August Wilhelm Schlegel und die Kritik in der Romantik


Seminararbeit, 2000

13 Seiten, Note: 2

Anna Kiesbauer (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. ) Die geistigen Strömungen in der Epoche der Romantik und deren Widerspiegelung in der Literatur

II. ) August Wilhelm Schlegel

III. ) August Wilhelm Schlegel: „Der Begriff der Kritik“
1.) Die Berliner „Vorlesungen über schöne Literatur und Kunst“
2.) „Der Begriff der Kritik“

IV. ) Zusammenfassung der wichtigsten Kritikpunkte

V. ) Literaturverzeichnis

I ) Die geistigen Strömungen in der Epoche der Romantik und deren Wiederspiegelung in der Literatur

Mit dem Begriff Romantik wird die Erneuerung der europäischen Kunst und Literatur ungefähr zwischen 1790 und 1850 bezeichnet.

Die Französische Revolution bewirkte eine grundlegende Neuorientierung, so daß die Romantik versuchte, alle geistig-literarischen Strömungen aufzunehmen, die im Widerspruch zum absolutistischen Staat, zum Rationalismus, zu einer nur vernünftigen Theologie und zum französischen Klassizismus standen.

Bei der Frühromantik, die nach ihrer Hauptwirkungsstätte auch als Jenaer Romantik bezeichnet wird, handelte es sich um die erste Gruppenbildung der deutschen romantischen Literatur[1]. Der frühromantische Kreis bestand aus Dichtern, Literaturtheoretikern, -kritikern , Philosophen und Naturwissenschaftlern. Doch fand der Jenaer Kreis und somit die Epoche der Frühromantik bereits 1801[2] sein Ende, manche Wissenschaftler sehen jedoch den Ausgang der Frühromantik erst in der Beendigung der Schlegelschen Berliner Vorlesungen 1804.[3]

In der Ära der Romantik stand das Volkstum ( mit dem Wert des Individuums innerhalb der einzelnen Völker) dem Weltbürgertum gegenüber, welches gekennzeichnet ist durch Übersetzungen und Stoffverwertung romanischer und orientalischer Literatur, also Weltliteratur). Das Mittelalter, Märchen, der Orient traten hervor – die Wiederentdeckung der Geschichte.

Die Literatur war eng verbunden mit der Philosophie.[4]

Eine Säule der Literatur war die Natur als Spiegel des „Ich“, analog zu Johann Gottlieb Fichte, der zusammen mit August Wilhelm Schlegel im Jenaer Kreis[5] verkehrte. In der romantischen Philosophie hat das „Ich“ sich die Vorstellung des „Nicht-Ich“s (also der Außenwelt, die somit nur ein Denkerzeugnis ist) geschaffen. Daher stellt die Romantik die Dinge nicht so dar, wie sie sind, sondern wie sie subjektiv scheinen. Das Dichtwerk ist somit nur Erzeugnis eines Geistes, nicht aber Wirklichkeit. Dieser Aspekt wirkte sich ganz besonders auf beispielsweise Tiecks Märchenkomödien aus.

Ein starker Individualismus und Subjektivismus, wie ihn A.W. Schlegel auch forderte, herrschte in der Literatur vor, auf Basis der allgemeinen Philosophie der Frühromantik. Das Bedürfnis nach persönlichem Gefühl und Stimmung, die Betonung des Individuums greift Schlegel beispielsweise in seiner Kritik an Tiecks Volksmärchen auf[6].

Auch die Sehnsucht nach dem Unwirklichen, dem Nichterreichbaren, der unwiederbringlichen Vergangenheit, die Sehnsucht ins Unbestimmte erklärt Schlegel selbst in seinen kritischen Schriften[7], S.266: „In diesen klaren Tautropfen der Poesie spiegelt sich all die jugendliche Sehnsucht nach dem Unbekannten und Vergangenen...“.

Ebenso spielt in der Literatur die Sehnsucht zur Vergangenheit eine große Rolle, was sich in der Begeisterung für das Mittelalter i.F.v. Übersetzungen und Nachschöpfungen von altdeutschen Dichtungen, Volksbüchern und Märchen zeigt.

Unter Einwirkung des Ostens mit seiner Mystik und dem Irrationalismus, verspürten die Romantiker einen großen Sinn für Wunder, Phantastik, Dämonen.

Ein weiteres Merkmal der romantischen Literatur war die von Friedrich Schlegel geprägte Idee der Universalpoesie, d.h.: die Grenzen zwischen den einzelnen Gattungen (Lyrik, Epik, Dramatik) verschwimmen zu lassen, als auch die einzelnen Künste (Musik, Dichtung, Malerei). So wurden in die Erzählung Lieder und lyrische Stimmungen eingestreut, im Drama herrschten nun Stimmungen und musikalische Lyrik.

