Obdachlosigkeit und deren geschlechtsspezifische Problemstellung


Hausarbeit, 2011

17 Seiten


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Begriffserklärung Obdachlosigkeit

3. Allgemeine Ursachen von Obdachlosigkeit

4. Weibliche Obdachlosigkeit
4.1. Spezielle Ursachen für Frauen
4.2. Weibliche Lebensbewältigung
4.3. Sozialarbeit mit betroffenen Frauen

5. Männliche Obdachlosigkeit
5.1. Spezielle Ursachen für Männer
5.2. Männliche Lebensbewältigung
5.3. Sozialarbeit mit betroffenen Männern

6. Schlussbetrachtungen

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Die Anzahl von Frauen, Männern und sogenannten „Straßenkindern“, die sichtbar wohnungslos im öffentlichen Raum leben, hat seit Beginn der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts zugenommen.

Derzeit leben in Deutschland mehr als 290.000 wohnungslose Menschen und davon 20.000 Obdachlose auf der Straße. Eine Statistik über die Anzahl von Obdachlosigkeit in Deutschland ist im Anhang beigelegt. Vor dem Hintergrund zunehmender Arbeitslosigkeit, wirtschaftlicher Umstrukturierung, sozialpolitischer Sparmaßnahmen und nicht zuletzt durch den Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten haben sich, so hat es den Anschein, Ausgrenzungsprozesse formiert, die bestimmten Bevölkerungstruppen die Teilnahme an der gesellschaftlichen Wohlstandsentwicklung verwehren. Den betroffenen Menschen reicht das Geld nicht mehr für die nötige Miete aus und diese werden dann mit Räumungsklagen bedroht. Das eigene Dach über dem Kopf und angemessene Wohnverhältnisse sind jedoch wichtige Voraussetzungen für die gesellschaftliche Integration.

Aufgrund dieser hohen Zahl von Obdachlosigkeit ist es wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und dies zu erörtern, warum es zu Obdachlosigkeit von Männern und Frauen in solch einem hochentwickelten Staat kommen kann. So soll sich diese Arbeit besonders mit den Ursachen, die zu Obdachlosigkeit führen, auseinandersetzen und diese beschreiben. So wird deutlich, wo die Hilfe von Sozialarbeitern angesetzt wird und wo noch Handlungsbedarf besteht.

Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt besonders bei den obdachlosen Frauen, da die Arbeit mit ihnen weniger sichtbar ist, da im Straßenbild mehr obdachlose Männer zu beobachten sind.

2. Begriffserklärung Obdachlosigkeit

Obdachlosigkeit hat viele Definitionen: Nach Ansen bedeutet es, dass die Wohnungslosigkeit eine extreme Form von Armut sei. (Vgl. Ansen 1998, S.159)

„>>Obdachlosigkeit<< im eng definierten Sinn ist die extreme Form der Wohnungsnot“ (Khella 1983, S.404)

„Der amtliche Obdachlosenbegriff ist ordnungsrechtlicher Ausdruck und bezeichnet Menschen, die über keinen Mietvertrag verfügen.“ (Khella 1983, S. 424)

Nach Paegelow bedeutet Obdachlosigkeit kurz gefasst: „[…] kein Dach über dem Kopf […]“ (Paegelow 2006, S.32)

Somit ist erkennbar, dass der Begriff breit gefächert ist und auch Opfer von Erdbeben, Natur- und anderen Katastrophen, von Menschen, die ihr Haus verloren haben usw., umfasst. Im engeren Sinne wurde der Begriff im Strafrecht verwandt und bezeichnete den Zustand, „kein Unterkommen“ zu haben. „Begriffe wie ,obdachlos´, ,Obdachlose` oder ,Obdachlosigkeit´ werden in der Regel verwendet im Zusammenhang mit staatlichem bzw. kommunalem Handeln, z.B. bei repressiven Maßnahmen nach dem Polizei- und Ordnungsrecht […]“. (Paegelow 2006, S.32)

Eine andere Definition lautet: „Zustand, kein Dach über dem Kopf zu haben und Tag und Nacht auf der Straße zubringen zu müssen.“ (Weeber 1980, zit. in: Paegelow 2006, S.32)

Es gibt keine präzise Zahl, wie viele betroffen sind. Nach Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe waren 1994 880.000 Menschen ohne Wohnung und davon 45.000 auf der Straße. (Vgl. Kudera/Voß 1996, S. 34)

1996 waren ca. 900.000 Menschen ohne Wohnung und davon ca. 160.000-200.000 Frauen (nach BAG-Wohnungslosenhilfe). Ca. 35.000 Personen leben auf der Straße, davon sind ca. 10-15% Frauen. (Vgl. Macke 2000, S.14)

