es ist die geringste Produktionsmenge seit 1852 (Tab. 4). Für die nächsten sechs Jahre liegt nur eine Nachricht vor. Im September 1872 fragt der Niedermarsberger Dechant Caspari beim Gewerken und Rentmeister Schneidermann auf Burg Schnellenberg wegen der Lieferung eines Taufsteins aus rotem Mecklinghäuser Marmor an. Schneidermann antwortet, die Marmorbrüche seien zurzeit außer Betrieb (PfA Niedermarsberg). Zu den Ursachen schreibt Kosmann (1891a, S. 548) „ Die Ungunst der Verkehrsverhältnisse für den Fernabsatz sowie die mangelhaften technischen Vorrichtungen versagten dem Unternehmen den Erfolg; auch waren daran wohl einige Missgriffe in der Auswahl des Rohmaterials Schuld, indem man Gestein gewann und verarbeitete, welches wegen der Nähe der Tagesschichten nicht die ausreichende Festigkeit und Dauerhaftigkeit besass “. Im September 1873 werden die „Vereinigten Mecklinghäuser Marmorgruben“ an die „Rheinische Baugesellschaft zu Coeln a/Rhein“ verkauft, die im selben Jahr auch das Marmorgrubenfeld Königin Victoria von Auguste Hundt und deren Ehemann W.J. Hundt erwirbt (LOBA Königin Victoria). Die lässt die gewonnen Rohblöcke zur weiteren Verarbeitung nach Köln und Vilmar, dem Zentrum der Marmorindustrie an der Lahn, verfrachten (Kosmann 1888, S. 45). Eher kursorisch zu bemerken ist ihre Beteiligung an der Wiener Weltausstellung 1873 (Wiener Weltausstellung Amtlicher Katalog des deutschen Reiches 1873, S. 43). Doch auch deren Bemühungen verlaufen nicht so wie gewünscht. Für 1874 berichtet noch die Zeitschrift für das Berg- Hütten- und Salinenwesen (1875, S. 145): „ Im Revier Olpe wurden auf einer Grube 1200 Ctr. im Werthe von 600 Thlr. mit 7 Arbeitern gewonnen “. Die Menge entspricht etwa 6 Tonnen mit einem Volumen von etwa 2,6 Kubikmetern. Die Rheinische Baugesellschaft stellt nach wenigen
Jahren den Betrieb ein (Kosmann 1888, S. 45). Die Produktion ruht wieder (PfA Helden, B 20, S. 113 f, Pfarrchronik: Allgemeines [Transkription O. Höffer, Stadtarchiv Attendorn]). Auch die Mecklinghäuser Marmorschleiferei verfällt in diesen Jahren und besteht schon vor 1890 nicht mehr (Königl. Oberbergamt Bonn 1890, S. 172).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 50: Steinbruch im Marmorgrubenfeld Carrara im Repetal bei Attendorn-Röllecken, ca. 1918, Urheber Genau, Heinrich, © LWL-Medienzentrum für Westfalen.
Mit Auflassung von September 1887 und Eintragung von März 1888 in das Berggrundbuch geht das Bergwerkseigentum von der Rheinische Baugesellschaft an die Gewerken Julius Daub und Johann Adam Fischer aus Siegen über, die zuerst als „ Gewerkschaft Vereinigte Mecklinghäuser Marmorgruben Siegen “ und ab 1893 als „ Mecklinghauser Marmor und Kalkindustrie Actiengesellschaft zu Siegen “ firmieren (LAV NRW W Q 560b / Amtsgericht Olpe / Berggrundakten, Nr. 43; Stadtarchiv Siegen, Siegener Zeitung Jahrgang 72, Nr. 33 vom 09.02.1894). Sie beginnen mit der Marmorgewinnung im alten Marmorgrubenfeld Carrara bei Röllecken im unteren Repetal, das F.J. Bonzel & Co. bereits 1853 muteten und 1856 verliehen bekamen (LOBA Akte Mecklinghausen) (Abb. 00506_b), und in dem bislang kein Abbau stattfand (Abb. 50). Am Anfang steht hier ein Gerichtsprozess: „ Die Familie Zöllner lieferte die Kalksteine aus eigenen Brüchen auf dem Röllecken [an die Germaniahütte in Lennestadt] . Man glaubte, hier Marmor zu finden. Infolge des Mutungsrechtes wollte die Mecklinghäuser Marmor- & Kalkindustrie AG, Borghausen, gegründet 1888, Franz Anton Zöllner zwingen, die Brüche abzugeben. Es kam zu einem langen Prozeß, der am Oberlandesgericht in Hamm abgeschlossen wurde. Zöllner verlor ihn, eine weitere Abfuhr von Kalksteinen wurde ihm verboten, dennoch ging er fast schadlos aus der Sache hervor, weil er eine Entschädigung für den Bruch erhielt “ (Zöllner 1962; S. 14).
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Abb. 51: Marmor-Aufbereitungsanstalt Borghausen nach Übernahme durch die Westfälischen Marmor- & Granitwerke Georg Dassel i. Westf., Foto aus: Festschrift „Westfäl. Marmor-& Granitwerke Georg Dassel Allagen i. Westf., 1914“.
Die neue Marmorgesellschaft legt im unteren Repetal ein großes Marmorsäge- und - polierwerk mit Wasser- und Dampfkraft an. Abb. 51 zeigt den Zustand 1914. Zum Betrieb der Aufbereitungsanstalt wird das Gefälle des Repebaches durch eine Stauanlage nutzbar gemacht (StAA, Akte F 29). Eine etwa 1,5 - 1,7 km lange Schmalspurbahn zwischen Werk und Steinbruch sowie eine normalspurige Anschlussbahn an die Ruhr-Sieg-Eisenbahn bei Berghausen werden hergestellt. Man hofft, „ dass bei einer Anlage von über 1 Mill. Mark diese Industrie der Gemeinde Helden-Dünschede großen und dauernden Gewinn bringen werde “ (PfA Helden, B 20, S. 113 f, Pfarrchronik: Allgemeines [Transkription O. Höffer, Stadtarchiv Attendorn]; Königliches Oberbergamt Bonn (Hrsg.) 1890, S. 172).
Abb. 52: Gewerkschaft Vereinigte Mecklinghäuser Marmorgruben Siegen, Attendorn-Borghausen , Musterplatte No 18, fraglich Marmorgrubenfeld Flora II, RE 550.960.000 A 0027/2.
Abb. 53: Gewerkschaft Vereinigte Mecklinghäuser Marmorgruben Siegen, Attendorn-Borghausen , Musterplatte No 19, Mecklinghausen rot, RE 550.960.000 A 0027/3.
Die neue Marmorgesellschaft macht das, was bei der Eröffnung eines Marmorbetriebs immer nahe liegt, sie versendet Musterplatten, von den einige in der Sammlung des Ruhrmuseums Essen erhalten blieben (Abb. 52 und 53). Nach deren Nummerierung sind wenigstens zwanzig Marmore in deren Programm. Im Januar 1891 erhält der Olper Landrat F.
Freusberg (*1852; f 1916, amt. 1886 - 1916), Neffe des uns aus den 1840-50er Jahren bekannten Olper Landrats A. Freusberg, „ eine Collection von Marmorproben, derjenigen Farben, in welchen wir Ausführungen übernehmen können “ (LAV NRW W K 335, Kreis Olpe, 263). Schon etwas eher muss eine Sendung an den damals besten Kenner deutscher Marmore B. Kosmann (*1840; f1921) (Bernhard Kosmann [online]) gegangen sein. Er ist Gewinner der 1888 vom Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes in Berlin gestellten Preisaufgabe einer Beschreibung der in Deutschland vorkommenden Marmorarten (Kosmann 1890, S. 108). Er wird 1883 nach seinem Ausscheiden als Königlicher Bergrevierbeamter Privatdozent an der Universität Breslau. „ Seine wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigten sich hauptsächlich mit der Ton-, Zement- und Kalkindustrie und der Erforschung der Technologie der Mörtel- und Silikatchemie" (Bernhard Kosmann [online]). Bei einer Sitzung der deutschen geologischen Gesellschaft im Mai 1891 in Berlin hat Kosmann (1891a, S. 548) „ die Ehre, hier die Proben der Musterkarte der verschiedenen Marmorgesteine vorzulegen, welche in den jüngst eröffneten Brüchen gewonnen werden und das Material der neuen Fabrication gewähren “. Dieser Sitzungsbeitrag ist eingebettet in eine Serie von inhaltlich nur wenig differierenden Publikationen in vier Fachzeitschriften (Glückauf Berg- und Hüttenmännische Zeitschrift, 25: 721-723 + 729-731; Centralblatt der Bauverwaltung, 10: 108 - 110; Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft, 43: 548 - 551; Sitzungsberichte des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes, 1891: 167-171). Sie sind eine auffallend schnelle publizistische Unterstützung des neuen Betriebs.
Zum Marmor im Rölleckener Steinbruch schreibt Kosmann (1889, S. 722 - 723) „ Der Marmor erweist sich in 1—1,5 m, auch bis 2 m starken Bänken abgesondert, welche nur von wenigen zerklüfteten Schichten unterbrochen werben. Das Gestein ist von fein krystallinischem bis dichtem Gefüge, von splittrigem Bruche und nimmt nach den vorliegenden Probestücken eine ausgezeichnete Politur an. Die Färbungen gehen von blaugrau und bläulich-rot zu satteren grauen und rötlichen Tönungen über und entbehren nicht der Marmorierung und Aderung durch weiße und rote Streifen und Einlagerungen; die Musterung ist in einigen Stücken sogar eine recht lebendige“.
Kosmann beschreibt den Marmor nach ihm vorliegenden Musterplatten. Er ist nicht vor Ort. Sonst hätte er seine Reise- und Geländetätigkeit erwähnt. So stellt er die nachfolgende Beschreibung weiterer Marmorvorkommen, in denen zukünftig abgebaut werden soll, offensichtlich anhand ihm zugesandter Unterlagen wie auch von Bergbehörden zusammen, denn sie liegen allesamt im Bereich alter Marmorgrubenfelder (Karte 3): „Neben dem an dieser Stelle eingerichteten Hauptbetriebe werden indessen auch die Brüche anderer Örtlichkeiten zur Vervollständigung der Farben- und Musterkarte der Marmorarten herangezogen werden. In dieser Beziehung stehen der Gewerkschaft folgende Brüche zur Verfügung:
a. im Repetal:
1. bei Mecklinghausen mit Bänken von vorwiegend roter Färbung, von mattem Zwiebelrot bis Blutrot, welche zum Teil infolge kugeliger, durch chloritische Einlagerungen bewirkter Absonderung des Gefüges den Knottenkalken der silurischen Formation im südlichen Thüringen ähnlich sehen [Abbaustelle des roten Mecklinghäuser Marmors].
2. bei Kirchhelden, südöstlich von dem Dorfe, ein früher betriebener Bruch, in welchem den dunkel blaugrauen Marmorkalken weiße feinkörnige bis spätige Bänke eingelagert [
3. bei Kirchhelden an der Straße anstehende Felsen von dunkelgrauem Kalkstein, welche s.Z. den Fundnachweis des gemuteten Marmorlagers abgegeben haben [Fundpunkt Marmorgrubenfeld Blauberg].
b. im Lennethal:
Nördlich der Einmündung der Repe stehen, wie erwähnt, am linken Lenneufer in den v. Bodelschwinghschen Steinbrüchen mächtige Bänke von lichtbläulichen und rötlichen Marmorgesteinen an [Marmorgrubenfeld Potsdam, Gewinnungsstelle der Sorte „Lennestein“].
c. im Biggetal:
1. Ahausen gegenüber wird das linke Ufer von mächtigen Felsen blaugrauer Kalksteine gebildet, in welchen zu künftig, wie zu erwarten, nicht allein Marmorblöcke, sondern Bauwerkstücke nach Art des belgischen granite bleu sich werden brechen lassen [Marmorgrubenfeld Brauneberg].
2. bei der ersten Eisenbahnbrücke nahe Heggen brechen in einem früheren, beim Bau der Eisenbahn benutzen Bruche hellgelbe bis schwachrötliche Kalksteine, welche gleichfalls von knottenartigem Gefüge und grünlich gefärbter Aderung sind [Marmorgrubenfeld Auhausen]. Etwas weiter östlich besteht.
3. westlich Heggen ein großer, von der Firma Heß & Schulte betriebener Kalksteinbruch, welcher in regelmäßiger Lagerung schöne hellgraue, fein krystallinische Marmorbänke aufweist [Marmorgrubenfeld Schwarzeberg].
4. in Heggen am südlichen Ausgang werden tief blau graue bis schwarze Marmorkalke gebrochen, welche ebenso durch diese Färbung bei höchst fein krystallinischem Korn wie durch die Einschlüsse zahlreicher Korallenreste (Cyathophyllum sp., Calamopora sp.) ausgezeichnet sind. Die festen Teile der letzteren sind in weißen spätigen Kalk umgewandelt, welche nun reichlich zur lebendigen Marmorierung beitragen und dadurch diesen Marmor ganz den beliebten belgischen Korallenmarmoren von Dinant und Namur gleichstellen. In Höhlungen des Gesteins sind diese fossilen Reste von der Natur selber herauspräpariert und in vorzüglicher Erhaltung zu erlangen. In diesen Bänken, von denen gegenwärtig zu einem Hausbau gebrochen wird, liegt der Fundpunkt des Einzelfeldes Schwarzenberg.
5. bei Milstenau, an der Nordgrenze der nördlichen Mulde, findet sich die Fortsetzung der Heggener Schwarzen Bänke, welche hier in ziemlich flacher Lagerung in einem alten Bruche mit bedeutender Mächtigkeit anstehen. Diese Bänke sind, allerdings ohne Koralleneinschlüsse, in Farbe und Gefüge von derselben Beschaffenheit wie diejenigen bei Heggen“ [Marmorgrubenfeld Hollenbock].
Nach bergamtlichen Angaben in der Zeitschrift für das Berg- Hütten- und Salinenwesen (1892, S. 171) gewinnen 1890 die Vereinigten Mecklinghäuser Marmorgruben 272 Tonnen Marmorblöcke. Die einzige bekannte größere Lieferung sind 16 Säulen mit kubischen Basen für die von 1891 bis 1895 gebaute neuromanische Backsteinbasilika und Pfarrkirche St. Aloysius in Iserlohn (Iserlohn St. Aloysius Basen, Säulen, Kapitelle.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 1460366) (Abb. 54, 55; Taf. 17, Fig. 1-3). Der Wert der Lieferung mit einem Volumen von 124,27 m[3] beträgt 31670 Mark (PfA Iserlohn, A 17 Pfarrkirche Hohler Weg). Die Kirche wird nach einem Entwurf der Kölner Architekten C. Rüdell und R. Odenthal (Dehio 2011, S. 502) mit denselben Plänen wie die der St. Sebastian-Kirche in Lobberich, Niederrhein, Bauzeit 1891 - 1893 gebaut (St. Aloysius (Iserlohn) [online]). Die Architekten legen deren Lobbericher Bauherren Marmorproben für die Säulen vor. Wir vermuten, dass darunter Material der aus dem Marmorgrubenfeld Carrara ist. Doch für die Säulen greifen diese aus Kostengründen auf „Granit“ zurück (Opdendrenk 1993, S. 135). Es ist die durch Crinoidenfragmente gekennzeichnete belgische Sorte Petit Granite (Cnudde et al. 1990, S. 116), wie von K. Skupin, Tönisvorst, zur Verfügung gestellte Fotographien dokumentieren.
Abb. 54: Kath. Pfarrkirche St. Aloysius, Iserlohn, neuromanische Backsteinbasilika erbaut 1891 bis 1895, Marmorsäule und - basis aus dem Feld Carrara bei Röllecken der Mecklinghäuser Marmor und Kalkindustrie Actiengesellschaft zu Siegen, Werk Borghausen.
Den Geschäftsverlauf der Marmorwerke für die nächsten drei Jahre spiegelt die Zahl der Beschäftigten in den Berichten des Attendorner Amtmanns D'ham über die Zustände im Amt Attendorn wider (StAA, Akte F 29; StAA, Akte F 437). Im 2. Quartal 1890 beschäftigt die Gewerkschaft 70-80 Arbeiter. „ 1891, 4. Quartal: Die Gewerkschaft „Vereinigte Mecklinghauser Marmorgruben“, welche bisher gegen 100 Arbeiter beschäftigte, hat in der letzten Zeit ziemlich bedeutende Aufträge an fertigen Marmorgegenständen erhalten, so daß dieselbe die Zahl der Steinhauer allein um 40 vermehrt hat. Täglich werden ca. 30-35 Waggons Rohkalk versandt “. Die vermehrte Zahl der Steinhauer dient der Gewinnung von Rohkalk als notwendiger Beischlag der Eisen- und Stahlproduktion, deren Belieferung mehr Profit als eine Marmorproduktion verspricht. In der Zeitschrift für das Berg- Hütten- und Salinenwesen 1894, S. 166 heißt es, dass die „ Mecklinghäuser Marmorgruben, welche wegen Mangels an nennenswerthen Aufträgen die Verarbeitung des gewonnenen Products zu Kunstgegenständen nur noch nebensächlich betrieben “. In Folge eines Konjunktureinbruchs der Eisenindustrie bricht dann im 2. Quartal 1893 die Zahl der Beschäftigten auf etwa 40 Arbeiter ein (Kalitzki 1990, S. 78; Höffer 2008, S. 582).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 55: Kath. Pfarrkirche St. Aloysius, Iserlohn, neuromanische Backsteinbasilika erbaut 1891 bis 1895. Marmorsäulen aus dem Feld Carrara bei Röllecken der Mecklinghäuser Marmor und Kalkindustrie Actiengesellschaft zu Siegen, Werk Borghausen.
Unter diesen schwierigen wirtschaftlichen Umständen ist es naheliegend, dass ein Jahr später die Gewerkschaft Vereinigte Mecklinghauser Marmorgruben und die Kalkwerke sowie Anlagen des Freiherrn von Bodelschwingh-Plettenberg zu Attendorn-Borghausen durch Zusammenlegung in eine Aktiengesellschaft unter der Bezeichnung „ Mecklinghauser Marmor- & Kalkindustrie AG “ umgewandelt werden (LAV NRW W Q 560b / Amtsgericht Olpe / Berggrundakten, Nr. 43; StAA Akte F437; Höffer, 2008, S. 582). Die Steinbrüche beider Werke liegen nur 1,5 km voneinander entfernt und sind mit demselben Anschluss an das Bahnnetz verbunden. Die Konzentration auf das Kalkgeschäft zieht nach sich, dass im Juni 1894 die Marmor-Aufbereitungsanstalt an die Westfälischen Marmor- und Granitwerke G. Dassel zu Allagen verpachtet wird (Westfäl. Marmor- & Granitwerke Georg Dassel Allagen i. Westf., 1914, S. 3; Höffer, 2008, S. 582). Das Bergeigentum und damit das Recht Marmor abzubauen verbleibt aber bei der „Mecklinghäuser Marmor- und Kalk-Industrie Aktiengesellschaft zu Grevenbrück-Borghausen“ (LOBA Akte Attendorn). Die Heldener Pfarrchronik ergänzt dazu: „ Aber beim Tode des umsichtigen Hauptaktionärs Fischer wurde die Anlage, weil wenig rentabel, verpachtet an die Firma Dassel zu Allagen a. d. Möhne, welche zur Zeit nur fremden Marmor hier verarbeiten läßt “ (PfA Helden, B 20, S. 113 f, Pfarrchronik: Allgemeines [Transkription O. Höffer, Stadtarchiv Attendorn]). Damit scheint die Verarbeitung aus dem Raum Marmore fast zum Erliegen zu kommen. In der Tat lieg der Schwerpunkt der Firma Dassel auf der Verarbeitung ausländischen bei nur kleinen Mengen heimischen Materials. Dass doch in einigen Jahren erfolgreich regionaler Marmor vermarktet wird, führen wir unten in der Firmengeschichte der Westfälischen Marmor- & Granitwerke Georg Dassel, Warstein-Allagen aus.
Zurück zu den Anfängen- die anderen Muter im Raum Attendorn 1850 -1865
Die Geschichte von den ersten Anfängen mit C. Kessler und J.G. Tonglet über die Marmorgesellschaft Franz Jos. Bonzel & Co., die Rheinische Baugesellschaft zu Coeln a/Rhein später Siegen, die „Mecklinghauser Marmor und Kalkindustrie Actiengesellschaft zu Siegen“ bis zur Übernahme durch die Westfälischen Marmor- & Granitwerke Georg Dassel, Warstein- Allagen, ist der gewichtige Strang der Geschichte der Gewinnung und Vermarktung von Marmor im Raum Attendorn - Elspe. Aber es wäre sehr verwunderlich, wenn neben der Marmorgesellschaft Franz Jos. Bonzel & Co. im Raum Attendorn - Elspe nicht weitere Muter aufträten. Hier wird es anfänglich namentlich ein wenig verwirrend, weil gleich drei Protagonisten den Nachnamen Hundt führen und auch noch aus Olpe stammen. Als Muter treten auf der uns bereits bekannte Gewerke und Teilhaber des Eisenblech-Walzwerkes in Niederstenhammer Wilhelm Josef Hundt, Olpe (*1807, f1870), der Rechtsanwalt und Notar Eduard Hundt (*1814; f1853), und ihnen steht 1853 - 1857 vom Siegener Bergamt als Berggeschworener T. Hundt (*1818; f1886) (Koerner & Liese 1922, S. 247) gegenüber, der von 1853-1857 für das Bergrevier Olpe zuständig und nachfolgend am Bergamt Siegen tätig ist (Zeitschrift für das Berg,- Hütten- und Salinen-Wesen in dem Preussischen Staate 1854a: 1, S. 11; 1855a: 2, S. 7; 1856: 3, S. 7; 1857a: 4, S. 7). Berggeschworener T. Hundt und Rechtsanwalt und Notar E. Hundt sind Brüder und stammen aus Medebach (Theodor Joseph Conrad Felix Hundt [online]). Beide sind keine nahen Verwandten von Wilhelm Josef Hundt (frdl. pers. Mit. J. Wermert, Stadtarchiv Olpe). Da Olpe in den 1850er Jahren eine Kleinstadt mit etwa 2500 Einwohnern ist, gehören sie wie auch F.J. Bonzel zum Honoratiorenkreis. Sie kennen sich und sie muten bis auf eine Ausnahme 10 der 28 verliehenen Marmorgrubenfelder im Raum Attendorn - Elspe.
Dass als erster Muter Rechtsanwalt und Notar E. Hundt auftritt, ist wenig überraschend. Er wickelt von Juli 1852 bis März 1853 die letzten Anteilsverkäufe für J.B. Tonglet ab (LAV NRW W Q 560b / Amtsgericht Olpe / Berggrundakten, Nr. 43). Auch ist sein Bruder T. Hundt zuständiger Berggeschworener im Bergrevieramt Olpe. Gehen wir davon aus, dass ihm nicht nur ein Tipp seines Bruders für die Lokalität, sondern auch die für die damaligen Einkommens- und Vermögensverhältnisse hohen Preise Anstoß geben, nun selbst am Geschäft teilzunehmen. Auch, dass er als Mitglied des Naturhistorischen Vereins der preußischen Rheinlande und Westphalens (Correspondensblatt des naturhistorischen Vereins der preussischen Rheinlande und Westphalens 1853, S. 16) gewisse naturwissenschaftliche und auch geologische Kenntnisse besitzen wird. Es ist sicherlich kein Zufall, dass seine Mutung von Oktober 1852 unterhalb der Burgruine Peperburg östlich von Grevenbrück bereits von C. Kessler 1842 als potenzielle Marmorfundstelle in Angriff genommen wurde, denn dessen Aktivitäten haben sich sicherlich herumgesprochen (Abb. 00523). Bei der Feldverleihung zeichnen sich Differenzen mit der neugegründeten Marmorgesellschaft F.J. Bonzel & Comp. ab, die bei Ortsterminen F.J. Bonzels Sohn Justus vertritt. Er sieht die eigenen Marmormutungen Königsberg und Paras in diesem Gebiet betroffen. Rechtsanwalt E. Hundt verstirbt 1853. Witwe Fanny Hundt als Erbin geht einer gerichtlichen Auseinandersetzung nicht aus dem Weg. Nach Stellungnahme des Bergamts Siegen sind die Mutungen von F.J. Bonzel & Co. jünger und damit nicht rechtskräftig. Im Juni 1854 werden ihr und ihren drei Kindern sowie Fräulein Jenny Hundt, Medebach, das Marmorgrubenfeld Pfefferburg verliehen. Carl Liese aus Olpe wird Juli 1855 Repräsentant der
Grube. Im August 1858 verkaufen beide Frauen Gustav Lehrkind (*1819; +1872) aus HagenHaspe die Bergrechte. G. Lehrkind hat bereits 1856 die Mutung Concordia I bei Eslohe- Cobbenrode von J. Wiethof aus Lennestadt-Oedingen gekauft. 1863 bekommt er noch die Mutung Concodia II bei Eslohe-Niederlandenbeck verliehen (LOBA Concordia und Concordia II) (s.u.). Er selbst veräußert Mai 1861 42 1/3 [= 33,3 %] Kuxen an Fabrikbesitzer Peter Caspar Schulte, Gevelsberg. Beide fungieren als Gruben-Vorstand (LOBA Pfefferburg). Im Mai 1879 kaufen die Erben von G. Lehrking Schultes Anteile zurück.
Auffallend ist das Interesse des Bergamts Siegen an dieser Marmorgrube. Gleich zwei Berichte, einmal vom Juli 1857 und dann vom September 1860, liegen vor. Als erster stellt der kommissarische Berggeschworene J. Kuhme fest, dass drei Varietäten von Kalksteinen im verliehenen Feld anstehen, Ebersfelder Kalk [= Massenkalk], Kramenzelsteine und unterkarbonischer Kohlenkalk. Die Massenkalksteine gehören der Dorpfazies, Riff-Rückseite, und die Kramenzelkalke gehören zu den Flinzkalken der Adorf-Stufe des Oberdevons an (Clausen 1978, S. 145, 170). Davon sind nur die Kramenzellager zur Marmorgewinnung geeignet. Die Ebersfelder Kalkschichten sind zu klüftig und spröde, die Kohlenkalkschichten zu kristallisch. Eine wirkliche Gewinnung hat noch nicht stattgefunden. Er sieht besonders ausgezeichnete Lager von rotem Marmor mit dunklen Adern. Der Marmor steht in großen festen und ungeklüfteten Blöcke von 80 bis 100 Kubikfuß [= 2,5 - 3,1 m[3]] an. Die Rentabilität der Anlage sei von der Ruhr-Sieg-Bahn abhängig und ein Kapital 10000 bis 12000 Thaler für eine Marmorfabrikation notwendig. 4000 Thaler wäre ein guter Preis für die Marmorgrube Pfefferburg. Kalkulationsgrundlage ist für ihn „ nach hiesigen Erfahrungssätzen “ der Preis für einen Kubikfuß Marmor [= 31 dm3] inklusive roher Zuformung 20 bis 25 Silbergroschen. Der Tagespreis beträgt pro Kubikfuß ein Thaler fünf Silbergroschen. Dazu kommen fünf Silbergroschen für den Transport und fünf Silbergroschen als anzunehmender Gewinn. September 1860 berichtet der Berggeschworenen K. Gerlach (*1815; +1877) (LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 676) über die Gewinnung von Marmor und Kalkstein in der Grube Pfefferburg. Beim Betrieb in zwei Steinbrüchen ist bereits ein ziemliches Quantum an Stein gewonnen worden. Im ersten Bruch steht Kramenzelkalkstein grünlichgrauer Farbe ähnlich dem Kramenzelkalkstein von Feld Grüneberg an. Die Bänke haben eine Mächtigkeit vier und mehr Fuß [= 126 cm]. Im zweiter Bruch, 20 Schritt nördlich, steht ein feinkörniger grauer zum Teil dolomitischer Kalk mit weißen Kalkspatadern an. Es werden beträchtliche Mengen an Chausseestein und Baustein gewonnen (LOBA Pfefferburg). Marmor wird in den Brüchen nie gewonnen. 1916 versuchen die Erben von G. Lehrkind das Marmorgrubenfeld zu verkaufen. 1922 ist H. Middel von Rheine Betriebsleiter. Ab 1934 geht der Bergwerksbesitz an die Gesellschaft für Chemische Industrie (LOBA Pfefferburg).
Wilhelm Josef Hundt, Gewerke und Teilhaber des Eisenblech-Walzwerkes in Niederstenhammer, mutet zwischen 1855 und 1862 im Raum Elspe, Finnentrop und Bamenohl die zehn Marmorgrubenfelder Königin Victoria, Osiris (Abb. 00522), Isis (Abb. 00524), Flora II (Abb. 00517), Fretter (Abb. 00518), Aurora, Nachtigall, Victor II, Rabe II, Adler II, und Königin Auguste (Karte 3). Es scheint ein Gentlemen Agreement zwischen W.J. Hundt und der Marmorgesellschaft F.J. Bonzel Erben & Co. zu geben. Denn wie ein Blick auf die Karte der Marmorgrubenfelder im Raum Attendorn - Grevenbrück - Fretter zeigt, mutet Hundt nur an der Nordostgrenze der späteren konsolidierten Vereinigten Mecklinghäuser Marmorgruben. Lediglich das Feld Königin Victoria liegt südlich der Lenne. Dabei sind längst noch nicht alle Felder im späteren Bereich der Consolidierten Vereinigten Mecklinghäuser Marmorgruben gemutet und verliehen. Eigentümer der Verleihungen werden stets er und seine Ehefrau Auguste, geb. Funke. Doch bereits im Juni 1863 beantragt er für alle beim Oberbergamt in Bonn eine Betriebsfrist auf unbestimmte Zeit (LOBA Akten Osiris, Königin Victoria, Königin Auguste) mit der Begründung, dass in der gegenwärtigen Zeit, wo die Gelder festliegen, für Absatz wenig Aussicht ist. Auch hat er für die Bleierzgrube Schildergasse bei Bad Berleburg-Girkhausen 12000 Thaler zuzuschießen (LOBA Osiris). Immerhin kann das Ehepaar Hundt 1873 die Grube Königin Victoria an die Rheinische Baugesellschaft verkaufen (LAV NRW W Q 560b / Amtsgericht Olpe / Berggrundakten, Nr. 45). Deren Kauf gerät offensichtlich in Vergessenheit. Erst 1923, bei der Liquidation der Gesellschaft, holt sie Erkundigungen über die „Mutung Victoria“ beim Bonner Oberbergamt ein (LOBA Königin Victoria). Auch die anderen Felder geraten ebenso in Vergessenheit. Die beiden vorliegenden Bergamtsakten von Osiris und Isis führen den Eintrag der Fristung auf unbestimmte Zeit, in der Akte Osiris mit der Auflistung der anderen Marmorgrubenfelder. Damit gibt es keine bergrechtlichen Schwierigkeiten, als die „Mecklinghauser Marmor- & Kalkindustrie AG“ um 1888 aus dem Bereich der alten Mutungen Flora II (Karte 3) Marmor in sein Programm nimmt. Dazu schreibt Kosmann (1891a, S. 551): „ Ein anderer Punkt, welcher diese Kramenzelkalke in reichhaltigen und wechselvollen Mustern darbietet, hat sich bei Deitmecke [Deutmecke] auf dem rechten Lenneufer, etwa 4000 m nordöstlich von Bamenohl (im Lennethal), im Thal des Fretterbachs gefunden “, er trifft damit sicherlich den vermutlichen Fundpunkt von Marmorgrubenfeld Flora II. Auch G. Dassel bietet nach der Übernahme des Borghausener Marmorwerks 1894 die Marmorsorte „ Grün Deutmecke bei Grevenbrück Westf. eigener Bruch “ an. Nach Kosmann (1913, S. 261) soll ein Franz Ax diesen Bruch betreiben.
Um 1860 mutet A. Tilgner als Grubendirektor im Auftrag der Anhalt-Dessauische Landesbank zu Dessau auf dem Effenberg (Arnsberg-Holzen und -Müschede) das Marmorgrubenfeld Glücksfund. Aus dem dortigen Steinbruch werden „Marmorblöcke“ für den Bau der evangelischen Kirche in [Arnsberg-] Neheim verbaut. A. Tilgner schreibt Anfang Juni 1860 dem Grafen von Fürstenberg-Herdringen als Vorsitzender des Baukomitees, dass der Steinbruch auf dem Effenberge im Marmorgrubenfeld Glücksfund liege. Dieses habe er auf gesetzlichem Wege gemutet und es stehe zur Verleihung an. Deshalb dürfe ab sofort keine Marmorsteine mehr für den Bau der evangelischen Kirche in [Arnsberg-] Neheim verwendet werden. Der zuständige Berggeschworene Groppe bestätigt die Mutung. Erst nach einer Entschädigungszahlung von 300 Thaler können wieder Marmorblöcke abgefahren werden (AFH 14465). Eine bergamtliche Verleihung des Marmorgrubenfeldes Glücksfund findet offensichtlich nicht statt, da weder die Bergamtsakte zur Mutung und Verleihung noch die Berggrundakten vorliegen. A. Tilgner ist als Vertreter der Anhalt-Dessauischen Landesbank zur gleichen Zeit an der Verleihung des Feldes Rinaldo bei Bestwig-Nuttlar beteiligt (LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 41) (s.u.).
Wenn 1860 ein Gastwirt wie Robert Heunell aus Lennestadt-Grevenbrück-Foerde das Marmorgrubenfeld Lambert bei Lennestadt-Elspe mutet, ist dies die regionale Ausnahme, da er nicht zum Olper Honoratiorenzirkel gehört, der seine Hände auf alle anderen Mutungen und Verleihungen im Raum Attendorn - Elspe hält. Doch auch er schafft es nicht, eine Marmorproduktion zu etablieren oder den Bruch entsprechend zu verpachten. Erst 1896 stellt seine in Bochum lebende Witwe die Anfrage an das Landesoberbergamt in Bonn, ob das Marmorvorkommen auch als Kalkstein genutzt und verwertet werden darf (LOBA Akte Lambert). Die ehemalige Mutung ist seit langen Jahren durch den Steinbruch von Lhoist/Rheinkalk Werk Grevenbrück überbaut.
3.5 Marmorsuche im östlichen Sauerland 1844 - 1865
Marmor aus Brilon-Rösenbeck für den Berliner Dom?
Nachdem Kessler Mitte 1844 von seinem Partner J.G. Tonglet in Attendorn- Mecklinghausen als Miteigentümer ausmanövriert wird, verkauft er im zweiten Halbjahr 1844 seine Marmor- und Fruchtmühle in Hartegasse bei Lindlar (Jacobi 2007, S. 140). Dann reist er in den Raum Brilon zu einer letzten Marmorsuche. Aufgeschlossen sind als potenzielle Marmore die Massenkalksteine in Stollen und Stollenmundlöcher der Eisensteingruben zwischen Brilon und Bredelar (Hänisch 2007, S. 272). Wie bereits bei Sundern-Hachen nimmt er die vielfältigen anderen Vorkommen von polierfähigen Kalksteinen im Umfeld von Brilon nur am Rande wahr. Erste Musterstücke sendet er zuerst noch wie drei Jahren zuvor an die Regierung in Arnsberg mit der Bitte um Weiterleitung an die Berliner Behörden. Doch der auf dem Dienstweg zuständige westfälische Oberpräsident von Vincke verstirbt Dezember 1844. Kesslers Proben werden nicht weitergeleitet. Das ist für Kessler der Anlass, sich gleich an „An Seiner Exzellenz des wirklichen Geheimen Staatsraths und Finanzministers Herrn Freyherrn von Bodelschwingh in Berlin“ zu wenden und das diesmal mit fünf Briefen von Ende Dezember 1844 bis April 1845, in denen er die Vorzüge des Rösenbecker Marmors im Vergleich mit anderen Sorten
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 56: Stollenmundloch Eisenerz-Bergwerk Konsolidierte Vereinigung bei Burg Altenfils, Brilon- Rösenbeck, unteres Stollenmundloch, 2022.
wortreich darstellt und seine Bitte um staatliche Unterstützung darbringt. Zu seinem Ausscheiden aus dem Heldener Betrieb und der Marmorsuche im Raum Brilon bemerkt er: „,Weil ich inzwischen im unglücklichen Betrieb des Heldener Bruchs, dem ich für meine Person auch nicht ganz traute, weil seine Äderchen auch nicht voll zugewachsen waren, einen besseren und schöneren in Brilon hatte kennen gelernt, so halt ich diesen Schritt für gut, um für den Briloner Marmor wieder frei zu sein“. In einem wenige Tage später folgendem Schreiben hat er “die Ehre bey liegend 1 Müsterchen Bredelarer Marmors unterthänigst einzureichen“. Den Fundort verortet er noch in der Gemarkung Bredelar bei Marsberg. Es ist die Eisenstein-Grube Konsolidierte Vereinigung bei der Burg Altenfilz allerdings bei Brilon-Rösenbeck (Karte 6; GStA PK I HARep 89 Nr. 28428; LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 40). Die Grube ist der preußischen Bergbehörde auch durch Berichte des uns bereits aus dem Attendorner Raum bekannten nun zum Bergmeister avancierten J. Hüser durchaus geläufig: „Die Grube Vereinigung reicht über das Gebirge Burg bis an die rechte Seite der Enkenberger Hohle [Tal zwischen Enkenberg und Burg Altenfils]; das Streichen des Eisensteinlagers wechselt zwischen hor. 4% bis 63/8 und das Einfallen zwischen 30 und 80° Süd“ (Dechen 1845, S. 479). Das Eisensteinlager liegt an der Grenze zwischen Diabas und Massenkalk. Da es stark auskeilt, werden die Abbauversuche bereits 1845 eingestellt. Mit 100 von 128 Kuxen ist der Bredelarer Gewerke Theodor Ulrich und seine Ehefrau Charlotte neben vier Gewerken mit kleinen Anteilen der Haupteigentümer des verliehenen Grubenfelds (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 40). Auch Hänisch (2007, S. 305) gibt eine knappe Beschreibung der Grube ohne das untere als Einschnitt noch erhaltene Stollenmundloch im Gelände identifizieren zu können. Dieses fand der Autor 250 m östlich der Burg Altenfils (Abb. 56). Kessler entdeckt im Stollen vornehmlich roten, gelben und blauen Marmor:
„In dem wegen Eisenstein Aufsuche angelegten Stollen, der erst 50 Schritte im rothen und gelben Marmor-Lager bleibt, dann aber aus seinem Gange von Norden nach Süden östlich hin ausgewichen ist, gibt es blauen Marmor mit rothen Adern. Kessler sendet mit diesem Schreiben Finanzminister von Bodelschwingh auch mehrere Proben mit der Bitte, sie dem Königshaus vorzulegen: „ Seine Majestät unser König haben sich für den rothen Marmor ausgesprochen bey Gelegenheit nehmlich der MusterEinsendung von Helden, Euer Exzellenz bitte daher gnädigst geruhen zu wollen, daß möglichst schnell die 2 roth Eichen Tillers an seiner Majestät überreicht werden, und die 2 roth gelben an Ihre Majestät die Königin, und den 5ten, der die Grundfarbe des Pallisanderholz mit rother Blume hat, mögen dann die beyden Königlichen Majestäten als Wunsch zum glückseligen Neuenjahr in Compagnion anzunehmen gnädigst geruhen“. Er macht sogar den Vorschlag: „Herr Obereinfahrer Hüser zu Brilon könnte zum Bericht über die Bauwürdigkeit veranlasst werden, der auch vor 2 Jahren über den Attendorner berichtet hat“ (GStA PK I HARep 89 Nr. 28428).
Nun könnte man meinen, dass Kessler mit dieser recht kuriosen Bitte nicht ernst genommen wird. Doch die Proben werden dem König vorgelegt, und sie sprechen ihn offensichtlich an. In einer allerhöchsten Kabinettsorder Anfang Februar 1845 an seinen Finanzminister von Flottwell übermittelt Friedrich Wilhelm, dass ein gewisser Kessler aus Hartegasse bei Lindlar Marmor-Proben aus der Nähe von Rösenbeck bei Berlin übersandt habe, wo sich schöne Marmorbrüche würden eröffnen lassen. Unter den Proben scheinen ihm die gelbgestreiften beachtenswert. Er beauftragt ihn unter Hinzuziehung des Generaldirektors für die Museen von Alfers die technische Brauchbarkeit der vorliegenden Proben zu untersuchen. Wenn diese günstig ausfällt, durch eine Lokalrecherche ermitteln zu lassen, ob wirklich Aussicht auf eine Eröffnung ergiebiger Brüche besteht. Ein entscheidendes Kriterium ist die hinreichende Blockgröße (GStA PK I HA Rep 137 II J Nr. 5). Einen Eindruck der Muster vermittelt eine angeschliffene Probe aus dem unteren Stollenmundloch des Eisenerz-Bergwerks Konsolidierte Vereinigung bei Burg Altenfils, Brilon-Rösenbeck (Abb. 57).
Abb. 57: Marmorprobe aus dem unteren Stollenmundloch des Eisenerz-Bergwerks Konsolidierte Vereinigung bei Burg Altenfils, Brilon-Rösenfeld, Mitteldevon, Givetium, Hagen- Balve-Formation, Massenkalk, Schwelmfazies im Kontaktbereich zum Diabas.
Noch im Februar 1845 schreibt Finanzminister von Flottwell an Generaldirektor von Alfers:
„Eur. Hochwohlgeboren beehre ich mich diese Proben zur gefälligen Ansicht und demnächstigsten Rückgabe mit der Bitte um gutachtliche Aeußerung über die technische Brauchbarkeit derselben und mit der ergebensten Bemerkung zu übersenden, daß ich eine Local-Untersuchung über das Vorkommen dieses Marmors bereits veranlaßt habe, namenthlich um zu ermitteln, ob derselbe in größeren Blöcken zu gewinnen sein möchte, was für die technische Benutzung desselben grundsätzlich wohl von Wichtigkeit sein dürfte. Berlin 20. Februar 1845“ Auch C. Kessler wird über die Untersuchungen benachrichtigt (GStA PK I HA Rep 137 II J Nr. 5).
Der durch seine Marmoruntersuchungen im Raum Attendorn uns bekannte, mit den Lokalverhältnissen gut vertraute und von Kessler gewünschte Obereinfahrer J. Hüser wird beauftragt, denn er ist für die Bergreviere Brilon und Stadtberge [= Marsberg] zuständig. Anfang März 1845 erstattet er gehorsamst Bericht, der über den Dienstweg Bergamt Siegen, rheinisches Oberbergamt Bonn, preußisches Finanzministerium mit Kommentierungen angereichert als Anlage schließlich zum König gelangt: „Der marmorartige Kalk, dessen Angriff der Marmor-Fabrikant Christ. Kessler von Hartegasse bei Lindlar beabsichtigt, befindet sich im Hangenden der Roteisensteinzeche Vereinigung an der Burg bei Rösenbeck. Derselbe ist die westliche Fortsetzung des hangenden Kalkes des Enkenberger Eisensteinzuges, geht durch das beliehene Lehn Ignatius hindurch bis westlich von Rösenbeck.
Bekanntlich ist das Fallen des Kalks auf Grube Enkenberg gegen Norden gerichtet, in mehr westlicher Erstreckung und auch noch am Fuße der Burg tritt ein deutliches Südfallen ein.
Die Mächtigkeit des in Rede stehenden beträgt nach Ausweis des Aufschlusses, welchen der tiefere Stollen der Grube Vereinigung ergraben hat, 70 Fuß [= 22 m]. Die Farbe desselben ist durchgehend gelb und roth, wie solches die Probestücke, welche ich mit nächster Post nachsenden werde, ergeben.
Der Kalk nimmt mit Leichtigkeit eine schöne Politur an. Das Vorkommen desselben ist ein durchaus massiges, und ist auch nicht im Entferntesten eine Schichtung zu erkennen. Dahingegen durchfahren Ablösungen [Störungen] den Kalk nach allen Richtungen, welche bei späterer Gewinnung nachtheiligen Einfluß äußern werden. Ob diese Zerklüftung Folge der stattgefundenen Schießarbeit ist, vermag ich nicht anzugeben, weil das Marmorvorkommen am Tage nicht entblößt ist.
Ob sich der Marmor in größeren Blöcken gewinnen läßt, vermag ich nicht anzugeben, da noch keine Erfahrungen darüber vorliegen. Ein Versuch, welcher von dem tieferen Stollen aus einzuleiten ist, und einen Kostenaufwand von 20 bis 30 Th. erfordern dürfte, wird mit Leichtigkeit Gewißheit geben.
Was die Ergiebigkeit eines anzulegenden Marmorbruchs anbelangt, so läßt sich über diesen Punkt gar nichts mit Bestimmtheit voraussagen, da, wenn gleich die Mächtigkeit des Marmorvorkommens bedeutend genug, die Ausdehnung an der Streichungslinie jedoch nicht ermittelt ist. Durch den Betrieb des oberen Stollens an der Burg, sowie durch die Eröffnung eines Steinbruchs daselbst, ist nur gewöhnlicher blauer Kalk bekannt geworden. Es scheint also in westlicher Richtung das Vorkommen beschränkt zu sein. In östlicher Erstreckung, östlich des Thals welches vom Enkenberge nach der Hoppecke hinführt, ist das Marmorvorkommen ebenfalls nicht bekannt, da der vorkommende Kalk nach dem Ergebnis der durch mich durchgeführten Schurfarbeiten zum Aufschluß des Fortsetzens Enkenberger Lagerstätte gegen Westen, gewöhnlicher blauer Kalk ist. Es dürfte demnach von Wichtigkeit sein, um über die Ergiebigkeit eines anzulegenden Marmorbruchs mit Bestimmtheit urtheilen zu können, die Grenzen des Vorkommens nach den Streichungslinien hin, durch Schürfe aufzuschließen. Der Kostenaufwand, welcher hierzu erforderlich ist, wird den Betrag von 50 Th. nicht übersteigen. Sobald die vorgeschlagenen Schurfarbeiten ausgeführt sind, und ein bestimmtes Resultat erreicht ist, werde ich den Schluß-Passus des hohen Minsterial-Rescripts vom 20ten v Mts zu erledigen im Stande sein“ (GStA PK I HA Rep 137 II J Nr. 5).
Erstaunlich entwickeln sich die veranschlagten Kosten für die weiteren Untersuchungen. Bei Bergmeister J. Hüser sind es noch insgesamt 50 Thaler. In einem Schreiben an den Oberberghauptmann und Generaldirektor der Abteilung für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im preußischen Finanzministerium von Beust (*1783; +1859) von Anfang April 1845 sind bereits 200 Thaler zu verantworten. Die Vorlage des Finanzministers von Flottwell für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV Mitte April 1845 fasst den Stand der bisherigen Untersuchungen ergänzt durch eine bergrechtliche Einschätzung zusammen. Der Kostenaufwand für die weitergehenden Untersuchungen steigt nun auf 300 Thaler. Die Länge des Landtransports verkürzt sich bei ihm auf 10 preußische Meilen [= 79 km], nachdem er zuvor noch 15 Meilen zu Lande [= 113 km] betragen hat (GStA PK I HA Rep 137 II J Nr. 5):
„Euer Königlichen Majestät allerhöchsten Ordre vom 7then Februar c: entsprechend, habe ich das von dem Kessler in der Nähe von Roesenbeck entdeckte Marmorvorkommen, durch das rheinische Oberbergamt untersuchen lassen und mit dem General Direktor von Alfers hinsichtlich der technischen Brauchbarkeit dieses Marmors communiziert und verfehle nunmehr nicht in den Anlagen
1. den Bericht des rheinischen Ober Berg Amts vom 18. März c: nebst dessen Beilage, Bericht des Bergmeister Hüser, vom 7then März c:,
2. zwei Schreiben des General Direktors von Alfers 3ten und 9ten April in Abschrift
3. vier Stück mit dem Berichte des rheinischen Ober Bergamts vom 18. März vorgelegten Marmorproben,
unter Wieder-Aufschluß der der Allerhöchsten Ordre vom 7then Februar hinzugefügt gewesenen Marmor-Proben, allerunterthänigst einzureichen.
Die angestellte Untersuchung hat ergeben, daß der Marmor einem Lager von Übergangskalk angehört, welches 70 Fuß [= 22 m] stark mit dem tiefen Stollen der Eisensteingrube Vereinigung in der Nähe von Rösenbeck ohnweit Brilon durchfahren worden ist. Übergangskalk pflegt in der Regel das Eisensteinlager der dortigen Gegend zu begleiten, derselbe ist dicht und von lichtblaugrauer Farbe. Wo aber der Kalkstein mit dem Eisenstein in Berührung tritt, wird derselbe klüftig, nimmt bisweilen auch ein körniges Gefüge und in der Regel bunte Färbung an. Ein solcher Kalkstein ist auch der von dem Kessler entdeckte Marmor und scheint sein Vorkommen ebenfalls nur auf die Nähe des Eisensteinlagers beschränkt, denn mit dem oberen Stollen der Grube Vereinigung ist dasselbe Kalksteinlager in nur gewöhnlicher Beschaffenheit durchfahren, daher nachgewiesen, daß der Marmor nicht zu Tage ausgeht. Auch in horizontaler Erstreckung scheint die Verbreitung des Marmors nicht sehr bedeutend, denn das Kalksteinlager zeigt überall am Tage nur die gewöhnliche Beschaffenheit und der Marmor ist daher bis jetzt allein in dem tieferen Grubenstollen nachgewiesen, wahrscheinlich aber dürfte derselbe in größerer Tiefe niedersetzen. In dem Stollen steht der Marmor in großen Bänken an, das Gestein ist jedoch sehr klüftig und daher auf die Gewinnung großer fehlerfreier Blöcke selbst in dem Stollen nicht zu rechnen, wenn die Anlage eines regelmäßigen Steinbruchs gelingen mögte. Hinsichtlich der Kosten der Gewinnung größerer Massen, läßt sich ein Ueberschlag der zu einigen Anhalten dienen könnte, noch nicht anfertigen, jedoch bereits übersehen, daß dieselbe sich nicht wohlfeil herausstellen kann, auch würde der Transport des Gewonnenen wenigstens 10 Meilen [= 79 km] Weges zur Achse geschehen müßen. Eine nähere Untersuchung dieses Marmorvorkommens nach die Tiefe und deßen horizontaler Verbreitung müßten vorangehen, bevor hinsichtlich der möglichen Anlage eines regelmäßigen Bruches ein Urtheil abgegeben werden kann; diese Untersuchung dürfte mit einem Kostenaufwande von etwa 300 Thaler zu bewerkstelligen sein und würde zugleich hinreichende Gesteinsproben liefern, um die technische Anwendbarkeit des Marmors mit mehr Sicherheit beurtheilen zu können, wie die vorliegenden kleinen Probestücke verstatten. Es dürfte wenigstens mit einiger Sicherheit dadurch zu ermitteln sein, ob sich Platten von 4 bis 9 □ Fuß [= 4 bis 9 Quadratfuß = 0,394 m[2] bis 0,887 m[2] Kantenlängen 63 cm bis 94 cm] fehlerfrei und mit guter Färbung herstellen lassen, welche in dem Schreiben des General Direktors von Alfers vom 9. (?) als technisch brauchbar bezeichnet werden. Zur Anstellung dieser Untersuchung scheint der Kessler nicht geeignet, auch hat derselbe in einem an den Geheimen Staats-Minister von Bodelschwingh gerichteten und an mich abgegebenen Schreiben vom 3ten Sep den Wunsch ausgesprochen, seine vermeintlichen Anrechte an dem gemachten Marmorfund gegen eine Belohnung dem Fiskus abtreten zu dürfen.
Nach der Churkölnischen Bergordnung, welche im Herzogthum Westphalen provincialrechtliche Gültigkeit besitzt, ist der Marmor Regal Gegenstand. In dem vorliegenden Falle ist dieser Marmor in dem verliehenden Grubenfelde der Grube Vereinigung und innerhalb der Vierung der Eisensteinlagerstätte aufgefunden worden. Eisenstein und Marmor dürften wahrscheinlich dergestalt innig miteinander vereint auftreten, daß nur gemeinschaftliche Gewinnung beider Fossilien möglich, wozu jedenfalls die Grubenanlagen der Gewerkschaft Vereinigung mit benützt werden müßten. Es ist hierauf wahrscheinlich, daß im Fall einer Verleihung an einen Dritten, die Gewerkschaft von Vereinigung ein Näherrecht auf dieses Marmorvorkommen nicht ohne Erfolg geltend zu machen versuchen dürfte. Nach dem Berichte des Rheinischen Ober Bergamts will jedoch die Gewerkschaft eine nähere Untersuchung dieses Marmor-Vorkommens in ihrem Grubenfelde zulassen. Euer Königlichen Majestät näheren Befehlen sehe ich daher allerhöchstunterthänig entgegen, ob eine solche Untersuchung unter der Leitung der Local-Bergbehörde staiftinden soll, in welchem Falle, die Verwendung einer Summe von etwa 300 Th. ausreichend sein dürfte, um gleichzeitig dabei auf die Gewinnung möglichst großer, technisch brauchbarer Gesteinsproben Rücksicht zu nehmen“.
Da Teile des Vorgangs in der Akte „Untersuchung und Auswahl von Marmor und anderer Materialien [für den Berlin Dom]“ mit der Laufzeit von 1843 - 1856 geführt werden (GStA PK I HA Rep 137 II J Nr. 5), gehen wir nach den Anmerkungen des Finanzministers von Flotwell davon aus, dass dekorative Bodenplatten für den Neubau des Berliner Doms gewonnen werden sollten. Mit seiner Rückantwort Ende April 1845 ermächtigt ihn Friedrich Wilhelm IV 300 Thaler zur weiteren Untersuchung zu verwenden. Bergmeister J. Hüser legt seinen in Brilon verfassten Bericht Anfang Dezember 1845 vor:
„Das Marmor-Vorkommen, zu dessen näheren Aufschluß 300 Th. aus Staatsfonds bewilligt worden sind, ist durch den Betrieb des tieferen Stollens im consolidierten Grubenfelde Vereinigung an der Burg bei Rösenbeck zuerst bekannt geworden.
Dasselbe streicht von Osten in Westen, fällt deutlich gegen Süden ein, und nur in der östlichen Erstreckung in der unmittelbaren Nähe der Rotheisensteingrube Enkenberg findet ein nördliches Einfallen statt.
Die Mächtigkeit beträgt mehr als 100 Fuß [= 32 m] und die Längenausdehnung mehr als 400 Lachter [= 837 m]. Was die Lagerungs-Verhältnisse des Marmor-Vorkommens anbelangt, so setzt dasselbe auf der Gebirgsscheide zwischen Grünstein und Schiefer auf, und bildet somit im wahren Sinne des Wortes ein Gebirgslager.
Die Gebirgsscheide zwischen Grünstein und Schiefer ist in der Regel der Sitz der RoteisensteinLagerstätten, und nur da, wo die Roteisenstein-Lagerstätten sich verunedelen, tritt dieser Marmor, d. i. ein mit Eisenoxyd mehr oder weniger imprägnierten Kalkstein, auf. Dieses Verhältnis findet auf allen Rotheisenstein-Gruben der Bergreviere Brilon und Stadtberge statt, und ist dadurch das Vorkommen ein sehr frequentes. [...] Das Vorkommen jedoch ist ... mit Klüften derartig durchzogen, daß an eine Gewinnung von größeren Werkstücken nicht zu denken ist. Blöcke zu kleineren Kunstgegenständen bis zu 2 Fuß [= 63 cm] Länge, Breite und Dicke, sind schon selten.
Zur Untersuchung, ob nicht größere Werkstücke in der Fortsetzung gegen Westen zu finden seien, wurde da, wo der obere Stollen der Grube Vereinigung angesetzt ist, durch einen 5' [5 Fuß = 1,57 m] breiten Schurfgraben aufgedeckt, und in 6 bis 8 ' [6 bis 8 Fuß = 1,88 m bis 2,51 m] Tiefe eine Marmorgewinnung eingeleitet.
Es fand sich jedoch alsbald, daß die seltenen Abänderungen in rother und gelber Färbung nicht mehr vorkommen.
Das Vorkommen hatte das massige Ansehen verloren, der Marmor trat mehr in geschichteten
Bänken auf und zeigte nur eine bläuliche Farbe“ (GStA PK I HA Rep 137 II J Nr. 5).
Die kleinen Halden des oberen Stollenmundlochs und des Schurfes sind am Osthang des Rösenbecker Burgberges etwa 170 m westsüdwestlich des unteren Stollenmundlochs am Berghang erhalten (Abb. 56). Unsere Beprobungen vor Ort bestätigten das Urteil von Bergmeister J. Hüser, dass dort Bänke mit bläulich-grauen Kalksteinen mit Kalzitadern anstehen. Neu ist diese Erkenntnis damals nicht, denn bereits 1845 erwähnt von Dechen (1845, S. 480): „ Aus den Enkenberger Hohle ist ein oberer Stolln durch den nördlich (im Liegenden) des Lagers befindlichen Kalkstein bis zur Gebirgsscheide getrieben worden, hat aber keinen Eisenstein angetroffen “. Es dauert bis Anfang März 1846, dass Finanzminister von Flottwell dem König den abschließenden Bericht einreicht. Ende März 1846 erhält er die königliche Nachricht:
„Da nach Ihrem Berichte vom 9. d. M. [9. März 1846] die bisherigen Untersuchungen des Marmorlagers bei Rösenbeck kein befriedigendes Resultat ergeben haben, so will Ich Ihrem Vorschlage gemäß von der Fortsetzung dieser Untersuchungen Abstand nehmen und Sie ermächtigen, die bis jetzt entstandenen Kosten mit 300 Th. sowie eine Gratifikation von 50 Th. welche ich dem Marmorfabrikanten Kessler für seine Bemühungen bei den angestellten Versuchen bewillige, auf den Dispositionsfonds des Rheinischen Oberbergamtes Hauptkasse anzuweisen“ (GStA PK I HARep 89 Nr. 28428).
Damit zerschlägt sich ein weiterer Traum Kesslers. Statt eine Marmormutung an den Fiskus zu veräußern, erhält er 50 Thaler als Aufwandsentschädigung. 1847 wandert er mit Frau und acht Kindern in die Vereinigten Staaten aus (Jacobis 2007, S. 141).
Marmormutungen, nicht nur seriös
Die Etablierung der kleinen Marmorindustrie bei Mecklinghausen mit Lieferungen an das preußische Königshaus bleibt im Sauerland nicht unbemerkt. In der Folge werden von Sommer 1856 bis exakt bis zum 30. September 1865 innerhalb von neun Jahren etwa 110 weitere Marmorgrubenfelder gemutet und verliehen. Denn am 1. Oktober 1865 tritt das „ Allgemeine Berggesetz für die Preußischen Staaten [online]“ in Kraft. Ab diesem Tag fällt Marmor nicht mehr unter das Bergregal. Folglich kann er nun wie andere Gesteine, Kiese und Sande nach dem Abgrabungsrecht gewonnen werden. Doch da alle vorhergehenden Verleihungen ihre bergrechtliche Gültigkeit behalten, besteht ein hoher Druck bis zu diesem Datum möglichst viele Vorkommen zu muten. Die neuen Felder verteilen sich wie oben beschrieben um Arnsberg (Karte 2), Attendorn (Karte 3), weiter Meschede - Eslohe (Karte 4), Warstein (Karte 5), Brilon (Karte 6) und Marsberg (Karte 7).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 58: Preisliste der „Nuttlarer-Antfelder Dachschiefer und Schieferplatten Commandit- Gesellschaft W. Gessner & Co.“, etwa 1865, Deckblatt und Preise für Fliesen, Belegsteine, Platten und Wandbekleidung aus Schiefer (LAV NRW W U 194 Nr. 3422).
Mit F.J. Bonzel und W.J. Hundt sind im Raum Attendorn zwei regional ansässige, in der Eisenverarbeitung und im Bergbau erprobte Gewerken mit technischem Wissen und Kapital aktiv, die auf Gewinnaussichten in einem weiteren Geschäftsfeld hoffen. Vielleicht inspiriert nicht nur sie, sondern auch die nachfolgenden Muter der Schieferfabrikant W. Geßner aus Bestwig-Nuttlar, der dort ab Ende 1851 unter anderem Material des Schieferbergwerks Füchtenzeche verarbeitet. Verliehen wird deren 1846 eingelegte Mutung im Dezember 1851 nicht nur auf Schiefer und sondern auch auf Marmor, vermutlich wegen der in der Schichtenfolge eingeschalteten Flinzkalkstein-Bänke. Alleiniger Eigner wird der Färber Ignaz König in Brilon, der sie Februar 1855 für 1000 Thaler an Phillip Schlüter in Brilon verkauft, dieser Mai 1858 weiter an Eduard König in Marsberg (LAV NRW W Q 509b / Amtsgericht Bigge, Berggrundakten, Nr. 22). Eine 17seitige Preisliste des Schieferbergwerks von 1866 legt eine mehrjährige erfolgreiche Geschäftstätigkeit nahe (Abb. 58). Angeboten wird neben Dachschieferplatten ein breites Sortiment angefangen von Fliesen über Treppensteine,
Billardplatten bis zu Ziffernblätter für Turmuhren, Fliesen auch aus Carrara-Marmor. Doch Verwendungen der Flinzkalksteine als Marmor fehlen (LAV NRW W U 194 / Nr. 3422).
Die Charaktere der nachfolgenden Muter und Gewerken ändern sich deutlich. Muter, wenn sie aus dem ländlich-bürgerlichen Milieu stammen, übernehmen nur selten ihr verliehenes Marmorgrubenfeld. In der Regel verkaufen sie Anteile [Kuxen] an mehrere Gewerken oder sie legen Mutungen ein, die nachfolgend auswärtigen Gewerken verliehen werden. Ein Beispiel ist die Mutung des Marmorgrubenfeldes Concordia bei Eslohe-Cobbenrode (Karte 4) im Juli 1856 durch J. Wiethof aus dem Dorf Oedingen bei Lennestadt. Sie wird G. Lehrkind aus Hapse bei Hagen im Dezember 1859 verliehen (LAV NRW W Q 523b / Amtsgericht Fredeburg / Berggrundakten, Nr. 31). Unklar ist, ob J. Wiethof das Marmorgrubenfeld im Auftrag mutet oder G. Lehrkind die Mutung verkauft. Es ist der G. Lehrkind, der wie oben erwähnt, im August 1858 das Marmorgrubenfeld Pfefferburg bei Grevenbrück kauft und mit einem Companion dort einen Steinbruch betreibt. Im Juni 1865 wird ihm das November 1863 gemutete Marmorgrubenfeld Concordia II bei Eslohe-Landenbeck verliehen (LAV NRW W Q 523b / Amtsgericht Fredeburg / Berggrundakten, Nr. 21). Auch wenn G. Lehrkind nie Marmor abbaut, so scheint er doch an den Fundpunkten Steine zu gewinnen.
Spekulativ ist die erste Marmormutung im Raum Brilon - Warstein im Juli 1856 (Karte 5 und 6). H. Graas aus Warstein-Belecke mutet das Marmorgrubenfeld Alexius bei Brilon (LOBA Alexius). Zusammen mit seinen Gewerken T. Theisen und J. Breuer überträgt er im Oktober 1856 nicht nur diese Marmormutung sondern auch die nicht weiter bekannte Albanus sowie die Blei- und Kupfermutungen Charlotte, Primus, Secundus, Frisch gewagt und Aluminium bei Belecke auf Alaunschiefer an T. Steinmetz aus Dortmund, später Düsseldorf. Zur gleichen Zeit mutet T. Steinmetz selbst das Marmorgrubenfeld Carolinensegen, das 1863 mit dem Feld Alexius konsolidiert wird (LOBA Carolinensegen).Leider liegen keine Vertragsabschriften vor. T. Steinmetz bevollmächtigt im März 1862 für die Feldbesichtigungen den uns durch Begutachtungen der Marmorentdeckungen von J.C. Kessler bei Attendorn und Brilon- Rösenbeck bekannten Bergmeister J. Hüser, nun außer Dienst. Weitere Nachrichten liegen nicht vor. Mehrere kleinere aufgelassene Steinbrüche zeugen von einem Abbau der Kalksteine, die allerdings nie als Marmor verwendet werden.
Ein Jahr später wird der Eisenbahn-Geometer der Bergisch-Märkischen Eisenbahn R. Schmidt aktiv. Mit Wohnsitz anfangs in Soest und später in Siegen kommt er sicherlich viel im Sauerland herum. Er nutzt offensichtlich seine Geländekenntnisse Eisenstein-, Kupfer- aber auch Marmorvorkommen aufzufinden. So mutet er in der zweiten Jahreshälfte von 1857 bei Brilon-Altenbüren die Marmorgrubenfelder Greitenberg und Escherfeld sowie bei Warstein-Suttrop das Marmorgrubenfeld Helas. Bereits im Juni 1858 besteht mit dem Buchhändler T. Wehrle aus Soest eine Vereinbarung über den Verkauf der angenommenen Mutung Vorwärts im Revier Balve, die angenommenen Marmormutungen Balster, Greitenberg, Grimmlinghausen, Schwarzenberg, Hector, Peterstein, Zuversicht, Helas, unbesichtigt aber eingelegt Escherfeld, die angenommen Besichtigungen Rixen, Bernhard I, Titus und Crone für die Summe von 200 Thaler (LOBA Akte Escherfeld). Verliehen werden davon nur Greitenberg, Helas und Escherfeld. Offensichtlich gelingt es T. Wehrle weitere Gewerken zu gewinnen. Diese sind nach dem notariellen Kaufvertrag von Juni 1858 alles Soester Bürger: Kaufmann F.J. Esser (30 13/20 Kuxen = 23,9 %), Kaufmann E. Holzwarth (27 13/20 Kuxen = 21,6 %) und Kaufmann Wilhelm Pieper (30 13/20 Kuxen = 23,9 %), Konditor L. Vecht (30 13/20 Kuxen = 23,9 %) und Buchhändler T. Wehrle (8 2/5 Kuxen = 6,6 %). R. Schmidts erhält keinen Kaufpreis, sondern als Entschädigung 29 2/5 Freikuxen. Damit ist er vom Beitrag zu den Kosten der Marmorgruben befreit, nimmt aber an der Ausbeute teil (Veith, 1870, S. 309) (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 111; LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 112; LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 25). Zwar wird F.J. Julius Esser März 1863 noch Repräsentant, nach Veiht (1871, S. 378) „ der in beschlussfähiger Gewerkenversammlung zur Vertretung der Gewerkschaft bevollmächtigte “, der Marmorgruben Helas, Greitenberg und Escherfeld (LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 25). Doch sie bringen den neuen Eigentümern kein Glück, bereits im August 1863 werden sie auf unbestimmte Zeit gefristet (LOBA Akte Escherfeld). Sollte R. Schmidt tatsächlich 200 Thaler für seinen Vorverkauf an T. Wehrle bekommen haben, ist dies kein schlechter Verdienst für seine Nebentätigkeit. Aber er ist in Sachen Marmor weiter tätig. Direkt nach dem Verkauf mutet er im Juli 1858 die Marmorgrubenfelder Flötzberg I und Flötzberg II bei Brilon-Wülfte (Karte 6). Eigentümer bleiben er und seine Ehefrau bis 1893 (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 113; LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 114). In der Preußischen Kartenaufnahme (Neuaufnahme) 1:25000 für Blatt 4517 Alme von 1900 (TIM-online2.0 [online], Reichsamt für Landesaufnahme und seine Kartenwerke 1931, S. 74) ist am Fundpunkt von Flötzberg I ein Steinbruch eingezeichnet, für den aber Ende des 19.Jh. kein Marmorabbau bezeugt ist. Im August 1863 wird Josef Böckelmann aus Rüthen das Marmorgrubenfeld Cruberg bei Rüthen-Kallenhardt verliehen (LAV NRW W Q 564b / Amtsgericht Rüthen / Berggrundakten, Nr. 23), zwei Monate später mutet der Ackerbürger und Wirt Anton Dietz aus Warstein das Marmorgrubenfeld Johanne I bei Warstein-Suttrop (LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 23). Beide wollen augenscheinlich an dem Run auf Marmorgrubenfelder profitieren. Unverkennbar spekulativ sind die drei Mutungen Carl (LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 42), Augusta (LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 40) und Rinaldo (LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 41) im November und Dezember 1856 bei Bestwig und Bestwig-Nuttlar (Karte 4). Sie werden von Oktober 1860 bis Oktober 1861 an die Dessauische-Anhaltinische Landesbank in Dessau verliehen, gesetzlich vertreten durch H. Kühne und H. Gnüchtel (LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 42). Wie die Verbindung dieser beiden Herren aus der mitteldeutschen Provinz zu den ebenso provinziellen sauerländischen Marmormutungen zustande kommt, lässt sich leider nicht klären. Weiter verwunderlich ist, dass jedes Marmorgrubenfeld von einer anderen Person gemutet wird. Es sind für Feld Carl C. Moenig und für Feld Augusta R. von Forster, beide aus Meschede. Für Feld Rinaldo ist es A. Tilgner aus Recklinghausen (LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 40; LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 41; LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 42), der uns bereits bei der Mutung des Marmorgrubenfeldes Glücksfund am Effenberg bei Arnsberg-Holzen und -Müschede begegnet ist (AFH 14465). Dabei liegen die Felder im Ruhrtal südlich von Bestwig und Nuttlar mit gerade 4,5 km Abstand eng benachbart und sie werden kurzzeitig in nicht ganz zwei Monaten gemutet. Welcher Mittelsmann diese konzertierte Aktion koordiniert, ist nicht überliefert. Dann wird Ende November 1862 der Fuhrbursche Stahlschmidt aus Meschede zum Repräsentanten der drei Gruben bestellt, (LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 40). Die alte Mutung Augusta ist heute durch einen Steinbruchbetrieb überbaut. Die Mutung Carl ist heute ein kleiner aufgelassener Steinbruch. Der Fundpunkt von Rinaldo grenzt unmittelbar an die Schiefergrube Stuckenland bei Nuttlar an. Hier sind die in die Schiefer eingeschalteten und mit gewonnenen Flinzkalkbänke Ziel der Mutung, die sich zur Herstellung von Fußbodenplatten anbieten. Denn in den nur 1500 m östlich liegenden Dachschiefergruben Egon I und Egon II (Egonsgrube) der Freifrau von Papen bei Olsberg- Antfeld werden 1858 neben 664 Fuder Dachschiefer auch 8079 Quadratfuß [= 796 m[2]] Platten aus dickbankigen Schiefern und aus Flinzkalkbänken gewonnen (LAV NRW W Kreis Brilon, Landratsamt, Nr. 1402).
