Analyse: Alfred Kerrs Rezension zu Georg Büchners "Woyzeck"


Referat / Aufsatz (Schule), 2010
3 Seiten

Leseprobe

Alfred Kerrs Rezension zu Georg Büchners Woyzeck

Analyse

Jennifer Panitz

In seiner Rezension zu Georg Büchners „Woyzeck“, welche 1917 in Köln veröffentlich wurde, beurteilt Alfred Kerr das Handeln Woyzecks und begründet warum er kein typischer Dramenheld ist und auch nicht werden darf. Die Zielgruppe dieser Rezension waren offensichtlich an Dramen interessierte Menschen.

Zuerst erläutert Kerr, das Woyzeck ein Mann sei, der von allen ausgenutzt und schlecht behandelt werde. Sowohl der Hauptmann als auch der Doktor, der Tambourmajor und Marie nehmen keine Rücksicht auf ihn. Woyzeck selbst tue nicht viel, aber viel werde ihm angetan.

Gegen diese Behandlung wehre sich Woyzeck nur ein einziges Mal: mit dem Mord an seiner Geliebten. Anstatt das Erleidete den Anderen heimzuzahlen verursacht er sich selbst so noch mehr Schmerzen. Entgegen älterer Vorstellungen hält Kerr Woyzeck als tauglich eine Dramenfigur zu sein. Doch wird das Drama nicht von seinen Handlungen bestimmt, sondern von jenen, die ihm angetan werden.

Weiter führt Kerr aus, dass Woyzeck sich gerade durch seine Untätigkeit wehre. Also stimme nichts dagegen Woyzeck als Kern des Dramas zu sehen. Jedoch sei es für den Leser interessanter, wenn der „Held“ wirklich handele und man so mit ihm mitfühlen und mit fiebern könne. Doch erscheint die Frage, ob der Zuschauer, der jene Unterhaltung brauche überhaupt ein guter bzw. lohnenswerter Zuschauer sei und ob das Spannungsgefühl überhaupt die beste Form des Zusehens sei. Seien die eigentlichen Gedankengänge und das Nachdenken und Grübeln über eine Handlung nicht wichtiger und auch unterhaltsamer als die pure Spannung einer klaren Handlung.

Abschließend kommentiert Kerr, dass es beide Formen der Handlung in verschiedenen Dramen gebe und dass jeder Mensch eben einen anderen Geschmack habe. Woyzeck sei ein Held für das Drama, aber kein alltäglicher Dramenheld und er dürfe dies auch nie werden.

Zur Textgestaltung kann gesagt werden, dass Kerr durchgehend versucht den mündlichen Sprachgebrauch ins Schriftliche zu übertragen und auch recht viele Stilmittel verwendet. So wird mit der Wiederholung des Satzes „Woyzeck ist der Mensch, auf dem alle rumtrampeln͘“ das Thema des ersten Abschnittes verdeutlicht: die Beziehungen zwischen Woyzeck und den anderen Charakteren. Um zu unterstreichen, dass Woyzeck von Allen ausgenutzt wird und llen unterlegen ist, wir das Wort „dient“ vier Mal wiederholt. Ein Polyptoton „Somit ein Behandelter - nicht ein Handelnder͘“ verdeutlicht endgültig die Situation. Mithilfe dieses Wortspiels wird so auch dem letzten Leser klar, dass die Handlung auf dem beruht, was Woyzeck angetan wird und nicht auf dem, was er selbst tut. Der erste Abschnitt ist im Allgemeinen voll mit Parallelismen und Ellipsen, was dazu dienen soll, zuerst einmal die Aufmerksamkeit des Lesers zu bekommen und ihn dann auch zu fesseln. Die Frage am Ende des ersten bschnitts „Somit ein Dramenheld?“ dient als Cliffhanger. Nach der Einleitung wir jeder Leser diese Frage beantwortet wissen wollen, also wird er garantiert weiter lesen.

Im zweiten Abschnitt ist eine nhäufung von ntithesen zu finden „nicht den Tambourmajor: sondern die Geliebte. Nicht den Räuber: sondern die Geraubte. Nicht den Feind: sondern das eigene Herz͘“ Diese verdeutlichen die Ungewöhnlichkeit und auch Unüberlegtheit in Woyzecks Handeln. Mit weiteren Antithesen wird die Handlung definiert, dass sie von dem lebe, was Woyzeck angetan werde.

Das Paradoxon „dass der Woyzeck sich wehrt, indem er sich nicht wehrt͘“ am Anfang des dritten Abschnitts weckt Verwunderung und Neugier im Leser auf die Art und Weise wie Kerr dies beantworten werde. Mit den in Umgangssprache geschriebenen Ellipsen, des nachfolgenden Witzes „in Vaters Hause sind viele Wohnungen (Und kein mitesamt mehr͘)“ und des langgezogenen „ aaber“s wird der Leser nochmal wachgerüttelt und für das Fazit des Autors bereit gemacht. Die rhetorischen Fragen lassen den Leser die offensichtliche Antwort auf die Frage, ob ein Drama denn nun immer mit Spannung gefüllt sein müsse, realisieren. Weitere antithetische rhetorische Fragen leiten zu Kerrs endgültigem Fazit, welches mit dem Paradoxon „Woyzeck ist sehr wohl ein Held fürs Drama͘ Woyzeck darf nie ein Dramenheld werden͘“ verkündet wird. Dies lässt den Leser mit der Möglichkeit sich selbst eine Meinung zu bilden und nachzudenken.

Alfred Kerrs Gedanken sind in diesem Text etwas durcheinander und schwer zu verstehen ausgedrückt, aber im Grunde genommen waren seine Gedankengänge durchaus logisch. Er argumentiert damit, dass ein typischer Dramenheld das Drama mit seinem Handeln am Leben hält. Doch da Woyzeck eigentlich nicht oft (bzw. nur ein Mal wirklich) handelt, wir hier das Drama von dem getragen, was ihm geschieht und angetan wird. Somit ist er kein typischer Dramenheld, jedoch kann auch solch ein Drama funktionieren, da es zum Nachdenken anregt.

Abschließend ist zu sagen, dass der Titel „Rezension“ nicht wirklich zu lfred Kerrs Text passt. Von einer Rezension wird meist erwartet, dass eine Meinung über ein bestimmtes Werk der Literatur gut verständlich dargelegt und begründet wird. Kerr sagt zwar seine Meinung über Woyzeck und seine Rolle im Drama, aber dies ist eher schon fast eine Analyse seiner Person. Es wird nicht einhundert prozentig klar, ob Herrn Kerr das Drama „Woyzeck“ gefallen hat, oder ob er es Anderen weiter empfehlen würde. Auch hat er seinen Text im allgemeinen eher etwas schwerer verständlich gestaltet, was ihn für die breite Masse der Menschen um 1917 schon an sich uninteressant gemacht hat.

Meiner Meinung nach hatte Kerrs Text vielleicht für Literaturkritiker- und Liebhaber Bedeutung, für die normale Menschen ist er aber nicht sehr hilfreich und auch eher unbedeutend.

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Ende der Leseprobe aus 3 Seiten

Details

Titel
Analyse: Alfred Kerrs Rezension zu Georg Büchners "Woyzeck"
Autor
Jahr
2010
Seiten
3
Katalognummer
V172703
ISBN (eBook)
9783640927500
Dateigröße
692 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Woyzeck, Alfred Kerr, Rezension
Arbeit zitieren
Jennifer Panitz (Autor), 2010, Analyse: Alfred Kerrs Rezension zu Georg Büchners "Woyzeck", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172703

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