Interkommunale Kooperation in der Gewerbeflächenpolitik

Empirische Untersuchungen in Baden-Württemberg


Masterarbeit, 2006
97 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

KURZFASSUNG

ABSTRACT

1 EINLEITUNG
1.1 AUFGABENSTELLUNG
1.2 AUFBAU DER ARBEIT

2 RAHMENBEDINGUNGEN GEWERBLICHER INTERKOMMUNALER KOOPERATIONEN
2.1 WIRTSCHAFTLICHER WANDEL
2.1.1 Sektoraler Strukturwandel
2.1.2 Betriebliche Standortanforderungen
2.2 RÄUMLICHE VERÄNDERUNGEN
2.2.1 Gewerbesuburbanisierung
2.2.2 FlÄchenverbrauch
2.3 KOMMUNALE AUSGANGSSITUATION
2.3.1 Kommunales Finanzverbundsystem
2.3.2 Angebots und Nachfragesituation
2.4 ZWISCHENBILANZ DER RAHMENBEDINGUNGEN

3 STRATEGIEN ZUR VERBESSERUNG DER WETTBEWERBSFÄHIGKEIT
3.1 STANDORTPROFILIERUNG UND POSITIONIERUNG
3.2 GESTALTUNG VON GEWERBEGEBIETEN
3.3 NEUE MANAGEMENTKONZEPTE
3.4 KOMMUNALE KOOPERATIONEN
3.5 ZWISCHENBILANZ DER WETTBEWERBSSTRATEGIEN

4 PLANERISCHE STEUERUNGSINSTRUMENTE
4.1 INFORMELLE STEUERUNGS UND PLANUNGSINSTRUMENTE
4.1.1 Leitbilder und Ziele der Raumordnung
4.1.2 Wirtschaftsförderung und Stadtplanung
4.2 FORMELLE STEUERUNGSINSTRUMENTE
4.2.1 Landes und Regionalplanung
4.2.2 Bauleitplanung
4.3 FÖRDERMITTEL
4.4 ZWISCHENBILANZ DER PLANERISCHEN STEUERUNGSINSTRUMENTE

5 GEWERBEFLÄCHENKOOPERATIONEN
5.1 KOOPERATIONSFORMEN
5.1.1 Interkommunale Gewerbegebiete
5.1.2 Regionales GewerbeflÄchenmanagement
5.2 RECHTS UND ORGANISATIONSFORMEN
5.2.1öffentlichrechtliche Kooperationsformen
5.2.2 Privatrechtliche Kooperationsformen
5.3 REGELUNGEN ZUR FINANZIERUNG VON KOOPERATIONEN
5.3.1 Einnahmen und Ausgaben
5.3.2 Nutzen und Lastenausgleich
5.4 KOOPERATIONSANLÄSSE UND HEMMNISSE
5.5 VOR UND NACHTEILE INTERKOMMUNALER GEWERBLICHER KOOPERATIONEN

6 EMPIRISCHE UNTERSUCHUNGEN IKG IN BADENWÜRTTEMBERG
6.1 METHODIK UND VORGEHENSWEISE
6.2 QUANTITATIVE ANALYSE IKG IN BADENWÜRTTEMBERG
6.2.1 Organisatorische Merkmale IKG in BadenWürttemberg
6.2.2 Raumstrukturelle Merkmale der untersuchten Standorte
6.2.3 Tendenzen der FlÄcheninanspruchnahme
6.2.4 Zwischenbilanz zur quantitativen Analyse
6.3 QUALITATIVE ANALYSE AUSGEWÄHLTER FALLBEISPIELE
6.3.1 Fallbeispiel IKG » Perfekter Standort « /Vaihingen an der Enz
6.3.2 Fallbeispiel Industrie und Gewerbepark » LerchenÄcker « /Backnang
6.3.3 Zwischenbilanz zur qualitativen Untersuchung
6.4 SCHLUSSFOLGERUNGEN

7 HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN UND FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS:

INTERNETQUELLEN:

GESETZE UND SATZUNGEN:

GESPRÄCHSVERZEICHNIS:

ANHANG

Abbildungs und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Aufbau der Arbeit

Abbildung 2: Erwerbstätige nach Wirtschaftsbereichen

Abbildung 3: Betriebliche Standortfaktoren (Auswahl)

Abbildung 4: Verteilung der Bodenfläche in BadenWürttemberg

Abbildung 5: Mangelnde Gestaltungsplanung am Beispiel StuttgartLeonberg (Leo3)

Abbildung 6: Masterplan BusinessCampus Garching

Abbildung 7: Regionalbedeutsame Schwerpunkte für Industrie, Gewerbe und Dienstleistungen in der Region Stuttgart

Abbildung 8: Übersicht der Organisationsformen

Abbildung 9: Kooperationsanlässe Interkommunaler Gewerbegebiete

Abbildung 10: Organisationsformen IKG in BadenWürttemberg

Abbildung 11: Übersichtskarte IKG in BadenWürttemberg

Abbildung 12: Lage der Gewerbestandorte zur Autobahn

Abbildung 13: Verteilung der IKG nach Raumkategorien

Abbildung 14: Flächenverbrauch der IKG

Abbildung 15: Siedlungsräumliche Lage der IKG

Abbildung 16: Lage des IKG »Perfekter Standort«

Abbildung 17: SüdWest Ansicht des IKG »Perfekter Standort«

Abbildung 18: Bebauungsplan »Perfekter Standort«

Abbildung 19: Gewerbebetriebe im »Perfekten Standort«

Abbildung 20: Lagekarte IKG »Lerchenäcker«

Abbildung 21: Bebauungsplan IKG »Lerchenäcker«

Abbildung 22: Fotomontage des Gestaltungsplans

Abbildung 23: SüdWest Ansicht des IKG »Lerchenäcker«

Abbildung 24: Gewerbebetrieb im IKG »Lerchenäcker«

Tabelle 1: Steuereinnahmen der Gemeinden im Überblick (in Mio. €)

Tabelle 2: Vornutzung der IKGFlächen

Kurzfassung

Die kommunale Baulandpolitik unterliegt einer Vielzahl veränderter wirtschaftlicher, siedlungsstruktureller und kommunaler Rahmenbedingungen. Vor diesem Hintergrund ist die Bedeutung von interkommunalen Kooperationen neben anderen Bereichen auch in der Gewerbeflächenpolitik in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend gewachsen. Interkommunale Gewerbegebiete (IKG), also Gewerbegebiete die durch mehrere Gemeinden gemeinschaftlich geplant, realisiert und vermarktet werden, vereinen eine Vielzahl von potentiellen ökonomischen, ökologischen und räumlichen Vorteilen. Insbesondere von großflächigen IKG können in dieser Hinsicht jedoch auch negative Auswirkungen ausgehen.