Anders gestalten sich die Verhältnisse der Mutung Wittekind bei Schmallenberg-Dorlar (Karte 4). L. Hensel aus dem 20 km entfernten Meschede mutet sie August 1857. Auch hier ist nicht bekannt, ob er seine Rechte an den Kaufmann und späteren Mescheder Unternehmer J. Lex (*1829; f1917) abtritt oder in dessen Auftrag handelt. Dem wird das Marmorgrubenfeld Oktober 1859 mit allen 128 Kuxen verliehen (LAV NRW W Q 523b / Amtsgericht Fredeburg / Berggrundakten, Nr. 97). Dies geschieht in seiner Rolle als „ Garant “ der im Juni 1858 gegründeten Aktien-Kommanditgesellschaft Westphalia für Schiefer- und Marmorindustrie in Meschede. Die Schiefergrube „Westphalia“ befindet sich bei Siedlinghausen und hat 1858 noch keinen Ertrag gebracht (LAV NRW W Kreis Brilon, Landratsamt, Nr. 1402). Im September 1863 wird die Gesellschaft aufgelöst. Von ihr erwerben Kaufmann J. Neuhoff, Meschede 40 Kuxen [= 31,25 %], Apotheker J. Wrede, Meschede 24 Kuxen [= 18,75 %], Gutsbesitzer W. Vetter, Beringhausen 16 Kuxen [= 12,5 %], Hüttendirektor H. Haack, Duisburg 16 Kuxen [= 12,5%]. Kaufmann J. Lex behält 32 Kuxen [= 25,0 %] (LAV NRW W Q 523b / Amtsgericht Fredeburg / Berggrundakten, Nr. 97). Die Transaktionen erfolgen in mehreren Schritten, und die Summe der Einnahmen für J. Lex kann auf etwa 2000 Thaler geschätzt werden. Sie werden Teil des Startkapitals für seine erfolgreiche Fabrik für Schuhspanner und Schuhleisten sein, die er 1863 gründet (Julius Lex [online]). Ein Marmorabbau ist nicht belegt. Doch am Fundpunkt entsteht ein aktiver Steinbruch. Ende des 19. Anfang und Anfang des 20. Jh. wechselt die Grube mehrfach den Besitzer. Im Februar 1896 geht sie an den Schiefergrubenbesitzer F. Schewer, Münster, im November 1907 an die Ehefrau des Grubenbesitzer F. Eggeling, Siedlinghausen und im Dezember 1919 an die Firma Dr. Hauge & Co., GmbH, in Köln über. Heute sind hier die Hubertushütte und der Schießstand der Schützenbruderschaft St. Hubertus Dorlar 1843.
Ähnlich vollziehen sich Mutung und Verleihung des Marmorgrubenfeldes Friedrich Wilhelm bei Schmallenberg-Menkhausen (Karte 4). Kreisrichter H. Schneider, Meschede mutet es im Dezember 1859 und wird ihm Oktober 1862 verliehen. Auch er geht den Weg, Anteile gestreut zu veräußern. Er selbst behält 43 4/5 Kuxen [= 34,2 %]. Es erwerben als ortsansässiger Landwirt L. Brinkmann 25 3/5 Kuxen [= 20 %], Steiger L. Essleben aus dem benachbarten Schmallenberg-Berghausen gleiche Anteile, Gutsbesitzer T. Brinkmann aus Dalheim bei Warburg 18 Kuxen [= 14 %], Rittergutsbesitzer J. von Stockhausen, Stockhausen bei Meschede, sechs Kuxen [= 4,7 %], jeweils drei Kuxen [= 2,3 %] Kreisrichter C. Dham aus Brilon, Lehrer Harlinghausen aus Eslohe sowie Gutsbesitzer C. Schneider aus Berndorf bei Fredeburg. Im Februar 1872 erwirbt Fabrikant und Gewerke Ferdinand Gabriel 15 Kuxen [= 11,7 %] (LAV NRW W Q 523b / Amtsgericht Fredeburg / Berggrundakten, Nr. 14). Ein Abbau von Marmor findet nicht statt. Am Fundpunkt des Marmorgrubenfeldes entsteht ein kleinerer Steinbruch, der bereits in der Preußischen Kartenaufnahme (Neuaufnahme) 1:25000 von 1896 für Blatt 4714 Endorf (TIM-online2.0 [online], Reichsamt für Landesaufnahme und seine Kartenwerke 1931, S. 88) eingezeichnet ist.
Kaufmann Franz Wilhelm Emmerich (*1826; +1906; LAV NRW W Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Q 504t / Amtsgericht Arnsberg / Testamente, Nr. II Nr. 114) aus Arnsberg mutet insgesamt 17 Marmorgrubenfelder (Karte 4). Zusammen mit dem Arnsberger Maurermeister und Bauunternehmer Emmerich Löher (+1889, PSA-StR-1) beginnt er im Gebiet von Eslohe und Sundern-Hachen von Januar bis Dezember 1863 mit den Marmorgrubenfeldern Nero antico (LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 110) sowie Effenberg (Abb. 10) und Grabow. Als Gewerken werden E. Löher mit 42 2/3 Kuxen [= 33,3 %] und F.K. Emmerich, mit 85 1/3 Kuxen [= 66,7%] geführt (LAV NRW W Q 504b / Amtsgericht Arnsberg / Berggrundakten, Nr. 92; LAV NRW W Q 504b / Amtsgericht Arnsberg / Berggrundakten, Nr. 96).
Ab Januar 1864 mutet F.K. Emmerich allein im Gebiet von Eslohe-Wenholthausen und Eslohe-Niedersalwey die neun Marmorgrubenfelder Schwanthaler (LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 66) Rauch, Thorwaldsen, Leda I, Leda II, Leda III, Leda IV, Leda V (LOBA Akten; LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 68, Nr. 102, Nr. 101, Nr. 100, 98). Zuständig für die Marmormutungen bei Eslohe-Niedersalwey und Eslohe Wenholthausen ist der Berggeschworene Ludwig Emmerich (*1819; +1885, LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 483; PSA- StR-1) (LOBA Akten Rauch, Thorwaldsen, Leda I, Leda II, Leda III, Leda IV, Leda V). Die beiden in Arnsberg geborenen, ansässigen und verschwägerten Brüder Emmerich sind mit den Schwestern Anna und Bertha geborene Fleitmann verheiratet (LOBA Rauch, LAV NRW Rheinl Rheinland BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 483). So verwundert es nicht, dass Kaufmann F.W. Emmerich am 30. September 1865, einen Tag bevor das neue preußische Bergrecht in Kraft tritt und damit Marmor zu den bergfreien Bodenschätzen gehört, die Mutung für Leda V einlegt. Dazu wird ihm sein bergrechtlich kundiger Bruders den humoristischen Tipp geben, der ihm mit seinen geologisch-bergmännischen Kenntnissen sicherlich bereits vorher zur Seite steht. Als Eigentümer der verliehenen Felder werden die Eheleute Kaufmann F.W. Emmerich eingetragen. Die Namen seiner Marmorverleihungen lassen einen gewissen Anspruch im erhofften Marmorgeschäft vermuten: Nero antico ist eine italienische Marmorsorte. Schwanthaler, Rauch und Thorwaldsen sind bekannte Bildhauer der ersten Hälfte des 19. Jh. Leda entstammt der antiken Mythologie. Lediglich Effenberg hat einen lokalen Bezug. Für Grabow könnte der preußische General F. W. K. von Grabow (*1783; +1869; Glasenapp 1868, S. 16-17) Namensgeber sein. An allen Fundpunkten befinden sich kleinere Steinbrüche. Die LOBA-Akten enden mit der Auflistung der Gewerken mit der Ausnahme des Marmorgrubenfeldes Rauch bei Eslohe-Niedersalwey, deren, auf deren Deckel der Titel handschriftlich mit „ Betrieb und Verwaltung “ ergänzt, ein Förderungsaufseher vereidigt wird (LOBA Rauch). Nach einem Übersichtsbericht des Königlichen Oberbergamts zu Bonn (1890, S. 173) soll dort die Sorte „ Portor “ neben „ St. Anna “ und andere Marmorarten vorübergehend abgebaut worden sein. Die Entnahmemenge ist nicht in der Bergamtsakte vermerkt. Sie dürfte, wenn es sie denn gegeben hat, über einige kleinere Versuchsblöcke nicht hinausgegangen sein, denn die Grube ist kleinräumig und das anstehende Gestein tektonisch zerrüttet, so dass es zum Brennen in einem kleinen benachbarten Kalkofen leicht zerkleinert werden konnte. Der Oberbergamtsbericht nennt in diesem Kontext noch die Marmorgrube Leda II bei Eslohe-Wenholthausen, deren Bergamtsakte keinerlei Hinweis auf einen Abbau liefert. Ihr fehlen gänzlich wie auch in allen anderen Akten der Marmorgrubenfelder von F.W. Emmerich Angaben zu einem Repräsentanten, Förderungsaufseher und/oder Anträge auf Fristung. Marmor wurde in den von F.W. Emmerich verliehenen Marmorgrubenfeldern nie abgebaut.
Wegen der räumlichen Nähe läge es nahe, dass F.W. Emmerich auch die Marmorgrubenfelder Hardt bei Arnsberg, Linden bei Arnsberg-Holsen-Kirchlinde, Sanssouci bei Balve-Volkringhausen, Balve bei Balve, Eickloh bei Balve, Am Eickeloh und Schiebel bei Balve, Schieberg mutet. Von diesen sechs Anfang 1866 verliehenen Marmorgrubenfeldern wissen wir nur aus dem Verzeichnis der Bergbauberechtigungen in NRW (Bergbauberechtigungen in NRW [online], letzter Zugriff 04.03.2023). Die entsprechenden Bergamtsakten und Berggrundakten liegen nicht vor. Doch die Namensgebung weicht deutlich von beiden gemuteten Feldern ab, so dass ein anderer - unbekannter - Muter naheliegt.
Das Marmorgrubenfeld Korallenberg bei Sundern-Endorf (LAV NRW W Q 504b / Amtsgericht Arnsberg / Berggrundakten, Nr. 85) mutet der ortsansässige Rechnungsführer der Endorfer Eisenerz-Hütte J. Stöber im Januar 1865 und wird ihm im Juli 1865 verliehen. Die Namensgebung deutet auf ein gezieltes Marketing und solide geologische Kenntnisse hin. Denn der dort anstehende massige Sparganophyllum -Kalk setzt sich aus unregelmäßigen Klumpen von Korallen, Crinoidenstielgliedern, Schwämmen und Brachiopodenschalen zusammen (Kühne 1938, S. 11-12, eigene Proben). Bereits im September 1865 erwirbt die Gewerkschaft des Districtfeldes Wildewiese dessen Rechte. Deren Gewerken gehören zum Industriellenmilieu des Ruhrgebiets, unter anderem der Dortmunder Kommerzienrat, Kaufmann und Inhaber der Klosterbrauerei August Meininghaus, Ewald Meininghaus (*1836; ^1899) (Dortmund postkolonial [online]). E. Meininghaus selbst hält ebenso wie sein Bruder August 5 141/375 Kuxen [= 4,2 %), ein weiterer Verwandter, der Dortmunder Seidenfabrikant Hermann Meininghaus (*1817 - +1878), Dortmund (Hermann Meininghaus [online]), 3 315/375 Kuxen [= 3 %). Ähnlich kleinstückig werden weitere Anteile verteilt. An erster Stelle steht Friedrich Grillo (*1825; +1888) aus Essen mit 11 227/375 Kuxen [= 9,1 %]. Seine Beteiligung verwundert nicht, denn er war als Großindustrieller des Ruhrgebiets Mitbegründer, Gewerke oder Beteiligter bei mehr als 20 Gewerkschaften und Aktiengesellschaften des aufstrebenden Bergbaus an Ruhr und Emscher (Grillo, Heinrich Friedrich (Fritz) Theodor Ernst [online]). Auch zwei seiner Verwandten beteiligen sich, sein Bruder Wilhelm Grillo (*1819; +1889), Industrieller in Oberhausen, mit 6 150/375 Kuxen [= 5,0 %] und sein Schwager Wilhelm von Born (* 1826; + 1902) Bankier in Essen und Vorstandsmitglied der Eisenhütte Westfalia in Lünen (Wilhelm von Born [online]) mit 9 177/375 Kuxen [= 7,4 %]. Weitere Unternehmer sind Johann Wilhelm Budenberg (* um 1838; +1904), Emden vormals Essen (nach Bergamtsakte), Fabrikant von Desinfektionsapparaten in Dortmund (Johann Wilhelm Budenberg [online]) und Jan Jacob van Braam (*1805- +1884) aus Arnheim, Montanunternehmer in Witten (Gussstahl-Werk Witten [online]) mit 6 310/375 Kuxen [= 5,3 %]. Gesellschaftlich nicht näher eingrenzen ließen sich Gewerken wie Wilhelm
Lemaire, Dortmund, 8 72/375 Kuxen [= 6,4 %]; Fritz Fahle, Dortmund, 2 370/375 Kuxen [= 2,3 %]; Carl Knetz, Rote Erde bei Dortmund, 5 205/375 Kuxen [= 4,3 %]; Gustav Müller, Lünen, 2 50/375 Kuxen [= 1,7 %] und Caesar Schöller, Düren, 6 310/375 Kuxen [= 5,8 %] (LAV NRW W Q 504b / Amtsgericht Arnsberg / Berggrundakten, Nr. 85). Dass hier nie Marmor abgebaut wird, tut diesen Gewerken sicherlich nicht weh. Am Fundpunkt entsteht ein kleinerer Steinbruch.
Mit zu den letzten Marmormutungen, kurz bevor das Allgemeine preußische Berggesetz am 1. Oktober 1865 in Kraft tritt, gehört die Mutung Ruhr Eisenbahn bei Meschede-Eversberg (Karte 4; LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 37). Sie wird im Juli 1865 von dem Kaufmann und Gewerken G. Franken aus Meschede eingelegt. Er ist Besitzer der Dachschiefergruben Elberfeld und Brandenberg, die ihm 1851 und 1864 verliehen werden. Auf alle drei Gruben und ein Grundstück bei Meschede-Eversberg nimmt er 1878 eine Hypothek von 6315 Mark von Fräulein H. Hammer, Meschede, auf. 1892 wird sein Bergeigentum zwangsversteigert. Als neuer Eigentümer der Marmorgrube wird Rechtsanwalt Vohs aus Meschede eingetragen (LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 37), für die Schiefergrube Brandenberg Peter Tommes, Gewerke zu Nordenau (Bergbauberechtigungen in NRW [online]). Abgrabungsspuren im Bereich der Mutung zeigen, dass das Kalksteinvorkommen als Steinbruch genutzt wird.
Die Caspari-Zeche bei Arnsberg-Ventrop baut Antimonerze ab (Karte 2). Der Hinweis, dass sie auch ein Marmorbergwerk ist, belegt lediglich eine handschriftliche Ergänzung auf dem Deckel der Berggrundakte (LAV NRW W Q 504b / Amtsgericht Arnsberg / Berggrundakten, Nr. 44). In den durchfahrenen Schiefern stehen dunkle, schwach bituminöse Kalkbänke des Kulm-Plattenkalks an, die als Nebenprodukt zu Bodenplatten hätten verarbeitet werden können. Was aber offensichtlich nie geschah. Fragmente dieser Kalksteinbänke sind in der Halde reichlich vorhanden (Abb. 14).
§ 1 Auftau und Niedergang der Marmorindustrie im östlichen Sauerland 1858 - 1878
J.B. Prang, Beginn in Brilon-Alme 1855 - 1862
Eine funktionierende Marmorgewinnung, -Verarbeitung und -Vermarktung aufzubauen vermag seit Beginn der 1850er Jahre bislang nur die Firma F.J. Bonzel & Co. im Raum Attendorn, was auch dem Schieferfabrikanten W. Geßner aus Bestwig-Nuttlar mit Vergleichbaren Produkten aus Schiefer gelingt (LA NRW U 194 / Nr. 3422). Dagegen ziehen die oben dargestellten weiteren Mutungen und Verleihungen im Raum Arnsberg - Eslohe - Meschede - Brilon allesamt keine Marmorförderung nach sich, wenn auch an nicht wenigen Fundpunkten Steinbrüche entstehen. Vor diesem Hintergrund nehmen sich die AktiVitäten des Münsteraner Bildhauers und Architekten J.B. Prang (*1820; +1875) deutlich professioneller aus. Sein Einstieg in das Marmorgeschäft Verläuft anfänglich wenig selbst initiiert und recht schleppend. Seine Bildhauerwerkstatt erhält 1855 für den Neubau der St. Vincentius-Kirche in Warburg-Scherfede einen größeren Auftrag für die Altäre und die Chorschranke (LAV NRW OWL D 73 / Allgemeine Kartensammlung, Nr. 4/10051 - 10054), den er auch bis 1861 realisiert (Dehio 2011, S. 1130). Die Baupläne erstellt der Bauinspektor Lundehn in Marsberg. Dorthin reist J.B. Prang, nach unserer Annahme, zur Absprache seiner im Mai 1855 datierten Entwürfe (LAV NRW OWL D 73 / Allgemeine Kartensammlung, Nr. 4/10051 - 10054). Ob dabei erste Kontakte mit dem Besitzer der Grundherrschaft Alme, Brilon-Alme, Diedrich Graf von Bocholtz entstehen (*1797; f1861) (Diedrich von Bocholtz [online]), oder ob dieser ihn bereits in Münster kontaktierte, muss offenbleiben. Als Landadliger besaß er in der Hollenbeckerstraße 9 das ehemalige Wohnhaus von Schlaun als Adelshof (NRW W U LAV 194 Nr. 4793; Müller 1921, S. 88). Er wird als Mitglied des westfälischen Provinziallandtags von den einsetzenden Marmormutungen im Briloner Raum, vom Interesse des preußischen Königs an einheimischem Marmor, dessen Ankauf einer Kaminbekleidung 1844 sowie die Annahme des Geschenks eines Marmortisches der Mecklinghäuser Gewerkschaft 1853 erfahren haben. So liegt die Annahme nahe, dass D. Graf von Bocholtz den Aufenthalt J.B. Prangs in Marsberg nutzt, um ihn als professionellen Bildhauer wegen seiner eigenen möglichen Marmorvorkommen zu kontaktieren. Er scheint ihn von deren Potential überzeugt zu haben. Denn im Juni 1855 schreibt J.B. Prang an Rechtsanwalt und Notar F.W. Kaiser in Brilon, dass D. Graf von Bocholtz mit ihm Rücksprache wegen des Marmorlagers im Wasgrund, Gemarkung Brilon-Alme, genommen habe, und dass der wünsche, dieses zu muten (ASA A 4853). Rechtsanwalt Kaiser ist mit bergrechtlichen Belangen vertraut, wie seine zeitgleiche Tätigkeit für die Gewerken der Schiefergrube der Füchtenzeche bei Bestwig-Nuttlar zeigt (LAV NRW W Q 509b / Amtsgericht Bigge / Berggrundakten, Nr. 22). Doch dazu kommt es erst drei Jahre später, als im Wasgrund beim Bau der Kreisstraße von Alme nach Madfeld als Marmor verwendbare Kalksteinvorkommen aufgeschlossen werden. Wieder durch Impuls von D. Graf von Bocholtz, der J.B. Prang „ein Mustergetäfle zur Verfügung“ stellt, sucht und findet J.B. Prang weitere Vorkommen auf dem Almer Grund (LAV NRW W Kreis Brilon, Landratsamt, Nr. 1402).
In der Folge lässt D. Graf von Bocholtz wieder durch Rechtsanwalt und Notar Kaiser, Brilon, im Juni 1858 das Feld Alme (LOBA Alme) und im August 1858 die Felder Almerfeld, Caspar, Melchior und Balthasar (ASA A 4853) muten. Noch vor der bergamtlichen Besichtigung der Fundpunkte und der Verleihung durch das Bonner Oberbergamt schließen J.B. Prang und D. Graf von Bocholtz Anfang September 1858 einen notariellen Vertrag über die Ausbeutung der Marmorvorkommen in der Herrschaft Alme und die Nutzung des oberen Hammers in Alme (ASA A 6986), der seit 1816 still liegt (Reininghaus & Köhne 2020, S. 233):
„§ 1. Der Herr Graf von Bocholtz besitzt innerhalb seiner Herrschaft Alme die Marmormuthungen von Alme, Almerfeld, Caspar, Melchior und Balthasar. Der mitanwesende Herr Prang verpflichtet sich die Lagerstätten dieser Muthungen auf seine Kosten für den Herrn Graf von Bocholtz verleihungsmäßig aufzuschließen und von heute an alles dasjenige zu besorgen, was zur Aufrechterhaltung dieser Muthungen erforderlich ist. Der Herr Graf von Bocholtz räumt dagegen dem Herrn Prang hiermit das Recht ein, daß Marmorvorkommen an den genannten Stellen für sich zehn Jahre lang auszubeuten. Dieser Zeitraum soll mit dem Tage beginnen unter welchem die Muthung Alme die Belehung erteilt wird. Herr Prang ist aber mit Vollziehung dieses Vertrages von sofort berechtigt und auch verpflichtet, die gedachten Muthungen für sich in Angriff zu nehmen, und die Verleihungsfähigkeit zu bewirken. Ist die Belehnung erfolgt, so ist es ebenso seine Pflicht für den ununterbrochenen bergmännischen Betrieb zu sorgen und alle damit verbundenen Abgaben und Kosten zu tragen und nach Ablauf jener zehn Jahre die Gruben selbst dem Herrn Grafen von Bocholtz zurückzugewähren. Als Vergütung für das dem Herrn Prang hier abgetretene Recht zahlt derselbe jährlich zehn Silbergroschen.
§ 2 Der Herr Graf Bocholtz verpachtet ferner dem Herrn Prang seinen bei Alme gelegenen sogenannten oberen Hammer, auf die nämliche Dauer von zehn Jahren für jährlich zwanzig Silbergroschen und gestattet demselben diesen Hammer in eine Marmorschleiferei umzuwandeln. Der Hammerplatz und der Hammergraben sind in das Nutzungsrecht des Pächters mit eingeschlossen und darf derselbe namentlich den Hammerplatz beliebig zu dem gedachten Zwecke bebauen. Durch die Benutzung des Treiberwassers Seitens des Pächters darf der Verpächter in keiner Weise in der Benutzung desselben Wassers zur Beflößung seiner Wiesen eingeschränkt werden. Die im gedachten Hammer jetzt befindliche Baltzstampfe nebst der erforderlichen Wassertriebkraft bleibt zur Verfügung des Herrn Verpächters nach wie vor fortbestehen, jedoch soll es dem Pächter überlassen bleiben, dieses Werk beliebig zu verlegen, so bald solches in einer zweckentsprechenden Art geschieht, wobei aber das Urteil des Herrn Verpächters allein maßgebend und entscheidend sein soll. Dem Pächter ist es gestattet jetzt schon sogleich den Hammer in Besitz zu nehmen und seine Dispositionen für den gedachten Zwecke dort einzuführen.
§ 3 Dem Herrn Prang wird ferner gestattet auf dem Territorium der Herrschaft Alme noch andere Marmorlagerstätten aufzusuchen. Er ist aber verpflichtet, solche dem Herrn Grafen von Bocholtz zur eigenen Muthung anzuweisen. Herr Prang darf also von einem solchen Punkte weder für sich noch für dritte Gebrauch machen, und soll eine Verletzung dieser Vertragsbestimmung die sofortige Auftebung des ganzen vorliegenden Vertrages zu Gunsten des Herrn Grafen von Bocholtz zur Folge haben. Dagegen aber soll auch Herr Prang das Recht haben ein jedes solches neues Vorkommen während der vorhin stigulierten zehn Jahre für sich frei ausbeuten, wogegen ihm aber auch dieselben Verpflichtungen obliegen welche er bei dem Eingangs genannten Muthungsgruben übernommen hat.
§ 4 Herr Prang verspricht zu den Arbeiten in den Marmorgruben sowohl als bei der Schleiferei vorzugsweise nur Arbeiter aus Alme zu beschäftigen und heranzubilden, soweit solches nach Lage der Sache überhaupt thunlich erscheint.
§ 5 Nach Ablauf der stigulierten zehn Jahren muß Herr Prang den verpachteten Hammer nebst Zubehör in dem jetzigen Zustand an den Herrn Grafen von Bocholtz zurückgewähren und alle zur Schleiferei gemachten Anlagen auf seine Kosten wieder wegzuräumen, falls hierüber keine weitere neue Einigung unter ihnen erfolgen sollte. - Auf Erstattung des Anlagekosten - diese mögen Namen haben wie sie wollen - hat Herr Prang unter allen Umständen keinen Anspruch.
§ 6 Die durch den vorliegenden Vertrag stigulierten Rechte und Verpflichtungen sollen gegenseitig auf die Erben übergehen. Ausfertigung wünschen beide Theile auf Kosten des Herrn Prang. Es versteht sich von selbst, daß dem Herrn Grafen von Bocholtz das Recht vorbehalten bleibt, die selben Marmorbrüche für sich zur Gewinnung von Marmorsteinen, Pflastersteinen und zum Kalkbrennen zu benutzen; auch soll dem Herrn Prang erlaubt sein auf jeder Grube einen Kalkofen anzulegen und den nicht nutzbaren Marmor zu Kalk für seine Rechnung zu brennen.“ (ASA A 6986).
Nicht im Vertrag geregelt wird die Nutzung des auf Almer Territorium befindlichen Quarzsandes, der zum Sägen der Marmorblöcke unerlässlich ist. Sehr harte und verkieselte Sandsteinblöcke kommen als Relikte küstennaher Ablagerungen der oberen Unter- und unteren Oberkreide im Madfelder Holz etwa 2,4 Kilometer ostsüdöstlich von Brilon-Alme vor (Paeckelmann 1936c, S. 30; Kaplan et al. 2018, S. 218). Ein 5,5 Hektar großes Pingenfeld zeugt auch heute noch von der Gewinnung als örtlicher Naturbaustein (Abb. 59). Seine Blöcke (Abb. 60) müssen vor dem Einstreuen beim Sägen „ zerstoßen “ werden. J.B. Prang erhält mündlich die unentgeldliche Nutzungserlaubnis von D. Graf von Bocholtz (ASA A 6285).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 59: Abbaustelle des quarzitischen Sandsteins zur Herstellung von Quarzsand zum Schneiden der Marmorblöcke im alten Hammer von Alme, Untercenomanium, Oberkreide, Brilon- Alme, Almerfeld.
Ebenso wie Anfang der 1850er Jahre F.J. Bonzel mit der Übernahme der Mecklinghäuser Marmorgruben zugleich eine Marmorschneidmühle errichtet, pachtet J.B. Prang den südlich der Almer Kirche in der Aue der Alme gelegenen Eisenhammer
Abb. 60: Handstück des quarzitischen Sandsteins zur Herstellung von Quarzsand zum Schneiden der Marmorblöcke im alten Hammer von Alme, Untercenomanium, Oberkreide, Brilon- Alme, Almerfeld.
(LAV NRW W Karten A 12751) für die Weiterverarbeitung der Rohblöcke. Alle anderen Muter unternehmen diese für die Verarbeitung und Vermarktung entscheidenden Schritte nicht. Vor allem mangelndes Kapital, schlechte Verkehrsanbindungen und auch Schwierigkeiten, an Quarzsand zu gelangen, werden die Gründe sein, weshalb die Verwertung ihrer Marmorvorkommen ins Leere läuft.
Lage der Abbaustelle am Nehder Kopf ist in der Katasterkarte von 1866 als kleines, eigenes Flurstück VII 99 vermerkt (LAV NRW W 051 / Karten A (Allgemein), Nr. 38006).
Abb. 61: Bergamtliche Vorladung zur Fundpunktbesichtigung der Marmorgrubenfelder Almerfeld, Caspar, Melchior und Balthasar Oktober 1858 (ASA A 4813).
Bereits im Oktober 1858 geht beim Briloner Rechtsanwalt und Notar Kaiser die Vorladung des Berggeschworenen Buff (*1826, f1906) (LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 883, LAV NRW W Q 440t / Kreisgerichtskommission Meschede / Testamente) zur
Besichtigung und Feststellung der Fundpunkte der Mutungen Caspar, Melchior, Balthasar, Almerfeld bei Alme, Treffpunkt Gastwirt Krüper zu Brilon, ein (ASA A 4853) (Abb. 61). Für das Feld Alme im August 1858 nimmt D. Graf von Bocholtz persönlich teil (LOBA Alme), für die Feldbesichtigungen der anderen Marmormutungen im Februar 1860 beauftragt er als Vertreter Rechtsanwalt Kaiser. Der berichtet J.B. Prang, die Mutungen Almerfeld und Caspar seinen „ taub “, auch die Mutung Sylvester wird nicht verliehen (ASA A 6285). Deshalb tragen nur zwei der verliehenen Marmorgrubenfelder den Namen der drei heiligen Könige. Vor der Verleihung der drei übrigen Mutungen Alme, Balthasar und Melchior legt das Bergamt Siegen dem Bonner Oberbergamt jeweils einen Bericht vor. Verliehen werden diese im September 1860 (LOBA Alme, Balthasar, Melchior).
Die Rechnungen mit den Verleihungsgebühren der drei Gruben gehen November 1860 an D. Graf von Bocholtz. Sie betragen für die Gruben Balthasar und Melchior pro Grube zwei Thaler ein Silbergroschen Verleihungsgebühr und ein Thaler Rezess-Geld [jährliche Bergwerksabgabe], für die Grube Alme zwei Thaler 19 Silbergroschen Verleihungsgebühr und ein Thaler Rezessgeld (ASA A 6285). J.B. Prang beginnt wie im Vertrag mit D. Graf von Bocholtz festgeschrieben mit dem Aufbau der Marmorproduktion. Ein Ausschnitt aus der Uraufnahme der topographischen Karte 1:25000 Blatt 4517 Alme, 1836 - 1850, zeigt die Lage der Fundpunkte und Marmorgruben, der Abbaustelle des Quarzsandes und des alten Hammers als Marmorschneidwerk (Abb. 62). Die Die örtlichen Behörden werden neugierig. Der Briloner Amtmann Esser erkundigt sich bei J.B. Prang. Sein Geschäftsführer W.J. Peters antwortet im April 1861: „Auf Ihro Wohlgeboren Ersuchen hierdurch den gewünschten Aufschluß über der Sachlage des Marmorgeschäfts zu Alme. Vor ungefähr 2 Jahren wurde J. Prang dadurch, daß bei einem Straßenbau Kalkstein resp.: Marmor zu Tage gefördert wurde, veranlaßt (nachdem ihm D. Gr. v. Bocholtz ein Mustergetäfle zur Verfügung gestellt) zu Alme auf Marmor zu muthen. Es fanden sich an der Oberfläche schon gleich schöne Stücke, dies ermuthigte J. Prang, mit großen Kosten die erforderlichen Gebäulichkeiten f. Maschinen und Werkstätten hinzustellen, so wie denn auch die Sägemaschinen selbst; und sind die letzteren jetzt vollendet und wird am ersten Mai mit dem Zersägen der Blöcke begonnen. In diesen zwei Jahren hat man nur beim Aufschließen der Brüche auf manche nicht vorherzusehend Hinderniße gestoßen, so daß das Öffnen der Brüche emense Ausgaben verursachten, und Monate lang fast ohne jeden Erfolg gearbeitet werden mußte.
Der Marmor ist aber so schön und so lind wie man solchen in bunten Farben nicht schöner in Belgien u. Italien findet.
Der Marmor findet sich in verschiedensten Farben, schwarz mit weißen Adern, ganz schwarz, dunkelgrau mit rothen Adern, fleischfarben (kristalinisch), roth, roth und grau meliert hell blau mit rothen Flecken, grau und weiß meliert, dunkel grau mit den schönsten Pflanzen abdrücken, schwarz mit roth u. gelb meliert. Die Brüche sind zum großen Teil noch unwegsam, und deshalb der Transport sehr kostspielig. Beim grobe Sägen hat es sich ergeben daß sich der Marmor gut schneidet und daß sich die Wasserkraft wie auch die Messer gut bewähren.
Aus den gewonnenen Blöcken fabrizieren wir: Säulen, Grabmonumente, Trittstufen, Taufsteine, Weihwassersteine, Fontainen, Ornamente und Statuen. Aus den geschnittenen Platten werden Flurbelege, Wandgetäfel, Sockel, Möbelplatten, Waschtische, Uhrgehäuse, ?ipfsachen etc. angefertigt. Auch verbindet J. Prang mit dem Marmorgeschäft eine Holzbildhauer Werkstätte, aus welcher die schönsten Kirchenmöbel, wie Altäre, Kanzeln & ..., welche aber ebenfalls arg im Entstehen begriffen ist.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 62: Brilon Alme, Fundpunkte der Marmorgrubenfelder, der Abbaustellen für Marmor, des Quarzsandes und des Marmorschneidwerks von J.B. Prang, ab Juni 1863 J.B. Prang & Comp., betrieben 1858-1863, Kartenausschnitt https://www.tim-online.nrw.de/tim-online2/ .
Die Zahl der Arbeiter hat sich bis jetzt bei der Belage durchschnittlich zu 30 bis 40 zirka gestellt. Wird aber die Zahl der activen Arbeiter einstweilen nicht 25 überschreiten. Da von sind die meisten Arbeiter aus Alme, die anderen von Cöln, Düsseldorf u. Belgien“ (LAV NRW W Kreis Brilon, Landratsamt, Nr. Mit diesem Sortiment steht J.B. Prang zu der Zeit im Sauerland nicht allein dar. Die bereits oben erwähnte „ Nuttlarer-Antfelder Dachschiefer und Schieferplatten Commamandit-Gesellschaft W. Gessner & Co.“ bietet neben Dachschiefern verschiedener Formate unter anderem auch Fliesen, Platten, Wandbekleidungen, Tür- und Fenstergewänder, Treppenstufen und Säulen aus Schiefer an (LAV NRW W U 194 Nr. 3422) (Abb. 58). Zur werbenden Selbstdarstellung beider Firmen passt, dass sie 1862 zur Londoner Weltausstellung Musterplatten einreichen. J.B. Prangs Marmorplatten werden aufgelistet unter: „ 815. PRANG, J. B. Münster, Alme, near Brilon. - Slabs of marble “ (International Exhibition 1862 Official Catalogue Industrial Department, 1862, S. 265). Die hohe Nummer macht klar, dass er nur ein kleiner Aussteller unter vielen anderen ist, und damit verwundert es nicht, dass er im illustrierten Katalog nicht weiter erwähnt wird (Hamm 1863, S. 148, 160, 212).
Das Interesse von D. Graf von Bocholtz an der Marmorproduktion wirft die Frage auf, ob das eine oder andere Produkt den Weg in seine Schloss bei Alme gefunden hat. Ein Inventarverzeichnis von 1868 (LAV NRW W Q 413 / Kreisgericht Brilon, Nr. 5) listet kleinere Tische mit schwarzen Marmorplatten sowie in der Küche einen Marmormörser mit Holzgestell, auf für die eine Herkunft aus den gräflichen Marmorgruben nicht ausgeschlossen ist. 1861 verstirbt D. Graf von Bocholtz. Sein Sohn Wilhelm Graf von Bocholtz (*1833; +1890)
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 63: Marmorbrüche des Marmorgrubenfeldes Theresia im Übersichtsplan der oberen
Ruhrtalbahn, Strecke Bahnhof Brilon - Bredelar, 1868, HStAM, 605/1, PII1853.
(Wilhelm von Bocholtz-Meschede [online]) hält sich als königlicher Kammerherr vorrangig in Berlin auf (ASA A 6285). So verhandeln ab 1862 dessen Oberverwalter Osthues und J.B. Prang über eine Verlängerung des Pachtvertrags. Osthues verlangt drastisch erhöhte Pachten. Für J.B. Prang beginnt sich neu zu orientieren. So vermerkt beiläufig der Briloner Amtmann Esser Ende September 1862 auf einem Schreiben: „ Der Besitzer der Marmorschleiferei zu Alme den als Marmorschleiferei genutzten alten Hammer will er statt 20 Silbergroschen [= 2/3 Thaler] nun jährlich 50 Thaler, für alle aufgeschlossenen Steinbrüche jährlich statt zwei nun fünf Thaler. Dazu soll Prang sich verpflichten, die zur Marmorsuche freigeschürften Aufschlüsse nach Möglichkeit einzuebnen. Auch soll J.B. Prang nach Ablauf des Vertrags von 1858 für den alten Hammer als Entschädigung 100 Thaler in bar an die Almer Renteikasse zahlen. Zwar bemüht sich J.B. Prang noch im Oktober 1862 um eine Vertragsverlängerung, weil, wie er schreibt, ein möglicher Companion für das Marmor-Etablissement darauf drängt (ASA A 6285). Doch kommt es nie dazu und die geforderten Summen sind im Vergleich mit den nachfolgend ins Spiel gebrachten Beträge Peanuts.
hat die Marmorbrüche im Hoppekethal gemuthet und beabsichtigt bei Messinghausen eine Marmorschleiferei anzulegen “ (LAV NRW W Kreis Brilon, Landratsamt, Nr. 1402). In der Tat zeigt die Karte der oberen Ruhrtal-Eisenbahn östlich von Messinghausen zwei kleinere Marmorbrüche am Fundpunkt des Marmorgrubenfeldes Theresia (Abb. 63; HStAM, 605/1, P II 1852), die heute existieren. Doch diese Marmorschleiferei wird nie errichtet. Hinter dem Companion für das Marmor-Etablissement verbergen sich zwei illustre Geschäftsmänner, mit denen er am 11. Oktober 1862 die „ Firma Prang & Comp. mit Sitz in St. Mauritz bei Münster, Zweigniederlassung in Alme “ gründet (3061 Abb. 00706; LAV NRW W Kreis Brilon, Landratsamt, Nr. 1402), die wenig später „ Firma Prang et Comp. zu Münster (Kirchspiel St. Mauritz), Offene Gesellschaft zur Gewinnung und zum Verkaufe von Marmor “ tituliert (LOBA Poppenberg, Baptist, Eva I). Neben ihm sind der Rentner Johann Ferdinand Josef Karthaus (*1821; f1894), Münster-St. Mauritz, und der Rentner Johann Lambert Josef Knagge (*1807; f1893), Wiesbaden, Gesellschafter. Rentner bedeutet zu diesen Zeiten, dass beide von der Rendite ihrer Kapitalanlagen leben, und diese haben sie bereits in jungen Jahren in den südostasiatischen niederländischen Kolonie Java erworben, wo sie sich aus der Community der niederländischen Geschäftsleute kennen. J.B. Prang und J.F.J. Karthaus begegnen sich in den 1850er Jahren im noch kleinstädtisch übersichtlichen Münster. J.B. Prang, J.F.J. Karthaus sowie J.J.L. Knagge geht es nicht mehr um die Fortsetzung der bescheidenen Anfänge bei Brilon-Alme. Sie beabsichtigen deren massive Ausweitung zu einer industriellen Marmorproduktion und steigen als clevere und erfolgreiche Kaufleute mit nicht geringen Gewinnerwartungen in das Marmorgeschäft ein. Der Gesellschaftsvertrag liegt nicht vor. Doch geben die Gewerkenlisten [Liste der Anteilseigner eines Bergwerks] der drei ersten an diese Gesellschaft verliehenen Marmorgrubenfelder bei Brilon Auskunft über deren Anteile (LOBA Karthaus, Poppenberg, Romberg). Von insgesamt 128 Kuxen [Anteile an einem Bergwerk] besitzen J.B. Prang und J.F.J. Karthaus mit ihren Ehefrauen je 48 [= 37,5 %] sowie J.L.J. Knagge 32 [= 25 %]. Dass das Grundkapital nicht gering sein wird, geht aus dem Kauf des Victoriawerks und des Liethammers bei Allagen hervor, der wie der Almer Hammer aber wesentlich größer zur Marmorproduktion umgebaut wird. Dessen Geschichte stellt F. Ferber dar (Ferber, F: Haus Dassel [online]). Er wurde 1841 von T. Thiele gegründet, geht in den Besitz von V. Röper über. Nach dem Konkurs der Röper-Werke ersteigert der Gewerke Theodor Ulrich aus Marsberg-Bredelar (*1790; f1871) 1862 sie mit allen Liegenschaften, Gebäuden und Einrichtungen für 40 000 Thalern bei einem Schätzwert von 102 881 Thaler, 8 Silbergroschen, 9 Pfennig (Ferber, F.: Haus Dassel [online]). Dieser Zugriff ist reine Spekulation. Denn bereits im Juli 1863 verkauft er laut notarieller Kaufurkunde für 29000 Thaler das Victoriawerk, den Liethammer nebst Zubehör und Teile der Liegenschaften an die Firma Prang & Co. (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49, Blatt 83). Da mit dem Kauf keine Hypothekendarlehen vermerkt werden, gehen wir davon aus, dass nicht nur die Kaufsumme sondern auch die weiteren Investitionen in den notwendigen Maschinenpark sowie die nun beginnenden kostspieligen Mutungen von Marmorgrubenfeldern aus dem Startkapital der neu gegründeten Firma stammen, geschätzt etwa 40000 Thaler, von dem vermutlich J.B. Prang und J.F.J. Karthaus je 15000 Thaler und J.J.L. Knagge 10000 Thaler zuschießen.
Mutung und Verleihung von 63 Marmorgrubenfeldern durch J.B. Prang & Co.
Noch vor Gründung der Firma Prang & Co. im Oktober 1862 aber offensichtlich in Absprache mit seinen Compagnons beginnt J.B. Prang nach der Pachtung der drei Marmorgrubenfelder von D. Graf von Bocholtz mit der Mutung eigener Marmorgrubenfelder, die letztendlich zu 63 bergrechtlichen Verleihungen führen (Tab. 5; LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49, Blatt 83). Der Beginn der Mutungen ist schon ein kleiner Paukenschlag, als J.B. Prang am 19. August 1862 im Stadtberger [MarsbergNiedermarsberg] Bergrevieramt erscheint und gleich fünf Gruben mutet. Da der Berggeschworene W. Groppe (*1830; f1890) nicht anwesend ist, protokolliert Bergeleve T. Hagen (*1830; im preußischen Bergamt bis 1870) mit Zeitangaben die Anträge (LOBA Romberg, Baptist, Poppenberg, Karthaus). Der Tag beginnt um 9:00 Uhr mit Feld Romberg bei Brilon. Es schließt sich um 9:30 Uhr Feld Baptist bei Brilon-Messinghausen an. Dann folgt wohl eine Pause, da es erst um 11:00 Uhr mit Feld Baptist und um 12:00 Uhr mit Feld Poppenberg bei Brilon weitergeht. Nach einer zweiten, offensichtlich längeren Pause, über die man spekulieren kann, findet die Mutungsserie um 16:00 Uhr mit Feld Karthaus bei Brilon ihren Abschluss (LOBA Romberg I, Baptist, Poppenberg, Karthaus). Dazwischen muss Feld Emma I liegen, für das keine Uhrzeit vorliegt (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 108). Bearbeitet werden die Anträge durch den Bergeleven T. Hagen, rechtskräftig unterzeichnet durch den Berggeschworenen W. Groppe.
Augenfällig ist in allen Mutungsanträgen der Vermerk, die Vorkommen seien zufällig gefunden worden. Dagegen zeigen sich recht klare räumliche und zeitliche Vorgehensweisen bei den Mutungen im Raum Meschede - Eslohe, Warstein, Brilon und Marsberg zwischen 1857 und 1865 (Karte 8; Tab. 6), die die Massenkalkvorkommen des Warsteiner und Briloner Sattels nahezu vollständig abdecken.
Die Bearbeitungsdauer von der Mutung bis zur Verleihung spannt eine große Bandbreite, die aber nicht nur dem Bergamt anzulasten ist, sondern oft damit zusammenhängt, dass die Muter die notwendigen Unterlagen nur schleppend einreichen. Die durchschnittlichen Daten für einige ausgewählte Marmorgrubenfelder werden in Tab. 7 zusammengefasst. Danach beträgt die Zeitspanne von der Einlegung der Mutung bis zur Fundbesichtigung 19 Tage, bis zur Feldesbesichtigung 307 Tage. Die nachfolgende Bearbeitung im Oberbergamt Bonn dauert 53 Tage. Insgesamt beträgt der durchschnittliche Zeitraum von der Mutung bis zur Verleihung eineinhalb Jahre. Dabei zieht sich die Verleihung der zuerst von den Gewerken Graas, Steinmetz und Schmidt etwa zwei bis vier Kilometer südöstlich und nordwestlich von Brilon gemuteten vier Felder etwa fünf Jahre und 7 Monate hin. Nachfolgend legt D. Graf von Bocholtz fünf Mutungen auf seinem Grundbesitz bei Brilon-Alme ein, von denen drei verliehen werden (ASA A 4853). Deren Verleihung dauert durchschnittlich zwei Jahre drei Monate. Durch J.B. Prang folgen bis Anfang Mai 1863 30 erste Mutungen. Diese werden wie die nachfolgenden Mutungen in etwa einem Jahr abgearbeitet.
Dann wirbt J.B. Prang den Bergeleven T. Hagen 1863 vom Bergamt Siegen ab, den er vom Bergrevieramt Stadtberge [Marsberg-Niedermarsberg] kennt, und der sich für diese Tätigkeit beurlauben lässt „Dem Königlichen Ober-Bergamt zu Bonn erlaube ich mir ganz gehorsamst die Bitte vorzutragen, mit vom 15. Juni C. an auf 1 Jahr ... Urlaub erwirken zu wollen, da ich während dieser Zeit mich als Revierrepräsentant und Betriebsführer der Gewerkschaft von den Marmorgruben und - muthungen bei Alme, Brilon und Kallenhardt zu beschäftigen beabsichtige“ (LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 538). J.B. Prang setzt ihn intensiv bei der Prospektion von Mutungen und für Feldesbesichtigungen von 28 Marmorgrubenfeldern ein (Tab. 00105). Im Juni 1863 mutet T. Hagen als erstes Feld Drewer bei Rüthen-Drewer für J.B. Prang & Co. (LAV NRW W Q 564b / Amtsgericht Rüthen / Berggrundakten, Nr. 27). Ohne seine Ortswissen hätten J.B. Prang & Co. nie im entlegenen, isolierten und kleinräumigen Massenkalkvorkommen nordwestlich von Scharfenberg bei Brilon das Marmorgrubenfeld Gut Heil gemutet (Karte 6; LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 98). T. Hagen kennt sicherlich den dortigen Kalkofen und die unmittelbar westlich angrenzenden Eisensteinpingen. Ohne seine bergmännischen Kenntnisse wären die Mitverleihungen auf Zinkerz in den Marmorgrubenfeldern Helene und Kallenhardt nie geschehen (Bergbauberechtigungen in NRW [online]). Für die Feldesbesichtigungen erhält er stets die notwendigen Vollmachten. So kommt es zu Situationen, dass T. Hagen im Dezember 1862 noch als Bergeleve die Mutung Eva I bei Rüthen-Kallenhardt protokolliert und dann im Juni 1863 W. Groppe, seinen alten Chef, wenige Monate später für seinen neuen Arbeitgeber um die Feldbesichtigung bittet und diese auch abwickelt. Im Schriftverkehr und Protokollen der Mutungsakten sind die Anschreiben an T. Hagen in Rüthen adressiert. Im Rüthener Stadtarchiv und in den Kirchenbüchern finden sich keine Hinweise auf ihn (frdl. pers. Hinweis Sommer, Stadtarchiv Rüthen). Im Januar 1864 wird Hagen zum Repräsentanten für die Gruben Alme, Melchior und Balthasar ernannt, bei deren Revision durch den Berggeschworenen W. Groppe im Juli 1862 führt er noch das „Beprüfungsprotokoll“ (LOBA Akte Alma). T. Hagen mutet bis Ende Juli 1864 28 Felder. Er scheidet August 1864 nach Ende seiner verlängerten Beurlaubung aus.
J.B. Prang beginnt mit seinen Mutungen im Sommer 1862 schwerpunktmäßig östlich von Brilon im Grenzbereich von Briloner Hochfläche und dem Diemelbergland. Einen weiteren Schwerpunkt hat er noch bei Kallenhardt und Suttrop östlich von Warstein. Als T. Hagen für ihn die Mutungen fortsetzt, liegen dessen Schwerpunkte nordöstlich von Brilon, südlich von Warstein sowie westlich von Meschede. Prang selbst schließt die Mutungsserie nach dem Ausscheiden von T. Hagen aus seiner Firma Juli 1864 östlich von Meschede ab (Tab. 6). Da das neue preußische Bergrecht am 1. Oktober 1865 in Kraft tritt, kann er zwei weitere kleine Warsteiner Gruben, Dahlborn und Lohbusch (SAW, C 957; Karte 5) nach dem Abgrabungsrecht betreiben.
Die beständige regionale Aufeinanderfolge einzelner Mutungen und die nicht seltene gleichzeitige Einlegung mehrerer oft benachbarter Mutungen legen nahe, dass beide sehr planmäßig vorgehen. Sie besitzen damit nicht nur eingehende Geländekenntnisse und wissen augenscheinlich sowohl über die regionalen Kalksteinvorkommen als auch in ihnen anstehende Felsklippen, Schürfungen, Stollenmundlöcher wie auch im Gebiet von Warstein bestehende Steinbrüche (SAW, C Nr. 331) recht gut Bescheid. Denn diese dienen nicht selten als Fundpunkte ihrer Mutungen, weil sie für die Feldbesichtigungen zur Verleihung nicht aufwendig frei geschürft werden müssen. Allerdings fehlt beiden das geologische Wissen über die weit verbreitete tektonische Zerrüttung der sauerländischen Gesteinsformationen, die eine industrielle Ausbeutung der Marmorvorkommen nur selten zulassen wird.
Die J.B. Prang & Co. verliehenen Marmorgrubenfelder besitzen eine große geographische Verbreitung. Vom westlichsten Marmorgrubenfeld Abraham bei Meschede-Berge (Karte 4) bis zum östlichstem Marmorgrubenfeld Lüling bei Marsberg-Giershagen (Karte 7) sind es 44 km Luftlinie, vom südlichsten Marmorgrubenfeld Kronprinz von Preußen bei Meschede- Wehrstapel (Karte 4) bis zum nördlichsten Drewer bei Rüthen-Drewer (Karte 5) 17 km. Dabei werden das Massenkalkvorkommen des Warsteiner Sattels bei Warstein und Rüthen- Kallenhardt flächendeckend (Karte 5) und des Briloner Sattels bei Brilon bis Marsberg-Padberg zu weiten Teilen mit an J.B. Prang & Co. verliehenen Marmorgrubenfeldern abgedeckt (Karte 6 und 7). Insgesamt verteilen sich die an J.B. Prang & Co. verliehenen Marmorgrubenfelder über annähernd 300 km[2]. Für nicht wenige der verleihenden Marmorgrubenfelder wird
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Abb. 64: „Plattenbruch“ im Marmorgrubenfeld Eva I bei Rüthen- Kallenhardt - Warstein-Suttrop, Mitteldevon, Givetium, Hagen-Balve-Formation, , tieferer Anteil des Massenkalks.
bereits 1864 „ eine Betriebsfrist auf unbestimmte Zeit vorbehaltlich einer dreimonatigen Kündigung ertheilt ...“, sie werden erst gar nicht in Betrieb genommen (z.B. LOBA Romberg, Theresia I, Kain, St. Petrus, Alexander, Alte Haus, Hüttenberg). Leider ist die Führung der Bergakten nicht immer kohärent, so dass nicht im Detail angegeben werden kann, welche Marmorgrubenfelder gefristet werden.
Mutung, Verleihung und Abbau von Marmorgrubenfeld Eva I bei Rüthen-Kallenhardt
Das Marmorgrubenfeld Eva I bei Rüthen-Kallenhardt ist mit der Bergamtsakte, der Berggrundakte und Briefwechseln, diese im Archiv Fürstenberg Körtlinghausen, gut dokumentierte (LOBA Eva I, LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 45; AFK A 3385; Karte 5; Abb. 64). So lassen sich die Vorgänge um Mutung, Verleihung und Betrieb einer Marmorgrube anschaulich nachvollziehen. Der
Beginn scheint wenig spektakulär. J.B. Prang sendet am 10. Dezember 1862 von seinem Wohnsitz in Münster-St. Mauritz einen Brief an das Bergrevieramt Stadtberge [= MarsbergNiedermarsberg]. Formlos legt er beim Bergrevierbeamten, den Berggeschworenen W. Groppe, Mutung auf ein Marmorvorkommen bei Rüthen-Kallenhardt ein, die im Nachgang in Eva I umbenannt wird. Der Fundpunkt liegt am Suttroper [heute Warsteiner] Weg am Kliev (Abb. 65). Er äußerte die Bitte, sie möglichst bald zu besichtigen. Sie gehörte zu einer Serie von Mutungen. Bereits drei Tage vorher, am 7. Dezember, hat er das nördlich gelegene Feld Elisabeth auf die gleiche Weise gemutet und auch dieses mit einem biblischen Namen versehen. Diese Namensgebung setzt sich fort, als er zehn Tage später am 20. Dezember 1862 9 ¥2 Uhr vormittags persönlich im Büro des Berggeschworenen in Stadtberge [MarsbergNiedermarsberg] erscheint und die beiden Mutungen Kain und Abel einlegt, diesmal formgemäß mit Formular, protokolliert von diesem und weiter bearbeitet von T. Hagen (Abb. 66).
Zurück zum Mutungsschreiben, abgesandt am 10.12.1862 und empfangen am 11.12.1862, wird Prangs Antrag bereits am Eingangstag von T. Hagen bearbeitet. Vorrangig geht es um die Eintreibung der Gebühren, die damals noch postalisch über Stempel kassiert wurden:
1. Zum Original ist ein Stempel von 5 Silbergroschen zu kassieren
2. Abschrift dieses Mutungsantrags ist auf 15 Silbergroschen Stempel an Prang zu Legitimation zu vermitteren [senden]
3. Vervollständigung des Mutungsantrags nach Civr. Verf. vom 31. März 1852 § 20 litr. c, f und g exped[iert] nach Form VI
4. Kostenvorschuss von 20 Thaler an H. Schwarze zu Brilon zu leisten exped[iert] nach Form I.
5. 20 Silbergroschen Stempelauflagen
2 % Silbergroschen “ Copialien [Abschreibgebühren]
2 Silbergroschen für Recepisse [Rückschein]
24 % Silbergroschen sind durch Postvorschuss von g. Prang einzuziehen (LOBA Eva I)
Abb. 65: Brieflicher Mutungsantrag für das Marmorfeld Eva I durch J.B. Prang beim Bergrevieramt in Stadtberge [Niedermarsberg] Dezember 1862, LOBA Eva I.
Überraschend schnell ist die weitere Bearbeitungsgeschwindigkeit. Noch am gleichen Tag setzt der Berggeschworene W. Groppe die Fundstellenbesichtigung auf Dienstag, den 23.12.1862 morgens acht Uhr bei Wirt Fitur in Warstein-Suttrop fest. Gleichzeitig wird eine weitere Stempelgebühr von „ Ein Sechstel Thaler 5 Groschen “ von Prang erhoben. Bereits am nachfolgenden 12. Dezember bestätigt Prang in Münster-St. Mauritz den Empfang der Antwort des Berggeschworenen aus Niedermarsberg! Dieser erhält dann am 14. Dezember die Retour Recepisse [= Rückschein] des Einschreibens an Prang. Am
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 66: Formeller Mutungsantrag für das Marmorfeld Kain, persönlich eingelegt durch J.B. Prang beim Bergrevieramt in Stadtberge [Niedermarsberg] Dezember 1862, LOBA Kain.
18.12.1862 beantwortet Prang die Verfügung von W. Groppe, dass das Marmorvorkommen lagerartig sei und legt termingerecht eine am 24.12.1862 auf Transparentpapier handskizierte Karte der Mutung Eva im Maßstab 1:20 000 mit eingezeichnetem Geviertfeld vor (Abb. 67). Den Termin zur Fundpunktbesichtigung ändert H. Groppe zunächst auf den 14. Februar 1862, später auf den 3. März morgens 12 Uhr bei Wirt Oberstadt [später Luig- Oberstadt]. Die Gastwirtschaft lag im Möhnetal bei Rüthen (Spohn 2000, S. 589) an der heutigen Rüthener Bahnhofstraße (frdl. pers. Auskunft F. Sommer, Stadtarchiv Rüthen). Ein Ausschnitt aus der Uraufnahme der topographischen Karte 4516 1:25000 Warstein, 1836 -
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 67: Auf Transparentpapier handskizierte Karte der Mutung Eva im Maßstab 1:20 000 mit eingezeichnetem Geviertfeld Dezember 1862, LOBA Eva I.
1850, veranschaulicht die räumlichen Verhältnisse von Treffpunkt, Fundpunkt und späterer Abbaustelle sowie die Wege (Abb. 68). Mit dem Treffen im Möhnetal erspart er beiden den Umweg über die Stadt Rüthen. Denn ihre Anreisewege sind beträchtlich. H. Groppe hat vom Bergrevieramt in Niedermarsberg etwa 36 Kilometer vor sich, für die er mit einem Pferd etwa zwei Stunden braucht. Reist J.B. Prang direkt aus Münster-St. Mauritz an, kann er bis Lippstadt mit der Eisenbahn fahren, um dann die letzten 26 Kilometer mit einem Pferd zu bewältigen. Dafür braucht er mehrere Stunden. Kommt er allerdings von seinem damaligen weiteren Arbeits- und Wohnsitz in Alme, dem Prang'schen Etablissement (Hölmer 1989, S. 4), liegen 18 Kilometer vor ihm, die er mit einem Pferd in einer Stunde schaffen kann. Es liegt nahe, dass beide bereits am Tag vorher anreisen. Der Weg vom Treffpunkt beim Gasthof Oberstadt bis zur Mutung wird bei einer Länge von sechs bis sieben Kilometer etwa eine halbe Stunde zu Pferd dauern. Gasthöfe als Treffpunkte sind die Regel bei den Fundpunkt- und nachfolgenden Feldesbesichtigungen. Hier können sich Muter, Bergbeamter und weitere Geladene nach den anstrengenden Ritten aufeinander warten, trinken, essen und im Trockenen die erforderlichen Protokolle verfassen. Die kurze Protokollnotiz der Fundpunktbesichtigung vom 20. März 1863, unterzeichnet von W. Groppe und J.B. Prang, vermerkt, dass Prang Kalkbänke vorzeigte, die sich als Marmor verarbeiten lassen. W. Groppe kassierte eine Stempelgebühr von 15 Silbergroschen und zwei für die Recepisse [Rückschein]. Mit dem Tag der Fundpunktbesichtigung beginnt für J.B. Prang eine sechsmonatige Entblößungsfrist bis
Abb. 68: Ausschnitt aus der Uraufnahme der topographischen Karte 1:25000 Blatt 4516 Warstein, 1836 - 1850, mit Treffpunkt, Fundpunkt und späterer Abbaustelle des Marmorfeldes Eva I in Rüthen-Kallenhardt. Kartenausschnitt https://www.tim- online.nrw.de/tim- online2/ .
zum 23. September. Er hatte dafür zu sorgen das Vorkommen so freizulegen, dass die vorkommenden „Minerale“ auf ihre Abbauwürdigkeit begutachtet werden konnten. T. Hagen, als Beschäftigter von J.B. Prang & Co. nun Grubendirektor, Bevollmächtigter und Repräsentant, schreibt fünf Tage nach seiner Beurlaubung beim Bergamt, am 21. Juni 1863 an seinen ehemaligen Vorgesetzten, die Marmormutung Eva sei verleihungsfähig aufgeschlossen, und bittet um ihre Verleihung. Ihr Fundpunkt ist im 20. Jahrhundert wie anderer Marmorgrubenfelder durch einen Steinbruchbetrieb überbaut (Abb. 7). Seine ursprünglichen Abmessungen lässt der erhaltene Schurf am Fundpunkt des Marmorgrubenfeldes Kain bei Brilon-Messinghausen ermessen (Abb. 69). W. Groppe setzt den Termin zur Feldesbesichtigung von Eva und des östlich angrenzenden Feldes Helene auf Freitag, den 24. Juli 1863 nachmittags ein Uhr wieder beim Wirt Oberstadt in Rüthen fest. Neben T. Hagen werden auch der Gewerke und Hüttenbesitzer W. Hammacher, Repräsentant des Eisensteindistriktes Sauerland und W. Bergenthal, Repräsentant des Mühlsteingrubenfeldes Drostenberg durch Post-Insinuations-Dokument [Postzustellungsurkunde] eingeladen. Auf dem gleichen Wege wird ebenfalls Wirt A. Oberstadt in Rüthen benachrichtigt. J.B. Prang stellt für T. Hagen eine Vollmacht aus, für die wieder ein Stempelgeld von 15 Silbergroschen fällig wird. Bei der Feldbesichtigung sind nur W. Groppe und T. Hagen anwesend. Im von beiden unterzeichneten Feldbesichtigungsprotokoll wird die Abbauwürdigkeit des Vorkommens festgestellt. T. Hagen beantragt die Verleihung der Mutung auf den Namen Eva. W. Groppe vermerkte auf dem Verleihungsriss dessen Richtigkeit (Abb. 70). Im Nachgang lässt T. Hagen den Namen der Grube in Eva I umändern.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 69: Schurf zur Freilegung des Marmorvorkommens am Fundpunkt des Marmorgrubenfeldes Kain bei Brilon-Messinghausen für die bergrechtliche Feldverleihung.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 70: Verleihungsriss des Marmorgrubenfeldes Eva I bei Rüthen-Kallenhardt, Juli 1863, LOBA Eva.
Am 17. September verfasst H. Groppe den Bericht zur Verleihung der Marmormutung Eva I an das Oberbergamt in Bonn mit den Anlagen Aktenheft, Urkundenentwurf, Risskopie (glatt), 2 Stempel a'15 Silbergroschen blanko. Im Schreiben beehrt er sich, dem Oberbergamt die Verleihungs-Vorarbeiten für die Marmormutung Eva I vorzulegen. Die Bearbeitung des Schreibens beginnt am 25. September durch Bergrat A. Achenbach und wird am 1. Oktober abgeschlossen, unterzeichnet von Oberbergrat D. Blume und Bergassessor Dr. R. Stein. Durch das königliche Oberbergamt „ wird dem J.B. Prang zu Münster das Bergwerks Eigenthum des Bergwerks Eva I mit einer Fundgrube von zweiundvierzig Lachtern ins Gevierte und eintausend einhundert neun und achtzig -^ Maaßen, jede zu vierzehn Lachtern ins Gevierte sowie dieses Feld auf der angehefteten Karte nach seiner Lage und seinen Grenzen bezeichnet ist, zur Gewinnung alles darin vorkommenden Marmors nach Vorschrift der churkölnischen Bergordnung vom Jahre 1669 und des Gesetzes vom 1. Juli 1821 ... verli ehen“ (LOBA Eva I) (Abb. 71).
Abb. 71: Deckblatt der Verleihungsurkunde des Marmorfeldes Eva bei Rüthen-Kallenhardt, Oktober 1863 (LOBA Eva I, S. 17).
Für jedes Marmorgrubenfeld wird nach altem Bergrecht eine Fundgrube von „42 Lachter ins Quadrat“ (Veith 1871a, S. 209) und ein darum gelegtes Grubenfeld mit dem Recht, allen dort vorhandenen Marmor zu gewinnen (Veith 1871a, S. 251) verliehen. Für 69 Marmorgrubenfelder kann deren Größe ermittelt werden (Tab. 8). Für 70 % liegt sie zwischen 91 ha und 103 ha und damit um einen Quadratkilometer, für die restlichen 30 % zwischen 27 ha und 89 ha.
Die Verleihung löst nicht wenige Verwaltungsvorgänge aus. Das stets obligatorische Stempelgeld, diesmal je 15 Silbergroschen für das Feldverleihungsprotokoll und die Verleihungsurkunde, werden kassiert. Beide Dokumente gehen als Original und Kopie an W. Groppe mit dem Auftrag, das Original an den Muter weiterzuleiten. Eine weitere Kopie der Verleihungsurkunde geht an die Hypotheken-Kommission in Siegen zum Eintrag in das Berggrundbuch, in dem das Bergeigentum dokumentiert wird (LAV NRW W Q 564b / Amtsgericht Rüthen / Berggrundakten, Nr. 46), eine an die Oberbergamts-Hauptkasse mit der Bemerkung, dass J.B. Prang der Beliehene ist und er das Recessgeld [jährliche Bergwerksabgabe] von einem Taler ab 1863 zahlen müsse. Die Urkunde muss auch der Oberrechnungskammer zur Eintragung in die Registratur vorgelegt werden, ebenso dem Markscheider zur Vervollständigung der Revierkarte. Mit der Verleihungsurkunde (Abb. 71) wird J.B. Prang bestätigt, vorschriftsmäßig gemutet zu haben, und dass die Bauwürdigkeit des im Bergfreien liegenden Vorkommens nachgewiesen ist. Ihm wird damit nach der Kurkölnischen Bergordnung von 1669 und des Gesetzes von vom 1. Juli 1821 das Bergeigentum verliehen. Damit ist die Akte zur Mutung geschlossen. Nachfolgend wird eine Akte „ betreffend die technische Betriebsleitung und Verwaltung der Grube Eva I “ weitergeführt (diese auch: LOBA Akte Eva I). Deren ersten Eintrag vom 10. Januar 1864 betrifft die Gewerken der Grube: „ Die Firma Prang et Comp. zu Münster (Kirchspiel St. Mauritz), Offene Gesellschaft zur Gewinnung und zum Verkaufe von Marmor “, die alle 128 Kuxen besitzt. Nachfolgend wird T. Hagen, vor wenigen Wochen noch Bergeleve, mit dem Titel eines Grubendirektors zum Repräsentanten der Grube ernannt (LOBA Akte Eva I).
Die Kosten der Mutung und Feldverleihung sind nicht unbeträchtlich. Die Stempelgebühren summieren sich für diese eine Verleihung auf 2 Thaler und 26 ^ Silbergroschen. Dazu kommt der nicht näher erläuterte Kostenvorschuss von 20 Thaler. Wir vermuten dahinter Reisekosten. So berechnet 1844 beispielsweise das Oberbergamt Dortmund dem Gutsbesitzer Ullrich für eine dreitägige Reise des Bergmeisters Hüser mit zweispännigem Wagen und Postillon von Brilon nach Borgentreich 25 Thaler und 2 Silbergroschen (LAV NRW W Nachlass Lentze Nr. 2857). Über einen Zeitraum von fast vier Jahren werden J.B. Prang & Co. 63 Marmorgrubenfelder verliehen. Die Verwaltungsgebühren für die Verleihungen addierten sich auf etwa 1250 Thaler. Jährlich sind bis 63 Thaler Recessgeld für die Gruben, ob betrieben oder nicht, an das Oberbergamt zu entrichten. Dazu kommen noch die Reisekosten J.B. Prangs und T. Hagens. Außerdem müssen Löhne für die Freischürfung der Fundpunkte gezahlt werden.
