Systematisierung von Sport-, Kultur- und TV-Events

Eine Analyse unter Berücksichtigung des Zweckes von Kulturveranstaltungen


Hausarbeit, 2011

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

1. Aufgabenstellung

Im Rahmen der Vorlesung „Sport-, Kultur- und TV-Events“ sollte ein Ansatzpunkt für die mögliche Systematisierung dieser unterschiedlichen Events gefunden werden.

Dabei wurden von unserer Gruppe die Teilbereiche Marketing-Events, Kultur-Events und Sport- Events jeweils unabhängig voneinander bearbeitet. Um dennoch eine gewisse Stringenz zu schaffen, entschieden wir uns die Betrachtungsweise ähnlich zu gestalten. Die Systematisierung wurde auf Grundlage der Untersuchung des Zweckes dieser Events vorgenommen, wozu jedoch weitere Erläuterungen am Beginn des jeweiligen Kapitels zu finden sind. Die Untergliederung in Sport-, Kultur- und Marketing-Events macht schon ohne genauere Erläuterung deutlich, dass das Thema „Event“ in unserer Gesellschaft von enormer Bedeutung ist und dass der Begriff „Event“ scheinbar sehr positiv konnotiert sein muss. Steht bei einem Event auch das positive Erlebnis im Vordergrund, so ist uns durch die Vorlesung vermittelt worden, welch enormer organisatorischer Aufwand von Nöten ist, um den einwandfreien Ablauf eines Events zu gewährleisten.

Die folgenden soll speziell eine Systematisierungen der Kulturevents vorgenommen werden, die aufzeig, wie stark Events untergliedert sind und welche Zielsetzungen sie in den unterschiedlichen Bereichen haben. Allen gemein ist dabei unter Anderem das Aufeinandertreffen von Menschen unter einer gewissen Thematik die erlebnisorientiert ist und in einem eher emotionalen Rahmen stattfindet. Bei der Überprüfung weiterer Ähnlichkeiten binnen der diversen Veranstaltungsarten wird in den einzelnen Kapiteln auch ein Fokus auf die strategisch geprägten Intentionen von agierenden Unternehmen, also Eventschaffenden, gerichtet.

2. Systematisierung von Kulturevents (Michaela Strobel)

2.1. Ein Wort zur Kultur

Alles ist Kultur. Zu diesem Schluss gelangt man unweigerlich allein in Anbetracht der Vielzahl von Worten, welche das Suffix „Kultur“ tragen. Da gibt es Wohnkultur, Esskultur, Popkultur, Unternehmenskultur, Streitkultur. Es scheint fast so, als könne man jeden beliebigen Begriff zu einem Kulturgegenstand machen. Laut UNESCO ist eine vereinfachte Einteilung die Kulturfelder „ Politik, Bildung, Gesellschaft und Ö konomie “ 1 nicht ausreichend. Denn befragt man die Hüterin der sogenannten Weltkultur, so stellt sich der Kulturbegriff als ein weites Feld dar:

„ Kultur [kann] in ihrem weitesten Sinne als die Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen werden [ … ], die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Dies schlie ß t nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die

Grundrechte des Menschen, Wertsysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen;[ein] “ 2

Wir sind also auf Schritt und Tritt von Kultur umgeben - egal was wir tun, alles trägt zu Manifestation und Bildung unserer Kultur bei. Bewusst oder unbewusst, Kultur scheint unseren Alltag zu prägen und unser Alltag prägt unsere Kultur. Man könnte annehmen, dass genau dies die Schwachstelle der Kulturvermittlung ist - dass Kultur so allgegenwärtig ist, dass wir ihre Anwesenheit weder wahrnehmen, noch zu schätzen wissen.

In diesem Zusammenhang drängt sich die Frage auf, ob Kulturevents ein möglicher Ausweg aus dem Dilemma sein könnten. In der gängigen Bedeutung, haftet dem Begriff „Event“ etwas Besonderes an3, was dazu verleitet, Events als etwas zu betrachtet, was aus unserem Alltag hervorsticht und an einem außergewöhnlichen Ort stattfindet.

