Fehlerkorrektur im Tischtennis


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

19 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Fehler und deren Korrektur in sportlichen Handlungen

3. Fehler im Tischtennissport
3.1. Typisierung von Fehlern
3.2. Skizzierung von Fehlerursachen

4. Fehlerkorrektur im Tischtennis
4.1. Grundregeln zur Korrektur von Fehlern
4.2. Formen der Fehlerkorrektur

5. Praxisbezogene Anwendungsbeispiele

6. Zusammenfassende Schlussbemerkungen

7. Literaturverzeichnis

8. Abkürzungsverzeichnis

9. Anhang (Bildmaterial)

1. Vorwort

Die Bedeutung der Fehlerkorrektur im Tischtennis ergibt sich bereits daraus, dass 85%[1] der Trainerhandlungen aus Maßnahmen zur Beseitigung von Bewegungsfehlern sowie der Bekräftigung des Richtigen in der aktuell vollzogenen Bewegung des Lernenden bestehen. Erfolgt die Vermittlung des Rückschlagspiels Tischtennis in einer spielgemä­ßen, ganzheitlichen Art und Weise, kommt der Bewegungsanalyse und der Fehlerkor­rektur eine andere Rolle im Vergleich zur traditionellen Vermittlung zu. Die Bewegungs­beobachtung (beispielweise bei der Schlagausführung) lässt sich nicht auf den Aspekt der Schlägerführung reduzieren. So muss vordergründig eine Analyse der Gesamtkör­per­bewegung hinsichtlich möglicher Fehlerquellen erfolgen. Mit dem Anspruch der Prak­tikabilität im Schulsport sowie der Notwendigkeit zur frühzeitigen Korrektur im Bewegungslernen des Anfängerbereichs begründet es sich logisch, dass der Fokus vor­liegender Arbeit auf den Bereich des Grundlagentrainings (= GLT) gerichtet sein wird. Dieser soll im Folgenden zunächst einmal näher charakterisiert werden:

Döbler, Schnabel und Thieß (1989) skizzieren das Grundlagentraining als „ersten Aus­bildungsabschnitt des Nachwuchstrainings, der die erste Etappe des langfristigen Lei­stungs­aufbaus realisiert. Sie ist in ihrer Struktur und ihrem Inhalt durch eine hohe Viel­falt und allgemeine Ausbildung gekennzeichnet (bis zu 80 Prozent). Schwerpunkt der Ausbildung in den Sportspielen ist die Entwicklung eines breiten koordinativen und kon­di­tionellen Grundlagenniveaus sowie einer allgemeinen Spielfähigkeit. Die Wettkampf­anforderungen entsprechen den Ausbildungszielen und -aufgaben der einzelnen Ab­schnitte des GLT. Das GLT hat gleichzeitig die Aufgabe, die Eignung des Spielers (Talent­erkennungstraining) für das jeweilige Sportspiel zu ermitteln. In den Sportspielen beginnt das GLT in den Altersklassen 8-10 und endet etwa bei der AK 13/14“.[2]

Schnabel, Harre, Krug und Borde (2003) ergänzen diese Charakterisierung noch um die Prozesshaftigkeit der Persönlichkeitsentwicklung junger Sportler, die zudem eine tak­tische und psychomoralische Grundlagenausbildung für eine systematische Entwick­lung sportlicher Höchstleistungen in der jeweiligen Sportart beinhaltet. Jener Sachver­halt ist durchaus als sehr komplex zu betrachten, da sich die Trainer-Spieler-Interaktion keinesfalls auf eine sachbezogene Ebene reduziert. Ziel der Arbeit soll es sein, die Komplexität der möglichen Fehler und deren Ursachen überblicksartig zu erfassen sowie diesbezügliche Handlungsempfehlungen und Tipps für die praktische Tätigkeit in Schule und Verein zu liefern. Dabei wird die Darstellung des vorliegenden Berichts zunächst vom allgemeinen hin zum speziellen Sportkontext erfolgen, um einen methodisch wohl strukturierten Zugang zur Thematik zu eröffnen.

2. Fehler und deren Korrektur in sportlichen Handlungen

Die Korrektur von Fehlern nimmt eine zentrale Stellung[3] innerhalb der Interaktion zwi­schen Trainer und Sportler ein. Dabei ist das Grundschema sportartenübergreifend gleich: Nach einem Bewegungsvollzug erwartet der Sportler von seinem Trainer eine Rück­kopplung. Doch handelt es sich hierbei keineswegs um ein einseitiges Informieren. Insofern kann man diese Art des kommunikativen Handelns auch als korrektive Rück­kopplung (= Feedback) bezeichnen, bei dem sich beide Seiten gleichermaßen und wechsel­seitig in ihrem Verhalten beeinflussen.[4] Was versteht man jedoch unter einem „Fehler“? Diesbezüglich ist zunächst also eine Begriffsbestimmung als Bezugsnorm erforderlich.