Die Bearbeitung von Mutungen ist auch im heutigen Sinne ein Verwaltungsverfahren. Betrachten wir die Bearbeitungsdauer der Mutung Eva im Vergleich mit anderen Mutungen im Raum Meschede, Warstein, Brilon und Marsberg (Tab. 7), liegt diese durchaus im Durchschnittsbereich. Zwar ist der Zeitraum von Einlegung der Mutung bis zur Fundbesichtigung mit 103 Tagen recht lang. Durchschnittlich beträgt er 41 Tage, sogar nur zwei Tage bei der sehr schnellen Bearbeitung der Mutungen Kain und Abel. Dafür geht es bis zur Feldbesichtigung mit 226 Tagen bei sonst durchschnittlich 307 Tagen deutlich rascher voran. Die Zeit von der Mutung bis zur Verleihung liegt mit 295 Tagen deutlich unter dem Durchschnitt von etwas mehr als ein Jahr.
Bereits zehn Tage nach der Verleihung nimmt T. Hagen mit Rentmeister Prein auf Schloss Körtlinghausen bei Rüthen-Kallenhardt Kontakt auf. Es soll eine Marmorgrube bei der Stötenburg am westlichen Ende des Feldes Eva eröffnet werden. Das Gelände liegt auch heute noch auf Körtlinghauser Grund, dessen Eigentümer Reichsfreiherr von Fürstenberg- Körtlinghausen ist (Abb. 64; Karte 5). Die Wahl der Abbaustelle ist logistisch motiviert, liegt sie doch über Feldwege angebunden am nächsten zur Marmorschleiferei in Allagen. T. Hagen macht in seinem Schreiben recht deutlich klar, dass nach preußischem Bergrecht der Bergwerkseigentümer das Recht auf Nutzung habe. Er wolle sich mit Prein in Verbindung setzen und strebe eine gütliche Einigung an (AFK A 3385). Es folgt zwischen beiden ein längerer Briefwechsel, bei dem es vorrangig um die jährliche Entschädigung und um die Modalitäten für die Anlage eines Abfuhrweges geht, der auch für Holz genutzt werden soll. T. Hagen schlägt vor, einen vereidigten Gerichtsinspektor hinzuzuziehen. Nach Rücksprache mit diesem fordert Rentmeister Prein 2^ Silbergroschen pro [Quadrat-]Rute [= 14,1846 m[2]], T. Hagen und später J.B. Prang bieten 1^ Silbergroschen. Trotz vorliegender Vertragsentwürfe kommt vorerst keine Einigung zustande, denn am 19.05.1865 will Rentmeister Prein J.B. Prang die weitere Nutzung des Körtlinghauser Grunds untersagen, wenn kein Arrangement erzielt werde. Drei Tage später bittet J.B. Prang um einen Termin mit dem Reichsfreiherrn von Fürstenberg. Über den endgültigen Vertrag liegen keine Angaben vor (AFK A 3385). Trotz dieser laufenden Verhandlungen oder vielleicht auch, um sie zu beeinflussen, beantragt T. Hagen am 15. März 1864 die Fristung von Eva I, da die Gruben Kallenhardt und Fuchs nach und nach in Betrieb gesetzt werden sollen. Dem wird am 24. März 1864 vom Oberbergamt stattgegeben.
Betrieb der Marmorgruben bei Brilon-Alme und Warstein
Zu den Aktivitäten in und um die nun verliehenen Marmorgruben liegen nur wenige Nachrichten vor. Dazu gehören Betriebspläne, die dem Bergrevieramt für das laufende Jahr vorlegt werden müssen. Mit dem Beginn des Marmorabbaus liegen diese lediglich für fünf Gruben vor, für zwei weitere wird immerhin ein Steiger oder Förderungsaufseher benannt. Wir gehen allerdings davon aus, dass auch in weiteren Gruben wie zum Beispiel in den bergrechtlich nicht verliehenen Lohbusch und Dahlborn vereinzelt Rohblöcke gewonnen werden. Nur für 20 Gruben ist die Fristung belegt (LOBA Baptist, Karthaus, Theresia I, Kain, Abel, Verloren, Wilhelm III, St. Maria, Knagge, Lucas, St. Franziscus, St. Petrus, St. Paula, Alte Haus, Hüttenberg I, Fuchs, Wester, Ennecke, Elisabeth, Enkhausen), wobei in einigen später abgebaut wird. Fristung bedeutet nach dem damaligen Bergrecht „ die zeitweise Enthebung eines Bergbauthreibenden von der ihm gesetzlich obliegenden Pflicht zum Beginn oder Fortführung der Arbeiten nach eingelegter Muthung um die Verleihungsfähigkeit (die Bauwürdigkeit der Lagerstätte und die Verbreitung des gemutheten Minerals in dem Muthfelde) nachzuweisen ... “ (Veith 1871a, S. 202). Auch verlangt das preußische Bergrecht, dass für jede Marmorgrube ein Verantwortlicher als „Repräsentant“ benannt werden muss. Diese Rolle übernimmt in der Regel J.B. Prang selbst, nur während seiner Anstellung bei J.B. Prang & Co. fällt T. Hagen diese Rolle zu (LOBA-Akten).
Wie bescheiden die Anfänge des Marmorabbaus sind, geht aus der Mitteilung des Almer Geschäftsführer W.J. Peters an den Berggeschworenen W. Groppe im Juni 1862 hervor: „ Betriebsplan Grubenfeld Alme Grube No. 9. 50 Fuß [= 16 m] von dem Fundpunkte Alme gelegen an der Alme Madfelder Straße soll in dem letzten halben Jahr mit drei Arbeiter betrieben werden, und zwar Tagebau nach Art der Steinbrüche “ (LOBA Alme). Die Grube, obwohl erweitert durch Gesteinsentnahmen für den Straßenbau, existiert noch in ihren geringen Dimensionen (Abb. 00568 Brilon-Alme Fundpunkt). W. Groppe leitet diesen zur weiteren Veranlassung an das Bonner Oberbergamt weiter und erhält ihn mit der vom Direktor und Oberberg-Hauptmann von Dechen versehenen Anmerkung zurück, die Grube innerhalb der nächsten sechs Monate zu befahren und das Befahrungsprotokoll vorzulegen. Prompt setzt der Berggeschworene den Termin fest: „ Auf Montag den 14. Juli c. morgens 8 Uhr bei Wirth Leikopf zu Alme anberaumt, wozu Sie hierdurch vorgeladen werden. Stadtberge [Marsberg] 7/7 62 gez. Hagen “. Anwesend sind Berggeschworener W. Groppe, Bergeleve T. Hagen als Protokollant und Betriebsführer W.J. Peters. Der Weg zur Grube beträgt etwa 4,5 Kilometer, etwa eine Stunde zu Fuß oder 20 Minuten mit dem Pferd. Nach dem kurzen und bündigen Protokoll dauert die Besichtigung wohl auch nicht viel länger:
„I. Aus- und Vorrichtungsarbeiten.
In der Nähe des Fundpunktes der Grube am Wege zwischen Alme und Almerfeld wurde Marmor durch Tagebau aufgedeckt.
II Abbau.
Der Abbau geschah bis jetzt durch Tagebau.
III. Förderung.
Die in diesem Tagebau gewonnenen rohen Marmorblöcke werden auf der Marmorschleiferei zu Alme verarbeitet und sind bis jetzt 57% Kbfuß [Kubikfuß = 1,8 m[3]] Marmor fertig gestellt.
IV. Sonstige Gegenstände
Grubenbild rsp. Situationsplan und Zechenbuch sollen angeschaffi sowie der Marmorbruch dauerhaft und sicher eingefriedet werden“ (LOBA Alme).
Das Protokoll trifft recht gut die statistischen Angaben zu den Anfängen der Marmorförderung im Revier Stadtberge [Marsberg-Niedermarsberg] für das Jahr 1861 in der Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen in dem Preussischen Staate (1862b, S. 146). Danach liefern zwei Gruben, es können nur die bei Alme sein, mit zehn Arbeitern bescheidene 73 Kubikfuß [= 2,25 m[3]] im Wert von 24 Thaler. Zu Beginn der Produktion nimmt das Oberbergamt noch einen Preis von 20 Silbergroschen [= 2/3 Thaler] für einen Kubikfuß an. In einer Kostenberechnung für D. Graf von Bocholtz kalkuliert J.B. Prang für einen guten Block pro Kubikfuß 15 Silbergroschen, fünf Silbergroschen für den Transport zur Fabrik, drei bis vier Silbergroschen für die Bearbeitung plus Transportkosten zur nächsten Station Geseke, zehn Silbergroschen Kosten. Damit verbleiben fünf bis sieben Silbergroschen. Auf eine Intervention des Grafen ermäßigt das Oberbergamt den Kubikfuß auf zehn Silbergroschen (ASA A 6285).
Für die beginnende Marmorproduktion in Alme ist auch ein Blick auf die leitenden Angestellten aufschlussreich. Wenn sie durchschnittlich nur eineinhalb Jahre bleiben, könnte dies ein Indiz auf ein frühkapitalistisch ruppiges Betriebsklima sein. Im November 1860 ist ein Schreiben der Rentei des Grafen von Bocholt „ An den Prang'sehen Geschäftsführer Albershausen “ gerichtet (ASA A 6285) mit der Aufforderung, die an den Grafen gegangenen Rechnungen des Bergamts zu begleichen. Im Juni 1861 beauftragt J.B. Prang den 35jährigen Werkführer W.J. Peters mit den Funktionen als Steiger, Rechnungsführer und Förderungsaufseher. Dieser hatte in gleicher Funktion bei der Actien-Gesellschaft für Marmor-Industrie zu Neanderthal bei Düsseldorf gearbeitet. Ihn lösen im Februar 1863 die Almer G. Wittler als Steiger und Förderungsaufseher und im März 1863 F.H. Fresmann als
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 72: Marmorgrube nahe des Fundpunktes des Marmorgrubenfelds Alme, Brilon-Alme, Mitteldevon, Givetium, Hagen-Balve-Formation, Massenkalk.
Rechnungsführer ab (LOBA Alme). Als Werkführer folgt ihm Oktober 1863 T. Hagen, der auch nur bis August 1864 bleibt. Die für die Arbeit in den Gruben verantwortlichen Steiger wechseln mitunter schon nach wenigen Monaten. Die Größe der ersten Marmorgruben kann nur an den wenigen nicht überbauten und noch in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts aufgelassenen Gruben abgeschätzt werden [Ermittlung der Flächeninhalte mit dem Digitalen Geländemodell-Schummerung (WMS NW DGM-SCHUMMERUNG), mit dem die natürliche Geländeform sehr plastisch dargestellt werden, TIM-online.NRW.de]. Die Grube im Marmorgrubenfeld Alme hat eine Fläche von etwa 450 m[2] (Abb. 72) und die von Melchior etwa 330 m2 (Abb. 73). Die geringe Größe der Gruben korrespondiert mit den oben dargestellten kleinen Produktionsmengen. Dass in ihnen nicht alles rund läuft, legt die recht harsche Aufforderung des Berggeschworenen W. Groppe September 1864 an J.B. Prang nahe:
„Auf Anzeige des Baumeisters Schülken zu Brilon, daß die Marmorbrüche an der Madfeld Almer Straße für Fuhrwerke gefährlich, so fordere ich Sie hiermit auf, da diese Brüche in dem Grubenfelde der Marmorgrube Alme liegen, längstens binnen 14 Tagen von heute ab für vollständige Sicherstellung obiger Brüche Sorge zu tragen. Zugleich fordere ich Sie hierdurch auf, für die Marmorgruben Alme, Melchior und Balthasar bei Alme binnen 4 Wochen von heute einen qualifizierten Betriebsführer / Steiger / Rechnungsführer und Förderungsaufseher hierorts in Vorschlag zu bringen“ (ASA 6986).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 73: Marmorgrube und Fundpunkt des Marmorgrubenfelds Melchior, Brilon-Alme, Mitteldevon, Givetium, Hagen-Balve-Formation, Massenkalk, Schwelmfazies.
Die Anzeige von Baumeister Schülken ist eine Retourkutsche gegen W. Graf von Bocholtz, der sich wegen angeblicher Grenzüberschreitungen und unerlaubter Gesteinsentnahmen aus den Steinbrüchen beim Bau der Kreisstraße auch namentlich über ihn beschwert (LAV NRW W Kreis Brilon, Landratsamt, Nr. K 307). J.B. Prang teilt dem Grafen mit, dass die Sicherstellung der Gruben dessen Aufgabe sei. Für die Personalmaßnahmen braucht J.B. Prang etwas länger. Erst im Dezember 1864 schlägt er in Abstimmung mit dem Grafen die Almer A. Franke als Steiger und C. Neuhaus als Rechnungsführer vor (ASA 6986). Nach gleichlautenden Betriebsplänen von Januar 1865 ist geplant, in den Gruben Alme, Balthasar und Melchior nach Art des Steinbruchbetriebs an einzelnen Förderpunkten zu arbeiten (ASA 6986, LOBA Alme, Balthasar und Melchior). In einem 1877 ausgetragenen Rechtsstreit innerhalb der Familie von Bocholtz um die Bergrechte an den Marmorgruben sagen die Arbeiter Adolph Kahle, Heinrich Wittler und Philipp Schulte, alle Niederalme, sowie Bernhardt Ellerbracht, Oberalme, aus, „ dass nach dem Jahre 1863 in den fraglichen Marmorbergwerken [Alme, Melchior und Balthasar] eine Gewinnung des Marmors nicht mehr stattgefunden habe, daß aber auch vorher und nachher Kalksteine und Mauersteine zu Häuserbauten etc. von Werkleuten genommen worden sind “ (ASA 6087).
Das Auslaufen der Marmorgewinnung bei Brilon-Alme geht einher mit der Inbetriebnahme des Warstein-Allagener Victoriawerks und des Liethammers zur Marmorverarbeitung und dem Beginn des Abbaus im Raum Rüthen-Kallenhardt - Warstein im folgenden Frühjahr. J.B. Prang hat hier unter anderem den großen Vorteil, den zum Schneiden der Marmorblöcke notwendigen Quarzsand aus dem Raum Rüthen beziehen zu können, der einen Quarzanteil von 84-90% hat (Kaplan et al. 2018, S. 214). Bereits am 1. Mai 1864 legt T. Hagen dem Bergrevieramt in Niedermarsberg für das Marmorgrubenfeld Eva I einen Betriebsplan vor (LOBA Akte Eva I):
„1. Die Aus- und Verrichtungsarbeiten sollen im Abräumen des auf den Kalkbänken liegenden Abbauraums bestehen.
2. Die Gewinnungsarbeiten sollen im Brechen und Behauen der einzelnen Kalkbänke zu Platten nach Art des Steinbruchbetriebs bestehen.
3. Die Förderung soll sich monatlich bis auf 5000 Quadrat-Fuß [etwa 270 m[2]] belaufen.
4. Die Belegschaft soll bis zu 12 Mann kommen."
Gleichzeitig mit einem weiteren Schreiben schlägt er Anton Dohle aus Kallenhardt als Steiger vor. Der erhält auf Vorschlag des Berggeschworenen H. Groppe bereits am 17. Mai vom Oberbergamt sein Qualifikations-Attest. Er wird bereits am 26. Juli von Heinrich Hagedorn abgelöst. Wenige Monate später am 24. Oktober 1864 wird Carl Neuhaus aus Allagen zum Rechnungsführer bestellt, zugleich für Verwaltungsarbeiten der Grube Kallenhardt. Nach J.B. Prangs Betriebsplan, T. Hagen ist inzwischen aus der Firma ausgeschieden, von Anfang Februar 1865 für das laufende Jahr sollen die bisherigen Arbeiten fortgesetzt werden. Am 17. Februar 1865 wird er zudem zum Repräsentanten der Grube bestellt (LOBA Eva I). Als neue Grube wird die Marmorgrube Enkhausen bei Meschede-Enkhausen in Betrieb genommen (LOBA Enkhausen). Weitere Betriebspläne liegen für die Gruben Hillenberg für 1864 und 1865 und die Grube Fuchs für 1865 vor. Sie sollen im Steinbruchbetrieb betrieben werden. In beiden sollen monatlich 100 Kubikfuß [= 3,09 m[3]] Marmor gefördert werden, in der Grube Hillenberg mit einer Belegschaft bis 12 Mann, in der Grube Fuchs bis sechs Mann (LOBA Hillenberg, Fuchs). In Eva I wird offensichtlich betriebsam gearbeitet. Wie in Alme geht das offensichtlich nicht ohne Kollateralschäden ab, wie aus einer massiven Beschwerde Rentmeisters Prein vom 10. Februar 1866 an Prang hervorgeht. Durch die Anlagen der Grube Eva sei das Flussbett der Lörmecke derart mit Steinen zugeschüttet, dass die benachbarten Grundstücke des Reichsfreiherrn unterspült und beschädigt werden. Prang sagt sechs Tage später zu, dass die Steine aus dem Flussbett herausgesucht und entfernt werden (AFK A 3385). Auch in Warstein am Hillenberg spielen sich ähnliche Szenen ab. Flurschütz Felmeke zeigt J.B. Prang wegen fehlender Einfriedung der Marmorgruben Mitte April 1867 an. Prompt beschließt wenige Tage später die Gemeindeversammlung „Herrn Prang jetzt strenge anzuweisen, nunmehr innerhalb 4 Wochen die aufgeschichteten Steine am Hillenberge [Marmorgrubenfeld Hillenberg, Straße Am Hillenberg] vom Flußbette [der Wäster] zu entfernen, auch sei er polizeilich anzuweisen, den Bruch am Herrenberge [Marmorgrubenfeld Wester, Hauptstraße 25] und Fuchshöhlen [Marmorgrubenfeld Fuchs, Füchshöhlen, östlich Homertrifft] gesetzlich einzufrieden . Umgehend stellt Amtmann Koffer ein entsprechendes Dekret aus. Offensichtlich reagiert J.B. Prang dickfällig. Denn Januar 1868 ergeht erneut eine Anzeige wegen fehlender Einfriedungen der Marmorgruben hinter dem Hillenberg, auf die im April 1868 eine weitere Aufforderung folgt. Im August 1868 ergeht die Anweisung einen Graben beim Bergwerk Dahlborn [Straße Dahlborn 100 m östlich Hirschberger Bach] auf eigene Kosten vom Schutt zu reinigen (SAW, C 957). Fehlende Einfriedungen von Steinbrüchen sind nicht allein ein Warsteiner Phänomen. Auch Paderborner Maurermeister, die im 19. Jahrhundert südlich der Stadt Steinbrüche zur Natursteingewinnung betreiben, erhalten deshalb wiederholt Abmahnungen und Bußgeldandrohungen von 15 Mark oder ersatzweise drei Tage Haft (Kaplan 2012, S. 33-34). In dieser Hinsicht geht der Warsteiner Amtmann Koffer recht kulant mit J.B. Prang um. Nur bei der seit 1865 nach Abgrabungsrecht betriebenen Grube am Lohbusch (Abb. 00621) nimmt er 1868 den Klageweg, nachdem J.B. Prang & Co. keine Entschädigungszahlungen an die Stadt Warstein abführen (SAW, C 957).
Beginn der industriellen Marmorförderung und -Verarbeitung, Geschäftsentwicklung von J.B. Prang & Co. 1862 bis 1872
Zur Geschäftsentwicklung liegen als Quellen vereinzelte Mitteilungen der Firma auf Behördenanfragen vor, dann statistischen Angaben zur Marmorgewinnung im Raum Brilon - Warstein - Meschede von 1861 - 1872 in den Jahrgängen 10 bis 22 der „ Zeitschrift für das Berg,- Hütten- und Salinen-Wesen in dem Preussischen Staate “ (Tab. 9) sowie die Angaben zur Plattenproduktion von J.B. Prang & Co. in Allagen von 1865 - 1872 nach den Jahresberichten der Handelskammer Arnsberg (LOBA Hillenberg, hier Abschriften in der Bergamtsakte als Teil einer Prozessakte) (Tab. 10). Im Juni 1863 gleich zu Beginn seiner Tätigkeit bei J.B. Prang & Co. antwortet T. Hagen auf eine Anfrage des Briloner Amtmann Esser „Hier haben sich die Bestellungen der Art vermehrt, daß die Zahl der Arbeiter auf 50 und die der Sägemaschinen auf 9 vermehrt werden mußten“ (LAV NRW W Kreis Brilon, Landratsamt, Nr. 1402 Blatt 24). J.B. Prang vermarktet seine Produkte auch in seiner Münsteraner Bildhauerwerkstatt: „Das vor 2 Jahren bei Münster errichtete Marmorwaaren-Geschäft erfreut sich eines grossen Aufschwungs; im Gebirge bei Alme besitzt es mehrere reichhaltige Marmorbrüche und eine Schleiferei“ (Königlich statistisches Bureau in Berlin, 1865, 117). Auf der Industrieausstellung 1864 in Meschede präsentiert die Marmorschleiferei von Alme eine Auswahl ihrer sehr schönen Fabrikate (Köhne 2008, S. 117). Nach statistischen Angaben in der Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen (1864, S. 143) nehmen sich 1863 die Zahlen für bei Alme gewonnene Marmore bescheidener aus: „Im Revier Stadtberge wurden auf 4 Gruben mit 30 Arbeitern 120 Cbfss [Kubikfuß = 3,7 m[3]] im Werthe von 60 Thlr [Thaler] ... gewonnen“
Mit dem Jahr 1864 konzentriert J.B. Prang die Marmorgewinnung auf den Raum Warstein - Rüthen-Kallenhardt mit den Gruben Eva I, Fuchs, Hillenberg, Wester (LOBA Eva I, Fuchs, Hillenberg, Wester) (Karte 5). Nach Angaben des Bergamts (Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen 1865, S. 210) werden in diesem Jahr acht nicht näher benannte Marmorgruben betrieben. Vermutlich sind darunter die drei Almer Gruben, für die noch Betriebspläne bis 1865 vorliegen in denen aber nicht gearbeitet wird. Die Zahl der Arbeiter in den Gruben steigt auf 35, mit denen in der Verarbeitung auf etwa 200. Darunter werden auch Saisonalkräfte zum Freilegen der Gruben und zum Brechen von Rohblöcken sein. Die Produktion steigt auf 70 Kubikfuß [2,3 m[3]] rohen Marmors im Wert von 50 Taler und 13202 Quadratfuß [= 1300 m[2]] nicht polierter Flurplatten im Wert von 1980 Thaler (Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen 1865, S. 210). 1865 sollen in der neu eingerichteten Marmorschleiferei in Allagen etwa 200 Arbeiter beschäftigt sein (LOBA Hillenberg, Blatt 125), eine zu hoch gegriffene Zahl, da nach bergamtlichen Angaben 1864 lediglich 2,3 m3 Rohblöcke von 35 Arbeitern gefördert werden (Tab. 9). Diese überhöhten Produktionszahlen werden noch von 1865 mit 6000 Kubikfuß [= 185,5 m3] bis 1866 mit 6.900 Kubikfuß [= 213,3 m3] berichtet. Verglichen mit der Produktion der beiden wichtigsten europäischen Marmorlieferanten Belgien und Italien sind dies minimalistische Zahlen. So sind in dieser Zeit in Belgien allein 7000 Arbeiter mit der Verarbeitung der Sorte Petit Granit beschäftigt. Die belgische Produktion übertrifft die Italiens, wobei beispielsweise in Carrara 1866 100000 Tonnen
Marmor gewonnen werden.(Zix 1868, S. 190). Produziert werden in Allagen vorrangig Flurplatten, genannt werden auch „ Ornamente, Denkmäler, Hausmobilien usw. “ (LOBA Hillenberg, Blatt 125). Eine detaillierte Auflistung und Beschreibung der Prang'sehen Produktpalette aus diesen Jahren gibt Hocker (1867, S. 423): „Die Firma Prang & Cie . zu Allagen bei Soest liefert Flurbelege , Fensterbänke, Tische , Consoles, Waschtische und sonstige Möbel und Baugegenstände Grabmonumente u.s. w. in weißem und farbigem Marmor“.
„Als König Wilhelm von Preußen zuletzt in Münster war [Oktober 1865, Huch 2016, S. 307], befanden sich im Schlosse ein mit Marmor gedecktes Handtischchen sowie zwei marmorne Consoletischchen von Prang & Cie., die allgemeine Anerkennung fanden. Dasselbe Haus hatte auf der Kölner landwirthschaftlichen Ausstellung zwei Blumentische von inländischem Marmor, die hinsichtlich der Arbeit nichts zu wünschen übrig ließen.“ Dann setzt ab 1864/1865 eine rasante Umsatzsteigerung ein. Nach Angaben des Bergamts in der „ Zeitschrift für das Berg,- Hütten- und Salinen-Wesen in dem Preussischen Staate “ schnellt die Förderung von Rohblöcken von 363 Kubikfuß [= 11,2 m[3]] im Jahr 1865, über 3444 Kubikfuß [=106,5 m3] in 1866 bis 4335 Kubikfuß [= 134,0 m3] im Jahr 1867 hoch und verzwölffacht sich. Für die Ertragskraft der Grube Eva I spricht auch J.B. Prangs Versuch, deren Grund zu kaufen. Letztendlich bietet er im Mai 1867 30 Reichsthaler. Zu einem Verkauf kommt es nicht (AFK A 3385). Mit Vorsicht sind die Angaben der Jahresberichte der Arnsberger Industrie- und Handelskammer zu betrachten. Sie sind keine amtlichen Statistiken und ihre Zahlen beruhen lediglich auf Angaben der Firma J.B. Prang & Co. Diese enthalten auch die Marmorgewinnung von Gruben, die 1865 nicht mehr bergrechtlich verliehen nach dem Abgrabungsrecht betrieben werden und damit nicht in die Bergamtsstatistik einfließen. Dazu gehören bei Warstein die Abbaustellen am Dahlborn und am Lohbusch (SAW, C 957) (Karte 5). Nach der Bergamtsstatistik beträgt der Wert der produzierten Flurplatten 1864 1980 Thaler und 1865 1306 Thaler. Sowohl nach den Bergamtsangaben als auch in den Berichten an die Arnsberger Industrie- und Handelskammer werden 1866 die höchsten Produktionszahlen erreicht, um ab 1867 deutlich zu sinken (Tab. 9 und 10).
Vielleicht ist dies einer der Gründe, warum im gleichen Jahr sein Geschäftspartner J.J.L. Knagge von Wiesbaden nach Allagen zieht und später seine Familie in Soest unterbringt, ein anderer aber auch wie sein Sohn schreibt, „der geschäftsführende Teilhaber Prantz [Prang] nicht recht zuverlässig war und auch nicht den vermehrten Ansprüchen gewachsen war und er in die Geschäftsleitung eingreifen musste“ (Knagge 1976, S. 291). Doch wie wir unten erfahren werden, geht es nicht nur um das laufende Geschäft, zu dem auch wie fünf Jahre zuvor gehört, dass J.B. Prang & Co. 1867 zur Pariser Weltausstellung polierte Säulen und Platten einreichen: „24.Prang et Cie. à Allagen, près Soest. - Colonnes et tables de mabre poli“ (Exposition Universelle de 1867 a Paris Catalogue général Deuxiéme Partie (Groupe VI a X, S. 165), die aber wieder im illustrierten Katalog nicht erwähnt werden (vgl. Hamm 1867).
J.J.L. Knagge, mit 25 % am geringsten an der Marmorgesellschaft beteiligt, erhält von seinem alten Geschäftsfreund J.F.J. Karthaus, wie J.B. Prang mit 37,5 % beteiligt, 1868 eine Generalvollmacht (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49, Blatt 9), weil er zum indonesischen Surabaya auf Java zurückkehrt. Wir können davon ausgehen, dass er sich von seiner Beteiligung trennen möchte. Damit wird J.J.L. Knagge faktisch Mehrheitsgesellschafter und hat nun entscheidende Einflussmöglichkeiten eine offensichtlich geplante lukrative Vermarktung des Allagener Marmorwerks und seiner Marmorgrubenfelder voranzutreiben. Zur Vorbereitung dient ein Attest der Königlichen Berghypotheken Commission zu Siegen vom 29. August 1867, dass J.B. Prang, J.F.J. Karthaus und J.J.L. Knagge alleinige Eigentümer der näher spezifizierten 63 Marmorbergwerke sind (Tab. 5). Als die Fördermengen zurückgehen und die Geschäfte nicht mehr rundlaufen (Tab. 9 und 10), dient es J.B. Prang und .J.F.J. Knagge im Januar 1869 als Vorlage, um eine Hypothek von insgesamt 30500 Thaler beim Gewerken T. Ulrich in Bredelar aufzunehmen. Wenn die erste Tranche von 29000 Thaler zu 4^2 % Zinsen dem Verkaufspreis der Immobilien des Röper Werks in Allagen entspricht, werden die restlichen 1500 Thaler zu 5 % Zinsen der Beleihung für das Bergwerkseigentum der 63 Marmorgrubenfelder entsprechen (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49, Blatt 15ff). T. Ulrich als erfahrener Bergwerksbetreiber wird die wirtschaftlichen Verhältnisse nüchtern einschätzen.
Dem folgt die Einholung eines „Gutachten über die der Firma Prang & Co. zu Allagen gehörenden, im Sauerland gelegenen Marmorgruben, abgefasst von dem königlichen Bergassessor J. Ditges [Jacob Ditges] zu Cöln“. Es liegt uns durch eine partielle sich auf den Warsteiner Raum beziehende Abschrift (LOBA Hillenberg, Blatt 131 - 134) und eine partielle sich auf den Briloner Raum beziehende Zitation durch Hänisch (2004, S. 370 - 371) vor. J. Ditges lässt sich von Juni 1868 bis 1871 als Bergassessor des Oberbergamts Bonn verfolgen (Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen 1869, S. 9; 1870 S. 9; 1871 S. 9). Er folgt einer Einladung von J.B. Prang und J.J.L. Knagge, bei denen er Mitte Juli 1869 in Allagen Quartier nimmt. Wir denken abends mit Zigarre und Cognac. Er besichtigt für einige Tage
„sowohl die Schleiferei-Anstalten, als auch die Mehrzahl der genannter Firma gehörenden im Sauerlande gelegenen Marmorgruben. - Es wurden namentlich alle diejenigen Gruben besucht, auf welche Seitens der Besitzer ein erheblicher Wert gelegt wird. - Wenige kurze Bemerkungen über die nicht besichtigten Vorkommnisse konnten auf Grund der vorliegenden topographischen und geognostischen Karten und Lagerungs-Verhältnisse den unmittelbaren Beobachtungen hinzugefügt werden“ (LOBA Hillenberg, Blatt 131). J. Ditges Ausführungen „zu den bei Allagen an der Möhne gelegenen beiden Werkstätten des von den Gruben gelieferten Roh-Materials“ gibt einen Einblick in deren technische Ausstattung: „Das untere Werk (Liedwerk) ist als Eisenwalzwerk errichtet worden.-In seinem gegenwärtigen Zustande enthält es 8 Sägemaschinen, 2 Abteilungsmaschinen, zwei Polis[s]oirs [Polierwerkzeuge zur Oberflächenbehandlung] und eine Kantschleife.- Die vorhandenen Gebäulichkeiten bieten Raum, die Zahl der bis jetzt angelegten Maschinen, mindesten zu verdoppeln.- Diese werden jetzt durch ein mittelschlächtiges Wasserrad in Bewegung gesetzt.- Außer dem letzteren sind noch ein zweites Wasserrad und eine Turbine vorhanden, welche beide bei dem gegenwärtigen Betrieb nicht mitbenutzt werden.- Das vorerwähnte Wasserrad wird durch die Wasser der Möhne betrieben; das Werk hat an Wassermangel nicht zu leiden; der Unterzeichnete beobachtete vielmehr, dass trotz der gerade herrschenden trockenen Witterung ein Teil des Wassers unbenutzt abfloss. Es unterliegt daher keinem Zweifel, dass während des größten Teiles des Jahres auch noch die Turbine in Mitbenutzung genommen werden könne, wenn dies eine etwaige Vergrößerung erforderlich machen sollte. - Es würde sich dann freilich empfehlen, eine Dampfmaschine zur Hilfeleistung während der trockenen Jahreszeit aufzustellen. Das obere Werk (Victoriawerk) gleichfalls an der Möhne gelegen enthält 5 Sägemaschinen mit 36 Schneidblättern, zwei Einzelsägen und zwei Polis[s]oirs. - Auch diese Maschinen werden durch ein Wasserrad in Bewegung gesetzt und zwar gleichfalls mittels Wasser der Möhne. - Auch hier ist durchweg überflüssiges Wasser vorhanden“.
J. Ditges setzt seinen Bericht mit allgemeinen Bemerkungen geognostischer Natur zum besseren Verständnis fort. Die beginnen elementar geologisch mit dem Unterschied zwischen eruptiven und sedimentären Gesteinen und setzen sich fort mit der Gliederung und Verbreitung des Devons. Seine Beschreibung der devonischen Kalke spiegelt den damaligen geologischen Wissensstand wider. Strukturgeologisch spricht er schon von der Warsteiner und Briloner Mulde. Hauptvorkommen ist der Elberfelder Kalk, den er auch schon als Massenkalk anspricht und stellt seine Eigenschaften als Marmor dar: „findet sich derselbe meist in sehr mächtigen Bänken abgelagert, ... der die Gewinnung besonders großer Blöcke ermöglicht.- Er zeigt durch weg ein feinkörniges Gefüge, das ihn zur Annahme der Politur geeignet macht. Stellenweise enthält er viele Versteinerungen, von denen beim Schleifen besonders häufig Corallen und Glieder von Crinoidenstielen sichtbar werden.- In der zuerst erwähnten Warsteiner Mulde zeigt der Eberfelder - oder Massenkalk dunkel- bis hellblau und grau sowie weiße Farben, meist wolkenartig ineinander gemischt.- In der zweiten, der Briloner Mulde treten infolge von Eisenoxydgehalt zu den genannten noch andere Farben namentlich rote, dann auch gelbliche, braune, violette und grüne Farben, meist in Wolken jedoch auch in Streifen wechselnd. Diese Grube bildet somit die Fundstätte bunter Marmorarten“ (LOBA Hillenberg, Blatt 132). Nachfolgend geht er auf „Flinz-Schiefer“ und „Kramenzel“ ein. Auch hier zeigt er eine gute Kenntnis über deren geographische Verbreitung. „Hinsichtlich der Art und Weise des Vorkommens ist zu bemerken, dass sich der Flinzkalk des Sauerlandes mehr noch als der Massenkalk sich durch sein feines Korn auszeichnet, eine Eigenschaft, die ihn zur Annahme der Politur ganz besonders geeignet macht. Er zeigt dunklere Farben, oft vollständig schwarze, und zwar teils nur schwarz, teils schwarz mit weißen Adern.- Er tritt in deutlicher ausgeprägten Schichten auf als der Massenkalk, die einzelnen Bänke erreichen Mächtigkeiten] bis zu 3 ' [= drei Fuß = 94 cm]. Der Kramenzelkalk endlich ist derjenige, welcher im Allgemeinen am wenigsten zur Verarbeitung als Marmor sich eignet, und zwar sowohl wegen seiner grobkörnigen Beschaffenheit, als seiner sonstigen Strukturverhältnisse.- Er enthält nämlich nieren- und wulstförmige Konkretionen, welche ihn häufig zum Schleifen ungeeignet machen“ (LOBA Hillenberg, S. 133). In der Beschreibung der einzelnen Gruben nennt J. Ditges zwei, Adrinn und Kukuk, die nicht in der Aufstellung der Marmorgrubenfeldern von J.B. Prang & Co. genannt werden. Zu diesen gehört „7. Grube Hillenberg bei Warstein. Massenkalk. Die Grube liefert den sogenannten Muschelkalk, ein Kalk von schwarzer Grundfarbe mit gleichmäßig verteilten Wolken und vielen Versteinerungen. Die Grube liefert besonders große Blöcke bis 20' [Fuß = 6,3 m] Länge und entsprechenden sonstigen Dimensionen, ein Material also, das zur Verarbeitung als Säulen und sonstigen großen Baustücken geeignet ist, wozu es auch wegen Aussehens besonders passsend erscheint.- Die Grube ist an zwei Punkten zur Förderung vollständig hergerichtet und hat auch bereits bedeutende Förderung geliefert. Der eine dieser Gewinnungspunkte (der s.g. Herrenberg) liegt an der Warsteiner Chaussee, während der zweite Punkt mit letzterer durch einen besonderen Weg verbunden ist“. Auch für die Grube Elisabeth erwähnt er die Größe der Blö>„Daniel" bei Nehden: steht seit 4 Jahren in Förderung. Bänke von 2 Zoll [richtig zwei Fuß = 63 cm] Mächtigkeit, 4 verschiedene Farben: braun, rot, grau und Wolken“. „Therese" bei Messinghausen: Material besonders für Säulen geeignet. Die Grube hat schon bedeutende Förderung geliefert“. Nur ist für diese beiden Gruben wie für alle anderen im Raum Brilon im Besitz von J.B. Prang & Co. zu dieser Zeit kein systematischer Abbau belegt (LOBA Daniel I, Therese). Da die Marmorsorten „Poppenberg“, „Brilon“ und „Therese“ 1877 in einer vermutlich aus dieser bestehenden und später fortgeschriebenen Preisliste erwähnt werden (Meissner 1877, S. 309), findet eventuell eine vereinzelte Entnahme von Rohblöcken statt. Ditges zieht in seinem Gutachten das Resümee, dass „schon mit Vollendung der Ruhrtalbahn die Lage der Sauerländischen Marmor-Industrie, welche, wie vorausgesetzt werden muss, bis heran eine gute war, eine gradezu glänzende werden muss, wobei allerdings, dass in Zukunft diese Industrie, namentlich aber der Bau der Gruben zur Gewinnung von Hausteinen und Marmor-Roh-Material zum Export in einer großartigeren und umfangreicheren Weise betrieben werden, wozu schon die reiche Auswahl der Materialien, sowie die Massenhaftigkeit, oder besser - wir können das ohne Uebertreibung sagen -, die Unerschöpflichkeit der Vorkommen auffordert“ (LOBA Hillenberg, Blatt 134).
Blicken wir auf die vorliegenden Zahlen für 1869, sieht die Lage bescheidener aus. Nach Angaben des Bergamts werden in fünf Gruben mit 17 Beschäftigten 3456 Kubikfuß [= 107 m[3]] Marmor im Wert von 2304 Thaler gefördert (Tab. 9), nach denen der Arnsberger Handelskammer 3058 Kubikfuß [= 95 m3] Marmor, die in Allagen zu 33000 Quadratfuß [= 3251 m[2]] Flurplatten im Werte von 15000 Thaler verarbeitet werden (Tab. 10). 1870 halbiert sich die Förderung von Rohblöcken wegen des deutsch-französischen Krieges, um sich 1871 wieder auf 2680 Kubikfuß [= 82,9 m3] im Werte von 1847 Thaler zu erholen. Nach diesen Zahlen können wir davon ausgehen, dass Bergassessor J. Ditges ein reines Gefälligkeitsgutachten zum Verkauf des Marmorwerks erstellt. Im Frühjahr 1870 zieht J.J.L. Knagge mit seiner Familie zurück nach Wildeshausen, ist aber bis 1872 manchmal genötigt in der Geschäftsleitung tätig zu sein. Sein Sohn schreibt, dass das Werk 1870 günstig verkauft wurde. Als Grund gibt er Differenzen mit J.B. Prang an (Knagge 1976, S. 291). Der Kaufvertrag wird allerdings erst im März 1872 geschlossen. Dass J.B. Prang auch in diesen bewegten Zeiten seine entfernten Marmorgrubenfelder im Blick hat zeigt ein Prozess, den er gegen den Briloner Maurermeister Georg Göcheler wegen unerlaubter Gesteinsentnahmen im Marmorgrubenfeld Poppenberg anstrengt. Nach Urteil des Kreisgerichts Olpe darf der Beklagte keine Marmorsteine zum Kalkbrennen und als Bausteine gewinnen (LOBA Poppenberg). Dann holen 1870 J.B. Prang die alten Verträge mit W. Graf von Bocholtz seiner bescheidenen Anfänge in Alme ein. Es gibt keine Pachtverlängerung. Die alte Marmormühle in Alme muss bis zum 1. Mai abgerissen und der Hammerplatz geräumt werden (ASA A 6285).
Westfälische Marmorwerke zu Allagen bei Soest, Aktiengesellschaft 1872 -1878
J.J.L. Knagge entgehen als gewiefter Geschäftsmann natürlich nicht die Diskussionen um eine Novellierung des preußischen Aktienrechts, das mit seiner Verabschiedung im Frühjahr 1870 eine erhebliche Erleichterung für Gründungen von Aktiengesellschaften bringt (Hirte, H.: Aktiengesellschaft [online]) und damit die Gründerphase einleitet. Geschäftlich agiert er im Hintergrund. Bereits im Dezember 1871 stellt er für die folgenden Vertragsabschlüsse eine Vollmacht an J.B. Prang aus (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49, Blatt 56). Glagau (1877, S. 24) stellt im seinem Buch „Der Börsen- und Gründungsschwindel in Deutschland“ fest: „Eine Fabrik, Spinnerei oder dergleichen erst zu errichten, war zu weitläufig und langwierig. Man zog es vor, schon bestehende Etablissements anzukaufen und in Aktiengesellschaften umzuwandeln. Selbstverständlich richtete man sein Augenmerk zunächst auf große und renommierte Anlagen; später und gleichzeitig wurden auch kleinere und ganz unbedeutende angekauft. Die Besitzer wurden zum Theil sehr umworben und förmlich belagert; theilweise drängten sie sich zum Verkauf und gehörten mit zu den Gründern. Es wurden die horrendesten Preise entweder freiwillig geboten oder, ohne viel zu feilschen, bewilligt . Es wird J.J.L. Knagge sein, der den Verkauf an den Berliner Hermann Geber im März 1872 initiiert, denn die kleine Allagener Marmorfabrikation wäre nie in dessen Augenmerk gekommen. Glagau (1876, S. 144) charakterisiert ihn: „Zu den Geistern, welche die Zeit sofort begriffen und sie gründlich, oder eigentlich „gründerlich“ auszubeuten verstanden, gehört in erster Reihe - Hermann Geber. ... Hermann Geber, ursprünglich ein grauer unscheinbarer Versicherungsmensch, verwandelte sich kurz vor der Wiedergeburt des deutschen Reiches in den farbenschillernden Falter eines Groß-Industriellen und General-Spekulanten“. Der Kaufvertrag liegt uns als Copia vidimata [beglaubigte Abschrift] in der Berggrundakte des Marmorgrubenfeldes Poppenberg vor (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon /
Berggrundakten, Nr. 49, Blatt 88 ff). In der Tat ist für H. Geber der Vorkauf der Allagener Marmorwerke und ihre Submission als Aktiengesellschaft ein Geschäft unter vielen. So listet Glagau (1877, S. 44) eine Reihe seiner Transaktionen in diesem Zeitraum auf, nennt ihn einen „ professionellen Vorkäufer “ und zählt zu dessen „ Verbündeten und Gehülfen “ unter anderem Hermann Leubuscher, von dem sich H. Geber beim Abschluss des notariellen Kaufvertrages am 15. März 1872 in Berlin vertreten lässt:
„Copia vidimata [beglaubigte Abschrift]
Zu diesem Kaufvertrag ist an Stempelsteuer über 5416 Thaler 20 Silbergroschen cassiert worden. Ein zweites Exemplar ist nicht vorgelegth.
Berlin, den 28. Maerz 1872
Königliches Haupt Steuer Amt
[?] Reinicke
Kaufvertrag
Die in das Firmenregister des Königlichen Kreisgerichts zu Brilon und Lippstadt eingetragene offene Handelsgesellschaft Prang und Comp. deren alleinige Gesellschafter der Rentner Johann Ferdinand Josef Karthaus, früher zu St. Mauritz, jetzt zu Surabaia auf der Insel Java wohnhaft, der Bildhauer und Architekt Johann Baptist Prang zu Allagen, der Rentner Johann Lambert Josef Knagge zu Wildeshausen bei Bremen ist nachrichtlich des Atiestes des Königlichen Berghypotheken Commission zu Siegen vom 29. August 1867 alleinige Eigenthümerin der in diesem Atiest näher spezifizierten 63 Marmorbergwerke.
Dieselbe Firma ist ferner alleinige Eigenthümerin der in dem notariellen Kaufvertrag vom de dato Paderborn 20. Juli 1863 (Nor 70 der Registratur des instrumentierenden Notars Justiz Rat Drühe zu Paderborn) näher beschriebenen, bei Allagen gelegenen s.g. Victoriawerkes und der daselbst gemeine Pudelingswerks, der s.g. Liethammer nebst Zubehör, endlich das in den Auszuge aus der Mutierrolle der Steuergemeinde Allagen Artikel No. 264 unter hundert Nummern specifizierte Areal von zusammen 130 Morgen und nach dem Auszuge aus der Mutierrolle der Steuergemeinde Warstein [?] No. 605 unter zwei Nummern spezifizierten 157 □ [Quadrat] Ruthen 34 □ [Quadrat] Fuß.
Diese Marmorbergwerke, die Grundstücke, das Victoriawerk, das Lietwerk, die Gebäudeanlagen und die Werkstätien sowie das Marmorgrubenbergwerk Helena bei Kallenhardt, dem eine Verleihung an Zink- und Gallmeigängen als Partierung zubehört, und das Marmorbergwerk Kallenhardt bei Callenhardt, dem ebenfalls eine Verleihung von Zink und Galmeis zubehört, und mit allen dazu gehörigen Gebäuden und sonstigen Baulichkeiten kurz die sämtlichen Besitzungen der Gesellschaft Prang und Comp., welche sich auf die Marmor-, Zink- und Galmayindustrie beziehen, nichts davon ausgenommen, verkauft Herr Johann Baptist Prang für sich und zugleich Namens der Mitinhaber dieser Firma Johann Lambert Josef Knagge kraft Vollmacht de dato Wildeshausen den 13. Januar 1871 und des Johannes Ferdinandus Josephus Karthaus kraft der von demselben ertheilten notariellen General- und Specialvollmacht de dato Münster den 5. October 1868 und der in derselben gedachter Vollmacht ertheilten Substituierung an Herrn Director Hermann Gerber zu Berlin.
§ 2 Mitverkauft sind alle auf den Grundstücken vorhandenen Arbeitsmaschinen, Aggregate, Utensilien lebendes und totes Inventars, wie alles steht und liegt.
§ 3 Der Kaufpreis wird auf die Summe von 625000 Thaler buchstäblich sechshundert fünf und zwanzig Tausend Thaler festgesetzt und wird wie folgt berichtigt
a. Käufer hat heute 60000 Th.
buchstäblich sechzigtausend Thaler Ihnen gezahlt.
b. Käufer zahlt ferner Zug um Zug bei der Übergabe
buchstäblich Hundert Tausend Thaler
c. Käufer hat ferner 4 Wochen nach der Übergabe 95000 Th.
buchstäblich fünf und neunzig Tausend Thaler zu zahlen.
d. Käufer hat endlich bei der Übergabe 370000 Th.
buchstäblich dreihundert siebzigtausend Thaler und zwar nach seiner Wahl in barem Gelde oder in voll gezahlten Interimsscheinen [Zwischenschein ist die temporäre Version/Urkunde einer Aktie, genauer ein Anteilsschein an einem Unternehmen, der Aktionären vor der Ausgabe der Aktien zugeteilt wird] oder Actien der zur Übernahme der Bergwerke zu gründen der Aktiengesellschaft welche Interimsscheine resp. Actien die Verkäufer zum Nominalbetrage an Zahlung statt anzunehmen haben, zu berichtigen.
§ 4 Die gegenwärtig auf den Grundstücken eingetragenen Hypotheken haben Verkäufer bei der Übergabe auf ihre Kosten zur Sicherung zu bringen.
§ 5 Mitverkauft sind unbeschadet des Kaufpreises die sämtlichen auf den vorbezeichneten Grundstücken vorgefundenen Vorräthe, Insonderheit die auf den Werken und Gruben geförderten Steine und Platten. Die fertigen und halbfertigen Fabrikate und Waaren.
§ 6 Die Übergabe der verkauften Immobilien und Mobilien erfolgt nach Wahl des Käufers spätestens aber bis zum 15. April dieses Jahres.
§ 7 Käufer entsagt dem Einwand der Verletzung über die Hälfte [Verkürzung über die Hälfte (Laesio enormis) [Eine Verkürzung oder Verletzung über die Hälfte liegt vor, wenn bei einem entgeltlichen Rechtsgeschäft ein Vertragsteil weniger als die Hälfte von dem bekommt, was der andere Vertragsteil als Gegenleistung erhält].
§ 8 Die Kosten des Geschäfts einschließlich des Wertstemples trägt der Käufer. Zum Zwecke der Stempelberechnung wurden 500000 Thaler auf die Immobilien und 125000 Thaler auf die Mobilien gerechnet.
Berlin, den 15. März 1872
Johann Baptist Prang in Firma Prang und Comp. zugleich als Bevollmächtigter beziehungsweise Substitut der Herren Johann Lambert Joseph Knagge und Johannes Ferdinandus Josephus Karthaus
Hermann Leubuscher in schriftlicher Vollmacht des Hermann Gerber.
Den vorstehenden Kaufvertrag genehmige ich hiermit in allen Punkten, zugleich mit dem Bemerk, daß ich zum Abschluss desselben den Herrn Hermann Leubuscher schriftlich bevollmächtigt hatte.
Berlin, den 16. März 1872
Hermann Alber“
Bereits einen Tag später, am 17. März 1872, tritt H. Gerber alle Rechte und Pflichten aus dem Kaufvertrag an eine illustre Gruppe von Bankiers ab, die nach Glagau (1877) der Gründerszene zurechnen sind: „ Banquier Platho (in Firma Platho & Wolff) zu Berlin Banquier Bereht (in Firma Bereht und Swoboda) den Banquier Reinhold Alexander Seelig (in Firma Seelig und Comp.) darselbst Rentier Eduard Stahlschmidt darselbst Johann Baptist Prang Allagen Gustav Siegel zu Magdeburg und Bernard Hüffer zu Leipzig als die Gründer und alleinige Actionäre der Westfälischen Marmorwerke Aktiengesellschaft zu Allagen bei Soest “. Zu deren Pflichten gehört auch die bei Vertragsabschluss fällige Zahlung von 95000 Thaler, deren Empfang J.B. Prang quittiert. Es folgt danach am gleichen Tag die Gründung der „Westfälischen Marmorwerke zu Allagen bei Soest, Aktiengesellschaft“, Sitz der Gesellschaft ist Berlin, „Gegenstand des Unternehmens ist der Erwerb, der Betrieb und die Erweiterung der der Firma Prang & Comp. gehörigen
... Marmorwerke und sonstigen Realitäten“ Das Grundkapital beträgt 725000 Thaler, aufgeteilt in 7250 Aktien zu 100 Thaler. Vorstand der Gesellschaft werden Kaufmann J.B. Prang, Allagen, und Kaufmann Gustav Siegel, Magdeburg (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49, Blatt 67, 90). Bereits am 21. März 1872 liegen die Aktien gedruckt vor (3070 Abb. 00710). Nach dem Münzgesetz vom 9.8.1873 entspricht ein Thaler drei Mark. damit beläuft sich das nominelle Grundkapital auf 2.175.000 Mark. Nach Glagau (1877, S. 393) wird die Firma Prang & Co. von H. Geber für 100.000 Thaler vorgekauft, um dann die Aktien mit einem Aufschlag von 625.000 Thaler emittieren. Doch nach dem vorliegenden Vertrag wird umgekehrt für 625.000 Thaler vorgekauft und mit einem Aufschlag von 100.000 Thaler emittiert. Die in § 4 des Vertrags geforderte Sicherung eingetragener Hypotheken durch den Verkäufer hat noch die Gesellschaft Prang & Co. mit deren Rückzahlung nebst Zinsen und Kosten bereits vor dem Vertragsabschluss erfüllt (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49, Blatt 67, 83). Hier stellt sich zunächst die Frage zu dem nach der Emittierung verbleibenden Betriebskapital. Es sind abzüglich der Barzahlungen an J.B.
Abb. 74: Rundschreiben von J.B. Prang an Geschäftspartner April 1872, dass die seit 15 Jahren bestehende Marmor-Industrie in den Besitz der Firma Westfälische Marmorwerke Actiengesellschaft übergegangen ist April 1872, ASA A 6285.
Abb. 75: Rundschreiben von J.B. Prang und G. Siegel als Direktoren der Westfälische Marmorwerke Actiengesellschaft an Geschäftspartner April 1872, ASA A 6285.
Prang, J.L.J. Knagge und J.F.J. Karthaus sowie des bei H. Gerber verbliebenen Aufschlags 370.000 Thaler [= 1.100.000 Mark]. Das lässt natürlich auch Fragen zum realen Wert der neu gegründeten Aktiengesellschaft aufkommen. Anhaltspunkte dazu liefern zum einen die 1869 aufgenommene Hypotheken von 30.500 und 1500 Thaler und zum anderen, wie unten weiter ausgeführt wird, 1876 zwei grundbuchlich eingetragene Obligationen [Schuldverschreibungen] von jeweils 75.000 Mark auf die beiden Allagener „Realien“, die durch eine Kautionshypothek von 45.000 Mark auf die Marmorgrubenfelder abgesichert werden (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49, Blatt 188). Damit beträgt der Wert der beiden Allagener Werke und der Marmorgruben etwa 195.000 Mark [= 65.000 Thaler]. Die Feststellung von Glagau (1877, S. 24), kleinere und unbedeutende Anlagen werden für die horrendesten Preise gekauft, trifft voll und ganz auf das Allagener Marmorwerk zu. Profiteure sind neben H. Geber natürlich auch J.B. Prang, J.L.J. Knagge und J.F.J. Karthaus, denen dank J.L.J. Knagges Geschäftstüchtigkeit insgesamt 255.000 Thaler bar ausgezahlt werden. Wir schätzten oben, dass sie bei der Gründung der Firma etwa 40.000 Thaler einbringen, J.B. Prang und J.F.J. Karthaus vermutlich je 15.000 Thaler und J.J.L. Knagge 10.000 Thaler. J.B. Prang und J.F.J. Karthaus stehen mit ihren Geschäftsanteilen von 37,5 % je 95.625 Thaler zu, J.J.L. Knagge mit 25 %
63.750 Thaler. Nach Abzug ihrer Investitionen und der Rückzahlung der Hypothek an T. Ulrich verbleiben J.B. Prang und J.F.J. Karthaus rund 207000 Mark [= 69000 Thaler], J.J.L. Knagge rund 138000 Mark [= 46000 Thaler]. Innerhalb von zehn Jahren haben sie ihr Kapital mehr als vervierfacht. Ihre weitere Bezahlung mit Aktien im Gesamtwert von 370.000 Thaler kann hier vernachlässigt werden, denn wie die Aktien der anderen Aktionären im Wert von 355.000 Thaler [= 1.065.000 Mark] schwankt ihr Kurs zwischen eins und null und stellen sich schnell als wertlos heraus (Glagau 1877, S. 393).
J.B. Prang und G. Siegel, ebenfalls Aktionär der Firma, werden bereits am 21. März 1872 in Berlin als Vorstände der neuen Aktiengesellschaft bestätigt. 14 Tage später versenden sie gemeinsam aus Allagen Rundschreiben an Geschäftspartner, dass die seit 15 Jahren bestehende Marmor-Industrie mit allen bestehenden Berggerechtsamen und Activa (Passiva sind nicht vorhanden) in den Besitz der Firma Westfälische Marmorwerke Aktiengesellschaft übergegangen ist, Unterschrift Prang (technische Leitung) und Siegel (kaufmännische Leitung) als Direktoren (ASA A 6285; Abb. 74 und 75). Dies ist der Beginn einer nur viereinhalb Jahre dauernden aktiven Firmengeschichte, die im Juni 1877 mit deren Liquidation endet (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49, Blatt 35f).
Vermutlich aus der Anfangszeit der Aktiengesellschaft stammt die von Meissner (1877, S. 307-310) publizierte umfassende Angebots- und Preisliste für „ Gegenstände aus Marmor für bauliche Zwecke. Aus den Westfälischen Marmorwerken in Allagen bei Soest“ (Meissner 1877, S. 307), die wir vollständig reproduziert im Anhang wiedergeben (Abb. 134). Wir gehen davon aus, dass diese in verwandter Form bereits bei der Vorgängerfirma Prang & Co. bestand und fortgeschrieben wurde. Bei den Produkten stehen mit Platten, quadratische Flurplatten, Friese, Türfriese, Schwellen, Treppenstufen, Fensterbänke und Säulenschäfte Objekte mit Standardmaßen für bauliche Zwecke im Vordergrund. Ergänzt werden sie durch Kapitelle, Sockel, nach Aufgabe und Zeichnung ausgeführt. „Spülsteine, Tisch-, Consol- und Büffetplatten, Waschtische mit Aufsätzen, Nachffi'schplatten etc. werden ebenfalls angefertigt. Kirchengegenstände, als: Altäre, Communionbänke, Kanzeln, Taufsteine, Weihwasserbecken werden nach Aufgabe und Zeichnungen ausgeführt. Für verzierte und Mosaik -Fussböden, Waschtischaufsätze, Grabmonumente und Grabkreuze, Camine etc. besondere Preislisten und Zeichnungen. Zeichnungen für alle anderen Gegenstände und für Bauzwecke werden auf Wunsch angefertigt“ (Meissner 1877, S. 309). Dazu kommt das Angebot roher Marmorblöcke mit den Sorten: Granit; St. Anne, groß oder klein gewölkt; Calle; Brilon I; Theresia und Poppenberg, rot oder grün“ (Meissner 1877, S. 310). Für Platten nennt er folgende Sorten: Granit-Marmor, schwarz gewölkt; Caller, schwarz mit weißen Adern; Grau Allagen und Carrara, blanc clair, letzterer zugekauft. Für Friese , Türfriese und Schwellen auch Poppenberg, rot oder grün. Bei aus Platten gefertigten Treppenstufen sowie Fensterbänken nennt er zusätzlich Elisabeth und Hillenberg. Bei der Blockware taucht auch noch als Sorte St. Anne, groß oder kleingewölkt auf. Granit beziehungsweise GranitMarmor, schwarz gewölkt ist am kostengünstigsten. Abbauwürdige Granite stehen im Sauerland nicht an. Zudem schließt die Beschreibung „schwarz gewölkt“ echte Granite aus und deutet auf westfälischen Massenkalk hin. Offensichtlich ist es der Versuch nicht hochwertiges Gestein aus den betriebenen Gruben namentlich aufzuwerten, und zwar in Anlehnung die bekannte wallonische Sorte „Petit Granit “ (Cnudde 1990, S. 116). Auch für „ Grau Allagen “ dürfte Material neben dem bekannter Warsteiner Gruben auch aus der
Warstein-Suttroper Grube Eva I und der Meschede-Schürener Grube Holstein verwendet werden, für die ein Abbau belegt ist. Uns liegen keine Angaben zum Abbau von Marmor in den Feldern Poppenberg, Brilon I und Theresia bei Brilon-Messinghausen vor. Lediglich in Feld Poppenberg finden sich am Südhang des Poppenbergs Abbauspuren, die auf die Gewinnung von Rohblöcken hindeuten können. Eine leicht nach Süden einfallende und ebene Klüftungsfläche wird im Osten von einer gerade verlaufenden, senkrechten, etwa ein bis eineinhalb Meter hohen Schichtfläche begrenzt (Abb. 00563). Doch diese stammen auch fast gänzlich oder teilweise von einem im Dezember 1869 gerichtlich untersagten Abbau von Marmorsteinen zum Kalkbrennen und als Mauersteine (LOBA Poppenberg). Die Karte der oberen Ruhrtalbahn von Brilon nach Bredelar verzeichnet am Fundpunkt von Theresia zwei kleine Mamorbrüche (Abb. 63). Da auch in den statistischen Angaben der Zeitschrift für BergHütten- und Salinenwesen Marmorabbau nicht erwähnt wird, gehen wir davon aus, dass bestenfalls einige Probeblöcke gewonnen werden. Für die vier Jahre von 1872 - 1876 mit aktivem Marmorabbau liegen Angaben des Bergamts in den entsprechenden Jahrgängen der Zeitschrift für Berg- Hütten- und Salinenwesen (Tab. 11) sowie in den Berichten der Arnsberger Handelskammer vor, die wie oben nummerisch nur überschlägig verglichen werden können. Auf jeden Fall erholen sich 1872 die Rohmarmorförderung und die Produktion von Fertigwaren gegenüber dem Kriegsjahr 1871 kräftig. Im Jahr 1873 steigt der Wert der Rohförderung gegenüber dem Vorjahr um etwa 275 %, die der geschliffene Tisch-, Flur- und anderen Platten um 725 %. Auch 1874 wächst die Rohmarmorförderung noch um 18 %, die der Produktion geschliffene Tisch-, Flur- und anderen Platten um 7 %. Der Wert der Förderung betrug in diesen beiden Spitzenjahren 1873 8299 Thaler = 24897 Mark und 1874 9825 Thaler = 29475 Mark (Tab. 11). Doch dann bricht 1875 der Wert der Rohmarmorförderung um mehr als die Hälfte ein, während die Produktion der geschliffenen Tisch-, Flur- und anderen Platten noch um 63 % steigt. Offensichtlich wird reichlich vorhandenes Rohmaterial verarbeitet. Für 1876 melden weder das Bergamt noch die Arnsberger Handelskammer Zahlen, die Produktion ruht.
Für diesen Zeitabschnitt liegen lediglich vereinzelte Nachrichten vor. Zurück von den Berliner Vertragsunterzeichnungen wird J.B. Prang schnell von den Niederungen des Alltagsgeschäfts eingeholt. Er hört im Mai 1872 von seinem Steiger Franke, dass W. Graf von Bocholtz Marmorsteine aus den Almer Brüchen entnehmen ließ, für die J.B. Prang immer noch Bergwerksabgaben zahlt. Umgehend beschwert er sich beim Grafen darüber. J.B. Prang verfolgt offensichtlich die Angelegenheit nicht weiter. Sie wird erst zwei Jahre später nach seinem Ausscheiden von seinem Kollegen G. Siegel wieder aufgegriffen. Im August 1872 wenden sich J.B. Prang und G. Siegel an den Warsteiner Amtmann Koffler mit der Bitte, im Marmorgrubenfelde Enneke bei Warstein im sogenannten Ranger Spring Marmore für die Wiener Weltausstellung zu gewinnen (Karte 5). Im September sind sie gebrochen und müssen abgefahren werden, weil die Zeit für die Ablieferung drängt. Da der Weg zum Abtransport der Blöcke nicht fahrbar sei, bitten sie den Weg auszubessern (SAW, C 957). Die Antwort liegt nicht vor, doch da die Westfälischen Marmorwerke auf der Wiener Weltausstellung vertreten sind, wird sie der Amtmann wahrscheinlich unterstützt haben.
Im Januar 1873 scheidet J.B. Prang aus der Geschäftsleitung aus und verzieht im November 1873 nach Düsseldorf, wo er als Prang, J.B., Architekt, in der Alexanderstaße 7 gemeldet ist (Adreßbuch der Oberbürgermeisterei Düsseldorf für 1874, S. 105). Die zentrale Lage unweit der heutigen Königsallee lässt, nicht verwunderlich, auf ein hinreichendes Vermögen J.B. Prangs schließen. Er verstirbt nach schwerer Krankheit im November 1875 in Düsseldorf im Alter von nur 55 Jahren (Ferber, F.: Haus Dassel [online]). Für ihn tritt Dr. phil. Adolph Widmann, Berlin, in die Geschäftsleitung ein (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49, Blatt 35), der bei der Gründung der Aktiengesellschaft noch als Aufsichtsrat fungierte (Glagau 1877, S. 393). G. Siegel übernimmt das Tagesgeschäft von J.B. Prang und wird auch Repräsentant aller Marmorgruben. In dieser Funktion setzt er sich im Sommer 1873 mit dem Briloner Berggeschworenen Buff und dem Gutsbesitzer Joseph Grewe aus Meschede-Schüren wegen einer Zuwegung zur Marmorgrube Enkhausen bei Meschede- Enkhausen auseinander. Diesen Verhandlungen haben wir den einzigen zeitgenössischen Lageplan einer Marmorgrube des 19. Jahrhunderts zu verdanken (Abb. 76), in der wird der ausgehandelte Weg von einer Fläche von 22 Quadratruthen [= 312 m[2]] zum Preis von einem Silbergroschen verzeichnet. Die Größe der Grube entspricht der von uns im Raum Alme ermittelten (s.o.).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 76: Lageplan der Marmorgrube Hohlstein im Marmorgrubenfeld Enkhausen bei Meschede- Enkhausen von Januar 1873 (LOBA Enkhausen).
Aus dem Tagesgeschäft der Westfälischen Marmorwerke liegen nur zwei Nachrichten vor. Einen kleinen Einblick gibt eine Bauakte im Archiv Schloss Darfeld (ASD Darfeld C 509 Kapellen). J.B. Prang muss Ende 1872 noch bei der Auswahl des Rohmaterials der Säulen für die 1873 im neoromanischen Stil neu erbaute Burgkapelle bei Rosendahl-Darfeld mitwirken. Es ist die einzige belegte Verwendung der Marmorsorte „Caller“. Im verbauten Zustand zeichnen sie sich durch ein homogenes Schwarz ohne kalzitische Adern aus im Gegensatz zur Sortenbeschreibung bei Meissner (1877, S. 308), vgl. Lourdesgrotte, 1933 Meschede-Calle, NW-Ecke des Kirchplatzes der kath. Pfarrkirche St. Severinus (Meschede-Calle Lourdes-Grotte Mauerwerk.- Datenblatt Erzbistum
Abb. 77: Lourdesgrotte, Meschede-Calle, 1933, Flinzkalksteine, Oberdevon, Adorfium, Adorf- Schichten.
Abb. 78: Lourdesgrotte, Detail, Meschede- Calle, 1933, Flinz- Kalksteine, Oberdevon, Adorfium, Adorf- Schichten.
Paderborn Fachstelle Kunst Inventar-Nr.: 005505009) (Abb. 77 und 78). Die Säulen werden Januar 1873 geliefert. Berechnet werden Februar 1873 zwei Kisten und feine Verpackung für 1 Thaler, 7 Silbergroschen und 8 Pfennig; acht Caller Marmorsäulen 4 Fuß 8 Zoll [= 2,72 m] lang, 5 Zoll' [= 0,13 m] Durchmesser poliert; eine Säule 2 Fuß, 8 Zoll lang, gleicher Durchmesser, für insgesamt 24 Thaler, 3 Silbergroschen und 4 Pfennige, so dass sich die Endrechnung auf 25 Thaler und 11 Silbergroschen beläuft (3076 Abb. 00721). Bezahlt wird mit Wechsel (Abb. 79). Im Mai 1873 quittieren die Westfälischen Marmorwerke deren Begleichung (Abb. 80) (ASD Darfeld C 509 Kapellen). Dezember 1870 gibt J.B. Prang auf Anfrage des Niedermarsberger Dechanten Caspari (*1839; +1887) ein Angebot mit Zeichnung für einen Taufstein aus „ Moosspring-Marmor “ ab, der, sollte der Name ortstypisch sein, vom Fundpunkt des Marmorgrubenfeldes Melchior bei Brilon-Alme stammt (Karte 6). Letztendlich geht der Auftrag an einen Kölner „Marmorarbeiter“. Einer Gründe dafür mag sein, dass September 1873 der Wiedenbrücker Bildhauer G. Goldkuhle (*1849; +1900) an Dechant Caspari schreibt „ Der westfälische Marmor hat Löcher und Risse, welche zwar ausgeschmiert werden, daß man davon nicht viel sieht, aber vorzuziehen ist der Belgische Granit u. der Carrarische weiße“ (PfA Niedermarsberg St. Magnus).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 79: Rechnung für die Säulen aus der Marmorsorte Caller für die Schlosskapelle Darfeld, RosendahlDarfeld, Februar 1873 (ASD C 509 Kapellen).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 80: Wechsel zur Begleichung der Rechnung für die Säulen aus Caller Marmor für die Schlosskapelle Darfeld, Rosendahl-Darfeld Mai 1873 (ASD C 509 Kapellen).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 81: Kapitell aus Baumberger Sandstein, 1873 -1874, nicht realisierter Auftrag für Wiener Schloss- und Parlamentsbauten, im Park der Villa Dassel in Warstein-Allagen.
