Die Frühe Neuzeit im Werk Wilhelm Roschers


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

18 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wilhelm Georg Friedrich Roscher
2.1 Kurzbiographie
2.2 Bedeutung Roschers für die Ältere Historische Schule

3 Das Konzept des Absolutismus nach Roscher
3.1 Die Entwicklung des Begriffs des „Aufgeklärten Absolutismus“
3.2 Roschers Verständnis der Staatsformen
3.3 Die einzelnen Phasen des Absolutismus nach Roscher

4 Roschers Absolutismusbegriff in der Forschung
4.1 Das Stufenmodell
4.2 Aufgeklärter Absolutismus als höchste oder abgeschwächte Stufe der Macht
4.3 Der Begriff des Aufgeklärten Absolutismus

5 Fazit

6 Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frühen Neuzeit im Werk Wilhelm Roschers. Für die Geschichtswissenschaft ist der Nationalökonom Roscher vor allem durch die „Erfindung“ des Begriffs des „Aufgeklärten Absolutismus“ bedeutsam, der sich als Epochenbezeichnung, wiewohl bis heute umstritten, durchgesetzt hat. Dabei soll vor allem untersucht werden, wie sich die Idee des Aufgeklärten Absolutismus bei Roscher entwickelte und welche Wirkungen sie auf die historische Forschung hat und hatte.

Zu Beginn der Arbeit steht ein kurzer Abschnitt, der sich mit der Person Roschers, seinem Leben und seinem Hintergrund beschäftigt. Dabei wird auch die Ältere Historische Schule, deren prominentester Vertreter Roscher war, kurz skizziert und unter dem Aspekt der Bedeutung Roschers für ihre Entwicklung beleuchtet. Von früheren Versuchen, sich dem Absolutismus begrifflich zu nähern, ausgehend, wird die Entstehung des Absolutismusbegriffs bei Roscher dargestellt sowie seine Einteilung der Epoche in mehrere Stufen skizziert. Daran schließt sich eine Darstellung der Kritikpunkte an Roschers Stufenmodell an, ein kurzer Abriss der Debatte, ob der Aufgeklärte Absolutismus eine gesteigerte oder abgeschwächte Form des Absolutismus darstellt, und zuletzt ein kurzer Überblick über die Kontroversen um den Terminus „Aufgeklärter Absolutismus“. Die Arbeit endet mit einem kurzen Fazit.

Von Roschers umfangreichen Werk sollen im Rahmen dieser Arbeit nur sein 1847/48 erschienener Aufsatz „Umrisse zur Naturlehre der drei Staatsformen“1 und sein Spätwerk „Politik. Geschichtliche Naturlehre der Monarchie, Aristokratie und Demokratie“2 herangezogen werden. Grundlegende Aufsätze zum Thema Aufgeklärter Absolutismus finden sich bei Koser3, Hintze4 und Hartung.5 Der Sammelband „Der Aufgeklärte Absolutismus“ von Aretin6 dokumentiert den Forschungsstand Mitte der 70er Jahre und zeigt die Auseinandersetzung sowohl mit den politischen, verfassungs- als auch sozialgeschichtlichen Problemen der Epoche, Scott7 leistet dasselbe für den Forschungsstand der 80er Jahre, unter besonderer Berücksichtigung des angloamerikanischen Forschungsstandes.

2 Wilhelm Georg Friedrich Roscher

2.1 Kurzbiographie

Wilhelm Georg Friedrich Roscher, Nationalökonom und (Mit-)Begründer der Älteren Historischen Schule, wurde am 21. Oktober 1817 in Hannover geboren. Er entstammte einer lutherischen Beamtenfamilie.8 Nach dem Tod seines Vaters, eines Oberjustizrates, im Jahre 1827 zeigte sich neben der Mutter der Theologe Ludwig Adolf Petri für die Erziehung Roschers verantwortlich.9 In dieser Zeit wurde sein religiöses Empfinden ausgebildet.10 Wilhelm Roscher genoss eine humanistische Bildung am Lyzeum und besuchte ab Herbst 1836 die Universität. Hier hörte er im Rahmen seines Geschichts-, Philosophie- und Philologiestudiums u.a. die Historiker Friedrich Christoph Dahlmann (1675-1860) und Georg Gottfried Gervinius (1805-1871). Am 10. September 1830 promovierte er mit „De historicae doctrinae apud sophistas maiores vestigiis“. Anschließend verbrachte er einige Zeit an der Universtiät in Berlin, wo er u.a. Leopold von Ranke (1795-1886) hörte, dessen lutherischer Grundeinstellung er sich eng verbunden fühlte.11 1840 habilitierte er sich für Geschichte und Staatswissenschaften an der Universität Göttingen und erhielt eine Anstellung als Privatdozent. Zwei Jahre später veröffentlichte er “Leben, Werk und Zeitalter des Thukydides”, worin er bereits den Kern seiner historischen Wissenschaftslehre legte, bevor er sich hauptsächlich den in Göttingen seit jeher umfassend gepflegten Staatswissenschaften zuwandte. Dabei hielt er vor allem Vorlesungen über Staatswirtschaft, Geschichte der politischen Theorien, Politik und Statistik sowie Finanzen.12

