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Anhand von Siri´s Geschichte beschreibt Bales in „Neue Sklaverei“ die unvorstellbaren Torturen denen unzählige Mädchen in Thailand im Prostitutionsgewerbe ausgesetzt sind. Rapide Globalisierung in Thailand hat sich in den letzten Jahren unter anderem durch massive Arbeitsmigration vom ländlichen Norden in die Hauptstadt Bangkok sowie das Ausland bemerkbar gemacht. Eine tragische Komponente dessen, ist das Phänomen des Menschenhandels von thailändischen Frauen und Mädchen, von denen viele, teils „freiwillig“, teils jedoch auch als versklavte Zwangsarbeiterinnen, im Prostitutionsgewerbe arbeiten. Armut sowie geringe Bildung werden oft als Schlüsselkomponenten für diese triste Realität gennant, jedoch stammen nicht alle der Mädchen aus armen Familien. Unter vielen Faktoren spielen der wirtschaftliche Aufschwung Thailands sowie „seine Machokultur“ (Bales 2005: 55) eine wesentliche Rolle am großen Erfolg der thailändischen Sexindustrie. Kultureller und gesellschaftlicher Hintergrund fusionieren sich mit anderen Faktoren auf übermächtige Weise, und tragen zum tragischen Schicksal unzähliger Mädchen und Frauen bei, von denen Siri nur ein trauriges Einzelschicksal darstellt.
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Inhaltsverzeichnis
-Einleitung-
-Definitionen zu „Kinderarbeit“ und „Personenhandel“-
-Reis auf dem Feld, Fische im Fluss, Töchter im Bordell-
-Zu Taylor´s Feldforschung-
-Betrachtungsweisen kommerzieller Sexarbeit-
-Zahlen, Interventionsprojekte und Gründe für deren systematische Analyse -
-Feudalismus und Sklaverei in der Geschichte Lanna Thais-
-Religion als Relevanzfaktor-
-Familiäre Rollenbilder-
-Elterliche Motivationen hinter der risikoreichen Arbeit ihrer Kinder-
-Wirtschaftlicher und reproduktiver Erfolg-
-Demographische Verschiebungen-
-Schluss-
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die komplexen sozioökonomischen, historischen und religiösen Hintergründe der kommerziellen Sexarbeit und des Menschenhandels im Norden Thailands, wobei der Fokus auf den Motivationen von Familien und den strukturellen Bedingungen liegt, die diese Phänomene begünstigen.
- Analyse der sozioökonomischen Ursachen von Kinderarbeit und Sexsklaverei.
- Untersuchung historischer Einflüsse des Feudalismus und der Schuldknechtschaft.
- Bedeutung religiöser Konzepte (Karma, Buddhismus) für die Wahrnehmung von Prostitution.
- Rolle familiärer Erwartungen und Rollenbilder innerhalb der thailändischen Gesellschaft.
- Vergleich der Positionen von Kevin Bales und Lisa Rende Taylor zu diesem Thema.
Auszug aus dem Buch
-Betrachtungsweisen kommerzieller Sexarbeit-
Wie sehen, und beurteilen Dorfbewohner im Norden Thailands die Arbeit als (oftmals unfreiwillige) Prostituierte? Taylor ist dieser Frage während ihrer Feldforschung nachgegangen. „The problem isn´t that our daughter sells her body (khai tua), it´s that we have no food to eat“ (Taylor 2005: 416) war die Aussage eines Vaters bezüglich der Thematik. Aus dieser Perspektive überwiegt die filiale Pietät der Tochter jegliches Stigma. Taylor erwähnt andere Wissenschaftler wie in etwa Peracca, Knodel und Saengtienchai (1998), welche ebenfalls von einer starken Abwesenheit eines Stigmas gegen frühere kommerzielle Prostituierte in diversen Regionen Thailands berichteten, obwohl die Prostituierten generell doch eher dazu neigen die Reputation einer „schlechten Frau mit Krankheiten“ zu haben (Peracca et.al 2005). „I don´t have a problem marrying a rich woman“ (Taylor 2005: 416) berichtete einer von Taylor´s Interviewpartnern, was seitens der potentiellen Ehemänner auf die Vorliebe für den angehäuften „Reichtum“ hinweist, den viele Frauen mitbringen wenn sie in ihr Dorf zurückkehren, sowie wiederum die Absenz eines etwaigen Stigmas gegenüber den Frauen aufdeckt und zeigt, dass die Bedeutung von finanziellem Wohlstand in jedem Fall überwiegt.