Wenn man nun aber davon ausgeht, dass unsere Kultur auch Produkt unseres Alltages ist, so bemerkt man, dass das Kulturevent ganz klar von diesem Gedanken abgegrenzt werden muss, da es sonst nur logisches Resultat - und somit unspektakulärer Teil - unseres Alltages wäre4

Tatsche ist, es gibt Kulturevents. Betrachtet man die unterschiedlichen Herangehensweisen an diese Begriffsdefinition, fällt auf, dass selten die in meinen Augen wichtigste Frage beantwortet wird: die Frage nach dem Zweck solcher Veranstaltungen. Warum gibt es Kulturevents? Sind sie nur ein weiterer Bestandteil unseres Alltages, unserer banalen Wünsche und Bedürfnisse, oder sind sie ein Mittel um aktiv auf Kultur aufmerksam zu machen?

Aus dieser Fragestellung heraus ergab sich für mich der Anlass, Kulturevents auf ihren Zweck hin zu systematisieren.

2.2. SYSTEMATISIERUNG NACH DEM ZWECKE

Voraussetzung für die adäquate Systematisierung von Kulturevents ist eine klare Definition von „Kultur“. Es gibt je nach Disziplin unterschiedliche Auslegungen, die sich auf unterschiedliche Teilbereiche des von der UNESCO definierten Kulturbegriffes stützen. Die soziologische Definition, welche Kultur als Lebensform betrachtet5 oder gar den etymologischen Ansatz, welcher den geschichtlichen Ursprung des Wortes vom lateinischen „colere“ aus dem Bereich der Landwirtschaft für die Kulturbegriffsdefinition gebraucht6, zu verwenden erscheint hier unzweckmäßig.

Da Kulturevents in dieser Arbeit in einem betriebswirtschaftlichen Kontext stehen, werde ich im Folgenden den Kulturbegriff verwenden, welchen Manfred Bruhn in seinem Buch über Kultursponsoring nennt, denn sie entspricht am ehesten dem Verständnis von Kultur im populären Sprachgebrauch, wo meistens von den „ künstlerischen Ausdrucksformen Bildende[r] und Darstellende[r] Kunst, Musik und Literatur “ 7 ausgegangen wird.

2.2.1. Identifizierung nach Haupt-Stakeholdern

Unabhängig von der Art des Events gibt es immer drei Beteiligte, die zwangsläufig involviert sind, und ohne die es keine Kulturevents gäbe: Die Veranstalter, die Kulturschaffenden und das Publikum.

Alle haben sie ihre eigenen Gründe weshalb sie an Kulturevents partizipieren, welche das sind, möchte ich im Folgenden umreißen. Die Liste möglicher Kulturevents ist lang, und die der potentiellen Veranstaltern noch länger, doch der Umfang dieser Arbeit lässt nicht zu, auf jeden Teilnehmer einzeln einzugehen, so dass die nun genannten Beispiele als exemplarisch zu betrachten sind.

Beweggründe der Veranstalter

Kommunen, Länder und der Staat fördern Kultur und entdecken immer neue Wege ihr zu Beliebtheit zu verhelfen. Seien es Weinfeste, eine Lange Nacht der Museen, Konzerte oder Messen. Was auf den ersten Blick nach einem Verlustgeschäft im Namen der Volksbildung aussieht, hat aber im Endeffekt ein bestimmtes Ziel: die Generierung von Einnahmen. Ein Stadtfest kurbelt die lokale Gastronomie an, Besucher der Kulturnacht mieten sich in örtlichen Hotels ein, Konzerte und andere Angebote machen die Stadt attraktiv für potentielle - steuerzahlende - Einwohner. Doch selbstverständlich darf nun nicht voreilig darauf geschlossen werden, die Politik wolle nur Standortmarketing betreiben. In vielen Verfassungen steht die Kulturförderung und Ermöglichung von kultureller Bildung festgeschrieben8 woraus sich auch ideologische Beweggründe ergeben, womit die öffentliche Hand eine Sonderstellung unter den Veranstaltern einnimmt. Wenn Galerien Ausstellungen organisieren, Bars Poetry Slams in ihr Programm aufnehmen, Restaurants ein Krimidinner veranstalten und Radiosender ein Festival initiieren, dann ist die ökonomische Grundlage für ihr Bestehen auch der Grund für die Durchführung solcher Events. Doch dabei kommt es nicht nur auf die kurzfristige Einnahmengenerierung durch zahlende Gäste an, sondern es zählt auch, sich auf dem Markt zu positionieren und gegenüber der Konkurrenz zu etablieren. Kundenbindung und Bekanntheitssteigerung sind langfristige Erfolgsfaktoren, die durch Kulturevents gesteigert werden. Wenn kulturelle Bildungseinrichtungen, Künstlerverbände oder Kunstmäzenen ihre Kunstwerke öffentlichkeitswirksam zur Schau stellen, dann tun sie dies häufig aus einem ganz bestimmten, sehr subjektiven Grund: Profilierung. Zwar können auch hier noble Beweggründe wie die Förderung von Künstlern aus Sympathie oder das Ernstnehmen des Bildungsauftrages eine Rolle spielen, doch der in der Kulturindustrie weit verbreitete eigene Stolz ist sicherlich nicht zu vernachlässigen.