Da die wissenschaftlichen Erkenntnisse über IKG vielfach noch unzureichend und lückenhaft sind, bestand die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit IKG näher zu untersuchen. Als Untersuchungsbasis wurden zu diesem Zweck sowohl qualitative als auch quantitative Daten empirisch erhoben und ausgewertet. Über eine schriftliche Befragung aller Planungsverbände wurde der Verbreitungsgrad, der strukturelle sowie der organisatorische Aufbau von IKG und deren Flächeninanspruchnahme in Baden- Württemberg erhoben. Insgesamt konnten 58 Standorte lokalisiert und untersucht werden. Dabei wurde festgestellt, dass der Verbreitungsgrad insbesondere in der jüngeren Vergangenheit stark gestiegen ist und IKG nicht nur in Ballungsräumen sondern eben so oft auch im ländlichen Raum zu finden sind. Darüber hinaus zeigte sich u.a., dass die in der Literatur hervorgehobenen Flächeneinsparungspotentiale von IKG in der Praxis oft nicht zutreffen. Vielmehr tragen IKG besonders häufig durch ihre Lage, Größenstruktur und Vornutzung zu einem erhöhten Flächenverbrauch sowie zur Landschaftszerschneidung bei. Die qualitativen Untersuchungsergebnisse bestätigten diese Erkenntnisse im Wesentlichen. Darüber hinaus konnte der Einfluss informeller Instrumente (Fördermittel) auf das Zustandekommen und die Ausgestaltung von IKG dargestellt werden.

Die Untersuchungsergebnisse verdeutlichen die möglichen regionalen positiven und negativen Auswirkungen von IKG und bestätigen die Notwendigkeit einer stärkeren regionsbezogenen Prüfung und Lenkung. Aufgrund der vielfach unzureichenden regionalplanerischen Steuerungs- und Durchsetzungskraft ist zu überlegen, in wie fern eine die planerische Lenkung von IKG in Zukunft stärker durch formelle Vorgaben erfolgen kann.

Abstract

The municipal building land policy is defeated by a huge number of changed economic, settlement-structural and municipal basic conditions. Before this background the importance of intermunicipal cooperations has grown beside other areas in past decades increasingly. Intermunicipal industrial areas (IIA), are areas which are realized, planned and collectively marketed by several communities. They unite a huge number of potential economic, ecological and spatial advantages. Nevertheless, in this regard negative consequences can also go out í particular from large-scale IIA.

Because the scientific knowledge about IIA is often still insufficient, the objective of the present work is to examinate IIA closer. As an investigation base qualitative as well as quantitative dates were raised and evaluated. The spreading degree, the structure as well as the organizational construction of IIA and their surface claim was raised above a written questioning of all planning associations in whole Baden-Württemberg. All together 58 locations could be localized and examined. It was found out, that the spreading degree has strongly risen, particular in the younger past. In addition, IIA can be found not only in conurbations but as often in the rural space.

Moreover appeared, that the surfaces saving potentials of IIA í emphasized in the literature í often does not apply in practice. In addition IIA contribute especially by their spatial position, dimensions structure and surface consumption to the urban sprawl. The qualitative investigation results confirmed this realizations in the essentials. Beyond this, the influence of informal instruments on the implementation and the arrangement of IIA could be shown.

The investigation results clarify the potential regional positive and negative consequences of IIA and confirm the necessity of a stronger region-related examination and guidance. On account of the often insufficient regional control strength is to be considered whether the planing guidance of IIA in future must occur stronger through formal guidelines.

1 Einleitung

Die Rahmenbedingungen zur Neuansiedlung von Gewerbe- und Industrieunternehmen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend geändert. Einerseits stehen aus der Perspektive der Unternehmen durch Globalisierung, europäischer Integration und veränderter Produktions- und Vertriebsbedingungen eine Vielzahl neuer Standortalternativen zur Verfügung. Andererseits ist die Mobilität von Betrieben und Arbeitskräften über die Gemeindegrenzen hinweg vielerorts zu einem Kennzeichen des Wirtschaftswachstums geworden. Unternehmen konzentrieren daher zunehmend ihre Neugründungen und -verlagerungen nicht mehr auf einzelne Städte und Gemeinden, sondern beziehen ganze Regionen in ihre Standortplanung mit ein (vgl. Baedecker 1994: 10).

Die wirtschaftsstrukturellen Veränderungen führen in Verbindung mit einer weitgehend desolaten öffentlichen Haushaltslage und knapper werdenden Flächenressourcen auch zu einer Neuorientierung der kommunalen Baulandpolitik. Daher gewinnen Strategien an Bedeutung, die eine stärkere Vernetzung von Potentialen auf einer übergeordneten Ebene in den Vordergrund kommunaler Handlungen stellen. Interkommunale Gewerbegebiete (IKG) sind in diesem Zusammenhang ein Instrument, das einen wichtigen Beitrag zu Stärkung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit beisteuern kann. Trotzdem ist die zwischengemeindliche Kooperation im wirtschaftlichen Bereich bislang keine Selbstverständlichkeit, da oftmals ein Konkurrenzdenken und die Furcht vor Abwerbung von Betrieben und Bevölkerung für eine regionale Abgrenzungsmentalität sorgen.

1.1 Aufgabenstellung

Unter dem Begriff IKG wird in dieser Arbeit die zwischengemeindliche Kooperation von zwei oder mehr Gemeinden verstanden, die gewerbliche (im Sinne von § 8 BauNVO) bzw. industrielle Flächen (im Sinne von § 9 BauNVO) gemeinsam planen, erschließen und vermarkten.1 Die vorliegende Arbeit hat die Zielsetzung, organisatorische, ökonomische und flächenpolitische Fragestellungen zu IKG in Baden-Württemberg zu untersuchen und zu evaluieren. Zu diesem Zweck ist im konzeptionellen Teil der Arbeit ein zweistufiger Untersuchungsaufbau vorgesehen. Im ersten Schritt sollen zunächst im Rahmen einer Bestandsaufnahme alle IKG in Baden- Württemberg hinsichtlich ihrer wesentlichen Strukturmerkmale, ihrer Verbreitung, ihrer Organisation (Finanzierung, Rechtsform, Beteiligte etc.) und ihrer Flächeninanspruchnahme (Umfang, Lage, Vornutzung etc.) quantitativ untersucht werden. In einem zweiten Schritt werden ergänzend - anhand ausgewählter IKG im Großraum Stuttgart - zwei Kooperationen qualitativ analysiert. Die Zielsetzung dieses Untersuchungsteils besteht im Wesentlichen darin, die Struktur- und Organisationsmerkmale der zu vergleichenden Objekte gegenüberzustellen und die in Kapitel 6 dargestellten Hypothesen anhand der Fallbeispiele qualitativ zu bewerten.

1.2 Aufbau der Arbeit

Die Arbeit gliedert im Wesentlichen in zwei unterschiedliche Teilbereiche. Im theoretischen, ersten Teil der Master-Thesis werden die Grundlagen interkommunaler gewerblicher Kooperationen dargestellt. Die Basis für diesen ersten Abschnitt bildet die Auswertung von aktueller Forschungsliteratur, Arbeits- papieren sowie ergänzenden Internetquellen. Im zweiten, »praktischen« Teil der Arbeit werden í auf den Theorieteil aufbauend í spezifische Frage- stellungen empirisch unter- sucht.

Im Einzelnen ist die Arbeit wie folgt gegliedert:

Der Theorieteil beginnt mit Kapitel zwei, indem zunächst Rahmen- bedingungen sowie deren Wandel erläutert werden, die den gewerblichen Sektor wesentlich beeinflussen und prägen. Kapitel drei schildert Strategien und Konsequenzen, die als Reaktion auf die veränderten Rahmenbedin- gungen bei der Planung neuer Gewerbegebiete zum Einsatz kommen.

Abbildung 1: Aufbau der Arbeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Daran anschließend werden in Kapitel vier Instrumente vorgestellt, die zur Umsetzung der aufgeführten Strategien genutzt werden können. Der Theorieteil schließt mit einer Darstellung der strukturellen Formen und Merkmale gewerblicher Kooperationen in Kapitel fünf ab.

