Die folgenden Seiten werden den Leser auf eine kleine Exkursion in den osteuropäischen Raum schicken. Russland, das mit seinen zahlreichen Bodenschätzen und seinem daraus resultierenden wirtschaftlichen Wert enormes Marktpotenzial bietet, birgt jedoch ebenfalls große Tücken. Der erste Teil, der die Veränderung in den 90ern von der Plan- zur Marktwirtschaft kurz umreißt, soll als Basiswissen für die interkulturellen Besonderheiten des größten Landes der Welt angesehen werden, damit diese einfacher zu begreifen und dadurch umso besser umzusetzen sind.
In den folgenden Abschnitten wird genauer auf Arbeits- und Lebensverhältnisse sowie -umstellungen im Vergleich zu Deutschland eingegangen. Worauf muss ich als Projektleiter bzw. Führungskraft in Russland achten? Wie läuft ein gewöhnlicher Arbeitstag in Russland ab? Die Liste an Fragen ließe sich wohl beliebig lang erweitern.
Im abschließenden Abschnitt werden die Voraussetzungen für das deutsche Unternehmen für eine Etablierung auf dem russischen Markt weiter ausgeführt.
Inhaltsverzeichnis
1 - Vorwort
1.1 Erwartungen für den Leser / Ziel der Arbeit
1.2 Persönliche Beziehung zum Thema
1.3 Kurzvorstellung Russische Föderation
2 - Geschichtlicher, politischer und gesellschaftlicher Hintergrund
2.1 Der Transformationsprozess
2.1.1 Die Planwirtschaft
2.1.2 Die Machtübernahme Jelzins und die Folgen
2.1.3 Die Regierungszeit Putins
2.2 Folgen der Geschichte für die Russen / Kulturelle Unterschiede
2.2.1 Einflüsse der Vergangenheit
2.2.2 Moskau und Sankt Petersburg
2.2.3 Stadt und Land
3 - Privater Alltag für einen Geschäftsmann in Russland
3.1 Name und Anrede
3.2 Kleidung
3.3 Freizeitaktivitäten
3.3.1 Restaurant
3.3.2 Museen, Gedenkstätten und Theater
3.4 Zu Gast
3.5 Wodka als Kulturgegenstand
3.6 Humor
4 - Arbeitsalltag in Russland
4.1 Arbeitsverhalten russischer Mitarbeiter
4.1.1 Die sowjetisch geprägte Generation
4.1.2 Die „jüngere“ Generation
4.1.3 Das ambivalente Verhältnis zur Arbeit
4.1.4 Das Zeitverständnis der Russen
4.2 Hierarchien in russischen Unternehmen
4.2.1 Hierarchisches Denken
4.2.2 Ausländer als Führungskräfte in Russland
4.3 Verhandlungen zwischen Russen und Ausländern
4.3.1 Patriotismus
4.3.2 Verständigungsprobleme
5 - Deutsche Unternehmen am russischen Markt
5.1 Der russische Markt
5.1.1 Aktuelle Zahlen und Fakten
5.1.2 Die russischen Konsumenten
5.2 Deutsch-Russische Handelsbeziehungen
5.2.1 Motive eines deutschen Unternehmens
5.2.2 Risiken und Barrieren einer geschäftlichen Tätigkeit in Russland
5.3 Perspektive
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit bietet eine fundierte Einführung in die interkulturellen Besonderheiten Russlands für deutsche Fach- und Führungskräfte, um ein besseres Verständnis für das geschäftliche und private Umfeld zu schaffen und somit eine erfolgreiche Marktpräsenz zu ermöglichen.
- Historische und politische Transformation Russlands
- Kulturelle Normen im privaten Alltag und sozialen Miteinander
- Spezifika des Arbeitsverhaltens und Unternehmenskultur
- Anforderungen an deutsche Unternehmen bei einem Markteintritt
- Herausforderungen in der interkulturellen Kommunikation und Verhandlungsführung
Auszug aus dem Buch
3.6 Humor
Der russische Humor ist sehr häufig von Ironie und Sarkasmus geprägt. Russen machen gerne auch Witze über andere Nationen und Völker, in denen Stereotypen und Klischees aufgegriffen werden. Deutsche mögen diese Witze als zum Teil diskriminierend auffassen, allerdings werden sie von allen Schichten der Bevölkerung erzählt, die dabei keinerlei bösartige Hintergedanken haben. Vielmehr sollte man wissen, dass es während des Sozialismus nicht möglich war, seine Meinung zu den gesellschaftlichen und politischen Problemen frei zu äußern. Aus dieser Zeit heraus entwickelte sich der Humor zu einer Art Ventil, über das man den Missständen, die augenscheinlich vorherrschten, Ausdruck verleihen konnte (vgl. Yoosefi; Thomas 2003, S. 131f.). Zynische oder selbstabwertende Witze sollte man in Russland allerdings tunlichst vermeiden, denn diese Art von Witzen könnte durchaus eine abkühlende und damit distanzierende Wirkung habe, da sie dem Selbstwertgefühl vieler Russen widersprechen (vgl. Baumgart; Jänecke 2005, S. 108).