Beweggründe der Kulturschaffenden

Den Anstoß zur Überlegung, Kulturevents nach ihrem Zweck zu systematisieren, brachte der Zweifel daran, dass Kulturevents tatsächlich nur dazu da sein sollen, das Interesse an Kultur zu fördern. Diesen Grund kann man allerdings nicht vollkommen ausschließen, wie schon angedeutet wurde. Vor allem nicht, in Anbetracht der Beweggründe von Kulturschaffenden. Viele Künstler nutzen ihre Kunst als Ausdrucksmöglichkeit ihrer Gesellschaftskritik, sie wollen aufklären und bilden. Je auffälliger Kultur inszeniert wird, desto größere Aufmerksamkeit bekommt sie und damit wächst die Chance Gehör zu finden. Aber auch hier muss angemerkt werden, dass zum Künstlerdasein nun einmal auch die Selbstinszenierung gehört9, was somit auch bei den Kulturschaffenden Profilierung zu einem Beweggrund macht. Diese nichtmateriellen Gründe werden durch ökonomische ergänzt, denn wie Theo van Doesburg schon feststellt: „mit Kunst kann man sich nicht die Zähne putzen“ und ein Künstler lebt nun einmal davon, dass er seine Kunst verkauft. Nicht nur für die aktive Partizipation an Kulturevents, sondern auch für den Besuch dieser spricht ein existenzieller Aspekt: Man trifft Seinesgleichen, kann Netzwerke aufbauen und den Markt direkt vor Ort beobachten, um die Absatzchancen zu erhöhen. Und bei fehlender Inspiration, welche zu einem Mangel an anzubietender „Ware“ führt, ergibt sich auf einem Kulturevent vielleicht so manch ein Geistesblitz.

[...]


1 Vgl. Wagner, M.: Stoppt das Kulturgeschwätz! Über Kunst, Kultur und Qualität. Böhlau, Wien 2000, S.76.

2 UNESCO (Hrsg.): Allgemeine Erklärung zur kulturellen Vielfalt. 31. UNESCO-Generalkonferenz, Paris 2001. (http://www.unesco.de/443.html, Stand: 31.03.2011)

3 Vgl. Bruhn, M.: Kommunikationspolitik: systematischer Einsatz der Kommunikation für Unternehmen. Vahlen, München 2007, S.443f.

4 Vgl. Stolte, D.: Kulturvermittlung im Fernsehen, in: Demmer, C./ Raube H.(Hrsg.): Kulturmanagement: Theorie und Praxis einer professionellen Kunst. De Gruyter, Berlin 1994, S. 152f.

5 Vgl. Petzold, V.: Kulturdefinitionen und Gesellschaftskritik der Moderne.; GRIN Verlag, Nordstedt 2007, S.4.

6 Vgl. Wagner, M.: Stoppt das Kulturgeschwätz! Über Kunst, Kultur und Qualität. Böhlau, Wien 2000, S.88.

7 Bruhn, M.: Sponsoring. Systemische Planung und integrativer Einsatz. Gabler GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2010, S.19

8 Vgl. EU (Hrsg.): Amtsblatt der europäischen Union, 53. Jahrgang. Amt für Veröffentlichungen der europäischen Union, Luxemburg 2001, S.94. (http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:C:2010:083:FULL:DE:PDF, Stand 31.03.2011)

9 Vgl. Heinrichs, W.: Der Kulturbetrieb: bildende Kunst, Musik, Literatur, Theater, Film. transcript Verlag, Bielefeld 2006, S. 64.

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Details

Titel
Systematisierung von Sport-, Kultur- und TV-Events
Untertitel
Eine Analyse unter Berücksichtigung des Zweckes von Kulturveranstaltungen
Hochschule
Business and Information Technology School - Die Unternehmer Hochschule Iserlohn
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
10
Katalognummer
V172916
ISBN (eBook)
9783640929917
ISBN (Buch)
9783640929733
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kultur, Events, Kulturevents, Festival, Kulturschaffende
Arbeit zitieren
Michaela Strobel (Autor), 2011, Systematisierung von Sport-, Kultur- und TV-Events, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172916

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