Im praktischen Teil der Arbeit werden in Kapitel sechs zunächst Arbeitshypothesen sowie die verwendete Methodik vorgestellt. Daran anschließend werden die Ergebnisse der quantitativen und qualitativen empirischen Untersuchungen erläutert. Der konzeptionelle Teil der Arbeit wird mit einer zusammenfassenden Prüfung der Hypothesen beendet. Die Arbeit wird durch das Kapitel sieben abgeschlossen, indem die Erkenntnisse der Untersuchungsbeispiele bewertet und weiter gehende Folgerungen und Handlungsempfehlungen abgeleitet werden.

2 Rahmenbedingungen gewerblicher interkommunaler Kooperationen

Entwicklung, Vermarktung und Betrieb von Gewerbegebieten - sei es im herkömmlichen intra kommunalen Sinn oder in Form einer inter kommunalen Kooperation - unterliegen einer Vielzahl wirtschaftlicher, räumlicher aber auch kommunaler Faktoren und Bedingungen. Die folgenden Kapitel geben in diesem Zusammenhang einen Überblick über wesentliche Einflussgrößen und Entwicklungstendenzen.

2.1 Wirtschaftlicher Wandel

Der wirtschaftliche Wandel ist ein Faktor, der ein besonders hohes Gewicht auf die Strukturen von Gewerbeflächen ausübt. Zudem haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Bundesrepublik Deutschland in mehrfacher Hinsicht gravierend verändert. Einerseits kann in den vergangenen Jahrzehnten ein bedeutender sektoraler Strukturwandel beobachtet werden, andererseits zeichnen sich auch Veränderungen der betrieblichen Standortanforderungen ab.

2.1.1 Sektoraler Strukturwandel

Der tief greifende strukturelle wirtschaftliche Wandel stellt sich im Allgemeinen sehr vielseitig und komplex dar. Ohne die gesamtwirtschaftlichen Prozesse im Einzelnen näher zu erläutern, sollen im Rahmen dieser Arbeit nur die charakteristischen Grundmuster dieser Entwicklung erörtert werden. Zu den bedeutendsten Tendenzen zählt in diesem Kontext der Wandel der traditionellen Wirtschaftsbereiche. Dieser ist verbunden mit dem anhal- tenden Bedeutungsverlust des primären (Land-, Forstwirtschaft und Fischerei) und sekundären Sektors (produzierendes Gewerbe) und der parallelen Aufwertung des tertiären Sektors (Dienstleistungs- bereich).

Abbildung 2: Erwerbstätige nach Wirtschaftsbereichen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt 2004: 102,

Eigene Berechung und Darstellung

Neben dem Bedeutungsverlust einzelner Sektoren zählen zum wirtschaftlichen Strukturwandel auch die verÄnderten Produktionsbedingungen im verarbeitenden Gewerbe, die vor allem durch einen enormen Rationalisierungsprozess gekennzeichnet sind. In diesem Zusammenhang nennt KAHNERT (1998: 511):

- Beschleunigte und effektivitätsgesteigerte Entwicklungs- und Produktionsprozesse,
- Flächenreduktion der Produktionsstätten infolge erhöhter Leistungsfähigkeit,
- Vertaktung und Verflechtung zwischen Zuliefern und Abnehmern,
- Reduzierung und Aufwertung der Lieferbeziehungen (z.B. Aufwertung einfacher Zulieferer zu Systemlieferanten).

Der Wandel der Produktionsbedingungen hat auch direkte Konsequenzen für die städtebauliche Planung von Gewerbestandorten. Durch zeitintensivere Nutzung von Produktionsanlagen rund um die Uhr reduziert sich die Verträglichkeit des Gewerbes mit anderen Nutzungen. Verantwortlich dafür sind vor allem der erhöhte Beschäftigten- und der durch just-in-time Konzeption kontinuierliche erfolgende Lieferverkehr. Eine stärkere Trennung von Wohn- und Gewerbegebieten ist daher zur Konfliktvermeidung zukünftig wieder bedeutsamer und wird von vielen Betrieben gefordert. Dem aktuell diskutierten Leitbild der Nutzungsmischung sind aus dieser Perspektive enge Grenzen gesetzt (vgl. Kahnert 1998: 512).

Als weitere Folge des Strukturwandels sind VerÄnderungen bei der Standortentscheidung von Gewerbeunternehmen zu beobachten. Die Zentralisation der Entscheidungsebenen spielt dabei eine wichtige Rolle, die sich zwischenzeitlich sowohl bei Großunternehmen als auch in der mittelständigen Wirtschaft etabliert hat. Persönliche Beziehungen zu Betrieben - etwa durch Politik oder die Wirtschaftsförderung - gehen daher zunehmend verloren. Als Konsequenz werden Standortentscheidungen oder betriebliche Veränderungen verstärkt anonymisiert getroffen, so dass die politische oder planerische Steuerung erschwert ist (vgl. Holtel, Wuschansky 2002: 16).

2.1.2 Betriebliche Standortanforderungen

Betriebliche Standortfaktoren zeigen die maßgeblichen Einflussgrößen, die für die Wahl eines Unternehmensstandortes entscheidend sind. Die Standortfaktoren können je nach Unternehmenstyp von Betrieb zu Betrieb vollkommen unterschiedlich ausfallen, so dass keine í für alle Fälle gleichermaßen gültigen Faktoren - existieren. Dennoch dominieren in verschiedenen Unternehmensbefragungen (vgl. Grabow 1995: 222ff; Mielke 2002: 36ff) einzelne Standortfaktoren besonders deutlich: Oft wird von Unternehmen ein nahe gelegener Anschluss an das Autobahnnetz ohne Ortsdurchfahrten gewünscht. Dieser Wunsch erklärt sich vor allem durch die zunehmenden Lieferverflechtungen und die damit verbundene Abhängigkeit von Leistungen anderer Unternehmen. Weitere bedeutende Standortfaktoren sind darüber hinaus die Verfügbarkeit von Personal sowie das Vorhandensein niedriger Grundstückskosten (vgl. Grabow 1995: 17ff).

Betrachtet man die Standortanforderung nach Branchen wird deutlich, dass im produzierenden Gewerbe immer noch »harte Standortfaktoren« wie die Flächenverfügbarkeit, die Verkehrsanbindung und Abgaben eine hohe Bedeutung haben. Andererseits wächst in Dienstleistungsbetrieben der Einfluss »weicher Standortfaktoren« zunehmend an. Dementsprechend steht etwa bei kundenorientierten Dienstleistern - die in Gewerbegebieten durchaus einen Branchenschwerpunkt bilden können - ein repräsentatives Umfeld im Vordergrund der Standortentscheidung (vgl. Kistenmacher 2000: 28f).

Abbildung 3: Betriebliche Standortfaktoren (Auswahl)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Berechungen nach Grabow 1995: 223f

Auch außerhalb des Dienstleitungssektors bevorzugen viele Betriebe ein »gehobenes« unternehmerisches Umfeld. Wie bedeutsam das Erscheinungsbild und Image eines Betriebsstandortes für eine unternehmerische Standortentscheidung sein kann, zeigt die Untersuchung von GRABOW (1995: 223ff). In einer Befragung von 2.000 Unternehmen wurde das Image und Erscheinungsbild des engeren Betriebsstandortes von zwei Dritteln der Befragten als »sehr wichtig« oder »eher wichtig« eingestuft.2.

