(Abstract in English, but text in German) Which approaches to learning and formation of knowledge (“Bildungsräume”) and understanding exist in today’s technologically oriented „knowledge society“ and which approaches will be required to sustain this society? Guided by the analysis of three key terms on this topic ”knowledge,” “learning“ and “orientation“, I am investigating the pedagogical and philosophical aspects and extracting the type of knowledge and Bildung that will be needed. Furthermore, I outline additional pedagogical research themes. This investigation includes recent qualitative and empirical research, as well as neglected approaches of Plato’s philosophy.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Wissen
1.1 Die modernen Gesellschaften als `Wissens- und Informationsgesellschaften´ und die Pädagogik
1.2 Die `Wissensgesellschaft´ und die Relevanz der Frage nach dem Wissen
1.3 Die Frage: Was bedeutet Wissen?
1.3.1 Die Frage nach dem Wissen und seinen Bedingungen und ein erster kurzer Blick auf Platon
1.3.2 Eine zweiteilige Annahme als Antwort auf die Frage nach dem Wissen
1.3.2.1 Der erste Teil der Antwort auf die Frage nach dem Wissen (nebst dreier bildungsbedeutsamer Probleme, die sich daraus ergeben): Die Bindung des Wissens an die Person
1.3.2.1 Der zweite Teil der Antwort auf die Frage nach dem Wissen: Das `Herzstück´ von Wissen als Sachkompetenz
2. Lernen
2.1 Charakteristika eines an persongebundenem Wissen ausgerichteten Lernprozesses
2.2 Konsequenzen eines sachkompetenzorientierten Wissenserwerbs für das Verständnis des Lehr- Lernvorganges
2.3 Konsequenzen aus dem Lehr-Lernvorgang für den Wissenserwerb in einer `Wissens- und Informationsgesellschaft´
2.4. Orientierung
2.4.1 Warum überhaupt Wissenserwerb und nicht bloß Informations- beschaffung? Die Fähigkeit zur eigenverantwortlichen Orientierung als praktischer Vorzug des Wissens
3. Perspektiven
3.1 Die Angewiesenheit der `Wissens- und Informationsgesellschaft´ auf genuin Wissende und deren orientierte wie orientierende Skepsis und ein entsprechendes Lehren und Lernen
3.1.1 Die Angewiesenheit auf sachgebietsimmanente orientierte und orientierende Skepsis und die Konsequenzen für das Lehren und Lernen
3.1.2 Abschluss und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht aus pädagogisch-philosophischer Perspektive das Spannungsfeld zwischen Wissen und Information in modernen Wissensgesellschaften. Ziel ist es, die Notwendigkeit von Bildung durch die Entwicklung von Sachkompetenz und orientierendem Gebrauchswissen aufzuzeigen, um der Vereinnahmung pädagogischer Begriffe durch einen rein ökonomischen Brauchbarkeitsdiskurs entgegenzuwirken.
- Unterscheidung zwischen dem Begriff des Wissens und der bloßen Information.
- Bedeutung der Sachkompetenz als Herzstück eines bildenden Wissenserwerbs.
- Kritische Analyse gegenwärtiger didaktischer Vermittlungspraktiken.
- Die Rolle der skeptischen Prüfung als Voraussetzung für verantwortetes Handeln.
- Notwendigkeit von Bildungsräumen zur Förderung eines skeptisch qualifizierten Problemwissens.
Auszug aus dem Buch
1.3.2.1 Der erste Teil der Antwort auf die Frage nach dem Wissen (nebst dreier bildungsbedeutsamer Probleme, die sich daraus ergeben): Die Bindung des Wissens an die Person
Wissen, so der erste Teil unserer Annahme, im qualifizierten Sinne ist eine bestimmte Verfasstheit der wissenden Person, und damit gebunden an sie als konkrete, individuelle und leibliche Instanz.
Nach dieser Bestimmung ist Wissen also nicht ablösbar von der Person des bzw. der Wissenden.
