Der Panorama-Blick des 19. Jahrhunderts untersucht an Adalbert Stifters "Condor"


Seminararbeit, 2007

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Hauptteil:
2.1. Historischer Hintergrund des 19. Jahrhunderts
2.2. Exkurs: Zur Geschichte des Panoramas
2.3. Exkurs: Die Anfänge der Luftfahrt
2.4. Der Condor: ein Interpretationsversuch

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1 Einleitung:

Der Condor1, geschrieben von Adalbert Stifter, wurde 1840 in der Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode, dessen Herausgeber Friedrich Witthauer war, im Erstdruck veröffentlicht. Stifter, der sich selbst als Maler sah und als Hauslehrer sein Geld verdiente2, bekam als Honorar für seinen zwölf-seiti- gen Beitrag damals zwanzig Gulden3.

Was macht nun die Novelle Der Condor so besonders, dass sie im 21. Jahrhundert Teil des Germanistik-Studium ist? Die folgende Arbeit soll darüber Auskunft ge- ben. Der Condor ist eine Novelle. Eine Novelle ist „von Goethe als `eine sich er- eignete unerhöhrte Begebenheit` definiert, weil sie sich auf ein einziges, real vor- stellbares, als real ausgegebenes Ereignis konzentriert“4. Der Handlung des Con- dors liegt ein historisches Ereignis zugrunde, nämlich die erste menschenbesetzte Ballonfahrt am 21. November 17835. Etwas unerhörtes ist die Handlung insofern, als das Stifter Cornelia, die neben dem Maler Gustav, ein Hauptcharakter der Er- zählung ist, an seiner Fahrt im Heißluftballon teilnehmen lässt. Dass es sich hier- bei um etwas nie da gewesenes handelt, wird in dem Ausruf „`Mama, [...] hier fliegt in Mädchen in die Luft!`“6 von Ida, der Tochter der Baronin Mink deutlich, die sich unbemerkt des Schriftstücks bemächtigt und heimlich darin liest7.

Somit zeigt sich im Condor sowohl das Menschenbild dieser Zeit, als auch die Problematik der Einschränkungen eines jeden Individuums und die damit verbun- dene Sehnsucht nach Endfesselung und Freiheit. Auf Grund dieser Tatsache ge- währt der Condor dem neuzeitlichen Leser Einblick in die historischen Hinter- gründe des 19. Jahrhunderts und trägt so auch zum Verständnis des heutigen Men- schenbildes bei. Ich beziehe mich in meiner Arbeit auf die historisch-kritische Ge- samtausgabe aus Adalbert Stifter. Werke und Briefe, die den Text in der Journalfassung bietet.

In einem ersten Schritt werden die historischen Hintergründe als Voraussetzung für den Erfolg des Panoramas und das Luftfahrt beleuchtet. Anschließend wird durch zwei Exkurse die wissenschaftlich-technische Seite dieser Neuerungen betrachtet, um sich dann mit diesem Wissen dem Text zu nähern. Die nachfolgende Interpretation wird an exemplarisch ausgewählten Textstellen erfolgen. Der Schlussteil fasst abschließend alle Ergebnisse, die helfen, den panoramischen Blick des 19. Jahrhunderts zu verstehen, zusammen.

2.1. Historischer Hintergrund des 19. Jahrhunderts

Das gesamte19. Jahrhundert ist durch eine Vielzahl von sozialen, wirtschaftlichen und politischen Veränderungen charakterisiert.

Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war durch die Neuordnung beim Wiener Kongress (18. September 1814 bis 9. Juni 1815) aufgelöst und der Deutsche Bund nahm seinen Platz ein.

Nachdem in den Befreiungskriegen (1813 - 1815) Napoleon geschlagen wurde, kam es zu einer „nationalen Zersplitterung im Deutschen Bund“8. Die Grenzen der Fürstentümer behinderten den wirtschaftlichen Handel, viele innerdeutsche Zollschranken erschwerten überregionalen Warenverkehr9. Man schaffte es nicht, eine Vereinheitlichung des Deutschen Bundes herbei zu führen. Es gab keine einheitliche Gesetzgebung, wodurch zusätzlich eine Gefühl der Einheit unterbunden wurde. Diese Voraussetzungen machen mehr als deutlich, wie beengt und eingesperrt sich die Bürger zu dieser Zeit fühlten. Man wollte aus dieser Gefangenschaft entkommen. So erklärt sich auch das große Interesse, mit welchem neue, grenzüberschreitende Erfindungen aufgenommen wurden. Die soziale Hoffnung verschmolz mit der Phantasie des All-Blicks.