Im Hinblick auf die gestalterischen Mängel, die in vielen Gewerbegebieten vorzufinden sind, besteht somit ein enormes Verbesserungspotential. Dieses könnte nicht nur zur Standortprofilierung genutzt werden, sondern auch dazu dienen, gezielt kundenorientierte Gewerbebetriebe an einen Standort zu binden.

2.2 Räumliche Veränderungen

Neben den wirtschaftlichen Veränderungen ist der räumliche Wandel im gewerblichen Bereich mit Sicherheit einer der augenscheinlichsten Veränderungen, die innerhalb des Sektors stattfinden. Dies liegt einerseits am anhaltend hohen Flächenverbrauch, andererseits aber auch an Suburbanisierungserscheinungen. Beide Tendenzen werden im Folgendem näher erläutert.

2.2.1 Gewerbesuburbanisierung

Suburbanisierung bezeichnet die Verlagerung von Nutzungen und Bevölkerung aus der Kernstadt in das städtische Umfeld. Während Suburbanisierungstendenzen im Bereich des Wohnens bereits seit den 1960er Jahren zu beobachten sind, vollzog sich die gewerbliche Verlagerung erst zu Beginn der 1970er Jahre. Die ehemals wirtschaftliche Dominanz der Kernstädte löst sich seitdem zunehmend auf. Die gewerbliche Suburbanisierung ist sektoral unterschiedlich ausgeprägt. Während Dienstleistungsunternehmen des tertiärern Sektors vornehmlich in den Kernstädten verbleiben oder das verdichtete Umland suchen, weicht das produzierende Gewerbe des sekundären Sektors zunehmend auf verkehrsgünstige Standorte im Stadtumland sowie auf den ländlichen Raum aus (vgl. Kistenmacher 2000: 25ff).

Die Verlagerungsprozesse sind insbesondere vor dem Hintergrund der spezifischen Standortpräferenzen der verschiedenen Unternehmensformen zu sehen. So verlagern im produzierenden Sektor kleinere und mittlere Einzelbetriebe Ihren Standort tendenziell aus den Agglomerationskernen - abhängig von der jeweiligen Gewerbeflächensituation - in (neue) Gewerbegebiete innerhalb des ersten und zweiten Rings der Agglomeration. In der Regel wird dabei eine möglichst geringe Wanderungsdistanz gewählt. Eine andere Verlagerungsaktivität betrifft die Verlegung von Produktionsstätten zwischen zwei bestehenden Standorten. Flächen ohne ausreichenden Entwicklungsspielraum werden in diesem Kontext oftmals zugunsten von Gewerbegebieten mit ausreichender Flächenkapazität aufgegeben. Die Verlagerung erfolgt hierbei vor allem aus den Agglomerationsräumen in den ländlichen Raum (vgl. Kahnert 1998: 513f; Karsten, Usbeck 2002: 72f).

Im tertiären Sektor ist die Verlagerung dagegen überwiegend auf Teilbereiche (z.B Einzelhandelsdiscounter, Discotheken, z.T. Büronutzung) beschränkt. Doch obwohl die Suburbanisierung nur Teile des Dienstleitungssektors betrifft, weisen bereits heute viele peripher gelegene Gewerbestandorte einen hohen Dienstleistungsanteil auf und verdrängen die klassische Produktionsbetriebe (vgl. Mielke 2002: 39).

Als maßgeblicher Einflussfaktor für die gewerbliche Suburbanisierung wird in der Literatur vor allem die vorhandene Straßeninfrastruktur genannt, die bei der Entwicklung von wirtschaftlichen Wachstumsräumen eine besondere Rolle spielt. So zeigt eine Studie des Instituts für »Ökologische Raumentwicklung Dresden«, dass in der Region München autobahnnahe Gemeinden3, die 40 % aller Umlandgemeinden in München darstellen, über 85 % des Beschäftigtenwachstums auf sich vereinigen. Ähnliche Ergebnisse liefern Untersuchungen in den Regionen Thüringen und Bremen (vgl. Karsten, Usbeck 2002: 74). Bei der näheren Betrachtung der Unternehmenskonzentration an den Autobahnverbindungen deutscher Stadtregionen zeigt sich ferner, dass die Gewerbestandorte vor allem durch logistikintensive Branchen geprägt sind. So stellt eine Studie zu den Gewerbestandorten an der Thüringer Städteachse fest, dass an den autobahnnahen Standorten im Durchschnitt über 40 % der Unternehmen dem Logistikbereich zuzuordnen sind (vgl. Karsten, Usbeck 2002: 75).

Die Folgen der beschriebenen Suburbanisierungstendenzen sind vor allem in der wachsenden Verflechtung zwischen den Kommunen untereinander aber auch zwischen den Kernstädten und Ihrem Umland zu sehen. Dementsprechend beziehen sich Investoren bei ihren Standortentscheidungen, d.h. Entscheidungen für das Verbleiben am alten Standort oder die Wahl eines neuen Standortes, überwiegend nicht auf einzelne Kommunen mit ihren Gemeindegrenzen. Vielmehr wird die Region als Einheit wahrgenommen, deren unterschiedliche Teilbereiche für verschiedene Bedürfnisse stehen. Daraus folgt, dass die Kommunen sich als Teil einer funktionalen Einheit betrachten müssen, die gemeinsam für den wirtschaftspolitischen Erfolg der Region verantwortlich sind (vgl. Kahnert 1998: 515f).

2.2.2 Flächenverbrauch

Die Umnutzung von unbebauter Fläche in Siedlungs- und Verkehrsfläche wird allgemein als »Flächenverbrauch«4 bezeichnet (vgl. NBBW: 2004: 9). Der Flächenverbrauch ist ursächlich vor allem durch die Faktoren Verkehrs- und Siedlungsfläche gekennzeichnet, deren Anteil an der gesamten Bodenfläche bundesweit kontinuierlich wächst. Allein in Baden-Württemberg werden z. Zt. täglich 10,6 ha Fläche verbraucht, was einer jährlichen Inanspruchnahme von Flächen in der Größenordnung von ca. 5.000 Fußballfeldern (70 x 100 m) entspricht. Bundesweit betrug der tägliche Verbrauch im Zeitraum zwischen 1997 und 20005 sogar 120 ha Fläche (vgl. BBR: 2005: 90; NBBW 2004: 9; Wöllpner 2004: 46). Dieser enorme kontinuierliche Verbrauch soll nach einem Entwurf der Bundesregierung im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie bis zum Jahr 2020 auf 30 ha/Tag gesenkt werden. Im Vergleich zum Referenzzeitraum 1997/2000 müsste der Flächenverbrauch demnach auf ein Viertel des Ausgangsniveaus reduziert werden. Übertragen auf das Bundesland Baden-Württemberg würde das bedeuten, dass statt 12ha/Tag im Zeitraum 1997/2000 landesweit nur noch eine Fläche von 3 ha/Tag als Flächenressource zur Verfügung ständen. Dementsprechend eingeschränkt wären die kommunalen raumplanerischen Entwicklungspotentiale (Wöllpner 2004: 46).

