Der Ausgangspunkt des aktuellen Reformprojekts des IASB und FASB geht auf die Untersuchungen der sog. G4+1 – Gruppe zurück. Mit dem McGregor Papier von 1996 kam zum ersten Mal mit dem Right-of-Use-Ansatz eine Lösung für eine on-balance-Bilanzierung zur Sprache. Eine konkrete Zusammenarbeit an dem joint project on lease accounting zwischen IASB und FASB besteht seit dem Jahr 2006. Mit dem Discussion Paper „Leases – Preliminary Views“ vom 19.03.2009 wurde ein weiterer Schritt in Richtung einer Neuregulierung der Leasingbilanzierung veröffentlicht. Vorab wurde hier nur die Leasingnehmer-Sicht beleuchtet. Mit dem Standardentwurf ED „Leases“ vom 17.08.2010 folgte eine gesamte Betrachtung auf Seiten des Leasingnehmers und Leasinggebers. Der neue Right-of-Use-Ansatz erfuhr in den Kommentierungen überwiegende Befürwortung und soll als endgültiger Standard im Juni 2011 die derzeitigen Bestimmungen des IAS 17 sowie die Interpretationen IFRIC 4, SIC-15 und SIC-27 ersetzen.
Diese Arbeit wird im Folgenden auf die gegenwärtigen Bilanzierungsbestimmungen des IAS 17 eingehen. Nach einführender Begriffsklärung folgt eine Aufzeichnung der Erst- und Folgebewertungen der einzelnen Leasingarten beim Leasingnehmer sowie Leasinggeber. Im dritten Abschnitt werden die Neuregulierungen durch den ED/2010/9 „Leases“ zur Bilanzierung von Leasingverhältnissen näher erläutert und dem aktuellen Vorgehen gegenübergestellt. Abschließend erfolgt eine kritische Würdigung des Vorhabens von IASB und FASB.
Inhaltsverzeichnis (Table of Contents)
- 1 Einleitung und Grundlagen zum Leasing
- 1.1 Einführung
- 1.2 Arten von Leasingverhältnissen
- 1.3 Mindestleasingzahlung
- 1.4 Bedingte Leasingzahlung
- 2 Bilanzierung von Leasingverhältnissen nach IAS 17
- 2.1 Klassifizierung von Leasinggeschäften
- 2.2 Bilanzierung von Finanzierungsleasingverhältnissen
- 2.2.1 Leasingnehmer
- 2.2.2 Leasinggeber
- 2.3 Bilanzierung von Operating-Leasingverhältnissen
- 2.3.1 Leasingnehmer
- 2.3.2 Leasinggeber
- 3 Neuregelungen des Exposure Draft ED/2010/9 „Leases“ zur Bilanzierung von Leasingverhältnissen
- 3.1 Ziel des Exposure Draft ED/2010/9
- 3.2 Anwendungsbereich
- 3.3 Bilanzierung von Leasingverhältnissen beim Leasingnehmer
- 3.3.1 Bedeutung „Right-of-Use“
- 3.3.2 Erstansatz des Leasingverhältnisses
- 3.3.3 Folgebewertung des Leasingverhältnisses
- 3.4 Bilanzierung von Leasingverhältnissen beim Leasinggeber
- 3.4.1 Grundkonzeption zum Ansatz beim Leasinggeber
- 3.4.2 Performance-Obligation-Modell
- 3.4.3 Partial-Derecognition-Modell
- 4 Würdigung des Exposure Draft ED/2010/9 „Leases“
Zielsetzung und Themenschwerpunkte (Objectives and Key Themes)
Diese Diplomarbeit befasst sich mit der Bilanzierung von Leasingverhältnissen nach IFRS, insbesondere im Hinblick auf die vorgeschlagenen Neuregelungen des Exposure Draft ED/2010/9 „Leases“. Die Arbeit analysiert die aktuellen Bilanzierungsbestimmungen des IAS 17 und stellt diese den neuen Regulierungen gegenüber. Die Arbeit zielt darauf ab, die komplexen Aspekte der Leasingbilanzierung zu beleuchten und die Auswirkungen der vorgeschlagenen Änderungen auf die Bilanzierungspraxis aufzuzeigen.