3. Allgemeine Ursachen von Obdachlosigkeit

Nicht alle Obdachlose leben auf der Straße, viele leben in Unterkünften oder in der Schwebe zur Obdachlosigkeit. Ihnen wird der Verlust ihrer Wohnung angedroht und die meisten Betroffenen sind hilflos. Seit Ende der 1980er Jahre gibt es Wohnungsengpässe, „[…] weil die geburtenstarken Jahrgänge der sechziger Jahre jetzt auf den Wohnungsmarkt drängen, […] weil die Einkommen der Haushalte in den vergangenen Jahren wieder stärker gestiegen sind, so daß die Wohnflächennachfrage pro Kopf unvermindert wächst, […] weil andrerseits der Wohnungsbau in den achtziger Jahren stark zurückgegangen war.“ (Greiff/Wallner 1990, S.11)

Zwar sinkt seit 2006 die Arbeitslosenquote, doch wird diese durch die aktuelle Weltwirtschaftskrise wieder ansteigen, ist die Arbeitslosigkeit eine der häufigsten Ursachen für Obdachlosigkeit, da viele Personen mittellos werden.

So ist das Ende der Karriere oft die Hauptursache von Obdachlosigkeit. „Erwerbslosigkeit, Überschuldung, hohe Unterhaltsverpflichtungen, lang anhaltende Krankheiten etc. sind vielfach ausschlaggebend für Einkommenseinbußen mit unmittelbaren Auswirkungen auf die Chancen, eine Wohnung mieten bzw. auch erhalten zu können.“ (Ansen 1998, S.160) Oftmals findet diese schon Ursachen in der Familie in Form von Gewalt, sexuellem Missbrauch, Aussetzung oder Ausbruch. Zum Beispiel „[…] bei Straßenkids zu beobachten, Heimkarriere, abgebrochene Ausbildung; Scheitern im Beruf, Scheitern von `gerade so eingerichtetem Leben´ mit Jobs, Arbeitslosigkeit, Zusammenbruch der alltäglichen Lebensführung.“(Böhnisch/Funk 2002, S. 286)

Jugendliche und junge Erwachsene lehnen jede Art von sozialpädagogischer Betreuung und Unterbringung ab und ziehen dieser das weniger kontrollierte Leben auf der Straße oder bei Freunden vor. (Vgl. Buchholz 1998, S.31) Die Betroffenen können irgendwann ihren Lebensalltag nicht mehr bewältigen, sie werden zahlungsunfähig und können das Geld für die Miete und andere Lebenskosten nicht mehr aufbringen.

Sobald sie auf der Straße leben müssen, das heißt ohne eigenen Wohnraum sind, kommt es zum Verlust grundlegender menschlicher Bedürfnisse und Rechte. „Gerade für die Wahrnehmung sozialer Kontakte stellt der Besitz einer Wohnung eine bedeutende Voraussetzung dar.“ (Buchholz 1998, S.31)

Doch so verringert sich aber auch die Chance, eine neue Wohnung zu bekommen. Eine andere Ursache ist, dass Betroffene die Wohnung vertragswidrig gebrauchen und es so zu einer Kündigung der Mietwohnung kommt. Ebenso haben bestimmte Personengruppen, etwa Personen, die aus dem Gefängnis, aus Heimen oder anderen Anstalten entlassen werden, ein Problem, eine Wohnung zu finden.

Andere Betroffene flüchten vor der häuslichen Gewalt, dem Missbrauch zu Hause oder vor ständigen Konflikten mit anderen Familienmitgliedern.

„Das Obdachlosenschicksal ist dann das Ende einer Ursachenkette, in der personale, biografische und gesellschaftliche Faktoren zusammenspielen. Obdachlose scheitern an einer Konkurrenzgesellschaft, die sie gern als ihr Strandgut bezeichnet, die diese Karriere mit aufbaut und sich erst um sie kümmert, wenn sie auffällig werden.“ (Böhnisch/Funk 2002, S. 286) Das sozialpädagogische Handeln muss aus den Ursachen abgeleitet werden.

4. Weibliche Obdachlosigkeit

4.1 Spezielle Ursachen für Frauen

„Die obdachlosen Frauen sind lange in ihren Lebenserfahrungen übergangen worden, sie galten bestenfalls als Spielball und Haltepunkt der männlichen Launen und Hilflosigkeiten, schlimmstenfalls als Provokation im Bild der Hexe oder Hure “ (Böhnisch/Funk 2002, S.285). Als Verdienst der feministischen Neuorientierung wissen wir heute mehr über obdachlose Frauen.