Zusammenfassung der Kapitel
-Einleitung-: Einführung in die Problematik anhand eines Einzelschicksals sowie Vorstellung der theoretischen Basis durch die Werke von Bales und Taylor.
-Definitionen zu „Kinderarbeit“ und „Personenhandel“-: Erläuterung der rechtlichen Rahmenbedingungen und internationalen Konventionen zur Definition von Kinderarbeit und Menschenhandel.
-Reis auf dem Feld, Fische im Fluss, Töchter im Bordell-: Darstellung der sozioökonomischen Disparitäten zwischen dem armen Norden und dem wohlhabenden Süden Thailands als Schlüsselfaktor.
-Zu Taylor´s Feldforschung-: Analyse von Taylors Feldforschungsdaten aus zwei nordthailändischen Dörfern hinsichtlich Migrationsmustern und ökonomischer Verhältnisse.
-Betrachtungsweisen kommerzieller Sexarbeit-: Diskussion über die Wahrnehmung und das soziale Stigma der Prostitution innerhalb der dörflichen Gemeinschaften.
-Zahlen, Interventionsprojekte und Gründe für deren systematische Analyse -: Überblick über Statistiken, Präventionsprogramme und die Notwendigkeit einer differenzierten Analyse jenseits der reinen Armutsdebatte.
-Feudalismus und Sklaverei in der Geschichte Lanna Thais-: Betrachtung historischer Herrschaftsstrukturen wie des Sakdina-Systems und deren Einfluss auf moderne soziale Organisationsformen.
-Religion als Relevanzfaktor-: Analyse der Rolle des theravada-buddhistischen Glaubens und Konzepten wie Karma für die Rechtfertigung und Toleranz gegenüber Prostitution.
-Familiäre Rollenbilder-: Untersuchung der soziokulturellen Erwartungen an Töchter und Söhne im Kontext von Familienpflichten und ökonomischem Überleben.
-Elterliche Motivationen hinter der risikoreichen Arbeit ihrer Kinder-: Beleuchtung der Strategien ärmerer Familien und elterlicher Entscheidungsfindungen im Umgang mit riskanten Arbeitsplätzen ihrer Kinder.
-Wirtschaftlicher und reproduktiver Erfolg-: Anwendung von Verhaltensforschungstheorien zur Erklärung elterlicher Investitionsentscheidungen in Thailand.
-Demographische Verschiebungen-: Untersuchung der Auswirkungen des demographischen Wandels und sinkender Fertilitätsraten auf die ökonomische Rolle der Kinder in der Familie.
-Schluss-: Zusammenfassende Betrachtung der multifaktoriellen Hintergründe des Phänomens und Einordnung in den Kontext der Modernisierung Thailands.
Schlüsselwörter
Prostitution, Menschenhandel, Thailand, Nordthailand, Kinderarbeit, Sexsklaverei, Armut, Buddhismus, Soziokulturelle Hintergründe, Migration, Lanna, Familienpflichten, Schuldknechtschaft, ökonomischer Aufschwung, Verhaltensforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen und Hintergründe der Prostitution und des Menschenhandels im Norden Thailands unter Berücksichtigung historischer, sozioökonomischer und religiöser Faktoren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle der Armut, kulturelle Rollenbilder, buddhistische Konzepte, die Geschichte der Schuldknechtschaft und die wirtschaftliche Dynamik der thailändischen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein holistisches Verständnis für die Entstehung der Sexindustrie in Thailand zu entwickeln, das über die bloße Erklärung durch Armut hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich zweier zentraler Studien von Kevin Bales und Lisa Rende Taylor.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu Definitionen, Feldforschungsergebnissen, historischem Feudalismus, religiösen Aspekten, Familienstrukturen und elterlichen Motivationsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Menschenhandel, Sexsklaverei, ökonomische Disparitäten, Lanna-Geschichte, Karma und familiäre Verpflichtungen.
Warum spielt der Feudalismus für das heutige Thema eine Rolle?
Historische Strukturen wie das Sakdina-System und die legale Praxis der Schuldknechtschaft haben das soziale Gefüge und die Sichtweise auf den Menschen als „Ressource“ bis heute geprägt.
Inwiefern beeinflusst der Buddhismus die Wahrnehmung von Sexarbeit?
Das Konzept von Karma und die Bewertung des Leids führen teilweise zu einer Hinnahme der Lebensumstände, während buddhistische Texte historisch sogar eine Einteilung der Prostituierten vornahmen.
- Arbeit zitieren
- Katharina Eder (Autor:in), 2008, Prostitution und Sexsklaverei im nördlichen Thailand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172607