1873 findet die Wiener Weltausstellung vom 1. Mai bis zum 2. November statt. Im deutschen Ausstellungskatalog heißt es: „85. Westfälische Marmorwerke, Aktiengesellschaft, vorm. Prang & Co., Allagen bei Soest, Westfalen. - Säulen aus verschiedenen Marmorsorten, Mustertafeln und Platten. Errichtet 1859. Betrieb von Marmorbrüchen, Schleif- und Sägewerken. Lieferung von Marmorerzeugnissen für alle Bedürfnisse der Industrie. Werth der im J. 1871 gewonnenen rohen Marmorblöcke 20,000 Thlr. Absatz größtentheils in Deutschland. 365 Arb. In 2 Werken, hiervon 150 Arb. außerhalb der Geschäftsräume etc. thätig. 4 Wasserräder und 1 Turbine von ca. 330 Pf Stärk. thätig“ (Wiener Weltausstellung, Amtlicher Katalog des deutschen Reiches, 1873, S. 366). Die Zahlen sind maßlos übertrieben. Die Zeitschrift für das Berg-, hütten- und Salinenwesen im preußischen Staate (1872, S. 115) vermerkt für 1871 lediglich eine Förderung im Wert von 1847 Thalern (Tab. 00110), für 1872 eine Förderung im Wert von 3003 Thalern (1873, S. 157). Wir gehen davon aus, dass über die Wiener Weltausstellung geschäftliche Kontakte zu österreichischen Bauverwaltungen geknüpft werden. Hier rächt sich, dass mit J.B. Prangs Ausscheiden dessen Expertise für die Verwendbarkeit der eigenen Marmore und für den technischen Betrieb verloren geht, die sowohl G. Siegel wie auch A. Widmann als auswertige Kaufleute in keiner Weise kompensieren können. Denn noch 1873 oder Anfang 1874 werden „In Unkenntnis der Eigenschaften des Marmors unbedenklich Marmorlieferungen zur Verwendung im Freien übernommen; die Haltbarkeit wurde garantiert, obwohl jeder Fachmann sie unter allen Umständen abgelehnt hätte. So wurde z.B. die Lieferung großer Säulenschäfte mit Basen und Kapitälen für die Schloß- und Parlamentsbauten der österreichischen Hauptstadt übernommen. Später aber waren die Monolite in den notwendigen Maßen aus westfälischem Marmor nicht zu beschaffen, so daß die bereits hergestellten Basen und Kapitäle nicht verwendet werden konnten und heute noch als kostbare, mit reichen Schmuck versehene Untersätze zu Gartentischen dienen“ (Westfälische Marmor- und Granitwerke Georg Dassel Allagen i. Westf. 1914, S. 2). In der Tat ist dort ein Kapitell heute noch zu finden, sein Material ist allerdings Baumberger Sandstein (Abb. 81). Sie verstecken sich in den „13 Cubikmeter geschliffene und polierte Blockarbeit“, die im Jahres-unter den bekannten geologischen Voraussetzungen ist eine Lieferung der Säulen nicht möglich. G. Siegel macht hier in der Tat eine eklatante unternehmerische Fehlentscheidung. Er steht vor dem Problem, diese zu kompensieren, und unternimmt dazu einiges. Im September 1873 verklagt er seinen ehemaligen Kollegen J.B. Prang, dass beim Verkauf des Marmorgrubenfeldes Poppenberg 1872 dieses in Fristen gesetzt also außer Betrieb gewesen sei. Offensichtlich will er den Kaufpreis zurück oder zumindest reduzieren. In der Tat wird das Feld im Januar 1864 auf unbestimmte Zeit gefristet. J.B. Prang reagiert mit einer Gegenklage. Über den Ausgang des Prozesses ist nichts bekannt (LOBA Poppenberg). Ein weiteres Beispiel ist sein Versuch, im Juni 1874 aus dem zwei Jahre alten Anschreiben von J.B. Prang an W. Graf von Bocholtz wegen angeblich illegal entnommener Marmorsteine eine Geldforderung zu machen. Er sendet ihm für insgesamt 117 Kubikfuß [= 3,6 m[3]] Marmorsteine die stattliche und ihrem Anschein nach exakt kalkulierte Rechnung von 351 Thaler 19 Silbergroschen und 9 Pfennige (ASA 6285) (Abb. 82). Seine angegebenen Dimensionen der einzelnen Marmorblöcke scheinen uns deutlich überzogen zu sein. Nach seinen Angaben haben die Stücke im Mittelwert ein Volumen von 0,74 m3 und ein Gewicht von 1,98 Tonnen (Tab. 12). Dagegen sind acht Probeblöcke, die 1877 am Almer Podorbrunnen und damit im gleichen Raum gebrochen werden, mit einem Volumen von durchschnittlich 0,14 m3 und einem Gewicht von 0,37 Tonnen mehr als fünfmal kleiner (ASA A 6086; Tab. 13). Zunächst erkundigt sich W. Graf von Bocholtz, welche Gruben die Westfälischen Marmorwerke auf Almer Grund besitzen. Es sind Nachbar, Maikäfer, Hallerkamp und Daniel (Karte 6). Dann antwortet er im Juli 1874, dass er die Rechnung nicht anerkenne, weil er keinen einzigen Stein aus den Brüchen der Westfälischen Marmorwerke entnehmen ließe (ASA 6285). Da die Korrespondenz nicht fortgesetzt wird, gehen wir davon aus, dass Siegels Versuch, sein geschäftliches Desaster der Wiener Aufträge wenigstens etwas zu kompensieren, ins Leere läuft.
Doch für G. Siegel kommt es noch schlimmer. Im Dezember 1874 lautet der Eintrag für das Gesellschaftsregister lapidar: „Der Director Gustav Siegel zu Allagen ist aus dem Vorstand ausgeschieden. Der Kaufmann Samuel Salomon Mendelssohn, Danzig, ist in den Vorstand eingetreten“ (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49, Blatt 35). Nach Glagau (1877, S. 394) vollzieht sich sein Ausscheiden dramatischer. Wie der Aufsichtsrat mitteilt, wurde der Mitbegründer Siegel entlassen, „weil er irrational“ gewirtschaftet hatte. Dagegen protestierte Herr Siegel öffentlich und behauptete, er sei freiwillig gegangen und man habe ihn dringend gebeten zu bleiben, ja ihn überreden wollen, die Marmorwerke in Pacht zu nehmen“. Glagaus anschließende Bemerkung, dass das Geschäftsjahr 1875/76 mit dem neuen Geschäftsführer wieder mit Verlust schließt, spiegelt sich in den Zahlen des Jahresberichts der Handelskammer für die Kreise Arnsberg, Meschede für 1875 wider. Die Förderung geht von 226 Kubikmeter auf 98 Kubikmeter um mehr als die Hälfte zurück. Geliefert werden noch 172 Kubikmeter und 5000 Quadratmeter fertige Waren im Wert von 150000 Mark. Es sind noch 77 Arbeiter beschäftigt. (WWA Dortmund, S 6).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 82: Rechnung von G. Siegel, Westfälische Marmorwerke, an W. Graf von Bocholtz, Alme, wegen angeblich illegal entnommener Marmorsteine (SAW, C 957).
Vor dem Hintergrund dieser dramatischen geschäftlichen Entwicklung erscheint es uns eigenartig, dass, wie oben erwähnt, A. Widmann im Juli 1875 am Almer Podorbrunnen, es ist der Fundpunkt des Marmorgrubenfelds Balthasar (Karte 6), ohne Absprache mit W. Graf von Bocholtz oder dessen Oberförster Steine brechen lässt. Vermutlich ist es ein Versuch, besseres Material zu finden. Prompt entfernt Oberförster Scheid die Arbeiter und bittet seinen Chef um Anweisung. Der ist einem Geschäft nicht abgeneigt, erlaubt die kostenlose Probenahme und ermächtigt seinen Oberförster zu Vertragsverhandlungen. Es kommt Januar 1877 zwar noch zur Entnahme der oben bereits erwähnten Probeblöcke (ASA A 6086), doch mit dem Niedergang der Westfälischen Marmorwerke erübrigt sich ein Vertragsabschluss. Die Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im preußischen Staate (1877, S. 159) erwähnt ab 1876 für den Raum Warstein - Meschede - Brilon keine Marmorförderung mehr. Auch in den Jahresberichten der Arnsberger Handelskammer für das Jahr 1876 heißt es, dass in den Marmorbrüchen nicht gearbeitet wurde und aus den vorhandenen Beständen Ware im Wert von 48000 M. verkauft seien. Das Werk solle verkauft werden. Als Grund für die Betriebseinstellung werden zu hohe Transportkosten und eine fehlende Eisenbahnanbindung genannt (WWA Do, S 6). Kosmann (1888, S. 45) sieht Materialprobleme als einer Gründe des Niederganges: „Die dem Mitteldevon Stringocephalenkalk bei Brilon entnommenen Kalksteine, vorwiegend von grauer und blaugrauer Färbung, hatten recht schöne Abänderungen, indem weiß und roth gefärbte Kalkspathschnüre und zahlreiche Versteinerungen hübsche Zeichnung und lebendige Marmorierung lieferten. Die großen Platten waren indessen häufig rissig, so dass die Gewinnung größerer Platten mit Schwierigkeiten verbunden war und hierbei große Verluste eintraten; dann bröckelten auch die Kalkspathschnürchen aus und zeigte sich die Politur nicht haltbar; endlich traten auch die hohen Achsfrachten von den Brüchen zu den Schleifwerken hinzu , welche die Selbstkosten derartig erhöhten, dass die Konkurrenz gegen die besseren und billigeren Sorten Belgiens nicht durchgeführt werden konnte“.
Der Niedergang geht mit Personaländerungen einher. Der erst vor 15 Monaten in den Vorstand eingetretene S.S. Mendelsohn scheidet schon im Februar 1876 aus. A. Widmann ist nun alleiniger Geschäftsführer, da nach einem Beschluss der Generalversammlung von 1873 der Vorstand nur aus einem Mitglied oder mehreren Mitgliedern bestehen kann (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49, Blatt 35). Aus seinem Tagesgeschäft erhalten ist seine Antwort auf eine Anfrage des Amtes Warstein von Januar 1876, ca. 100 Marmorsteine in der Grube Herrenberg brechen zu dürfen, die er mit Auflagen zum Brechen und einem Preis von drei Silbergroschen pro Kubikfuß gestattet (SAW, C Nr. 331). Im Januar 1876 arrangiert er zwei grundbuchlich eingetragene Obligationen [Schuldverschreibungen] von jeweils 75000 Mark auf die beiden Allagener Betriebsgrundstücke vom Kaufmann und Rittergutsbesitzer Carl Keloh, Berlin. Diese werden im März 1876 durch eine Kautionshypothek von 45000 Mark auf die Marmorgrubenfelder abgesichert, die C. Keloh im Mai 1878 an die Norddeutsche Grundkreditbank abtritt (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49, Blatt 35, 71, 100). Im März 1877 muss A. Widmann nun auch gehen. An seiner Stelle wird der Kaufmann Julius Oehme, Allagen, zum Vorstand gewählt (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49, Blatt 35). Es werden nur noch 12 Arbeiter beschäftigt. Vorhandene Vorräte werden für 18000 Mark verkauft (WWA Dortmund, S 6). Dann ziehen die Aktionäre die Reißleine: „ Die Gesellschaft ist durch Beschluß der Generalversammlung vom 16. Juni 1877 aufgelöst. Zum Liquidator ist der bisherige Director der Gesellschaft Julius Böhme zu Allagen bei Soest ernannt “ (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49, Blatt 51). Angeblich soll das Werk 1878 verkauft sein, für den neuen Besitzer sei die Eisenbahn entscheidend. Doch noch 1879 werden letzte Abverkäufe von Waschtischaufsätzen, Tischplatten, Flurbelegen und Fensterbänken für etwa 24000 M. erledigt (WWA Do, S 6). In nächsten Monaten bemüht sich die Norddeutsche Grundkreditbank Hypotheken-Versicherungs Aktiengesellschaft, die notwendigen Einträge in die Berggrundbücher zu erhalten. Dann kommt das endgültige Aus. Die Gläubigerin betreibt die Zwangsversteigerung der Marmorgruben. Beim Versteigerungstermin am 28. Juli 1881 in Brilon lässt sie sich durch den Briloner Rechtsanwalt Lohmann vertreten. Der bleibt mit einem Gebot von 20 Mark Meistbietender. Die Kosten betragen 327 Mark. Die Sicherungshypotheken auf die Marmorgrubenfelder von 45000 Mark verfallen wegen „ Ungenügenheit des Kaufgeldes “ und werden am 5. Oktober 1881 gelöscht (LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 21, Blatt 71). Bereits am 23. September 1882 geschieht die berggrundbuchliche Umschreibung der Marmorgrubenfelder auf die Norddeutsche Grund Kredit Bank Hypotheken Versicherungs Aktiengesellschaft.
3.7 Westfälische Marmor- und Granitwerke Georg Dassel Allagen 1885 bis 1918
Die Anfänge des Unternehmers Georg Dassel (*22. Dezember 1852 in Düsseldorf, f8. März 1934 in Warstein-Allagen hält Ernst Fromme in seiner „Geschichte der Familie Dassel“ mit wenigen Worten fest: „Gelegentlich einer Geschäftsreise nach Soest im Jahre 1885 erhielt er Kenntnis von Produktionsmöglichkeiten in Allagen. Es handelte sich um die seit einer Reihe von Jahren stillliegenden Betriebe der Westfälischen Marmorwerke AG in Allagen. Gleich am nächsten Morgen, es war ein Sonntag, fuhr er nach Allagen, besichtigte die genannten Betriebe gründlich, erkannte sofort die sich ihm hier bietenden günstigen Entwicklungsaussichten und entschloss sich kurzer Hand, das Werk anzupachten. Die Pachtzeit war nur von kurzer Dauer, schon im nächsten Jahre, 1886 erwarb er das obere sogenannte Viktoriawerk von der damaligen Besitzerin, der Bodenkreditbank Berlin, weil eine eingehende Prüfung aller Verhältnisse während der Pachtzeit seinen ersten Eindruck voll bestätigten“ (Ferber, F.: Haus Dassel [online]).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 83: „Victoriawerk - Allagen Ansicht 1886“, aus: Festschrift Westfäl. Marmor- & Granitwerke Georg Dassel Allagen i. Westfalen 1914.
G. Dassel eröffnet 1885 die „Westfälischen Marmor- und Granitwerke Allagen“ mit 24 Arbeitern. Den Zustand des Betriebes und des dazugehörigen Wohnhauses bildet er in seiner Festschrift zum 25jährigen Bestehen seines Betriebs ab (Abb. 83). Er lässt ausschließlich ausländisches Rohmaterial verarbeiten. Es sind im ersten Jahr mit 920 Tonnen deutlich mehr als die jährlichen Umsätze beider Vorgängerbetriebe. Die miterworbenen eigenen Brüche im Sauerland werden wegen der schwierigen Transportverhältnisse nicht geöffnet (WWA Dortmund, S 6). Das erste Geschäftsjahr ist so erfolgreich, dass er sich zum Kauf entschließt. Am 6. Oktober 1886 wird der notarielle Kaufvertrag geschlossen, hier mit seinen wesentlichen Inhalten:
„Zwischen der Norddeutschen Grund-Credit-Bank zu Berlin und dem Kaufmann Georg Dassel zu Düsseldorf ist nachstehender Kaufvertrag geschlossen worden.
§1
Die Norddeutsche Grund-Credit-Bank zu Berlin, welche bis zum 3ten December 1885 die Firma Norddeutsche Grund-Credit-Bank, Hypotheken-Versicherungs-Actien-Gesellschaft geführt hat, ist Eigenthümerin
I das im Grundbuch des Königlichen Amtsgerichts zu Warstein von Allagen Band VI Blatt 33 Artikel 481 und in den Grundacten von Allagen unter No. 282 verzeichneten Grundstücke.
II folgende Gruben, das ist das Bergewerks-Eigenthum zur Gewinnung alles darin vorkommenden
Marmors:
a: der im Berghypothekenbuch des Königlichen Amtsgerichts zu Brilon verzeichneten Gruben:
[Auflistung von 34 Gruben]
b: der im Berghypothekenbuch des Königlichen Amtsgerichts zu Meschede verzeichneten Gruben:
[Auflistung von 7 Gruben]
c: der im Berghypothekenbuch des Königlichen Amtsgerichts zu Warstein verzeichneten Gruben:
[Auflistung von 7 Gruben]
d: der im Berghypothekenbuch des Königlichen Amtsgerichts zu Rüthen verzeichneten Gruben: [Auflistung von 14 Gruben]
e: der im Berghypothekenbuch des Königlichen Amtsgerichts zu Marsberg [...] verzeichneten Grube Lüling.
Die Norddeutsche Grund-Grund-Kredit-Bank verkauft ohne irgend welche Gewähr für den in den Grundbüchern oder Katasterrollen angegebenen Flächeninhalt zu übernehmen, von dem oben ad I erwähnten, im Grundbuch des Königlichen Amtsgerichts zu Warstein [.] verzeichneten [.] das sogenannte Victoiawerks [.] nebst allen darauf stehenden Gebäulichkeiten, als Wohnhaus, Betriebsund Maschinenräume, Schleiferei, Werkstätten, Pferdestall, und so weiter, überhaupt mit allem Zubehör, wie alles steht und liegt, eingeschlossen also auch die vorhandenen Steinvorräthe, Werkgeräthe, Utensilien und Mobilien jeder Art, wie Oefen, Geldschrank, Pulte und dergleichen.
B. die oben unter II aufgeführten 63 Gruben, eine Kantschleife und ein Polissoir [Poliermaschine], welche sich zur Zeit noch auf dem Restgrundstücke, dem sogenannten Liedwerk befinden, und die Herr Käufer sofort nach Abschluß dieses Vertrages auf dem Liedwerk abzubrechen und nach dem Victoriawerk hinzuschaffen hat,
an den Kaufmann Herrn Georg Dassel in Düsseldorf zu dessen Eigenthum für den Preis von 84000 - Vier und achtzig Tausend - Mark.
§ 2
Der Kaufpreis von Vier und achtzig Tausend Mark wird wie folgt belegt:
1. Herr Käufer verpflichtet sich bis zum 2ten October diesen Jahres M 3000
(Dreitausend Mark) bar anzuzahlen.
2. Herr Käufer verpflichtet sich ferner M 5000
(Fünftausend Mark) bei der Auflassung der in § 1 ad A erwähnten Grundstücke, die spätestens am 1. April 1887 zu erfolgen hat, zu zahlen. Falls er das von ihm beabsichtigte Unternehmen vor dem 15ten Februar in Betrieb setzt und eröffnet, soll von diesen 5000 Mark ein Theilbetrag von 3000 Mark sofort fällig und zahlbar sein, so daß in diesem Falle bei der Auflassung
M 8000
Am 1. April 1887 nur noch M 2000 zu zahlen sind.
3. das Restkaufgeld von M 76000
wird dem Herrn Käufer unter den im folgenden Paragraph aufgestellten Bedingungen creditiert
Macht wie oben M 84000
3 3
Der Herr Käufer verpflichtet sich das Restkaufgeld der Sechs und siebzig Tausend Mark vom 1. April 1887 ab mit vier Prozent jährlich zu verzinsen, die Zinsen in vierteljährlichen Raten postnumerando [nachträglich] von den Kalenderquartalstagen zu entrichten und auf das Restkaufgeld selbst ohne vorgehender Kündigung am 1 April 1888 eine Postnumerando-Rate in Höhe von Mark 3000 zu zahlen und mit einer gleich hohen Rate am 1 April jeden folgenden Jahres bis zur gänzlichen Tilgung des Restkapitals fortzufahren. Dem Herrn Käufer soll gestattet sein auf das jedesmalige Restkaufgeld jederzeit nach mindestens drei Monate vorher erfolgter Anzeige jede beliebige Summe, jedoch nicht in Beträgen unter Eintausend Mark neben den stigulierten Ratenzahlungen abzutragen. Verkäuferin behält sich stets das Vorrecht für den ganzen Rest des Restkaufgeldes vor den abgezahlten Beträgen vor. [Weiter Zahlungsmodalitäten]“.
In § 4 wird die Nutzung des Waldes auf den gekauften Grundstücken erst erlaubt, wenn der Käufer 18000 Mark abgezahlt hat. Beglaubigte Abschrift des Kaufvertrags zwischen der Norddeutschen Grund-Kredit-Bank, Hypotheken-Versicherungs-Actiengesellschaft, Berlin, und Georg Dassel, Düsseldorf vom 6. Oktober 1886 (LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 105, Blatt 9-18). Die Bergrechte für die 63 verliehenen Marmorgrubenfelder lässt er im Frühjahr 1888 umschreiben (LOBA Akten Alexander, Brilon I).
Bereits im zweiten Betriebsjahr 1888 verarbeiten die Westfälische Marmor- und Granitwerke G. Dassel 1440 t ausländischen Marmor und Granit, 1891 mit acht Sägegattern, sieben Schleifmaschinen, zwei Drehbänken und einer Kreissäge, 1500 t fertige oder halbfertige Fabrikate (WWA Dortmund, S. 6). Dies ist deutlich mehr als die von den Westfälischen Marmorwerken, Aktiengesellschaft in den besten Betriebsjahren 1873 und 1874 geförderten Rohblöcke von knapp 20000 Zentner bzw. 400 Tonnen (Tab. 11). Von 1895 bis 1898 sind 125 und 1899 120 Arbeiter in Allagen beschäftigt. 1894 stellen die Mecklinghäuser Marmorgruben ihren Betrieb ein (Zeitschrift für Berg-, Hütten und Salinenwesen 1895, S. 161). Bereits im Juni 1894 „ bot sich [für G. Dassel die] Gelegenheit, ein seit einiger Zeit bestehendes Konkurrenzwerk in Borghausen bei Grevenbrück im Sauerlande zu übernehmen. Erworben wurde das Unternehmen von einer Aktiengesellschaft, die sich lediglich mit der Gewinnung von Kalksteinen und Herstellung von Kalk befaßte und daher diesen anderen Geschäftszweig gern veräußern wollte. Auf der anderen Seite versprach die Uebernahme den Fortfall einer Konkurrenz und die Ausdehnung der Kundschaft auf den südlichen, unzulänglicheren Teil von Westfalen. Vor allem bot dieses Zweigunternehmen den Vorteil eines direkten Eisenbahnanschlusses, der damals dem Hauptwerke in Allagen noch fehlte “ (Westfälische Marmor- und Granitwerke Georg Dassel Allagen i. Westf. 1912, S. 3). G. Dassel übernimmt nur die Betriebsanlagen der Marmorschleiferei. Das Bergeigentum und damit das Recht Marmor abzubauen, verbleibt bei der „ Mecklinghäuser Marmor- und Kalk-Industrie Aktiengesellschaft zu Grevenbrück-Borghausen “ (LOBA Akte Attendorn). Er beabsichtigt nicht, Marmor aus der Region zu verarbeiten. Die Zahl der Beschäftigten in der Marmorschleiferei Borghausen steigt von 1896 bis 1898 von 24 auf 40, eine Zahl, die bis 1905 relativ konstant bleibt (StAA, Akte F 140). Für das Prosperieren des Borghausener Betriebs spricht auch, dass der Kreis Olpe 1897 einen Antrag von G. Dassel genehmigt, einen Dampfkessel aufzustellen (StAA, Akte F 436). 1903 gehört das Borghausener Werk zu den ersten, die im Raum Attendorn einen Telefonanschluss bekommen (Zimmermann, 1964, S. 17).
Dann beginnt eine zunächst kleine und dann wachsende Renaissance des Westfälischen Marmors. Erste Station ist 1903 der Umbau des Schlosses Herdringen durch Engelbert Graf von Fürstenberg-Herdringen (*1850, f1918). Naturbausteine des Außenmauerwerks sind Varietäten des Effenbergers, die ihre Farbigkeit nach 120 Jahren zum größten Teil verloren haben (Abb. 84). Eingebaut werden insgesamt sechs Marmorkamine, einer durch die Firma Capelletti, Trient, drei durch G. Dassels Westfälische Marmorindustrie, Borghausen, und zwei durch die Berliner Firma Deutsche Steinindustrie, Aktiengesellschaft vorm. M.L. Schleicher. Den Marmorfußboden für die Halle liefert Dassels Borghausener Werk. Für alle liegen keine materialmäßig ins Detail gehende Abrechnungen vor(AFH 2406). Doch Gräfin Pia schildet mit ihrer akkuraten Handschrift in einer Niederschrift en Detail: "
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Abb. 84: Schloss Herdringen, 1844-1853, Außenmauerwerk aus „Effenberger“, Oberdevon, Nehdenium, untere Hemberg-Schichten, Cephalopodenkalkfazies, Bereich Sundern-Hachen, Arnsberg-Müschede, -Holsen.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 85: Grüner Kamin aus westfälischem Marmor, Schloss Herdringen, Salon der Gräfin, 1903 (AFH 4165), G. Dassel Westfälische Marmor- und Granitwerke, Warstein-Alagen, vermutlich Marmorgrubenfeld Flora II, Finnentrop Deutmecke.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 86: Kamin aus Mecklinghausen rot, Schloss Herdringen, Schreibzimmer, 1903 (AFH 4165), G. Dassel Westfälische Marmor- und Granitwerke, Warstein- Alagen.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 87: Bergmannsskulptur auf einer Stele aus Mecklinghausen rot, Johann Friedrich Reusch, 1905, Deutsches Bergbaumuseum Bochum Inv.-Nr. 030007499001.
„Der Fußboden [der Eingangshalle wurde] mit Marmorplatten geschmückt. ... Der Ostflügel enthält zunächst das Schreibzimmer, welches einen Kamin aus westfälischem Marmor erhielt, ... [Der] Bibliotheksraum [bekam einen] neuentworfenen Kamin aus griechischem Skyros Marmor . [Im] grüne[n] Salon der Ostfront wurde ein grüner Kamin aus westfälischem Marmor angebracht. ... „ (AFH 4165). Dass der Fußboden aus westfälischem Marmor nicht erhalten ist, verwundert bei dessen geringer Abriebfestigkeit nicht. Dafür ist die grüne Kaminbekleidung erhalten (Abb. 85). Er wurde aus grünen Kalkknollen- und Flaserkalksteinen gefertigt, die vermutlich aus dem Marmorgrubenfeld Flora II bei Finnentrop Deutmecke, in dem Ablagerungen des Mitteldevons, Givetium, Hagen - Balve-Formation, Massenkalk, Dorpfazies, Riffkern und Kalkknollen-Schichten anstehen. Die Kamin-Bekleidung aus rotem Mecklinghauser Marmor im Schreibzimmer ist ein schlichtes und stilvolles Verwendungsbeispiel (Abb. 86). Aus dieser Zeit sind uns noch zwei weitere künstlerische Verwendungen bekannt. Im Deutschen Bergbaumuseum Bochum steht eine Bergmannsskulptur auf einer Stele aus Mecklinghausen rot (Abb. 87). Sie wurde von Johann Friedrich Reusch (*1852, +1906) 1905 geschaffen und ist ein Geschenk an den Bergwerksdirektor August Naderhoff (*1839, +1919). In dieser Zeit erstellt der Bildhauer Johann
Heinrich Wefing (*1854, +1920) das im Detmolder Schloss präsentierte Modell für das Denkmal des lippischen Grafregenten Ernst zur Lippe-Biesterfeld (*1842, +1904), dessen Sockel er aus Mecklinghausen rot fertigt (Abb. 88). Das Denkmal, nun mit einem Sockel aus rotem Granit, wird 1907 im Detmolder Schlosspark aufgestellt. Diese zwei uns bekannten Beispiele zeigen, dass Mecklinghausen rot weiterhin für kleinere künstlerische Objekte genutzt wird und die Westfälischen Marmor- und Granitwerke Georg Dassel Allagen ihn auch auf Anfrage liefern. Dazu passt deren Angebot von November über ein „ Marmormosaik nach Zeichnung aus Plattengearbeitet “ für die Herz-Jesu-Kapelle [heute Josefskapelle], unter dessen neun Marmorsorten auch der Mecklinghäuser Marmor aufgelistet wird (EBAP MK, XI 12 b Dom Kapellen). In der aus Kostengründen vereinfachten Ausführung kam er nicht zur Anwendung, wie der heute noch bestehende Fußboden erkennen lässt.
Sehr fraglich erscheint uns, dass G. Dassel in der Zeit bis 1891 vier Säulenpaare aus schwarzem polierten westfälischen Marmor für den Eingangsbereich der Leipziger Universitätsbibliothek Albertina liefert, wie Herwig et al. (2002, S. 104) erwähnen.
Vermutlich ist nur der Produktionsort gemeint, und sie werden aus importiertem Material gefertigt, dass er zu dieser Zeit ausschließlich verarbeitet. Denn schwarzen westfälischer
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 88: Modell für das Denkmal des lippischen Grafregenten Ernst zur LippeBiesterfeld, Johann Heinrich Wefing, um 1905, Schloss Detmold.
Marmor mit beeindruckenden Säulen, Taufsteinen, Weihwasserbecken und großflächigen Platten für Wandverkleidungen kommt erst 1905 wieder in Verwendung. Er gewinnt seine Rohblöcke in einer der ersten betriebenen Marmorgruben, dem Steinbruch am Nehder Kopf im Marmorgrubenfeld Balthasar, Brilon-Alme, und einer von dreien, mit denen J.B. Prang 1860 mit dem Abbau von Marmor begann (Abb. 89; Karte 6). G. Dassel muss schon früh erfahren haben, dass von politischer Seite der Wunsch besteht, in der Provinz Westfalen für öffentliche Bauten westfälischen Marmor zu verwenden. So erteilt ihm der Inhaber des Bergrechts für das Marmorgrubenfeld Balthasar, Graf von Asseburg-Hinnenburg, bereits 1903 die Abbaugenehmigung (ASA A 4810). Es steht die Einigung mit der Grundeigentümerin Witwe Gräfin von Bocholtz, Vormundin ihres Sohnes Hermann Graf von Bocholtz-Meschede (*1887, f1916), noch aus. G. Dassel wendet sich im April 1904 an sie: „ Da der Landeshauptmann zu verschiedenen Bauten der Provinz westfälischen Marmor wünscht, und ich dafür auch einige Stücke aus diesem Bruch in Aussicht genommen habe, so möchte ich gern, um diese Schwierigkeiten zu beseitigen, persönlich mit ihnen Rücksprache nehmen, um Ihnen nachzuweisen,
dass Ihren Gütern keine nachteilige Folgen aus diesem Bruch-Betrieb entstehen “ (Abb. 90). Die Gräfin wittert hier ein Geschäft. Nach einem Briefwechsel zwischen ihren Rentmeistern und Rechtsanwälten von Graf von Asseburg-Hinnenburg von 1903 und 1904 bietet sie 2000 Mark für das Bergrecht und versucht gegen die Qualität des Marmors zu argumentieren: „ Nach den mir in Alme gewordenen Mitteilungen ist das aus den Marmorbrüchen daselbst zu Tage geförderte Material derartig brüchig, daß es sich zu Bauten überhaupt nicht eignet, und vorauszusehen, daß die Brüche sich als bauwürdig nicht erweisen “. Doch Graf von Asseburg-Hinnenburg hält die Qualität des Marmors für besser, das Gebot für zu gering und liegt damit richtig. Seit J.B. Prangs noch geringfügigen Materialentnahmen anfangs der 1860er Jahre erfolgten weitere für Bauten am Schloss in Alme und den „ Electricitätsbau “. Diese Gewinnung von Bruchsteinen schließt die Lagerstätte zwar besser aber nicht gänzlich auf. In der Retroperspektive ist festzustellen, dass G. Dassel die Bauwürdigkeit von tektonisch wenig beanspruchten Schollen des Vorkommens am Nehder Kopf gekonnt einschätzt. Er hat nun auch die Möglichkeit, größere Rohblöcke über die 1898 eröffnete Almetalbahn und die angebundene Möhnetalbahn von Brilon-Alme zur Weiterverarbeitung nach Warstein-Allagen zu transportieren. Der Weg vom Marmorbruch bis zur Bahnstation in Brilon-Alme beträgt 2500 m. Im Mai 1904 einigen sich G. Dassel und der Warburger Justizrat Geissel, der die Witwe Gräfin von Bocholtz vertritt, auf eine Vergütung von 16 Mark pro Ar beanspruchte Bodenfläche. Nach Vermessung des Steinbruchareals mit tim-online.de - topographische
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Abb. 89: Steinbruch am Nehder Kopf, Goldader Steinbruch, Brilon-Alme, Oberdevon, Adorfium, Massenkalk, Dorpfazies, 2022.
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Abb. 90: Schreiben G. Dassel an Witwe Gräfin von Bocholtz, Grundeigentümerin des Marmorbruchs am Nehder Kopf, Brilon-Alme, Blatt I und II, ASA A 4810.
Karte 1936-1945 beträgt die Fläche etwa 1000 m[2] oder 10 Ar und die Vergütung demnach geschätzt 160 Mark. Diese ist geringer als G. Dassels Aufwendungen für den Unterhalt des Weges. Denn im Februar 1905 schließen er und der nun geschäftsfähige Hermann Graf von Bocholtz-Meschede, vertreten durch seinen Rentmeister, eine Vereinbarung zur Nutzung des Weges vom Marmorbruch am Nehder Kopf bis zur ehemaligen Kaplanei. Wesentliche Punkte sind, dass entgegen einer vorgehenden Vereinbarung der Graf für die Instandhaltung des Weges aufkommt. Dafür verpflichtet sich G. Dassel, 200 Mark an den Grafen zu zahlen und Abfallsteine gegen Erstattung der Lohnkosten zur Verfügung zu stellen. Vermutlich werden einige bei der Erneuerung der Mauer von Schloss Alme verbaut (Taf. 15. Fig. 5). Bereits im November 1904 lässt G. Dassel die ersten Blöcke mit fünf Wagen abfahren (ASA 4810). Er wendet sich an das zuständige Bergamt in Arnsberg, wegen des geringen Umfangs des Betriebes keine Arbeitsordnung erlassen zu müssen, was auch im Juni 1905 bewilligt wird (LOBA Balthasar). Für 1905 vermerkt der Bergrevierbeamte, dass 210 Tonnen Marmor gefördert werden und: „ Es war nur die Marmorgrube Balthasar bei Alme-Brilon mit 10 Mann Belegschaft in Betrieb. Wie im allgemeinen Teil bereits bemerkt, schloß sich der Tagebau gut auf, doch war die schlechte Witterung im letzten halben Jahr den Abräumungsarbeiten sehr hinderlich. Die großen Marmorblöcke werden im Bruch behauen, so daß sie zum Schneiden fertig den Bruch verlassen“ Der Jahresbericht 1906 vermerkt. „Belegschaft: 7 Mann mit 24 Angehörigen, Förderung: 1801 im Werte von 5684 M. Die Marmoraufschlüsse im Tagebau waren recht gut und lieferten große Blöcke von tadelloser Beschaffenheit, doch war die schlechte Witterung und der nicht zu befriedigende Arbeitermangel der Ausdehnung des Betriebes sehr hinderlich“ Für 1907 heißt es: „Belegschaft: 4
Mann, Förderung: 35,9 cbm. Marmor [= 92,3 Tonnen]. Anfang September ist der Betrieb eingestellt worden, da der bis dahin geförderte Marmor - 35,9 cbm - zum Decken des Bedarfes genügte“ (LOBA Balthasar). In den ersten drei Jahren, in denen der Marmorbruch nun betrieben wird, werden insgesamt 487 Tonnen Marmor gefördert, denen etwa 120 - 160 m[3] Rohblöcke entsprechen. G. Dassel meldet dem Bergamt im Juli 1907, Bruchmeister Stahl soll auf der Grube „Balthasar" die Oberaufsicht führen, und im September 1907, der Marmorbruch sei ordnungsgemäß eingezäunt Hänisch (2003, S. 366). Da der Marmorbruch bergrechtlich immer noch ein Bergwerk ist, gehören deshalb die Arbeiter versicherungsrechtlich zur Knappschaft. Den Arbeitern sind deren Beiträge zu hoch, sie wollen in die Ortskrankenkasse. Ihre tägliche Arbeitszeit beträgt 12 Stunden mit Ruhepausen von zwei Stunden. Aus der Festschrift zum 25jährigen Betriebsjubiläum der Westf. Marmor- & Granitwerke stammt aus der Zeit von 1904 (Brucheröffnung) bis 1913 (Drucklegung) eine Fotographie des Steinbruchs am Nehder Kopf (Abb. 91). Sehr gut erkennbar sind die weitflächigen tektonischen Zerrüttungen des Gesteinsverbandes, in dem Schollen mit großflächig intakten mit um einen Meter mächtigen Bänken auftreten, die die Gewinnung großer Rohblöcke erlauben. Diese werden auf der ebenen Fläche vor dem Steinbruch, dem Planum, unter freiem Himmel für die Weiterverarbeitung zugerichtet. Ein näherer Blick lässt einige Details erkennen (Abb. 92). Eine mit einem dicken Pfahl gesicherte Kettenwinde hilft bei der Bergung der Rohblöcke (Abb. 92 A). Mit unterlegten Rundhölzern werden sie bewegt (Abb. 92 B). Ihre Formatierung geschieht mit Keilen, Meißel und Hammerschlag (Abb. 92 C). Dazu hält ein Arbeiter einen Meißel auf den zwei Kollegen abwechselnd mit Vorschlaghämmern einschlagen. Mit Hammer und Meißel werden die Rohblöcke geglättet (Abb.92 D). Auf der westlichen Seite der Straße ist in der Topographischen Karte von 1936-1945 ein Schuppen verzeichnet, der als Aufenthaltsraum der Arbeiter und zur Unterbringung der Gerätschaften dient (UTM 32 N Ostwert 474832 m; Nordwert 5699295 m) (TIM-online2.0 [online]). Anzunehmen ist, dass auch eine Feldschmiede zum Schärfen der Werkzeuge vorhanden ist. Die Rohblöcke werden händisch mit Steinspaltwerkzeugen aus dem Gesteinsverband gelöst, denn die Verwendung brisanter Sprengstoffe führt zu schädlichen Mikrorissen (Abb. 93 und 94). Ihr Abtransport geschieht mit stabilen Pferdefuhrwerken, wie die linke Bildhälfte einer Familienaufnahme im Steinbruch noch erkennen lässt (Abb. 95).
1912 verkauft der nun 25jährige H. Graf von Bocholtz-Meschede Schloss Alme mit seinem Grundbesitz an Franz Graf von Spee (Digitale Westfälische Urkunden-Datenbank (DWUD) [online]), Im September 1912 werden die Marmorgruben Balthasar, Melchior und Alme im Berggrundbuch überschrieben werden (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 118). 1912 wird auch der Marmorabbau wieder aufgenommen. Es wird im Sommer von sechs bis zwölf Uhr und 13 - 18 Uhr in zehnstündigen Schichten gearbeitet. Im Winter geht die Arbeitszeit von acht bis zwölf Uhr und 13 bis 16 Uhr auf sieben Arbeitsstunden herunter. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges wird der Abbau eingestellt (Hänisch 2003, S. 366).
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Abb. 91: Abbausituation zur Gewinnung von Goldader im Steinbruch am Nehder Kopf, Brilon- Alme, Festschrift zum 25jährigen Betriebsjubiläum der Westf. Marmor- & Granitwerke 1913, Fotographie 1904 (Brucheröffnung) bis 1913 (Drucklegung).
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Abb. 92: Details des Abbaus von Rohblöcken aus Abb. 91: A mit einem dicken Stamm gesicherte Kettenwinde hilft bei der Bergung der Rohblöcke, B unterlegte Rundhölzern für deren Transport, C Formatierung mit Keilen, Meißel und Hammerschlag, D Glättung der Rohblöcke mit Hammer und Meißel.
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Abb. 93: Steinbruchmannschaft im Marmorbruch am Nehder Kopf, Brilon-Alme, mit Werkzeugen zur händischen Lösung der Rohblöcke, um 1910. Foto W. Schrowange, Brilon-Nehden.
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Abb. 94: Händischen Lösung der Rohblöcke Marmorbruch am Nehder Kopf, Brilon-Alme, um 1910.
Foto W. Schrowange, Brilon-Nehden.
Abb. 95: Familienaufnahme im Marmorbruch am Nehder Kopf, Brilon- Alme, Pferdefuhrwerk zum Abtransport der Rohblöcke, um 1910. Foto Alfons Peters, Brilon-Nehden.
Das erste uns bekannte Verwendungsbeispiel ist natürlich ein Bau der Provinz Westfalen und befindet sich in der LWL-Klinik Warstein, im damaligen Neubau der „ ProvinzialIrrenanstalt “, später „ Provinzial-Heilanstalt “ in Warstein (LWL-Klinik Warstein [online]), der sich in einer ersten Bauphase von 1905 bis 1907 hinzieht (Archiv LWL 102 / Provinziallandtag 1887-1933, Nr. 229, S. 41). Architektonisch wird das Bild einer zwanglos gruppierten Villenkolonie angestrebt, zu der auch die Wahl der Baumaterialien beitragen soll (Archiv LWL 102 / Provinziallandtag 1887-1933, Nr. 229, S. 37). So gehören zum historisierenden Stil der Anlage Werksteingliederungen aus dem regionalen Rüthener Grünsandstein. Konzeptionell passt dazu, dass im repräsentativen Treppenhaus des Verwaltungsgebäudes 1905 im Erd- und ersten Geschoß je zwei Marmorsäulen aus dem Steinbruch am Nehder Kopf verbaut werden. Sie haben eine Höhe von etwa 200 Zentimeter und unten einen Durchmesser von etwa 43 Zentimetern und oben von 38,5 Zentimetern (Abb. 96, Taf., Fig. 1). Die prägnanten rot melierten Kalzitader (Taf. 4, Fig. 2 und 3) geben G. Dassel die Idee für den werbewirksamen Sortennamen „ Goldader, von nun ab auf Rechnungen und Mustertafeln der Westfälischen Marmor- und Granitwerke Allagen“ geführt wird.
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Abb. 96: Säulen aus Goldader im Eingangsbereich der Verwaltung der LWL-Klinik Warstein, Neubau der „Provinzial-Irrenanstalt“, später „Provinzial-Heilanstalt“, 1905.
Im Januar 1904 werden für den Neubau des Provinzialmuseums in Münster, heute LWL- Museum für Kunst und Kultur, Arbeiten ausgeschrieben, die auch im Allgemeinen BauAnzeiger in Berlin erscheinen (Archiv LWL 130/144). Am 8. Juni 1904 erhält G. Dassel eine Anfrage zur Lieferung von Säulen. Auf ein erstes Angebot am 20. Juni 1904 reicht er ein zweites am 09. Juli 1904 ein. Das enthält, wie vom westfälischen Landesbaurat Hermann Zimmermann (Landesbaurat Hermann Zimmermann Architekt [online]) zunächst gewünscht, neben roten schwedischen Granit auch roten Odenwald-Granit und grauen Odenwald-Felsberg-Granit (Archiv LWL 130/641 S. 184). Landeshauptmann Ludwig Holle (*1855; f1909, amt. 1900 -1904, Zilch 1999, S. 295) ist mit dieser Auswahl offensichtlich nicht einverstanden. Er schreibt dem zuständigen Architekten Hermann Staedtler (*1857; f1931): „Auf Grund der Besprechung mit meinem Herrn Referenten ersuche ich Sie ergebenst, tunlichst bald mit dem Westf. Marmor- u. Granitwerk in Allagen in persönliche Unterhandlung zu treten, um festzustellen, welche Marmorarten westfälischen Ursprungs gut geeignet sein würden für die Verwendung im Umbau des Provinzialmuseums sowohl zu Säulen, Pilastern wie zu Fußpflaster an den Haupttreppen“ (Archiv LWL 130/638, S. 20). Architekt H. Staedtler berichtet dem Landeshauptmann, dass am er „ 19. d.M. [des Monats, Mai) „ zur Besichtigung des westfälischen Marmors in Allagen war, weil der Inhaber des Werks, Herr Dassel, vorher verreist war. Von sämtlichen westfälischen Marmoren kann für die Säulen und Pilaster des neuen Museums nur der mit „Goldader“ bezeichnete in Frage komme, die übrigen sind größten theils nicht in großen Stücken zu beschaffen ... Der oben erwähnte Marmor „Goldader“ ... eignet sich für die Säulen und Pilaster sehr gut“ und er empfiehlt dringend, denselben für das Erdgeschoss und das erste Oberschoss zu nehmen“ (Archiv LWL 130/638, S. 24).
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Abb. 97: Angebot G. Dassels für Sockel, Postament, Säulen und Pfeiler für das Treppenhaus des Provinzial-Museums mit Schäften aus Goldade, Blatt I und II. LWL 130/638, S. 35.
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Abb. 98: Säulen aus Goldader, Erdgeschoss des Treppenhauses des Provinzialmuseums, jetzt LWL- Museum für Kunst und Kultur, Münster, versetzt April 1905, Westfälische Marmor- & Granitwerke G. Dassel, Allagen. Foto U. Kaplan.
Am 23. September 1906 sendet G. Dassel sein Angebot mit der Marmorsorte Goldader, dessen Preise unter denen der offerierten auswärtigen Gesteine liegen (Abb. 97). Er bittet den Landeshauptmann um eine möglichst baldige Klärung, damit er rechtzeitig das Rohmaterial gewinnen könne (Archiv LWL 130/638, S. 35). Vor der Vertragsvergabe erhält G. Dassel die Aufforderung, sich am 06. Oktober mit dem Landesbaurat H. Zimmermann auf der Baustelle der Warsteiner Heilanstalt zu treffen. Der bestätigt, dass die dortige Säule aus der für das Museum in Aussicht genommenen Goldader ist und eine vorzügliche Färbung und Aderung hat (Abb. 96). Nach einigen Detailabsprachen erhält G. Dassel am 14. Oktober 1904 den Auftrag im Werte von 5978 Mark. Am 2. November 1904 bestätigt er den Empfang der Zeichnungen zu den Säulen und Pilastern, bemerkt aber: „Ich entbehre noch einer Benachrichtigung, wie die Postamente und Sockel dieser Pilaster und Säulen ausgeführt werden sollen. Unlängst habe ich Ihnen vorgeschlagen, die unteren Sockel ebenfalls aus Goldader-Marmor zu machen, um die entsprechende Preisermässigung zu Wege zu bringen.- In den mir eingesandten Details sind die Untersockel aber noch als Granit bezeichnet“ (Archiv LWL 130/638, S. 50). Und in der Tat werden sie in Goldader ausgeführt. G. Dassel bestätigt den endgültigen Auftrag vom 30. November 1904 für die Lieferung von zehn Pfeilern mit dem Vermerk, dass die Pfeiler bereits teilweise fertiggestellt seien und die Lieferung voraussichtlich im Januar erfolgen kann (Archiv LWL 130/638, S. 60). Doch dazu kommt es erst im April 1905. Die Säulen und Pfeiler werden von G. Dassels Beschäftigten im großzügigen, zweiläufig-mehrarmigen Treppenhaus (Dehio 2011, S. 762) versetzt (Abb. 98; Taf. 5, Fig. 1-3). Zur Eröffnungsfeier des Museums stiftet G. Dassel eine postamentartige Säule aus westfälischem Marmor (Archiv LWL 130/643), deren Verbleib uns nicht bekannt ist.
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Abb. 99: Zur Gewichtsreduktion und Verhinderung von durchgehenden Rissen durchbohrte Säule aus Goldader, Park von Haus Dassel in Warstein-Allagen.
Fast zeitgleich nämlich von 1905 bis 1907 wird in Berlin der Neubau des Oberverwaltungsgerichts errichtet. Die Marmorsäulen im Treppenhaus sowie im Obergeschoss und die Fensterbänke im Treppenhaus liefert G. Dassel (Das neue Dienstgebäude für das königliche Oberverwaltungsgericht in Berlin 1909, S. 54). Geliefert werden sie vermutlich über Georg Dassels Rohmarmorlager in Berlin (Westfäl. Marmor- & Granitwerke Georg Dassel Allagen i. Westf. 1914), dessen Parzelle er in der Nähe des Anhalter Bahnhofs anpachtet (LA STA Rep. 10-02 Nr. 08185). Die Produktionsstätte dieser Säulen zeigt die Abbildung „Victoriawerk - Allagen - Säulen Dreherei“ in der Festschrift zum 25jährigen Betriebsjubiläum der Westf. Marmor- & Granitwerke (1914) (Abb. 100). Zur Gewichtsreduktion und zur Verhinderung durchgehender Risse werden größere Säulen durchbohrt, wie eine umgestürzte Säule aus Goldader im Park von Haus Dassel in Warstein- Allagen zeigt (Abb. 99).
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Abb. 100: „Victoriawerk - Allagen Säulen Dreherei“, aus: Festschrift Westfäl. Marmor- & Granitwerke Georg Dassel Allagen i. Westfalen 1914.
1907 gibt G. Dassel für das neue Provinzialmuseum ein weiters Angebot für „2 kaminartige Verkleidungen nach eingesandter Zeichnung alle sichtbaren Flächen sauber poliert“ ab (Archiv LWL 130/638, S. 391). Er legt Proben von vier Marmorsorten vor. Für den westfälischen Marmor „ Alma “ kalkuliert er pro Stück 430 Mark, für „ deutsch rot “ 450 M, nachgehend für „ rot Mecklinghauser Marmor “ und „ rotem belg. Granit “ 480 Mark. „ Alma “ empfiehlt er als „farbenprächtigen westfälischen Marmor, zu „ deutsch rot “ bemerkt er, dass der zwar ein deutscher Marmor sei aber aus Bayern stamme. Sein Hinweis, „rot Mecklinghauser Marmor “ werde in seinem Bruche in Mecklinghausen Kreis Olpe gewonnen, belegt, dass dort weiterhin Rohblöcke gewonnen werden (Archiv LWL 130/638, S. 393, 394). Dann gibt es Irritationen. Der Landeshauptmann reklamiert in einem Schreiben an G. Dassel: „Das von Ihnen für die beiden Marmorkamine im Haupttreppenhause des Landesmuseums verwandte Material weicht in Struktur und Farbe erheblich ab von der s. Zt. von Ihnen vorgelegten Probe des Mecklinghauser Marmors. Er entspricht vielmehr einer hier vorliegenden Probe eines französischen Marmors, rouge acajou“ ( Archiv LWL 130/638, S. 463). Leider können wir dieser Reklamation nicht nachgehen, weil die Kaminverkleidungen nicht erhalten sind. Doch offensichtlich ist G. Dassel bei seiner Ehre gepackt. Eilends antwortet er dem Landeshauptmann mit Telegramm: „marmor der kamine selbstverständlich westfälischen ursprungs, ist gewonnen bei helden kr. Olpe Dassel“ (Archiv LWL 130/638, S. 452). In seiner postwendenden brieflichen Antwort stellt er fest: „ Der von Ihnen erwähnte französische Marmor, rouge acajou gleicht in der Tat meinem roten Mecklinghauser Marmor “. Nach Herbeck (1953, S. 112) stammt er aus dem Departement Haute Garonne und zeichnet sich durch ein gleichmäßiges warmes Rot aus. Den Unterschied zwischen dem eingesandten Muster und dem Kamin führt G. Dassel darauf zurück, dass das Muster „ Hirnschnitt “ und der größte Teil der sichtbaren Flächen der Kamine „ Lageschnittfläche “ zeigen. Nachgehend gibt G. Dassel in seinem Schreiben Einblicke in seine Einschätzungen des Marmorgeschäfts Anfang des 20. Jh. Sein Mecklinghauser Marmor wird weniger geschätzt und bewertet als der französische rouge anjou, „weil die Verbraucher nun einmal an fremden Material hängen und ausserdem grosse ausländische Gesellschaften, wie z.B. die Société Anonyme de- Herbes le Château mit Zweigniederlassungen in Düsseldorf, Hamburg und Berlin den von ihnen abhängigen Kleinmarmorgeschäften in Deutschland vorzugsweise das fremde Material liefern, aber das einheimische schlecht machen“ (Archiv LWL 130/638, S. 455, 456). G. Dassel erfährt eher zufällig von der Einweihung des Museums im März 1908: „ Damit meine Marmorlieferungen im richtigen Glanze dastehen, möchte ich Sie gerne vor der Feier gern durch einen meiner Leute nachpolieren lassen und stelle dafür gern einen Arbeiter unentgeltlich zur Verfügung “ (Archiv LWL 130/638, S. 455, 475). Anlässlich seiner Einladung zur Einweihungsfeier stiftet er eine postamentartige Säule aus westfälischem Marmor zur Aufstellung eines Kunstgegenstandes (Archiv LWL 130/641, S. 359). Wir konnten diese nicht mehr nachverfolgen. Wenig später, 1907-1911, wird in Düsseldorf der Neubau des Regierungsgebäudes errichtet. Im Treppenhaus und erstem Geschoss werden repräsentative Geländer und Brüstungen aus rötlich - grauem Marmor gefertigt, der nach Saltzwedel (1913, S. 200, 202) aus Westfalen stammen soll. Bestätigende Hinweise zu dessen Herkunft ließen sich bislang nicht recherchieren.
Ein weiteres eindrucksvolles Beispiel für Säulen aus Goldader findet sich im Sauerland in der Balver St. Blasius-Kirche, für die G: Dassel in der ersten Jahreshälfte von 1910 zwei Säulen poliert mit einer Länge von 270 Zentimeter und einem Durchmesser von 60 Zentimeter für einen Einzelpreis von 470 Mark und zwei kleinere für 22,50 Mark liefert (PfA Balve, Rechnung Dassel 1910 Säulen). Die beiden großen Säulen (Abb. 101, Taf. 6, Fig. 1) grenzen mit ihrem typischen Kolorit im neu errichteten neuromanischen Zentralbau, errichtet 1910 bis 1912 (Dehio 2011, S. 86) markant den Altarraum ab. Die rechte Säule zeigt in seiner polierten Oberfläche zahlreiche Fossilien des ehemaligen tropischen Riffs, darunter Stromatoporen, ausgestorbene Verwandte der Korallen (Abb. 102). Die kleinere Goldader-Säule fasst mit einer aus der Schweizer Marmorsorte „ rouge jaspé “ (Taf. 6, Fig. 2) die Grabkapelle von Dechant Franz Amecke (*1861; f1933) ein. Weitere heute nicht mehr vorhandene Verwendungen von Goldader, diese stets im Kontext mit anderen Marmoren, sind Stufen und Einlegeplatten für den Hochaltar von 1912 (PfA Balve, Rechnung Dassel 1912 Hochaltar) und Säulenschäfte im Herz Jesu Altar von 1916 (PfA Balve, Rechnung Dassel 1916 Herz Jesu Altar). Die Rohblöcke für die drei in der Balver St. Blasius-Kirche müssen noch aus der Abbaukampagne von 1904 bis 1907 stammen, da der Weiterbetrieb im Goldader-Steinbruch erst 1912 beginnt.
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Abb. 101: Säulen aus Goldader im neuromanischen Zentralbau der kath. Pfarrkirche St. Blasius, Balve, Sauerland, 1910, Westfälische Marmor- & Granitwerke G. Dassel, Allagen.
Die Verwendung von Goldader in der Balver St. Blasius-Kirche steht nicht allein im sakralen Bereich. Bis zur Wiedereröffnung des Steinbruchs am Nehder Kopf werden im ausgehenden 19. bis zu Beginn des 20. Jh. für Taufsteine und Weihwasserbecken keine westfälischen Marmore verwendet Das Weihwasserbecken der St. Pankratius-Kirche von Eslohe-Reiste von Mitte des 19. Jh. ist aus schwarzem Schupbacher Marmor von der Lahn. Deutlich häufiger ist die wallonische Marmorsorte Petit Granit bis etwa 1905 im Gebrauch, beispielsweise für das Taufbecken der Frönderberger St. Marienkirche um 1900 (Fröndenberg St. Marien Taufbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 930343). Von G. Dassel selbst produzierte Beispiele sind die Cuppa des Taufsteins in der von ihm gestifteten evangelischen St. Markus-Kapelle in Warstein-Sichtigvor und der Taufstein in der Warstein- Allagener St. Johannes Baptist-Kirche, der in das vierte Viertel des 19. Jahrhunderts datiert wird (Erzb. PB FK Allagen St. Johannes Bapt. Taufbecken 00030176; Abb. 103). Jüngstes Beispiel ist der Taufstein der St. Antonius-Kirche in Schmallenberg-Fleckenberg, der aus der Zeit des Kirchenbaus von 1905-1906 stammt. Ab dieser Zeit, wahrscheinlich mit der Verwertung alter Lagerbestände und mit Beginn einer zweiten Abbaukampagne im Steinbruch am Nehder Kopf von 1912 bis 1914
Abb. 102: Säulen aus Goldader mit Stromatoporen im neuromanischen Zentralbau der kath.
Pfarrkirche St. Blasius, Balve, Sauerland, 1910, Westfälische Marmor- & Granitwerke G. Dassel, Allagen.
produziert G. Dassel Taufsteine und Weihwasserbecken nur noch aus selbst gewonnenem Goldader- und Alma. Offensichtlich lässt er bereits wie zwischen 1904 und 1907 dann von 1912 bis 1914 auf Vorrat abbauen, denn auch nach der kriegsbedingten Einstellung des Abbaus 1914 liefert er noch bis 1920 an sakrale Objekte aus.
Abb. 103: Taufstein, kath. Pfarrkirche St. Johannes Baptist, Warstein-Allagen, vierte Viertel 19. Jahrhundert, wallonischer Marmor „Petit Granit“ mit typischen Stielgliedern von Seelilien, Westfälische Marmor- & Granitwerke G. Dassel.
Für die Zeit von 1912 bis 1920 können wir ein sakrales Verwendungsbeispiel aus dem Bistum Münster und 16 aus dem Erzbistum Paderborn belegen. Die Mehrzahl ist in Datenblättern dessen Fachstelle Kunst (Erzb. PB FK) verzeichnet. Darin werden viele aber nicht alle in das vierte Viertel des 19. Jahrhunderts datiert, vermutlich weil entsprechende Belege nicht vorlagen. Nur in Ausnahmen wird Goldader korrekt angesprochen, Alma nie. Ansonsten wird nur generell als Material Marmor genannt. Nach unserer Inaugenscheinnahme können wir die Gesteinsansprache spezifizieren. Da wir wissen, dass Goldader- und Alma erst seit Ende 1904 abgebaut und erst ab 1910 für sakrale Objekte verarbeitet werden, datieren wir sie entsprechend. Beachtenswert ist der Taufstein von St. Ludgerus in Alme (Brilon-Alme St. Ludgerus Taufbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Standort: 40331) (Taf. 9, Fig. 2). Nach mündlicher örtlicher Überlieferung soll der Taufstein noch zu Zeiten J.B. Prangs in der Marmorschneidmühle auf dem alten
Hammerplatz gefertigt worden sein. Doch die engen stilistischen Bezüge zu anderen Anfang der 1910er Jahre gefertigten Taufsteinen und der gedrehte Schaft legen diese Zeit nahe. Auch liegen keinerlei archivalischen Belege vor. Weitere Verwendungen von Goldader sind der 1912 von G. Dassel der Allagener Kirche gestiftete Taufstein, der im Eingangsbereich Haus Dassel, Warstein-Allagen, aufgestellt ist (Abb. 108, Taf. 9, Fig. 3), der Taufstein, von St. Johannes Enthauptung in Warstein-Suttrop, der Taufstein von Ss. Cosmas und Damian in Wadersloh-Liesborn (Taf. 9, Fig. 4) sowie der eindrucksvolle Taufstein (Warstein-Suttrop St. Johannes Enthauptung Taufbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 2570068) (Taf. 9, Fig. 1) und die Weihwasserbecken von St. Johannes Enthauptung in Warstein-Suttrop (Warstein-Suttrop Weihwasserbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 2570071) (Taf. 10, Fig. 2), St. Pankratius in Warstein- Belecke (Warstein- Belecke Probsteikirche St. Pankratius Taufstein.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Standort: Belecke 00260303) (Taf. 10, Fig. 3). sowie von St. Jakobus der Ältere, Elspe (Taf. 10, Fig. 4) sowie von kath. Pfarrkirche St. Christopherus, Werne (Taf. 10, Fig. 5). Ein seltener Beleg der Verwendung von Goldader für Säulen einer Kommunionbank aus Baumberger Sandstein fand sich 2015 auf dem Betriebshof des Steinmetzbetriebs Fark Naturstein, Havixbeck (Taf. 10, Fig. 1).
Abb. 104: Taufstein, Stiftskirche St. Peter und Paul, MarsbergObermarsberg, um 1912, Alma, Westfälische Marmor- & Granitwerke G. Dassel, Allagen.
Fünf aus Alma gefertigte Taufsteine konnten identifiziert werden. Der von St. Peter und Paul in Marsberg-Obermarsberg (Abb. 104) soll ursprünglich in der Obermarsberger Pfarrkirche St. Nikolai gestanden haben soll (Marsberg-Obermarsberg S. Peter & S. Paul Taufbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Inventar-Nr.: 01980061). Der Taufstein der kath. Pfarrkirche St. Maria Magdalena, Anröchte-Effeln (Taf. 16, Fig. 1) besitzt einen Ständer teilweise aus einem schwarzen Marmor. Sonst gehört er wie der der kath. Pfarrkirche St. Pankratius, Rüthen-Hoinkhausen (Taf. 16, Fig. 2) und der der Jugendkirche St. Martini in Münster (Taf. 16, Fig. 4) zur gräulich - rötlichen Variante von Alma, dagegen der Taufstein von St. Nikolaus in Rüthen (Taf. 16, Fig. 3) zur dunkelgrauen. Bei seiner kunsthistorischen Inventarisierung 1991 stand er im Garten des Pfarrhauses (Rüthen St. Nikolaus Taufbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 2280026) und erklärt die dadurch bewirkte Vermattung seiner einst polierten Oberfläche.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 105: Säulen im Chorraum, kath. Pfarrkirche St. Kilian, Letmathe, Goldader, roter schwedischer Granit, 1917, Westfälische Marmor- & Granitwerke G. Dassel, Allagen.
Wirtschaftshistorisch bemerkenswert ist, dass die Westfälischen Marmor- und Granitwerke auch während des 1. Weltkriegs ausliefern. Der 1915 aufgestellte Hochaltar von St. Marien in Korbach hat Säulen aus Goldader (Korbach St. Marien Altar, Säulen Stipes.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 1570140). In der Balver St. Blasius Kirche wird im August 1916 der „Herz-Jesu Kriegs-Altar in Untersberger Marmor mit Säulenschäften aus Goldader Marmor einschließlich Versetzen“ geliefert. Er kostet 1510 Mark, „Zahlungsbedingungen während des Krieges: Zahlbar innerhalb 30 Tagen bar mit 1% % Skonto “ (Pfarrarchiv St. Blasius Balve, Rechnung Kriegsaltar). Die Verwendung des aus der Nähe von Salzburg stammenden Untersberger Marmors ist kriegsbedingt. Eigentlich wäre der italienische Carrara-Marmor der Stein der Wahl. Der ist im 1. Weltkrieg nicht verfügbar, weil Italien Kriegsgegner ist, und damit hat G. Dassel keinen Zugriff auf seinen Carrara-Marmorbruch bei Pontecimato. Der als Behelf verwendete Untersberger Marmor ist im Vergleich mit Carrara-Marmor nicht ganz weiß, grobkristalliner und damit nicht so glänzend polierbar. Diese Ersatzverwendung ist kein Einzelfall. Aus ihm schafft der Bildhauer G. Busch (*1862; f1943) 1916 das Denkmal des Bischofs Konrad Martin (*1812, f1879) im Paderborner Dom (Kaplan 2018. S. 251). Der Balver Altar wurde durch einen 1981 restaurierten Barockaltar ersetzt (Dehio 2011, S. 86) und scheint verschollen. Die letzte Lieferung im 1. Weltkrieg sind 1917 acht große Säulen aus
Goldader für den Neubau der St. Kilian-Kirche in Solingen-Letmathe, die im Chorraum in Kombination mit vier weiteren Säulen aus rotem schwedischen Granit aufgestellt werden. Diese hatte G. Dassel bereits in seinem Angebot für den Neubau des Provinzialmuseums in Münster (s.o.) (Iserlohn-Letmathe St. Kilian Säulen.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 1640057; Abb. 105; Taf. 7, Fig. 1). Zwei Seitenaltäre in den Apsiden sind im Jahre 1917 noch nicht fertig und können erst 1920 aufgestellt werden (Iserlohn-Letmathe St. Kilian Altar.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Inventar-Nr.: 01630742; Iserlohn-Letmathe St. Kilian Altar.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Inventar-Nr.: 01630743). Der Altar in der südlichen Seitenapsis hat eine Mensa aus Goldader, einen Stipes aus Alma und Säulen aus rotem schwedischen Granit, der in der nördlichen Seitenapsis hat eine Mensa aus Goldader und der Stipes eine Frontplatte aus Alma (Taf. /, Fig. 2).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 106: „Victoriawerk - Allagen Ansicht 1913“ mit umgebauter Villa Dassel, aus: Festschrift Westfäl. Marmor- & Granitwerke Georg Dassel Allagen i. Westfalen 1914.
Bemerkenswert sind die Verwendungen von westfälischen Marmoren im Haus Dassel mit Büroräumen in Souterrain in Warstein-Allagen. Bereits 14 Jahre nach Erwerb der Allagener Marmorwerke, die anfänglich noch mit einer Hypothek von 76000 Mark belastet waren, lässt G. Dassel 1900 sein Wohn- und Geschäftshaus durch den Architekten C.W. Schleicher (*1857; ^1938) aufwendig umbauen. Der ist schwerpunktmäßig im Düsseldorfer Raum tätig ist, entwirft und erbaut vorwiegend Villen und Landhäuser für den dort ansässigen „IndustrieAdel“ (Carl Wilhelm Schleicher [online]). Nach Roeb (2006) erhielten G. Dassels Westfälischen
Marmor- und Granitwerke von C.W. Schleicher Aufträge im Geldwert von mehreren Millionen Euro. „Die reichhaltigen Marmorverkleidungen im Inneren, die Säulen und Kamine gehören ... zu den später hinzugefügten luxuriösen Veränderungen des heutigen Hauses“ (Ferber, F.: Haus Dassel [online]). Die umgebaute Villa mit dem angrenzenden Victoriawerk bildet G. Dassel in seiner Festschrift zum 25jährigen Betriebsjubiläum ab (Abb. 106). Der Eingangsbereich ist repräsentativ mit Marmor gestaltet.
Abb. 107: Kamin im Eingangsbereich Haus Dassel, Warstein-Allagen, Variante des portugiesischen Estremoz-Marmors.
Der Kamin ist Varianten des portugiesischen Estremoz-Marmors (Abb. 107), ebenso wie die Wandverkleidungen und die Säulen (Abb. 108) und Wir gehen davon aus, dass die weiteren Arbeiten mit westfälischen Marmoren nach 1905 eingebaut werden, weil dann erst Goldader zur Verfügung steht. Dazu gehört der Kamin aus Goldader im Speisezimmer (Taf. 12, Fig. 1). Die Arbeitsfront der Küche ist mit Platten aus der Marmorsorte Hohlstein aus dem Steinbruch Schüren bei Meschede-Enkhausen bekleidet (Abb. 109, Taf. 23, Fig. 1 und 2). Der Eingangsbereich des Bürotrakts hat großflächige Wandverkleidungen aus den Marmorsorten Goldader und Lennestein (Taf. 12, Fig. 2). Letzterer findet sich sogar in der Herrentoilette, nicht in der Damentoilette. Da dessen Vorkommen erst 1935 abbauwürdig aufgewältigt werden, liegt ein Einbau in den späten 30er Jahren des 20. Jahrhunderts nahe. Nicht ursprünglich zu Haus Dassel gehörig, aber später hier aufgestellt sind der 1912 von G. Dassel der Allagener Kirche gestiftete Taufstein und die Büste von G. Dassel aus Carrara-Marmor mit einem Sockel aus Goldader, nach seinem Tod 1934 geschaffen (Abb. 108; Taf. 12, Fig. 2). Recht kurios ist die Verwendung von Goldader in der elektrischen Zentrale des Lietwerks in Warstein-Allagen. Platten bilden die obere Verblendung der Schalttafel, die dem damaligen
Stand der Technik entsprechend aus Carrara-Marmor ist (Taf. 13, Fig. 1), dessen Außenfronten mit dem Wasserzulauf noch erhalten sind (Taf. 13, Fig. 2).
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Abb. 108: Eingangsbereich Haus Dassel, Warstein-Allagen, Wandverkleidungen und Säulen Varianten des portugiesischen Estremoz-Marmors, später aufgestellt der Taufstein, 1912 von G. Dassel der Allagener Kirche gestiftet, und die Büste von G. Dassel aus Carrara-Marmor mit einem Sockel aus Goldader, nach 1934.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 109: Arbeitsfronten der Küche im Haus Dassel, Warstein-Allagen, Einfassungen Hohlstein aus dem Steinbruch Schüren bei Meschede-Enkhausen.
