In meiner Hausarbeit soll es vorrangig um die Figur des komischen Harlekin gehen.
In meiner Analyse der Erhaltung bzw. Veränderung dieser Figur habe ich sowohl dessen Heimatland Italien, als auch Frankreich, England und den deutschsprachigen Raum untersucht. Entstanden war der Typus des Harlekin in der italienischen Commedia dell’Arte.
Diese soll nun zunächst etwas näher erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Commedia dell’Arte – ein kurzer Abriss
2. Die Zanni in Italien
2.1. Arlecchino
2.2. Pulcinella
2.3. Colombina
3. Vertreter der „Spaßmacher“ in Frankreich
3.1. Pierrot
3.2. Arlequin
4. Verwandter des Harlekins in England
4.1. Punch
5. Der Harlekin im deutschsprachigen Raum
5.1. Hanswurst
6. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Transformation der komischen Figur des Harlekins und seiner verwandten Typen ausgehend von der italienischen Commedia dell’Arte bis hin zu deren Adaptionen im europäischen Raum, wobei insbesondere die soziokulturellen Hintergründe und die Ausgestaltung der jeweiligen Theaterrollen analysiert werden.
- Historische Herkunft und Charakteristika der Commedia dell’Arte
- Differenzierung der wichtigsten Zanni-Figuren wie Arlecchino, Pulcinella und Colombina
- Kulturelle Transformation des „Spaßmachers“ in Frankreich, England und dem deutschsprachigen Raum
- Die soziologische Bedeutung des Narrentums als Identifikationsfigur für das einfache Volk
Auszug aus dem Buch
2.2. Pulcinella
Der Typ Pulcinella war anfangs eine Jahrmarktsfigur aus Neapel und hielt erst im 18. Jahrhundert Einzug in das venezianische Theater. Sein Name leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet soviel wie Hühnerdieb. Er war ein dummer Bauer aus Neapel und ging, wie Arlecchino eine Arbeit zu finden, in die Stadt um dort einem Herren zu dienen. Er stellt also das neapolitanische Volk dar.
Sein Kostüm bestand aus einer weißen Jacke mit vielen Knöpfen versehen, weiten, weißen Hosen, einem hohen, weißen Hut. Außerdem hatte er eine Art Taschentuch um den Hals. Als er Requisit trug er einen Knüppel bei sich, der auch „Kreditstock“ genannt wurde, den er benutzte um seine Gläubiger zu schlagen anstatt seine Schulden zu bezahlen.
Wie Arlecchino hatte Pulcinella eine schwarze Gesichtsmaske. Dazu eine lange gebogene Nase, vergleichbar mit der eines Vogels, einen großen, struppigen Bart und große Augenbrauen. Weitere Kennzeichen sind sein Buckel und sein dicker Bauch, der zurückzuführen ist auf seine größte Leidenschaft; das Essen. Er zeigte sich „als eine Gestalt, die sich pausenlos für die Ernährung interessiert. Sie kocht und isst, bis sie fast platzt oder ohnmächtig umfällt; und sie trinkt dazu so viel Wein wie nur möglich. Man sieht sie in der Küche beim Zubereiten von Gnocchi, beim Umrühren eines Topfes, beim Anheben eines Deckels, beim Probieren und Servieren.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Commedia dell’Arte – ein kurzer Abriss: Einführung in die Ursprünge des professionellen italienischen Stegreiftheaters im 16. Jahrhundert sowie dessen strukturelle Merkmale.
2. Die Zanni in Italien: Analyse der wichtigsten Diener-Typen der Commedia dell’Arte, speziell Arlecchino, Pulcinella und Colombina.
3. Vertreter der „Spaßmacher“ in Frankreich: Untersuchung der Transformation italienischer Figuren zu französischen Typen wie Pierrot und Arlequin unter dem Einfluss des Pariser Theaters.
4. Verwandter des Harlekins in England: Darstellung der Figur des Punch als englische Weiterentwicklung des neapolitanischen Pulcinella.
5. Der Harlekin im deutschsprachigen Raum: Untersuchung des Hanswurst als populäre Identifikationsfigur im deutschsprachigen Theater und dessen Verdrängung durch das Kasperle.
6. Schlusswort: Resümee über die Gemeinsamkeiten der untersuchten Narrenfiguren als Vertreter der sozialen Unterschicht und deren Funktion als Sprachrohr für das einfache Volk.
Schlüsselwörter
Commedia dell’Arte, Harlekin, Arlecchino, Pulcinella, Colombina, Pierrot, Arlequin, Punch, Hanswurst, Stegreifkomödie, Zanni, Theatergeschichte, Kasperle, Volksstück, Maskenspiel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung und die unterschiedlichen Ausprägungen der komischen Figur des Harlekins und seiner Verwandten innerhalb des europäischen Theaters.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Ursprünge in der italienischen Commedia dell’Arte sowie die spezifischen Adaptionen der Narren- und Dienerrollen in Frankreich, England und Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll aufgezeigt werden, wie sich die Typen der komischen Diener über Jahrhunderte hinweg verändert haben und welche soziokulturelle Funktion sie als Identifikationsfiguren für das einfache Volk einnahmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine literatur- und kulturhistorische Analyse, um die Transformation der Theaterfiguren basierend auf Fachliteratur zu belegen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil fokussiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung spezifischer Figuren (z.B. Arlecchino, Pierrot, Hanswurst) in ihren jeweiligen nationalen Kontexten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Commedia dell’Arte, Zanni, Stegreifkomödie, Narrenfiguren und die soziokulturelle Verortung der Figuren im einfachen Volk.
Warum war der „Kreditstock“ für die Figur Pulcinella so wichtig?
Der Knüppel diente ihm als Requisit, um Gläubiger gewaltsam abzuwehren, anstatt seine Schulden zu begleichen, was seinen komischen und ungebundenen Charakter unterstreicht.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Pierrot von der des frühen Harlekins?
Während der frühe Harlekin durch Vitalität und Maskerade glänzte, entwickelte sich der Pierrot in Frankreich zu einer melancholischen, einsamen und pantomimisch agierenden Figur.
Warum wurde der Hanswurst im deutschsprachigen Raum schließlich vom Kasperle verdrängt?
Der Hanswurst-Streit markierte den Wunsch nach einem reformierten, „gereinigten“ Theater, wobei das Kasperle als neue, familientauglichere Identifikationsfigur des Puppenspiels fungierte.
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- Alida Ziehm (Autor), 2007, Der Harlekin und seine Verwandten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172585