Durch intensive Literaturrecherche konnte eine Abgrenzung von Großprojekten zu anderen Projekten vorgenommen werden. Bei der Bestimmung was ein Großprojekt ist, kommt es nicht auf die bloßen Zahlen an, sondern auch auf die Größe des Unternehmens. Allgemein kann daher von einem Großprojekt gesprochen werden, wenn das Projektbudget die Jahresumsätze der beteiligten Unternehmen übersteigt und ein Projekt länger als zwei Jahre dauert.
Des Weiteren ist die Durchführung von Großprojekten mit diversen Risiken verbunden. Das größte Risiko bei der Planung und Durchführung von Großprojekten ist ein mangelhaftes Anforderungsmanagement. Alle Anforderungen sollten zwischen den Parteien vor dem Start des Projektes geklärt werden, denn die Anforderungen im Nachhinein einzubauen kostet sehr viel Zeit und Geld.
Da die Projektplanung von Großprojekten in der Theorie kaum möglich ist, wurde das Praxisbeispiel des Eurotunnelbaus gewählt. Hieran kann sehr gut gezeigt werden, was alles für eine Planung eines Großprojekts notwendig ist und wie schnell Fehler passieren können. Durch die Fehler steigen Kosten und die Zeitplanung gerät durcheinander, was sich auch bei dem Eurotunnelprojekt erkennen lässt. Die Kosten überstiegen die Planungen um ca. 80 % und das vorher geplante Eröffnungsdatum musste um ca. ein Jahr verschoben werden.
Die größten Fehler geschahen hierbei in der Anfangsphase, denn der Bau wurde begonnen, ohne einen ausgereiften Projektplan zu besitzen. Genau dies ist aber ein Knackpunkt bei der Planung von Großprojekten. Es sollte vermieden werden ein Großprojekt zu früh anzugehen, denn jeder Fehler der bei der Planung gemacht wird, kostet bei späterer Entdeckung sehr viel Geld.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführende Betrachtung
2. Das Großprojekt
2.1 Abgrenzung von Großprojekten
2.2 Planung von Großprojekten
2.3 Risiken von Großprojekten
3. Praxisbeispiel: Großprojekt zum Bau des Eurotunnel
3.1 Vorgeschichte zum Bau des Eurotunnel
3.2 Zeitlicher Verlauf des Tunnelbaus
3.2.1 Die verschiedenen Anfangskonzepte
3.2.2 Organisationstruktur des Eurotunnelbaus
3.2.3 Planung des Tunnelbaus
3.2.4 Planungsfehler und Schwierigkeiten beim Bau des Eurotunnel
3.3 Fertigstellung und weitere Entwicklung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexen Herausforderungen und Risiken bei der Planung von Großprojekten, um ein tieferes Verständnis für die häufige Nichteinhaltung von Zeit- und Kostenbudgets zu entwickeln und Lösungsansätze für ein verbessertes Management aufzuzeigen.
- Definition und Abgrenzung von Großprojekten
- Risikofaktoren im Anforderungsmanagement
- Planungsprozesse und deren Schwachstellen
- Fallstudie: Analyse des Eurotunnel-Baus als Praxisbeispiel
- Kulturelle und organisatorische Einflussfaktoren bei komplexen Vorhaben
Auszug aus dem Buch
3.2.4 Planungsfehler und Schwierigkeiten beim Bau des Eurotunnel
Wie oben bereits erwähnt lag das kalkulierte Projektbudget bei 6 Mrd. Pfund Sterling. Das erste Geld kam vom Ärmelkanalkonsortium selber und betrug 46 Mio. Pfund Sterling. Hierauf folgten 206 Mio. Pfund von einer privat-institutionellen Kapitalbeteiligung, eine Mrd. Pfund von der Europäischen Investmentbank und kurz darauf ein von einem Kreditbrief abgesicherter Kredit von 5 Mrd. Pfund, der bei bedarf abgerufen werden konnte. Weitere 770 Mio. Pfund wurden durch den Aktienverkauf aufgebracht.
Dieses Geld sollte allerdings nicht reichen, da die Kosten unerwartet stiegen. So musste zusätzliches Geld aufgebracht werden, was zum einen durch einen 300 Mio. Pfund Kredit der Europäischen Investmentbank geschah und zum anderen durch einen weiteren Bankkredit über 1,8 Mrd. Pfund. Die Gesamtkosten lagen bei ca. 10 Mrd. Pfund und somit weit über die erwarteten 6 Mrd.
Als erster Grund für die Kostensteigerungen ist die zu günstige Einschätzung der geologischen Verhältnisse zu nennen. Auf der englischen Seite gab es weit mehr Wassereinbrüche als geplant und so mussten drei TBM nachträglich mit Schutzhauben ausgerüstet werden, was einen enormen Zeit und Kostenaufwand nach sich zog.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführende Betrachtung: Einführung in die Thematik der Großprojekte, deren mediale Aufmerksamkeit und die damit verbundenen typischen Probleme hinsichtlich Zeit- und Kostenmanagement.
2. Das Großprojekt: Theoretische Definition und Abgrenzung von Großprojekten von kleineren Vorhaben sowie eine erste Betrachtung notwendiger Planungsaspekte und typischer Risiken.
3. Praxisbeispiel: Großprojekt zum Bau des Eurotunnel: Detaillierte Fallstudie über den historischen Verlauf, die Planung, die organisatorische Struktur und die aufgetretenen Schwierigkeiten beim Bau des Eurotunnels.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Projektergebnisse mit dem Hinweis, dass eine flexible und detaillierte Planung unerlässlich ist, um Risiken bei Großprojekten beherrschbar zu halten.
Schlüsselwörter
Großprojekte, Projektplanung, Projektsteuerung, Eurotunnel, Risikomanagement, Anforderungsmanagement, Kostensteigerung, Zeitplanung, Tunnelbau, Infrastrukturprojekt, Bauprojekt, Wirtschaftsinformatik, Projektmanagement, Machbarkeitsstudie, Ressourcenplanung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit befasst sich mit den spezifischen Herausforderungen, Planungsfehlern und Risiken, die bei der Durchführung von Großprojekten auftreten können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Großprojekten, der Identifikation von Risikotreiber wie mangelhaftem Anforderungsmanagement sowie der Analyse realer Planungsprobleme.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Schwachstellen im Planungsprozess von Großprojekten zu ergründen und zu analysieren, warum Kosten- und Zeitplanungen bei derartigen Vorhaben so oft scheitern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer intensiven Literaturrecherche sowie einer detaillierten Analyse des Eurotunnelbaus als Praxisbeispiel.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Großprojekten sowie eine umfassende Untersuchung der Geschichte, Planung, Organisation und der Schwierigkeiten des Eurotunnel-Bauprojekts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Großprojekte, Projektplanung, Risikomanagement, Anforderungsmanagement sowie spezifische Aspekte des Eurotunnelbaus.
Warum wird der Eurotunnel als Praxisbeispiel herangezogen?
Der Eurotunnel dient als Paradebeispiel, um aufzuzeigen, wie komplex die Planung eines Megaprojekts ist und wie schnell unerwartete geologische oder organisatorische Probleme zu massiven Kostenüberschreitungen führen können.
Welche Rolle spielten kulturelle Unterschiede beim Bau des Eurotunnels?
Die Arbeit verdeutlicht, dass unterschiedliche Ansätze in der Planung und Arbeitsweise zwischen französischen und englischen Ingenieuren zu Meinungsverschiedenheiten und Abstimmungsproblemen führten.
- Citation du texte
- Markus Lange-Stuntebeck (Auteur), 2010, Projektplanung von Großprojekten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172896