Wir gehen davon aus, dass G. Dassel für profane Bauten Wandverkleidungen auch aus westfälischem Marmor liefert. Dies legt seine Zusammenarbeit mit dem oben erwähnten Architekten C.W. Schleicher nahe. Nur sind uns keine Verwendungsbeispiele bis auf die Ausnahme in Schloss Körtlinghausen bei Rüthen-Kallenhardt und im Haus Dassel bei Warstein-Allagen bekannt. Nach Auskunft von Constantin Freiherr von Fürstenberg ist die Zeit ihres Einbaus nicht mehr bekannt. Wir vermuten sie im historischen Kontext vor dem ersten Weltkrieg. Ein späterer Einbau ist nicht auszuschließen. Bei der Restaurierung des Schlosses 2000 bis 2003 haben er und sein Vater Dietger Freiherr von Fürstenberg die Platten nicht in den Bauschutt gegeben, sondern gerettet und eingelagert. Teile von ihnen werden als Fensterbänke im Pächterhaus und in einem Toilettenraum des Schlosses, jetzt als Eventlocation, geschmackvoll genutzt (Abb. 117).
Im April 1909 verkauft G. Dassel die Marmorgruben Karthaus und Heimberg an G. Riggert in Brilon. Bis dahin hat dort keinerlei Marmorgewinnung stattgefunden. Kosmann (1913, S. 272) erwähnt den Versuch Riggerts „ gewisse Bänke des Massenkalks als Marmor auf Grund der kurkölnischen Bergordnung anerkannt zu sehen und bergrechtlich verliehen zu erhalten, mit welchem Erfolg ist nicht bekannt geworden “. Nach der Bergakte der Grube Karthaus (LOBA Karthaus) werden von 1910 bis in die 1920er Jahre jährlich angeblich 1500 bis 2750 Tonnen Marmor gewonnen. Der Abbau findet untertage statt und folgt einem Kalkspat-Gang, dem eigentlich gewonnenen Mineral.
3.8 Westfälischer Marmor 1918 - 1945
Materialmangel und neue Abbauversuche
Der erste Weltkrieg bringt auch für das deutsche Marmorgewerbe sehr große Einbrüche mit sich. 1913 importiert Deutschland 71129 Tonnen Marmor und Alabaster, wobei Alabaster zu vernachlässigen ist. Erst für 1920 und 1921 liegen wieder Zahlen vor. 1920 sind es 14697 Tonnen und 1921 14062 Tonnen und damit nur ein Fünftel der Vorkriegsmenge (Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich, Band 42, 1922, S. 63*). Dieser Materialmangel lässt Betriebe auf die Suche nach einheimischen Lieferanten gehen. Im Dezember 1919 schreibt die Firma Steinwerke Jaminet aus Essen an das Briloner Amt Thülen: „Wir wären Ihnen zu Dank verpflichtet, wenn Sie uns am Orte ansässige Firmen nennen würden, die sich mit der Lieferung von Marmor in Rohblöcken und rohen gesägten Platten befassen“ (SAB Amtsarchiv Thülen A 746). Nicht verwunderlich werden im Raum Brilon - Marsberg zu Beginn der 1920er Jahre Versuche zur Produktion von Marmorplatten unternommen, die aber alle keinen Bestand haben. Die Briloner Marmorgrubenfelder Flötzberg I und II haben in diesem Kontext eine bewegte Eigentümergeschichte. R. Schmitz und seine Ehefrau, denen beide Marmorgrubenfelder 1861 verliehen wurden, verkaufen sie im Mai 1897 an den Unternehmer Hugo von Gahlen (*1860; f1933). Im Dezember 1918 erwirbt sie der Briloner Stadtbaumeister Hüttenbrink, der sie schon Januar 1920 an den Kaufmann Norbert Hüttenbrink, Werl, abgibt. Dieser veräußert sie bereits im Mai an den Kaufmann Louis König in Dortmund. Der nennt seinen Betrieb im September 1920 „Kalk- und Marmorbergwerke Brilon GmbH“ und wandelt ihn August 1922 um in die „Kalk- und Marmorbergwerke Brilon Aktiengesellschaft“ (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 113). Im gleichen Jahr im Juni 1920 pachtet er zusammen mit F. Killing aus Anröchte von G. Dassel das Marmorgrubenfeld Minerva in der Nähe der Steinbrüche am Flötzberg mit dem Recht, Kalkstein abzubauen (Karte 6). Als Marmor verwendbare Blöcke bleiben Eigentum des Pächters. Doch „ Die Kosten der Gewinnung und Herrichtung solcher Massen sind von den Westfälischen Marmor- u. Granitwerken oder Herrn Dassel zu tragen “ (LOBA Minerva). Die Firma nennt sich anfangs Möhnethaler Kalk- und Steinwerke GmbH. Dann wird sie zeitweilig in die Möhnethaler Kalk- und Marmorbergwerke A.G. umgewandelt und ist ab 1925 wieder Möhnethaler Kalk- und Steinwerke GmbH (SAB Amtsarchiv Thülen A 746). Auch wenn der Begriff Marmor zeitweilig in den Firmennamen auftaucht, wird keiner abgebaut. Die „ Kalk- und Marmorbergwerke Brilon Aktiengesellschaft “ wird 1922 als produzierend genannt (LAV NRW W Kreis Brilon, Landratsamt, Nr. 1402). Wir gehen davon aus, dass lediglich Kalkstein abgebaut wird, auch wenn-Kraft (1960, S. 19) in seinem kurzen Beitrag zum heimischen Marmor erwähnt: „In den Kalksteinbrüchen am Flantsberg [Flötzberg] bei Wülfte (Kreis Brilon), die während der Ruhrbesetzung [Anfang 1923 bis 1925] in Betrieb waren, ist ein dem „Goldader“ ähnlicher Stein zu finden“. Schon 1926 zeigen sich wirtschaftliche Schwierigkeiten und der Flötzberger Betrieb geht in Konkurs (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 113).
1921 verpachtet G. Dassel die Marmorgrubenfelder Theresia I, Kain und Emma I mit dem Recht auf Ausbeutung dem Sauerländer Schwerspatwerk. 1928 versucht das Schwerspatwerk die Pacht einzusparen und strengt einen Prozess gegen G. Dassel an, der mit einer Gegenklage kontert. Das Schwerspatwerk argumentiert, dass in den Gruben nie Bergbau umging, zudem seien sie gefristet und deshalb ins Bergfreie gefallen. Folglich besäße G. Dassel nicht das Bergeigentum und ihm stände keine Pacht zu. Doch nach Auskunft des Oberbergamts Bonn besteht das Bergeigentum weiterhin (LOBA Baptist).
Zwei weitere Versuche, Marmor abzubauen, finden sich in Marsberg-Giershagen. Es sind die Marmorsteinbrüche von Clemens Stein und der Kalk- und Marmorwerke Welda-Bredelar (Karte 7). Nach einem Revisionsbericht der Steinbrüche im Amt Niedermarsberg wird der Marmorsteinbruch von Clemens Stein 1923 betrieben und ist 1925 eingestellt (LAV NRW W Kreis Brilon, Landratsamt, Nr. 1402). Es ist der östliche Steinbruch am Südhang des Heimbergs, in dem oberdevoner Adorfer Bänderkalkstein ansteht. Nach Schandelle (2014, S. 308) ist der Steinbruch von 1903 bis etwa 1920, 1933 und 1948-1954 im Abbau. Die Abbauversuche auf Marmor erwähnt er nicht. Nach diesem Revisionsbericht ist auch ein Marmorbruch der Kalk- und Marmorwerke Welda-Bredelar im Arnsgrund bei Marsberg- Giershagen 1923 in Betrieb und 1925 eingestellt. Katasterunterlagen belegen zumindest zwischen 1920 und 1923 den Besitz der Kalk- und Marmorwerke Welda-Bredelar AG, Warburg (KBHSK Handzeichnung Flur 7, KBHSK Feldbuch Parzelle 110/37, KBHSK Feldbuch Parzelle 108/25) (Abb. 110). Köhne (2008, S. 117) und Schandalle (2014, S. 311) berichten, dass das Material mit einer Seilbahn zur Verladestation der Rhene-Diemeltalbahn (Rhene- Diemeltalbahn [online]) verbracht wird. Fundamente der Stützen, Reste des Seils und Montageteile von Stützen sind noch zu finden. Die Einstellung des Betriebs steht im Zusammenhang mit der Demontage der Eisenbahn. Gewonnen werden die gut gebankten, dunkelgrauen bis schwarzen Flinz-Kalksteine des Mittel- bis unteren Oberdevons. Hier sollen nach Schandelle (2014, S. 309) 1897 für den Bau der neuen Lloydhalle in Bremerhaven Marmor für Bodenplatten und
Abb. 110: Feldbucheintrag des Kasteramts Altkreis Brilon, Steinbruch-Grundstück des Kalksteinwerks Bredelar GmbH, 1923 Kalk und Marmor Kalkwerke Welda-Bredelar AG, Warburg bei Marsberg- Giershagen.
Fensterbänke gewonnen worden sein. Da die Lloydhalle 1944 den Bomben zum Opfer fiel, kann diese Verwendung nicht vor Ort verifiziert werden (Bremerhaven, Lloydhalle [online]). Die einzige vorliegende Quelle ist die „ Acta betreffend der Herstellung der neuen Lloydhalle “ im Staatsarchiv Bremen (StAB 4,72/2 - 115). Ihr Kern ist ein Generalvertrag zwischen dem Norddeutschen Lloyd, Bremerhaven, und dem Architekten und Zimmermeister B. Scheller, Geestmünde, der keinerlei Hinweise auf Materialverwendungen gibt. Doch zeigt die 1898 aufgenommene Topographische Karte Blatt 4618 Adorf) für das betreffende Areal keinen Steinbruch an (tim-online.nrw.de, Reichsamt für Landesaufnahme und seine Kartenwerke 1931, S. 73). Wir gehen davon aus, dass an dieser Stelle zu dieser Zeit kein Steinbruch bestand in dem Marmorplatten gewonnen werden konnten.
Die Betriebsstilllegungen im Raum Marsberg-Giershagen stehen nicht allein. 1923 zeigt der Attendorner Amtmann dem Gewerbeaufsichtsamt erst an, dass die Westfälischen Marmor- und Granitwerke zu Borghausen von ihren 40 Arbeitern 27 entlassen haben, und dann im Dezember die Stilllegung der Firma (StAA, Akte F 436 [1923 November 15]). Höffer
(2008, S. 582) nennt als Grund die Inflation. Für das Jahr 1924 ergeben sich für die Westfälischen Marmor- und Granitwerke größere Aufträge aus dem Ausland. Eine Rolle spielt dabei, dass die USA keine Importzölle auf Marmor erheben In einem undatierten zweiseitigen Firmenprospekt aus den 20er Jahren des vorhergehenden Jahrhunderts nennt G. Dassel Exportlieferungen von Goldader, die allerdings neben den vielfältigen anderen Natursteinen nur eine marginale Rolle einnehmen (Abb. 111), nach Amsterdam für Innenverkleidungen von „de Telegraf“, nach Rotterdam für Altäre und Kommunionbänke, nach Israel [Palästina] für Altäre in Missionskirchen sowie nach dem Libanon für Säulen der Synagoge in Beirut, nach Havanna [Habanna], Kuba für Innenarbeiten der spanischen Botschaft.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 111: Firmenprospekt der Westfälischen Marmor- und Granitwerke Georg Dassel, undatiert, vermerk auf Rückseite 20er Jahre 20. Jahrhundert.
Hölmer (2002, S. 112) erwähnt, dass von 1914 bis 1924 der Abbau bei Alme ruht. Nach einem Revisionsbericht der Steinbrüche im [Alt]Kreis Brilon ist 1925 ist lediglich der Marmorbruch der Firma G. Dassel Allagen in der Gemarkung Nehden 1925 in Betrieb (LAV NRW W Kreis Brilon, Landratsamt, Nr. 1402, S. 125). Er liegt am Fundpunkt des Marmorgrubenfeldes Daniel bei Brilon-Nehden und ist heute verfüllt (Karte 6). Dieser Akteneintrag ist bemerkenswert, weil er der einzige Hinweis darauf ist, dass hier zumindest kurzfristig ein Abbau stattfindet, und dass gleichzeitig der in Sichtweite 350 Meter nördlich liegende Goldader-Bruch am Nehder Kopf nicht betrieben wird. Die nachfolgenden Revisions- und Begehungsberichte der Steinbrüche in der Gemarkung Brilon für die Jahre 1927, 1928 und 1929 geben keinen Hinweis darauf, dass G. Dassel Marmor in seinen dortigen Marmorgrubenfeldern abbauen
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 112. Steinbruch Schüren, Meschede-Enkhausen, „Marmorbergwerk Enkhausen“, Druckluftleitung am Südrand des Steinbruchs für den Betrieb von pneumatischen Hämmern, um 1924.
lässt (SAB C 860). Nach Peters (1998, S. 31) und Hölmer (2002, S. 112) wird der Abbau bei Alme vor dem zweiten Weltkrieg eingestellt. Einzig für die Marmorgrube Enkhausen bei Meschede-Schüren, bergamtlich Marmorbergwerk Enkhausen wird der Betrieb von 1922 bis 1929 belegt (LOBA Enkhausen) (Abb. 8). Nach den knappen Angaben zu Belegschaft, Förderung von Rohblöcken und Anmerkungen zum Abbau lassen ein Bild der Betriebsabläufe entstehen (Tab. 14). So werden lediglich in den Sommermonaten zwischen 1922 und 1926 größere Marmorblöcke gewonnen. Es sind durchschnittlich jährlich etwa 400 Tonnen Marmor [= 148 m[3]], 1926 sind es wegen mangelnder Nachfrage nach heimischem Material nur 160 Tonnen [59 m3]. In den ersten vier Jahren trägt die Belegschaft durchschnittlich zehn Mann, geht 1926 auf fünf und dann auf drei zurück. Von 1927 bis 1929 finden nur Aufschluss- und Vorrichtungsarbeiten statt. 1929 ruht auch hier der Betrieb. 1924 blickt G. Dassel noch optimistisch in die Zukunft. Er investiert 2000 Reichsmark in eine Dampfmaschine und 650 Reichsmark für das zugehörige Kesselhaus mit Schornstein und Schmiedeeisenraum (LOBA Enkhausen; SAM Best. 9 / Meschede B, Nr. 2067). Die Dampfmaschine liefert die Firma Achenbach & Schulte in Plettenberg-Ohle. Wir vermuten, dass mit ihr auch ein Kompressor betrieben wird, der pneumatische Bohrhämmer mit Druckluft versorgt. Dafür zeugen an der Südseite des Steinbruchs noch vorhandene Druckluftleitungen (Abb. 112). Nach dem Landschaftsplan Meschede des Hochsauerlandkreises 2020, S. 96 (Hochsauerlandkreis Landschaftsplan Meschede (2020) [online]) wird ab der Zeit des 2. Weltkriegs das Material in einem Kalkofen gebrannt, dessen Relikte auf der gegenüberliegenden Straßenseite noch existieren. Damit ist der Abbau von Marmor zum Erliegen gekommen. Nach Oppen (1933, S. 916) wird Hohlstein zu Wand- und Kaminverkleidungen sowie Waschtischaufsätzen verarbeitet, von denen 150 für das 1925 fertiggestellte Kurhaus Bad Hermannsborn bei Bad
Driburg (Kurhaus Bad Hermannsborn [online]) geliefert werden. Die bergamtlichen Angaben zur Marmorgewinnung bei Meschede-Enkhausen finden ihre Ergänzung in den recht knappen Angaben zur Marmorgewinnung in den Jahresberichten der Handelskammer für das südöstliche Westfalen in Arnsberg (Tab. 14):
„1927 - große Bauproduktion
1928 - italienische Ware beim Kunden bevorzugt
1929 - leidet unter Wettbewerb der Länder mit geringerer Valuta, deutsche Zölle zu niedrig
1930 - schlechtestes Jahr seit Bestehen, Umsatz ging um 30% - 40% zurück, bis 50% der Arbeiter entlassen“ (WWA Dortmund, S 6).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 113: Marmorwerk Borghausen, erbaut 1885, im Besitz der Westfälischen Marmor- und Granitwerke Allagen, Erstellungsdatum1932, Urheber Genau, Heinrich, Copyright© LWL Medienzentrum für Westfalen.
Dies sind Folgen der Weltwirtschaftskrise. Es verwundert nicht, dass der Betrieb im Werk Borghausen sogar eingestellt wird. Dort werden nach einer kurzen Erholung 1933 nur noch fünf Mitarbeiter beschäftigt (Höffer 2008, S. 582). Eine Abbildung von 1932 zeigt das Werk im aufgeräumten Zustand mit wohl geordnetem Plattenlager (Abb. 113). Doch bereits zwei Jahre später im September 1935 verlautet der nationalsozialistische politische Lagebericht der Stadt
Attendorn: „Etwa 12 erwerbslose Volksgenossen aus dem Heldener Gebiet [konnten] bei der Firma Westf. Marmor- und Granitwerke Borghausen, die die Förderung wieder aufgenommen haben, in Arbeit gebracht werden“ (StAA, Akte F 2/100). Sie werden zur Bewältigung eines Großauftrags dringend benötigt. 1935 wird das nationalsozialistische Reichsluftfahrtministeriums errichtet. Architekt ist Prof. Ernst Sagebiel (*1892; f1970). Aufgrund einer äußerst rationalen Planungs- und Bauweise beschränkt sich die Bauzeit auf 18 Monaten. Es entsteht ein monumentales Bürogebäude in Berlin, Wilhelmstraße 97 / Leipziger Straße 5-7. In DDR- Zeiten ist es von 1945 bis 1989 das Haus der Ministerien.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 114: Lennestein-Marmor im farbigen Prospekt des Reichsverbands der Marmorindustrie und des Marmorgewerbes, Druckschrift Nr. 119, für Türumrahmungen aus Marmor im Reichsluftfahrtministerium, ohne Jahr, vermutlich zweite Hälfte der 1930er Jahre.
seit 1999 als Sitz des
Bundesfinanzministeriums (Das Detlev-Rohwedder-Haus Spiegel der deutschen Geschichte, 2019). „Die Außenhaut der Fassade besteht aus großformatigen Natursteinplatten. Entgegen dem äußeren Anschein ist es ein moderner Skelettbau. Die Verdachungen an den Fenstern, die Fensterrahmen und Gesimse bestehen aus massiven Werksteinen, die im Mauerwerk tief verankert sind. Das fahlgraue Material dafür stammt aus fränkischen Muschelkalksteinbrüchen. Für Sockelzonen sowie Säulen, Treppen und Fußböden im Inneren kam
Natursteinmaterial aus 28 weiteren heimischen Vorkommen zum Einsatz“ (Das Detlev-Rohwedder- Haus Spiegel der deutschen Geschichte, 2019, S. 19 - 20). Zu diesen 28 heimischen Natursteinen gehört nun auch der Lennestein, von dem nach Herbeck (1930, S. 35) Mustertafeln vorgelegen haben müssen. Das weite Spektrum der heimischen Natursteine ist nicht nur ideologisch, sondern auch durch die eng getaktete Bauplanung begründet. Denn nur bei einer breiten Streuung der oftmals kleinen Steinverarbeitungsbetriebe war eine termingerechte Lieferung möglich. Der Lennestein-wird in den Bauzeichnungen ausgewiesen (TUBA Inv. Nr.: 52110). Verbaut wird er als Türrahmen, als Bodenbelag und Trittstufen von Treppen und, was der Reichsverband der Marmorindustrie und des Marmorgewerbes in einem farbigen Prospekt werbewirksam darstellt (Reichsverband der Marmorindustrie und des Marmorgewerbes e.V., Abt. W, Druckschrift 119) (Abb. 114). Umrahmungen werden aus dem Lahn- beziehungsweise Nassauer Marmor Estrellante gefertigt, auch als Auberg grau bekannt. „Graue Grundfarbe, teils muschelig gefleckt und gewölkt, mit roten Flecken und Adern, auch gelblichrötliche Einsprengungen“ (Herbeck 1953, S. 95). Der Marmor für die Wand- und Deckenleisten stammen von Lesina, Italien, Provinz Foggia. Lesina ist die Handelsbezeichnung für einen gelbbraunen Kalkstein (Naturstein-Datenbank.de online]). Demnach wird nicht nur deutsches Material verbaut. Über die Verarbeitung der westfälischen Rohblöcke sind wir nicht informiert. Wir gehen davon aus, dass sie in Attendorn-Borghausen, aber vermutlich auch aus Kapazitätsgründen in Warstein-Allagen stattfindet. Gewonnen wird Lennestein in den Steinbrüchen der „Mecklinghäuser Marmor- und Kalk-Industrie Aktiengesellschaft zu Grevenbrück-[Borghausen“ bei Attendorn- Borghausen, die auch das Bergwerkseigentum und damit das Recht Marmor abzubauen besitzt (LOBA Attendorn), nachdem 1930 die Vereinigten Mecklinghäuser Marmorgruben in die sechs selbstständigen Felder Attendorn, Mecklinghausen, Perikles, Potsdam, Carrara und Rothenberg geteilt werden (Abb. 115). Diese Aufteilung hat auf die nachfolgende sporadische Gewinnung von Marmor keinerlei Auswirkung.
Die Westfälischen Marmor- und Granitwerke nutzen den Berliner Großauftrag auch, um für den eigenen Bedarf Platten herzustellen. Eine erste Verwendung ist für den Altarbereich der katholischen Pfarrkirche St. Mariä Heimsuchung in Brilon-Hoppecke 1939. Die Stärke der Trittplatten beträgt drei Zentimeter, die der Stoßplatten zwei Zentimeter (Abb. 116; Taf. 18, Fig. 1 und 2). Der Chor selbst wird im römischen Verband mit den drei Plattengrößen 10x10, 20x10 und 20x20 Zentimeter mit verschiedenen Marmoren mit Ausnahme westfälischer Sorten verlegt (PfA Brilon-Hoppecke, Angebot Dassel 1939 Neugestaltung Chor). Für die 15 Zentimeter hohen Wandsockel wird Verona rot genommen. Für seine Arbeiten berechnet die Firma Dassel 5424 Mark (PfA Brilon-Hoppecke, Rechnung Dassel 1939 Neugestaltung Chor). Bei der Renovierung der Kirche in den1950er Jahren bleiben diese Fußbodenbeläge bestehen (KrAS P 2/1 / Architekt Heinrich Stiegemann, Warstein - Akten, Nr. 182 Hoppecke). 1946 steht beim Bau der St. Sebastian-Kapelle in Niederhelden für den Altarsockel Bodenplatten und ein Weihwasserbecken Lennestein zur Verfügung aus dem benachbarten Marmorwerk Borghausen zur Verfügung (Taf. 18, Fig. 3 und 4; Taf. 19, Fig. 2). Weitere Verwendungsbeispiele für westfälische Marmore für die Zeit von 1920 bis 1945 sind recht rar. In Schloss Melschede, Sundern Melschede werden beim Umbau 1920 - 1922 im Festsaal die keramischen Kaminbodenfliesen mit Zuschnitten aus Goldader eingefasst (Taf. 14, Fig. 1), Effenberger nur als Belag für Treppenstufen (Taf. 27, Fig. 4).
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Abb. 115: Lageplan zur realen Feldesteilung des konsolidierten Marmorbergwerks Vereinigte Mecklinghäuser Marmorgruben in die selbständigen Marmorgrubenfelder Attendorn, Mecklinghausen, Perikles, Potsdam, Carrara und Rotheburg September 1930 (LOBA Attendorn).
Markantes Objekt ist in der Arnsberger Probsteikirche St. Laurentius der 1935 geschaffene Unterbau des Epitaphaltars des Landdrosten Caspar von Fürstenbergs (*1545, f1619) von H. Gröninger, um 1625 (Arnsberg Probsteikirche Stipes.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Standort: 00110448; Dehio 2011, S. 22). Der Stipes ist aus Goldader, die Mensa und Predella sind aus Schupbach schwarz. Die Front des Stipes besteht aus zwei aus einem Block geschnittenen Platten, die mit ihren gemeinsamen Schnittfläche so montiert sind, so dass die charakteristischen Kalzitadern spiegelbildlich verlaufen (Taf. 8, Fig. 1). Die Seiten sind aus einzelnen Platten zusammengestellt (Taf. 8, Fig. 2). In der kath. Pfarrkirche St. Georg in Bad Fredeburg existiert noch ein Weihwasserbecken aus rotem Mecklinghauser Marmor, der aus dem Jahr 1933 stammen soll (Bad Fredeburg St. Georg Taufbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 910384). Im Schloss Körtlinghausen, Rüthen-Kallenhardt, sind ehemalige Wandverkleidungen aus Goldader eingelagert. Aus diesen wurde eine Waschtischgarnitur für den Event-Bereich des Schlosses gefertigt (Abb. 117).
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Abb. 116: Kath. Pfarrkirche St. Mariä Heimsuchung, Brilon- Hoppecke, Altarstufen aus Lennestein, Fliesen-Fußboden im Altarraum Marmor aus dem Lahngebiet, dem bayrischen Jura und von Italiens-
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Abb. 117: Schloss Körtlinghausen, Rüthen-Kallenhardt, Waschtischgarnitur im Event-Bereich, Goldader.
In der „Geologie des Niederrheinisch-Westfälischen Steinkohlengebietes“ widmet Kukuk (1938, S. 575, Tafel XIII) dem westfälischen Marmor ganze 18 Zeilen. Auch ihm dienen die Beschreibungen des Bonner Oberbergamts von 1890 und Wegners von 1913 als Vorlage. „Dagegen werden und wurden dichte und schön gezeichnete, polierfähige Kalksteine örtlich als Marmor verschiffen, und zwar für Bausteine, Schalttafeln, Tischplatten usw. In Betracht kommen hier z. B. der oberdevonische Dorper oder der mitteldevonische Schwelmer Kalk und der oberdevonische Kramenzelkalkstein von Mecklinghausen im Bergrevier Olpe“. In der „Übersichtskarte der nutzbaren Gesteinsvorkommen im weiteren Industriebezirk“ (Tafel XIII Tafelband) umreißt er einen westfälischen Marmorbezirk, der sich als schmales Band von Attendorn über Meschede- Enkhausen, Warstein, Warstein-Suttrop, Brilon-Nehden bis Marsberg-Bredelar erstreckt (Abb. 118). Seine Veröffentlichung steht im Zusammenhang mit den Versuchen der nationalsozialistischen Wirtschaftsführung, die Verwendung einheimischer Rohstoffe zu protegieren. In einem Rundschreiben von Juni 1935 verlautet der Reichskommissar für Rohstoffwirtschaft, „daß die Verwendung einheimischer Marmorarten, die in reicher und vielfarbiger - auch wetterfester Marmor für Außenfassaden - zur Verfügung stehen und einen Rohstoff darstellen, der als normaler Werkstoffs deutschen Ursprungs durch deutsche Bergwerksarbeit anfällt, nicht als Luxusausstattung anzusehen ist. Abgesehen von rein wirtschaftlichen Gründen, die mich veranlassen auf die Verwendung deutschen Marmors für öffentliche Bauten hinzuweisen, dürften auch die geschmacklichen Gründe eine gewisse Bedeutung haben“. Offensichtlich hat diese Empfehlung keine hinreichende Wirkung. Im April 1937 erlässt der Reichs- und preußische Innenminister in Bezug auf dieses Rundschreiben einen Runderlass (RdErl. D. Ru.PrMdl. v. 12.4.1937 - Z 438/51309): „Da aber die Marmorindustrie nicht nur für die Lieferung von Werksteinen für Hochbauten von Wichtigkeit ist, sondern auch für die Beschäftigung der kleinen und mittleren weiterverarbeitenden Betriebe, darf ich in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, daß eine wirksame Hilfe hier einsetzen könnte, wenn wieder dazu übergegangen würde, für die Herstellung von Instrumenten und Schalttafeln im gesteigerten Umfang Marmorplatten zu verwenden“ (LAV NRW W Nr. 6420). Dies geschieht offensichtlich nicht. So berichtet die Handelskammer für das südöstliche Westfalen in Arnsberg für das Jahr 1938 über eine ausreichende Beschäftigung, doch sei der Absatz von Marmorrohplatten wie in ganz Deutschland stark zurückgegangen (WWA Dortmund, S 6).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 118: „Westfälischer Marmorbezirk“, Ausschnitt der Übersichtskarte der nutzbaren
Gesteinsvorkommen im weiteren Industriebezirk“ (Kukuk 1938, Tafel XIII Tafelband).
Diesen Realitäten steht das Büchlein „Der deutsche Marmor“ von Kropp (1939) gegenüber. Als Geschäftsführer des Bundes Deutscher Marmorbruchbesitzer e.V. ist er voll auf nationalsozialistischer Parteilinie. Beispielsweise macht er aus der bisher altbekannten Marmorsorte „Mecklinghausen rot“ „Helden Rot“ (Kropp 1939, S. 28), passt doch diese Benennung nach der Nachbargemeinde besser in den nationalsozialistischen Jargon. Er erhofft sich nach dem Rückgang der Verwendung deutscher Marmore durch die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik ihre stärkere Verwendung: „Hervorgerufen durch äußeren Zwang und inneres Besinnen auf unsere völkische Eigenart, ist die Verwendung heimischer Werkstoffe heute zumindest für alle in der Bauwirtschaft tätigen Menschen eine Selbstverständlichkeit geworden. Einer der edelsten Baustoffe, der aus deutschem Boden gewonnen wird, ist der deutsche Marmor. ... Deutscher Marmor! - Wer kennt die unerschöpflichen Mengen deutschen Marmors, die noch im Schoße unsrer Heimaterde ruhen“ (Kopp, 1939, S. 5). In gleicher Diktion schreibt er über die westfälischen Marmore: „Die dem Devon angehörenden Marmore Westfalens zeichnen sich ebenfalls durch Farbenpracht, feines Korn, hohe Polierfähigkeit und Druckfestigkeit aus. Rohblöcke in großen Ausmaßen sind gewinnbar. In der Möbelveredelungs=Industrie, für die Innenraumgestaltung und das Kunstgewerbe sind Westfalens Marmore sehr gesucht und finden als Säulen, Wandverkleidungen, Möbelplatten sowie als kunstgewerbliche Gegenstände jeder Art reichliche Verwendung“ (Kopp 1939, S. 27). Die Realität sieht Ende der 1930er Jahre so aus, dass die Verarbeitung westfälischer Marmore sich nach Kopp (1939, S. 16) auf gerade 90 m[3] [243 Tonnen] beschränkt, eine erfahrungsgemäß zu hohe Zahlenangabe. Dieser bescheidenen Gewinnung von westfälischem Marmor stehen um ein Mehrfaches höhere Förderungszahlen in den bayrischen, hessischen, schlesischen und thüringischen Marmorbrüchen gegenüber (Kopp 1939, S. 1- 19 statistische Tafeln. Kopp (1939) erwähnt und bildet Beispiele für deren Verwendungen in Großbauten ab. Wenn darunter keins mit westfälischem Marmor ist, ist ihm der Bau des Reichsluftfahrtministeriums entgangen. Westfälischer Marmor ist und bleibt auch in nationalsozialistischen Zeiten ein Nischenprodukt. Von einer reichlichen Verwendung kann auf Grund seiner Zahlen und den Angaben Handelskammer für das südöstliche Westfalen in Arnsberg in keiner Weise gesprochen werden. Nichtsdestotrotz endet Kropp (1939, S. 32) seinen Beitrag mit: „Der deutsche Marmor künde Deutschlands Ruhm und Größe bis in Ferne Zeiten. Die Bevorzugung einheimischer Werkstoffe ist im Dritten Reich zur Selbstverständlichkeit geworden“.
Ebenso nationalistisch geprägt ist eine kurze Notiz in der gleichgeschalteten Zeitschrift des Westfälischen Heimatbundes „Heimat und Reich Monatshefte für westfälisches Volkstum“ (1940, S. 338): „Sauerländer Marmor für Großbauten des Dritten Reiches. - Schwefelkies, Schwerspat, Eisenerz aus dem Sauerlande sind in der ganzen Welt bekannt und geschätzt. Nur wenige aber wissen, daß auch der sauerländische Marmor, der manche berühmte Bauten der Welt schmückt, hervorragende Verwendung auch bei den Großbauten des Dritten Reiches findet. Zentnerschwere Blöcke von „Lennestein“ und „Heldener Rot“ sind bei den Großbauten in München, Nürnberg und Berlin verwandt. Auch die Tür zum Arbeitszimmer des Führers und das Portal der neuen Reichskanzlei sind mit schön geädertem Marmor des Sauerlandes verkleidet“. Die Verwendung von Lennestein ist bekannt. Dagegen können wir die für die genannten Großbauten in Nürnberg und München nicht nachvollziehen.
Für Hitlers Reichskanzlei liegen sehr präzise Beschreibungen der Marmorverwendungen vor (Lotz 1940, S. 63-111). Im sogenannten Ehrenhof wurde der hellrote Untersberger Marmor aus der Nähe von Salzburg, für den Fußboden dunkelroter Saalburger Marmor (Lotz 1940, S. 64) verwendet. Dieser wurde auch im Fußboden des Mosaiksaals ausgelegt (Lotz 1940, S. 68). Sonst kommen dort „ Rottropf “ [Rot Tropf; Herbeck 1953, S. 185] und „ Kirchbruch “ [Kirchenbruch, Herbeck 1953, S. 184] aus Adnet bei Salzburg (Lotz 1940, S. 72). Der Fußboden der Marmorgalerie wurde wieder mit „ Saalburger Altrot-Marmor “ ausgelegt. Die Wände sind aus Stuckmarmor (Lotz 1940, S. 74). „Nach der Straßenseite hin wird der Raum durch neunzehn hohe Fensterumrahmungen gegliedert, die in kräftiger Profilierung aus „Deutschrot“ einem dunkelroten Marmor, gebildet sind. Auf der anderen Seite sind fünf Türen eingeschnitten, deren Einfassungen aus dem gleichen Marmor bestehen. Die mittlere Tür führt in das Arbeitszimmer des Führers und wird von einer Kartusche mit den Initialen bekrönt“ (Lotz 1940, S. 75). Auch die Schwarzweiß-Fotographie der Tür (Lotz 1940, S. 65) lässt erkennen, dass kein westfälischer Marmor verwendet wurde. Im Arbeitszimmer bestehen die Wände „ aus dunkelroten Marmor der Ostmark, dem „Limbacher “ und der Fußboden aus Ruhpoldinger Marmor (Lotz 1940, S. 79). Für die sogenannten Funktionsräume schreibt Lotz (1940, S. 90): „Steine aus allen deutschen Gauen wurden verwendet. Man findet den Marmor von der Lahn, vom Bayerischen Wald, aus Thüringen, aus der Gegend von Kelheim, aus den Juragebieten . “. Eine Verwendung von westfälischem Marmor in der neuen Reichskanzlei gibt es nicht. Die kurze Notiz in der
Zeitschrift des Westfälischen Heimatbundes „ Heimat und Reich Monatshefte für westfälisches Volkstum “ (1940, S. 338) ist reine Propaganda. Die darin fehlenden Erwähnungen von „Goldader und Lennestein“ lässt auf eine geringe Sachkenntnis des Autors schließen.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 119: Nationalsozialistische Umbauplanungen für Schloss Posen, Poznan, Polen, Entwurf für einen Marmortisch aus Deutschrot von Oktober 1942, randliche Einlagen aus Zola Reppen, Heldenrot [= Mecklinghausen rot] und Untersberger, Böhmer & Petrich / Marmor-Industrie Kiefer, Berlin Tempelhof, Ansichten und Draufsicht Marmortisch Halle 1:10, Lichtpause: Lichtpause auf Papier, 70,7 x 100,9 cm, Technische Universität Berlin, Architekturmuseum, Inventarnummer: FB 053,1103
Nur als neunseitiges maschinenschriftliches Manuskript liegt ein Beitrag von Karl Luther zum „ Marmor am Bau “ vor, den er 1942 beim „Zentralblatt der Bauverwaltung vereinigt Zeitschrift für Bauwesen“ einreicht (GStA PK I HA Rep 151 IV Nr. 649/13). Keines seiner eingereichten 13 Schwarzweiß-Abbildungen zeigt westfälischen Marmor. Mit dem Abriss der neuen Reichskanzlei 1945 - 1956 gehen Legenden der Verwendungen ihrer roten Marmore einher Mittig (2005, S. 176, S. 178). In diesem Kontext kommt vereinzelt das Gerücht auf, auch der rote Mecklinghäuser Marmor sei in Zweitverwendung verbaut worden. Doch gibt es eine sehr kleine geplante Anwendung von Mecklinghäuser Marmor im zweiten Weltkrieg. Für den Umbau des Schlosses Posen durch die Nationalsozialisten liegt ein Entwurf für einen Marmortisch aus Deutschrot von Oktober 1942 vor (TUBA Inventarnummer: FB 053,1103). Die nach dem Entwurf randlichen Einlagen sind aus Zola Reppen [Italien, Venizia (Herbeck, 1953, S. 265)], Heldenrot [= Mecklinghausen rot] und Untersberger zu fertigen (Abb. 119).
Marmor versus Kalkstein im Raum Warstein - der erste Marmorprozess
Im Juni 1927 veräußert G. Dassel sein Bergwerkseigentum an den Warsteiner Marmorgrubenfeldern Sophia, Elisabeth und Flinz an die Gewerkschaft Friedrich I, deren Mutterkonzern und Verpächterin die Rheinisch-Westfälische Kalkwerke Aktiengesellschaft, Wuppertal-Dornap, ist. Ihr Bevollmächtigter ist B. Plaßmann aus Essen. Der Kaufpreis für die Bergrechte der drei Gruben beträgt 20000 Reichsmark (LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 22). Die Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke haben sicherlich nicht die Absicht Marmor abzubauen, denn sonst stiege G. Dassel nicht in das Geschäft ein. Es geht ihnen darum, die Konkurrenz, die in den drei Marmorgrubenfeldern Kalkstein abbaut, juristisch aus ihrer Kalksteingewinnung zu hebeln. Diese Absicht sorgt in Warstein für Aufruhr. So schreibt Mai 1927 der Warsteiner Amtmann Pieper an den Briloner Bürgermeister Sauvigny: „Hier wird die Frage acut, ob die Inhaber von Mutungen aus dem alten kurkölnischen Rechte auf Marmor evt. berechtigt sind, die hier betriebenen Kalksteinbrüche stillzulegen bezw. von den Gewinnern des Kalksteins eine Abgabe zu verlangen. Es sträubt sich das ganze gesunde Empfinden dagegen, daß Leuten, die alte über hundertjährige Mutungen, die nie ausgeübt und solche von Rechtsvorgängern erworben haben, aus diesem Rechte nicht unerhebliche Gewinne ziehen bezw. durch den Weiterverkauf große Summen sich aneignen, die doch mehr der Öffentlichkeit bezw. dem Staate zuständen.- Dem Vernehmen nach sind dort bereits ähnliche Proccesse geführt. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn sie mir die einschlägigen Akten möglichst bald mal zur Einsicht überlassen würden oder mir sagten, wo sie zu haben sind“ (SAB C 859).
Der Warsteiner Amtmann Pieper bleibt nicht untätig und veranlasst im September 1927 ein geologisches Gutachten über die Warsteiner Kalk- bzw. Marmorvorkommen durch die preußische geologische Landesanstalt, das der Bezirksgeologe und damals bester Kenner der Geologie des Sauerlandes Werner Paeckelmann (*1890; f1952) erstellt (LOBA Hilllenberg, Blatt 43-44). Zu den wirtschaftlichen Hintergründen führt er aus „Die Warsteiner Kalksteinbrüche sind kleine Betriebe. Sie beschäftigen insgesamt etwa 100 Arbeiter. Der gewonnene Kalk wird größtenteils als Zuschlag für die westfälische Zementindustrie [im Raum Beckum] verbraucht. Im Übrigen findet er in der näheren Umgebung von Warstein als gebrannter Kalk Verwendung im Baugewerbe und in der Landwirtschaft. Die Frachtlage ist ungünstig, da vom Gewinnungsort bis zur Bahnstation ein Fuhrwerktranssport von 2 -3 km Länge notwendig ist. Der geplante Bau einer Industriebahn von Warstein in's Ruhrtal soll u.a. auch die Steinbrüche aufschliessen. Als dieser Plan bekannt wurde, erwarb ein Herr Plassmann von dem Inhaber des Marmorwerks Allagen die Marmorgerechtsamen „Elisabeth“, „Flinz“ und „Sofia“. Diese Marmorgrubenfelder sind noch nach kurkölnischem Recht verliehen worden. Zu einer Marmorgewinnung ist es bisher nicht gekommen. Herr Plassmann bot die drei Marmorgrubenfelder der Stadt Warstein für 40000 RM zum Kauf an. Der Ankauf wurde jedoch abgelehnt. Darauftin soll ein rheinischer Industriekonzern die Felder erworben haben. Einem Schreiben des Herrn Plassmann an die Stadt Warstein ist zu entnehmen, dass dieser Ankauf getätigt wurde, um grössere Betriebe aus Konkurrenzgründen nicht auftommen zu lassen. Es wird angenommen, dass die neuen Inhaber der Marmorgrubenfelder den weiteren Abbau von Kalkstein untersagen bezw. nur in einem kleinen Umfang gegen Entrichtung einer Abgabe gestatten wollen. Die Stadt Warstein befürchtet, dass hierdurch ein wichtiger Industriezweig der Stadt schwer geschädigt und eine grössere Anzahl von Arbeitern brotlos wird.
Es erhebt sich nun die Frage, wieweit die Warstein Kalkvorkommen als Marmor anzusprechen sind.
Die Beantwortung dieser Frage hat von der Begriffsbestimmung des Marmors zur Zeit der Verleihung der Marmorgrubenfelder, also nach der kurkölnischen Bergordnung, auszugehen. Danach kann ein Kalkstein, der sich zu Erzeugnissen der Kunst oder des Kunstgewerbes verwenden lässt, als Marmor bezeichnet werden. Im Sinne der heutigen Technik sprechen wir solche Kalksteine als Marmor an, die sich in Platten schleifen und polieren lassen und die frei von schädlichen Bestandteilen, insbesondere von Schwefelkies, sind. Da die Verwendung eines Kalksteins zur Herstellung von Erzeugnissen der Kunst oder des Kunstgewerbes diese Bedingungen voraussetzt, deckt sich also unsere heutige Definition mit der zur Zeit der kurkölnischen Bergordnung gültigen.
Es kann kein Zweifel unterliegen, dass sehr große Teile des Rheinisch - Westfälischen Massenkalks den Anforderungen an Marmor genügen. In der Tat ist auch an verschiedenen Stellen, z.B. bei Elberfeld und Brilon, Massenkalk als Marmor gewonnen und verarbeitet worden. Hierfür eignen sich grundsätzlich alle stärkeren Bänke, aus denen sich größere, zum Schneiden geeignete Blöcke gewinnen lassen. Im allgemeinen verlangen die Marmorschleifereien, dass diese Blöcke als Mindestmass bei etwa % cbm Rauminhalt eine Länge von etwa 1 m besitzen.
Die Ortsbesichtigung der Warsteiner Kalksteinbrüche durch den Berichterstatter am 30.8.27 hat nun ergeben, dass die Warsteiner Kalkvorkommen nur zum Teil als Marmor angesprochen werden können. Allgemein kann gesagt werden, dass der Warsteiner Kalk innerhalb des Rheinisch - Westfälischen Massenkalkzuges in Bezug auf seine Verwendungsmöglichkeit zu Marmor den geringsten Wert besitzt. Es liegt dies an der überaus starken tektonischen Beanspruchung der Warsteiner Kalklager. ..." (LOBA Hillenberg, Blatt 43).
Der für Warstein zuständige preußische Bergrevierbeamte Hilbk genehmigt in der Folge den eingereichten Betriebsplan der Gewerkschaft Friedrich I für einen Marmorabbau nicht. Diese legt Beschwerde ein, die er im August 1931 an das Dortmunder Oberbergamt mit der Stellungnahme sendet: „Ich habe bei der Besichtigung des Betriebspunktes erklärt, daß man aus dem mir vorgewiesenen Material vielleicht einen Aschenbecher oder ähnliche kleinere Gegenstände herstellen könne, daß das Gestein aber infolge der starken Zerklüftung zur Herstellung von Fensterbänken, Waschtischplatten u. dergl. ungeeignet sei und der Kalk nicht als Marmor angesprochen werden könne" (LOBA Hilllenberg, Blatt 37). Er beruft sich dabei auf das geologische Gutachten von Paeckelmann. Die Gewerkschaft Friedrich I argumentiert „Dass das anstehende Mineral als Marmor verliehen ist, ist durch die Verleihung dokumentiert. Diese Tatsache ist für die Bergbehörde und den Bergwerksbetreiber allein massgebend. Ob und inwieweit es sich dabei um Marmor oder Kalkstein handelt, ist lediglich eine Angelegenheit, die zwischen dem Bergwerksbesitzer und dem Grundeigentümer gegebenenfalls auf dem ordentlichen Rechtsweg auszutragen ist" (LOBA Hilllenberg, Blatt 37).
Die Gewerkschaft Friedrich I lässt durch den Karlsruher Mineralogen Martin Henglein, 1917 außerordentlicher Professor später außerplanmäßiger Professor für Kristallographie und Mineralchemie an der TH Karlsruhe (Henglein, Martin [online]), im Oktober 1931 ein Gegengutachten erstellen, das natürlich zur Feststellung kommt, dass der Kalkstein sich schleifen und polieren lässt und im Sinne der Technik Marmor ist. Auch ließen sich Blöcke von ^ Kubikmeter Größe gewinnen. „Die Steinbrüche der Firma Risse an der Warsteiner Hauptstraße liegen im Feld der Grube Elisabeth. Sie zeigen deutlich, wie durch das Vordringen infolge des Steinbruchbetriebs das Gestein massiger und dickbankiger wird" (LOBA Hillenberg, Blatt 70). Damit liegt Zweitgutachter Henglein nicht ganz falsch, denn gut 25 Jahre später gewinnt hier die Firma F.J. Risse ihre Marmorsorte Westerfels. In einer nachfolgenden gemeinsamen gutachterlichen Stellungnahme kommen Paeckelmann und Henglein zur Auffassung, 5% des Materials seien in Blöcken zu gewinnen, die eine Herstellung von Platten zulassen, nach Henglein eignen sich 30% - 50% des Materials als kleinere Blöcke zur Herstellung von kunstgewerblichen Gegenständen (LOBA Hillenberg, Blatt 117).
Die Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke erwerben 1931 von G. Dassel weiteres Bergeigentum im Warsteiner Massenkalkvorkommen wie Hillenberg (LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 23) und Enneke (LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 37). Sie drängen auf eine zivilrechtliche Klärung und klagen gegen die Warsteiner und Suttroper Steinbruchbesitzer Wilhelm Köster, Heinrich Ehling, F.J. Risse, Heinrich Hesse, die Warsteiner und Schleswig-Holstein'schen Eisenwerke, die Stadt Warstein und den Gewerken Wilhelm Bergenthal. Nach der Urteilsbegründung argumentieren die Rheinisch-Westfälischen Kalkwerken: „Das in den Grundstücken der Beklagten vorkommende Kalkgestein sei Marmor in infolge der Verleihung der Verfügung der Grundeigentümer entzogen“ (LOBA Hillenberg Blatt 150). Die Beklagten „machen ... entgeltend, in den verliehenen Feldern komme kein Marmor vor; der Pachtvertrag zwischen den Rheinisch-westfälischen Kalkwerken und der Klägerin [Gewerkschaft Friedrich I] sei ausschließlich zu dem Zwecke geschlossen worden, um die Beklagten zu schädigen, d.h. um die Betriebe lahm zu legen. Die Klägerin beabsichtige auch nicht, Marmor aus den Brüchen zu gewinnen, da sich dies nicht lohnen würde“ (LOBA Hillenberg, Blatt 150, 151). In erster Instanz vor dem Landgericht Arnsberg wird die Klage der Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke abgewiesen. Bereits Januar 1932 folgt eine Revisionsverhandlung im Oberlandesgericht Hamm. Die juristische Auseinandersetzung setzt sich 1935 vor dem Zivilsenat des Reichsgerichts in Leipzig fort. In diesem „ersten Marmorprozess“ wird die vor der Gewerkschaft Friedrich I als Pächterin der Rheinischwestfälischen Kalkwerke erhobenen Klage, im Wesentlichen auf Feststellung ihrer ausschließlichen Abbauberechtigung in den verliehenen Marmorgrubenfeldern, bleibt in allen Instanzen erfolglos (Bundesgerichthof Urteil III ZR 242/98 verkündet am 12. Oktober 2000, S. 5).
Für die weitere Rechtsprechung bedeutsam ist, dass das Reichsgericht erstmal eine höchstrichterliche Definition von Marmor gibt: „In Übereinstimmung mit jener Auffassung des (damals) zuständigen Ministers ist sonach vielmehr das wesentliche Merkmal des Begriffes "Marmor“ im Sinne der kurkölnischen Bergordnung und der Verleihungen von 1863 und 1864, die von ihr offenbar nicht abweichen wollten, darin zu finden, daß es sich um Kalkstein handeln muß, der sich für die Verwendung zu künstlerischen oder kunstgewerblichen Zwecken eignet. Diese Begriffsbestimmung schließt die Erfordernisse des schönen Aussehens und der Schneid-, Schleif- und Polierbarkeit, sowie der Freiheit von Verunreinigungen und Umbildungen, die zu der bezeichneten Verwendung untauglich machen, schon ein. Dagegen kann das Erfordernis der Gewinnbarkeit in Blöcken von bestimmter Größe nur insoweit aufgestellt werden, daß die Brauchbarkeit für künstlerische oder kunstgewerbliche Zwecke noch gewahrt sein muß. Ebenso wenig ist eine Beschränkung auf die Eignung für architektonische Zwecke begründet, wenn wirklich entgegen der Auffassung jenes Rekursbescheids bei Erlaß der kurkölnischen Bergordnung von 1669 nur an die Verwendbarkeit des Kalksteins für Zwecke der Kunst in engeren Sinne, nicht auch des Kunstgewerbes, gedacht sein sollte, so könnte doch die Unterscheidung zwischen den sich nahe berührenden Gebieten der Kunst, und des Kunstgewerbes eine Beschränkung des Begriffes 'Marmor' auf die Verwendbarkeit für Zwecke der eigentlichen hohen Kunst nicht rechtfertigen“ (Reichsgericht in seiner Entscheidung vom 8.3.1935, zitiert nach GDA L3G 4515/010 65691). Ein vom Reichsgericht April 1938 in Auftrag gegebenes Gutachten des Staatlichen Materialprüfungsamts Berlin-Dahlem kommt zu einem Ergebnis, das durch die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik bestimmt wird: „Es ist verschiedentlich die Frage der Devisen-Ersparnis durch Verwendung des Warsteiner Kalksteins anstelle von einzuführenden belgischen Marmor aufgeworfen worden. Aus dem Gutachten aber geht eindeutig hervor, dass die Steinbrüche bei Warstein und Suttrop für Großblockgewinnung im technisch-wirtschaftlichen Ausmaße vollkommen ungeeignet sind, und dass sich darauf eine Marmor-Industrie nicht gründen läßt. Gerade in jetziger Zeit ist weder vom Gesichtspunkt des Einzelwirtschaftlers noch von dem übergeordneten Gesichtspunkt der gesamten Volkswirtschaft die Umstellung der Brüche auf Marmorbetriebe zu vertreten, denn einmal stehen uns in Österreich hochwertige Marmore zur Verfügung und andererseits, was noch wichtiger ist, sind Hochofen- und Industrie-Kalke so knapp geworden, dass wir uns gezwungen sehen, ausländische Kalkstein gegen Devisen einzuführen“ (GDA L3G 4515/010 65691). Die weitere Auseinandersetzung endet im September 1939 mit einem privatschriftlichen Vergleich zwischen Fa. F.J. Risse und der Gewerkschaft Friedrich I, der allerdings erst 20 Jahr später im September 1959 notariell beglaubigt wird, um eine Eintragung in das Berggrundbuch zu bewirken. Die Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke gestatten der Firma F.J. Risse die Mitgewinnung des Marmors in den von ihr betriebenen Kalksteinbrüchen und seine Mitverwendung als Kalkstein, wofür eine Entschädigung für mitgewonnenen Marmor von 0,60 RM je 10 Tonnen gewonnenen Kalksteins zu zahlen sind (SAW F Nr. 33). Die Kalksteinbrüche erstrecken sich über die Marmorgrubenfelder Hillenberg, Elisabeth und Sophia (LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 38 Blatt 100-112).
3.9 Der Ausklang 1945 bis 2015
Für die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg sind im Gegensatz zu den vorhergehenden Epochen deutlich weniger archivalische Quellen zugänglich. Eine ist ein Brief der Westfälischen Marmor- und Granitwerke Georg Dassel an den Landrat des Kreises Olpe von Februar 1947, der die wirtschaftliche Lage nach Ende des zweiten Weltkriegs treffend darstellt (Zitat): „Ihr Schreiben vom 14. d.M. haben wir erhalten. ... Es ist wohl richtig, dass zurzeit unser Werk Borghausen nur in seinem sehr beschränkten Umfange in Gang gekommen ist, vor allen Dingen liegt unsere Marmorsägerei noch still. Das soll aber kein Dauerzustand bleiben, denn unsere Industrie, die nicht etwa eine Luxusindustrie ist, sondern die sehr stark mit dem Bausektor zu tun hat und die auch für alle möglichen anderen Zwecke Gebrauchsgegenstände für den Industrie- und sonstigen Bedarf herstellt, muss in absehbarer Zeit wieder leistungsfähiger gestaltet werden.
Wenn uns das bis heute nicht gelungen ist und wenn bisher unsere Marmorsägerei noch nicht wieder in Gang gesetzt werden konnte, so lag das an den allgemeinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, unter denen letzten Endes jeder Industriezweig leidet. So war es uns bisher noch nicht möglich, in ausreichendem Umfange Rohsteine zu beziehen und aus diesem Grunde wird unser Werk Borghausen mit Rohplatten von Allagen versorgt, um wenigstens im bescheidenen Umfange, soweit dafür Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, die Fertigung in Gang zu halten. ... Wir selber bemühen uns schon seit Kriegsende vergebens zusätzliche Arbeitskräfte zu bekommen und würden auch sofort eine entsprechende Anzahl von Leuten einstellen, wenn sich diese überhaupt zur Arbeit melden würden. Dazu ist ja wohl auch anzunehmen, dass die Mecklinghäuser Marmor- und Kalkindustrie in Borghausen in absehbarer Zeit wieder in Gang kommt (StAA ex Sammlung Karl Baumhoff, Brief der Westfälischen Marmor- und Granitwerke Georg Dassel KG, Allagen, an den Landrat des Kreises Olpe [1947 Februar 22]). Höffer (2008, S. 582) charakterisiert den Stand der Dinge kurz und treffend mit „schleppender Betriebsbeginn“.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 120: Marmorbruch am Nehder Kopf mit den Marmorsorten Goldader und Alma um 1951 - 1952 mit restlichen Rohblöcken, Brilon-Alme, Foto K. Lahme.
Um 1950 wird im Steinbruch am Nehder Kopf nicht mehr abgebaut, wie als Zeitzeuge C. Lahme, Brilon-Alme, Paderborn, berichtet. Ein Bild mit abfuhrbereiten Rohblöcken und demontierten Druckluftleitungen für pneumatische Hämmer von Anfang der 1950er Jahre zeugt von der Betriebsaufgabe (Abb. 120). Noch vorhandene Marmorblöcke werden nach Allagen gebracht (Hölmer 2002, S. 112). Nach einer Anekdote wird der Betrieb eingestellt, weil dessen Lärm das Wild in seiner der Umgebung vertrieb. Das will der enthusiastische Jäger und Verpächter Wilderich Graf von Spee zu Holtorf nicht weiter dulden (C. Lahme, Brilon- Alme, Paderborn, frdl. mündl. Auskunft). Vom älteren Eigentümer des Lothringer Hofes westlich von Warstein stammt die Auskunft, dass die Firma Dassel in der gleichen Zeit nördlich des Hofes bis Mitte der 1950er Jahre Kalksteine abbauen soll. Langgestreckte Bermen zeugen von deren Abbau (Abb. 121). Sie liegen am Fundpunkt des Marmorgrubenfeldes Warstein (Karte 5). Doch sie sind bereits in der schon 1886 publizierten Neuaufnahme der topographischen Karte 1:25000 Blatt 4515 Hirschberg zu erkennen (TIM-online2.0 [online]; Reichsamt für Landesaufnahme und seine Kartenwerke 1931, S. 101). Vermutlich werden die dort ausstreichenden oberdevonischen Flinzkalksteine für Bauzwecke gewonnen, da sie als gebankte Kalksteine leichter abzubauen sind als der östliche anstehende Massenkalk. Eventuell unternehmen die Westfälischen Kalk- und Granitwerke G. Dassel in der Nachkriegszeit Abbauversuche. Ihre endgültige Einstellung des Abbaus eigener westfälischer Marmore um 1955 geht einher mit der Verfügbarkeit qualitativ besseren und billigeren importierten Materials.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 121: Langgestreckte Bermen am Lothringer Hof westlich Warstein, Fundpunkt des Marmorgrubenfeldes Warstein, Oberdevon, Adorfium, Adorf-Schichten, Flinz, Abbau für Naturbausteine und angeblich Rohplatten für Marmor bis Mitte der 1950er Jahre.
Noch 1953 annoncieren die Westfälischen Marmor- und Granitwerke G. Dassel neben etlichen deutschen, französischen, belgischen und italienischen Betrieben mit dem Eintrag „ Alleinige Lieferfirma für die westfälischen Marmorsorten “ in „ Der Marmor “ von Herbeck (1953). Diese einzige Erwähnung westfälischer Marmore in der Natursteinliteratur nach 1945 ist eine knappe Zusammenfassung in der erweiterten Neuauflage seines 1930 erschienen Marmorbuches (Herbeck 1953, S. 88).
Verwendung von Restblöcken und -platten aus westfälischem Marmor
Spannend ist in der Nachkriegszeit die Verwertung von Restblöcken und -platten der westfälischen Marmorsorten Hohlstein, Goldader, Mecklinghausen rot und Lennestein. So blieben noch Platten von Lennestein für den Bau des Reichsluftfahrtministeriums 1936 übrig. Denn 1947 werden beim Neubau der St. Sebastianus-Kapelle in Attendorn-Niederhelden (St. Sebastianus-Kapelle in Niederhelden [online]) Teile der Einfassung des Altars (Taf. 18, Fig. 3 und 4) und das Weihwasserbecken (Attendorn-Niederhelden Kapelle St. Fabian und Sebastian Weihwasserbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Inventar-Nr.: 01200221) aus Lennestein (Taf. 19, Fig. 2) im Werk Borghausen der Westfälischen Marmor- und Granitwerke in Allagen gefertigt. Dies gilt vermutlich auch für Weihwasserbecken aus Lennestein in der kath. Pfarrkirche St. Lambertus, Schmallenberg-Kirchrarbach (Taf. 19, Fig. 3) und in der kath. Pfarrkirche St. Blasius, Balve, Sauerland Taf. 19, Fig. 4). Zu den letzten Verwendungen von Lennestein gehören Wandverkleidungen und Fensterplatten im Eingangsbereich des historischen Rathauses von Warstein-Hirschberg (Taf. 18, Fig. 1). Ein seltenes erhaltenes Verwendungsbeispiel für die Sorte Hohlstein ist eine Fassadenbekleidung von 1953 in der Ausdorfer Straße in Sinzig, die nach Google Street View 2023 noch bestand (Schröder 2017, S. 29, Abb. 25.0 und 25.1). Er wurde verbaut, weil bis in die 1950er Jahre kaum importierter Marmor zur Verfügung steht. Deshalb greift man auch für Bodenbeläge vorrangig auf einheimische Marmore, auch von der Lahn, darunter oft die Sorte Wirbelau, zurück. Dafür tritt G. Dassel 1958 mit einer Einlage von 20000 DM als Kommanditist in den Marmorbruchbetrieb G. Joerissen in Weilburg ein, die vorrangig die Sorte Wirbelau gewinnt, der allerdings bereits 1968 aufgegeben wird (HWA, 9, 6668 Firmenakten). Weitere Marmore stammen aus Thüringen, Bayern und Italien und aus dem bayrischen Jura. Es ist der gleiche Materialmix, der bereits 1939 in der Kirche Mariä Heimsuchung in Brilon-Hoppecke verlegt wurde (Abb. 116). Verwendungsbeispiele finden sich im Café des IOC-Centers in Ochtrup, ehemals Eingangshalle des Verwaltungsgebäudes der Textilfirma Gebr. Laurenz, Ochtrup, Anfang 1950er Jahre (Casser 1954, Abbildung der Eingangshalle des Verwaltungsgebäudes), im Dom zu Münster vor dem Altar der Maximuskapelle, großflächig in der Telgter Marienkapelle in, in der Eingangshalle der Theologischen Fakultät Paderborn (Taf. 15, Fig. 14) Nur in der Theologischen Fakultät Paderborn werden auch westfälische Marmore mitverarbeitet. Hier finden sich Platten von Goldader (Taf. 15, Fig. 4) und Lennestein (Taf. 15, Fig. 2-3). In der Elisabethkapelle des Paderborner Doms wird in der Nachkriegszeit der ehemalige Holzfußboden durch quadratische Platten aus bayerischem Jura Marmor mit Streifen aus dem Lahnmarmor Wirbelau und der westfälischen Goldader ersetzt (Taf. 14, Fig. 2). Im August 1951 erhält die Drolshagen-Berlinghauser Kapelle St. Maria vom Berge Karmel den Marienaltar und den Josefsaltar aus „ sog. “Goldader ” für 1.000 DM. Die Entscheidung für Goldader fällt nicht aus ästhetischen, sondern aus Kostengründen, weil die Alternativen Diabas und Jura-[Marmor] für die Gemeinde zu teuer sind. Beide Altäre werden mit der Renovierung von 1979 entfernt (Die Geschichte der Kapellengemeinde Berlinghausen [online]).
Nicht geklärt werden konnte, ob die Fußbodenplatten vom Sockel und die Predella des Josefsaltars im rechten Seitenchor der St. Laurentius-Kirche in Salzkotten-Thüle bereits bei der Erstellung 1910 oder erst bei einer Renovierung Anfang der 1970er Jahre verlegt werden (Taf. 11, Fig. 1 und 2), bei der der Kirchboden tiefer gelegt wird und einen Belag aus Kattenfels erhält. Der von J. Reuter, Kassel, (*1897; f1975) 1962-1963 geschaffene Kreuzaltar in der Kirche St. Johannes Evangelist in Sundern (Sauerland) (Sundern St. Johannes Evangelist Seitenaltar [= Kreuzaltar} .- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 2550282) hat eine großformatige Retabel, deren Vorderseite aus Goldader-Platten (Taf. 8, Fig. 3), und deren Rückwand aus Lahnmarmor ist. Er ist die letzte uns bekannte Arbeit aus Goldader.
Kattenfels- und Westerfels, neue Marmore von Rüthen und Warstein
Der unternehmerischen Entscheidung der Westfälischen Kalk- und Granitwerke Allagen zum Trotz beginnt die in Warstein alteingesessene Firma Kunststein- und Schotterwerke F.J. Risse - Inhaber Gebrüder Risse mit der Vermarktung zweier lokaler Kalksteine als Marmor, den Sorten „ Westerfels “ und „ Kattenfels “ (Risse 1974, S. 25). Anlass ist die Materialknappheit an polierten Bodenplatten in den 1950er und 1960er Jahren. Probleme ergeben sich im Vorfeld dadurch, dass für die Marmorgrubenfelder Elisabeth, Hillenberg und Sophia die Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke das Bergwerkseigentum
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Abb. 122: Aufgelassener Steinbruch Risse, Warstein, Marmorgrubenfeld Elisabeth, Mitteldevon, Givetium, Hagen-Balve-Formation, Massenkalk, tieferer Anteil, Abbau der Marmorsorte Westerfels.
besitzen und der Firma F.J. Risse lediglich das Recht auf Ausbeutung dieser Grubenfelder in ihren eigenen Steinbrüchen eingeräumt wird (s.o.). Deshalb stellt sie im Januar 1957 an das Oberbergamt Bonn die Anfrage, welche Grundstücke innerhalb dieser Grubenfelder liegen (LOBA Hillenberg). Auch wenn die Auskunft des Oberbergamtes nicht vorliegt, gehört die Abbaustelle für die Sorte „Westerfels“, die im Grubenfeld Elisabeth liegt, zum Grundeigentum der Firma Risse mit ihrem Steinbruch an der Hauptstraße in Warstein (Abb. 122; Karte 5). Nach dem Vergleich von 1939 darf die Firma Risse hier Marmor abbauen. Der Name „ Westerfels “ leitet sich vom Warstein durchfließenden Fluss Wäster ab, der im Unterlauf Wester tituliert (TIM-online.nrw.de). Kattenfels wird im Steinbruch Kattensiepen bei Rüthen- Kallenhardt abgebaut. Er liegt im Bereich der Marmorgrubenfelder Adam I und Glenne (Abb. 12; Karte 5). Die Betriebsfläche ist 1949 etwa 300 - 400 m[2] groß und in der Erschließung, wie der Lageplan für eine Werkswohnung mit Aufenthaltsraum zeigt (KrAS P 2/2 / Architekt Heinrich Stiegemann, Warstein - Pläne, Nr. 1598) (Abb. 123). Wir vermuten, dass die Marmorverarbeitung wie beim Westerfels Anfang der 1950er Jahre beginnt, denn die ersten Verwendungsbeispiele datieren auf 1954. Zur bergrechtlichen Sicherung eines möglichen weiteren Abbaus im Süden des Kattenfels-Steinbruchs erwerben die Gebrüder Risse im Januar 1960 das Niesbrauchsrecht das angrenzende Marmorgrubenfeld St. Franziskus von der Firma G. Dassel (LOBA St. Franziskus). Wir gehen von einer bis zu zwanzigjährigen Marmorgewinnung aus. Schon zu Beginn der 1970er Jahre wird der Abbau von Rohblöcken eingestellt. Denn die abbauwürdigen Knotenkalke im Steinbruch Kattensiepen fallen verstärkt nach Süden ein, das Deckgebirge wird zu mächtig und damit die Gewinnung zu kostspielig. Nach Clausen & Leuteritz (1979, S. 261) ist der Steinbruch Ende 1970er Jahre aufgelassen. Später wird er an die Firma Baustoffe Eckervogt, Rheda-Wiedenbrück, verpachtet, die ihn bis zur Stilllegung 2008 als Steinbruch Kattensiepen GmbH betreibt. Als weitere, aber nie vermarktete Marmorsorte wird „ Hohenfels “ aus dem Steinbruch Hohe Liet im Marmorgrubenfeld Sophia erwähnt (Risse 1974, S. 25). Zur Einstellung des Abbaus von Westerfels wirft in einem Gutachten für das Landgericht Arnsberg der Sachverständige die Frage auf, ob die Firma Risse wegen erwiesenermaßen zu geringer Ausbeute an schneíd-, schleif- und polierfähigem Kalkstein den Abbau von Westerfels einstellt. Er folgert, dass offensichtlich auch diese Versuche zeigen, wie auch frühere Bemühungen um Marmorgewinnung im Warsteiner Massenkalk ausweisen, dass die intensive tektonische Beanspruchung des Massenkalks dort eine Marmorproduktion nicht erlaubt (GDA L3G 4515/010 65691, S. 13). Allerdings wird gleichzeitig der in großen Blöcken zu gewinnende Kattenfels nicht weiter abgebaut.
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Abb. 123: Steinbruch Kattensiepen, Rüthen, Erschließung 1949 in einem Lageplan für eine Werkswohnung mit Aufenthaltsraum des Warsteiner Architekten Heinrich Stiegemann, KrAS P 2/2 / Architekt Heinrich Stiegemann, Warstein - Pläne, Nr. 1598, mit freundlicher Erlaubnis von C. Stiegemann Oktober 20222.
In einem undatierten Werbeprospekt finden sich folgende Beschreibungen: „Westerfels, ein edler Marmor, dessen schwarzer Grundton von dünnen hellen Adern und Einsprengungen durchzogen ist, eignet sich in Verbindung mit seiner Hochglanz-Politur für alle Innen-Arbeiten und empfiehlt sich wegen der verfügbaren Blockmaße besonders für Groß-Werkstücke aller Art. Kattenfels ein zähharter Naturstein mit einer Druckfestigkeit von 2470 kg/qcm ist der gegebene Werkstoff für stark beanspruchte Bauteile wie Fußböden, Treppen usw. Polierfähig bis zum Seidenglanz. Seine gegen das Lager geschnittene gebänderte Form hat eine ansprechende, dekorative Wirkung auch in geschliffener Bearbeitung und ist daher der Stein für Außen-Verkleidungen, zumal er wegen seiner besonderen Eigenschaften gegen atmosphärische Einflüsse unempfindlich ist. Für neuzeitliche Grabmale eignet sich besonders die geblümte Art“ (Risse, Gebrüder o.J. a). Nach Auskunft von R. Risse, Warstein, werden Kattenfels und Westerfels in den Westfälischen Marmor- und Granitwerken in Warstein-Allagen verarbeitet. Für den Beginn der 1970er Jahre wird ein neues Marmorwerk im Betriebsgelände der Steinwerke F.J. Risse in Warstein erwähnt (Risse 1974, S. 25).