Bereits heute sind die gemeindlichen Entwicklungsmöglichkeiten durch topographische Gegebenheiten oder Natur- und Landschaftsschutzgebiete vielfach stark begrenzt. Vor allem in den Stadtkreisen stößt die Ausdehnung der Siedlungsfläche sprichwörtlich an ihre Grenzen. So stehen in den Städten Karlsruhe, Pforzheim und Stuttgart nur noch zwischen 11 % und 9 % der Gemarkungsflächen für eine zukünftige Siedlungs- bzw. Verkehrsflächenerweiterung zur Verfügung. Einschränkende Faktoren und Restriktionen sind dabei noch gar nicht berücksichtigt (vgl. Wöllpner 2004: 46), so dass das tatsächliche Flächenpotential nochmals deutlich geringer sein dürfte.

Betrachtet man die Bodenverteilung im Einzelnen fällt auf, dass neben Siedlungs-, Verkehrs- und Wohnflächen auch die Gewerbe- und Industriegebiete zu einem erheblichen Flächenverbrauch beitragen. In Baden-Württemberg nehmen letztere immerhin 8 % innerhalb der Siedlungs- und Verkehrsflächen in Anspruch (vgl. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 2004: 1).

Abbildung 4: Verteilung der Bodenfläche in Baden-Württemberg im Jahr 2001

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung auf Grundlage des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg 2004: 1

Die Größenordnung des Flächenverbrauchs ver- deutlicht, wie dringend ein Umdenken in der Flächen- politik notwendig ist, um die Entwicklungsoptionen für künftige Generationen nicht zu stark einzu- schränken. Neben der aufgeführten quantitativen Problematik zieht der anhaltende Flächenver- brauch eine Vielzahl weiterer negativer Folgen nach sich, die an dieser Stelle nur stichpunktartig aufgeführt werden sollen. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang:

-Ökologische Auswirkungen:

Versiegelung und Zerschneidung von Landschaften, Verringerung der Artenvielfalt, Verhinderung der Regenwasserversickerung, negative Auswirkungen auf die Grundwasserneubildung, maßgebliche Erhöhung des Abfallaufkommens durch den Aushub von Boden

-Räumliche Auswirkungen:

Siedlungsdispersion, abnehmende Sieldungsdichte, zunehmende Entmischung, aufwendigere Erschließung, wachsender Flächenbedarf für Verkehr, möglicher Funktionsverlust von Ortszentren, geringere Infrastrukturauslastung und Erhöhung der Infrastrukturkosten pro Kopf (vgl. NBBW 2004: 10; Bund Naturschutz in Bayern e.V. 2004: 9).

In der Gesamtbetrachtung zeigt sich, dass eine deutliche Reduzierung des Flächenverbrauchs sowohl im quantitativen als auch qualitativen Sinne erstrebenswert ist. Die Verteilung der Bodenfläche veranschaulicht zudem, dass Gewerbe- und Industrieflächen einen nicht unerheblichen Anteil am Flächenverbrauch einnehmen. Anstrengungen und Überlegungen gerade in diesem Bereich den Flächenverbrauch zu verringern, sind daher durchaus berechtigt und wichtig.

2.3 Kommunale Ausgangssituation

Die Entwicklung gewerblicher Flächen findet aufgrund der kommunalen Planungshoheit nach Artikel 28 Abs. 2 GG letzten Endes immer auf der Gemeindeebene statt. Auch hier haben sich die Faktoren, die eine Ausweisung gewerblicher Flächen beeinflussen, in mehrfacher Hinsicht verändert.

2.3.1 Kommunales Finanzverbundsystem

Gewerbegebiete í egal ob intra kommunal oder inter kommunal í haben in der Regel weitreichende Auswirkungen auf den Finanzhaushalt einer Gemeinde. Um diese Auswirkungen in ihrem Kontext zu verstehen, ist es notwendig, neben der Darstellung der allgemeinen finanziellen Haushaltslage der Gemeinden, das komplexe Beziehungsgeflecht der Gemeindefinanzen zumindest in den Grundzügen zu erläutern.

Bundesweit betrachtet hat sich die finanzielle Situation deutscher Kommunen nach positiven Finanzierungssalden in den Jahren 1998 bis 2000 dramatisch verschlechtert. In der Folge sind seit dem Jahr 2001 hohe Haushaltsdefizite zu verzeichnen, die zu einer weitgehenden Handlungsunfähigkeit der Gemeinden führten. Die Finanzkrise resultierte aus einem Konjunktureinbruch, so dass auf der Einnahmenseite massive Einkommenseinbrüche bei den wichtigsten kommunalen Steuereinnahmen, also beim Gemeindeanteil an der Einkommensteuer und der Gewerbesteuer, zu verzeichnen sind. Auf die finanzielle Notlage der Gemeinden wurde im Jahr 2004 mit einer weit greifenden Konsolidierungspolitik reagiert. Dadurch sank das Defizit in den Kommunalhaushalten aufgrund der Absenkung der Gewerbesteuerumlage und der Wirkungen von Steuerrechtsänderungen gegenüber dem sehr hohen Wert von 2003 von -8,5 Mrd. € auf nunmehr -3,8 Mrd. € im Jahr 2004 (vgl. www.bundesfinanzministerium.de).

Hauptbestandteile der kommunalen Finanzausstattung sind die kommunalen Steuern sowie die Zuweisungen von Land und Bund. Zu den kommunalen Steuereinnahmen zählen die Gewerbesteuer sowie der Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer. Letztere beträgt 15 % des Einkommenssteueraufkommens, so dass sich folglich die absolute Höhe des Betrages nach der Einkommenssteuerleistung der Einwohner richtet. Die Gewerbesteuer wird aus den jeweiligen Gewinnen der Gewerbebetriebe ermittelt und ist daher stark konjunkturabhängig. Sie errechnet sich - vereinfacht ausgedrückt - aus dem Gewerbeertrag der Unternehmen, aus dem nach Abzug eines Freibetrages und mit Hilfe einer Steuermesszahl der Gewerbesteuermessbetrag errechnet wird. Der Gewerbesteuermessbetrag wird wiederum um einen in der jeweiligen kommunalen Haushaltssatzung festgelegten Hebesatz vervielfältigt.6 Ergebnis ist die Steuerschuld, die dem Steuerpflichtigen im Gewerbesteuerbescheid bekannt gegeben wird und am jeweiligen Betriebsstandort zu zahlen ist (vgl. Vietmeier 2003: 83f; Holtel, Wuschansky 2002: 46f).

Tabelle 1: Steuereinnahmen der Gemeinden im Überblick (in Mio. €)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach www.bundesfinanzministerium.de

Weitere wichtige Einnahmequellen der Gemeinden sind die Grundsteuern, die wie die Gewerbesteuer der alleinigen Steuerhoheit der Gemeinde unterliegen. Die Grundsteuer untergliedert sich in die Grundsteuer A, die für land- und forstwirtschaftliche Betriebe gilt und die Grundsteuer B, der alle sonstigen bebauten und nicht bebauten Grundstücke unterliegen. Auch hier können je nach Gemeinde unterschiedliche Hebesätze festgelegt sein (vgl. Holtel, Wuschansky 2002: 47).