Konkretisiert wird der „Fehler“-Begriff durch Döbler et al. (1989) als „verallgemeinerte Bezeichnung für Verstöße gegen [...] technische Ausführungsvorschriften von Spiel­hand­lungen, für Mängel in der angestrebten Bewegungsausführung oder auch takti­sches Fehlverhalten. In den beiden zuerst genannten Fällen führen Fehler meist zu Spiel­un­ter­brechungen [...]“.[5] Diese Darlegungen werden von den Autoren sinnvoller­weise noch weiter differenziert bzw. spezifiziert, indem z.B. der sog. technische Fehler Erwähnung findet. Dieser stelle die „Abweichung des Bewegungsablaufs [...] vom jewei­ligen Technikmodell bzw. technischen Leitbild in einem Maße (dar), das die Qualität und Effektivität einer sportlichen Technik mindert. (Er) tritt in den Sportspielen vor allem unter Wettkampfanforderungen wie hohe physische und psychische Belastungen, der Realisierung technischer Anforderungen in speziellen und schwierigen taktischen Situa­tionen bei harter gegnerischer Einflussnahme und ungünstigen äußeren Bedingungen auf. Technische Fehler führen häufig zu Ballverlusten, zu Spielunterbrechungen und verschaffen dem Gegner Vorteile [...]“.[6]

Genau aus diesem Faktum heraus ergibt sich die evidente Bedeutung zur Korrektur (Verbesserung, Beseitigung) von Fehlern, um sich dem Gegner gegenüber Vorteile zu verschaffen und nicht umgekehrt. Zur Korrektur von Fehlern lässt sich demgemäß festhalten, dass in hohem Maße die Art und Weise der Rückinformation entscheidend ist (also das WIE hinsichtlich Blickkontakt, Ton, Gestik und Mimik). Laut Friedrich (2003) sind die psychologischen, menschlichen und pädagogischen Aspekte der Korrektur gar genauso wichtig wie die fachliche Richtigkeit. Des Weiteren ist die Fehlerkorrektur prozessual zu begreifen und beginnt mit dem Beobachten der Bewegungen [1], setzt sich fort mit der Ursachenanalyse der Mängel oder Fehler [2] und endet letztlich mit der gleichnamigen Korrektur des Fehlers [3]. Winterboer (1999) stimmt grundsätzlich der Dreigliedrigkeit zu, differenziert den Verlauf jedoch in Bewegungsanalyse [1], die Pla­nung der Korrektur [2] sowie die Durchführung der Bewegungskorrektur [3].

Grundvoraussetzung für eine solch hochkomplexe Trainertätigkeit ist zunächst, sich eine genaue Kenntnis der Schlagausführung anzueignen. Auch die Vielfalt an bereits gesammelten Erfahrungen spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Das Vokabular der Rückmeldung muss stets entsprechend der Auffassungsgabe des Sportlers adressatenangepasst gewählt werden. Insofern ist bei allen informativen Prozessen in der Konsequenz dieser Gesichtspunkte eine didaktische Aufbereitung von Nöten. Des Weiteren bedarf es vor der Verbalisierung stets eines genauen Abwägens der Information (dabei sollte der Sportler von einer „Informationsüberflutung“ verschont bleiben). Zur Häufigkeit der Hinweise soll an dieser Stelle auf Punkt 4.1. verwiesen werden – Friedrich (2003, S. 14) konstatiert dazu treffend: „Weniger ist mehr!“ Auch zu den Beobachtungsaspekten lassen sich allgemeine Gesichtspunkte hervorheben: Eine spielgemäße, ganzheitliche Vermittlung von Sportarten erfordert die Beobachtung der Gesamtbewegung. Davon zu unterscheiden ist die Möglichkeit zur Beobachtung einzel­ner Teile der Ausführung (das „Ganze“ vs. „Details“).[7] Der optische Faktor „Observa­tion“ sollte jedoch stets durch weitere Informationskanäle gestützt werden: So wohnt der Akustik z.B. eine wichtige Funktion inne, um das Statement des Trainers kompetent „abzurunden“. Zur Fehlerermittlung führt der jeweilige Beobachter einen ständigen Soll-Istwert-Vergleich durch, wobei die reale Bewegungsausführung der sog. „Idealtechnik“ gegenübergestellt wird.