Sehr beliebt sind bei den Russen Witze mit dem Namen Müller. Die Witze beziehen sich auf den Charakter eines deutschen Nazioffiziers aus einem sehr beliebten Film. Deutschen Geschäftsleuten, die den Namen Müller tragen, könnte es also durchaus passieren, dass sie mit einigen dieser Witze konfrontiert werden. Sie sollten diese Witze allerdings nicht persönlich nehmen, denn das würde das Bild des spießigen und sehr ernsten Deutschen nur bestätigen.
Allgemein lässt sich festhalten, dass Witze und Anekdoten von Dolmetschern oft nicht übersetzt werden, da Wortspiele nicht selten eine große Rolle spielen. Diese lassen sich allerdings nur sehr schwer in eine andere Sprache transportieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 - Vorwort: Dieses Kapitel erläutert das Ziel der Arbeit, eine Basis für das interkulturelle Verständnis Russlands zu schaffen, und beschreibt die Motivation der Autoren, sich mit diesem wachsenden Markt auseinanderzusetzen.
2 - Geschichtlicher, politischer und gesellschaftlicher Hintergrund: Das Kapitel analysiert den Transformationsprozess von der Plan- zur Marktwirtschaft sowie die daraus resultierenden kulturellen Unterschiede und gesellschaftlichen Diskrepanzen zwischen Stadt und Land.
3 - Privater Alltag für einen Geschäftsmann in Russland: Hier werden soziale Konventionen wie Anredeformen, Kleidung, Freizeitgestaltung und die Bedeutung von Gastfreundschaft sowie des Wodka-Konsums als kulturelle Rituale beleuchtet.
4 - Arbeitsalltag in Russland: Dieses Kapitel thematisiert die Unterschiede im Arbeitsverhalten zwischen verschiedenen Generationen, die hohe Bedeutung von Hierarchien und die spezifischen Herausforderungen bei der Führung russischer Mitarbeiter und bei Verhandlungen.
5 - Deutsche Unternehmen am russischen Markt: Der Abschnitt bietet einen Überblick über wirtschaftliche Eckdaten, Motive für Investitionen sowie die damit verbundenen Risiken wie Bürokratie, Korruption und infrastrukturelle Barrieren.
Schlüsselwörter
Russland, Interkulturelles Training, Transformation, Marktwirtschaft, Geschäftskultur, Führung, Hierarchie, Arbeitsverhalten, Investitionen, Standortfaktoren, Verhandlung, Kommunikation, Unternehmensführung, deutsch-russische Beziehungen, Management.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit liefert einen interkulturellen Leitfaden für deutsche Fach- und Führungskräfte, um sich auf die spezifischen Herausforderungen bei einem geschäftlichen oder privaten Aufenthalt in Russland vorzubereiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen den historischen Wandel des Landes, Verhaltensregeln im privaten und beruflichen Umfeld, Führungsstile in russischen Unternehmen sowie eine Analyse der ökonomischen Marktchancen und -risiken für deutsche Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch die Vermittlung von landesspezifischem Wissen Missverständnisse abzubauen und eine erfolgreiche Integration sowie effektive geschäftliche Kooperationen zwischen deutschen Akteuren und russischen Partnern zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren stützen sich auf eine Literaturanalyse und die Auswertung aktueller wirtschaftlicher und gesellschaftspolitischer Studien, um ein umfassendes Bild des russischen Marktes und seiner kulturellen Besonderheiten zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den historisch-politischen Grundlagen vor allem der Arbeitsalltag, das Hierarchiegefüge, Verhandlungsrituale sowie die konkreten Markteintrittsbedingungen für deutsche Investoren detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben „Interkulturelles Training“ und „Russland“ vor allem „Transformation“, „Management“, „Markteintritt“, „Unternehmenskultur“ und „Investitionsrisiken“.
Wie unterscheidet sich die Arbeitsweise der älteren Generation von der jüngeren?
Die ältere Generation ist häufiger durch sowjetische Strukturen wie Angst vor Eigenverantwortung und eine distanzierte Arbeitshaltung geprägt, während die jüngere Generation westlich orientiert, leistungsorientierter und selbstbewusster auftritt.
Warum ist das Thema Hierarchie in Russland so bedeutsam?
Hierarchien sind aufgrund der historischen Erfahrung einer zentralistisch geführten Planwirtschaft tief verwurzelt, was zu einer klaren Trennung von Kompetenzbereichen führt und von Vorgesetzten ein autoritäres sowie detailliertes Anweisungsverhalten fordert.
Welchen Stellenwert hat die Gastfreundschaft in Russland?
Gastfreundschaft gilt als äußerst wichtiges soziales Gut, wobei Rituale wie Geschenkübergaben (nicht vor dem Gegenüber öffnen) und eine üppige Bewirtung zentrale Bestandteile sind, um vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen.
- Citar trabajo
- Martin Seufert (Autor), Daniel Hasler (Autor), Gerrit Runge (Autor), Mirko Thamm (Autor), 2009, Interkulturelles Training - Russland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172928