Die Bedeutung des Fachwortes ist immens und wird schon daran ersichtlich, wenn
man einen Blick auf die Wortschatz-Statistik von 1988 wirft.: So stellte bei den rund
100.000 Wörtern der Allgemeinsprache jedes 9. oder 10. Lexem ein Fachwort dar
bzw. umfasste eine fachsprachliche Teilbedeutung1 -D.h.: ”Element” beispielsweise
weist neben der Bedeutung im allgemeinen Sprachgebrauch (z.B. eine Person als "ein
unfreundliches Element” zu bezeichnen) eine fachsprachliche Bedeutung im Rahmen
der Chemie oder Architektur (”Bauelement”) auf. Die Zahl der Spezialgebiete wächst
zusehends und somit auch die Menge neuer Fachwörter.
Unsere Lebenswelt ist gekennzeichnet von einem raschen Erkenntnisgewinn auf technologischer,
sozialer und wirtschaftlicher Ebene. Um sich über diese Errungenschaften
austauschen zu können, wird die Sprache benötigt, insbesondere die fachsprachliche
Kommunikation. Aufgrund ihrer hohen Bedeutung, möchte ich im folgenden die
Fachsprache(n) und Fachwortschätze näher untersuchen. ”Fachsprache”, in dem Sinne, in welchem ich sie im weiteren gebrauchen werde, bezeichnet
die sprachliche Verständigung in einem Fachgebiet, die einen spezifischen
Wortschatz, Redestil und zum Teil auch syntaktische Besonderheiten umfasst, und
sich dadurch von der Allgemeinsprache unterscheidet.2 Fachsprachen stellen aber keine
jeweils selbständige Sprache dar, sondern relativ abgeschlossene Teilbereiche
innerhalb einer natürlichen Sprache. Dieses lässt sich v.a. dadurch belegen, dass fachsprachliche
Bezeichnungen in allgemeinsprachlich formulierte Aussagen eingeordnet
werden, d.h. ein Fachwort und ein Allgemeinwort stehen nebeneinander und ergeben
erst im Kontext, sich ergänzend, den Sinnzusammenhang eines Fachtextes. Fachwörter
können also nicht allein/selbständig bedeutungstragende Sätze bilden. [...]
1 Ising, Erika: Die Sprache in unserem Leben. Leipzig 1988. S.155.
Inhaltsverzeichnis
I.) Einleitung
II.) Zum Begriff "Fachsprache". Charakter, Funktion und Bedeutung der Fachsprachen.
III.) Charakter und Differenzierung des Fachwortes.
IV) Gliederung der Fachsprachen und ihrer Fachwortschätze
V.) Entwicklungstendenzen
VI.) Schluss (Anmerkungen zur Normierung)
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung und die strukturelle Rolle von Fachwortschätzen innerhalb der Entwicklung der deutschen Gegenwartssprache. Ziel ist es, die Definitionen, Klassifikationsmöglichkeiten und Entwicklungstendenzen von Fachsprachen sowie deren Wechselwirkung mit der Allgemeinsprache theoretisch zu durchdringen.
- Charakterisierung und Abgrenzung des Begriffs "Fachsprache"
- Systematische Differenzierung des Fachwortes (Termini, Halbtermini, Jargonismen)
- Gliederungskriterien von Fachsprachen nach Fachgebieten und Kommunikationssituationen
- Prozesse der Entterminologisierung und der Wortbildung von Fachbegriffen
- Die Bedeutung der Terminologienormung und deren praktische Grenzen
Auszug aus dem Buch
Charakter und Differenzierung des Fachwortes.
Der wichtigste, denn umfangreichste, Bereich der Fachsprachen ist die Lexik. Das Fachwort unterscheidet sich durch markante Merkmale von den meist polysemen Wörtern der Allgemeinsprache. Da Fachwörter in der sprachlichen Realität Eigenschaften mit unterschiedlicher Ausprägung aufweisen, also keine homogene Masse darstellen, finden sich unterschiedliche Klassifikationen von Fachausdrücken in der Sprachwissenschaft. Die Mehrheit der Linguisten gegenwärtig differenzieren und charakterisieren den Begriff "Fachwort" wie folgt: Auf erster Ebene gliedert sich das Fachwort in "Termini", "Halbtermini" und "Fachjargonismen". Auf zweiter Ebene lassen sich die Halbtermini differenzieren in "Technizismen" und "Professionalismen".