- Klassifizierung von Leasingverhältnissen als Finanzierungsleasing oder Operating-Leasing
- Erst- und Folgebewertung von Leasingverhältnissen nach IAS 17
- Der Right-of-Use-Ansatz im ED/2010/9 „Leases“
- Die beiden Bilanzierungsmodelle für Leasinggeber: Performance-Obligation-Modell und Partial-Derecognition-Modell
- Die Auswirkungen der neuen Regulierungen auf die Bilanzkennzahlen und die Bilanzierungspraxis
Zusammenfassung der Kapitel (Chapter Summaries)
Kapitel 1 legt die Grundlagen zum Leasing dar, indem es die verschiedenen Arten von Leasingverhältnissen, die Mindestleasingzahlung und die bedingte Leasingzahlung erläutert.
Kapitel 2 analysiert die Bilanzierung von Leasingverhältnissen nach IAS 17. Es beschreibt die Klassifizierung von Leasinggeschäften als Finanzierungsleasing oder Operating-Leasing und erläutert die Erst- und Folgebewertung von Leasingverhältnissen für Leasingnehmer und Leasinggeber.
Kapitel 3 präsentiert die Neuregelungen des Exposure Draft ED/2010/9 „Leases“. Es beschreibt das Ziel des Entwurfs, den Anwendungsbereich der neuen Regulierungen und die wichtigsten Änderungen in der Bilanzierung von Leasingverhältnissen für Leasingnehmer und Leasinggeber.
Schlüsselwörter (Keywords)
Die wichtigsten Schlüsselwörter und Fokusthemen der Arbeit sind Leasingbilanzierung, IFRS, IAS 17, Exposure Draft ED/2010/9, „Leases“, Right-of-Use-Ansatz, Performance-Obligation-Modell, Partial-Derecognition-Modell, Finanzierungsleasing, Operating-Leasing, Leasingnehmer, Leasinggeber, Bilanzkennzahlen, Bilanzierungspraxis.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Standard regelt aktuell die Bilanzierung von Leasingverhältnissen?
Die gegenwärtigen Bestimmungen sind im IAS 17 sowie in den Interpretationen IFRIC 4, SIC-15 und SIC-27 festgelegt.
Was ist der Kern des neuen „Right-of-Use“-Ansatzes?
Beim Right-of-Use-Ansatz bilanziert der Leasingnehmer das Recht, einen Vermögenswert zu nutzen, als Aktivposten und die Zahlungsverpflichtung als Passivposten.
Was ändert sich durch den Exposure Draft ED/2010/9?
Der Entwurf sieht vor, dass nahezu alle Leasingverhältnisse „on-balance“ (in der Bilanz) ausgewiesen werden müssen, was die Unterscheidung zwischen Finanzierungs- und Operating-Leasing verändert.
Welche Modelle werden für den Leasinggeber im neuen Entwurf vorgeschlagen?
Es werden zwei Modelle diskutiert: das Performance-Obligation-Modell und das Partial-Derecognition-Modell.
Wie wirkt sich die Neuregelung auf die Bilanzkennzahlen aus?
Durch die Aufnahme von Leasingverpflichtungen in die Bilanz erhöhen sich die Bilanzsumme und die Verschuldungskennzahlen, während die Eigenkapitalquote sinken kann.
Was ist eine „bedingte Leasingzahlung“?
Dies sind Zahlungen, die von künftigen Faktoren (z.B. Umsatzanteilen) abhängen und nicht fest vereinbart sind; ihre Bilanzierung ist ebenfalls Teil der Neuregelung.
- Quote paper
- Pascal Hagemann (Author), 2011, Leasingbilanzierung nach IFRS, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172914