Das typische Stilmittel dieser Epoche war die romantische Ironie. Der Dichter ließ den Leser/Zuschauer keinen Augenblick im Zweifel, daß das, was er las oder sah, nicht der Wirklichkeit angehört, sondern das Erzeugnis dichterischen Geistes, also Scheinwerk ist. So tritt beispielsweise der Verfasser innerhalb der Handlung auf und redet von seinen Schwierigkeiten oder der Maschinist weist darauf hin, wie Donner und Blitz auf der Bühne erzeugt werden.[8] Hierbei zeigt sich wieder eine Parallele zur Philosophie und deren Hervorhebung des Individuums und der subjektiven Anschauung. Außerdem ließ sich das Wunschziel, die literarische Erneuerung der toten Vergangenheit nicht ohne weiters erreichen. So nutzte man die Ironie, um nicht Altes, bereits Vorhandenes einfach zu wiederholen, sondern innovativ aufzuarbeiten.

II ) August Wilhelm Schlegel

August Wilhelm Schlegel, der ältere Bruder von Friedrich, wurde 1767 in Hannover geboren. Gottfried August Bürger und Christian Gottlob Heyne zählten zu seinen Lehrern.[9] Zunächst war er Mitarbeiter Schillers, seit 1798 Professor in Jena. Zusammen mit Friedrich Schlegel war er Herausgeber der Zeitschrift „Athenäum“, welche den Mittelpunkt des frühromantischen Kreises bildete und die progressive Universalpoesie pries.

A.W. Schlegel war bedeutend als Systematiker und Verbreiter der Poetologie der Romantiker, er gab den Hauptanstoß für deren weltliche Bestrebungen (u.a. durch seine berühmte klassische Shakespeare-Übersetzung, 1797-1810).

Er wirkte mit in dem kleinen Kreis der literarischen Salons, die v.a. Goethe feierten, da er insbesondere eine Universalität in der Beherrschung aller poetischen Genres[10] zeigte und somit ein Vorbild der Universalität, die die Frühromantiker forderten, darstellte. Aus diesem Kreis der Klassizismusverehrung wuchs die die neue Bewegung des „Jenaer Kreises“ bzw. auch genannt: „Romantische Schule“ 1795/96.[11]

Von 1801/02 bis 04 hielt Schlegel seine bedeutenden „Vorlesungen über die schöne Literatur und Kunst“ in Berlin, 1809-11 erschienen seine Vorlesungen in Wien „Über dramatische Kunst und Literatur“ in 3 Bänden. Ab 1818/19 arbeitete er als Professor in Bonn und begründete die Indologie in Deutschland.

[...]


[1] Dahnke, Höhle, Werner (Hrsg.):Geschichte der deutschen Literatur. 1789 bis 1830. Berlin 1978. S.368.

[2] Dahnke, Höhle, Werner, S. 437.

[3] Paulini, Hilde Marianne: August Wilhelm Schlegel und die Vergleichende Literaturwissenschaft. Frankfurt am Main-Bern-New York 1985. S.97.

[4] Lechner, Hermann: Lechners Literaturgeschichte des deutschen Sprachraumes. Limassol 1995. S.185 ff.

[5] Korte, Prosche u.a.: Literatur. Berlin 1999. S.169.

[6] Schlegel August Wilhelm: Ludwig Tiecks Volksmärchen Von Peter Leberecht. In: Staiger, Emil (Hrsg.): August Wilhelm Schlegel. Kritische Schriften. Zürich-Stuttgart 1962. S.260.

[7] Ebenda,S.266.

[8] Siehe Lechner, S.185.

[9] Brentano, Bernard: August Wilhelm Schlegel. Geschichte eines romantischen Geistes. Mit einem Nachwort von Hans Mayer. Frankfurt am Main 1986. S.17.

[10] Dahnke, Höhle, Werner, S.403.

[11] Lechner S.191.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
August Wilhelm Schlegel und die Kritik in der Romantik
Hochschule
Universität Rostock  (Institut f. Germanistik)
Veranstaltung
Sr.: Literaturkritik vom 18. bis 20. Jahrhundert
Note
2
Autor
Jahr
2000
Seiten
13
Katalognummer
V17296
ISBN (eBook)
9783638219013
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
August, Wilhelm, Schlegel, Kritik, Romantik, Literaturkritik, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Anna Kiesbauer (Autor), 2000, August Wilhelm Schlegel und die Kritik in der Romantik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17296

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