3. Fehler im Tischtennissport

Als „Fehler“ bezeichnet man das nicht regelgerechte oder unvollständige Ausführen einer sportartspezifischen Technik. Insofern versteht sich ein solch technischer Fehler als eine Abweichung des Bewegungsablaufs vom jeweiligen Technikmodell bzw. techni­schen Leitbild (vgl. Wohlgefahrt 2004). Jene Abweichung (also die resultierende Diffe­renz des Soll-Istwert-Vergleiches) mindert zumeist die Effektivität der angewandten sportlichen Technik. Dies wiederum begründet den hohen Stellenwert und die Notwen­dig­keit einer sinnvollen und zweckmäßigen Praktizierung von Fehlerkorrektur im Grund­la­gen­training. Da dieser Abschnitt u.a. die erste Etappe des langfristigen Leistungs­aufbaus realisiert und es automatisierte Fehler (siehe Abb.1) präventiv zu minimieren gilt, ist die Korrekturtätigkeit in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen und sollte von Seiten des Trainers gut durchdacht und entsprechend „aufbereitet“ werden.

3.1. Typisierung von Fehlern

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1. Typisierung von Fehlern (Knappe/Hasenkrüger, 1984, S. 112 und Bremer, 1984, S. 108ff.)

[entnommen aus Wohlgefahrt 2004, S. 87.]

Mit der Kenntnis von den in Abb.1 dargestellten Fehlerarten soll der Trainer zur „sensibilisierten“ Erkennung von Fehlern befähigt werden. Nur wer der vielfältigen Mög­lich­keiten kundig ist, kann die jeweiligen Ist-Techniken den unterschiedlichen Typen zuord­nen, um daraus wiederum stringent und sinnvoll zu „selektieren“. Die Notwendig­keit zur Auslese begründet sich dadurch, dass sich der Betreuer vor der Frage nach dem WIE die Frage nach dem WAS stellen muss: Welche(r) Fehler soll(en) überhaupt korrigiert werden? Folgerichtig bedarf es einer Ordnung nach Prioritäten. Dabei bleibt festzuhalten, dass sich das Tätigkeitsfeld im Anfängerbereich in erster Linie auf die Behe­bung der sog. Grobfehler (Abb.1) bzw. Hauptfehler beschränkt. Ziel dieser Maß­nah­men ist es, die erhebliche „Verletzung“ der Bewegungsgrundstruktur durch den Spieler zu beheben. Bei einem solchen Fehlertypus läuft die Lösung der Bewegungs­aufgabe zuwider und ist als solche in jedem Fall wesentlich und zu beseitigen. Auf die weiteren Fehlerarten innerhalb der Übersicht soll im Rahmen der Arbeit aus pragma­tischen Gründen und hinsichtlich der Konzeption des GLT nicht näher eingegangen werden.

[...]


[1] Wohlgefahrt: Spezielle Trainingslehre TT, S. 86.

[2] Döbler et al.: Grundbegriffe der Sportspiele, S. 90.

[3] An dieser Stelle sei noch einmal auf den im Vorwort erwähnten 85%-igen Anteil der Trainerhandlungen verwiesen.

[4] Friedrich proklamiert: „Gute, weil erfolgreiche Trainer zeichnen sich auch und gerade in der Fehlerkorrektur durch ein kommunikatives Können aus!“ (Friedrich: Fehlerkorrektur, S. 13.)

[5] Vgl. Anm. 2, S. 75.

[6] Ebd. S. 76. (Hervorhebungen von mir, A.S.)

[7] Friedrich und Blache schlagen zum Erlernen des Beobachtens folgenden Lehrweg vor: Zunächst sollten einfache Grundbewe-gungen beobachtet und verbal beschrieben werden, um dann schließlich einzelne Teile komplizierterer Gesamtbewegungen separat herauszugreifen und intensiv zu beobachten (z.B. Gewichtsverlagerung, Ausholpunkt, Beinstellung usw.). Einen näch­sten Schritt würde dann der Versuch zur Beobachtung und Korrektur zweier Spieler gleichzeitig darstellen. Im Weiteren käme darüber hinaus die Konzentration auf die sog. Hauptfunktionsphase (Schläger-Ballkontakt) und dann erst die Fokussierung anderer Funktionsphasen mit hinzu. Im Anschluss an jenes Prozedere wird durch die Autoren ein Vergleich der Fehlerkorrektur mit anderen Kollegen empfohlen. Zum Schluss sollte dann die Erstellung einer Fehlerhierarchie erfolgen [mit dem Ergebnis der Unterscheidung in Haupt- und Nebenfehler] (Friedrich / Blache: Tischtennis-Reader, S. 25f.).

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Fehlerkorrektur im Tischtennis
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Sportwissenschaft)
Veranstaltung
Schwerpunktfach Tischtennis
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V172878
ISBN (eBook)
9783640932726
ISBN (Buch)
9783640933099
Dateigröße
1959 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fehlerkorrektur, tischtennis
Arbeit zitieren
Annabelle Senff (Autor), 2006, Fehlerkorrektur im Tischtennis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172878

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