„Wir müssen denjenigen Unternehmern, die die Zukunftsfähigkeit ihrer Unternehmen und die Interessen ihrer Arbeitnehmer im Blick haben, helfen gegen die verantwortungslosen Heuschreckenschwärme, die im Vierteljahrestakt Erfolg messen, Substanz absaugen und Unternehmen kaputtgehen lassen, wenn sie sie abgefressen haben.“1 So beschrieb der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering 2004 eine Investmentform, die auch unter dem Namen „Private Equity“ bekannt ist.
Die Idee, die hinter dieser Finanzierungsform steckt, ist jedoch nicht neu. Seit Jahrhunderten beteiligen sich Investoren mit Kapital und Beratung an wirtschaftlichen Projekten, um einer Idee zum Durchbruch zu verhelfen und selbst Profit daraus zu schlagen. Beispielsweise wurde die Entdeckung Amerikas erst dadurch möglich, dass Christoph Kolumbus mutige Finanziers für seine Reise fand.
In der derzeit sehr emotional geführten Debatte über Private Equity treten die positiven Grundzüge dieser traditionsreichen Investitionsform fast vollkommen in den Hintergrund.
Ein Ziel dieser Arbeit ist es, vorbehaltlos und unabhängig von der politischen Debatte Private Equity Investitionen hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile respektive ihrer Chancen und Risiken sowohl für die Zielunternehmen als auch für die Private Equity Gesellschaften zu untersuchen.
Zunächst werden die Grundlagen der Private Equity Finanzierung erläutert um den Leser mit der Thematik vertraut zu machen. Daran anschließend sollen die Chancen und Risiken einer Private Equity Investition für die Beteiligten, sowie die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen einer Private Equity Transaktion untersucht werden. Schwierigkeiten bereitet hierbei die geringe Anzahl von unabhängigen Informationsquellen, da viele vorliegende Studien, die sich mit Private Equity Investitionen und ihren Auswirkungen befassen von Private Equity Interessenverbänden in Auftrag gegeben wurden.
Abschließend soll untersucht werden, ob es auf die Fragestellung „Private Equity – Chance oder Risiko?“ eine allgemeingültige Antwort gibt.
Private Equity ist nach der Definition der European Venture Capital and Private Equity Association (EVCA)2 der Oberbegriff, der den gesamten Markt für privates Beteiligungskapital umfasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Teil
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Ablauf einer Private Equity Investition
3. Chancen von Private Equity Investitionen
3.1 Chancen für die beteiligten Unternehmen
3.1.1 Hilfe für junge Unternehmen
3.1.2 Wertsteigerung des Unternehmens
3.1.3 Steigerung des Innovationsgrades
3.1.4 Professionalisierung des Managements
3.2 Chancen für die Private Equity Gesellschaft
3.2.1 Chancen auf hohe Renditen
4. Risiken von Private Equity Investitionen
4.1 Risiken für die beteiligten Unternehmen
4.1.1 Verschuldung des beteiligten Unternehmens
4.1.2 Verlust von Arbeitsplätzen
4.2 Risiken für die Private Equity Gesellschaft
4.2.1 Verlust der Kapitaleinlage
5. Gesamtwirtschaftliche Effekte
5.1 Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die kontroverse Finanzierungsform Private Equity, um eine objektive Bewertung ihrer Auswirkungen auf Unternehmen und Gesellschaft zu ermöglichen. Das Ziel ist es, die einseitige politische Debatte zu durchbrechen und Chancen sowie Risiken anhand theoretischer Grundlagen und praktischer Beispiele differenziert zu analysieren.
- Grundlagen und Definition von Private Equity Investitionen
- Chancen für Zielunternehmen (z.B. Innovation, Management-Professionalisierung)
- Risiken für Zielunternehmen (z.B. Verschuldung, Arbeitsplatzabbau)
- Risiken und Renditechancen für Private Equity Gesellschaften
- Gesamtwirtschaftliche Bedeutung und Auswirkungen auf das BIP
Auszug aus dem Buch
3.1.4 Professionalisierung des Managements
Dass sich ein Private Equity Einstieg auch positiv auf das Management des Unternehmens auswirken kann, zeigt das Beispiel vom Stuttgarter Parkraumbewirtschafter Apcoa. Vor dem Einstieg des Private Equity Investors Investcorp gab es bei Apcoa keine monatlich konsolidierten Geschäftszahlen und keine Investitionspläne. Dafür aber erfolgsunabhängige und starre Budgets.