Ablösbar sind nur Wahrheit beanspruchende Sachverhaltsaussagen, deren Vergegenständlichung man als `Information´ bezeichnen kann. Was von einem Wissen mitgeteilt und direkt dokumentiert werden kann, sind nur wahre Sätze, die als `Informationen´ vom Wissenden selbst abtrennbar sind.
Die Bindung an den Wissenden als `personale Instanz´ ist ein wesentliches Moment von Wissen im qualifizierten Sinne. Alles andere sind höchstens herrenlos gewordene Wissensabsplittungen.
Diese Fragmente sind im besten Falle das, was die wissende Person an richtigen Sätzen auf der Grundlage ihres Wissens äußert. Sie können als `Informationen´ allgemein zugänglich und verfügbar gemacht werden.
Im Zusammenhang dieser Wissensabsplittungen fern der Bindung an die Person des Wissenden ergeben sich vor allem drei für die Pädagogik bedeutsame Probleme, die in der `Informationsgesellschaft´ besonders relevant werden.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Fragestellung nach den notwendigen Bildungsräumen für moderne Wissensgesellschaften anhand der Begriffe Wissen, Lernen und Orientierung.
1. Wissen: Dieses Kapitel erörtert die Notwendigkeit einer klaren Unterscheidung zwischen Wissen und Information sowie die Personengebundenheit und Sachkompetenz als essenzielle Bedingungen für Wissen.
2. Lernen: Der Fokus liegt hier auf der Gestaltung von Lernprozessen, die auf Sachkompetenz ausgerichtet sind, sowie der kritischen Auseinandersetzung mit aktuellen didaktischen Strategien und ihren Auswirkungen.
3. Perspektiven: Das Kapitel schließt mit Überlegungen zur Bedeutung einer skeptisch-orientierten Bildung und fordert die Etablierung von Bildungsräumen, die ein problemqualifiziertes Nichtwissen ermöglichen.
Schlüsselwörter
Wissen, Information, Wissensgesellschaft, Pädagogik, Sachkompetenz, Lernen, Orientierung, Bildung, Skepsis, Gebrauchswissen, Lehr-Lern-Prozess, Didaktik, Platon, Problemwissen, Wahrheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogisch-philosophischen Bestimmung von Bildung in modernen technisierten Wissensgesellschaften und kritisiert die Vermischung von Wissen mit bloßer Information.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Struktur des Wissens, der Bedeutung von Sachkompetenz, der Kritik an aktuellen didaktischen Praktiken und der Notwendigkeit einer skeptisch orientierten Bildung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Eigenständigkeit und das Eigenrecht des Pädagogischen gegenüber ökonomischen Verwertungsinteressen zu verteidigen und aufzuzeigen, wie mündige Orientierung durch qualifizierten Wissenserwerb möglich wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen pädagogisch-philosophischen Ansatz, der sich unter anderem auf platonische Dialoge stützt und durch Ergebnisse der rekonstruktionslogischen Unterrichtsforschung untermauert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Grundlegung von Wissen und Lernen, die Analyse empirischer Defizite in der aktuellen Unterrichtspraxis sowie die Ableitung von Perspektiven für ein skeptisch-qualifiziertes Lehren und Lernen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Wissensgesellschaft, Sachkompetenz, Gebrauchswissen, skeptische Prüfung und personengebundenes Wissen geprägt.
Welche Rolle spielt Platon in den Überlegungen des Autors?
Platon dient als zentraler Bezugspunkt, insbesondere durch seinen Protagoras-Dialog, um die Ambivalenz technischer Fertigkeiten und die Notwendigkeit eines regulierenden praktischen Gebrauchswissens zu verdeutlichen.
Was meint der Autor mit der "Lehr-Lern-Lücke"?
Der Begriff beschreibt die Grenze der didaktischen Verfügbarkeit, da das eigentliche Lernen und die Verstehensleistung immer ein aktiver, subjektiver Prozess des Lernenden bleiben, der nicht von außen "hergestellt" werden kann.
- Arbeit zitieren
- PD Dr. phil. habil. Roland Mugerauer (Autor:in), 2011, Bildungsräume für die 'Wissensgesellschaft'!, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172899