Die Geschichte des Einsatzes computergestützter Lernformen beginnt mit ersten Versuchen der programmierten Unterweisung in den 1970er Jahren. In der relativ kurzen Geschichte haben sich, auch bedingt durch die rasante technische Entwicklung, vielfältigste Formen herausgebildet. Neben einer technologiekritischen Ablehnung („Neue Medien verdrängen das Buch und schaden der Lernkultur“) hat sich im Anschluss daran und insbesondere in den 1990er-Jahren eine euphorische Stimmung der unbegrenzten Möglichkeiten („Computer ersetzt den Lehrer“) durchgesetzt, die sich inzwischen aber auch wieder relativiert hat und zu realistischeren Einschätzungen zurückgefunden hat. Ein vollständiger Überblick kann im Rahmen dieser Arbeit weder über die technischen noch über die pädagogisch-didaktischen Entwicklungen gegeben werden. Vielmehr ist eine Fokussierung notwendig, an der sich jedoch exemplarisch möglichst viele Aspekte des Lernens mit neuen Medien aufzeigen lassen. Dabei soll der Schwerpunkt auf der Darstellung von Lernumgebungen liegen, die Kommunikation und Kollaboration zwischen den Lernenden ermöglichen oder sogar fordern. Es soll also in erster Linie nicht das Individuum betrachtet werden, welches z.B. mit einer CD-ROM-basierten Lernsoftware die Kurvendiskussion trainiert, sondern es soll um kooperatives und kollaboratives, also gemeinsames Lernen in echten und v.a. virtuellen Lerngemeinschaften gehen. Daher werden in dieser Arbeit nicht nur bildungswissenschaftliche, sondern eben auch kommunikationswissenschaftliche Aspekte betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Neue Lehr- und Lernformen im Überblick
2.1 Lerntheoretische Grundlagen und Geschichte neuer Lehr- und Lernformen
2.2 Formen computergestützten Lernens
2.3 Aspekte und Besonderheiten computervermittelter Kommunikation
3. Voraussetzungen für den Einsatz neuer Lehr- und Lernformen
3.1 Merkmale und grundsätzliche Überlegungen
3.2 Rolle und Kompetenzen des Lehrenden
3.3 Merkmale und Bedürfnisse der Lernenden
3.4 Voraussetzungen beim Bildungsträger
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die bildungswissenschaftlichen und kommunikationswissenschaftlichen Voraussetzungen für den effektiven Einsatz moderner Lehr- und Lernformen. Dabei wird insbesondere beleuchtet, wie digitale Lernumgebungen kooperative Lernprozesse unterstützen können, ohne dabei die didaktische Gestaltung und die individuellen Bedürfnisse der Lernenden zu vernachlässigen.
- Lerntheoretische Grundlagen und historische Entwicklung computergestützter Lernformen
- Analyse der computervermittelten Kommunikation (cvK) und ihrer sozialen Auswirkungen
- Rolle des Lehrenden als Moderator und Gestalter von Lernumgebungen
- Anforderungen an Lernende im Kontext eigenverantwortlichen Lernens
- Technische und organisatorische Voraussetzungen auf Seiten des Bildungsträgers
Auszug aus dem Buch
2.2 Formen computergestützten Lernens
In den Anfängen des computergestützten Lernens stellten lokale Arbeitsplatzlösungen noch den Schwerpunkt dar. Der einzelne Computer, auf dem z.B. ein CBT auf CD-ROM bearbeitet wurde oder das tutorielle Lernprogramm für Schüler installiert war, stellten die Regel dar. Onlineanbindungen und die umfangreiche Nutzung dieser Option (z.B. in den Bereichen Contentmanagement oder Kommunikation) begannen erst zur Jahrtausendwende einen höheren Stellenwert einzunehmen. Während die erste Generation der Lernsoftware (auch durch ihre Wurzeln in der programmierten Unterweisung und der informationstheoretisch-kybernetischen Didaktik der 1970er-Jahre) noch behavioristischen Ansätzen verpflichtet war entwickelten sich im Laufe der 1990er-Jahre verstärkt dem Kognitivismus und Konstruktivismus verpflichtete Lernumgebungen. Zusammenführungen verschiedener Prinzipien dieser Ansätze stellen z.B. das situierte Lernen oder auch die anchored-instruction dar.