Das Unternehmenswachstum stagnierte. Mit dem Einstieg von Investcorp wurde ein transparentes Berichtssystem sowie klare Investitionspläne eingeführt. Ebenso wurde das starre Budgetsystem abgeschafft und durch ein effizienteres ersetzt. Die Zahl der Konzernentwickler und Konzernstrategen wurde von zwei auf zwölf erhöht. Zudem stellte man das Gehalt der verschiedenen City-Manager um und bezahlte diese nun abhängig davon, wie viele neue Parkplätze und Garagen die Manager zur Bewirtschaftung schufen.
Dieses neue Anreizsystem sowie die Beteiligung von insgesamt 68 Managern der ersten bis zur vierten Führungsebene am Apcoa-Kapital erwiesen sich als sehr wirksam. Apcoa konnte sein Neugeschäft in Deutschland verdoppeln. Dieses Beispiel zeigt, dass Private Equity Investitionen einen für das Unternehmen sehr sinnvollen Nebeneffekt haben können. Durch die stark renditeorientierte Arbeitsweise der Investoren muss das Management neu aufgestellt und verändert werden um eine nachhaltige Wertsteigerung des Unternehmens zu erzielen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die emotionale öffentliche Debatte um Private Equity, die durch Begriffe wie "Heuschrecken" geprägt ist, und steckt das Ziel einer unabhängigen Untersuchung ab.
2. Theoretischer Teil: Dieses Kapitel definiert Private Equity als Oberbegriff für privates Beteiligungskapital und erläutert den mehrphasigen Ablauf einer entsprechenden Investition.
3. Chancen von Private Equity Investitionen: Hier werden die positiven Aspekte für Unternehmen, wie Kapitalhilfe und Management-Professionalisierung, sowie die Renditechancen für Investoren hervorgehoben.
4. Risiken von Private Equity Investitionen: Das Kapitel analysiert Gefahren wie eine hohe Verschuldung durch Leverage-Effekte und den möglichen Abbau von Arbeitsplätzen in Portfoliounternehmen.
5. Gesamtwirtschaftliche Effekte: Dieser Abschnitt betrachtet den Einfluss von Beteiligungskapital auf das Bruttoinlandsprodukt und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.
6. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass eine pauschale Verurteilung der Branche unprofessionell ist und die Realität stark vom Einzelfall abhängt.
Schlüsselwörter
Private Equity, Beteiligungskapital, Venture Capital, Rendite, Heuschreckendebatte, Leverage-Effekt, Unternehmenswert, Management, Innovation, Arbeitsplatzabbau, Bruttoinlandsprodukt, Due Dilligence, Exit, Finanzierung, Zielunternehmen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit?
Die Arbeit analysiert das komplexe Spannungsfeld von Private Equity Investitionen und versucht, die Frage zu klären, ob diese Finanzierungsform eine Chance oder ein Risiko für die Wirtschaft darstellt.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Neben den theoretischen Grundlagen werden Investitionsabläufe, spezifische Chancen für Unternehmen und Investoren, sowie die mit der Beteiligung verbundenen Risiken diskutiert.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Fragestellung lautet: „Private Equity – Chance oder Risiko?“.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Untersuchung und der Auswertung von Fachliteratur, Studien sowie praxisnahen Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Chancen (Wertsteigerung, Innovation), der Risiken (Verschuldung, Stellenabbau) und der makroökonomischen Effekte auf das Bruttoinlandsprodukt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Beteiligungskapital, Rendite, Leverage-Effekt, Due Dilligence und die „Heuschreckendebatte“ sind für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Warum wird das Beispiel des Unternehmens Apcoa angeführt?
Apcoa dient als Fallbeispiel, um zu veranschaulichen, wie durch Private Equity Beteiligungen Managementstrukturen professionalisiert und das Unternehmenswachstum gefördert werden kann.
Wie bewertet der Autor die "Heuschreckendebatte"?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass eine allgemeine Diskreditierung der gesamten Branche, wie sie durch den „Heuschrecken“-Begriff erfolgt, unprofessionell und durch die differenzierte Betrachtung der Sachlage nicht gerechtfertigt ist.
- Citation du texte
- Lennart Berning (Auteur), 2010, Private Equity – Chance oder Risiko?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172758