1843 veröffentliche Roscher den “Grundriß zu Vorlesungen über de Staatswirthschaft. Nach geschichtlicher Methode”. Im gleichen Jahr wurde er zum außerordentlichen, 1844 zu ordentlichen Professor ernannt. 1848 wurde er an die Universität Leipzig berufen, wo er trotz zahlreicher Rufe bis zu seinem Tod am 4. Juli 1894 verblieb und ein zurückgezogenes Leben führte. Er las vorwiegend zur Volkswirtschaftspolitik, die er später als “praktische Nationalökonomie und Wirtschaftspolizei” bezeichnete.13 Heute wird Roscher als “einer der herausragenden und einflußreichsten Charaktere im Deutschland des 19. Jahrhunderts”14 bezeichnet.

2.2 Bedeutung Roschers für die Ältere Historische Schule

Wilhelm Roscher gilt als einer der führenden Vertreterteilweise sogar als der führende Vertreter der Älteren Historischen Schule der Nationalökonomie. Weitere bedeutende Vertreter waren Bruno Hildebrand (1812-1878) und Karl Knies (1821-1898).15 Die Ältere Historische Schule wurde zum Einen entscheidend durch die Ausbildung und Vertiefung historischer Forschungsprinzipien in der Geschichtswissenschaft selbst, z.B. durch Leopold von Ranke, beeinflusst, knüpfte aber auch direkt an die historische Rechtsschule unter Friedrich Carl von Savigny (1779-1861) und Carl Friedrich Eichhorn (1781-1854) an. Außerdem fanden, wenn auch in geringem Maße, die idealisierte Geschichtsphilosophie Herders und die historischen Sprachwissenschaften unter der Leitung Jacob Grimms (1785-1863) Eingang in das Werk der Älteren Historischen Schule.16

Die Vertreter der Älteren Historischen Schule werden gleichzeitig als Anhänger und Kritiker der klassischen Ökonomie bezeichnet. Nach Rieter war es ihr Ziel, die neue englische Lehre mit der deutschen, wirtschaftswissenschaftlichen Tradition zu verbinden.17 Muhs stimmt ihm dabei vor allem in Hinblick auf Roscher zu, der seiner Meinung nach der theoretischen Methode der Nationalökonomie nicht per se ablehnend gegenüber gestanden hat, sondern ihre Untermauerung und Ergänzung durch vertiefte historische Forschung forderte.18 Roscher ist es auch, der mit seinem „Grundriß zu Vorlesungen über die Staatswirthschaft. Nach geschichtlicher Methode“ die „Programmschrift“ der Älteren Historischen Schule verfasste. Diese bildete die Grundlage für sein fünfteiliges „System der Volkswirtschaft. Ein Hand- und Lesebuch für Geschäftsmänner und Studierende“, das zwischen 1854 und 1894 entstand und im deutschsprachigen Raum bis zur Jahrhundertwende maßgeblich blieb, ja sogar die amerikanischen Wirtschaftswissenschaften beeinflusste.19

Roscher betont, dass in der Forschung die Fokussierung und Verallgemeinerung auf eine einzige Wirtschaftsperiode und einziges Wirtschaftsprinzip vermieden werden müsse. Er fasste die Wirtschaftslehre vielmehr als Lehre von den Entwicklungsgesetzen der Volkswirtschaft auf, und sah es als seine vordringlichste Aufgabe an, die Stufen der wirtschaftlichen Entwicklung freizulegen und ihre Abfolge historisch zu erklären,20 er strebte also nach der Entwicklung einer wirtschaftlichen Stufenlehre, einer Zyklustheorie.21

Diesem Gedankengang folgte auch Bruno Hildebrand, der in seiner „Nationalökonomie der Gegenwart und Zukunft“ (1848), von der jedoch nur der erste Band angefertigt wurde, ausführt, dass es keine „Weltökonomie“ geben könne, sondern die Nationalökonomie den speziellen Eigenheiten der Völker Rechnung tragen müsse. Damit mündet auch seine Theorie in eine Wirtschaftsstufenlehre, in der die Entwicklung vom Naturaltausch über die Geld- bis zur Kreditwirtschaft beschrieben wird. Darüber hinaus machte sich Hildebrand vor allem durch sein Bemühen um eine neue historische Forschungsmethode einen Namen, wobei er besonders die Statistik als geeignetes Werkzeug ansah.