Doch Frauen und Jugendliche, sogenannte „Straßenkids“, treten vermehrt auf.

Ursache für betroffene Frauen ist vor allem eine problematische frühkindliche Sozialisationserfahrung, wie das Fehlen einer kontinuierlichen Zuwendung, sexueller Missbrauch, keine geglückte Identifikation mit der Mutter und keine geglückte geschlechtliche Identität, da der soziale Vater fehlte. (Vgl. Macke 2000, S. 22) „Es sind diese zunächst ,nicht erfüllten´ Rollenerwartungen, sei es als Frau von Seiten des (Ehe-)Partners, sei es als Tochter von Seiten der Eltern, eines Elternteils, die zu Konflikten mit der Konsequenz des Wohnungsverlustes führen. Sozialisationsbedingungen, psychische Probleme, abweichende Verhalten … stellen die Weihen für ein Leben …, das häufig mit Wohnungslosigkeit endet. Fehlende oder unzureichende finanzielle Ressourcen konstituieren den dritten wesentlichen Lebensbereich, der den Weg in die Wohnungslosigkeit kanalisiert, verstärkt oder … verursacht.“ (Bremer/Romanus 1990, zit. in Macke 2000, S.23)

„Vor allem ist es die dem Mann untergeordnete Rolle, die zu Obdachlosigkeit führen kann: ökonomische Abhängigkeit von ,Familien´ und minder bezahlte Erwerbsfähigkeit aufgrund unzureichender Ausbildung oder Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Das fehlende oder geringe eigene Erwerbseinkommen erschwert bei Mangel an billigen Wohnungen ein eigenständiges Wohnen. Hinzu kommt die rechtlich ungesicherte Wohnsituation: Bei Verheirateten hat oft nur der Mann den Mietvertrag unterschrieben, so daß der Frau und Kinder ohne weiteres ,aus der Wohnung schmeißen´ kann.“ (Kudera/Voß 1996, S. 37)

„Für Frauen ist Obdachlosigkeit Endpunkt und Ausweg im gesellschaftlichen Armutsrisiko zwischen persönlicher Abhängigkeit, verdeckter Existenzsicherung und Doppelbelastung (vgl. Enders-Dragässer 1997, zitiert in: Böhnisch/Funk 2002, S. 286) Dies führt zu einer öffentlichen und administrativen[1] Entmündigung.

Viele Frauen wollen sich von ihren Abhängigkeits- und Gewaltbeziehungen von Männern lösen. Sie begeben sich schnell in diese Abhängigkeit, weil sie Angst vor abwertender und sexualisierender Gewalt auf der Straße haben. Die meisten Frauen gehen lieber eine Zwangsbeziehung mit Männern ein, bis hin zur Prostitution, als auf der Straße zu landen. Hinzu kommt, dass eine alleinstehende Frau auf der Straße häufig als Provokation gedeutet wird. (Vgl. Böhnisch/Funk 2002, S.285) Doch es gibt auch Frauen, die sich auf der Straße sicherer und wohler fühlen als eine Zwangspartnerschaft einzugehen. Andere Frauen fühlen sich in der Halböffentlichkeit des Obdachlosenmilieus sicherer und beschützter als in der bedrohten Häuslichkeit.

Vier Frauentypen werden also unterschieden. (vgl. Steinert in: Böhnisch/Funk 2002, S.289) Da gibt es zum einen die normalitätsorientierte Frau, welche in die bürgerliche Existenz zurückkehren will. Der Gang zu Hilfesystemen ist dabei ein notwendiges „Übel“, doch sie versuchen damit, den „widrigen äußeren Umständen“ (Böhnisch/Funk 2002, S. 289) zu entkommen, doch sonst grenzen sie sich ab von Hilfeorganisationen, bis auf die Frauen, die sich selbst als hilfebedürftig sehen.

Die institutionen-orientierte Frau richtet ihr Leben entlang von Hilfesystemen aus. (Vgl. Böhnisch/Funk 2002, S.289) Manche von ihnen finden genau in diesem Lebensstil ihre Heimat und machen sich dementsprechend abhängig.

[...]


[1] Administrativ = zur Verwaltung gehörend (Der Duden 1996, S.97)

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Details

Titel
Obdachlosigkeit und deren geschlechtsspezifische Problemstellung
Hochschule
Technische Universität Dresden
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V172561
ISBN (eBook)
9783640924868
ISBN (Buch)
9783640924615
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
obdachlosigkeit, problemstellung
Arbeit zitieren
Antje Urbank (Autor:in), 2011, Obdachlosigkeit und deren geschlechtsspezifische Problemstellung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172561

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