Zur Identifizierung bedeutsamer Verwendungsbeispiele hilft der „Auszug über die in letzter Zeit getätigten größeren Lieferungen in unserem „KATTENFELS“ und „WESTERFELS“-Marmor.- Kunststein- und Schotterwerke F.J. Risse - Inh. Gebrüder Risse; Warstein“ (Risse, Gebrüder o.J. b). Er ist selbst undatiert und wie auch die aufgelisteten Lieferungen. Bei Kirchen findet sich oft nur der Hinweis „ Kath. Kirche “. In Tab. 16 haben wir die genannten Bauobjekte übernommen und um einige uns bekannte Beispiele in kursiv ergänzt. Insgesamt sind es 81 Objekte. Der älteste Nachweis ist die St. Bonifatius-Kirche in Wunstorf von 1954, der jüngste die Stadtkirche St. Petrus, Warstein von 1972. Danach werden Kattenfels- und Westerfels fast 20 Jahre abgebaut und vermarktet. Der größte Teil fällt mit 80 Prozent auf Kattenfels. Westerfels erreicht gerade 20 Prozent. Zu acht Prozent werden Kattenfels und Westerfels gemeinsam verbaut. Auffällig ist, dass beide Marmore zu Dreiviertel in sakralen vorrangig katholischen Objekten zum Einsatz kommen und lediglich ein Viertel in profanen Bauten. Ihre sakrale Verwendungen sind Folge der schweren Kriegszerstörungen aber vor allem des starken Zustroms von Vertriebenen in die Bundesrepublik nach dem zweiten Weltkrieg und der ab Mitte der 1950er- Jahre vermehrt entstehende Wohnraum in neuen Siedlungen an Stadträndern, die einen hohen Baubedarf an Kirchen nach sich ziehen (Sauerbier 2021, S. 14; Otten et al. 2026, S. 30). Dies erklärt auch die verbreitete Verwendung beider Marmore neben Fußbodenbeläge für liturgische Objekte. Es sind allein 32 Altäre aus Kattenfels und acht aus Westerfels bekannt. Dazu kommen einzelne Objekte wie eine Tabernakelstele, Weihwasserbecken, ein Priestersitz, Ambo und mehrere Taufsteine. Die raren nicht katholischen sakralen Kattenfels- Verwendungen sind 1959 Fußbodenplatten der wieder errichteten Kölner Synagoge sowie Fußbodenplatten und Altar der evangelischen Kirche in Gelsenkirchen-Buer Middelich in den 1960er Jahren. Neun Prozent der Produktion machen Fensterbänke aus Kattenfels aus. Insgesamt wird etwas weniger als die Hälfte regional vermarktet, darüber hinaus ein Drittel in Nordrhein-Westfalen, ein Fünftel in Deutschland und nur zwei Prozent im Ausland (Tab. 19).
Beeindruckende Verwendungsbeispiele für Kattenfels finden sich in zwei westfälischen Klosterkirchen. Die von H. Schilling (*1921; f2009) entworfene, 1962 begonnene und 1964 geweihte Friedenskirche der Benediktiner-Abtei Königsmünster in Meschede (Dehio 2011, S. 654; Abtei Königsmünster Meschede [online]) ist außen und innen mit einem Mauerwerk aus roten Klinkersteinen ausgeführt (Abb. 124). Kattenfels wird als einziger Naturstein für die Fußböden des Kirchenraums, des Chorbereichs und des Altarsraums verwendet. Die Fußbodenplatten sind wie sonst auch senkrecht zum Lager geschnitten. Dadurch treten die knolligen Lagen markant hervor und geben der Fläche Struktur (Taf. 35, Fig. 1). Der Altar (Taf. 35, Fig. 3) und die Weihwasserstele Taf. 35, Fig. 2) sind teils zum Seidenglanz poliert, teils mit dem Meißel gespickt.
Die 1663 in Paderborn erbaute Franziskanerkirche wurde 1945 während eines Bombenangriffs zerstört. Unmittelbar nach dem Krieg begann der Wiederaufbau, so dass sie bereits 1948 wieder eröffnet werden kann (Die Häuser der Franziskaner [online]). Nach dem Bericht von Pater O. Maasmann erfolgt ihre Renovierung im August und September 1966.
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Abb. 124: Friedenskirche der Abtei Königsmünster, Meschede, Blick in den Chor, Fußboden und Altar Kattenfels, 1964.
Die „ Stein-, Plattierungsarbeiten, Altäre “ führt die „ Fa. F.J. Risse GmbH, Warstein “ aus und verwendet dazu Kattenfels. Der sieben Tonnen schwere Altar und die Altarstele müssen mit einem Kran durch das Portal in die Kirche gehievt werden (Hausarchiv Franziskanerkloster Paderborn Nr. 608, S. 2-3). Altar, Tabernakel und Ambo gestaltet C. Kilian, Braunschweig (*1928; t2022) (Wessel 1988, S. 8) (Abb. 125; Taf. 36, Fig. 1 und 2). Entsprechend der liturgischen Erneuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils wird er freistehend und näher an die Gläubigen positioniert (Moderner Kirchenbau [online]). Diese Aufstellung sehen wir auch in der Pfarr- und Klosterkirche St. Michael des Michaelskloster der Augustiner Chorfrauen in Paderborn, in der der Chor nach 1965 als stufige Anlage neu gestaltet wird (Taf. 37, Fig. 1-3). Altar und Taufstein der Pfarrkirche St. Agatha in Schmallenberg-Oberhenneborn werden 1968 von dem Sauerländer Bildhauer Ernst Suberg geschaffen. Beiden sind Kuben, die von den oben erwähnten Blockgrößen für größere Objekte zeugen. Ihre Seitenteile sind undulierend gearbeitet Die Mensen sind poliert, so dass die für Westerfels charakteristischen schmalen Kalzitgänge und die oft präsenten Stromatoporen klar hervortreten (Schmallenberg-Oberhenneborn St. Agathe Altar.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Inventar-Nr.: 01960319) (Taf. 21; Fig. 1 und 2). Auch in der St. Pankratiuskirche von Geseke-Störmede ist der Hochaltar nach Osten aufgestellt, davor der umgehbare Zelebrationsaltar (Geseke-Störmede St. Pankratius Altar, Ambo.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 2530046) und am Rande des Altarraums der Ambo als Lesepult.
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Abb. 125: Franziskanerkirche, Paderborn, Chorbereich, Fußbodenplatten und Altäre Kattenfels, 1966.
Die Oberflächen beider sind hellgrau mattiert gearbeitet (Taf. 22, Fig. 4. Lediglich die Auflagefläche des Ambo ist poliert. Damit kommen auch hier die charakteristischen Stromatoporen zur Erscheinung (Taf. 22, Fig. 3). Im Hintergrund der Abbildungen beider Altäre sind die Fußböden zu erkennen, in Oberhenneborn sind es Schieferplatten, in Störmede ist es Kattenfels. Im Gegensatz zu diesem wird Westerfels deutlich seltener zu Fußbodenpatten verarbeitet. Ein 2018 noch existierendes profanes Verwendungsbeispiel ist in ein Geschäftseingang an der Warsteiner Hauptstraße (Taf. 20, Fig. 1). Das einzige bestehende großflächige Verlegung ist der Altarraum von St. Pankratius im Warstein (Taf. 20, Fig. 2). Verlegt werden die Platten 1960 als „ Warsteiner Kalkstein “ (KrAS P 2/1 / Architekt Heinrich Stiegemann, Warstein - Akten, Nr. 95). Die weiteren uns bekannten noch bestehenden sakralen Verwendungen fielen Baumaßnahmen zu Opfer. Es sind der Altarraum des im August 2023 abgerissen Anbaus der St. Ludgerus-Kirche in Brilon-Alme, deren Altar aus Goldadermarmor von der Lahn ist (KrAS P 02/01 / Architekt Heinrich Stiegemann, Warstein - Akten, Nr. 197) (Taf. 22, Fig. 1 und 2), und noch vorliegende Fußbodenleisten im Kreuzgang des Arnsberger Klosters Wedinghausen, die bei der grundlegenden Renovierung 2019 entfernt werden (Taf. 20, Fig. 3). Vermutlich wurden sie bei der Beseitigung der Schäden des Zweiten Weltkriegs um 1956 verlegt.
Vor diesem Hintergrund überrascht es umso mehr in der Warsteiner Innenstadt, Hauptstraße 61, im Geschäfts- und Wohnungs-Eingangsbereichs noch großflächig verlegten Westerfels zu entdecken, der hier mit geringeren Anteilen von Kattenfels kombiniert wird. So ist die Treppe zum Wohnbereich aus Kattenfels mit Setzstufen wie üblich senkrecht zum Lager geschnitten und Trittstufen waagerecht zum Lager geschnitten Taf. 39, Fig. 2). Eine dort verbaute Fassadenverkleidung (Taf. 38, Fig. 3) und eine weitere Eingangstreppe, Hauptstraße 29 (Taf. 39, Fig. 1), zeigen das starke Ausbleichen von Kattenfels im Außenbereich ebenso wie ein im Friedhof der Abtei Königsmünster, Meschede, aufgestellter Altar (Taf. 38, Fig. 1) und Fensterbänke von 1957 in der kath. Pfarrkirche St. Christophorus in Warstein-Hirschberg (Taf. 38, Fig. 2). Diese Tatsache wird kaum bekannt gewesen sein, als Kattenfels in den 1950er und 1960er Jahren für Fensterbänke in mehreren Großprojekten wie BASF in Ludwigshafen, Kreisberufsschule in Plettenberg, Siedlungsbauten der Neuen Heimat in Düsseldorf, verbaut wird (Tab. 00115). Nicht verwunderlich unterbleiben danach weitere Verwendungen im Außenbereich. Diese Aufträge liegen in gleichen Dimensionen wie 1959 die Lieferung von Kattenfels für Fußbodenbeläge und von Westerfels für Garderobentische des Stadttheaters Gelsenkirchen. Eine letzte Großlieferung von Kattenfels geht 1969 an die Empfangshalle des Flughafens Düsseldorf-Lohausen (Risse, Gebrüder o.J. b). Eine weitere sind Fußbodenplatten aus Kattenfels in der St. Laurentius-Kirche in Salzkotten-Thüle Anfang 1970er Jahre. Damit endet der aktive Abbau von westfälischem Marmor.
Kattenfels und Westerfels werden in der geologischen Literatur nicht als Marmorverwendungen erwähnt. Wenn es um Marmor geht, bezieht sich Hesemann (1975, S. 70) in seiner „ Geologie Nordrhein-Westfalens “ nur noch auf den Sparganophyllum-Kalk, „ weil er als harte Einlagerung innerhalb von Schiefern vielfach eine Durchäderung und Durchtrümmerung durch weißen Kalkspat aufweist, der mit dem schwarzen Kalk angenehm kontrastiert “. Hesemann bezieht sich vermutlich auf das Vorkommen im Marmorgrubenfeld Enkhausen bei Meschede- Schüren.
Renaissance von Mecklinghausen rot in Attendorn-Helden
Zu diesen haben wir die Abschrift aus der Siegener Zeitung vom 22.4.1987 O. Höffer, pensionierter Stadtarchivar von Attendorn, zu verdanken: „Als in den Jahren 1974/75 die Renovierung der St.-Hippolytus-Kirche in Helden ansteht, erinnern sich Angehörige der Pfarrgemeinde wieder an den heimischen Marmor und lassen den noch offenen Bruch am Kreuzberg untersuchen. Er wurde schon als Abfallplatz benutzt, aber man konnte ein Stück hineinkommen“, erinnert sich Pfarrer Josef Becker. Die „wunderbare Art des Steins“ beeindruckt zwar, weckt aber auch den Verdacht, dass „da etwas nicht stimmen kann“ - „Schießen konnte man den nicht, und vom Brechen des Marmors verstand hier niemand mehr etwas“, berichtet Pfarrer Becker. „Das blieb uns schließlich auch erspart.“ Auf Befragen gibt ein Fachmann einen Hinweis auf die Firma Dassel in Allagen (b. Soest), die bis 1938 das Abbaurecht für „Helden-Rot“ genutzt und - zur Überraschung der Pfarrgemeinde - noch drei große Blöcke gelagert hat. Das Unternehmen bestätigt indes die insgeheime Befürchtung und den „tieferen“ Grund für den nur bescheidenen wirtschaftlichen Erfolg des Marmors von Mecklinghausen: das Material sei spröde und lasse sich deshalb nicht so leicht bearbeiten wie andere Marmorarten.
Die „Wiederentdeckung“ löst dennoch Freude aus, die Gemeinde St. Hippolytus erteilt den Auftrag zur Fertigung des Altars, einer Tabernakelstele und eines Pietasockels. So kehrt der rote Marmor heim und erfreut seitdem im schönen Gotteshaus die hier zum Lob und Preis des Herrn versammelte Gemeinde. „Im Namen der Liebe zum heimatlichen Boden und hauptsächlich im Namen des allmächtigen Gottes, des Erschaffers der sauerländischen Berge samt allem Marmor, der darinnen ist ...“, wie schon der Grubenunternehmer Keßeler 1844 an das preußische Finanzministerium geschrieben hatte“ (StAA Abschrift aus der Siegener Zeitung, 22.4.1987).
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Abb. 126: St. Hippolytus-Kirche in Attendorn-Helden, Altar aus Mecklinghausen rot, 1976.
Der Altar ist an seinen Seitenflächen mit dem spitzen Meißel bearbeitet. Lediglich die Bodenplatte und die Mensa sind poliert (Abb. 126, Taf. 33, Fig. 1) (Attendorn-Helden St. Hippolytus Altar; Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Inventar-Nr.: 01190620). Das Gleiche gilt für die Gestaltung des Pietasockel im linken Seitenchor (Taf. 33, Fig. 2), des Herz-Jesu-Altars in rechten Seitenchor, in den ein Taufstein, Anton Leiste 1733, aus schwarzem Marmor unbekannter Provenienz 1975 eingelassen wird (Attendorn-Helden St. Hippolytus Seitenaltar; Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 1190626; LAV NRW W K 827 Staatshochbauamt Siegen, Nr. 16) (Taf. 33, Fig. 3) und der Tabernakelstele ((Attendorn-Helden St. Hippolytus Seitenaltar.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 1190624) (Taf. 34; Fig. 1). Nur der Ambo (Taf. 34, Fig. 2) und Ablageplatten (Taf. 34, Fig. 3) sind poliert. Er zeigt die schon 1844 von Kessler erwähnten „ unlieblichen weiße Adern “, der auch die oben erwähnten Bearbeitungsprobleme bereits erwähnt, dass der Marmor schwierig und unvollkommen die Politur annimmt und sich nur schwierig gegen seinen Riss verarbeiten lässt (LAV W K 335, Kreis Olpe, 263) (s.o.). Wenig beachtet sind in der Kirche zwei Weihwasserbecken aus Lennestein, die allerdings von nicht datiert werden konnten (Attendorn-Helden St. Hippolytus Weihwasserbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 1190634). Bearbeitung und Stilistik legen eine Zeit nach dem zweiten Weltkrieg nahe (Taf. 19, Fig. 1).
Effenberger- wurde von dem Sunderaner Künstler Johannes Dröge zu zwei abstrakten, unbenannten Skulpturen verarbeitet, die mit anderen Arbeiten im Berghaus Stockum 2021 ausgestellt wurden (Digitale Ausstellung „Der unbekannte Dröge“ [online]). Treppenplatten aus Briloner Massenkalk werden 2010 beim Umbau des Museums Haus Hövener in Brilon für die Treppe in das Kellergeschoss als Hommage auf örtliche Gesteine verbaut. Ihre genaue Herkunft war für uns nicht zu ermitteln. Der verarbeitende Steinmetz schildert, dass die Qualität der Rohblöcke mangelhaft sei und so die Setzstufen nicht aus einem Stück geschnitten werden konnten (Abb. 127). Vermutlich stammen die Rohblöcke aus den Marmorgrubenfeldern Kronprinzessin von Preußen oder Münster (Karte 6), in denen aktive Massenkalk-Steinbrüche liegen.
Abb. 127: Brilon, Museum Haus Hövener, Treppe aus Briloner Massenkalk, Rohblöcke vermutlich aus den Marmorgrubenfeldern Kronprinzessin von Preußen oder Münster.
Endgültiges Ende des Abbaus westfälischen Marmors
2015 wird letztmalig ein Versuch unternommen, im Steinbruch Kattensiepen bei Rüthen Kattenfels für eine Restaurierung aufzuwältigen. Dazu werden zwei Blöcke im Natursteinwerk Rinsche in Anröchte-Klieve geschnitten (Abb. 128). Der linke Block zeigt dünne Klüfte. Auf der Schnittfläche des rechten Blocks sind rot markierte feine Risse, die durch Sprengungen des vorhergehenden Abbaus entstanden sind. Diese Schäden betreffen die anstehende Schichtenfolge und lassen einen weiteren Abbau als Marmor ist nicht mehr zu.
Kalkstein versus Marmor im Raum Warstein - der zweite Marmorprozess
Am 1. Januar 1982 tritt das neue Bundesberggesetz (BBergG) in Kraft (Bundesberggesetz (BBergG) vom 13. August 1980 [online]). Das räumt mit alten Rechten und Verträgen gründlich auf, zu denen auch sämtliche verliehenen westfälischen Marmorgrubenfelder gehören. Die Voraussetzung für ihre Aufrechterhaltung ist die Anzeige der Rechte beim Oberbergamt. Rechte und Verträge, die dort nicht oder nicht fristgemäß angezeigt werden, erlöschen drei Jahre nach Ablauf der Anzeigefrist. Da beim Gros der Marmorgrubenfelder und auch zahlreichen sauerländischen Schiefer- und Erzgruben die entsprechenden Anträge
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 128: Probeblöcke von Kattenfels im Natursteinwerk Rinsche in Anröchte-Kliewe, 2015, dünne Klüfte und rot markierte feine Risse zeigen die Untauglichkeit für einen weiteren Abbau an. Foto mit freundlicher Genehmigung von Heiner Rinsche, Natursteinwerk Rinsche GmbH.
ausbleiben, verfällt deren Bergeigentum, die betreffenden Akten werden Anfang der 1990er Jahre geschlossen. Entsprechende Vermerke werden in der Regel in der Berggrundakte auf der Seite der Beschreibung des generellen Bergeneigentums handschriftlich vermerkt. Die Rheinisch-westfälischen Kalkwerke Donap als Inhaberin des Bergrechts der in den Warsteiner Massenkalkvorkommen liegenden Marmorgrubenfelder Sophia, Elisabeth, Flinz, Enneke, Hillenberg, Kahlenberg, Warstein, Wester und Fuchs, stellen kurz nach Inkrafttreten des neuen Bundesberggesetzes einen Antrag auf Bestätigung der alten Rechte.
1993 beginnt am Landgericht Arnsberg ein Prozess, der nach der Revision beim Oberlandesgericht Hamm 1998 dann 2000 beim Bundesgerichtshof als zweiter Marmorprozess verhandelt wird (Bundesgerichtshof Urteil III ZR 242/98 verkündet am: 12. Oktober 2000, S. 5). Klagten im ersten Marmorprozess in den 1930er Jahren die Rheinischwestfälischen Kalkwerke gegen lokale Steinbruchbetreiber auf Feststellung ihrer ausschließlichen Abbauberechtigung in den verliehenen Marmorgrubenfeldern, sind nun die damals beklagten lokalen Steinbruchbetreiber die Kläger. Sie wollen die Befugnis zur Gewinnung von Kalkstein einschließlich etwa vorhandenen Marmors auf ihren Grundstücken. Die Kläger gehen davon aus, dass mit dem neuen Bundesberggesetz eine neue Rechtslage geschaffen worden sei, die den Konflikt zwischen Grundstückseigentümer und Bergwerkseigentümer nunmehr anders als vom Reichsgericht entschieden regle (Bundesgerichthof Urteil III ZR 242/98 verkündet am 12. Oktober 2000, S. 9). Nach dem beanspruchen sie das Recht auf Gewinnung von Marmor einschließlich anderer „beibrechender“ Bodenschätze, hier eben Kalkstein: „ Der Beklagten gehe es im übrigen gar nicht um die Gewinnung von Marmor. Sie wolle vielmehr unter dem Deckmantel des Bergrechtes den anstehenden Kalkstein gewinnen “ (Oberlandesgericht Hamm Urteil 10 U 97/ 93 OLG Hamm 1998, S. 4, S. 14). Das Landgericht Arnsberg zieht 1984 einen Sachverständigen hinzu (GDA L3G 4515/010 65691). Der orientiert sich an der oben zitierten Entscheidung des Reichsgerichts, dass ein Kalkstein zur Herstellung von Marmor geeignet ist, wenn er schneid, schleif- und polierfähig ist. Dafür stellt er fest, dass dafür die Gewinnung großer Blöcke unabdingbar ist. Diese können entweder aus bankigen Lagerstätten ausreichender Dicke, oder als BIöcke nahezu beliebiger Größe aus weitgehend homogenen, rekristallisierten Lagerstätten gewonnen werden (GDA L3G 4515/010 65691, S. 13). Er geht von einer Mindestblockgröße quaderförmiger Blöcke von 0,4 m[3] aus. Zur Veranschaulichung wären dies ein Würfel mit einer Kantenlänge von 0,73 Meter oder ein Quader von 0,5 Meter x 0,8 Meter x 1,0 Meter. Alle Gewinnungsverfahren setzen einheitliche, lagerstättenkundlich relativ einfach gebaute und über größere Dimensionen (mehrere 100 m seitlich, mindestens 2 - 3 m vertikal) sehr gleichmäßige und völlig regelmäßig geklüftete Gesteinskörper voraus. Weiter führt er aus, dass der Warsteiner Massenkalk aus einer sehr häufig in kleine bis kleinste Absonderungskörper [= Blöcke] zerteilte Schichtfolge besteht. Der Anteil größerer und damit erst schneid-, schleif- und polierfähige Kalksteinblöcke variiert im Warsteiner Massenkalk zwischen 1 % und 10 % bis 15 % und macht insgesamt weniger als 5 % der gesamten Schichtenfolge aus (GDA L3G 4515/010 65691, S. 19 und 42). Diese entsprechen auch „wegen der extrem unregelmäßigen Blockbegrenzungen, wegen vielfach mangelnder Druck- und Biegezugfähigkeit infolge der intensiven tektonischen Durchbewegung der Gesteine, vermutlich auch wegen zum Teil zu hoher Wasseraufnahme von Blockware und damit unzureichender Frostfestigkeit nicht mehr modernen Ansprüchen“ (GDA L3G 4515/010 65691, S. 20). Das Landgericht Warstein gibt April 1993 den Klägern in allen Belangen Recht. Auch die Revision beim Oberlandesgericht Hamm August 1998 geht erfolgreich für die Kläger aus (Oberlandesgericht Hamm Urteil 10 U 97/ 93 OLG Hamm 1998): „Tatsächlich existiere auf den streitigen Parzellen keinerlei Marmor. Dieser setze begrifflich über die vom Reichsgericht verwendete Definition hinaus die Gewinnbarkeit des Minerals in großen Blöcken voraus und ferner Rißfreiheit und Bruchfestigkeit, Gerinnbarkeit entlang einer Abbaufront im eingeschlossenen Kalksteinkörper, die Möglichkeit zur Verarbeitung zu größeren Platten und ein ästhetisches Aussehen. Dementsprechend seien auch nur lagerartige Vorkommen als verleihbarer Marmor angesehen worden. Etwa noch vorhandener Marmor habe jedenfalls eine so geringe Qualität, daß ein wirtschaftlich vertretbarer Abbau unmöglich sei. Da technisch verwertbarer Marmor der vorliegend fraglichen Art in isolierten großblockigen Partien abgebaut werde, sei kein Mitgewinnungsrecht der Beklagten gem. § 42 BbergG [Bundesberggesetz] denkbar“ (Oberlandesgericht Hamm Urteil 10 U 97/ 93 OLG Hamm 1998, S. 14).
Diese letzte Feststellung zum Abbau in großblockigen Partien moniert der Bundesgerichtshof im Revisionsprozess in seiner höchstrichterlichen Definition von Marmor: „In Ermangelung chemischer Abgrenzungsmöglichkeiten ist Marmor nach der Entscheidung des Reichsgerichts "Kalkstein ..., der sich für die Verwendung zu künstlerischen oder kunstgewerblichen Zwecken eignet. Diese Begriffsbestimmung schließt die Erfordernisse des schönen Aussehens und der Schneid-, Schleif- und Polierbarkeit sowie die Freiheit von Verunreinigungen und Umbildungen, die zu der bezeichneten Verwendung untauglich machen, ein. Dagegen kann das Erfordernis der Gewinnbarkeit in Blöcken von bestimmter Größe nur insoweit aufgestellt werden, daß die Brauchbarkeit für künstlerische oder kunstgewerbliche Zwecke noch gewahrt sein muß" (RGZ aaO S. 168 f.) (Bundesgerichthof Urteil III ZR 242/98 Verkündet am 12. Oktober 2000, S. 12). Der Bundesgerichthof beanstandet: „Das Berufungsgericht will von dieser weiten Definition [des Reichsgerichts] ... abweichen, als es für (technischen) Marmor eine Gewinnbarkeit ... quaderförmigen Blöcken von mindestens 0,4 m[3] Rauminhalt verlangt. Es entnimmt diese Voraussetzung - gestützt auf ein von ihm eingeholtes Gutachten ... - einerseits der auch vom Reichsgericht hervorgehobenen Schneidfähigkeit, die ein Sägen in großen quaderförmigen Platten erfordere, und andererseits - hilfsweise - der heutigen Verkehrsübung. In beiden Punkten vermag ihm der Senat nicht zu folgen. Er hält ... an der Definition des Reichsgerichts fest. Danach kommt es auf eine Verwendbarkeit in der Innenoder Außenarchitektur ... nicht an. Ebenso wenig spielen wirtschaftliche Fragen eine Rolle, insbesondere die Abbauwürdigkeit der Lagerstätten. Sie wurden ... im Verleihungsverfahren geprüft und sind mit diesem abgeschlossen. Das vom Berufungsgericht eingeholte ... Gutachten des Sachverständigen ... basiert aber neben einer fachlich-technischen Sichtweise, die lediglich architektonischen Zwecken Raum läßt und den insbesondere bei kunstgewerblichen Gegenständen an das Ausgangsmaterial zu stellenden geringeren Anforderungen an die Blockgröße kaum Beachtung schenkt, betont auf wirtschaftlichen Überlegungen (Bundesgerichthof Urteil III ZR 242/98 Verkündet am 12. Oktober 2000, S. 13). Damit trägt das Argument, in den Warsteiner Massenkalken komme kein Marmor vor, nicht mehr. Die Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke haben damit das Recht Marmor abzubauen. Doch dazu stellt der Bundesgerichtshof fest: „Nach dem tatsächlichen Vorbringen der Klägerinnen, dessen Richtigkeit das Berufungsgericht ebenfalls nicht geprüft hat, dem aber die Beklagte jedenfalls im Kern offenbar nicht entgegengetreten ist, geht es der Beklagten gar nicht um die Gewinnung von Marmor. Sie will vielmehr, nicht anders als die Klägerinnen, das Mineral zertrümmert als Kalkstein zur Verwendung in der Baustoffindustrie abbauen. Träfe dies zu, so verfehlte das lediglich zur Marmorgewinnung verliehene und von der Beklagten jetzt ausgeübte Recht seinen Zweck“ (Bundesgerichthof Urteil III ZR 242/98 Verkündet am 12. Oktober 2000, S. 19). Neben dieser Kernaussage wird in der Urteilsbegründung die weitere Klärung rechtlicher Details gefordert. Beispielsweise, ob die Marmor- oder die Kalksteingewinnung zuerst begann, da der ältere Abbau Prioritätsrechte besitzt. Letztendlich wird das angefochtene Urteil aufgehoben und an das Oberlandesgericht Hamm zurückzuverweisen (Bundesgerichthof Urteil III ZR 242/98 verkündet am 12. Oktober 2000, S. 29).
Bestehende Marmorgrubenfelder
Dort wird der Prozess nicht fortgesetzt, weil sich die Parteien wie 1937 vergleichen. Der alte strittige Punkt, ob das Bergeigentümerrecht auf Marmorabbau oder das Grundeigentümerrecht auf Kalksteinabbau greift, lösen sie dadurch, dass bis 2008 durch Tausch Berg- und Grundeigentum auf identischen Parzellen liegen (R. Risse, frdl. pers. Mitt.). Dazu werden bestehende Marmorgrubenfelder geteilt und 32 neue Marmorgrubenfelder entstehen (Bergbauberechtigungen in NRW [online]), die allesamt der Gewinnung von Kalkstein dienen. Weiterhin gültig sind die Bergrechte der nicht vom zweiten Marmorprozess und den nachfolgenden Aufteilungen betroffenen Warsteiner Marmorgrubenfelder „Fuchs“, „Kahlenberg“, „Warstein“ und „Wester“, die im Besitz der Rheinkalk Holding GmbH in Wülfrath sind (Bergbauberechtigungen in NRW [online]), die Marmorgrubenfelder „Prang“ in Warstein-Suttrop, „Helene“, „Holpot“, „Kallenhardt“, „Lucas“ und „St. Franziscus“ in Rüthen- Kallenhardt, nach Bergbauberechtigungen in NRW [online] im Besitz der Westfälische Marmor- und Granitwerke Georg Dassel GmbH & Co Kommanditgesellschaft in Warstein- Allagen. Als Eigentümer der Bergrechte der auf Rüthener Gebiet liegenden Marmorgrubenfelder Glenne und Adam I, die den Steinbruch Kattensiepen abdecken, ist die "Steinbruch Kattensiepen GmbH in Warstein" eingetragen (Bergbauberechtigungen in NRW [online]). Die weiterhin bestehenden Bergrechte der im Raum Arnsberg - Menden - Balve liegenden Marmorgrubenfelder „Hardt“, „Linden“, „Schiebel“, „Sanssouci“, „Balve“ und „Eickloh“ besitzt die Rheinkalk Holding GmbH in Wülfrath. Dies gilt auch für die
Marmorgrubenfelder „Attendorn“, „Mecklinghausen“, „Perikles“, „Potsdam“, „Carrara“ und „Rotheburg“ um Attendorn, die bereits 1953 von der Mecklinghäuser Marmor- und Kalkindustrie auf das Heggener Kalkwerk GmbH übertragen werden (LOBA Carrara). So wird zwar in Westfalen derzeit kein Marmor abgebaut, doch besteht weiterhin die Möglichkeit ihn nach Bergrecht zu gewinnen (Karte 9; Tab. 15).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 129: Angewitterter Rohblock von „Mecklinghausen Rot“ vor Kapelle St. Antonius Einsiedler, Inschriftentafel mit dem kurzen Hinweis aufden Hauptabbau in den 1850er Jahren am Kreuzberg.
3.10 Örtliche Erinnerungen an Marmorabbau
Gänzlich in Vergessenheit geriet der Abbau und die Verarbeitung von Marmor nicht. In Attendorn-Mecklinghausen steht vor der Kapelle St. Antonius Einsiedler am Rieflinghauser Weg ein nun angewitterter Rohblock von „Mecklinghausen Rot, mit einer kleinen Inschriftentafel mit dem kurzen Hinweis auf den Hauptabbau in den 1850er Jahren am Kreuzberg (Abb. 129). Der Steinbruch am Nehdener Kopf im Marmorgrubenfeld Balthasar liefert Anfang des 20. Jahrhunderts das Rohmaterial für eindrucksvolle Werkstücke der Sorten Goldader und Alma. Er liegt eindeutig in der Brilon-Almer Gemarkung, allerdings deutlich näher zu Brilon-Nehden als zu Brilon-Alme (https://www.6m-online.nrw.de/bm- online2/). Diese Nähe ist wohl der Grund, dass eine Hinweistafel „Nehdener Marmorbruch“ tituliert wird. Diese gibt grundlegende Auskünfte über den Marmorabbau (Abb. 130). Ergänzt wird sie in Brilon-Nehden durch die Assemblage eines Rohblocks, einer angeschliffenen Platte, beide aus Goldader und naturbedingt angewittert, sowie einer Hinweistafel des Geoparks Grenzwelten (Abb. 131). Im Park von Haus Dassel bei Warstein-Allagen sind mehrere Rohblöcke platziert, deren Beschriftung im Laufe der Jahre verloren ging. Ihre Patina macht eine exakte Gesteinsansprache schwierig. Als westfälische Marmore erkennbar sind ein Rohblock von Mecklinghäuser rot (Abb. 132) und eine nun umgestürzte Säule aus Goldader (Abb. 99). Auf die reiche Innenausstattung des Hauses Dassel mit westfälischen Marmoren wurde oben eingegangen.
Abb. 130: Hinweistafel auf Marmorabbau im Steinbruch am Nehder Kopf, Marmorgrubenfeld Balthasar, Brilon- Alme.
Abb. 131: Assemblage aus Rohblock, angeschliffenen Platte und Hinweistafel des Geoparks Grenzwelten zum Abbau von Goldader, Brilon- Nehden.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
3.11 Akteure des westfälischen Marmors im 19. Jahrhundert
Berggeschworene, Bergräte, Bergeleven und Markscheider
Das Oberbergamt in Bonn war im 19. Jahrhundert in vier Bergämter untergliedert mit insgesamt um die 20 Bergreviere, deren Zahl durch stete Umorganisationen etwas schwankte. Die westfälischen Marmorvorkommen liegen im Bereich des ehemaligen Bergamts Siegen. In Preußen war für jedes Bergrevier ein Revierbeamter zuständig (Veith 1871b, S. 380). Er bildete die untere Stufe einer vierstufigen Hierarchie mit übergeordnetem Bergamt, Oberbergamt und als oberster Instanz den Handelsminister (Veith 1871a, S. 69). Die Revierbeamte waren Berggeschworene (Veith 1871a, S. 231) oder Bergmeister (Veith 1871a, S. 83), später Bergräte. „ Berggeschworner ist derjenige Bergbeamte des Staats, welcher als erster Revier-, Verwaltungs- und Bergpolizeibeamter über sämtliche in einem Revier liegende Gruben gesetzt ist und im Revier wohnt “ (Erklärendes Wörterbuch der im Bergbau ... vorkommenden technischen Kunstausdrücke und Fremdwörter 1869, S. 24). Die Ausbildung der zukünftigen Berggeschworenen und späteren Bergräte ist einem heutigen dualem Studiengang vergleichbar und wird in deren Personalakten en Detail dokumentiert. Deren Durchsicht ergibt, dass das Thema „Marmor“ bestenfalls bei den geologisch-mineralogischen Vorlesungen an der Bonner Universität angesprochen werden dürfte. In der praktischen Ausbildung spielt es keine Rolle.
Der Vergleich der Jahresgehälter von vier Berggeschworenen für 1864 und 1865 zeigt, dass sie vom Dienstalter abhängig sind. W. Groppe (*1830) kommt auf 650 Thaler (LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 494), E. Buff (*1826) (LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 883) auf 700 Thaler, L. Emmerich (*1819) auf 850 Thaler (LAV NRW R Rheinland BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 484) und K. Liste (*1818) auf 750 Thaler (LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 594).
Berggeschworener Emil Buff (*1826 in Meschede, f1906 in Dortmund) (LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 883; LAV NRW W Q 440t / Kreisgerichtskommission Meschede / Testamente) begegnet uns erstmals Januar 1855 als Oberbergamts-Referendar. Als Berggeschworener wirkt er 1858 in Durbach, 1858 bis 1865 in Meschede, anschließend von 1866 - 1874 in Brilon. Von 1875 bis zu seiner Pensionierung 1892 ist er Bergrat im Bergrevier Deutz. Von seinem Amtssitz in Meschede aus führt er 1858 die von seinem Kollegen Liste übernommenen Mutungen in Alme bis zur Verleihung (LOBA Akten Alme, Balthasar, Melchior). In den Jahren 1864 und 1865 bearbeitet er die Mutungen im Raum Meschede (LOBA Akten Calle, Enkhausen, Königin Auguste, Österberg, Zorn). Aus seiner Beschreibung des Bergbau- und Hüttenbetriebs im Fürstenthum Waldecks geht hervor, dass zu seiner Zeit dort keinerlei Marmorabbau bekannt ist (Buff, 1870).
Berggeschworener Ludwig Emmerich (*1819 in Arnsberg; f1885 in Arnsberg) ist Sohn des preußischen Obergeometers J. Nikolaus Emmerich (*1791; f1868) (Pardun 1995, S. 20) und Bruder des Kaufmanns Franz Wilhelm Emmerich (*1826; f1905). Er macht 1839 sein Abitur in Arnsberg (LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 483). 1847 wird er wird zum Vice-Berggeschworenen für das Revier Brilon ernannt (Amtsblatt für den Regierungsbezirk Köln 1847, S. 12). Als Berggeschworener und später Bergrat steht er dem Bergrevier Arnsberg von 1862 bis zu seinem Tode vor (LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 483; PSA-StR-1). Er ist 1864 und 1865 zuständig für die Marmormutungen bei Eslohe-Niedersalwey und Eslohe Wenholthausen (LOBA Akten Rauch, Thorwaldsen, Leda I, Leda II, Leda III, Leda IV, Leda V). Muter ist in sein Bruder Franz Wilhelm Emmerich. Die Verwandtschaftsverhältnisse ergeben sich aus der Personalakte des Oberbergamts und dem Testament der Eheleute Kaufmann Emmerich, in denen ihr erstgeborener Sohn Ludwig benannt wird (LAV NRW W Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Q 504t / Amtsgericht Arnsberg / Testamente, Nr. II Nr. 114). Die Mutung Leda V legt dieser am 30. September 1865 ein, einen Tag bevor das neue preußische Bergrecht in Kraft tritt und damit Marmor zu den bergfreien Bodenschätzen gehört. Hier liegt ein humoristischer Tipp seines bergrechtlich kundigen Bruders nahe. Er war Mitglied des Naturhistorischen Vereins Rheinland und Westfalen.
Berggeschworener Wilhelm Groppe (*1830 in Arnsberg; f1890 in Trier) macht 1849 sein Abitur in Arnsberg (LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 493). Er legt Dezember 1856 seine Prüfung als Bergwerksexpektant ab, ist 1857 Bergreferendar und leitet als solcher die Reviere Olpe 1859, Meschede 1860 und Arnsberg 1860-1861. Ihm fällt im September 1860 die Marmor-Mutung Lambert in Lennestadt-Sporke zu, die nachfolgend von seinem Kollegen Emmerich bearbeitet wird. Von Herbst 1861 bis 1864 ist er Berggeschworener der Bergreviere Stadtberge und Brilon mit Amtssitz in Stadtberge [Marsberg-Niedermarsberg]. Hier tritt er im Juni erstmals bei der Besichtigung des Marmorgrubenfeldes Escherfeld auf. Dieser folgen 40 durch Bergamtsakten belegte, nach Bergrundbuchakten insgesamt 58 Mutungen und Verleihungen im Gebiet zwischen Marsberg, Brilon und Warstein, die bis auf wenige Ausnahmen sämtlich J.B. Prang oder sein Mitarbeiter T. Hagen einlegen. Lediglich die beiden letzten Mutungen, Kronprinz von Preußen bei Meschede-Eversberg am 05.07.1865 und Oesterberg bei Meschede-Calle am 13.07.1865 bearbeitet er nicht mehr. Seine letzte mit Marmor im Zusammenhang stehende Amtshandlung war die Einsendung des Feldverleihungsprotokolls für die Mutung Daniel I in Brilon-Nehden an das Oberbergamt Bonn Ende November 1864. In diesen zweieinhalb Jahren hat er alle zwei bis drei Wochen eine Marmormutung zu bearbeiten. Ab 1865 ist er Berggeschworener, avanciert zum Bergmeister und Bergrat in Trier. Er ist ab 1870 für die vereinigten Bergreviere St. Wendel und Trier zuständig (Amtsblatt der Königlich Preußischen Regierung zu Trier 1870, S. 176) wo er an „ hochgradigster Herzschwäche “ und einer damit einhergehenden Stauungsleber 1890 verstirbt (LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR
0101, Nr. 494). Er ist Mitglied des naturhistorischen Vereins der preußischen Rheinlande, Westfalens und des Reg.-Bez. Osnabrück (Correspondenzblatt Nr.1., 1887).
Bergmeister Josef Hüser begegnet uns erstmals bei der Begutachtung der von Christian Kessler 1842 bei Attendorn erschürften potentiellen Marmorvorkommen. In seiner Stellung als „Obereinfahrer“ liefert er einen detaillierten Bericht (LAV NRW W K 001 / Oberpräsidium Münster, Nr. 2812). Wenig später steht er als Bergmeister dem Bergrevier Brilon vor. Er begegnet uns in einem Bericht vom 7. März 1845 über das mögliche von C. Kessler entdeckte Marmorvorkommen bei Rösenbeck (GStA PK I HARep 89 Nr. 28428 No: 123). 1854 und 1855 ist er Mitarbeiter im Bergamt Siegen. Als in Brilon lebender Bergmeister a.D. vertritt er im März 1862 den Muter Theodor Steinmetz aus Düsseldorf bei der Feldesbesichtigung der Mutung Alexius bei Brilon.
Berggeschworener Theodor Hundt (*1818 in Medebach, f1886 in Siegen) (LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 510; Koerner & Liese 1922, S. 247), Bruder des Rechtsanwalts und Notars Eduard Hundt, Olpe (Theodor Joseph Conrad Felix Hundt [online]), nach Abitur in Arnsberg ab 1837 Bergbeflissener, dient 1838 bei den Garde-Pionieren, 1844 Ernennung zum Berg- und Hütteneleven, ab 1873 Bergrat, ist von 1853 - 1857 für das Bergrevier Olpe zuständig. Von 1858 - 1859 im Bergamt Siegen leitet er 1863 bis zu seinem Tode 1886 das Bergrevier Siegen II und ist zugleich Bergschullehrer an der Bergschule Siegen. Er bearbeitet die Marmormutung Königin Victoria bei Finnenberg-Heggen (LOBA Akte Königin Victoria), gemutet vom Wilhelm Josef Hundt aus Olpe. Er ist Mitglied des Naturhistorischen Vereins Rheinland und Westfalen.
Berggeschworener Karl Liste (*1818 in Büren-Brenken; f1874 in Deutz) erlangt 1841 in Paderborn sein Abitur (LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 592). Er wird 1853 zum Berggeschworenen ernannt (LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 594). Er ist von 1854 bis 1857 in den Bergrevieren Arnsberg und Balve tätig, wechselt 1858 zum Bergrevier Meschede, 1859 zum Bergrevier Königswinter, 1861 nach Unkel, und ist 1862 bis 1864 in Düsseldorf tätig. Er bearbeitet die Mutung Isis in Lennestadt-Melbecke im Mai 1856 (LOBA Akte Isis). Wenig später ab Juli 1856 ist er für die ersten Mutungen im Raum Brilon (LOBA Alexius, konsolidiert mit Carolinensegen) zuständig, dann im September 1856 für die erste Mutung bei Meschede-Berge, Abraham (LOBA Akte Abraham; LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 96), um 1858 auch die Mutungen im Raum Alme mit den Marmorgrubenfeldern (LOBA Alme, Balthasar, Melchior) zu bearbeiten. Nach seiner Versetzung werden die Mutungen vom Briloner Berggeschworenen Buff weiterbearbeitet.
Berggeschworener W. Schmidt leitete von 1854 bis nach 1890 das Bergrevier Müsen und ist damit auch für die Mutungen und Verleihungen im Raum Attendorn zuständig. Da uns die Personalakten nicht vorliegen, können wir keine detaillierten Angaben machen.
Bergeleve Theodor Hagen (*1830 in Birk, Siegkreis), Abitur mit 22 Jahren in Essen, beginnt Medizin zu studieren, im Juni 1855, 25jährig, Bewerbung beim Oberbergamt Bonn, 29. August 1861 Ernennung zum Bergeleven, 18. Mai 1863 Antrag auf Gewährung eines einjährigen Urlaubs beginnend mit dem 15. Juni 1863, „ da ich während dieser Zeit mich als Repräsentant und Betriebsführer der Gewerkschaft von Marmorgruben und -muthungen bei Alme, Brilon und Kallenhardt zu beschäftigen beabsichtige “, 14. Juni 1864 Antrag auf Verlängerung des Urlaubs um ein Jahr, stellt sich Anfang Juni 1865 den Bergbehörden wieder zur Verfügung, tritt am 5. Juli 1870 aus dem Staatsdienst aus (LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 538).
Im Februar 1862 führt er mit seiner markanten Handschrift bei der Feldesbesichtigung der Marmormutung Lambert bei Lennestadt-Sporke das Protokoll, mit der er sehr gut in vielen weiteren Akten identifiziert werden kann (016 Abb. 0709). Vier Monate später, im 16. Juni 1863 ist er erstmals für den Berggeschworenen Groppe Protokollführer bei der Feldesbesichtigung Escherfeld bei Brilon (LOBA Akte Escherfeld). Dies ist der Beginn von 19 Protokollen zu Fundpunktbesichtigungen und Feldesbesichtigungen sowie der Bearbeitung von Mutungsakten im Raum Marsberg, Brilon und Warstein. Im Mai 1863 unternimmt er mit Prang noch als Bergbeamter die Fundstellenbesichtigung der Mutung St. Paula bei Brilon- Rösenbeck. Dann wird T. Hagen im Juni 1863 von J.B. Prang abgeworben. J.B. Prang setzt ihn intensiv bei der Prospektion von Mutungen und für Feldesbesichtigungen ein (Tab. 6, Karte 8). Dies geschieht wegen seiner guten lokalen bergbaulichen Kenntnisse. Beispielsweise hätte J.B. Prang nie im entlegenen, isolierten und kleinräumigen Massenkalkvorkommen nordwestlich von Scharfenberg das Marmorgrubenfeld Gut Heil gemutet (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 98, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Scharfenberg, Gut Heil - Marmorbergwerk). T. Hagen sind sicherlich der dortige Kalkofen am Fundpunkt und die unmittelbar westlich angrenzenden Eisensteinpingen bergamtlich bekannt. Für die Feldesbesichtigungen erhält er stets die notwendigen Vollmachten. So kommt es zu Situationen, dass Th Hagen noch als Bergeleve im Dezember 1862 die Mutung Eva I bei Rüthen-Kallenhardt protokolliert und dann im Juni 1863 seinen alten Chef W. Groppe schon nach wenigen Wochen für seinen neuen Arbeitgeber um die Feldesbesichtigung von Eva I bittet. Im Schriftverkehr und Protokollen der Mutungsakten sind die Anschreiben an T. Hagen in Rüthen adressiert. Im Stadtarchiv und in den Kirchenbüchern finden sich keine biographischen Hinweise (frdl. pers. Hinweis Sommer, Stadtarchiv Rüthen). Im Januar 1864 wird Hagen Repräsentant für die Gruben Alme, Melchior und Balthasar ernannt, bei deren Revision durch den Berggeschworenen Groppe im Juli 1862 führte er noch das „ Beprüfungsprotokoll “ (LOBA Akte Alma). Im Mai 1864 avancierte er zum Grubendirektor bei Prang & Co., wobei dieser Titel etwas euphemistisch ist, beschäftigten doch Prang & Co. zu dieser Zeit bestenfalls 20 - 25 Männer in ihren Gruben. T. Hagen arbeitet eineinhalb Jahre für J.B. Prang und scheidet am 1. August 1864 aus. 1862 bis 1870, auch 1863 und 1864, wird T. Hagen als Eleve für das Bergfach in den Personalaufstellungen des Oberbergamts Bonn genannt.
Markscheider sind vorrangig verantwortlich für die Risse von Untertagebauten von Bergwerkwerken. Doch gehört auch zu ihren Aufgaben die Darstellung der verliehener Bergwerksfelder über Tage und damit auch die der Verleihungsrisse der Marmorgrubenfelder. Da sie diese namentlich unterzeichnen, sind damit sie in den vorliegenden Bergamtsakten (LOBA) namentlich bekannt. Der Siegener Markscheider A. Ginsberg (*1828; f1904) (LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 947 Ginsberg) ist von 1852 bis 1861 für die Verleihungsrisse im Raum Attendorn - Lennestadt verantwortlich. Gipperich, in Meschede niedergelassenen, ist für vier Verleihungsrisse im Raum Brilon von 1858 bis 1862 verantwortlich. Zwei Verleihungsrisse übernehmen seine Kollegen J. Daub (*1836; f1894) (LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 919 Daub) und K.A.J. Schütte aus Siegen (*1832; f1866) (LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 635 Schütte) 1861 und 1862. Gipperichs Nachfolger in Meschede, O. Heim (*1832; f1872), zeichnet dann ab 1863 bis 1865 etwa 50 Verleihungsrisse in den Räumen Meschede - Eslohe, Warstein, Brilon und Marsberg (LOBA-Akten; LAV NRW Rheinl BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 537 Heim).
Muter und Gewerken
Die biographischen Nachrichten zu den einzelnen Mutern von Marmorgrubenfeldern und deren Miteigentümern, deren Gewerken, sind unterschiedlich gestreut. Während für einige recht vollständige Daten vorliegen und diese auch durch die uns vorliegenden Archivalien ergänzt werden, bleiben bei einigen nicht mehr als der Name und der Wohnort.
Raum Attendorn - Finnentrop
Christian Kessler (*1792 in Hartegasse bei Lindlar, f1866 in New York) diente 1813 als Freiwilliger in den Befreiungskriegen (LAV NRW W K 335; GStA PK I HA Rep 89 Nr. 28428). Er war eigentlich für die geistliche Laufbahn vorgesehen, wurde dann aber Rentmeister beim Grafen von Nesserode. Bei seiner Übernahme der Hartegasser Fruchtmühle eröffnete er gleichzeitig eine Brennerei. 1836 baute er dort eine Marmorproduktion mit einer aus vier Männern bestehenden Gewerkschaft auf, „ teils Kapitalisten, teils Sachverständige “. Mit dem zweiten Wasserrad der Fruchtmühle wurde eine Marmorschneidmühle betrieben. Im gleichen Jahr fiel ihm ein Lottogewinn von 10000 Thaler zu (Jacobi 2007, S. 136ff). 1841 betrieb er die Prospektion von Marmorvorkommen im Raum Attendorn, besonders bei Mecklinghausen (LAV NRW W K 335; Weber 1981, S. 98; Höffer, 2008, S. 581). 1842 findet wohl der erste Marmorabbau statt (LAV NRW W K 335). Zu der Zeit musste er noch in Hartgegasse Marmorplatten geschnitten haben (Amtlicher Bericht über die allgemeine Deutsche Gewerbeausstellung in Berlin im Jahre 1844, S. 10). Um 1844 war er Mitglied einer Gewerkschaft zur Gewinnung der Mecklinghäuser Marmorvorkommen mit J.G. Tonglet, erst dessen Schwiegervater, später Schwager Legent und Graf von Berlaymont, die im gleichen Jahr in den Alleinbesitz von J.G. Tonglet übergeht. Im zweiten Halbjahr 1844 verkauft er seine Mühle in Hartegasse (Jacobi 2007, S. 140). Er prospektiert im Teutoburger Wald, im Raum Brilon und im Sauerland bei Hachen und im Raum Brilon (GStA PK I HA Rep 89 Nr. 28428). Anfang 1846 erfährt er von den preußischen Behörden, dass das bei Brilon-Rösenbeck von ihm entdeckte Marmorlager nicht abbauwürdig ist. Für seine Mühen erhielt er im April 1846 er 50 Thaler (GStA PK I HARep 89 Nr. 28428). 1847 wandert er mit Frau und acht Kindern in die Vereinigten Staaten aus (Jacobis 2007, S. 141) und lebte die letzten 14 Jahre in New York. Nach dem New Yorker Adressbuch von 1857 hatte er einen Marmorbetrieb. Er starb 1866 73jährig, seine Ehefrau 1883 86jährig.
Jean Gérard Tonglet , auch Johann Gerhard Tonglet (*21. September 1809 in Maastricht, fAugust 1891 in Chênée bei Liège) ist belgischer Marmorhändler und Wattefabrikant (Gerard Tonglet [online]). Von 1844 bis 1852 baut er Rohblöcke bei Mecklinghausen ab, die er bei Liège in Belgien verarbeitet (LAV NRW W K 335). 1852 veräußert er größere Anteile seines Bergeigentums. Seine letzte Erwähnung als Gewerke findet sich wenige Monate später im Verhandlungsprotokoll um die Wasserrechte für die neue Marmorschneidmühle bei Attendorn-Mecklinghausen (Kreisarchiv Olpe, Akte A 2312).
Franz Josef Bonzel (*1783; f1857), Kaufmann aus Olpe, ist vorrangig in der örtlichen Eisenindustrie engagiert (Sondermann 1907, S. 152-155, 162; WWA Dortmund, F 40 - Wendener Hütte). Er kauft von J.G. Tonglet laut notariellem Verkaufs- und Gesellschaftsvertrags vom 14. Juni 1851 48 Kuxen und später acht Kuxen. Mit nachfolgenden Käufen erhöht er seinen Anteil auf 64 Kuxen. Er ist damit Mehrheitseigner und Kopf der Marmorgesellschaft Franz Jos. Bonzel & Co, die erstmals 1852 erwähnt wird und die nachfolgend eine Produktionsstätte aufbaut und die Mutungen im Bereich von Attendorn vorantreibt (LAV NRW W K 335). Mit gleicher Kuxenzahl ist er an den zwischen 1854 und 1860 folgenden 16 Verleihungen von Marmorgrubenfeldern im Raum Attendorn und den dann konsolidierten Vereinigten Mecklinghäuser Marmorgruben beteiligt (LOBA Akte Mecklinghausen, LAV NRW W Q 560b). 1857 erben seine sieben Kinder Robert Bonzel, Fabrikant zu Olpe, Justus Bonzel, Wilhelm Bonzel, Emil Bonzel, Regina Bonzel verehel. Kaufmann Hubert Ruegenberg zu Olpe, Josefa Bonzel, verehelichte ? Huperz zu Olpe, Maria Anna zu Bonzel zu gleichen Teilen, die sie bis zum Verkauf der Marmorgesellschaft an die Vereinigte Baugesellschaft zu Coeln a/Rhein am 13. Juni 1873 halten (LAV NRW W Q 560b).
Hermann Josef Hesse (*1798, f1865) handelt als Kaufmann mit Eisenwaren in Paderborn. Er übernimmt die Eisenwarengroßhandlung seines Vaters, der Bürgermeister von Paderborn war (frdl. pers. Mit. R. Otte, Paderborn). Mit dem Kauf von 16 Kuxen der Gruben Griotte und Grüneberg von J.G. Tonglet und weiterer Anteile von Amtmann Franz Dham am 3. Juli 1852 wird er Gewerke der Marmorgesellschaft Franz Jos. Bonzel & Co. Er steigert seinen Anteil auf 24 Kuxen. Mit gleicher Kuxenzahl ist er an den zwischen 1854 und 1860 folgenden 16 Verleihungen von Marmorgrubenfeldern im Raum Attendorn und den dann konsolidierten Vereinigten Mecklinghäuser Marmorgruben beteiligt. Er wird bis zum Verkauf der Marmorgesellschaft an die Vereinigte Baugesellschaft zu Coeln a/ Rhein am 13. Juni 1873 als Gewerke geführt (LAV NRW W Q 560b).
Martin Schneidersmann (*1814, f1892) übernimmt 1843 die Verwaltung der Rentei Schnellenberg, bis er 1880 als Rentmeister "unehrenhaft" entlassen wird. Mit dem Kauf von acht Kuxen am 10. Februar 1852 wird er Gewerke der Marmorgesellschaft Franz Jos. Bonzel & Co. Mit gleicher Kuxenzahl ist er an den zwischen 1854 und 1860 folgenden 16 Verleihungen von Marmorgrubenfeldern im Raum Attendorn und den dann konsolidierten Vereinigten Mecklinghäuser Marmorgruben beteiligt, die er bis zum Verkauf der Marmorgesellschaft an die Vereinigte Baugesellschaft zu Coeln a/ Rhein am 13. Juni 1873 hält (LAV NRW W Q 560b).
Franz D'ham wird am 14. Juni 1851 mit dem Kauf von 16 Kuxen der Gruben Grüneberg und Griotte weiterer Gewerke der Marmorgesellschaft Franz Jos. Bonzel & Co. Er ist möglicherweise der vormalige Schmallenberger Amtmann und Vater des langjährigen Attendorner Amtmanns Anton D'ham. Er verkauft nach und nach seine Anteile, die letzten vier Kuxen am 26. April 1855 an F. J. Bonzel (LAV NRW W Q 560b).
Amtsrat Ferdinand Risse (f1857) Paderborn wird mit dem Kauf von 24 Kuxen am 10. Februar 1852 Gewerke der Marmorgesellschaft Franz Jos. Bonzel & Co. Er kauft später weitere Kuxen zu, so dass er letztendlich 32 Kuxen besitzt (LAV NRW W Q 560b). Weiter erwähnt wird er im Kaufvertrag um Mecklinghäuser Marmorgruben vom 29.05.1852 (Amtsarchiv Olpe Hypothekenakten Helden VI-44) und dann wenig später in Verhandlungen um die Wasserrechte für die neue Marmorschneidmühle (Kreisarchiv Olpe, Akte A 2312). Er vererbt 1857 seine Anteile an seine Kinder Gerichtsassessor Egon Wilhelm Ernst Christian Risse zu Paderborn, Friedrich Gustav Eduard Risse zu Paderborn sowie Ferdinandina Carolina Ernstina Louise Risse verehelichte Rittmeister später Major von Schlechtendahl zu Mühlhausen in Gemeinschaft (LAV NRW W Q 560b).
Gerichtsassessor Egon Wilhelm Ernst Christian Risse zu Paderborn wird durch die Erbschaft 1857 Gewerke der Marmorgesellschaft Franz Jos. Bonzel & Co., als solcher 1865 erwähnt (LATH - STAATBG Bauamt Altenburg, 36). Mit gleicher Kuxenzahl ist er an den zwischen 1854 und 1860 folgenden 16 Verleihungen von Marmorgrubenfeldern im Raum Attendorn und den dann konsolidierten Vereinigten Mecklinghäuser Marmorgruben beteiligt. Er besitzt seine Anteile bis zum Verkauf der Marmorgesellschaft an die Vereinigte Baugesellschaft zu Coeln a/Rhein am 13. Juni 1873 (LAV NRW W Q 560b).
Friedrich Gustav Eduard Ludwig Risse zu Paderborn wird durch die Erbschaft 1857 Gewerke der Marmorgesellschaft Franz Jos. Bonzel & Co., als solcher 1865 als Gewerke erwähnt (LATH - STAATBG Bauamt Altenburg, 36). Mit gleicher Kuxenzahl ist er an den zwischen 1854 und 1860 folgenden 16 Verleihungen von Marmorgrubenfeldern im Raum Attendorn und den dann konsolidierten Vereinigten Mecklinghäuser Marmorgruben beteiligt. Er besitzt seine Anteile bis zum Verkauf der Marmorgesellschaft an die Vereinigte Baugesellschaft zu Coeln a/Rhein am 13. Juni 1873 (LAV NRW W Q 560b).
Rittmeister, später Major von Schlechtendahl , Mühlhausen, der seine Frau Ferdinandina Carolina Ernstina Louise Risse 1857 als Gewerke der Marmorgesellschaft Franz Jos. Bonzel & Co. vertritt (LATH - STAATBG Bauamt Altenburg, 36). Mit gleicher Kuxenzahl ist sie an den zwischen 1854 und 1860 folgenden 16 Verleihungen von Marmorgrubenfeldern im Raum Attendorn und den dann konsolidierten Vereinigten Mecklinghäuser Marmorgruben beteiligt. Sie besitzt ihre Anteile bis zum Verkauf der Marmorgesellschaft an die Vereinigte Baugesellschaft zu Coeln a/Rhein am 13. Juni 1873 (LAV NRW W Q 560b).
Rechtsanwalt und Notar Eduard Hundt (*1814; f1853), Bruder des Berggeschworenen und späteren Bergrats Theodor Hundt (Joseph Georg Eduard Hundt [online]; Theodor Joseph Conrad Felix Hundt [online]) wickelt 1852 den Verkauf der beiden Marmorgruben von J.B. Tonglet ab und tritt nachfolgend für sich und Fräulein Jenny Hundt, Medebach, als Muter der Mutung Pfefferburg bei Grevenbrück auf (LOBA Akte Pfefferburg) auf. Sie und seine Erben verkaufen das Marmorgrubenfeld August 1859 an G. Lehrkind, Hagen-Haspe.
Wilhelm Josef Hundt (*1807, f1870) aus Olpe ist Gewerke und Teilhaber des EisenblechWalzwerks in Niederstenhammer. Zwischen 1855 und 1862 mutet er im Raum Elspe, Finnentrop und Bamenohl die zehn Marmorgrubenfelder Osiris, Isis, Flora II, Fretter, Aurora, Nachtigall, Victor II, Rabe II, Adler II, und Königin Auguste. Eigentümer der Verleihungen werden stets er und seine Ehefrau Auguste, geb. Funke. Für alle beantragt er bereits im Juni 1863 eine Betriebsfrist auf unbestimmte Zeit beim Oberbergamt in Bonn (LOBA Akten Osiris, Königin Victoria, Königin Auguste). Marmor wird nie abgebaut. Er ist kein naher Verwandter des oben erwähnten Berggeschworenen Theodor Hundt (*1818, + Siegen) (frdl. pers. Mit. J. Wermert, Stadtarchiv Olpe).
Gastwirt Robert Heunell aus Lennestadt-Grevenbrück-Foerde mutet 1860 das Marmorgrubenfeld Lambert bei Lennestadt-Elspe. 1896 stellt seine in Bochum lebende Witwe die Anfrage an das Landesoberbergamt in Bonn, ob das Marmorvorkommen auch als Kalkstein genutzt und verwertet werden darf (LOBA Akte Lambert).
Spekulative Marmormutungen im Raum Arnsberg, Meschede, Warstein und Brilon
Josef Wiethoff (*1814; f1882) aus Lennestadt-Oedingen mutet im Juli 1856 das Marmorgrubenfeld Concordia bei Eslohe-Cobbenrode. Die Verleihung im Januar 1860 geht an Gustav Lehrkind in Hagen-Haspe (LAV NRW W Q 523b / Amtsgericht Fredeburg / Berggrundakten, Nr. 31).
Heinrich Graas (*1800; f1863), Warstein-Belecke, Berghofen (bei Dortmund) legt im Juli 1856 die ersten zwei Mutungen auf Marmor im Raum Brilon ein. Mit seinen Gewerken Ed. Theisen und J. Brader (?) verkauft er schon im Oktober 1856 die Mutungen Albanus und Alexius auf Marmor, die Mutungen Charlotte, Primus, Secundus, Frisch Gewagt auf Blei im Raum Brilon und Aluminium auf Alaunschiefer bei Belecke (LOBA Alexius). Der Käufer, Theodor Steinmetz Bezug erläutern aus Dortmund, später Düsseldorf, beauftragt Bergmeister a.D. Hüser (Brilon) mit den Feldesbesichtigungen verschiedener Mutungen (1862).
Carl Moenig aus Meschede mutet im November 1856 das Marmorgrubenfeld Carl bei Bestwig-Vermelde. Das Feld geht mit seiner Verleihung im Januar 1862 an die Anhalt- Dessauische Landesbank über, vertreten durch Hermann Kühne und Heinrich Gnüchtel aus Dessau (LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 42).
August Tilgner (*1808; f1887) aus Recklinghausen mutet Dezember 1856 das Marmorgrubenfeld Rinaldo bei Bestwig-Nuttlar. Das Feld geht mit seiner Verleihung im Januar 1862 an die Anhalt-Dessauische Landesbank über, vertreten durch Hermann Kühne und Heinrich Gnüchtel aus Dessau Velmede (LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 41). Für diese mutet er um 1860 das Marmorgrubenfeld Glücksfund, das offensichtlich nicht verliehen wird. Immerhin kann er hier eine Entschädigungszahlung von 300 Thaler für die Abfuhr von Marmorblöcken durchsetzen (s.o.).
Rudolf Schmidt, Soest, Siegen, folgt mit den Marmormutungen Greitenberg im April 1857 und Escherfeld bei Brilon im Dezember 1857. Weitere Mutungen auf Marmor sind Bielstein, Grimmlinghausen, Schwarzenberg, Hector, Peterstein, Zuversicht und Helas bei Warstein- Suttrop. Davon wurde nur Helas Juli 1862 an ihn verliehen (LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 25). Mit einigen Mutungen auf andere „Mineralien“ verkauft er sie dem Buchhändler Theodor Wehrle, weiter Anteile an Kaufmann Wilhelm Pieper, Konditor Ludwig Vecht, Kaufmann F. Jul. Esser, Kaufmann Eduard Holzwart, alle in Soest, für 200 Thaler. Nur das von ihm Juli 1858 gemutete und Juli an ihn verliehene Marmorgrubenfeld Flötzberg I und vermutlich auch Flötzberg II bei Brilon, Archivalien liegen uns nicht vor, bleiben in seinem Besitz. Es wechselt später mehrfach den Besitzer (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 113).
Kaufmann Franz Julius Esser , Soest, März 1863 Repräsentant der Marmorgruben Helas, Greitenberg und Escherfeld (LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 25).
Louis Hensel aus Meschede mutet August 1857 das Marmorgrubenfeld Wittekind. Es wurde Oktober 1859 an Kaufmann Julius Lex aus Meschede verliehen, der „ Garant “ der Aktien- Kommanditgesellschaft Westphalia in Meschede ist. Als Gewerken werden genannt: Kaufmann Karl Neuhoff, Meschede, 40 Kuxen, Kaufmann Julius Lex, Meschede, 32 Kuxen, Apotheker Julius Wrede, Meschede, 24 Kuxen, Gutsbesitzer Wilhelm Vetter, Beringhausen, 24 Kuxen, Hüttendirektor Hermann Haak, Duisburg, 16 Kuxen. Weiterverkäufe o.a. an Dezember 1882 an Kommerzienrat Wilhelm Bayenthal, ?, 128 Kuxe, Februar 1896 an Eisengrubenbesitzer Franz Schlewer, Münster und letztendlich Januar 1920 an die Firma Dr. Hange & Co., Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Köln (LAV NRW W Q 523b / Amtsgericht Fredeburg / Berggrundakten, Nr. 97). Ein Abbau von Marmor fand nicht statt.
Kreisrichter Hermann Schneider aus Meschede mutet Dezember 1859 das Marmorgrubenfeld Friedrich-Wilhelm bei Schmallenberg-Menkhausen. Es wird ihm Oktober 1862 verliehen. Er veräußert Anteile. Denn als Gewerken werden genannt: Kreisrichter Hermann Schneider 43 4/5 Kuxen, Landwirt Ludwig Brinkmann, Menkhausen bei Fredeburg 25 3/5 Kuxen, Steiger Ludwig Essleben, Berghausen bei Fredeburg 25 3/5 Kuxen, Gutsbesitzer Theodor Brinkmann, Dalheim bei Warburg 18 Kuxen, Rittergutsbesitzer Julius von Stockhausen, Stockhausen bei Meschede 6 Kuxe, Kreisrichter Carl Dham, Brilon, 3 Kuxen, Lehrer Harlinghausen, Eslohe 3 Kuxen, Gutsbesitzer Carl Schneider, Berndorf bei Fredeburg 3 Kuxen (LAV NRW W Q 523b / Amtsgericht Fredeburg / Berggrundakten, Nr. 14).
Gustav Lehrkind (*1819; f 1872) aus Hagen-Haspe ist zusammen mit der Familie Harkort Gründer der später als Hasper Hütte berühmten Stahlwerke. Er kauft August 1859 das Marmorgrubenfeld Pfefferburg von Rechtsanwalt und Notar Hundt und Fräulein Jenny Hundt, Medebach, (LOBA Akte Pfefferburg), erhält Januar 1860 die Verleihung des Marmorgrubenfeldes Concordia bei Eslohe-Cobbenrode und Juni 1865 die von Concordia II bei Eslohe-Niederlandenbeck (LAV NRW W Q 523b / Amtsgericht Fredeburg / Berggrundakten, Nr. 21 und 31).