Eine finanzielle Regelung, die große Auswirkungen auf die finanzielle Haushaltslage der Gemeinden hat, ist das System des Finanzausgleichs. Mit Hilfe des Finanzausgleichs erhalten die Gemeinden einerseits Einnahmen durch Zahlungen der Länder im Sinne eines vertikalen Ausgleichs. Andererseits dient der Finanzausgleich dazu, unterschiedliche Steuereinnahmen zwischen den Gemeinden im Sinne eines horizontalen Ausgleichs zu nivellieren. Zum System des Finanzausgleichs zählen die allgemeinen und zweckgebundenen Zuweisungen (z.B. für Denkmalpflege- oder Stadterneuerungsmaßnahmen) der Länder, die durch eine Beteiligung am Steueraufkommen der Länder ergänzt werden (ILS 2004: 49ff; Finanzministerium Baden-Württemberg 2000: 17ff). Zum System des Finanzausgleichs zählen auch die Schlüsselzuweisungen, die sich nach den jeweiligen Aufgabenbelastungen, Steuer- und Umlagenkräften bemessen und länderspezifisch unterschiedlich gestaltet sind (vgl. Holtel, Wuschansky 2002: 49f). Zur Berechnung der Schlüsselzuweisungen wird die jeweilige Steuerkraft einer Gemeinde dem Finanzbedarf gegenübergestellt. Übersteigt der normierte Bedarf einer Gemeinde deren Steuerkraft wird der Unterschiedsbetrag weitestgehend über Schlüsselzuweisungen ausgeglichen. Sobald eine Gemeinde auch nur geringfügige Mehr- oder Mindereinnahmen tätigt, hat dies sofortige Auswirkungen auf den Finanzausgleich. Jedes neue Gewerbegebiet und die damit verbundene Erhöhung der Steuereinnahmen haben demzufolge unmittelbaren Einfluss auf die Höhe der Schlüsselzuweisungen (vgl. Heinz, et al. 2004: 141).

2.3.2 Angebots- und Nachfragesituation

Über den Umfang vorzuhaltender Gewerbeflächen besteht im Allgemeinen eine große Unsicherheit. Einerseits kann ein unzureichendes Angebot an verfügbaren Flächen zum Engpass für die wirtschaftliche Entwicklung einer Kommune werden, andererseits ist ein zu groß bemessenes Angebot gesamtwirtschaftlich unerwünscht, da es knappe finanzielle Mittel bindet und unnötigerweise Freiflächen verplant. Trotzdem folgen kommunale Überlegungen zur Dimensionierung neuer Gewerbeflächen größtenteils der Auffassung, dass die erwünschte Zahl an Arbeitsplätzen durch die Ausweisung eines entsprechenden Kontingents an Gewerbeflächen an den Standort zu binden sei. Nicht zuletzt steht die Gewerbeflächenpolitik vor der grundsätzlichen Problematik, dass Unternehmen in der überwiegenden Zahl der Fälle nur sofort verfügbare Flächen in ihre Investitions- und Standortentscheidungen einbeziehen. Erst in zwei oder drei Jahren zur Verfügung stehende und möglicherweise mit Planungsunsicherheiten behaftetet Flächen sind dagegen für Unternehmen in der Regel uninteressant. Aus diesem Grund muss die Gewerbeflächenpolitik mit ihrem Angebot in Vorleistung treten (vgl. Jung 1996: 13f).

Umso größer ist die Bedeutsamkeit einer verlässlichen Flächenbedarfsprognose, die sich in der Praxis jedoch denkbar schwierig gestaltet. Allein bei der begrifflichen Bestimmung des FlÄchenangebotes differieren die Definitionen in einer großen Bandbreite. Demzufolge kann der Begriff »Angebot« sowohl im Sinne eines »planerischen Angebots« (nicht genutzte Flächen in Regional- und Flächenutzungsplänen), als auch als »tatsächlich verfügbares Flächenangebot« (i.d.R. nicht bebaute, erschlossene Flächen) oder aber als »tatsächliche Inanspruchnahme« (realisierter Bedarf) verstanden werden. Noch komplexer ist die Prognose des zukünftigen Bedarfs an Gewerbeflächen, der durch eine große Anzahl verschiedenster unsicherer Faktoren wie die konjunkturelle Lage, die spezifischen Standortanforderungen und die Bevölkerungsentwicklung etc. beeinflusst wird. Ebenso vielseitig sind die zur Ermittlung des Flächenangebots herangezogenen Informationsquellen die von Unternehmensbefragungen, über Liegenschaftskataster, bis hin zu GIS Systemen reichen. Trotz der Vielzahl möglicher Informationsquellen stehen zur Bedarfsermittlung insgesamt betrachtet, nur wenige vollständige und aussagekräftige Daten zur Verfügung, so dass zielgerichtete Entscheidungen und Planungen oftmals kaum möglich sind (ausführlich hierzu Mielke 2002: 7ff; Bonny, Glaser 2005: 28).

In der Konsequenz ist das quantitative Angebot an Gewerbeflächen in der Praxis oftmals mehr als bedarfsdeckend, da das überregionale gewerbliche Ansiedlungs- bzw. Abwerbungspotential und die Bedeutung von gewerblichen Neugründungen von kommunaler Seite erheblich überschätzt werden. Dementsprechend schaffen viele Kommunen ein Angebot, das »mehr Hoffnung als tatsächliches Erfordernis ausdrückt« (vgl. Imhoff-Daniel 1994: 128). Neben einer oftmals falschen Flächenpolitik wird das Angebot an gewerblichen Arealen zusätzlich durch wiedernutzbare Brachflächen erheblich gesteigert. So könnte allein durch die Revitalisierung kurzfristig zur Verfügung stehender Gewerbebrachen der gesamte gewerbliche Flächenverbrauch í 10.000 ha im Jahr 2001 í rein rechnerisch für mehr als ein Jahr gesichert werden (vgl. BBR 2005: 99ff).

Ein weiterer Punkt, der die Angebots- und Nachfragesituation betrifft, ist die Preislage der Gewerbeflächen. Diese ist im Allgemeinen höher als für landwirtschaftlich genutzte Flächen, jedoch deutlich niedriger als für Wohnbauland. Geringe Preise für Gewerbeflächen haben allerdings verschiedene, zum Teil gravierende Nachteile. Einerseits stellen niedrige Preise keinen Anreiz zum sparsamen Umgang mit den Flächen dar und erhöhen somit indirekt den Flächenverbrauch. Andererseits entfällt der Lenkungseffekt der Preise, da ein geringes Preisniveau den Unterschied zwischen qualitativ hochwertigen und qualitativ minderwertigen Flächen deutlich reduziert. Des Weiteren sind niedrige Bodenpreise auch für andere Nutzergruppen attraktiv, so dass (Betriebs-)Wohnungen oder Büronutzungen die Nutzbarkeit für herkömmliches Gewerbe einschränken. Nicht zuletzt wird durch ein niedriges Preisniveau die Wiedernutzbarkeit von Brachflächen erschwert, wenn diese mit billigen, unbelasteten Flächen konkurrieren müssen (vgl. Mielke 2002: 48f).

Trotz der aufgeführten Nachteile wird eine niedrige Preispolitik häufig gezielt von den Kommunen eingesetzt, um die regionale Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Dabei wird jedoch oftmals vergessen, dass die Grundstückskosten für Betriebe im Rahmen der gesamten Ansiedlungs- und Verlagerungskosten eine nur marginale Rolle spielen. Etwaige kommunale Preisreduktionen sind in dieser Hinsicht von der Unternehmensseite als Mitnahmeeffekte einzustufen und haben keinen spürbaren Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung. Trotzdem versuchen die Unternehmen - vorwiegend wenn die öffentliche Hand Eigentümer der Flächen ist - durch harte Preisverhandlungen möglichst niedrige Bodenkosten zu erzielen, so dass Kommunen zum Teil regelrecht gegeneinander ausgespielt werden. Eine Diskussion um ein allgemein höheres Preisniveau ist demzufolge nur dann möglich, wenn eine Einigung auf eine regionale einheitliche Preisstruktur erfolgt ist. Auch in diesem Zusammenhang ist daher eine gebietsübergreifende Zusammenarbeit sinnvoll und wichtig (Mielke 2002: 49).

