WELL – Wechselseitiges Lehren und Lernen am Beispiel Gruppenpuzzle

Thema: Der Dampfdrucktopf


Unterrichtsentwurf, 2009
29 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lernumgebungen
2.1 Kognitivistische Lernumgebung
2.2 Konstruktivistische Lernumgebung

3. Kooperatives Lernen
3.1. Was ist kooperatives Lernen?
3.2. Wirkungsweise kooperatives Lernen
3.3. Forschungsergebnisse
3.4. Methoden des kooperativen Lernens

4. Einbettung der Well - Methoden in die Sandwichstruktur

5. WELL - Methoden
5.1. Wechselseitiges Lehren und Lernen
5.2. Wirksamkeit von WELL - Methoden
5.3. Beschreibung einzelner WELL - Methoden
5.3.1. Das Lerntempoduett
5.3.2. Partner-/ Gruppen-/ Multiinterview
5.3.3. Die strukturierte Kontroverse
5.3.4. Das Partnerpuzzle
5.3.5. Das Gruppenpuzzle

6. Das Gruppenpuzzle in der Praxis
6.1. Vorbemerkungen

7. Verlaufsskizze

8. Didaktische Analyse

9. Methodische Analyse

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Lernen wird heute übereinstimmend als ein aktiver und konstruktiver Prozess aufgefasst. Das, was zu lernen ist, muss in die jeweils kognitiv - emotionalen Struktur integriert werden. Die dafür erforderlichen Lernprozesse müssen von den Lernenden selbst gesteuert und durchlaufen werden.“1 Lehrpersonen können dafür lediglich günstige Voraussetzungen schaffen, welche man derzeit mit der Metapher „Lernumgebung“ bezeichnet (Reinmann- Rothmeier &Mandl, 2001).

Somit ist das Schaffen von Lernumgebungen die zentrale Rolle der unterstützenden bzw. begleitenden Lehrperson.

Reinmann- Rothmeier und Mandl (2001) unterscheiden dabei zwei grundlegende Formen von Lernumgebungen. Zum einen die kognitivistische und zum anderen die konstruktivistische Lernumgebung. Dabei handelt es sich in der Regel um eine idealtypische Einteilung, da in der Praxis diese Formen nur selten in Reinform auftreten.

2. Lernumgebungen

2.1 Kognitivistische Lernumgebung

Die zentrale Idee der kognitivistischen Lernumgebung ist, dass der Versuch, den Lernenden den Wissensausschnitt bzw. Lerngegenstand so zu übermitteln, dass sie später über ein möglichst genaues Abbild davon verfügen, im Mittelpunkt steht. Der Fokus wird hierbei auf die Vorherrschaft der Instruktion gelegt. Das heißt, man stellt sich die Frage, wie die Instruktion optimiert werden kann, damit sich die Lernenden die Wissensinhalte zu eigen machen können. Die Lehrenden befinden sich also in der Rolle eines Wissensvermittlers. Sie präsentieren und erklären die Wissensinhalte, leiten die Lernenden an, überwachen deren Lernfortschritt und hat somit eine aktive Rolle im Unterricht. Im Gegensatz dazu nehmen die Lernenden eher eine passive und rezeptive Rolle ein. Im Mittelpunkt der Beurteilung steht die Überprüfung des Lernerfolgs und die Frage, wie weit die eingesetzten Instruktionen zu den gewünschten Lernergebnissen geführt haben.2