[...]


1 Roscher, Wilhelm: Umrisse zur Naturlehre der drei Staatsformen. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft Band 7 (1847), S.79-87, S.322-365, S.436-473; Band 9 (1848), S. 285-325, S.381-414.

2 Roscher, Wilhelm: Politik. Geschichtliche Naturlehre der Monarchie, Aristokratie und Demokratie. Stuttgart 1892.

3 Koser, Reinhold: Die Epochen der absoluten Monarchie in der neueren Geschichte. In: Historische Zeitschrift. Band 61 (1889), S.246-287.

4 Hintze Otto: Roschers politische Entwicklungstheorie. In: Schmollers Jahrbuch, Jg. XXI, Heft 3 (1897), S.1-45.

5 Hartung, Fritz: Der aufgeklärte Absolutismus. In: Historische Zeitschrift. Band 180 (1955). S.15-42.

6 Aretin, Karl Otmar Freiherr von (Hg.): Der aufgeklärte Absolutismus. Köln 1974.

7 Scott, Hamish M. (Hg.), Enlightened absolutism. Reform and reformers in later eighteenth-century Europe. Ann Arbor 1990.

8 Weiterführende Informationen über Roschers Familie finden sich bei Kunz, Heinz: Roscher 1) Wilhelm Georg Friedrich. In: Hackerts, Hans Günther (Hg): Neue Deutsche Biographie, Band 22, Berlin 2005, S.39 41.

9 Vgl. Bücher, Karl: Roscher, Wilhelm. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Band 53, München 1907, S.486-492. Hier S.486.

10 Zum pietistischen Element im Leben und Werk Roschers vgl. Petersen, Tim: Wilhelm Roscher und seine pietistischen Ursprünge. Vortrag auf Tagung "Wirtschaft-Religion-Gesellschaft" der Evanglischen Akademie Tutzing, am 8-10.3.2006. In: http://www.ev-akademie-tutzing.de/doku/programm/get_it.php?ID=428, eingesehen am 1.12.2007.

11 Vgl. Eisermann, Gottfried: Die Grundlagen des Historismus in der deutschen Nationalökonomie. Stuttgart 1956. S.125.

12 Vgl. Betz, Horst: Roscher, Wilhelm (Georg Friedrich). In: Killy, Walther/ Vierhaus, Rudolf (Hg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE), Band 8, München 1998, S.385f.; vgl. auch Bücher, Karl: Roscher, Wilhelm (1907), S.486.

13 Vgl. Bücher, Karl: Roscher, Wilhelm (1907), S.486.

14 Kunz, Heinz: Roscher 1) Wilhelm Georg Friedrich (2005), S.41.

15 Vgl. Rieter, Heinz: Historische Schulen. In: Issing, Otmar (Hg.): Geschichte der Nationalökonomie. 4., überarbeitete und ergänzte Auflage München 2002, S.131-168. Hier S.142; Brandt zählt außerdem noch den österreichisch-ungarischen Professor und späteren Nationalbankgouverneur Julius Katz (1829-1909) zu den Hauptvertretern der Älteren Historischen Schule, weitere Vertreter finden sich bei Brandt, Karl: Geschichte der deutschen Volkswirtschaftslehre. Band 2: Vom Historismus bis zur Neoklassik. Freiburg im Breisgau 1993. S.63-68.

16 Vgl. Brandt, Karl: Geschichte der deutschen Volkswirtschaftslehre (1993), S.47f.

17 Vgl. Rieter, Heinz: Historische Schulen (2002), S. 143.

18 Vgl. Muhs, Karl: Kurzgefaßte Geschichte der Volkswirtschaftslehre. Hauptströmungen der Nationalökonomie. Wiesbaden 1955. S.117.

19 Vgl. Rieter, Heinz: Historische Schulen (2002), S. 143. Scott weist allerdings daraufhin, dass Roschers „impact outside Germany and on Anglo-american scholarship in particular has been surprisingly limited“; Vgl. Scott, Hamish M. (Hg.), Enlightened absolutism (1990), S.7.

20 Vgl. Rieter, Heinz: Historische Schulen (2002), S.143.

21 Vgl. Brandt, Karl: Geschichte der deutschen Volkswirtschaftslehre (1993), S.53.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Frühe Neuzeit im Werk Wilhelm Roschers
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Geschichte - Neuere Geschichte)
Veranstaltung
Reformabsolutismus im Europa des 18. Jahrhunderts
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V172648
ISBN (eBook)
9783640926190
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wilhelm Roscher, Frühe Neuzeit, Absolutismus, Aufklärung, Aufgeklärter Absolutismus, Staatsformen
Arbeit zitieren
Inka Hemmerich (Autor), 2008, Die Frühe Neuzeit im Werk Wilhelm Roschers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172648

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