Zum Schluss dieses Kapitels soll an dieser Stelle als Praxisbeispiel das Gewerbeflächenangebot in der Region Stuttgart vorgestellt werden. Das Beispiel verdeutlicht, in welchen Umfang Gewerbeflächen oftmals ausgewiesen werden, ohne das eine Auslastung der Flächen absehbar wäre.

Das Gewerbeflächenpotential der Region Stuttgart wurde zuletzt im Jahr 2002 - mit Ausnahme des Landkreises Ludwigsburg - vollständig erfasst. Die Datenermittlung fand anhand einer Auswertung der Flächennutzungs- und Bebauungspläne statt, die mit Luftbildern überlagert wurden. Die Untersuchung zeigte, dass (einschließlich einer Hochrechnung für den Landkreis Ludwigsburg) in der Region Stuttgart unbebaute Gewerbeflächen im Umfang von ca. 1.959 ha als Darstellung in Flächennutzungsplänen und eine annähernd gleiche Größe von 1.956 ha aus Festsetzungen in Bebauungsplänen vorliegen.7 Überraschend hoch ist der Anteil der unbebauten Gewerbeflächen am Gesamtbestand in der Region, bezogen auf im B- Plan ausgewiesene Gewerbeflächen. In den Landkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen und im Rems-Murr-Kreis betrug dieser im Durchschnitt fast 66 % (!) (vgl. Streule 2003: 3f; Eigene Berechnungen).

Das quantitative Angebot an Gewerbeflächen in der Region Stuttgart wirkt auf den ersten Blick enorm groß. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass sich die Gesamtfläche auf ca. 400 kleine und kleinste Gewerbe- und Industriegebiete verteilt (vgl. Vallée 2003: 70). Ob die Flächen den Standortanforderungen der Betriebe entsprechen, ist daher eine ganz andere Frage. MIELKE (2002: 10) weist in diesem Kontext darauf hin, dass generell „ein erheblicher Teil der planerisch dargestellten Flächen »zweit- oder drittklassig« [ist] und wegen vorhandener Mängel - z.B. ungünstiger Flächenzuschnitt, fehlender Autobahnanschluss, etc. - kein Interesse von Unternehmen besteht.“ Überträgt man diese Überlegung auf die Praxis bedeutet dies, dass gleichzeitig ein Überangebot und ein Mangel an Gewerbeflächen existieren können.

2.4 Zwischenbilanz der Rahmenbedingungen

Die aufgeführten Tendenzen und Prozesse haben weitreichende Auswirkungen, die vor allem auf kommunaler Ebene spürbar sind. Aus unternehmerischer Sicht haben der wirtschaftliche Strukturwandel und veränderte Produktionsbedingungen zu einer deutlichen Steigerung der potentiellen Ansiedlungsstandorte geführt. Dies hat die kommunale und regionale Wettbewerbssituation deutlich forciert. Zugleich sind steuerpflichtige ortsansässige Unternehmen, die nach wie vor wichtigste Einnahmequelle der kommunalen Haushalte. In so fern ist es nur verständlich, dass von kommunaler Seite eine Gewerbeflächenpolitik betrieben wird, die weitgehend angebotsorientiert handelt und nicht auf einer tatsächlich zu erzielenden Nachfrage beruht. Gleichzeitig wird die Ausweisung neuer Gewerbeflächen mit entsprechend geforderten Standortqualitäten aufgrund des anhaltenden Flächenverbrauchs und einem Mangel an geeigneten Standorten zunehmend schwieriger. Die vielerorts erschlossenen aber ungenutzten Gewerbestandorte mit minderer Qualität sind demzufolge nur eine logische Konsequenz.

3 Strategien zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit

Den aufgeführten wirtschaftlichen, räumlichen und kommunalen Rahmenbedingungen begegnen Kommunen und Regionen zunehmend mit neuen Konzepten zur Positionierung ihrer Gewerbegebiete. Dabei kommen in der Praxis ganz unterschiedliche Strategien zum Einsatz. Einerseits können diese auf rein kommunaler Ebene praktiziert werden í beispielsweise durch spezielle lokale Vermarktungs- und Managementkonzepte. Andererseits sind auch stärker regionsbezogene Ansätze denkbar, wie sie zum Beispiel im Rahmen von IKG zum Einsatz kommen. Ohne den Anspruch einer vollständigen Darstellung von denkbaren Strategien zu erfüllen, werden im Folgenden beispielhaft Konzepte vorgestellt.

3.1 Standortprofilierung und -positionierung

Angesichts des zunehmenden intra- und interregionalen Wettbewerbs versuchen viele Kommunen und Regionen durch Profilbildung ihrer Gewerbestandorte einen Vorteil gegenüber anderen Standortanbietern zu erlangen. In erster Linie dient die Profilbildung der verbesserten Außenwahrnehmung einer Kommune. Dabei wird die These vertreten, dass Unternehmen mit vergleichbaren Geschäftsfeldern auch vergleichbare Standortanforderungen nach sich ziehen. Übertragen auf die Gewerbegebietsplanung bedeutet dies, dass durch eine Spezialisierung von Gewerbeflächen Synergieeffekte zwischen Unternehmen gleicher bzw. verwandter Branchen erreicht werden sollen (Industriecluster). Das so erzeugte individuelle Standortimage kann dann gezielt vermarktet werden. Die These wird durch das bereits erwähnte Beispiel der Thüringer Logistikkonzentration ebenso bestätigt (vgl. Kapitel 2.2.1) wie durch verschiedene empirische Untersuchungen der Räume Bremen und Nürnberg (vgl. Karsten, Usbeck 2002: 76ff).

Trotz dieser erfolgsversprechenden Untersuchungen sprechen verschiedene Argumente auch gegen eine - generelle - Standortprofilierung. Zunächst besteht das Problem, dass Industriecluster nicht beliebig von einer Region auf eine andere Region übertragbar sind, da bundesweit nur wenige Cluster zu einem Bereich überlebensfähig sind. Als Beispiel lässt sich in diesem Zusammenhang die Region Stuttgart aufführen, die einer der wenigen herausragenden Automobil- und Mobilitätsstandorte in Deutschland ist (vgl. Reschl, Rogg: 2003: 62f). Gegen eine grundsätzliche Etablierung von Industrieclustern spricht auch die Tatsache, dass viele Unternehmen ausdrücklich einen Branchenmix im Gewerbegebiet bevorzugen. Nicht zuletzt bürgt eine branchenspezifische Profilierung die Gefahr, dass bei enger Zielgruppendefinition das Gewerbegebiet nur sehr langsam belegt wird. Daher ist für eine branchenmäßige Spezialisierung immer ein ausreichendes Potential entsprechender Betriebe notwendig (vgl. Mielke 2002: 42).