Die beiden, vielleicht wichtigsten, Neuerungen, werden nachfolgend in Exkursen näher erläutert. Dabei ist der Exkurs zu den Anfängen der Luftfahrt im Hinblick auf die anschließende Betrachtung dieses Motivs im Condor von besonderer Wichtigkeit. Da das Panorama und die Mongolfiere aber lediglich zwei unter- schiedliche Ausprägungen ein und des selben Phänomens sind, sind sie untrennbar miteinander verbunden, denn „ so wie die Mongolfieren als > Fahrzeug ohne Grenzen< empfunden wurde, so sprach man vom Panorama als [...] >Gemälde ohne Grenzen<“10.

2.2. Exkurs: Zur Geschichte des Panoramas

Schon die Frage, wer der eigentliche Erfinder des Panoramas11 ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Das Patent erhielt am 17. Juni 1787 Robert Barker. Dieses wurde sogleich von Johann Adam Breysig angefochten, weil dieser meinte, dass er die Idee zu einem solchen Medium bereits früher gehabt habe. Für die Betrach- tung der Geschichte des Panoramas ist allerdings weniger wichtig, wer das Pan- orama erfunden hat, als viel mehr die Tatsache, dass sich mehrere Menschen zur gleichen Zeit mit dieser Überlegung beschäftigten12. Das Panorama als terminus technicus ist ein großes, rundes Gebäude von ca. 30 - 35 m Durchmesser, in den die Zuschauer durch einen verdunkelten Gang gelangen. Über eine Treppe erreicht man eine Plattform, über der sich das so genannte Velum, ein schirmartiges Dach, spannt. Durch eine mittige Öffnung im Dach der Kuppel scheint das Tageslicht in das Panorama und reflektiert an den Wänden, sodass eine gleichmäßige Beleuchtung gewährleistet ist. Ein weiterer Bestandteil des Panoramas war Faux Terrain. Dieser plastisch gestaltete Vordergrund vor Zeichnung, bildete den Übergang zwischen Zwei- und Dreidimensionalität. Das Gemälde des Panoramas, welches den auf der Plattform Stehenden mit 360° umgab, war 1000 - 2000 qm groß13. Die Fertigung der Leinwand war ein sehr langwieriger Prozess. Da es den Webereien nicht möglich war, ein so großes Stück Tuch herzu stellen, mussten kleine, einzelne Stofftücher aneinander genäht werden und die Nähte so gut wie möglich kaschiert werden. Das so entstandene Ganze wurde in das Gebäude gespannt und zweimal grundiert. Die größte Schwierigkeit bestand aber darin, das Gemälde (meist von Landschaften oder Schlachten) selbst zu fertigen. Mehrere Maler und Malergehilfen waren daran beteiligt und es musste versucht werden, den individuellen Stil eines jeden zu unterdrücken, damit sich alle Einzelteile zu einem zusammenfügten. Ein Beob- achter auf der Plattform musste den Malern Anweisungen geben, denn er war der einzige, der eventuelle Fehler in der Perspektive oder Farbfehler aus gewissem Abstand erkennen konnte.

[...]


1 Die Schreibweise wurde in Anlehnung an die Urfassung gewählt und wird in der gesamten Arbeit beibehalten

2 Vgl.: Hein, Alois Raimund : Adalbert Stifter. Sein Leben und seine Werke. 2 Aufl. Bd 1.2. Wien, Bad Bocklet, Zürich 1904 Seiten 143 - 144

3 Vgl.: Roedl, Urban, Adalbert Stifter. Geschichte seines Lebens, Bern 1958, Seite 131

4 Grundbegriffe der Literaturwissenschaft, Heike Gfrereis,1999 Stuttgart, Seite 137

5 Höhler, Sabine : Luftfahrtforschung und Luftfahrtmythos. wissenschaftliche Ballonfahrt in Deutschland, 1880 - 1910. Frankfurt/Main, New York 2001. Seite 69

6 Hein, Alois Raimund: Adalbert Stifter Seite 141

7 Vgl.: Roedl, Urban, Adalbert Stifter. Seite 131

8 Beer, Max: Allgemeine Geschichte des Sozialismus und der sozialen Kämpfe. Mit Ergänzungen von Hermann Duncker. 7. Aufl.. Erlangen 1931. Seite 493

9 OdP, Seite 15

10 OdP, Seite 14

11 Interessant ist, dass es sich bei dem Wort Panorama um ein griechisches Kunstwort handelt, „zusammengesetzt aus >pan< (=alles) und >horama< (=sehen) Vgl Oettermann: Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums Seite 7

12 Dazu mehr im Kapitel 2.4

13 Vgl.: Oettermann, Stephan: Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums. Frankfurt am Main 1980. Seiten 41 - 42

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Panorama-Blick des 19. Jahrhunderts untersucht an Adalbert Stifters "Condor"
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V172889
ISBN (eBook)
9783640929368
ISBN (Buch)
9783640929443
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Panorama, Adalbert Stifter, Codor, Kondor, Heißluftballon
Arbeit zitieren
B.A. Cornelia Johnen (Autor), 2007, Der Panorama-Blick des 19. Jahrhunderts untersucht an Adalbert Stifters "Condor", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172889

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