2.2 Konstruktivistische Lernumgebung

Hier ist die zentrale Annahme, dass Menschen ihr Wissen selbst konstruieren und damit die Übermittlung eines möglichst genauen Abbilds von Wissen gar nicht möglich ist. Vielmehr müssen Lernumgebungen so gestaltet werden, dass neue Inhalte verstanden, Kenntnisse und Fertigkeiten flexibel angewandt werden können und die Möglichkeit besteht Problemlösefähigkeiten und andere kognitive Strukturen zu entwickeln. Im Fokus der konstruktivistischen Lernumgebung steht die Vorherrschaft der Konstruktion, dies bedeutet, dass Lernen ein aktiv - konstruktiver Prozess ist, der immer in einem ganz spezifischen Kontext stattfindet. Diesen Prozess sollte man als Lehrender unterstützen, indem man dem Lernprozess der Lernenden unterstützt, anregt und beratend zur Seite steht. Dadurch werden die Lernenden zu aktiven Konstrukteuren ihres eigenen Lernprozesses und ihrer Produkte. Der Prozess des Lernens steht im Mittelpunkt der Beurteilung. Im Lernprozess selbst wird Wert auf Feedback- Informationen gelegt, um sinnvolle Korrekturen, Hilfen und Unterstützungsmaßnahmen einzuleiten.

Der Primat der Instruktion in kognitivistischen Ansätzen ist sehr effektiv, wenn die Lernenden in Lehrplänen oder sonstigen Zielkatalogen definiertes Wissen erwerben sollen. Allerdings bleibt das Wissen „träge“ und es entsteht ein Transferproblem von der Theorie zur Praxis. Lerntheoretiker sind der Auffassung, dass Wissen keine Kopie der Wirklichkeit ist und aus diesem Grund nicht einfach von „außen“ zu vermitteln ist, sondern immer eine Konstruktion darstellt, die eine gewisse Eigenaktivität der Lernenden voraussetzt. Auch erscheint es als Widerspruch, einerseits durch Vermittlung die Rezeption von Wissen zu fördern, anderseits so auch die gesellschaftlich geforderten Kompetenzen, wie Problemlösekompetenz, soziale Kompetenzen,… systematisch fördern zu wollen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass eine gemäßigt konstruktivistische Lernumgebung empfohlen wird. Das heißt „eine Lernumgebung, die am konstruktivistischen Modell orientiert ist und den Lernenden möglichst viel Eigeninitiative zumutet - ohne sie dabei jedoch völlig sich selbst zu überlassen und das pure Vermitteln von Wissen aus dem Lernprozess auszuschließen.“3

In solch einer Lernumgebung spielen kooperative Lernformen eine wichtige Rolle. Aber was ist kooperatives Lernen?

3. Kooperatives Lernen

3.1. Was ist kooperatives Lernen?

Nach Konrad/ Traub 2001 lässt sich das kooperative Lernen wie folgt beschreiben:

„Kooperatives Lernet ist eine Interaktionsform, bei der die Beteiligten gemeinsam und in wechselseitigem Austausch Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben. Im Idealfall sind alle Gruppenmitglieder gleichberechtigt am Lerngeschehen beteiligt und tragen gemeinsam Verantwortung.“ 4

3.2. Wirkungsweise kooperatives Lernen

Es stellt sich natürlich hier die Frage, welche positiven Effekte sich durch das kooperative Lernen einstellen.

Nach Anne A. Huber versprechen kooperative Lernformen einen Weg zur optimalen Förderung nicht nur fachlicher, sondern auch überfachlicher Kompetenzen zu sein. Zu diesen überfachlichen Kompetenzen zählt zum einen, die Fähigkeit mit anderen zusammenarbeiten zu können, was heutzutage in der Berufswelt immer mehr vom Einzelnen verlangt wird. Zum anderen können die Lernenden aber auch Problemlösekompetenz und / oder die Fähigkeit zur Selbstregulation der eigenen Lernprozesse erwerben. Dabei ist zu erwarten, dass sich die Lernenden als selbstwirksam erleben und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln und damit auch motiviert lernen. Schlussendlich wirken sich die kooperativen Lernformen nicht nur auf den Einzelnen aus, sondern auch auf die sozialen Beziehungen innerhalb einer Gruppe/ Klasse.