In Anbetracht der aufgeführten Einschränkungen ist die branchenmäßige Profilierung von Gewerbegebieten im Bestand v.a. auf regionaler Ebene und in Verdichtungsgebieten Erfolg versprechend. Aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs der Regionen wird die Profilierung von Gewerbestandorten jedoch zukünftig an Bedeutung gewinnen. Eine thematische Ausrichtung von Gewerbeflächen ist in dieser Hinsicht vor allem für Betriebstypen mit speziellen Standortanforderungen - etwa im Logistik- oder im Forschungs- und Entwicklungsbereich - sinnvoll. Alternativ bietet es sich insbesondere bei großen Standorten an, die Gewerbegebiete intern zu segmentieren. Eine stärkere Differenzierung der Gewerbeflächen in eher produktionsorientierte Bereiche einerseits und in dienstleistungsorientierte Segmente andererseits kann dabei sinnvoll sein. Zusätzlich können in einem für die Außenwirkung wichtigem Abschnitt höhere Anforderungen an die gestalterische Qualität gestellt werden, während Standorte - die aufgrund ihrer Lage eine nur geringe Außenwirkung erzielen - unter rein funktionellen Gesichtspunkten geplant werden können (vgl. Mielke 2002: 43).

Die interne Segmentierung von Gewerbeflächen verbindet die Vorteile herkömmlicher Gewerbeflächen - nämlich deren diversifizierte Branchenausrichtung - mit den Vorzügen rein thematisch ausgerichteter Gewerbeparks - sprich der Profilierung des Standortes. In so fern bietet die Strategie eine interessante planerische Alternative, um sich im Wettbewerb positiv abzuheben, ohne das Risiko einer einseitigen Ausrichtung eingehen zu müssen. Zumal das vorhandene Instrumentarium der Bauleitplanung den Gemeinden Möglichkeiten für entsprechend differenzierte Festsetzungen (insbesondere in § 1 Abs. 4ff BauNVO) bietet.

3.2 Gestaltung von Gewerbegebieten

Die Gestaltung von Gewerbegebieten und deren städtebauliche Einbindung in die Umgebung haben großen Einfluss auf das Erscheinungsbild einer Stadt bzw. Gemeinde, zumal die Eingangssituation an den Siedlungsrändern oftmals durch Gewerbeansiedlungen geprägt wird. Aus Sicht der Stadtplanung ist die Mehrheit der Gewerbegebiete jedoch nicht unter stadtgestalterischen, sondern vor allem unter funktionalen Gesichtspunkten geplant. Die Erreichbarkeit, der reibungslose Verkehrsfluss und das Flächenangebot (etc.) stehen im Allgemeinen im Vordergrund der Planung, während auf ein anspruchsvolles Erscheinungsbild verzichtet wird. So kommt es, dass v.a. der öffentliche Raum in Gewerbegebieten in der Regel erhebliche Mängel aufweist. Verkehrs-, Reserve- und Grünflächen bleiben vor dem Hintergrund der öffentlichen Haushaltslage häufig »ungestaltet« und bieten kaum Aufenthaltsqualität für Bevölkerung und Beschäftigte ansässiger Unternehmen. Das Potential hochwertiger Gewerbeflächen wird demzufolge oftmals unterschätzt. Gleichzeitig wird - durch die Tertiärisierung der Wirtschaft und die wachsende Variabilität der Standortansprüche - für viele Betriebe ein repräsentativer Unternehmensstandort immer wichtiger (vgl. Kapital 2.1.2). Städtebaulich hochwertige Gewerbeflächen können folglich nicht nur ein wichtiger Vermarktungs- und Wettbewerbsvorteil sein, sondern auch maßgeblich zur Standortprofilierung beitragen. Nicht zuletzt finden hochwertige Gewerbeflächen auch in der Bevölkerung eine größere Akzeptanz, so dass die Ausweisung neuer Gewerbe- flächen von der Öffentlichkeit oft besser akzeptiert wird, wenn diese sich in ihr Umfeld einpassen und höheren städtebaulichen und ökologischen Anforderungen gerecht werden (vgl. Mielke 2002: 41).

Abbildung 5: Mangelnde Gestaltungsplanung am Beispiel Stuttgart-Leonberg (Leo3)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Aufnahme

Aus dieser Perspektive scheint die Berücksichtigung von gestalterischen Mindeststandards bei der Entwicklung von Gewerbegebieten generell sinnvoll. In diesem Zusammenhang ist auf die internationale Bauausstellung Emscher- Park mit dem Konzept »Arbeiten im Park« zu verweisen. Die dort entwickelten planerischen Vorgaben für neue Gewerbegebiete haben sicherlich eine Vorbildfunktion, da sie Qualitätsstandards vorsehen, die bei der Planung von Wohngebieten vielfach selbstverständlich sind: Die verstärkte Berücksichtigung von städtebaulichen, architektonischen und ökologischen Belangen in entsprechenden Rahmenkonzepten. Wichtige Anregungen und Hinweise zur Gestaltung städtebaulich hochwertiger Gewerbestandorte geben darüber hinaus auch die von der »Initiative Architektur und Baukultur« veröffentlichten elf Thesen zur Baukultur in Gewerbegebieten, auf die an dieser Stelle nur verwiesen werden soll (vgl. BBR 2003: 8-21).

[...]


1 Eine ausführliche Beschreibung und Definition von IKG folgt in Kapitel 5.1.1

2 Ähnliche Untersuchungsergebnisse zeigen sich in der Unternehmensbefragung von BONNY (2002: 17ff).

3 Unter dem Begriff »autobahnnah« gelten in der Untersuchung Gemeinden, deren Hauptsiedlungskern nicht weiter als 5 km von der Autobahnauffahrt entfernt liegt.

4 Der in der Literatur benutzte Begriff Flächenverbrauch ist im eigentlichen Sinne falsch gewählt, denn Fläche kann physikalisch nicht verbraucht werden. Da sich die Bezeichnung jedoch allgemein durchgesetzt hat, wird sie auch in dieser Arbeit verwendet.

5 Aktuelle Daten mit einer detaillierten Flächenerhebung nach Art der Nutzungen, werden voraussichtlich erst 2006 veröffentlicht.

6 Der Hebesatz ist häufiger Streitpunkt bei interkommunalen Gewerbegebieten, da dieser je nach Gemeinde unterschiedlich hoch ausfallen kann. Bundesweit beträgt der durchschnittliche Hebesatz derzeit 388 Prozent (FTD 2005: 13).

7 Die dargestellten Flächenpotentiale sind in sofern in Ihrer Aussagekraft eingeschränkt, da sie keine Angaben beinhalten, ob die ermittelten Flächen tatsächlich zur Verfügung stehen. Hierzu wären detaillierte Informationen über die jeweilige Rechtskraft des B-Plans und die Erschließungsreife notwendig, diese wurden in der Studie jedoch nicht ermittelt.

Ende der Leseprobe aus 97 Seiten

Details

Titel
Interkommunale Kooperation in der Gewerbeflächenpolitik
Untertitel
Empirische Untersuchungen in Baden-Württemberg
Hochschule
Hochschule für Technik Stuttgart  (Fakultät Architektur und Gestaltung)
Veranstaltung
Master-Studiengang Stadtplanung
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
97
Katalognummer
V172694
ISBN (eBook)
9783668356313
Dateigröße
1699 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Wesentliche Ergebnisse der Arbeit wurden veröffentlicht in der Zeitschrift: PLANERIN ISSN: 0936-9465 Nr.1, 2007, S.60-61
Schlagworte
interkommunale, kooperation, gewerbeflächenpolitik, empirische, untersuchungen, baden-württemberg
Arbeit zitieren
Thorsten Litsch (Autor), 2006, Interkommunale Kooperation in der Gewerbeflächenpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172694

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