Insgesamt lässt sich seit Mitte der 1990er- Jahre ein verstärkter Trend zum kooperativen Lernen auch in Online-Umgebungen feststellen. Hierbei ist neu, dass sich die Lernenden nicht mehr unbedingt am gleichen Ort befinden müssen. Zentral ist aber auch hier, dass der Computer bzw. die Lernumgebung im Sinne konstruktivistischer Ansätze eher als Werkzeug zur Wissenskonstruktion dienen soll und mit seiner technischen Seite nie im Vordergrund stehen sollte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung vom E-Learning, betont die Notwendigkeit, neben technischen auch bildungs- und kommunikationswissenschaftliche Aspekte zu betrachten, und unterstreicht die Bedeutung der Lernerperspektive.
2. Neue Lehr- und Lernformen im Überblick: Dieses Kapitel gibt einen Abriss über lerntheoretische Grundlagen, verschiedene Formen computergestützten Lernens sowie die Besonderheiten der Kommunikation in digitalen Umgebungen.
3. Voraussetzungen für den Einsatz neuer Lehr- und Lernformen: Hier werden die Rollen von Lehrenden und Lernenden sowie die institutionellen Anforderungen beim Bildungsträger analysiert, um eine effektive Gestaltung kooperativer Lernprozesse zu ermöglichen.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und betont, dass der didaktische Rahmen entscheidender für den Lernerfolg ist als das rein technische Medium.
Schlüsselwörter
E-Learning, Computergestütztes Lernen, Kooperatives Lernen, Konstruktivismus, Computervermittelte Kommunikation, Telematisches Lernen, Lernumgebung, Lehrender, Lernerperspektive, Blended Learning, Medienpassung, Bildungsmanagement, Didaktik, Online-Lernen, Interaktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen bildungswissenschaftlichen und kommunikationswissenschaftlichen Rahmenbedingungen, die notwendig sind, um moderne, computergestützte Lehr- und Lernformen erfolgreich in die Bildungspraxis zu integrieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die lerntheoretischen Grundlagen, die Gestaltung von kooperativen Lernumgebungen, die Besonderheiten der computervermittelten Kommunikation sowie die veränderte Rolle des Lehrenden und Lernenden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass die didaktische Gestaltung und die Berücksichtigung sozialer Interaktionsprozesse weitaus kritischere Faktoren für den Lernerfolg darstellen als die rein technische Umsetzung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender wissenschaftlicher Konzepte und Forschungsarbeiten aus den Bereichen Didaktik, Medienpsychologie und Kommunikationstheorie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Fundamente (Behaviorismus bis Konstruktivismus) als auch die konkrete Ausgestaltung der Rollen von Lehrenden und Lernenden sowie die infrastrukturellen Voraussetzungen bei Bildungsträgern diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie E-Learning, konstruktivistische Didaktik, kooperatives Lernen, computervermittelte Kommunikation und Lernerorientierung geprägt.
Warum ist das Konzept des „eigenverantwortlichen Lerners“ so wichtig?
In modernen, telematischen Lernsettings ist der Lerner nicht mehr passiver Empfänger, sondern muss seinen eigenen Lernprozess aktiv steuern und mit anderen Lernenden kooperieren, was ihn stärker in die Verantwortung nimmt.
Welche Rolle spielt die Technik laut der Arbeit?
Die Technik wird als Werkzeug zur Wissenskonstruktion begriffen, sollte jedoch niemals Selbstzweck sein oder die didaktischen Ziele durch mangelnde Wartung oder Komplexität gefährden.
Was besagt die „hyperpersonale Kommunikation“ in diesem Kontext?
Das Konzept weist darauf hin, dass computervermittelte Kommunikation durch gezielte Selbstdarstellung und Anpassung der Nutzer sogar zu intensiveren oder erfolgreicheren sozialen Interaktionen führen kann als Face-to-Face-Kommunikation.
- Citation du texte
- Markus Decker (Auteur), 2009, Bildungs- und kommunikationswissenschaftliche Voraussetzungen für den Einsatz von neuen Lehr- und Lernformen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173054