3.3. Forschungsergebnisse

Dass sich kooperatives Lernen positive auf soziale Beziehungen, das Selbstwertgefühl und die sozialen Fertigkeiten der Schülerinnen und Schüler auswirkt, konnte Slavin (1995) in einer Überblickstudie, in die zahlreiche Untersuchungen zum kooperativen Lernen in der Primar- und Sekundarstufe eingingen, zeigen. In 64 % der Fälle kooperative Lernformen dem normalen Unterricht überlegen waren. In 31 % der Fälle ergaben sich keine Unterschiede und nur in 5% der Fälle war der normale Unterricht besser, war das Lernergebnis betrifft.5

3.4. Methoden des kooperativen Lernens

Kooperativen Lernformen sind Arbeitsformen, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und so gestaltet sind um zum einen zu verhindern, dass Probleme bei einer Zusammenarbeit mit anderen auftreten und zum anderen sinnvolle Lösungen anzubieten, wenn dann doch Probleme auftreten.

Ziel all dieser Methoden ist es, die Interaktionen und Lernprozesse zu fördern, die sich für das Lernergebnis als relevant herausgestellt haben. So konnte Webb (1989, 1991, 1992) zeigen, dass insbesondere das Geben von Erklärungen beim Lernen stark mit dem eigenen Lernerfolg verbunden ist.6

Neben der traditionellen Partner - und Gruppenarbeit, der Gruppenralley, den Kleingruppenprojekten und der Problemdiskursmethode zählen auch WELL Methoden zum kooperativen Lernen

4. Einbettung der Well - Methoden in die Sandwichstruktur

Es hat sich als optimal herausgestellt, wenn kooperative Lernformen in eine Sandwichstruktur eingebettet sind, bei der die kooperativen Lernformen von einem Einführungs - und Abschlussteil umrahmt sind. Im Einführungsteil wird das Thema in einen Gesamtzusammenhang der Lerneinheit eingebettet, durch eine Themenvernetzung (Advance Organizer) des Lehrenden oder einem Impulsreferat, um dadurch den Lernenden Ziele und Aufgabenstellungen deutlich zu machen.

Im Innenleben des Sandwichprinzips wechseln sich kollektive Lernphasen und individuelle Lernphasen ab und werden durch sogenannte Gelenkstellen miteinander verbunden, in denen Arbeitsanweisungen gegeben, Gruppen eingeteilt werden, Material verteilt und ein Zeitrahmen für die Lernenden gegeben wird, nach welchem die Arbeitsphasen beendet und die Klasse wieder zusammengeführt wird. Das Sandwich an sich ist durch verschiedene Lernphasen zur individuellen Auseinandersetzung gekennzeichnet. Hier lassen sich auch die WELL - Methoden, die wiederum durch verschiedene Lehr - und Lernhilfen unterstützt werden, ansiedeln, aber auch andere Formen von Partner- und Gruppenarbeiten sind möglich.

Im Abschlussteil kann eine Ergebnissicherung oder ein Erfahrungsaustausch der Lernenden stattfinden. Es können einzelne Gruppenergebnisse im Plenum präsentiert und exemplarisch besprochen werden. Hier können dann abschließend vereinzelnde Lernlücken geschlossen werden oder Transferaufgaben bearbeitet werden.7

5. WELL - Methoden

5.1. Wechselseitiges Lehren und Lernen

Definition: „Unter „Wechselseitigem Lehren und Lernen“ sind kooperative Lernformen zu verstehen, bei denen die Lernenden für eine umschriebenen Teil der Inhalte zu Expertinnen und Experten werden und sich diese anschließend wechselseitig vermitteln“ ( Huber, 2004; 2005c; Huber, Konrad & Wahl, 2001)8. Entscheidend ist dabei eine Gleichberechtigung der Rollen in drei Lernphasen:

1. Aneignungsphase: hier wird das Expertenwissen erworben. Alle Lernenden ohne Ausnahme eignen sich einen Teil der Inhalte an. Es gibt dadurch so viele Experten, wie es Lernende gibt.
2. Vermittlungsphase: hier werden die Inhalte wechselseitig vermittelt. Dabei werden im Wechsel die jeweils komplementären Rollen von Experte und Novize bzw. Novize und Experte eingenommen. Dadurch ergibt sich eine insgesamt symmetrische Kooperation
3. Verarbeitungsphase: hier wird die subjektive Auseinandersetzung mit den angeeigneten und vermittelten Inhalten noch einmal besonders betont, um nachhaltige Effekte zu erhalten.