Kaufmann Franz Wilhelm Detmar Emmerich (*1826; f1905, LAV NRW W Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Q 504t / Amtsgericht Arnsberg / Testamente, Nr. II Nr. 114) ist Sohn des preußischen Obergeometers J. Nikolaus Emmerich (*1791; f1868) (Pardun 1995, S. 20) und Bruder des Berggeschworenen L. Emmerich, die ihm beide mit ihren geographischen und geologischen Kenntnissen sicherlich entscheidende Tipps gegeben haben werden. Er mutet zusammen mit Maurermeister Emmerich Löher (f1889, PSA-StR-1 Alphabetisches Sterberegister 1874 - 1890), beide aus Arnsberg, im Gebiet von Eslohe und Sundern-Hachen von Januar bis Dezember 1863 die Marmorgrubenfelder Nero antico, Effenberg und Grabow. Als Gewerken werden Emmerich Löher mit 42 2/3 Kuxen und Wilhelm Emmerich, mit 85 1/3 Kuxen geführt (LAV NRW W Q 504b / Amtsgericht Arnsberg / Berggrundakten, Nr. 92, 96). Ab Januar 1864 mutet er allein im Gebiet von Eslohe-Wenholthausen und Niedersalvey die Marmorgrubenfelder Schwanthaler (LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 66) Rauch, Thorwaldsen, Leda I, Leda II, Leda III, Leda IV, Leda V (LOBA Akten). Die für Leda V legt er am 30. September 1865 ein. Dies ist ein Tag, bevor das neue preußische Bergrecht in Kraft tritt und damit Marmor zu den bergfreien Bodenschätzen gehört.
Als Eigentümer der verliehenen Felder werden die Eheleute Kaufmann Franz Wilhelm Emmerich und Anna, geb. Fleitmann, Arnsberg, eingetragen. Bemerkenswert sind die Namen seiner Marmorverleihungen: Nero antico ist ein bekannter italienischer Marmor, Rauch und Thorwaldsen sind bekannte Bildhauer der ersten Hälfte des 19. Jh. Schwanthaler und Leda zeigen Bezüge zur antiken Mythologie. Lediglich Effenberg hat einen lokalen Bezug. Für Grabow könnte der preußische General F. W. K. von Grabow (*1783; f1869; Glasenapp 1868, S. 16-17) Namensgeber sein.
Johann Scholand aus Brilon mutet Juli 1863 das an ihn August 1864 verliehene Marmorgrubenfeld Scholand bei Brilon. Er verkauft die Verleihung September 1872 an Kaufmann August Kreffter aus Dortmund.
Josef Stöber aus Endorfer Hütte mutet Januar 1865 das Marmorgrubenfeld Korallenberg bis Sundern-Endorf, das Oktober 1865 an Ernst Meininghaus aus Dortmund verliehen wird.
Ernst Meininghaus aus Dortmund erhält Oktober 1865 die Verleihung des Marmorgrubenfeldes Korallenberg bei Sundern-Endorf. Er veräußert breit gestreut die Anteile. Gewerken sind Friedrich Grillo, Essen, 11 227/375 Kuxen, Johann Wilhelm Budenberg, Emden vormals Essen, 9 337/375 Kuxen, Wilhelm von Born, Essen, 9 177/375 Kuxen, Wilhelm Lemaire, Dortmund, 8 72/375 Kuxen, Ewald Meininghaus, Dortmund, 5 141/375 Kuxen, August Meininghaus, Dortmund, 5 141/375 Kuxen, Caesar Schöller, Düren, 6 310/375 Kuxen, Carl Ruetz, Rote Erde bei Dortmund, 5 205/375 Kuxen, Wilhelm Grillo, Oberhausen, 6 150/375 Kuxen, Jan Jacob van Braam, Arnheim, 6 310/375 Kuxen, Hermann Meininghaus, Dortmund, 3 315/375 Kuxen, Gustav Müller, Lünen, 2 50/375 Kuxen, Fritz Fahle, Dortmund, 2 370/375 Kuxen. (LAV NRW W Q 504b / Amtsgericht Arnsberg / Berggrundakten, Nr. 85).
Marmorindustrie im Raum Brilon, Warstein und Meschede
Dieterich Graf von Bocholtz (*1797 in Niesen, f1861 in Alme) ist Besitzer des Schlosses und Rittergutes Alme (Dieterich von Bocholtz [online und als Landadliger Besitzer des ehemaligen Schlaunhauses in Münster, Hollenbeckerstraße 9, als Adelshof (NRW W U LAV 194 Nr. 4793; Müller 1921, S. 88). Er wird als Mitglied des westfälischen Provinziallandtags Kenntnis von den einsetzenden Marmormutungen und dem Interesse des preußischen Könighauses an westfälischem Marmor haben. Er gibt den Anstoß, Marmorgrubenfelder auf seinem Grund zu muten zu. Er besitzt sowohl das Grund- als auch das Bergwerkseigentum und schließt 1858 erste Pachtverträge zur Marmorgewinnung und-verarbeitung mit J.B. Prang, Münster (ASA A 6986). Diese sind äußerst marginal im Verhältnis zu in seinem Testament erwähnten Wert seiner Güter von einer Million Taler (NRW W U LAV 194 Nr. 4793).
Der Besitz geht an seinen Sohn Wilhelm Graf von Bocholtz-Meschede (*1833 in Meschede; f1890 in Düsseldorf), der sich, wie aus der Korrespondenz hervorgeht, u.a. als königlicher Kammerherr vorrangig in Berlin aufhält (ASA A 6285), bis 1872 bergrechtlich verbunden mit der Firma Prang & Co., bis 1878 mit der Aktiengesellschaft Westfälischen Marmorwerke in Allagen.
Diesen wiederum beerbt Hermann Graf von Bocholtz-Meschede (*1887 in Niesen, f1916 in Mosul, Irak) (Graf Hermann von Bocholtz-Meschede [online]), der 1905 das Grundeigentum der Marmorgruben besitzt. Da er 1905 noch nicht volljährig ist, wendet sich G. Dassel an seine Mutter Gräfin von Bocholtz, geborene Anna Freiin von Romberg (* 1861, als Grundeigentümerin, als er die alten Gruben an der „Nehdener Chaussee“ wieder eröffnen will. Eigentümer der Bergrechte ist Graf von Asseburg-Hinnenburg (ASA A 6087). Er verkaufte 1912 den Grundbesitz an Graf Franz Gisbert von Spee (Graf von Spee, 2002, S. 99).
Jean Baptist Prang, auch Johann Prang und Joh. Baptist Prang (*24. August 1820 in Köln, f 01. November 1875 in Düsseldorf) ist Sohn eines Seidenwebers. Für 1843 ist sein Besuch der Düsseldorfer Bauklasse attestiert: „ Kunstfach bzw. vorhandene Ausbildung: Bildhauer, Talent: wenig, Fleiß: mittelmäßig, Betragen: gut “ (LAV NRW R BR 0004 / Regierung Düsseldorf Präsidialbüro BR 0004, Nr. 1559 Prang, Johann Baptist (Bl. 97V). Wir gehen davon aus, dass er mit seiner bildhauerischen Ausbildung die damals handelsüblichen Marmorsorten und auch ihre architektonischen Anwendungen kennenlernt. In fast allen Schreiben bezeichnet er sich als Architekt und Bildhauer. Als Bildhauer wird er 1845 im Verzeichnis der Gewerbetreibenden in Münster genannt (StdAM Stadtregistratur, Fach 16, Nr. 14-15) und wohnt in der Aegidii-Leischaft 161, heute Rothenburg 8. Im Mai 1847 heiratet er in Münster Elisabeth Gertrud Schlemmer, Tochter des Inspektors Schlemmer (StdAM Dok-P-Theissing / Personenkartei Ferdinand Theissing, Nr. 21439 Prang, Joseph). Mit der Heirat zieht er in das Nachbarhaus Aegidii-Leischaft 163 um. Hier wird auch 1849 als einziges Kind Elisabeth Theodora Johanna geboren. Später verzieht er mit seiner Familie und den Angestellten seiner Bildhauerwerkstatt nach St. Mauritz. Belege für J.B. Prangs Wirken als Bildhauer lassen sich von 1852 bis 1862 in Münsteraner Kirchen verfolgen (frdl. pers. Hinweis J. Eichler). Für die Servatiikirche entwirft Prang den Hochaltar, der so 1852 auch hergestellt wird. Sein Entwurf für einen Marienaltar 1854 findet nicht die Zustimmung des Bischofs (Geisberg 1941, S. 310). Für den Hochaltar der Mauritzkirche von 1852 fertigt Prang "eine neue Einrichtung mit neuem Tabernakel, was mit 182 Talern bezahlt wurde “ (Geisberg 1941, S. 75). Für die St. Vincentius- Kirche in Warburg-Scherfede fertigt er 1855 Entwürfe für Altäre und die Chorschranke an (LAV NRW OWL D 73 / Allgemeine Kartensammlung, Nr. 4/10051 - 10054 Zeichnungen von der Kirche zu Scherfede versch. Maßst. gez. v. Lange und I.B. Prang, Laufzeit 1851/1855.), die er 1861 auch realisiert (Dehio 2011, S. 1130). Auch der Herz-Jesu-Altar der Ludgerikirche von 1860 ist eine Arbeit Prangs (Geisberg 1941, S. 156), ebenso die geschnitzte Kanzel von 1861 (Geisberg 1941, S. 157). Für die Martinikirche liefert J.B. Prang 1860 einen Taufstein (Geisberg 1941, S. 186) und überarbeitet dort 1858 und 1862 auch die Chorgestühle (Geisberg 1941, S. 187). Bei Bad Laer schafft er 1861 eine Statue in der Auswandererkapelle am Kalvarienberg (Sautmann 2002, S. 212) und Wegebilder am Kreuzweg (Eichler 2018, S. 60). Eine weitere bildhauerische Arbeit außerhalb Münsters ist die 1861 aufgestellte Nepomuk-Statue auf der Johannesbrücke über dem Heubach zu Steinheim (Ferber, F.: Haus Dassel [online]). Der letzte Hinweis auf eigene bildhauerische Arbeiten ist seine Beteiligung an der Ausschmückung des 1860 - 1862 geschaffenen Ständehauses in Münster, das 1904 dem Neubau des Landesmuseums am Domplatz weichen musste. Der Ständesaal wird durch acht Sandsteinfiguren geschmückt, für die verschiedene Bildhauer verantwortlich zeichnen. Die Figuren der Kaiser Heinrich I. und Otto des Großen schafft J. B. Prang (Geisberg 1933, S. 80).
Seine Marmor-Aktivitäten im östlichen Sauerland beginnen Mitte der 1850er Jahre. Sie stehen wahrscheinlich im Zusammenhang mit seinen bildhauerischen Tätigkeiten für den Kirchbau in Scherfede, die ihn bei An- und Abreise durch die Briloner Hochfläche mit ihren weiten und zur Marmorfabrikation fähigen Massenkalk-Vorkommen führen. Dies geschieht angeblich „ nach längerem Studium in den in der Marmorgewinnung und Verarbeitung fortschrittlichen Ländern Frankreich und Belgien “ (Fromme 1963, S. 56), für die es bislang keinerlei Belege gibt. Die Arbeit für die Kirche in Warburg-Scherfede lässt vermutlich den Kontakt zu D. Graf von Bocholtz von Brilon-Alme entstehen. Eventuell hat der bereits ihn kontaktiert, wo er als Landadliger er in der Hollenbeckerstraße 9 das ehemalige Wohnhaus von Schlaun als Adelshof besaß (NRW W U LAV 194 Nr. 4793; Müller 1921, S. 88). Er gibt J.B. Prang auf jeden Fall den Impuls zur Mutung von Marmorgrubenfeldern und der Gründung einer kleinen Marmorschleiferei bei Brilon-Alme. Am 1. Oktober 1862 gründet er mit J.F.J. Karthaus und J.L.J. Knagge die Firma J.B. Prang & Comp. zu St. Mauritz bei Münster, Offene Gesellschaft zur Gewinnung und Verkauf von Marmor mit einer Zweigniederlassung in Alme (LAV NRW W Kreis Brilon Landratsamt Nr. 1792, LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 50). Nach seiner Korrespondenz hat er bis September 1862 er seinen Wohnsitz in St. Mauritz bei Münster, dann bis in den Sommer 1863 dort und in Alme und ab November 1863 in Allagen. Mit dem Verkauf der „Marmor-Industrie“ im Besitz von J.B. Prang & Comp. an die „Westfälische Marmorwerke Actien-Gesellschaft“ erhält er nach seinem Anteil von 37,5% 95625 Thaler ausgezahlt, nach der Währungsreform von 1873 286875 Mark, und Aktien in Wert von 92500 Thaler entsprechend 191250 Mark (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49). J.B. Prang wird Direktor und technischer Leiter der Aktiengesellschaft (ASA A 6285). Er scheidet am 4. Januar 1873 aus dem Betrieb aus (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49). Er verlegt am 08.November 1873 seinen Wohnsitz von Allagen nach Düsseldorf (Ferber, F.: Haus Dassel [online]), wo er als Prang, J.B., Architekt, in der Alexanderstraße 7 gemeldet ist (Adreßbuch der Oberbürgermeisterei Düsseldorf (1874) [online], S. 105). Die zentrale Lage unweit der heutigen Königsallee lässt auf ein hinreichendes Vermögen Prangs schließen. Er verstirbt nach schwerer Krankheit am 01. November 1875 in Düsseldorf im Alter von nur 55 Jahren (Ferber, F.: Haus Dassel [online]).
Johannes Ferdinandus Josephus Karthaus (*1821 in Delden, Overijssel, Niederlande; f1894 in Semarang, Java, Indonesien (Johannes Ferdinand Josephus Karthaus (1821-1894) [online]). Seine Heirat am 26.03.1848 in Jakarta, Indonesien mit Maria Anna Christina Melchers aus Amsterdam (Johannes Ferdinand Josephus Karthaus (1821-1894) [online]) legt nahe, dass er in dieser ehemaligen niederländischen Provinz zu Wohlstand gekommen ist. Dort wurden sein Sohn Franz 1849 und seine Tochter Elisabeth 1852 geboren, sein Sohn Johann Friedrich Joseph am 13. Juni 1855 in Zwolle, Niederlande, dem sieben weitere Kinder folgen (Q 441t / Kreisgericht Münster / Testamente, Nr. 0 - II Nr. 10429). Bereits etwas mehr als einen Monat nach dessen Geburt ist er am 24. Juli 1855 in Münster in der Liebfrauen Leischaft 53 registriert (StdAM, Stadtregistratur, Fach 16, Namensverzeichnis Bewohner Münster 1817-1842). Seit dem 1. Oktober 1862 ist er Teilhaber der Firma Prang &Comp. in [Münster] St. Mauritz. Beim Verkauf der Firma am 28. März 1872 wird sein Wohnsitz mit Surabaya auf der Insel Java angegeben (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49). Glagau (1877, S. 393) führt ihn nicht als Aktionär der Westfälischen Marmorwerke Actien- Gesellschaft auf. Er verstirbt auf Java mit Schulden, die seine dort lebenden Kinder begleichen (StdAM Q 441t / Kreisgericht Münster / Testamente, Nr. 0 - II Nr. 10429).
Johann Joseph Lambert Knagge (*15. Juli 1807 in Wildeshausen, f30. März 1893 in Wildeshausen). Sein Vater war Gastwirt und Posthalter in Wildeshausen und betrieb die Personen- und Postgutbeförderung auf der Strecke Amsterdam-Bremen (Krauthausen
1978/1979, S. 110). Er selbst absolviert eine Kolonialwarenlehre in Bremen, ist kaufmännischer Angestellter in Leyden und Amsterdam, übernimmt 1838 die Vertretung einer Schweizer Textilfirma in Batavia/Java, macht sich selbständig und gründet Filialen in Surabaya sowie Semarang (Knagge 1976, S. 287). Als Überseegroßhandelskaufmann handelt er insbesondere mit Zucker und Fellen. 1851 kehrt er nach Wildeshausen zurück und errichtet dort ein Haus im javanischen Stil (Krauthausen 1978/1979, S. 108; Villa Knagge [online]). Er lebt von 1851 bis 1853 in Amsterdam (AS Bevolkingsregister tijdelijk verblijf, Teil: 279), 1862 bis 1867 im Sommer in Wiesbaden in der Adolphstraße 2 als Knagge, Josef, Rentner, (Adressbuch der Stadt Wiesbaden (1860-1896) [online]). 1862 wird er Teilhaber von Prang &Comp. Von 1867 bis 1870 lebt er in Allagen, seine Familie ab 1867 in Soest, da sein Teilhaber J.B. Prang „ nicht recht zuverlässig war und auch nicht den vermehrten Ansprüchen des Werkes gewachsen war “ (Knagge 1976, S. 291). Am 5. Oktober 1868 erhält er von seinem Teilhaber F.S. Karthaus eine Generalvollmacht (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49). 1870 soll er nach Angaben seines Sohnes wegen Differenzen mit Prang seine Anteile günstig verkauft haben. Nach den Eintragungen in der Berggrundakte bleibt er bis zum Verkauf von Prang & Comp. Teilhaber. Er ist bis 1872 mitunter in der Geschäftsleitung tätig (Knagge 1976, S. 291). Für die Verkaufsverhandlungen von Prang & Comp. in Berlin März 1872 gibt er J.B. Prang seine Vollmacht und damit auch die von Karthaus dank dessen ihm erteilter Generalvollmacht (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49). Glagau (1877, S. 373) führt ihn nicht als Aktionär der Westfälischen Marmorwerke Actien-Gesellschaft auf. Beim Verkauf von Prang & Comp. erhält er nach seinem Anteil von 25 % 63750 Thaler ausgezahlt, nach der Währungsreform von 1873 191250 Mark, und Aktien in Wert von 92500 Thaler entsprechend 191250 Mark (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49).
Gustav Siegel, Magdeburg, begegnet uns zum ersten Mal im einem Rundschreiben an die Kunden von Prang & Comp., dass die Firma in den Besitz der „Westfälische Marmorwerke Actien-Gesellschaft“ übergegangen sei. Er wird dort als Direktor und kaufmännischer Leiter genannt (ASA A 6285). Er ist auch Aktionär (Glagau 1877, S. 393). Mit dem Ausscheiden von J.B. Prang Januar 1873 (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49) 1873 setzt er dessen Korrespondenz fort (SAW C 957). Im fehlt allerdings die geologische und lagerstättenkundliche Expertise J.B. Prangs über die verliehenen Marmorgruben und das dort zu gewinnende Material. So ist er einer der Verantwortlichen, die einen Großauftrag für Wiener Bauten annehmen, der dann aus westfälischem Marmor nicht geleistet werden kann (Westfäl. Marmor- & Granitwerke Georg Dassel Allagen i. Westf. 1914). Vermutlich ist diese Fehldisposition einer der Gründe dafür, dass G. Siegel am 4. Dezember 1874 vom Aufsichtsrat durch den Kaufmann Samuel Salomon Mendelsohn ersetzt wird (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49), weil er irrational gewirtschaftet hat. Er protestiert dagegen und behauptet, er sei freiwillig gegangen (Glagau 1877, S. 394).
Kaufmann Samuel Salomon Mendelsohn tritt am 4. Dezember 1874 als Nachfolger von Direktor Gustav Siegel in die Westfälischen Marmorwerke ein, aus denen er bereits am 5. Februar 1877 wieder ausscheidet (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49).
Dr. phil. Widmann wird als Aktionär und Aufsichtsratsvorsitzender der Westfälischen Marmorwerke Actien-Gesellschaft genannt (Glagau 1877, S. 393). Er tritt als Nachfolger von J.B. Prang am 4. Januar 1873 als Direktor ein (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49). In dem uns vorliegenden Archivmaterial erscheint er im Juni 1874 in der Korrespondenz mit dem Warsteiner Amtmann Koffler (SAW, C 957) und vom Juni 1874 bis August 1874 mit Oberförster Scheid in Alme, Angestellter von Graf von Buchholtz (ASA A 6086). Es geht vornehmlich um Angelegenheiten der Marmorgruben. Er übernimmt damit zumindest kurzfristig die Aufgaben von J.B. Prang. So ersetzt er November 1874 J.B. Prang in allen Marmorgrubenfeldern als Repräsentant, wird dann aber bereits im Mai 1877 von Kaufmann Julius Oehme abgelöst (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49).
Kaufmann Julius Oehme folgt am 9. Mai 1877 Dr. phil. Widmann als Direktor. Nachdem die Generalversammlung der Westfälischen Marmorwerke Actien-Gesellschaft mit Beschluss vom 16. Juni 1877 die Gesellschaft durch Beschluss auflöst, wird er zum Liquidator bestellt (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49).
Rechtsanwalt Lohmann, Brilon, fungiert als örtlicher Vertreter der Norddeutschen GrundKredit-Bank im Liquidationsverfahren und der Zwangsversteigerung (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49).
Georg Dassel (*1852 in Düsseldorf, f1934 in Allagen), „ Vater Ludwig Anton Dassel, Gutsbesitzer in Düsseldorf-Bilk. Mit 16 Jahren verlässt er das Realgymnasium und absolviert sehr erfolgreich eine dreijährige kaufmännische Ausbildung. Für seine spätere auch international ausgerichtete Geschäftstätigkeit ist seine eigenständige Erweiterung der englischen und französischen Schulkenntnisse auch durch einen Auslandsaufenthalt nicht unwichtig. Nach diesem ist er zwei Jahre bei einer Privatbank beschäftigt und leistet seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger“ (Ferber, F.: Haus Dassel [online]). Nach Düsseldorfer Adressbüchern ist er ab 1876 und bis 1887 Teilhaber der Firma Nütten & Co., Dampfmarmor- und Granit-Sägerei, Dreherei und Schleiferei, Inhaber Josef Böckem und Georg Dassel, Düsseldorf, Eisenstraße 18 (Adreßbuch der Oberbürgermeisterei Düsseldorf (1879) [online], S. 29). Am 20. 10. 1880 heiratet er Marie Hassenkamp. Nach dem Ehevertrag beträgt der Bilanzwert seines Anteils 11000 Mark. Mit seiner neuen Tätigkeit lernt er das Syenit- und Granitvorkommen des Odenwalds kennen und beginnt erfolgreich als einer der ersten dessen Ausbeutung (Ferber, F.: Haus Dassel [online]). 1885 erfährt er während einer Geschäftsreise in Soest von den stillgelegten Westfälischen Marmorwerke AG in Allagen, die er umgehend besichtigt. Er erkennt das Potential, pachtet sie an, um sie wenig später für 84000 Mark von der Norddeutschen Grund-Kreditbank, Versicherungs-Actien-Gesellschaft zu Berlin zu kaufen, mit einer Anzahlung von 8000 Mark und einer Verzinsung des Restbetrags von 76000 Mark mit vier Prozent. 1894 pachtet er den Konkurrenzbetrieb Marmor- Aufbereitungsanstalt der Mecklinghäuser Marmor- und Kalkindustrie AG in Borghausen bei Grevenbrück (StAA, Akte F437, Höffer 2008, S. 582), in dem er nur ausländisches Material verarbeiten lässt. In dieser Zeit baut er auch Geschäftsbeziehungen nach Schweden zur Gewinnung von grünen und schwarzen Graniten und nach Carrara, Italien, zur Gewinnung von Marmor aus. Anfang des 20. Jahrhunderts erweitert er die Syenitwerke im Odenwald und eröffnet in Berlin wurde ein Rohmarmorlager (Westfäl. Marmor- & Granitwerke Georg Dassel Allagen i. Westf. 1914, S. 4). Ab 1904 wältigt er wieder alte Marmorgruben bei Alme und Nehden auf. Georg Dassel ist von 1919 bis 1932 Präsident der Industrie- und Handelskammer Arnsberg (WWA Dortmund S 6).
Abb. 133: Pfarrkirche St. Johannes Baptist und Agatha, Brilon-Altenbüren, Taufstein 1778, Kuppa schwarzer Lahnmarmor, Holzfuß marmorierend koloriert von Laienbruder Grünewald.
4. Verwendungsbeispiele westfälischer Marmore
Verwendungsbeispiele westfälischer Marmore werden in Tab. 16 zusammenfassend aufgelistet. Existierende werden ergänzend zu den Textabbildungen in den Tafeln 1 bis 39 dargestellt. Ihre Auflistung orientiert sich an ihrer Sortenbezeichnung und ihrer geologischen Herkunft. Sie wird ergänzt durch Quellen- und Literaturbelege für nicht erhaltene Verwendungen. Nicht im Detail auswertbar sind Anmerkungen in älteren Literaturbeiträgen. Beispielsweise geht Mitze (1816: 410) in einem frühen geognostischen Beitrag als einer der ersten auf die regionalen Verwendungen der Flaser- und Knollenkalksteine ein und bemerkt, „Im Herzogthum Westfalen bildet er im Ruhrthale [Röhrtal], unweit Hachem, große Felsmassen zu Thale ausgehend. Auch wird er daselbst zu Werkstücken verarbeitet. Auf dem Hause Herdringen z.B. sieht man Mauern mit großen Deckplatten davon belegt, welche dauerhaft zu seyn scheinen. Zu Eisborn findet sich in einem alten massigen Gebäude die Thür-Einfassung aus einem schönen rothen Marmor mit weißen Adern ebenfalls aus diesem Kalkstein gearbeitet. Poliert scheint er einen guten Marmor, von verschiedenen Farben, zu geben“. Eventuell bezieht sich die Anmerkung von Köhne (2008, S. 117-118) in seinem Übersichtsartikel über die Gips-, Alabaster- und Marmorvorkommen im kurkölnischen Sauerland darauf: „Aus den roten Knollenkalken des Effenbergs südlich von Herdringen wurden Marmorplatten für Wände, Fassaden und Fußböden gebrochen.“ Diese Erwähnungen sind beispielhaft für vereinzelte und beiläufige Bemerkungen zu Abbau und Verwendungen lokaler polierfähiger Kalksteine als Marmor im kurkölnischen Sauerland aus der Zeit vor 1841 (z.B. Linné 1777, S 367; Nöggerath 1828, S 359; Reininghaus & Köhne 2002, S. 159). Beispiele dürften in der Mehrheit behauene Werkstücke und Fußbodenplatten sein. In der katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptist und Agatha in Brilon-Altenbüren steht ein Taufstein aus schwarzem Marmor mit dünnen Kalzitadern, den 1778 der Laienbruder Hubertus Grünewald des Minoritenklosters Brilon aus Sauerländer Marmor gefertigt haben soll (Mester 2008, S. 12). Die Kuppa besteht nicht aus heimischem sondern aus schwarzem Lahnmarmor. Auch erwähnen die Klosterannalen für diese Zeit keinen Steinmetzen, dagegen den Laienbruder Grünewald als Tischler (Seibertz 1890, S. 47). Wir gehen davon aus, dass er den Holzfuß der Kuppa schuf und marmorierend kolorierte (Abb. 133).
Schnellenberger Kalkstein wurde fast ausschließlich beim barocken Ausbau der Burg Schnellenberg bei Attendorn im ausgehenden 17. und frühen 18. Jh. verwendet (Abb. 22; Taf. 1, Fig. 1-3; Taf. 2, Fig. 1, 2).
Attendorner Massenkalk ist durch Grabplatten des 17. und 18. Jh. sowohl in Schwelmfazies (Abb. 27; Taf. 3, Fig. 1, 2) als auch Dorpfazies (Abb. 25; Taf. 3, Fig. 1-3) belegt. Es ist davon auszugehen, dass nicht wenige weitere Verwendungsbeispiele abhandengekommen sind. Eine mögliche, durch petrologische Untersuchungen und archivalische Belege nicht gesicherte Verwendung von 1850 aus den Gruben der Marmorgrubenfeldern Schwarzkopf oder Blauberg sind Fries und Bodenleiste der Wandverkleidung in Haus Kupferhammer, Warstein (Abb. 41).
Goldader wurde von 1905 bis 1963 verwendet und ist der am besten belegte westfälische Marmor. Die ersten Objekte waren großformatige Säulen für Profan- und Sakralbauten, beginnend 1905 mit der Verwaltung LWL-Klinik Warstein (Abb. 96; Taf. 4, Fig. 1-3), gefolgt 1906 von dem LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster (Abb. 98, Taf. 5, Fig. 1-3) und dem Oberverwaltungsgericht Berlin (Zeitschrift für Bauwesen: 59: 42-54; Berlin, 1909). Kirchliche Beispiele schlossen sich mit der kath. Pfarrkirche St. Blasius, Balve von 1910 (Abb. 101, Abb. 102; Taf. 6, Fig. 1; Taf. 6, Fig. 2) und der kath. Pfarrkirche St. Kilian, Solingen-Letmathe von 1917 (Abb. 1, Abb. 105; Taf. 7, Fig. 1) an. Die letzte bekannte und exotische Säulenverwendung war 1926 in der Magen-Abraham-Synagoge in Beirut (Magen-Abraham- Synagoge [online]; Firmenprospekt der Westfälischen Marmor- und Granitwerke Georg Dassel, undatiert). Weitere sakrale Verwendungen sind Taufsteine (Abb. 108; Taf. 9, Fig. 1 4), Weihwasserbecken (Taf. 10, Fig. 2-5), verschiedene Altäre (Taf. 8, Fig. 1-3; Taf. 11, Fig. 1 und 2; Firmenprospekt der Westfälischen Marmor- und Granitwerke Georg Dassel, undatiert; Die Geschichte der Kapellengemeinde Berlinghausen [online]) und Säulen in einer Kommunionbank (Taf. 10, Fig. 1). Platten aus Goldader für Wandverkleidungen, Fensterbänke und ähnliches sind für das Bürogebäude von de Telegraf in Amsterdam (Firmenprospekt der Westfälischen Marmor- und Granitwerke Georg Dassel, undatiert), im
Schloss Körtlinghausen bei Rüthen-Kallenhardt (Abb. 117) und im Haus Dassel belegt (Taf. 12, Fig. 3). Hier finden sich noch ein Kamin (Taf. 12, Fig. 1) und die Stele der Büste für G. Dassel (Abb. 108; Taf. 12, Fig. 2). Im Park liegt noch eine Säulenrohling (Abb. 99). Ein eher kurioses Verwendungsbeispiel ist der obere Abschluss der Schalttafel der elektrischen Zentrale im Lietwerk, Warstein-Allagen 1913 (Taf. 13, Fig. 1). Als Fußbodenbelag ist Goldader im Schloss Melschede bei Sundern-Hövel als Einfassung der Kaminvorlage im Festsaal von 1923 (Taf. 14, Fig. 1), in der Elisabethkapelle des Paderborner Doms, um 1955 (Taf. 14., Fig. 2) und im Haupteingang der Theologischen Fakultät, 1950er Jahre (Taf. 15, Fig. 1-4) erhalten.
Alma wurde im selben Steinbruch wie Goldader abgebaut. Belegt sind aus Alma fünf Taufsteine (Abb. 104; Taf. 16, Fig. 1-4), die vermutlich um 1912 gearbeitet wurden. Vier wurden unweit Warstein-Allagen in Anröchte-Effeln, Marsberg-Obermarsberg, Rüthen- Hoinkhausen und Rüthen sowie einer in Münster aufgestellt. Die Verwendung als Frontplatte eines Seitenaltars in der kath. Pfarrkirche St. Kilian, Solingen-Letmathe von 1920 ist alleinstehend (Taf. 7, Fig. 2).
Marmor aus dem Marmorgrubenfeld Carrara bei Attendorn-Röllecken wurde 1895 lediglich in der kath. Pfarrkirche St. Aloysius, Iserlohn mit 16 Säulen im Kirchenschiff verbaut (Abb. 5455; Taf. 17., Fig. 1-3). Weitere Verwendungen sind nicht überliefert.
Lennestein wurde 1936 im heutigen Detlev-Rohwedder-Haus, Berlin, ehemals Reichsluftfahrtministerium umfänglich für Türumrahmungen und Bodenbeläge verbaut (Abb. 114). Verbleibende Rohblöcke fanden bis in die Nachkriegszeit Verwendung, so als Wandverkleidung im Haus Dassel, Warstein-Allagen (Taf. 12, Fig. 3) und im historischen Rathaus von Warstein-Hirschberg (Taf. 18, Fig. 1), als Weihwasserbecken (Taf. 19., Fig. 1-4) und als Fußbodenbeläge von 1938 bis Mitte der 1950er Jahre oft fliesenartig mit anderen Marmoren (Abb. 116; Taf. 15, Fig. 2-3; Taf. 18, Fig. 2-4).
Westerfels wurde von 1956 bis 1972 vermarktet. Erhalten waren bis 2020 zehn Objekte (Tab. 19), die sich bis auf zwei Ausnahmen in Kirchen und Klöstern befinden. Von den Fußbodenbelägen fielen der im Kloster Weddinghausen, Arnsberg (Taf. 20, Fig. 3) und der in der Kath. Pfarrkirche St. Ludgerus, Brilon-Alme (Taf. 22, Fig. 1) Renovierungen zum Opfer. Erhalten sind noch ein Geschäftseingang in Warstein (Taf. 20, Fig. 1) und der im Chorbereich der Kath. Pfarrkirche St. Pankratius, Warstein (Taf. 20, Fig. 2). Künstlerische Arbeiten sind Ambo und Zelebrationsaltar in der kath. Pfarrkirche St. Pankratius, Geseke-Störmede, 1963 (Taf. 22, Fig. 3-4) sowie Altar und Taufstein der kath. Pfarrkirche St. Agatha, Schmallenberg- Oberhenneborn, 1968 (Taf. 21, Fig. 1-2). Noch unter dem Markennamen „Caller“ wurden 1873 von den Westfälischen Marmorwerken Marmorsäulen für die Kapelle von Schloss Darfeld geliefert (ASD Darfeld C 509 Kapellen). Da zu der Zeit lediglich ein Abbau bei Warstein aber keiner bei Meschede-Calle belegt ist, entspricht das Material der späteren Marmorsorte Westerfels.
Hohlstein wurde in der ersten Hälfte der 1920er Jahre mit mehreren hundert Tonnen abgebaut und nach Oppen (1933, S. 916) zu Wand- und Kaminverkleidungen sowie Waschtischaufsätzen verarbeitet, von denen 150 für das 1925 fertiggestellte Kurhaus Bad Hermannsborn bei Bad Driburg (Kurhaus Bad Hermannsborn [online]) geliefert werden.
Bekannte erhaltene Verwendungsbeispiele sind eine Geschäftsfassade in Sinzig von 1953 (Schröder 2017, S. 29) und die Wandbekleidung der Küche von Haus Dassel, Warstein- Allagen, nach 1923 (Taf. 23, Fig. 1-2).
Beisinghäuser Kalkstein ist im 18. Jh. als Reister Marmor mit zwei Verwendungsbeispielen belegt, einem Marmorbrunnen für Schloss Herdringen, Arnsberg-Herdringen (AFH 2341) und für die Außentreppe der Kirche von Kloster Grafschaft, Schmallenberg-Grafschaft (Wiethoff 1935, S. 99). Als Naturbaustein fand er 1854 im Mauerwerk der kath. Pfarrkirche St. Pankratius, Eslohe-Reiste, Verwendung (Taf. 25, Fig. 1).
Flinzkalksteine liefern zwar den ältesten Beleg für marmorartige Verwendungen mit Fußbodenplatten in der karolingischen Krypta der Stiftskirche St. Walburga, Meschede (Taf. 24, Fig. 2). Sie wurden Mitte des 19. Jh. wurde in den Schieferbergwerken bei Olsberg-Antfeld zur Verwendung als Marmorplatten mitgewonnen, die nicht überliefert sind. Bauliche steinsichtige Verwendungsbeispiele sind die Lourdesgrotte von 1933 am Kirchplatz der kath. Pfarrkirche St. Severinus, Meschede-Calle (Abb. 77-78). Die umfänglichen Verwendungen von Flinzkalksteinen für Marmor im östlich an das Arbeitsgebiet angrenzende Fürstentum Waldeck beschreibt Kaplan (2025).
Effenberger wurde im Wesentlichen vorindustriell als Marmor verwendet, vorrangig in seiner roten aber auch in seiner grünlich-grauen Varietät. Abgesehen von einer romanischen Bodenplatte (Taf. 26, Fig. 1) sind Verwendungen erst am dem späten 17. Jh. bekannt. Grabplatten sind nur aus der Klosterkirche St. Petri, Arnsberg-Oelinghausen (Taf. 29, Fig. 1-3) und der Pfarrkirche St. Blasius, Balve (Taf. 26, Fig. 1-3; Taf 27, Fig. 1, 2; Taf. 28, Fig. 2) bekannt. Vermutlich sind weitere Grabplatten aus Effenberger der Vernichtung anheimgefallen. Diese Annahme gilt auch für Bildstöcke, von denen einer als seltenes Beispiel bei der Balver Kirche steht (Taf. 26, Fig. 2-3). Von den sicherlich in den Vorgängerbauten des heutigen Schlosses Herdringen, Arnsberg-Herdringen, vorhandenen Verwendungen von Effenberger ist nur ein Wasserbecken, vermutlich 18. Jh. überliefert (Taf. 27, Fig. 3). Dagegen sind die Belege in Schloss Melschede bei Sundern-Hövel vom Bau um 1669 vielfältig, im südlichen Innenhof Tor, Tür und Portal (Abb. 28), im Schlossinneren das Säulenportal einer Kapelle (Abb. 32) und die Kamineinfassung im Festsaal (Abb. 33). Trittstufen einer Innentreppe stammen von 1923 (Taf. 27., Fig. 4). Beispiele für Verwendungen des Effenberges als Naturbaustein sind die Erwähnung einer Türeinfassung des 1965 abgerissenen Burghauses, Balve-Eisborn (Mitze,1816, S. 410), weitere das Außenmauerwerk des Neubaus von Schloss Herdringen, Arnsberg-Herdringen, 1844-1853 (Abb. 84) und das der Ev. Kirche in Neheim.
Mecklinghausen rot hat eine ähnliche vorindustrielle Verwendungsgeschichte wie der Effenberger. Älteste Verwendung als Naturbaustein ist das Außenmauerwerk der kath. Pfarrkirche St. Hippolytus, Attendorn-Helden, 12. Jh. (Taf. 30, Fig. 1). Weitere Beispiele finden sich in Burg Schnellenberg, Attendorn, mit einem mittelalterlichen Türgewand (Taf. 30, Fig. 3) und einer jüngeren Treppenstufe (Taf. 30, Fig. 2). Mit der Gedenktafel zum Wiederaufbau in der St. Georgkapelle in Burg Schnellenberg um 1600 (Abb. 19) setzen seine Verwendungen als Dekorgestein ein. Wieder sind es Grabplatten des späten 17. und der ersten Hälfte des 18. Jh. in der Attendorner Hospitalkirche St. Barbara (Taf. 31, Fig. 1) und der kath. Pfarrkirche St. Hippolytus (Taf. 32, Fig. 1). Ein markantes Verwendungsbeispiel ist die Kamineinfassung, transloziert in den Rittersaal transloziert 1954, nach 1659 (Abb. 20, Taf. 31, Fig. 2). Es ist davon auszugehen, dass neben diesen genannten vorindustriellen Verwendungsbeispielen noch weitere existieren und existiert haben, die verschollen sind.
Die industriezeitliche Verwendung setzt mit der 1845 mit der Kamineinfassung in der Brandenburgischen Kammer des Berliner Schlosses ein (Abb. 37). Der folgen ab 1852 Arbeiten wie Fensterbänke in Haus Kupferhammer, Warstein (Taf. 32, Fig. 3), ein Marmorfußboden in Schloss Herdringen, Arnsberg-Herdringen (AFH 2390), Tischplatten, teilweise aus Sternenmustern, 1857 (Tresca 1856, S. 580; SPSG. Hist. Akten, Nr. 13, fol. 93; Kossmann, 1888, S. 45)., Taufsteine (Taf. 32, Fig. 2) und Weihwasserbecken (Abb. 45). Hervorstechend sind die Verwendung von Mecklinghausen rot für Säulen in repräsentativen Bauten wie 1856 für das Berliner Königliches Handelsministerium (Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinen-Wesen 1857b, S. 132), für das Stiegenhaus des Berliner Kronprinzenpalais, 1857 (Abb. 42-44), für die Universität Königsberg,1864 (Abb. 46) und das Residenzschloss Altenburg, 1867 (Abb. 48 und 49).
Ab Beginn des 20. Jh. sind einige künstlerisch intendierte Verwendungen überliefert wie Kamineinfassungen in Schloss Herdringen, 1903 (Abb. 86) und im LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster, 1906 (Archiv LWL 130/638, S. 452), 1903 die Stele für eine Bergmannsskulptur, Deutsches Bergbaumuseum Bochum (Abb. 87) und 1906 ein Denkmalmodell im Schloss Detmold (Abb. 88). Letzte umfängliche Verwendungen gab es 1975 bei der Renovierung der kath. Pfarrkirche St. Hippolytus, Attendorn-Helden bei der Ausstattung des Altar- und Chorbereichs mit Zelebrationsaltar (1975 Taf. 33, Fig. 1), Pietasockel (Taf. 33, Fig. 2), Herz-Jesu-Altar (Taf. 33, Fig. 3), Tabernakelstele (Taf. 34, Fig. 1), Ambo (Taf. 34, Fig. 29 und Ablageplatte im Chorraum (Taf. 34, Fig. 3).
Mecklinghausen, Marmorgrubenfeld Grüneberg , eine mögliche aber nicht durch archivalische Belege gesicherte Verwendung ist die Wandverkleidung in Haus Kupferhammer, Warstein von 1850 (Abb. 41). Tresca (1856, S. 580) erwähnt in seinem Katalog über die Weltausstellung in Paris Tischplatten und Säulen.
Deutmecke, Marmorgrubenfeld Flora II ist vermutlich der Abbauort der Rohblöcke für den grünen Kamin im Salon der Gräfin von 1903 im Schloss Herdringen, Arnsberg-Herdringen (Abb. 85).
Kattenfels wurde wie Westerfels von 1956 bis 1972 vermarktet. Beide Marmorsorten wurden auch gemeinsam verbaut. Bekannt waren bis 2020 74 Objekte aus Kattenfels (Tab. 19), von denen drei Viertel sakrale und ein Viertel profan sind Anwendungen. Überwiegend wurden Platten für Bodenbeläge, Treppenstufen, Wandbekleidungen und Fensterbänke produziert. Hier abgebildete sakrale Objekte stammen aus drei Klosterkirchen, aus der Friedenskirche der Abtei Königsmünster, Meschede von 1964 mit Fußboden (Abb. 124; Taf. 35, Fig. 1), Altar (Abb. 124; Taf. 35, Fig. 3) und Weihwasserstele (Taf. 35, Fig. 2) sowie einem Altar im Friedhof (Taf. 38, Fig. 1), in der Paderborner Franziskanerkirche Zelebrationsaltar (Abb. 126; Taf. 36, Fig. 1) und Fußbodenplatten (Abb. 126; Taf. 36, Fig. 2) von 1966 sowie in der Paderborner Kloster- und Pfarrkirche St. Michael des Michaelsklosters der Fußboden im Chor, um 1966 (Taf. 37, Fig. 1-3). Zu den wenigen bis 2020 erhalten gebliebenen Verwendungen im Außenbereich gehören in Warstein Eingangstreppen (Taf. 39, Fig. 1 und 2) und Fassadenverkleidungen (Taf. 38, Fig. 3). In der kath. Pfarrkirche St. Christophorus, Warstein-Hirschberg, wurden 1957 verbaute Fensterbänke (Taf. 38, Fig. 2) bei der Renovierung 2021 ausgetauscht.
5. Resümee
Westfälischer Marmor ist wenig beachteter Teil des kulturellen Erbes, weil er in allen Epochen ein Nischenprodukt blieb. Seine Lagerstätten sind an die karbonatreichen Ablagerungen des oberen Mittel- und Oberdevons gebunden. Zwar wurden in den Kalksteinen des Unterkarbons bergrechtlich Marmorgrubenfelder verliehen, doch wurden diese wie andere westfälische Kalksteine nicht als Marmor gewonnen. Ein großräumiger industrieller Abbau war wegen der wegen tektonisch gestörter Lagerstätten nicht möglich. Historisch lässt sich der Gebrauch der Kalksteine des Devons als Dekorgestein von etwa 900 in der Krypta der St. Walburga-Kirche in Meschede bis 2015 mit dem letzten Versuch Rohblöcke für Restaurierungen zu gewinnen verfolgen. In der Abbau- und Verwendungsgeschichte zeichnen sich vier Abschnitte ab, eine vorindustrielle bis 1840, eine anschließende erste industrielle Phase bis in der 60er und 70er Jahre des 19. Jahrhunderts, eine zweite industrielle Phase von 1894 bis zum zweiten Weltkrieg und eine letzte Phase bis in die 1970er Jahre. Vorindustriell spielten die Knollen- und Flaserkalksteine des Oberdevons mit den Sorten Effenberger und Mecklinghausen rot lediglich im Westen des kurkölnischen Westfalens eine Rolle. Überliefert sind Grabplatten, Kamineinfassungen. Die Verwendung für Baumplastik wie zum Beispiel Portale beschränkt sich auf ein Beispiel gegenüber zahlreichen aus Rüthener Grünsandstein. Aus Massenkalk sind lediglich einige Grabplatten aus dem Raum Attendorn überliefert. Aus dem Osten des kurkölnischen Westfalens im Raum Brilon - Marsberg sind keine heimischen Marmorverwendungen bekannt.
Mit der Wiederaufwältigung von Marmorvorkommen im Raum Attendorn Anfang der 1840er Jahre begann dort die Etablierung einer kleinen Marmorindustrie bei Attendorn- Helden. Diese gab den Impuls zur Mutung von Marmorvorkommen in der Provinz Westfalen. Da der Abbau von Marmor durch die kurkölnische Bergordnung bergrechtlich bestimmt wurde, wurden in der Folge etwa 130 Marmorgrubenfelder bis 1866 verliehen, da dann Marmor nicht mehr unter das Bergregal fiel. Nach Erwerb der ersten größeren Arbeit aus Mecklinghausen rot durch den preußischen König 1844 folgten von 1856 bis 1867 prestigeträchtige und durch staatliche Baubehörden goutierte Lieferungen für preußische Staatsbauten in Berlin, Königsberg und in die sächsisch-altenburgische Residenzstadt Altenburg. Das Ausbleiben weitere staatlicher Aufträge konnten durch Fertigung kleinerer Objekte z.B. Fußbodenbeläge, Kamineinfassungen und Weihwasserbecken nicht kompensiert werden, so dass der Abbau weitgehend niederging. Vermutlich fehlte auch Kapital, das die Gewerken des bergrechtlich als Gewerkschaft organisierten Betriebs nicht zuschießen konnten oder wollten. Die Gewerken verkauften ihre Kuxen. Der Käufer baute nur noch sporadisch einzelne Rohblöcke ab.
Die 1858 in Brilon-Alme beginnende Marmorverarbeitung war bis 1863 ein Einzelunternehmen, mit Einstieg von zwei kapitalkräftigen Kapitalgebern dann Kommanditgesellschaft. Der gelang Aufbau einer industriellen Marmorproduktion in Warstein-Allagen, für die über 60 Marmorgrubenfelder gemutet wurden. Im Kontext der gründerzeitlichen Spekulationswelle wurden die Westfälischen Marmorwerke 1872 rein spekulativ in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Vom eingebrachten Kapital, das erheblich über dem tatsächlichen Wert der Werke lag, gingen erhebliche Barzahlungen an den Vorkäufer und die verkaufenden Kommanditisten. Der Wert einer Aktie von 100 Mark sank schnell auf eine Mark. Der 1878 erfolgte Konkurs ist nur einer vieler gründerzeitlichen Pleiten von Aktiengesellschaften.
Die zweite industrielle Phase der Verarbeitung westfälischer Marmore begann 1887 und dauerte bis zum zweiten Weltkrieg. Die neue Marmorgesellschaft „Gewerkschaft Vereinigte Mecklinghäuser Marmorgruben Siegen“ legt bei Attendorn-Borghausen in großes Marmorwerk an, in dem weitgehend Material aus dem benachbarten Vorkommen bei Attendorn-Röllecken verarbeitet wurde. Der Betrieb konnte sich allein mit der Marmorproduktion nicht halten. Der Absatz von Kalkstein für die stark wachsende Stahlproduktion wurde gewinnträchtiger. Mit der Fusion mit benachbarten Kalkwerken zur „Mecklinghauser Marmor und Kalkindustrie Actiengesellschaft zu Siegen“ wurde 1893 die Marmorproduktion eingestellt und die Betriebsstätten 1894 an die Westfälischen Marmor- und Granitwerke G. Dassel, Warstein-Allagen verpachtet. Diese sind 1888 aus der Konkursmasse der Westfälische Marmorwerke zu Allagen bei Soest, Aktiengesellschaft entstanden und erwarben auch die Bergrechte der dazu gehörenden Marmorgrubenfelder. Eine Verarbeitung westfälischer Marmore erschien G. Dassel nicht rentabel. Er ließ sowohl in Allagen als auch in Borghausen nur fremdes Material verarbeiten. Die Wiederbelebung der Verwendung westfälischer Marmore ab 1904 wäre ohne politischen Einfluss nicht geschehen. Für zwei Bauten der Provinz Westfalen wurden großformatige Säulen aus westfälischem Marmor gefordert, für die Rohblöcke bei Brilon-Alme gewonnen wurden und den Sortennamen „Goldader“ erhielten. Weitere Verwendungen als Säulen sind überschaubar, so im Oberverwaltungsgericht Berlin und in zwei westfälischen katholischen Kirchen bis 1917. Ein weiteres Absatzgebiet bis zum ersten Weltkrieg waren Taufsteine aus Goldader und Alma. Mecklinghausen rot fand vereinzelt Verwendung für Bildhauerarbeiten. Westfälischer Marmor war im beginnenden 20. Jh. lediglich ein patriotisch gewünschtes Nischenprodukt. Den Markt dominierte Ware aus Belgien und Italien.
Der erste Weltkrieg bewirkte eine einschneidende Zäsur. Der Import ausländischer Ware brach zusammen. Kompensiert wurde der fehlende Bedarf durch inländische, auch westfälische Ware. So baute die Firma Dassel Anfang der 1920er Jahre die Sorte Hohlstein bei Meschede-Enkhausen ab. Deren Absatz wurde durch wiederbelebte Importe gedrückt. Mit der Weltwirtschaftskrise kam der Abbau zum Erliegen. Bevorratete Rohblöcke sowohl von Goldader als auch Hohlstein reichten aus, um den Bedarf an Platten für Bodenbeläge, Wandverkleidungen und auch Altarverblendungen bis in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg zu bedienen. Der letzte Großauftrag für westfälischen Marmor war wieder politisch intendiert. 1935 wurde das nationalsozialistische Reichsluftfahrtministeriums errichtet. Dafür wurde Natursteinmaterial aus 28 deutschen Vorkommen verbaut, darunter im erheblichen Umfang die westfälische Sorte „Lennestein“. Die angebliche Verwendung von Mecklinghausen rot für die von 1935 an errichtete neue Reichskanzlei Hilters in Berlin ist eine Natursteinlegende, die sauerländischen Nationalsozialisten propagierten.
Der zweite Weltkrieg ließ den Import ausländischer Ware einbrechen, so dass als Ersatz westfälischer Marmor, vorrangig die Sorten Goldader und Lennestein, mit anderen heimischen Marmoren zu Bodenfliesen zugeschnitten und verlegt wurde. Restblöcke und Platten wurden bis in die 1970er Jahre aufgebraucht. Der wachsenden Bedarf an Bodenplatten in der Wiederaufbauphase führte Anfang der 1950er Jahre zur Wiederbelebung des Marmorabbaus im Raum Warstein - Rüthen mit den Sorten Westerfels und Kattenfels, der bis zu Beginn der 1970er Jahre anhielt. Das Gros der Platten wurde vorrangig in katholischen Kirchen verlegt und auch nicht wenige Altäre hergestellt. Wie in vorhergehenden Epochen, setzten sich dann wieder qualitativ bessere und vom Dekor attraktivere ausländische Natursteine durch. Das Ende des Abbaus westfälischen Marmors ist der 2015 gescheiterte Versuch, Rohblöcke aus Kattenfels für Restaurationen zu gewinnen.
Juristisch wurden um den westfälischen Marmor nicht wenige Prozesse geführt. Im 19. Jh. ging es vor allem darum, in bestehenden Marmorgrubenfeldern den Abbau von Naturbausteinen zu verhindern oder gegebenen Falls Ersatzzahlungen zu erhalten. Ab den 1920er Jahren bauten kapitalkräftige Konzerne den Kalksteinabbau aus. Mit erworbenen Bergrechten an Marmorgrubenfeldern versuchten sie die Konkurrenz auszuschalten. Eine erste Prozessserie endete 1935 nach Verhandlung vor dem Reichsgerichtshof mit einem Vergleich. Auch ein zweiter Prozess geht 2000 bis zum Bundesgerichtshof. Die ehemaligen Kläger wollen Befugnis zur Gewinnung von Kalkstein einschließlich etwa vorhandenen Marmors auf ihren Grundstücken. Auch hier endet der Prozess mit einem Vergleich. Die Prozesse lieferten eine juristischen Definition von Marmor im Sinne der kurkölnischen Bergordnung als Kalkstein, der schneid-, schlief- und polierbar ist, ein schönes Aussehen besitzt und aus dem sich kleine Kunstgegenstände herstellen lassen. Eine bestimmte Blockgröße wird nicht verlangt. Damit entspricht diese Definition weitgehend der kunsthistorisch-technischen und nicht der petrographischen Definition. Mit dem Vergleich nach dem Bundesgerichtshofprozess wurden im Raum Warstein - Rüthen die Flächen der Marmorgrubenfelder und der Grundstücke der Steinbruchbetreiber durch Teilung bestehender Marmorgrubenfelder zur Deckung gebracht. Dadurch entstanden über 30 neue Marmorgrubenfelder. Daneben wurde für 22 alte Marmorgrubenfelder das Bergrecht aufrechterhalten, so dass dort immer noch ein Marmorabbau möglich wäre. Etwa 120 bestehende Verwendungsbeispiele aus den westfälischen Marmoren sind bislang bekannt, weitere 80 durch Quellen und Literatur. Sie reichen von Fußbodenbelägen, Wandverkleidungen, Altären, Weihwasserbecken bis zu großformatigen Säulen. Da ihre Herkunft weitgehend unbekannt ist, sind sie bei Restaurierungsmaßnahmen oft gefährdet, auch weil für Bodenbeläge aus Kattenfels und Westerfels kein originaler Ersatz möglich ist.
Danksagung
Der Autor ist einer Vielzahl von Personen für wertvolle Hinweise und Diskussionen zu Dank verpflichtet. Dies gilt besonders für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der zahlreichen aufgesuchten Archive. Für die Durchsicht einer ersten Fassung des Manuskriptes und ihren wertvollen Hinweisen danke ich Prof. Dr. W. Reininghaus, Münster und O. Höffer, ehemals Stadtarchiv Attendorn, O. Höffer überlies großzügig umfangreiche Unterlagen zum Marmor bei Attendorn. J. Eichler, ehemals Baumberge Sandsteinmuseum, Havixbeck, gab Hinweise zu J.B. Prangs Wirken als Münsteraner Bildhauervor dessen Einstieg in die Marmorverarbeitung. C. Ester, Geoservice Hochsauerlandkreis, Kreisverwaltung Brilon, ermöglichte Einblicke in das Katasterarchiv des Altkreises Brilon. Prof. Dr. Ferdinand Ferber, Paderborn, gab Auskunft zur Geschichte von Haus Dassel und ermöglichte dessen Zugang.
Pater Abraham Fischer OSB unterstützte die Fotoarbeiten in der Friedenskirche der Abtei Königsmünster, Meschede. Dietger Freiherr von Fürstenberg, Körtlinghausen, ermögliche zu den Zugang zu seinem Archiv und führte durch Schloss Körtlinghausen und seine Nebengebäude. Wennemar Freiherr von Fürstenberg (f) ermöglichte den Zugang zum Archiv Fürstenberg Herdringen und zeigte Verwendungen von westfälischem Marmor im Schloss Herdringen. Dr. L. Grawe stellte Archivalien aus dem Stadtarchiv Warstein bereit. F. W. Hennecke, Brilon-Hoppecke, Küster, ermöglichte Fotographien in der Kirche St. Marien. M. Henneke, Kulturstiftung Fürstenberg-Herdringen, half bei der Bereitstellung von Archivalien des Archivs Fürstenberg Herdringen. Dr. M. Kaiser, Kulturstiftung Schloss Herdringen, führte zu den Marmorobjekten im Schloss Herdringen. R. Köhne, Meschede, gab wertvolle Hinweise zu Marmorlokalitäten. Küster P. Köster, ermöglichte Fotoaufnahmen in der Warsteiner St. Pankratius-Kirche. Provinzarchivar Bruder H.-U. Kordwittenborg, Franziskanerkloster Paderborn stellte Archivalien zur Verwendung von Kattenfels zur Verfügung. C. Lahme, Paderborn, konnte noch als Zeitzeuge von der Situation des Goldader-Marmorbruchs Anfang der 1950er Jahre berichten. R. Rath, Pfarrarchiv St. Blasius Balve, suchte Rechnungen der Firma Westfälische Marmor- und Granitwerke Allagen für Säulen heraus. R. Risse, Warstein, erlaubte Zugang zu den Gruben Westerfels und Kattensiepen und gab Hinweise zur Abbaugeschichte. G. Rosenkranz, Marsberg, unternahm gemeinsame Geländebegehungen, und half mit seinen Kenntnissen zur regionale Geologie. G. Santel, Domgilde des Paderborner Doms, ermöglichte den Zugang zu Kapellen mit Marmorverwendungen. R. Schlüter, Brilon- Altenbüren, ermöglichte den Zugang zur örtlichen Kirche St. Johannes Baptist. Pfarrer M. Schmitt, Leiter Pastoraler Raum/Pastoralverbund Meschede Bestwig, Meschede, gab Hinweise zu Kaspar von Fürstenberg und ermöglichte den Zugang zur karolingischen Krypta der St. Walburga-Kirche. Dr. L. Schöllmann, Münster, unternahm gemeinsame Geländebegehungen, Joachim von Schubert, Wrede Stiftung, ermöglichte den Zugang zu Schloss Melschede, Sundern-Hövel. Pfarrer D. Schulte ermöglichte Fotoaufnahmen in der Iserlohner St. Aloysius-Kirche. F. Sommer, ehemals Stadtarchiv Rüthen, gab Auskünfte zur Berührungspunkten der Rüthener Stadtgeschichte mit der Geschichte des Westfälischen Marmors. Dr. K.- Skupin, Tönisvorst, stellte Vergleichsfotos aus der St. Sebastian-Kirche in Lobberich zur Verfügung. Diakon Peter Trotier, Solingen-Letmathe, ermöglichte Fotoarbeiten in der St. Kilian-Kirche. J. Wermert, Leiter Stadtarchiv Olpe, gab genealogische Auskünfte und stellte Archivalien bereit. J. Wiese, Eslohe-Beisinghausen, gab Hinweise auf lokale Bezeichnungen der aufgelassenen Steinbrüche im Reister Kalkstein. L. Zeppenfeld, Attendorn-Helden, erlaubte Proben auf seinem Grundstück zu nehmen und gab Hinweise zur „Marmormühle“ bei Attendorn-Niederhelden.
6. Quellen- und Schriftenverzeichnis
Gedruckte Quellen
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Die Tagebücher Kaspars von Fürstenberg, Teil 1 (1572-1599), Teil 2 (1600-1610), bearbeitet von Alfred Bruns (Veröffentlichungen der Historischen Kommission von Westfalen XIX, Westfälische Briefwechsel und Denkwürdigkeiten 8), Münster 1985; 2., durchges. Aufl., Münster 1987.
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Reichsverband der Marmorindustrie und des Marmorgewerbes e.V., Abt. W, Druckschrift 125, ohne Jahr, vermutlich zweite Hälfte der 1930er Jahre: Marmor der preiswerte Gebrauchs-Werkstoff für das moderne Haus; Berlin.
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Ungedruckte Quellen
Amtsgericht Olpe
Hypothekenakten Helden VI-44.
Amsterdam Stadtarchiv (AS)
Bevolkingsregister tijdelijk verblijf, Teil: 279, Zeitraum: 1849-1893, Amsterdam, Bevolkingsregister tijdelijk verblijf, https://www.openarch.nl/saa:4930e123-bc28-4f9a-b47d-ft6add860008. Bild heruntergeladen am 21. Februar 2021
Archiv der Kreis- und Hochschulstadt Meschede (SAM)
SAM Best. 9 / Meschede B, Nr. 2067 Marmorgrube Georg Dassel, Enkhausen, 1924, 1925.
Archiv Fürstenberg Herdringen (AFH)
AFH 213: Korrespondenz der Freiherren Wilhelm, Johann Adolf und Ferdinand von Fürstenberg unter sich und mit anderen, 1695/1696.
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AFH 2390: Beschreibung des Schlossbaus Herdringen und Beschreibung der Herrschaft Herdringen, 1856.
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AFH 4165: Umbau Schloss Herdringen Niederschrift Gräfin Pia. 1903.
AFH 7903: Verträge Schnellenberg 1605 1690.
AFH 14465: Einspruch des Grubendirektors A. Tilgner gegen die Brechung von Marmor aus dem Effenberg, da es zum Bergregal gehöre 1860 - 1863.
Archiv Frhr. v. Fürstenberg Körtlinghausen (AFK)
AFK A 3385: Entschädigung für das zur Ausbeutung von Marmorsteinen beanspruchte Grundeigentum des Gutes Körtlinghausen, 1863 - 1870.
Archiv Graf von Spee Alme (ASA)
ASA A 4810: Schreiben Dassel an Gräfin Borgholz, 1904.
ASA A 4853: Verleihungen der Gruben, 1855 - 1860.
ASA A 6086: Marmorbergwerke, 1875 - 1877.
ASA A 6087: Acta betreffend die vom Grafen Bocholtz-Asseburg geforderte Herausgabe der Marmorbergwerke bei Alme, 1876 - 1885.
ASA A 6285: Acta die Marmorbergwerke zu Alme betreffend, 1858 - 1874.
ASA A 6986: Verpachtungen des alten Hammers, Marmorbrüche, 1858 - 1865.
Archiv Melschede (A Mels)
Mels.Ak / Altes Archiv, Akten, Nr. Mels.Ak - 3979: Smitmann, Propst zu Oelinghausen, erbittet Leichensteine für sein Grab aus Steinbruch Karhöfer.
Mels.Ak / Altes Archiv, Akten, Nr. Mels.Ak - 4252: Originale Bergordnungh, warnach alle die getruckte Exemplaria verfasset seint.
Mels.Ak / Altes Archiv, Akten, Nr. Mels.Ak - 4254: Entwürfe für eine Galerie im Innenhof von Schloss Melschede sowie für ein Portal evtl. von Bonitius von Trier.
Archiv Schloss Darfeld (ASD)
Darfeld C 509 Kapellen. Bau. Kasse. Ausgabe. Belege, 1873.
BLDAM MBA Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches
Landesmuseum, Meßbildarchiv
Bundesgerichtshof (BGH)
Bundesgerichtshof Urteil III ZR 242/98, verkündet am 12. Oktober 2000.
EBAP MK, Acta XI 12 b: Metropolitankapitel Dom Kapellen (1862 - 1937): Erzbistumsarchiv Paderborn Archiv Metropolitankapitel, 1862 - 1937.
Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst, Datenblätter (Erzb PB FK)
Allagen St. Johannes Bapt. Taufbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Standort: 00030176.
Arnsberg Probsteikirche Stipes.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Standort: 00110448.
Arnsberg-Rumbeck St. Nikolaus Taufbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 02280372
Attendorn-Helden St. Hippolytus Altar; Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Inventar-Nr.: 01190620.
Attendorn-Helden St. Hippolytus Seitenaltar.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 1190624.
Attendorn-Helden St. Hippolytus Seitenaltar; Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 1190626.
Attendorn-Helden St. Hippolytus Grabplatte.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 1190748.
Attendorn-Helden St. Hippolytus Grabplatte.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Inventar-Nr.: 1190749.
Attendorn-Helden St. Hippolytus Weihwasserbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 1190634.
Attendorn-Niederhelden Kapelle St. Fabian und Sebastian Weihwasserbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Inventar-Nr.: 01200221.
Bad Fredeburg St. Georg Taufbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 910382.
Bad Fredeburg St. Georg Weihwasserbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 00910384.
Bad Laaspe-Feudingen St. Petrus & Anna Taufbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 02940028.
Brilon-Alme St. Ludgerus Taufbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Standort: 40331.
Brilon-Alme St. Ludgerus Taufbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 40333.
Geseke-Störmede St. Pankratius Altar, Ambo.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 2530046.
Iserlohn St. Aloysius Basen, Säulen, Kapitelle.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 1460366.
Iserlohn-Letmarthe St. Kilian Säulen.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 1640057.
Iserlohn-Letmarthe St. Kilian Altar.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Inventar-Nr.: 01630742.
Iserlohn-Letmarthe St. Kilian Altar.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Inventar-Nr.: 01630743.
Korbach St. Marien Altar, Säulen Stipes.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 1570140.
Marsberg-Obermarsberg S. Peter & S. Paul Taufbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Inventar-Nr.: 01980061.
Meschede-Calle Lourdes-Grotte Mauerwerk.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst Inventar-Nr.: 00550500.
Rüthen St. Nikolaus Taufbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 2280026.
Rüthen-Hoinkhausen St. Pankratius Taufbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 1360078.
Schmallenberg-Oberhenneborn St. Agathe Altar.- Datenblatt Erzbistum Paderborn
Fachstelle Kunst Inventar-Nr.: 01960319.
Sundern St. Johannes Evangelist Seitenaltar [= Kreuzaltar} .- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 2550282.
Warstein-Belecke Probsteikirche St. Pankratius Taufstein.- Datenblatt Erzbistum Paderborn
Fachstelle Kunst Standort: Belecke 00260303.
Warstein-Suttrop St. Johannes Enthauptung Taufbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 2570068.
Warstein-Suttrop Weihwasserbecken.- Datenblatt Erzbistum Paderborn Fachstelle Kunst 2570071.
Farbdiaarchiv Mitteleuropäische Wand- und Deckenmalerei, Stuckdekorationen und Raumausstattungen Photothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte
Kronprinzenpalais, FMLAC8804_40 Figurenkapitell und Malereien in den Gewölbezwickeln, Aufn. Cürlis, Otto, 1943/1945.
Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen Archiv (GDA)
GDA Stein, V., NLfB, Das Vorkommen von Marmor im Gebiet der Warsteiner Kalksteinbrüche, Bericht, 44 S., 1 Anl. L3G 4515/010 65691.
Gesamtarchiv Landsberg-Velen (GLV)
GLV U 133u/ Gesamtarchiv Landsberg-Velen (Dep.) - Akten , Nr. 25947 16. Schreiben des Christian Ludwig Graf von Waldeck: Pulver, Kugeln und Lunten, Übersendung von Proben von Marmor und Alabaster, 13. März 1668 [an den Landdroß zu Arnsberg].
Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA PK)
GStA PK, BPH, Rep. 113, Nr. 608, 113, Nr. 608, Einzelne Reisen des Königs und der Königlichen Familie, Bd. 25, 1853.
GStA PK I HA Rep 121, Nr. 121 Vorkommen von Marmor in Preußen Laufzeit der Akte 18051830.
GStA PK I. HA Rep. 89, Nr. 20592 Erwerbung von Kunstgegenständen zur Ausschmückung der königlichen Schlösser und Gärten, Bd. 1.
GStA PK I HA Rep 89 Nr. 28428 Marmorbrüche in Westfalen Laufzeit der Akte 1845 - 1849.
GStA PK I HA Rep 137 II J Nr. 5 Untersuchung und Auswahl von Marmor und anderer Materialien [für den Berlin Dom] Laufzeit der Akte 1843 - 1856.
Hausarchiv Franziskanerkloster Paderborn
Nr. 608: Maasmann, O. Die Renovierung der Franziskanerkirche August-September 1966.
Hessisches Staatsarchiv Marburg (HStAM)
HStAM 5 Nr. 13841 Bergsachen betr. einen neuen Marmorbruch zu Bredelar in Westfalen, Laufzeit 1726 - 1726.
HStAM 118 a Nr. 3442 Die Marmorschleiferei auf dem Schloß Waldeck, Laufzeit 1790-1795.
HStAM 121 Nr. 1084 Marmor-Arbeiten [der Gefangenen] zu Schloß Waldeck, Laufzeit 18491857.
HStAM 125 Nr. 1484 Marmorschleiferei auf dem Schloss Waldeck, Laufzeit 1775, 17861831.
HStAM 125 Nr. 2346 Giebringhäuser Marmorbruch, Laufzeit 1818-1822.
HStAM Bestand 125 Nr. 10070, Beschaffung von Marmor für Bauten im Fürstentum Waldeck, Laufzeit 1831-1846.
HStAM, 605/1, P II 1853 Obere Ruhrtalbahn Strecke Bahnhof Brilon - Bredelar Übersichtsplan, Laufzeit 1868.
Hessisches Wirtschaftsarchiv, Darmstadt (HWA)
HWA, 9, 6668 Firmenakten: G. Joerissen KG, Marmorbruchbetrieb, Weilburg, Laufzeit 1943 - 1970.
Katasterarchiv Brilon, Hochsauerlandkreis (KBHSK)
KBHSK Handzeichnung Flur 7:Handzeichnung 13. Oktober 1920, Katasterverwaltung Kreis Brilon Kartenblatt Nr. 7 Parzelle 110/37 (korrigiert 118/24).
