Prostitution und Sexsklaverei im nördlichen Thailand

Fakten und Hintergründe


Seminararbeit, 2008
20 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

-Einleitung-

-Definitionen zu „Kinderarbeit“ und „Personenhandel“-

-Reis auf dem Feld, Fische im Fluss, Töchter im Bordell-

-Zu Taylor´s Feldforschung-

-Betrachtungsweisen kommerzieller Sexarbeit-

-Zahlen, Interventionsprojekte und Gründe für deren systematische Analyse -

-Feudalismus und Sklaverei in der Geschichte Lanna Thais-

-Religion als Relevanzfaktor-

-Familiäre Rollenbilder-

-Elterliche Motivationen hinter der risikoreichen Arbeit ihrer Kinder-

-Wirtschaftlicher und reproduktiver Erfolg-

-Demographische Verschiebungen-

-Schluss-

Literaturverzeichnis

-Einleitung-

„Gegen Mittag wacht Siri auf. Kaum ist sie wach, wird ihr erneut bewusst, was aus ihr geworden ist. Wie sie mir erklärt, erinnern die Schmerzen im Genitalbereich sie an die fünfzehn Männer, mit denen sie in der vergangenen Nacht Sex hatte. Siri ist fünfzehn Jahre alt. Vor einem Jahr haben ihre Eltern sie verkauft; allmählich wehrt sie sich nicht mehr, sehnt sich nicht mehr verzweifelt danach, aus dem Bordell zu entkommen. Inzwischen hat sie sich mit ihrer Situation abgefunden, hat resigniert. […] Viele Männer suchen sich Siri aus, da sie viel jünger aussieht, als sie in Wirklichkeit ist. Das zierliche Mädchen mit dem rundlichen Gesicht kleidet sich so, dass sie auch als Elf-oder Zwölfjährige durchgehen könnte. Da sie wie ein Kind aussieht, kann sie als „neues“ Mädchen teurer verkauft werden, nämlich für etwa $15, mehr als das Doppelte des Preises für die anderen Mädchen. Siri hat große Angst sich mit Aids anzustecken. Lange bevor sie verstand, was Prostitution eigentlich bedeutet, wusste sie über HIV Bescheid- viele Mädchen aus ihrem Dorf, die man in Bordelle verkauft hat, waren nach Hause zurückgekehrt, um dort an Aids zu sterben. […] Bedienen sich Polizisten oder der Zuhälter Siris, machen sie, wozu sie gerade Lust haben; besteht sie auf den Gebrauch von Kondomen, wird sie geschlagen und vergewaltigt“ (Bales 2000: 52,54).

Anhand von Siri´s Geschichte beschreibt Bales in „Neue Sklaverei“ die unvorstellbaren Torturen denen unzählige Mädchen in Thailand im Prostitutionsgewerbe ausgesetzt sind. Rapide Globalisierung in Thailand hat sich in den letzten Jahren unter anderem durch massive Arbeitsmigration vom ländlichen Norden in die Hauptstadt Bangkok sowie das Ausland bemerkbar gemacht. Eine tragische Komponente dessen, ist das Phänomen des Menschenhandels von thailändischen Frauen und Mädchen, von denen viele, teils „freiwillig“, teils jedoch auch als versklavte Zwangsarbeiterinnen, im Prostitutionsgewerbe arbeiten. Armut sowie geringe Bildung werden oft als Schlüsselkomponenten für diese triste Realität gennant, jedoch stammen nicht alle der Mädchen aus armen Familien. Unter vielen Faktoren spielen der wirtschaftliche Aufschwung Thailands sowie „seine Machokultur“ (Bales 2005: 55) eine wesentliche Rolle am großen Erfolg der thailändischen Sexindustrie. Kultureller und gesellschaftlicher Hintergrund fusionieren sich mit anderen Faktoren auf übermächtige Weise, und tragen zum tragischen Schicksal unzähliger Mädchen und Frauen bei, von denen Siri nur ein trauriges Einzelschicksal darstellt.