Das „Wechselseitige Lehren und Lernen“ zeichnet sich durch den systematischen Wechsel von Experten- und Novizenrollen aus, läuft in den drei beschriebenen Phasen ab und enthält im Bereich der Kompetenz keine festgeschriebenen Asymmetrien.

Zusammenfassend kann man sagen, dass WELL „eine besonders ausgewogene Form des kooperativen Lernens ist, die sich durch eine hohe Aktivität der Lernenden in allen Phasen des Lernprozesses auszeichnet.“9

Im Verlauf der Arbeit, werde ich noch näher auf die einzelnen Phasen eingehen.

5.2. Wirksamkeit von WELL - Methoden

„Seit vielen Jahren wird die Wirksamkeit kooperativer Lernmethoden empirisch untersucht. Bekannt geworden ist dabei die Studie von Slavin (1995), der in einer Meta- Analyse 64 empirische Untersuchungen verglich, in denen WELL - Methoden enthalten sind. Dabei ergab sich, dass in 50 dieser Studien (78%) die Experimentalgruppen, in denen Formen des „Wechselseitigen Lehrens und Lernens“ praktiziert worden, gegenüber den jeweiligen Vergleichsgruppen die besseren Lernfortschritte zeigten.“10

Dabei ergaben sich folgende Ergebnisse:

- „Gegenüber dem üblichen lehrerzentrierteren Klassenunterricht waren Formen des „Wechselseitigen Lehrens und Lernens“ in Lernergebnis, intrinsischer Motivation und Kompetenzerleben generell überlegen.“11
- „Die Vorgabe von Lernstrategien wirkte sich positiv auf intrinsische Motivation, Kompetenzerleben und Lernleistung aus.“12
- „Dabei erwies sich die Vorgabe von Lernstrategien insbesondere dann als wichtig, wenn die kooperative Lernmethode einen Expertenstatus beinhaltete.“13

WELL - Methoden verfolgen mehrere Ziele. Sie haben eine positive Auswirkung auf den Lernerfolg, das heißt, einen Wissens- und Kompetenzerwerb auf der sozialen, personalen und fachlichen Ebene. Dadurch wird das soziale Klima verbessert, die Schüler und Schülerinnen erleben den eigenen Lernzuwachs und steigern so ihre Selbstwirksamkeit und ihr Selbstwertgefühl.14

[...]


1 vgl. Konrad, 2004; Huber 2005 c In Wahl 2006

2 Vgl. Anna A. Huber & Günther L. Huber S. 116ff

3 Anna A. Huber & Günther L. Huber S. 116ff

4 Anette Bernhard, WELL - Wechselseitiges Lehren und Lernen S.3

5 vgl. Anna A. Huber S.4

6 vgl. Anna A. Huber S. 9

7 vgl. Annette Bernhart, S. 6f

8 In: Wahl, 2006 s. 154

9 Wahl 2006 s. 154f

10 Wahl 2006, S. 171

11 Wahl 2006, S. 172

12 Wahl, 2006 S. 172

13 Wahl, 2006 S. 172

14 Vgl. Annette Bernhart S. 4

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Details

Titel
WELL – Wechselseitiges Lehren und Lernen am Beispiel Gruppenpuzzle
Untertitel
Thema: Der Dampfdrucktopf
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Veranstaltung
WELL – Wechselseitiges Lehren und Lernen
Note
2
Autor
Jahr
2009
Seiten
29
Katalognummer
V172753
ISBN (eBook)
9783640930661
ISBN (Buch)
9783640930500
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
well, wechselseitiges, lehren, lernen, beispiel, gruppenpuzzle, thema, dampfdrucktopf
Arbeit zitieren
Marina Stern (Autor), 2009, WELL – Wechselseitiges Lehren und Lernen am Beispiel Gruppenpuzzle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172753

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