KBHSK Feldbuch Parzelle 110/37: Feldbuch 16. September 1920, Katasterverwaltung Kreis Brilon Kartenblatt Nr. 7 Parzelle 110/37 (korrigiert 118/24).
KBHSK Feldbuch Parzelle 108/25: Feldbuch 30. April 1923 Katasterverwaltung Kreis Brilon Kartenblatt Nr. 7 Parzelle 108/25 (korrigiert 118/24).
Kreisarchiv Olpe (KAO)
KAO Olper Kreisblatt No. 31 Sonnabend den 31. Juli 1852.
Kreisarchiv Soest (KrAS)
KrAS P 02/01 / Architekt Heinrich Stiegemann, Warstein - Akten, Nr. 141 Freienohl, Katholische Kirchengemeinde, Pfarrkirche: Renovierung - verschiedene Arbeiten Handwerker. Laufzeit1954 - 1959.
KrAS P 2/1 / Architekt Heinrich Stiegemann, Warstein - Akten, Nr. 182 Hoppecke.
KrAS P 02/01 / Architekt Heinrich Stiegemann, Warstein - Akten, Nr. 197 Alme, Katholische Kirchengemeinde St. Ludger, Pfarrkirche: Renovierung und Erweiterung der Kirche - verschiedene Arbeiten Handwerker, Laufzeit 1963 - 1980.
KrAS P 2/2 / Architekt Heinrich Stiegemann, Warstein - Pläne, Nr. 1598, Werkswohnung und Aufenthaltsraum im Steinbruch Kattensiepen in Rüthen der Firma Franz-Josef Risse Warstein: Westansicht, Nordansicht, Ostansicht, Sparrenlage, Grundrisse Erdgeschoss und Obergeschoss, Südansicht, Querschnitt, Lageplan, Laufzeit 1949, Architekturbüro Heinrich Stiegemann, Transparentpapier.
Landesarchiv Berlin (LA)
LA STA Rep. 10-02 Nr. 08185 Entwässerungsakte Anhalter Bahnhof. Teil B (AußenGüterbahnhof) (Kreuzberg), Laufzeit 1913.
Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe (LAV NRW OWL)
LAV NRW OWL L 95 I Schaumburg-Lippische Regierung und Hofkammer - Paragialämter Blomberg und Schieder, Laufzeit 1549-1862.
LAV NRW OWL D 73 / Allgemeine Kartensammlung, Nr. 4/10051 - 10054 Zeichnungen von der Kirche zu Scherfede versch. Maßst. gez. v. Lange und I.B. Prang, Laufzeit 1851/1855.
Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland (LAV NRW R)
LAV NRW R AA 0640 / Handschriften AA 0640, Nr. A I 7; Regest: Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg erlaubt dem Sebastian Deutz, Bürger zu Köln, im Lande Berg nach Marmelsteinen zu suchen.
LAV NRW R BR 0004 / Regierung Düsseldorf Präsidialbüro BR 0004, Nr. 1559 Prang, Johann Baptist (Bl. 97V).
LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 883 Buff, Emil geb. 17.11.1826; Bergrat; ausgeschieden 1892; Prüfungsakte und Personalakte Laufzeit1847-1892.
LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 483 Emmerich, Ludwig 06.12.1819 - 23.03.1885; Bergmeister; Prüfungs- u. Personalakten Band 1, Laufzeit 1839-1859.
LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 484 Emmerich, Ludwig 06.12.1819 - 23.03.1885; Bergmeister; Prüfungs- u. Personalakten Band 2, Laufzeit1861-1885.
LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 493 Groppe, Wilhelm 22.02.1830 - 20.06.1890; Bergrat; Prüfungs- u. Personalakten Band 1, Laufzeit1849-1857.
LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 494 Groppe, Wilhelm 22.02.1830 - 20.06.1890; Bergrat; Prüfungs- u. Personalakten Band 2, Laufzeit 1858-1890.
LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 510 Hundt, Theodor geb. 09.12.1818; Bergeleve; Prüfungs- u. Personalakten Band 1, Laufzeit 1837-1844.
LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 537, Heim, Otto 03.03.1832 - 29.02.1872; Markscheider; Personalakte, Laufzeit 1852-1878.
LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 538 Hagen, Theodor geb. 12.07.1830; Bergreferendar; ausgeschieden 1870; Personalakte Laufzeit 1855-1870.
LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 592 Liste, Karl 02.05.1818 - 12.06.1874; Bergmeister; Prüfungs- u. Personalakten Band 1, Laufzeit1841-1848.
LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 594 Liste, Karl 02.05.1818 - 12.06.1874; Prüfungs- u. Personalakten Band 3, Laufzeit1841-1874.
LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 635 Schütte, Karl August Julius 17.03.1832 - 00.00.1866; Markscheider; Prüfungs- und Personalakte
LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 676 Gerlach, Karl 30.06.1815 - 30.03.1877; Bergmeister zu Siegen, Bergrat; Personalakte.
LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 919 Daub, Julius geb. 22.06.1836 - 00.00.1894; Markscheider; Prüfungsakte und Personalakte; Laufzeit1853-1894.
LAV NRW R BR 0101 / Oberbergamt Bonn BR 0101, Nr. 947 Ginsberg, Albert geb. 07.10.1828; Markscheider; Prüfungsakte und Personalakte; Laufzeit1848-1899.
LAV NRW R BR 1003 / Bahndirektion Köln BR 1003, Nr. 1586, Klage des Spediteurs Heinrich Becker gen. Lükenschwickers zu Brilon gegen Eisenbahnfiskus wegen Entschädigung für eine enteignete Sandgrube.
LAV NRW R RW Karten / RW Karten, Nr. 8466, Geologische Karte der Rheinprovinz und der Provinz Westfalen. Sect. Dortmund, Laufzeit 1855-1884.
LAV NRW R RW Karten / RW Karten, Nr. 8467, Geologische Karte der Rheinprovinz und der Provinz Westfalen. Sect. Soest, Laufzeit 1855-1884.
LAV NRW R RW Karten / RW Karten, Nr. 8468, Geologische Karte der Rheinprovinz und der Provinz Westfalen. Sect. Warburg, Laufzeit 1855-1884.
LAV NRW R RW Karten / RW Karten, Nr. 8471, Geologische Karte der Rheinprovinz und der Provinz Westfalen. Sect. Lüdenscheid, Laufzeit 1855-1884.
LAV NRW R RW Karten / RW Karten, Nr. 8472, Geologische Karte der Rheinprovinz und der Provinz Westfalen. Sect. Berleburg, Laufzeit 1855-1884.
Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen (LAV NRW W)
LAV NRW Karten A 12751 Karte vom Kreise Brilon, Laufzeit 1845.
LAV NRW W A 103 / Kloster Bredelar / Akten, Nr. 63 Verzeichnis über geleistete Stein- und Kalkfuhren, Laufzeit 1768-1772.
LAV NRW W A 103 / Kloster Bredelar / Akten, Nr. 64 Verzeichnis über Kalk-, Holz- und Steinfuhren Giershagener Einwohner, Laufzeit 1766-1767.
LAV NRW W K 827 Staatshochbauamt Siegen, Nr. 162 Restaurierung der Kirchenausstattung in der kath. St. Hippolytuskirche in Helden, Laufzeit 1975.
LAV NRW W M 511 / Märkisches Bergamt Bochum, Nr. 721 Berichtigung des Besitztitels der Bergwerksanteile des Kaufmanns Gustav Lehrkind in der Haspe.
LAV NRW W Q 413 / Kreisgericht Brilon, Nr. 5 Aufstellung eines Inventars von Schloß Alme durch Graf Wilhelm von Bocholtz-Alme auf Niesen und der verwitweten Gräfin Dietrich von Bocholtz geb. Freiin von Schade zu Münster nach dem am 27. Juli 1852 gerichtlich verlautbarten Ehe- und Erbvertrage, Laufzeit 1868-1877.
LAV NRW W Q 440t / Kreisgerichtskommission Meschede / Testamente, Nr. II Nr. 897 Buff, Emil, Laufzeit 1859-1914.
LAV NRW W Q 441t / Kreisgericht Münster / Testamente, Nr. 0 - II Nr. 1042 Karthaus, J. F. J. u. Maria Anna Christina geb. Melchers, Eheleute, St. Mauritz, Laufzeit 1860.
LAV NRW W 051 / Karten A (Allgemein), Nr. 38006, Alme (Brilon), Separation Niederalme, Bl. 1 Brouillonkarte Flur 4, Laufzeit 1868.
LAV NRW W A 118u / Kloster Oelinghausen / Urkunden, Nr. 297.
LAV NRW W K 001 / Oberpräsidium Münster, Nr. 2812 Kohleförderung und -handel, Asphalt-, Ton-, Marmor- und Schiefervorkommen in der Provinz Westfalen Laufzeit 18161871, 1898.
LAV NRW W M 512, Altes Bergamt Siegen, Findbuch, Einleitung, 2020.
LAV NRW W Kreis Brilon, Landratsamt, Nr. K 307 / Kreis Brilon, Landratsamt, Nr. 702 Beschwerde des Grafen von Bocholtz zu Alme gegen Kreis Brilon wegen der Alme-Madfelder Kreisstraße, Laufzeit1864.
LAV NRW W Kreis Brilon, Landratsamt, Nr. 1402, Steinbrüche (Kalk, Dachschiefer, Marmor), 1859 - 1925.
LAV NRW W Kreis Brilon Landratsamt Nr. 1792, 1919 - 1938.
LAV NRW W Nachlaß Lentze Nr. 2857 Manual=Acten des Justiz=Rath Lentze in Soest in Sachen des Ober=Bergamts zu Dortmund wider den Herrn Gutsbesitzer Ullrich in Elsen, 1844.
LAV NRW W Regierung Arnsberg, Nr. 15, Die Reisen seiner Majestät des Königs.
LAV NRW W B 403, Fürstbistum Paderborn, Hofkammer 888.
LAV NRW W B 414, Fürstbistum Paderborn, Oberamt Dringenberg, Marmell- [Marmor] und Sand-Stein-Brüche betreffend, 1670-1750.
LAV NRW W K 335, Kreis Olpe 263 Marmorgewinnung bei Helden, 1842 - 1891.
LAV NRW W Nr. 6420 Oberpräsidium natürliche Bausteine, 1899 - 1937.
LAV NRW W Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Q 504t / Amtsgericht Arnsberg / Testamente, Nr. II Nr. 114 Emmerich, Franz Wilhelm Delmar u. Anna geb. Fleitmann, Ehel., Arnsberg, Kaufmann, 1885.
NRW W U LAV 194 Nr. 3422 Gesamtarchiv von Romberg / Akten, Preis-Currant über die Nuttlar-Antfelder Dachschiefer und Schieferplatten.
NRW W U LAV 194 Nr. 4793 Gesamtarchiv von Romberg / Akten, Testament von Diedrich Graf von Bocholtz-Alme (1853) mit Nachtrag (1859) (Druck, 9 S.), Laufzeit1861.
LAV NRW W 051 / Karten A (Allgemein), Nr. 36907 Messinghausen (Brilon), Separation Messinghausen, Übersichtskarte, 1878.
LAV NRW W Berggrundakten
LAV NRW W Q 504b / Amtsgericht Arnsberg / Berggrundakten, Nr. 44, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Uentrop, Caspari - Antimon- und Marmorbergwerk; Band 1 Blatt 3, Laufzeit 1848-1878.
LAV NRW W Q 504b / Amtsgericht Arnsberg / Berggrundakten, Nr. 55, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Uentrop, Caspari - Antimon- und Marmorbergwerk; Band 1 Blatt 3, Laufzeit 1847-1858.
LAV NRW W Q 504b / Amtsgericht Arnsberg / Berggrundakten, Nr. 85, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Endorf, Korallenberg - Marmorbergwerk; Band 6 Blatt 17, Laufzeit 1865-1990.
LAV NRW W Q 504b / Amtsgericht Arnsberg / Berggrundakten, Nr. 92, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Hachen, Effenberg - Marmorbergwerk; Band 2 Blatt 35, Laufzeit 1863-1990.
LAV NRW W Q 504b / Amtsgericht Arnsberg / Berggrundakten, Nr. 96, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Hachen, Grabow - Marmorbergwerk; Band 2 Blatt 34, Laufzeit 18631990.
LAV NRW W Q 509b / Amtsgericht Bigge / Berggrundakten, Nr. 22, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Nuttlar, Füchtenzeche - Dachschieferbergwerk; Band 9 Blatt 14, Laufzeit1846- 1939.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 19, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Nehden, Daniel I - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 31, Laufzeit 1865-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 20, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Thülen, Eichholz I - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 32, Laufzeit 1865-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 21, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Brilon, Kronprinzessin von Preussen - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 35.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 34, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Alme, Melchior - Marmorbergwerk; Band 7 Blatt 20, Laufzeit 1860-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 35, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Alme, Alme - Marmorbergwerk; Band 7 Blatt 21, Laufzeit 1860-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 40, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Roesenbeck, Vereinigung - Roteisensteinbergwerk; Band 1 Blatt 4, Laufzeit1846-1965.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 44, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Brilon, Scholand - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 21, Laufzeit 1864-1946.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Brilon, Poppenberg - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 2, Laufzeit 1863-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 50, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Messinghausen, Theresia I - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 6, Laufzeit 18631990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 51, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Brilon, Minerva - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 7, Laufzeit 1864-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 52, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Messinghausen, Abel - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 3, Laufzeit 1863-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 53, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Roesenbeck, Kain - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 4, Laufzeit 1863-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 54, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Messinghausen, Knappe [= Knagge] - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 5, Laufzeit 1863-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 55, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Padberg, Kreuzberg - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 13, Laufzeit 1864-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 56, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Padberg, Alexander - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 12, Laufzeit 1864-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 57, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Roesenbeck, Pross [Prosar ?] - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 11, Laufzeit 18641990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 58, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Thülen, Stoffel - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 10, Laufzeit 1864-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 59, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Brilon, Wilhelm III - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 8, Laufzeit 1864-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 60, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Brilon, Romberg I - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 1, Laufzeit 1863-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 87, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Brilon, Ahfeld - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 22, Laufzeit 1864-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 88, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Messinghausen, Elise I - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 20, Laufzeit 1864-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 89, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Padberg, Hüttenberg I - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 19, Laufzeit 1864-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 90, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Padberg, Alte Haus - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 18, Laufzeit 1864-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 91, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Brilon, Verloren - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 17, Laufzeit 1864-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 92, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Messinghausen, St. Petrus - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 16, Laufzeit 18641990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 93, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Messinghausen, Filz - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 15, Laufzeit 1864-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 94, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Messinghausen, St. Paula - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 14, Laufzeit 18641990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 95, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Alme, Nachbar - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 30, Laufzeit 1864-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 96, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Alme, Maikäfer - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 29, Laufzeit 1864-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 97, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Alme, Hallerkamp - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 28, Laufzeit 1864-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 98, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Scharfenberg, Gut Heil - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 27, Laufzeit 18641990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 99, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Madfeld, Münster - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 26, Laufzeit 1864-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 100, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Keffelke, Heimberg I - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 25, Laufzeit 1864-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 101, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Altenbüren, Winterthal - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 24, Laufzeit 18641990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 102, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Brilon, Brilon I - Marmorbergwerk; Band 8 Blatt 23, Laufzeit 1864-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 107, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Brilon, Karthaus - Marmorbergwerk; Band 7 Blatt 37, Laufzeit 1863-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 108, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Beringhausen, Emma I - Marmorbergwerk; Band 7 Blatt 36, Laufzeit 1863-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 109, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Messinghausen, Baptist - Marmorbergwerk; Band 7 Blatt 35, Laufzeit 18631990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 110, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Brilon, Alexius, kons. - Marmorbergwerk; Band 7 Blatt 34, Laufzeit 1862-1990.
Enthält auch: Eigentumsangelegenheiten des Bergwerks Carolinenseegen bei Brilon.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 111, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Brilon, Greitenberg - Marmorbergwerk; Band 7 Blatt 33, Laufzeit 1862-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 112, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Brilon, Escherfeld - Marmorbergwerk; Band 7 Blatt 32, Laufzeit 1862-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 113, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Brilon, Flötzberg II - Marmorbergwerk; Band 7 Blatt 30, Laufzeit 1861-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 114, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Brilon, Flötzberg I - Marmorbergwerk; Band 7 Blatt 29, Laufzeit 1861-1990.
LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 118, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Alme, Balthasar - Marmorbergwerk; Band 7 Blatt 22, Laufzeit 1860-1990.
LAV NRW W Q 523b / Amtsgericht Fredeburg / Berggrundakten, Nr. 31, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Kobbenrode, Concordia - Marmorbergwerk; Band 1 Blatt 17, Laufzeit 1860-1992.
LAV NRW W Q 523b / Amtsgericht Fredeburg / Berggrundakten, Nr. 21, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Kobbenrode, Concordia II - Marmorbergwerk; Band 2 Blatt 21, Laufzeit 1860-1992.
LAV NRW W Q 523b / Amtsgericht Fredeburg / Berggrundakten, Nr. 14, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Menkhausen, Friedrich-Wilhelm - Marmorbergwerk; Band 2 Blatt 21, Laufzeit 1860-1992.
LAV NRW W Q 523b / Amtsgericht Fredeburg / Berggrundakten, Nr. 97, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Dorlar, Wittekind - Marmorbergwerk; Band 1 Blatt 219, Laufzeit 1860-1922.
LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 37, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Eversberg, Ruhr Eisenbahn - Marmorbergwerk; Band 4 Blatt 13, Laufzeit 1865-1990.
LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 38, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Eversberg, Kronprinz von Preußen - Marmorbergwerk; Band 4 Blatt 13, Laufzeit 1865-1990.
LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 40, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Velmede, Augusta - Marmorbergwerk; Band 4 Blatt 11, Laufzeit 1861-1990.
LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 41, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Nuttlar, Rinaldo - Marmorbergwerk; Band 4 Blatt 10, Laufzeit 18611990.
LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 42, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Velmede, Carl - Marmorbergwerk; Band 4 Blatt 9, Laufzeit 18611992.
LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 66, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Wenholthausen, Schwanthaler - Marmorbergwerk; Band 1 (b) Blatt 20, Laufzeit 1865-1890.
LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 68, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Wenholthausen, Leda I - Marmorbergwerk; Band 1 (b) Blatt 18, Laufzeit 1865-1890.
LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 96, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Berge, Abraham - Marmorbergwerk; Band 1 (b) Blatt 40, Laufzeit 1865-1990.
LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 98, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Niedersalwey, Leda V - Marmorbergwerk; Band 1 (b) Blatt 33, Laufzeit 1866-1990.
LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 100, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Wenholthausen, Leda IV - Marmorbergwerk; Band 1 (b) Blatt 31, Laufzeit 1865-1990.
LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 101, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Wenholthausen, Leda III - Marmorbergwerk; Band 1 (b) Blatt 30, Laufzeit 1865-1990.
LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 102, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Wenholthausen, Leda II - Marmorbergwerk; Band 1 (b) Blatt 29, Laufzeit 1865-1990.
LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 103, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Kalle, Oesterberg - Marmorbergwerk; Band 1 (b) Blatt 28, Laufzeit 1865-1990.
LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 104, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Wennemen, Königin Auguste - Marmorbergwerk; Band 1 (b) Blatt 27, Laufzeit 1865-1990.
LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 105, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Berghausen, Zorn - Marmorbergwerk; Band 1 (b) Blatt 26, Laufzeit 1865-1990.
LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 106, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Kalle, Calle - Marmorbergwerk; Band 1 (b) Blatt 25, Laufzeit 18651990.
LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 107, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Enkhausen, Enkhausen - Marmorbergwerk; Band 1 (b) Blatt 24, Laufzeit 1865-1990.
LAV NRW W Q 556b / Amtsgericht Meschede / Berggrundakten, Nr. 110, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Eslohe, Neroantico - Marmorbergwerk; Band 1 (b) Blatt 21, Laufzeit 1865-1990.
LAV NRW W Q 560b / Amtsgericht Olpe / Berggrundakten, Nr. 25, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Olpe (Kreis), Mecklinghäuser Marmorgruben, ver. - Marmorbergwerke; Band 1 Blatt 394, Laufzeit 1848-1862.Enthält auch: Eigentumsverhältnisse der konsolidierten Marmorbergwerke Grüneberg, Griotte, Schwarzeberg, Brauneberg, Blauberg, Schwarzkopf, Carrara, Ahausen, Potsdam, Rotheburg, Berlin, Hollenbock, Naxos, Weisseberg, Strahlenberg, Perikles, Carlos und Germania.
LAV NRW W Q 560b / Amtsgericht Olpe / Berggrundakten, Nr. 31, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Olpe (Kreis), Mecklinghäuser Marmorgruben, ver. - Marmorbergwerke; Band 1 Blatt 394, Laufzeit 1848-1862. Enthält auch: Eigentumsverhältnisse der konsolidierten Marmorbergwerke Grüneberg, Griotte, Schwarzeberg, Brauneberg, Blauberg, Schwarzkopf, Carrara, Ahausen, Potsdam, Rotheburg, Berlin, Hollenbock, Naxos, Weisseberg, Strahlenberg, Perikles, Carlos und Germania.
LAV NRW W Q 560b / Amtsgericht Olpe / Berggrundakten, Nr. 43, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Olpe (Kreis), Mecklinghäuser Marmorgruben, ver. - Marmorbergwerke; Band 1 Blatt 43, Laufzeit 1862-1923.
LAV NRW W Q 560b / Amtsgericht Olpe / Berggrundakten, Nr. 45, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Finnentrop, Königin Victoria - Marmorbergwerk; Band 1 Blatt 30, Laufzeit 1860-1991.
LAV NRW W Q 564b / Amtsgericht Rüthen / Berggrundakten, Nr. 15, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Rüthen, Cruberg - Marmorbergwerk; Band 3 Blatt 14, Laufzeit 1935-1991.
LAV NRW W Q 564b / Amtsgericht Rüthen / Berggrundakten, Nr. 17, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Drewer, Drewer - Marmorbergwerk; Band 3 Blatt 17, Laufzeit 1935-1991.
LAV NRW W Q 564b / Amtsgericht Rüthen / Berggrundakten, Nr. 23, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Rüthen, Cruberg - Marmorbergwerk; Band 3 Blatt 14, Laufzeit 1863-1935.
LAV NRW W Q 564b / Amtsgericht Rüthen / Berggrundakten, Nr. 27, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Drewer, Drewer - Marmorbergwerk; Band 3 Blatt 17, Laufzeit 1864-1935.
LAV NRW W Q 564b / Amtsgericht Rüthen / Berggrundakten, Nr. 28, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Altenrüthen, Adam I - Marmorbergwerk; Band 3 Blatt 15, Laufzeit 1863-1935.
LAV NRW W Q 564b / Amtsgericht Rüthen / Berggrundakten, Nr. 37, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Kallenhardt, St. Maria - Marmorbergwerk; Band 1 Blatt 43, Laufzeit 1863-2008.
LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 20, Berggrundakte Gemeinde/Gemarkung: Suttrop, Elisabeth - Marmorbergwerk Band/Anfang: 1 Blatt/Anfang: 47, Laufzeit 1864-2009.
LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 21, Berggrundakte Gemeinde/Gemarkung: Suttrop, Glensberg - Marmorbergwerk Band/Anfang: 1 Blatt/Anfang: 45.
LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 22, Berggrundakte Gemeinde/Gemarkung: Suttrop, Sophia - Marmorbergwerk Band/Anfang: 1 Blatt/Anfang: 44, Laufzeit1863-2008.
LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 23
Gemeinde/Gemarkung: Suttrop, Johanne I - Marmor- und Kupfererzbergwerk Band/Anfang: 1 Blatt/Anfang: 37, Laufzeit 1863-1991.
Berggrundakten, Nr. 25, Berggrundakte Gemeinde/Gemarkung: Suttrop, Helas - Marmorbergwerk Band/Anfang: 1 Blatt/Anfang: 34, Laufzeit 1862-1992.
LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 37, Berggrundakte Gemeinde/Gemarkung: Warstein, Enneke - Marmorbergwerk Band/Anfang: 1 Blatt/Anfang: 16, Laufzeit 1864-2009.
LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 38, Berggrundakte Gemeinde/Gemarkung: Warstein, Hillenberg - Marmorbergwerk Band/Anfang: 1 Blatt/Anfang: 17, Laufzeit 1864-2009.
LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 39, Berggrundakte Gemeinde/Gemarkung: Warstein, Flinz - Marmorbergwerk Band/Anfang: 1 Blatt/Anfang: 21, Laufzeit 1864-2009.
LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 44, Berggrundakte Gemeinde/Gemarkung: Rüthen, St. Maria 1 - Marmorbergwerk Blatt/Anfang: 0002, Laufzeit 2008.
LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 45, Berggrundakte Gemeinde/Gemarkung: Rüthen, Eva 1 - Marmorbergwerk Blatt/Anfang: 0007, Laufzeit 2008.
LAV NRW W Q 564b / Amtsgericht Rüthen / Berggrundakten, Nr. 46, Grundbuch Gemeinde; Gemarkung: Kallenhardt, Eva I - Marmorbergwerk; Band 1 Blatt 40, Laufzeit 1863-2008.
LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 46, Berggrundakte Gemeinde/Gemarkung: Warstein, Flinz 2 - Marmorbergwerk Blatt/Anfang: 0009, Laufzeit 2008-2009.
LAV NRW W Q 575b / Amtsgericht Warstein / Berggrundakten, Nr. 47, Berggrundakte Gemeinde/Gemarkung: Warstein, Elisabeth 2 - Marmorbergwerk Blatt/Anfang: 0019, Laufzeit 2008-2009.
Landesarchiv Thüringen Staatsarchiv Altenburg (LATH - STAATBG)
LATH - STAATBG, Bauamt Altenburg, 36, Neubau der am 24. August 1864 abgebrannten Teile des hiesigen Residenzschlosses, Saalbau- Flügelgebäude.
Landesoberbergamt Dortmund - Bezirksregierung Arnsberg (LOBA)
LOBA Akte Abel
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Abel bei Messinghausen Bergrevier Brilon 1862.
LOBA Akte Abraham
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Abraham bei Berge Revier Brilon 1856.
LOBA Akte Alexander
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Alexander bei Padberg Bergrevier Brilon 1863.
LOBA Akte Alexius, konsolidiert mit Carolinensegen 1863
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Alexius, konsolidiert mit Carolinensegen 1863 bei Brilon und der damit consolidierten Grube Carolinensegen bei Hoppecke Bergrevier Brilon 1856.
LOBA Akte Alme
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Alme bei Alme Bergrevier Brilon 1858.
LOBA Akte Alte Haus
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Alte Haus bei Padberg Bergrevier Brilon 1863.
LOBA Akte Attendorn
Akten des Preußischen Oberbergamts zu Bonn über die Berechtigung, den Betrieb und die Verwaltung des Bergwerks Attendorn bei Attendorn, Helden, Schönholthausen Bergrevier Müsen u. Arnsberg 1930.
LOBA Akte Balthasar
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und
Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Balthasar bei Alme Bergrevier Stadtberge 1858.
LOBA Akte Baptist
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Baptist bei Messinghausen Bergrevier Brilon 1862.
LOBA Akte Brilon I
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Brilon I bei Brilon Bergrevier Brilon 1863.
LOBA Akte Calle
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Calle oder Kalle bei Calle Revier Arnsberg 1863.
LOBA Akte Carolinensegen
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und
Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Carolinensegen bei Hoppecke Bergrevier Stadtberge 1856.
LOBA Akte Carrara
Akten des Preußischen Oberbergamts zu Bonn über die Berechtigung, den Betrieb und die Verwaltung des Bergwerks Carrara bei Helden u. Förde Bergrevier Müsen 1930.
LOBA Akte Daniel
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und
Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Daniel bei Nehden Bergrevier Brilon 1863.
LOBA Akte Drostenberg
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Dortmund betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung des Callenhardter Steinbruchs nun verliehen sub nne Drostenberg bei Callenhardt Revier Brilon 1841.
LOBA Akte Eichholz I
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Eichholz I bei Thülen Bergrevier Brilon 1864.
LOBA Akte Elisabeth
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Elisabeth bei Suttrop Revier Stadtberge 1863.
LOBA Akte Elise
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Elise bei Messinghausen Revier Brilon 1863.
LOBA Akte Emma
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Emma bei Beringhausen Revier Brilon 1862.
LOBA Akte Enkhausen
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Enkhausen bei Enkhausen Revier Brilon 1864.
LOBA Akte Escherfeld
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Escherfeld bei Brilon Bergrevier Brilon 1857.
LOBA Akte Eva I
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Dortmund betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Eva I bei Kallenhardt Revier Stadtberge 1862.
LOBA Akte Flinz
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Dortmund betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Flinz bei Warstein Revier Stadtberge 1864.
LOBA Akte Fuchs
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Fuchs bei Warstein Revier Brilon 1863.
LOBA Akte Greitenberg
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Greitenberg bei Brilon Bergrevier Brilon 1857.
LOBA Akte Hallerkamp
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Hallerkamp bei Alme Bergrevier Brilon 1864.
LOBA Akte Heimberg I
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Heimberg I bei Keffelke Bergrevier Brilon 1863.
LOBA Akte Hillenberg
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Hillenberg bei Warstein Revier Arnsberg 1863.
LOBA Akte Hüttenberg
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Hüttenberg bei Giershagen u. Padberg Bergrevier Brilon 1863.
LOBA Akte Isis
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Isis bei Melbecke Bergrevier Müsen 1856.
LOBA Akte Kahlenberg
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Kahlenberg bei Warstein Revier Brilon 1864.
LOBA Akte Kain
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Kain bei Rösenbeck Bergrevier Brilon 1862.
LOBA Akte Karthaus
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und
Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Karthaus bei Brilon Bergrevier Brilon 1862.
LOBA Akte Knagge
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Knagge bei Messinghausen Bergrevier Brilon 1863.
LOBA Akte Königin Auguste
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Königin Auguste bei Wennemen Revier Brilon 1863.
LOBA Akte Königin Victoria
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Königin Victoria bei Müsen Bergrevier Olpe 1855.
LOBA Akte Lambert
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und
Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Lambert bei Sporke Bergrevier Arnsberg 1860.
LOBA Akte Leda I
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Leda I bei Wenholthausen Revier Arnsberg 1864.
LOBA Akte Leda II
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Leda II bei Wenholthausen Revier Arnsberg 1865.
LOBA Akte Leda III
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Leda III bei Wenholthausen Revier Arnsberg 1865.
LOBA Akte Leda IV
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Leda IV bei Wenholthausen Revier Arnsberg 1865.
LOBA Akte Leda V
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung des Bergwerks Leda V bei Niedersalvei Revier Arnsberg 1865.
LOBA Akte Lucas I
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Dortmund betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Lucas I bei Kallenhardt Revier Stadtberge 1863.
LOBA Akte Lüling
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Lüling bei Giershagen Bergrevier Brilon 1863.
LOBA Akte Maikäfer
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Maikäfer bei Alme Bergrevier Brilon 1864.
LOBA Akte Mecklinghausen
Akten des Preußischen Oberbergamts zu Bonn über die Berechtigung, den Betrieb und die Verwaltung des Bergwerks Mecklinghausen bei Helden u. Förde Bergrevier Müsen 1930.
LOBA Akte Melchior
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Melchior bei Alme Bergrevier Brilon 1858.
LOBA Akte Minerva
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Minerva bei Brilon Bergrevier Brilon 1863.
LOBA Akte Münster
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Münster bei Madfeld Bergrevier Brilon 1864.
LOBA Akte Nachbar
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Nachbar bei Alme Bergrevier Brilon 1864.
LOBA Akte Oesterberg
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Oesterberg bei Schüren Revier Brilon 1865.
LOBA Akte Pfefferburg
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Pfefferburg bei Grevenbrück Bergrevier Olpe 1852.
LOBA Akte Pluto modo Osiris
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Pluto modo Osiris bei Müsen Bergrevier Müsen 1855.
LOBA Akte Poppenberg
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Poppenberg bei Brilon Bergrevier Brilon 1862.
LOBA Akte Potsdam
Akten des Preußischen Oberbergamts zu Bonn über die Berechtigung, den Betrieb und die Verwaltung des Bergwerks Potsdam bei Helden u. Schönholthausen Bergrevier Müsen u. Arnsberg 1930.
LOBA Akte Prang
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Prang bei Suttrop Revier Brilon 1865.
LOBA Akte Rauch
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und
Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Rauch bei Niedersalvei Revier Arnsberg 1864.
LOBA Akte Romberg I
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Romberg I bei Brilon Bergrevier Brilon 1862.
LOBA Akte Rotheburg
Akten des Preußischen Oberbergamts zu Bonn über die Berechtigung, den Betrieb und die Verwaltung des Bergwerks Rotheburg bei Müsen Bergrevier Müsen 1930.
LOBA Akte Sophia
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Sophia bei Suttrop Revier Stadtberge 1863.
LOBA Akte St. Franziscus
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und
Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube St. Franziscus bei Kallenhardt Revier Stadtberge 1863.
LOBA Akte St. Maria
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube St. Maria bei Kallenhardt Revier Brilon 1863.
LOBA Akte St. Paula
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube St. Paula bei Messinghausen Bergrevier Brilon 1863.
LOBA Akte St. Petrus
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und
Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube St. Petrus bei Messinghausen Bergrevier Brilon 1863.
LOBA Akte Theresia I
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und
Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Theresia I bei Messinghausen Bergrevier Brilon 1862.
LOBA Akte Thorwaldsen
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und
Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Thorwaldsen bei Niedersalvei Revier Arnsberg 1864.
LOBA Akte Verloren
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und
Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Verloren bei Brilon Bergrevier Brilon 1863.
LOBA Akte Warstein
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Warstein bei Warstein Revier Brilon 1864.
LOBA Akte Wester
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Wester bei Warstein Revier Brilon 1863.
LOBA Akte Wilhelm III
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Wilhelm III bei Brilon Bergrevier Brilon 1863.
LOBA Akte Winterthal
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Winterthal bei Altenbüren Bergrevier Brilon 1863.
LOBA Akte Zorn
Acta des Preußischen Oberbergamts zu Bonn betreffend die Eigenthums- und
Berechtigungsverhältnisse Betrieb und Verwaltung der Grube Zorn bei Laer Revier Brilon 1863.
LWL-Archivamt für Westfalen (Archiv LWL)
Archiv LWL Bildmaterial LWL r01_1507, Reihe MZA 207b Das Lennetal, Titel MarmorSteinbruch im Repetal 1918.
Archiv LWL Bildmaterial LWL 01_5604, Reihe MZA 240 Das südwestliche Sauerland um Bigge und Lenne, Bilder aus dem Kreis Olpe, Titel Marmorwerk Borghausen, erbaut 1885, im Besitz der Westfälischen Marmor- und Granitwerke 1932.
Archiv LWL 102 / Provinziallandtag 1887-1933, Nr. 229, Errichtung einer 5. ProvinzialIrrenanstalt zu Warstein, Laufzeit 1902 - 1921.
Archiv LWL 130/638 1904 Bildhauer- und Marmor-Arbeiten Stuck-Arbeiten Umbau des Provinzialmuseums.
Archiv LWL 130/641 Bauausführung Provinzialmuseum .
Archiv LWL 130/643 Bauausführung Provinzialmuseum.
Niedersächsisches Landesarchiv (Standort Bückeburg) (NLA Bu)
NLA BU S 2 N Nr. 13218 Bad Pyrmont, Fürstl. - Waldeckischer Brunnen u. Badehaus, Zeichnung von Vogel, gen. Ptaszek, 1793.
NLA BU S 2 N Nr. 13223 Bad Pyrmont, Brunnenplatz, alter Stich von 1835 (einem Poesie
Album entnommen.)
Niedersächsisches Landesarchiv (Standort Osnabrück) (NLA OS)
NLA OS Rep. 560 Do. Kam. Hannover I Generalia No. 12. Die Entdeckung von MarmorBrüchen im Hochstift Osnabrück 1829/87.
NLA OS Rep. 100 Abschnitt 124 No. 2. Acta betreffend den im hiesigen Hochstifte vorhandenen Marmor und dessen Bearbeitung.
NLA OS Rep 560 VII, Nr. 384 Bd. 2 Verpachtung landesherrlichen Besitzes im Amt Grönenberg Enthält u. a.: Mühlen; Fischereirechte; Zölle; Zehntrechte; Wiesen und Feldfluren; Marmorbruch im Kirchspiel Wellingholzhausen.
NLA OS, Rep 560 VII, Nr. 387 Bd. 1 Verpachtung landesherrlichen Besitzes im Amt Grönenberg Enthält u. a.: Fischereirechte; Landwehren; Zölle; Scherenschleifer; Zehntrechte; Wiesen und Feldfluren; Marmorbruch in Wellingholzhausen.
NLA OS Dep. 3b XVI Stadt Osnabrück No. 38. Beiträge zur Chronik Osnabrücks Band XXXVIII Gesammelt von H. Freund.
Oberlandesgericht Hamm
Oberlandesgericht Hamm Urteil 10 U 97/ 93 OLG Hamm 1998.
Pfarrarchiv Attendorn-Helden St. Hippolytus (PfA Helden)
PfA Helden, B 20, S. 113 f, Pfarrchronik: Allgemeines.
Pfarrarchiv Balve St. Blasius (PfA Balve)
PfA Balve, Rechnung Dassel 1910 Säulen.
PfA Balve, Rechnung Dassel 1912 Hochaltar.
PfA Balve, Rechnung Dassel 1916 Herz Jesu Altar.
Pfarrarchiv Brilon-Hoppecke Kirche Mariä Heimsuchung (PfA Brilon-Hoppecke)
PfA Brilon-Hoppecke, Angebot Dassel 1939 Neugestaltung Chor.
PfA Brilon-Hoppecke, Rechnung Dassel 1939 Neugestaltung Chor.
Pfarrarchiv Iserlohn St. Aloysius (PfA Iserlohn)
PfA Iserlohn, A 17 Pfarrkirche Hohler Weg.
Pfarrarchiv Niedermarsberg St. Magnus (PfA Niedermarsberg)
PfA Niedermarsberg Taufstein
Staatsarchiv Bremen (StAB)
StAB, 4,72/2 - 115, Acta betreffend der Herstellung der neuen Lloydhalle, 436
1896.
Stadtarchiv Attendorn (StAA)
STAA, Akte B / Stadt Attendorn, 1783-1860, Nr. B 366, Übersicht über die städtischen Gewerbebetriebe, I. Band.
StAA, Akte F 2/100, politischer Lagebericht, 1935 September 17.
StAA, Akte F 29 Bericht des Amtmanns D'ham über die Zustände im Amt Attendorn, 1890 - 1892.
StAA, Akte F 140 Beschäftigungszahlen bei der Marmorschleiferei Borghausen, 1896 - 1905.
StAA, Akte F 436, Westfälische Marmor- und Granitwerke zu Borghausen.
StAA, Akte F 437 Beschäftigungsverhältnisse Marmorindustrie, 1894.
StAA Abschrift aus der Siegener Zeitung, 22.4.1987.
StAA ex Sammlung Karl Baumhoff, Brief der Westfälischen Marmor- und Granitwerke Georg Dassel KG, Allagen, an den Landrat des Kreises Olpe, 1947 Februar 22.
Stadtarchiv Brilon (SAB)
SAB C 859 - Bergwerke, Hütten, Fabriken, Steinbrüche, Gruben im Allgemeinen, 1900-1924.
SAB C 860 - Bergwerke, Hütten, Fabriken, Steinbrüche, Gruben im Allgemeinen, 1925-1929.
SAB Amtsarchiv Thülen A 746 - Hütten, Bergwerke, Steinbrüche, Gruben und Ziegeleien - 1905 - 1927.
Stadtarchiv Münster (StdAM)
StdAM Dok-P-Theissing / Personenkartei Ferdinand Theissing, Nr. 21439 Prang, Joseph.
StdAM Stadtregistratur, Fach 16, Nr. 14-15.
StdAM, Stadtregistratur, Fach 16, Namensverzeichnis Bewohner Münster 1817-1842.
Stadtarchiv Warstein (SAW)
SAW C 331 Verpachtungen und Nutzung der Steinbrüche der Stadt Warstein, Laufzeit 1851 - 1905.
SAW C 957 Acta des Amts Warstein betreffend: die von der Gewerkschaft zu Allagen angelegten Steinbrüche zur Gewinnung von Marmor, Stadtarchiv Warstein, C Nr. 957.
SAW F Nr. 33 Steinbruch, Risse - Albers, Laufzeit 1928 - 1946.
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Archiv (SPSG, Archiv)
SPSG Archiv, Hist. Akten, Nr. 13, Rapport Abgänge aus Bildgalerie.
SPSG Archiv, Hist. Akten, Nr. 192, 1844.
SPSG Archiv, Hist. Akten, Nr. 194, 1857.
Stiftung Westfälisches Wirtschaftsarchiv Dortmund (WWA Dortmund)
WWA Dortmund, F 40 - Wendener Hütte, Laufzeit: 1731-1932.
WWA Dortmund, N 3 - Franz Anton Wilhelm Bergenthal, Laufzeit1827-1934.
WWA Dortmund, S 4/15 - Rheinisch-Westfälische Firmen auf Weltausstellungen.
WWA Dortmund, S 6 - Jahresberichte von [Industrie- und] Handelskammern 946 Arnsberg 1854-1859, 1873-1908, 1910 ,1911, 1913, 1924-1930, 1937, 1938, 1948, 1950-1956, 19651973.
Technische Universität Berlin, Architekturmuseum (TUBA)
TUBA Inventarnummer: 46304, Stiegenhaus des Kronprinzenpalais mit Säulen aus rotem Mecklinghäuser Marmor, Entwurf Strack 1856.
TUBA Inventarnummer: 52110, RLM Q.4.R Wand E 7 mal. Material: Sockel und Wangen Lennestein Umrahmung Estellante, Wand u. Deckenleisten Lesina.
TUBA Inventarnummer: FB 053,1103, Böhmer & Petrich / Marmor-Industrie Kiefer, Berlin- Tempelhof, Schloss Posen, Posen. Umbau, Ansichten und Draufsicht Marmortisch Halle 1:10, Lichtpause: Lichtpause auf Papier, 70,7 x 100,9 cm.
TUBA Inventarnummer ZFB 14,006, Friedrich August Stüler, Universitätsgebäude, Königsberg, Perspektivische Innenansicht Vestibül (aus: Atlas zur Zeitschrift für Bauwesen, hrsg. v. G. Erbkam, Jg. 14, 1864), 29,2 x 45.
Schriftenverzeichnis
Amtlicher Bericht über die allgemeine Deutsche Gewerbeausstellung in Berlin im Jahre 1844 Zweiten Theils zweite Abtheilung, 2. Auflage 1846.- Berlin, Verlag von Karl Reimarus.
Amtliche Verzeichnis der aus den Staaten des Deutschen Bundes, dem Königreich Preußen und Großherzogtum Posen zur Gewerbeausstellung in Berlin 1844 eingesandten Objekte 1844.- Berlin, gedruckt bei J. Petsch.
Auszüge aus dem Reisebericht von Dr. Casselmann über die Pariser Industrieausstellung im Jahre 1855.- in: Mittheilungen für den Gewerbeverein des Herzogthums Nassau 1856, S. 37; Wiesbaden.
Behle, G. & Wilke, F. 2010: Giebringhausen.- Waldeckische Ortssippenbücher, 77: 41-44; Bad Arolsen, Hrsg. Waldeckischer Geschichtsverein.
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Bergenthal, J. 1940: Sauerländer Marmor für Großbauten des Dritten Reiches.- Heimat und Reich -Monatshefte für westfälisches Volkstum, S. 338.
Burkhardt, F, Helge Kleifeld, H. & Nolte, B. 2003: Die Neuverzeichnung des Bestandes »Altes Bergamt Siegen« im Staatsarchiv Münster. Ein Erfahrungsbericht.- Archivpflege in Westfalen und Lippe 58, S. 45-48.
Brassert, H. 1858: Berg-Ordnungen der preussischen Lande Sammlung der in Preußen gültigen Berg-Ordnungen, nebst Ergänzungen, Erläuterungen und Ober-TribunalsEntscheidungen; Köln.
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Buchenthal, G. & Bauer, H. 1994: Heinrich Papen um 1645-1719 Christophel Papen 16781735 Eine westfälische Bildhauerwerkstatt im Zeitalter des Barock.- Paderborn;
Bonifatius^Buch^Verlag.
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Clausen, C.D. 1978: Erläuterungen zu Blatt 4814 Lennestadt.- Geologische Karte von Nordrhein-Westfalen 1:25000, 4814: 474 S.; Krefeld.
Clausen, C.D. 1984: Erläuterungen zu Blatt 4515 Hirschberg.- Geologische Karte von Nordrhein-Westfalen 1:25000, 4515: 115 S.; Krefeld.
Clausen, C.D. 1991: Erläuterungen zu Blatt 4914 Kirchhundem.- Geologische Karte von Nordrhein-Westfalen 1:25000, 4914: 146 S.; Krefeld, 2. völlig neu bearbeitete Auflage.
Clausen, C.D. & Leuteritz, K. 1979: Lohnende Exkursionsziele im Warsteiner Raum.- In: Meiburg, P. (Schriftleitung) 1979: Geologie und Mineralogie des Warsteiner Raumes.- Aufschluss Sonderband 29 (Warstein): 253-266.
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Correspondensblatt des naturhistorischen Vereins der preussischen Rheinlande und Westphalens 1853 No. 1. Verzeichnis» der Mitglieder des naturhistorischen Vereins der preussischen Rheinlande und Westphalens (Am 1. Januar 1 853.); Bonn.
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Dechen, E.H. von 1855: Geognostische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Arnsberg.- Verhandlungen des Naturhistorischen Vereines der Preussischen Rheinlande und Westphalens, 12: 117-225.
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Ebert, A. & Müller, H. 1973: Erläuterungen zu Blatt 4715 Eslohe.- Geologische Karte von Nordrhein-Westfalen 1:25000, 4715: 79 S.; Krefeld.
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Exposition Universelle de 1867 a Paris Catalogue général Deuxiéme Partie (Groupe VI a X); Paris, E. Dentu.
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Geisberg, M. 1941: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen. Bd. 41.- Die Stadt Münster, Bd. 6: Die Kirchen und Kapellen der Stadt ausser dem Dom; Münster i. W.
Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen [Hrsg.] 2017: mit Beitr. von Ribbert, K.-H.; Wrede, V.; Oesterreich, B.; Baumgarten, H.; Gawlik, A.; Heuser, H.; Piecha, M.; Roth R.; Thünker, M.; Baales, M.; Cichy, E.; Zeiler, M.: Geologie im Rheinischen Schiefergebirge, Teil 3: Sauer- und Siegerland; Krefeld.
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Glagau, O. 1877: Der Börsen- und Gründungsschwindel in Deutschland (Zweiter Teil von „Der Börsen- und Gründungsschwindel von Berlin).- Verlag von Paul Frohberg, Leipzig.
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Grimme, F. W. 1886: Das Sauerland und seine Bewohner.- Münster - Paderborn, Druck und Verlag von Ferdinand Schöningh, 2. Aufl.
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Jacobi, G. 2007: Als die Steinhauer in Lindlar ihre Zunft aufrichteten und den Marmor brachen,- 244 S.; Lindlar (Hrsg.: Der Verein der Freunde und Förderer des Bergischen Freilichtmuseums e.V.).
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Jolk, M. 2003: Der Besuch des Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preussen im Schloss Herdringen vor 150 Jahren.
Kaiser, M. 2021: Untersuchungen zur Klärung paläogeographischer Fragen im Pliensbachium/Toarcium-Grenzbereich des Weser- und Osnabrücker Berglandes, unter besonderer Berücksichtigung des Massenaussterbeereignisses.- Dissertation Fachbereich Geowissenschaften der Johann Wolfgang Goethe -Universität; Frankfurt am Main.
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Katalog der Provinzial-Gewerbe-Ausstellung für Rheinland und Westphalen in Düsseldorf Eröffnet am 15. Juli 1852 Fünfte Auflage; Düsseldorf, Buchdruckerei Hermann Voß.
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7. Dokumentation
Abkürzungsverzeichnis
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. 134: Angebots- und Preisliste für „Gegenstände aus Marmor für bauliche Zwecke. Aus den Westfälischen Marmorwerken in Allagen bei Soest“ (Meissner 1877, S. 307-310), vermutlich aus der Anfangszeit der Aktiengesellschaft 1872.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Für halbe und viertel Platten per Stück 10 pfg. extra. BandzwickcJ werden für ganze Platten barechnet,
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Karten verliehener und bergrechtlich bestehender Marmorgrubenfelder, Folge der Mutungen und Abbaustellen
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Karte 1: Übersichtskarte mit Lage der Detailkarten der westfälischen Marmorgrubenfelder, Kartengrundlage © GeoBasis-DE / BKG <2020>.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Karte 2: Verliehene Marmorgrubenfelder im Raum Arnsberg - Sundern, nach vorliegenden Oberbergamtsakten und Berggrundakten, Kartengrundlage tim-online.nrw.de Digitale Topographische Karte 1:100000.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Karte 3: Verliehene Marmorgrubenfelder im Raum Attendorn - Elspe, nach vorliegenden Oberbergamtsakten, Berggrundakten und Bergbauberechtigungen NRW (online), Kartengrundlage tim-online.nrw.de Digitale Topographische Karte 1:100000.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Karte 4: Verliehene Marmorgrubenfelder im Raum Meschede - Eslohe, nach vorliegenden Oberbergamtsakten, Berggrundakten und Bergbauberechtigungen NRW (online), Kartengrundlage tim-online.nrw.de Digitale Topographische Karte 1:100000.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Karte 5: Verliehene Marmorgrubenfelder und Abbaustellen im Raum Warstein - Rüthen, nach vorliegenden Oberbergamtsakten, Berggrundakten, Bergbauberechtigungen NRW (online) und Stadtarchiv Arnsberg, Kartengrundlage tim-online.nrw.de Digitale Topographische Karte 1:100000.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Karte 6: Verliehene Marmorgrubenfelder im Raum Brilon, -Briloner Sattel, nach vorliegenden Oberbergamtsakten, Berggrundakten und Hänisch (2007); Kartengrundlage tim-online.nrw.de Digitale Topographische Karte 1:100000.
Karte 7: Verliehene Marmorgrubenfelder im Raum Marsberg - Bredelar, nach vorliegenden Oberbergamtsakten und
Berggrundakten, Kartengrundlage tim-online.nrw.de Digitale Topographische Karte 1:100000.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Karte 8: Räumliche und zeitliche Verteilung der Mutungen von Marmorgrubenfeldern durch Graf von Bocholtz, J.B. Prang und T. Hagen im Raum Meschede - Warstein - Brilon von 1858 bis 1865, Kartengrundlage tim-online.nrw.de Digitale Topographische Karte 1:100000.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Karte 9: Übersichtskarte der zwischen 1847 und 1866 verliehenen westfälischen Marmorgrubenfelder mit bestehenden Bergbauberechtigungen, nach Bergbauberechtigungen NRW(online), Kartengrundlage © GeoBasis-DE / BKG <2020>.
Tabellen zu Marmorgrubenfeldern, Abbau und Produktion westfälischer Marmore
Tab. 1: Abbaustellen und bergrechtlich verliehene Marmorgrubenfelder.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tab. 2: Geographische und geologische Verbreitung von Marmorgrubenfeldern und -abbauorten in Westfalen.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tab. 3: Geographische und geologische Verbreitung von Marmorabbau in Westfalen.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tab. 4: Firma Franz Josef Bonzel & Co., Gewinnung von Marmor im Raum Attendorn-Helden und - Mecklinghausen von 1852 -1867 nach den Jahrgängen 1 bis 16 der „Zeitschrift für das Berg,- Hütten- und Salinen-Wesen in dem Preussischen Staate“.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tab. 5: Marmorfelder, gemutet von J.B. Prang & Co., nachfolgend Bergeigentum der Westfälischen Marmorwerke Aktiengesellschaft und Westfälische Marmor- und Granitwerke Dassel, nach Berggrundbuch Poppenberg (LAV NRW W Q 515b / Amtsgericht Brilon / Berggrundakten, Nr. 49), nach 1865 erschlossen und nach dem Abgrabungsrecht betrieben die Gruben Lohbusch und Dahlborn, Warstein. Die Marmorfelder Almen, Balthasar und Melchior werden vom Grafen Bocholtz, Alme gepachtet (ASA A 6285).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tab. 6: Reihenfolge der Mutung der Marmorfelder durch J.B. Prang & Co.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tab. 7: Bearbeitungsdauer ausgewählter Marmormutungen von der Mutung bis zur Verleihung.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tab. 8: Größe der bis 1866 verliehener Marmorgrubenfelder nach vorliegenden Bergamtsakten (LOBA) und Bergbauberechtigungen in NRW [online].
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tab. 9: Firma J.B. Prang &Co., Gewinnung von Marmor im Raum Brilon - Warstein - Meschede von 1861 -1872 nach statistischen Angaben in den Jahrgängen 10 bis 22 der „Zeitschrift für das Berg,- Hütten- und Salinen-Wesen in dem Preussischen Staate“.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tab. 10: Plattenproduktion von J.B. Prang & Co. in Allagen von 1865 -1872 nach deren Angaben in den Jahresberichten der Handelskammer (LOBA Hillenberg, Abschriften in der Bergamtsakte als Teil einer Prozessakte, S. 124 - 126; WWA Do S 6).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tab. 11: Westfälische Marmorwerke Allagen - Actiengesellschaft, Gewinnung von Marmor im Raum Brilon - Warstein - Meschede von 1871 -1876 nach statistischen Angaben in den Jahrgängen 21 bis 25 der „Zeitschrift für das Berg,- Hütten- und Salinen-Wesen in dem Preussischen Staate“.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tab. 12: Maße in Almer Marmorgruben gewonnener Rohblöcken nach Rechnung von G. Siegel an D. Graf von Bocholtz Juni 1874 (Abb. 82; ASA 6285). Die von uns ermittelten Größen weichen im Detail von denen G. Siegels ab, die Mittelwerte und Summen sind gerundet.
preußische Maße
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
metrische Maße
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tab. 13: Maße am Almer Podorbrunnen 1877 gewonnener Rohblöcke nach D. Graf von Bocholtz (ASA 6285).
preußische Maße
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
metrische Maße
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tab. 14: Gewinnung von Marmor-Rohblöcken und Anmerkungen zum Betrieb im Marmorbruch Enkhausen, Meschede-Enkhausen von 1922 -1929 nach Angaben in der Bergamtsakte (LOBA Enkhausen).
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tab. 15: Bergrechtlich bestehende westfälische Marmorgrubenfelder, nach Bergbauberechtigungen in NRW [online].
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tab. 16: Verwendungsbeispiele westfälischer Marmore.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 1: Burg Schnellenberg, Attendorn, Fig. 1: Portal des Vorwerks, 1703; Fig. 2: Säulensockel, Portal der Vorburg, 1694; Fig. 3: Säule Portal der Vorburg. Mitteldevon, Givetium, HonselSchichten, Newberrien-Schichten, historische Abbaustellen am Lenneufer.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 2 : Burg Schnellenberg, Attendorn, Fig. 1: Säulen im ehemaligen Pferdestall, heute Museum und Festsaal, Kolorit der Säule durch Tierextremente, Fig. 2: Säule im Rittersaal des Schlossrestaurants, koloriert. Mitteldevon, Givetium, Honsel-Schichten, Newberrien-Schichten, historische Abbaustellen am Lenneufer.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel3 : Kath. Pfarrkirche St. Johannes Baptist, Attendorn, Grabplatten im Kirchplatz, 17.und/oder 18. Jh. Fig. 1 und 2: Massenkalk in Schwelmfazies,; Fig. 3: Massenkalk in Dorpfazies, oberes Mitteldevon, Givetium, Hagen-Balve-Formation, Herkunft Raum Attendorn.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 4 : Goldader, Eingangsbereich der Verwaltung der LWL-Klinik Warstein, Neubau der „Provinzial-Irrenanstalt“, später „Provinzial-Heilanstalt“, 1905, Säulen Eingangsbereich, Fig. 1: Gesamtansicht, Fig. 2 und 3: Detail rot melierte Kalzitadern, namengebende Goldader, Korallen- und Stromatoporenschutt, ca. 5 cm.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 5 : Goldader, Säulen und Pfeiler, historisches Treppenhaus LWL-Museum für Kunst und Kultur, erbaut als Provinzialmuseum, Münster 1906, Fig. 1: Untergeschoss, Fig. 2: Pfeiler Obergeschoss, Fig. 3: Detailansicht Pfeiler mit Stromatoporen und rogusen Korallen, Bildausschnitt 43 cm.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 6 : Goldader, Säulen in der kath. Pfarrkirche St. Blasius, Balve, 1910, Fig. 1: Säulen vor Hauptaltar, Fig. 2: Säulen vor Grabkapelle Dechant Franz Amecke, Säule links Schweizer Marmor „rouge jaspe.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 7 : Kath. Pfarrkirche St. Kilian, Solingen-Letmathe, Fig. 1: Säulen Goldader, 1917; Fig. 2: Seitenaltar nördliche Apsis, i Goldader, 1920, ii Alma, Steinbruch am Nehder Kopf, Brilon-Alme, iii schwarzer Lahnmarmor.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 8 : Goldader, Fig. 1: kath. Probsteikirche St. Lauerentius, Arnsberg, Memorialaltar Caspar von Fürstenberg, Groninger um 1625, i Stipes Goldader, ii Mensa und Predella Lahnmarmor Schupbach schwarz, 1935; Fig. 1: Frontalansicht, Fig. 2: Seitenansicht; Fig. 3: kath. Pfarrkirche St. Johannes Evangelist, Sundern (Sauerland), Kreuzaltar, 1963.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 9 : Goldader, Taufbecken ab 1910, Fig. 1: kath. Pfarrkirche St. Johannes Enthauptung, Warstein-Suttrop; Fig. 2: kath. Pfarrkirche St. Ludgerus, Brilon-Alme; Fig. 3: 1912 von G. Dassel der Allagener Kirche gestiftet, aufgestellt im Eingangsbereich Haus Dassel, Warstein-Allagen, Fig. 4: Abteikirche Ss. Cosmas und Damian, Wadersloh-Liesborn.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 10: Goldader, Fig. 1: Säulen von Kommunionbank unbekannter Provenienz, Baumberger Sandstein, Betriebshof Steinmetzbetrieb Fark, Havixbeck; Fig. 2-5: Weihwasserbecken ab 1910; Fig. 2: kath. Pfarrkirche St. Johannes Enthauptung, Warstein-Suttrop; Fig. 3: kath. Pfarrkirche St. Pankratius, Warstein- Belecke; Fig. 4: Probsteikirche St. Vitus, Meppen; Fig. 5: kath. Pfarrkirche St. Christopherus, Werne.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 11 : Goldader, kath. Pfarrkirche St. Laurentius, Salzkotten-Thüle, Fig. 1: Altarsockel und Altartisch, Fig. 2: Seitenansicht Stipes, i Goldader, ii Baumberger Sandstein, iii Säulen, Marmor, unbestimmt.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 12 : Goldader, Haus Dassel, Warstein-Allagen; Fig. 1: Kamin im Speisezimmer; Fig. 2: Stele mit Büste aus Carrara-Marmor aufgestellt im Eingangsbereich, Fig. 3: Wandverkleidungen im Eingangsbereich des Bürotrakts, i Lennestein.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 13 : Fig. 1 : Goldader, oberen Abschluss der Schalttafel der elektrischen Zentrale des Lietwerks, Warstein-Allagen, Schalttafel Carrara-Marmor, um 1913 ex „Westfäl. Marmor- & Granitwerke Georg Dassel Allagen i. Westf. 1914“; Fig. 2: Zufluss zum Turbinenhaus, 2025.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 14 : Goldader, Fig. 1: Schloss Melschede, Sundern-Hövel, Einfassung der Kaminvorlage im Festsaal, 1923; Fig. 2 Paderborner Dom, Fußboden der Elisabethkapelle, um 1955, i Lahnmarmor Wirbelau, ii Jura-Marmor.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Taf 15 : Haupteingang Theologische Fakultät Paderborn, Marmorfußboden im römischen Verband; Fig. 1: Ausschnitt Assemblage unterschiedlicher Marmore; Fig. 2 und 3: Lennestein (Bildmitte); Fig. 4: Goldader; Fig. 5: Goldader, Bruchsteinverwendung in Mauer von Schloss Alme, Brilon-Alme.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 16 : Alma, Taufsteine; Fig. 1: kath. Pfarrkirche St. Maria Magdalena, Anröchte-Effeln; Fig. 2: kath. Pfarrkirche St. Pankratius, Rüthen-Hoinkhausen; Fig. 3: kath. Pfarrkirche St. Nikolaus, Rüthen; Fig. 4: Jugendkirche St. Martini, Münster.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 17 : Marmor aus dem Grubenfeld Carrara bei Attendorn-Röllecken, Kath. Pfarrkirche St.
Aloysius, Iserlohn, neuromanische Backsteinbasilika erbaut 1891 bis 1895, Architekten C. Rüdell und R. Rodenthal; Fig. 1: Langhaus mit Blick nach Osten; Fig. 2: oberer Säulenschaft mit Kapitell; Fig. 3: Detail Säule.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 18 : Lennestein; Fig. 1 Wandverkleidung, historisches Rathaus Warstein-Hirschberg, 1957;
Fig. 2 Detail des Altarpodests, kath. Pfarrkirche St. Mariä Heimsuchung, Brilon-Hoppecke, 1939;
Fig. 3 und 4: Altareinfassung; St. Sebastianus-Kapelle, Attendorn-Niederhelden, 1946; Fig. 2 und 3: Bildausschnitt 20 cm.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 19 : Lennestein, Weihwasserbecken; Fig. 1: kath. Pfarrkirche St. Hippolytus, Attendorn- Helden; Fig. 2: St. Sebastianuns-Kapelle, Attendorn-Niederhelden; Fig. 3: kath. Pfarrkirche St. Lambertus, Schmallenberg-Kirchrarbach; Fig. 4: kath. Pfarrkirche St. Blasius, Balve, Sauerland.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 20 : Westerfels; Fig. 1: Geschäftseingang, Warstein, Hauptstraße 61, 2018; Fig. 2: kath. Pfarrkirche St. Pankratius, Warstein, Chorstufen, 1960; Fig. 3: Fußbodenleiste, Kloster Weddinghausen, Arnsberg, um 1956, leg. et ded. U. Kaplan, WMNM.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 21 : Westerfels, kath. Pfarrkirche St. Agatha, Schmallenberg-Oberhenneborn; Fig. 1: Altar; fig.
2: Taufstein, 1968.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 22 : Westerfels und Lahngoldader; Fig. 1: kath. Pfarrkirche St. Ludgerus, Brilon-Alme, Altarsockel Westerfels, Altar Lahn-Goldade; Fig. 2: Ausschnitt Altarmensa, ca. 15 cm, LahnGoldader, abgerissen 2023; Fig. 3 und 4: Pfarrkirche St. Pankratius, Geseke-Störmede; Fig. 3: Ambo, polierte Auflagefläche, d Ambo und Zelebrationsaltar, Westerfels mattiert.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 23 : Hohlstein, verschiedene Varianten; Fig. 1: Wandbekleidung der Küche in Haus Dassel, Warstein-Allagen; Fig. 2: Detail.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 24 : Flinzkalksteine; Fig. 1: Rombergkapelle, Meschede-Eversberg, 1954, Mauerwerk Flinzkalksteine vom Fundpunkt der Marmorgrubenfeldes Ruhreisenbahn; Fig. 2: Fußbodenplatten, Krypta der Stiftskirche St. Walburga, Meschede, karolingisch.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 25 : Reister Kalkstein, Beisinghäuser Kalk, kath. Pfarrkirche St. Pankratius, Eslohe-Reiste, 1852; fig. 1:a Südseite; Fig. 2: Quader.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 26 : Effenberger, kath. Pfarrkirche St. Blasius, Balve; Fig. 1: romanischer Fußboden, Effenberger mit Kulm-Plattenkalk; Fig. 2: St. Agatha-Bildstock, 1698; Fig. 3: Detail rechte obere Ecke.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 27 : Effenberger, a und b Grabplatten des 17. und 18. Jh., kath. Pfarrkirche St. Blasius, Balve;
Fig. 1: Johannes Matthäus Hoynck (*1638/1639; f1683); Fig. 2: Johannes Karl Hoynck (*1654; f1691); Fig. 3: Wasserbecken, vermutlich 18. Jh., Hof Schloss Herdringen, Arnsberg-Herdringen;
Fig. 4: Treppe, Renovierung 1922, Schloss Melschede, Sundern-Hövel.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 28 : Effenberger, Grabplatten des 17. und 18. Jh., kath. Pfarrkirche St. Blasius, Balve; Fig. 1:
Eberhard Gödde (amt. 1692-1733, f1733); Fig. 2: Walter Franzen oder Johannes Schulte f 1755.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 29 : Effenberger, Grabplatten des 17. und 18. Jh., Kreuzkapelle der Klosterkirche St. Petri, Arnsberg-Oelinghausen; Fig. 1: Wilhelm Bernhard von Wrede, Gutsbesitzer zu Reigern und Probst von Hachen, (f1688); Fig. 2: Probst Nikolaus Engel (f1697); Fig. 3: Probst Theodorus Sauter (f1732); Fig. 4: Probst Wilhelm Schmidtman (f1704), Soester Grünsandstein, Soest-GrünsandSubformation.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 30 : Mecklinghausen rot; Fig. 1 Südwand kath. Pfarrkirche St. Hippolytus, Attendorn-Helden, 12. Jh., Verwendung als Naturbaustein; Fig. 2 und 3: Burg Schnellenberg, Attendorn; Fig. 2: historische Treppenstufe in Hotelsauna; Fig. 3: mittelalterliches Türgewand, i Würdinghauser Stein, Quarzkreatophyr, Unterdevon.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 31 : Mecklinghausen rot; Fig. 1: Grabplatte 1682, Hospitalkirche St. Barbara, Attendorn, Steinmetzwerkstätten Hanz Heinrich Leiste; Fig. 2: Kamineinfassung im Rittersaal des Schlossrestaurants, Burg Schnellenberg, Attendorn, erstes bildhauerisch anspruchsvolles Objekt aus westfälischem Marmor, spätere Marmorsorte Mecklinghausen rot“, vermutlich Steinmetzgesellen und Brüder Mattis und Michael Schmick, Straßburg, nach 1659, Frontalansicht Abb. 20.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 32 : Mecklinghausen rot; Fig. 1: Grabplatte, zweite Hälfte 17. Jahrhundert, kath. Pfarrkirche St. Hippolytus, Attendorn-Helden, südliches Seitenschiff; Fig. 2: Taufbecken, undatiert, vermutlich 1850er Jahre, kath. Pfarrkirche St. Nikolaus-Kirche, Arnsberg-Rumbeck; Fig. 3: Fensterbänke Haus Kupferhammer, Warstein, ab 1850 umgebaut und eingerichtet.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 33 : Mecklinghausen rot, kath. Pfarrkirche St. Hippolytus, Renovierung 1973 - 1975; Fig. 1: Zelebrationsaltar; fig. 2: Pietasockel; Fig. 3: Herz-Jesu-Altar, i Taufbecken Anton Leiste und Dietrich Düringer, schwarzer Marmor unbekannter Provenienz.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 34 : Mecklinghausen rot, kath. Pfarrkirche St. Hippolytus, Renovierung 1973 - 1975; Fig. 1: Tabernakelstele; Fig. 2: Ambo; Fig. 3: Ablageplatte im Chorraum.
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Tafel 35 : Kattenfels, Friedenskirche der Abtei Königsmünster, Meschede, geweiht 1964; fig. 1: Fußbodenplatten im Chorbereich; Fig. 2: Weihwasserstele‘; Fig. 3: Altar.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 36: Kattenfels, Franziskanerkirche, Paderborn; Fig. 1: Zelebrationsaltar; Fig. 2: Fußbodenplatten im Chorbereich.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 37 : Kattenfels, Kloster- und Pfarrkirche St. Michael, Michaelskloster der Augustiner Chorfrauen, Paderborn, Chor nach 1965; Fig. 1: Gesamtansicht; Fig. 2: nordöstlicher Chor; Fig. 3: Setzstufe.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Tafel 38 : Kattenfels; Fig. 1: Altar im Friedhof der Abtei Königsmünster, Meschede; Fig. 2: Fensterbank 1957, kath. Pfarrkirche St. Christophorus, Warstein-Hirschberg; Fig. 3: Fassadenverkleidung, Hauptstraße 61, Warstein, Zustand 2017.
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Tafel 39 : Kattenfels, Eingangstreppen, Warstein 2026; Fig. 1: Hauptstraße 29; Fig. 2: Hauptstraße 61.
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- Ulrich Kaplan (Autor:in), 2026, Westfälischer Marmor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1724725