Termini sind definiert, d.h. die semantischen Merkmale wurden konkret festgesetzt. Zum anderen sind sie normiert, ihr Gebrauch wurde durch Übereinkunft der Fachleute festgelegt. Termini sind gekennzeichnet durch Fachbezogenheit, denn sie werden verstanden als "Begriffe eines Wissenschaftszweiges oder eines Fachgebiets", sie sind außerdem gekennzeichnet durch Eindeutigkeit und in der Regel durch Wertneutralität. Eine Einschränkung der Wertneutralität findet sich in den Geisteswissenschaften, da oft unvermeidliche Konnotationen geknüpft werden.
Zusammenfassung der Kapitel
I.) Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz des Fachwortschatzes anhand statistischer Daten und begründet die Notwendigkeit einer fachsprachlichen Untersuchung im Kontext des raschen Erkenntnisgewinns.
II.) Zum Begriff "Fachsprache". Charakter, Funktion und Bedeutung der Fachsprachen.: Hier wird die Fachsprache als ein fachspezifischer Teilbereich der natürlichen Sprache definiert, dessen primäre Funktion in der präzisen und eindeutigen Verständigung innerhalb eines Fachgebietes liegt.
III.) Charakter und Differenzierung des Fachwortes.: Das Kapitel widmet sich der internen Struktur der Fachlexik und differenziert Fachwörter in Termini, Halbtermini, Technizismen, Professionalismen und Fachjargonismen.
IV) Gliederung der Fachsprachen und ihrer Fachwortschätze: Hier werden Kriterien zur Einordnung von Fachsprachen vorgestellt, unter anderem nach naturwissenschaftlich-technischen oder gesellschaftswissenschaftlichen Kriterien sowie nach spezifischen Kommunikationssituationen.
V.) Entwicklungstendenzen: Dieses Kapitel analysiert die Dynamik von Fachsprachen, insbesondere die zunehmende Verbreitung von Fachbegriffen in der Allgemeinsprache sowie Prozesse der Entterminologisierung und Neubildung.
VI.) Schluss (Anmerkungen zur Normierung): Der Abschluss behandelt die Notwendigkeit und methodische Umsetzung der Terminologienormung sowie die praktischen Hürden bei der Durchsetzung sprachlicher Normen.
Schlüsselwörter
Fachsprache, Fachwortschatz, Termini, Lexik, Entterminologisierung, Terminologienormung, Allgemeinsprache, Fachkommunikation, Technizismen, Wortbildung, Sprachwandel, Wissenschaftssprache, Fachjargonismen, Kommunikation, Semantik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle und der Entwicklung von Fachwortschätzen innerhalb der deutschen Gegenwartssprache und deren Interaktion mit dem allgemeinen Sprachgebrauch.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Fachsprachen, der Klassifizierung von Fachwörtern, den aktuellen Trends in der Sprachveränderung und der normativen Standardisierung von Fachtermini.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine fundierte wissenschaftliche Untersuchung der Charakteristika von Fachsprachen und der Gründe, warum diese zunehmend die Alltagssprache durchdringen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer linguistischen Analyse und Literaturarbeit, in der verschiedene Fachsprachmodelle und linguistische Theorien zur Lexikologie zusammengeführt und diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die Differenzierung der Fachlexik, die Systematik der Fachsprachengliederung sowie die Untersuchung von Entwicklungstendenzen wie der Entterminologisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Fachsprache, Fachwortschatz, Entterminologisierung, Termini und Terminologienormung.
Was genau versteht man unter dem Prozess der "Entterminologisierung"?
Hierbei handelt es sich um die Übernahme von Fachwörtern in die Allgemeinsprache, wodurch diese ihren ursprünglichen fachlichen Charakter verlieren oder polysem werden.
Warum stößt die Terminologienormung in der Praxis an Grenzen?
Die Normung scheitert oft an der historisch gewachsenen natürlichsprachlichen Gewohnheit der Sprecher, die sich gegen künstliche Eingriffe in ihren etablierten Sprachgebrauch widersetzt.
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- Anna Kiesbauer (Author), 2002, Die Rolle der Fachwortschätze in der Wortschatzentwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17293