Lisa Rende Taylor beschäftigt sich in ihrem Artikel „Dangerous Trade-offs. The Behavioral Ecology of Child Labor and Prostitution in Rural Northern Thailand“ mit der Frage, welche Mädchen häufig der Sexindustrie zum Opfer zu fallen, sowie den Hintergründen dieses Phänomens, in dem sich die Mädchen nicht selten als Sklavinnen in einem Bordell in Bangkok oder im Ausland wiederfinden. Die spezifische Forschungsfrage Taylor´s Studie ist welche nordthailändischen Mädchen nun häufig in risioreiche Arbeitsverhältnisse eintreten, sowie die Hintergründe für diesen Schritt.

Während Taylor sich mit generell mit der Thematik Prositution in Thailand auseinandersetzt, bezugnehmend sowohl auf „freiwillige“ als auch auf „versklavte“ Sexarbeit, beschäftigt sich Bales im Kapitel „Thailand: Weil sie aussieht wie ein Kind“ ausschließlich mit Sexsklaverei, sowie der Frage, wie es möglich ist, dass sich der boomende Handel mit versklavten Mädchen ständig fortsetzt und welche Menschen und Mächte ihn in Bewegung halten. Sowohl Bales als auch Taylor beleuchten also die Hintergründe zu diesen Fragen, und weisen darauf hin, dass die Antworten darauf komplizierter sind als man zunächst vielleicht meinen möchte.

Im Folgenden möchte ich auf selektierte Bereiche der beiden Artikel näher eingehen, und im Vergleich neben kontemporären Tatsachen und Fakten vor allem auch historische Hintergründe erläutern, unter denen sich die boomende Sexindustrie in Thailand nach und nach so entwickeln konnte, wie man sie heute, tragischerweise, vorfindet.

-Definitionen zu „Kinderarbeit“ und „Personenhandel“-

Zunächst möchte ich noch kurz auf einige Definitionen eingehen, denen sich Taylor zu Beginn ihrer Studie widmet. Zu den Themen „Kinderarbeit“ und „Kinderhandel“ folgen die Definitionen in ihrer Analyse den ILO Konventionen 138 bezüglich „Mindestalter“ (1973), und 182 bezüglich der schlimmsten Formen von Kinderarbeit (1999), den UN Konventionen bezüglich der Rechte des Kindes (1989), und den UN Protokollen bezüglich der Prävention, Unterdrückung und Bestrafung von Personenhandel, im Speziellen Frauen und Kinder (2002). Diese Konventionen definieren ein Kind als Person unter 18. Die Arbeit von „ökonomisch aktiven“ Kindern ist unterteilt in „leichte Arbeit“ und „risikoreiche Arbeit“. „Risikoreiche Arbeit“ wird von „leichter“ Arbeit hinsichtlich der Intensivität oder Exzessivität des Arbeitsaufwands differenziert, welcher die Gesundheit, die Sicherheit, sowie die Entwicklung eines Kindes gefährden können. Die gravierendsten Formen von Kinderarbeit inkludieren Kinderhandel, erzwungene oder versklavte Arbeit, bewaffnete Konflike, kommerzielle Sexarbeit und Pornographie. Die Konventionen erlauben 14 Stunden pro Woche an „leichter“ Arbeit für Kinder von 12 bis 14, und eine unbegrenzten Anzahl an Stunden an „leichter“ Arbeit für Kinder von 15 bis 17. Sie erlaubt keine ökonomischen Aktivitäten für Kinder unter 12. „Kinderarbeit“ ist daher entweder jegliche ökonomische Aktivität, welche von einen Kind unter 12 ausgeführt wird, mehr als 14 Stunden pro Woche an „leichter“ Arbeit welche von einem Kind von 12 bis 14 ausgeführt wird, oder „risikoreiche Arbeit“ welche von einem Kind unabhängig von seiner Altersklasse ausgeführt wird.

Die Definition von „Personenhandel“ wird im UN „Trafficking Protocol“ (Article 3) wie folgt beschrieben: „the recruitment, transportation, transfer, harbouring or receipt of persons, by means of the threat or use of force or other forms of coercion, of abduction, of fraud, of deception, of the abuse of power or of a position of vulnerability or of the giving or receiving of payments or benefits to achieve the consent of a person having control over another person, for the purpose of exploitation. Exploitation shall include, as a minimum, the exploitation of the prostitution of others or other forms of sexual exploitation, forced labour or services, slavery or practices similar to recruitment, transfer, harbouring or receipt of a child for the purpose of exploitation shall be considered „trafficking in persons“, even if this does not involve any of the means set forth [above]“ (Taylor 2005: 412).

-Reis auf dem Feld, Fische im Fluss, Töchter im Bordell-

Sowohl Taylor als auch Bales legen in ihren Berichten sozioökonomische Bedingungen Thailands dar, und weisen auf die gravierenden Differenzen zwischen dem fruchtbaren, reichen Süden, und dem bergigen, ärmeren Norden Thailands hin. In dem nördlichen Gebiet das ursprünglich nicht zu Thailand gehörte, ist der Einfluss Burmas stark zu spüren. Die Mühsal vieler Menschen die höher in den Wäldern leben, unterscheidet sich stark von der Lebensweise in den qualitativ besseren Gegenden. Unter anderem stellt dies einen wichtigen Schlüsselfaktor zum Boom der Sexindustrie in Thailand dar, zumal viele Menschen über Jahrhunderte dazu gezwungen waren, ihre Kinder als Handelsware zu betrachen um zu überleben. Wie Taylor jedoch aufzeigt, ist Armut nicht der einzige Faktor der als Schlüsselkomponente herangezogen werden kann, worauf später noch im Detail eingegangen wird.

-Zu Taylor´s Feldforschung-

Während einer 14-montigen Studie in zwei nordthailändischen Dörfern, untersuchte Taylor unter anderem Investitionen der Eltern, religiöse Hintergründe, sowie familiäre Rollenbilder in Zusammenhang mit Prostitution und Menschenhandel. Jene zwei Dörfer die sie aus Vertrauensgründen „Chiang Mai Village“ und „Phayao Village“ nennt, weisen beide ungefähr 150 Haushalte auf, mit einer vergleichbaren Anzahl an bäuerlichen Aktivitäten. Einer der beiden Orte ist näher gelegen zum kulturellen und ökonomischen Zentrum Chiang Mai, mit einem relativ geringen Level an Migration. Der andere, mit einem signifikant hohen Leven an Migration befindet sich im Dok Kham Tia Bezirk in der Phayao Provinz, und stellt eine unglaublich große Quelle an kommerziellen Sexarbeiterinnen für Bangkok dar. Phayao ist eine der ärmsten von Thailand´s 76 Provinzen, gekennzeichnet von geringer Urbanisierung und wenig ökonomischen Aktivitäten, abgesehen von den zwei Drogen- und Menschenhandelsrouten die dort zusammentreffen. Die beiden Routen entspringen in der Yunnan Provinz im südwestlichen China, wobei eine durch den Shan Staat in Burma, und die andere durch das nord-westliche Laos läuft, bevor sie sich in Thailand fortsetzen. Diese Gegend wird auch als das „Golden Triangle“ bezeichnet. Das Dorf Phayao hat also eine höhere Rate an Abwanderung, und in den meisten Dörfern ist die Migration auf Grund der Disparität hinsichtlich der ökonomischen Entwicklung zwischen Bangkok und den nördlichen Provinzen angestiegen. Direkt rund um Chiang Mai hat die Migration nach Bangkok seit den 60er Jahren abgenommen, vermutlich wegen den zunehmenden Möglichkeiten in der Chiang Mai City, während der „Phayao-Fluss“ nach Bangkok zugenommen hat, im Speziellen durch Frauen. Im Großen und Ganzen ist festzustellen, dass der Fluss an MigrantInnen von den zwei Dörfern die Taylor beschreibt sich rapide „feminisiert“ hat während der fulminanten Entwicklungsära der letzten Jahre. Wohlstand der Eltern war bei Taylor´s Studie nicht signifikant, da sie weder Armut noch Mangel an Bildung als die vorrangig treibenden Schlüsselkräfte hinter risikoreicher Sexarbeit sowie dem Handel mit thailändischen Kindern und Jugendlichen sieht (cf.Taylor 2005)

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Prostitution und Sexsklaverei im nördlichen Thailand
Untertitel
Fakten und Hintergründe
Hochschule
Universität Wien
Note
1
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V172607
ISBN (eBook)
9783640925988
ISBN (Buch)
9783640925940
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
prostitution, sexsklaverei, thailand, fakten, hintergründe
Arbeit zitieren
Katharina Eder (Autor), 2008, Prostitution und Sexsklaverei im nördlichen Thailand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172607

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