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Zur Grundvalenz des Verbs lernen. Eine korpusbasierte Untersuchung

Titel: Zur Grundvalenz des Verbs lernen. Eine korpusbasierte Untersuchung

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2026 , 24 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Sätze wie „Ich lerne“, „Ich lerne etwas“ oder „Ich lerne etwas von dir“ werfen aus valenztheoretischer Perspektive grundlegende Fragen auf: Welche dieser Strukturen bildet die eigentliche Argumentstruktur des Verbs lernen? Welche Ergänzungen gehören zum Kern der Valenz, und welche sind lediglich kontextuelle Erweiterungen? Die Variabilität solcher Konstruktionen macht deutlich, dass die Realisierung von Valenz im Sprachgebrauch keineswegs eindeutig ist und stellt die Valenztheorie vor die Herausforderung, zwischen grundlegenden und abgeleiteten Strukturen zu unterscheiden. Zur Beschreibung dieser Problematik wurde in der Forschung das Konzept der Grundvalenz entwickelt, das darauf abzielt, die prototypische, vom Kontext abstrahierte Argumentstruktur eines Verbs zu bestimmen. Dabei stellt sich insbesondere die Frage, wie viele Grundvalenzen für ein Verb anzusetzen sind und welche Strukturen zu diesen zählen.

Vor diesem Hintergrund widmet sich die vorliegende Arbeit dem Verb lernen. Dieses eignet sich in besonderer Weise für eine valenztheoretische Untersuchung, da es einerseits hochfrequent und polysem ist, andererseits sowohl transitiv als auch intransitiv gebraucht werden kann und darüber hinaus präpositional erweiterbar ist. Es kann somit einwertig, aber auch mehrwertig realisiert werden. Zudem existiert lernen nicht nur als Simplexverb, sondern auch in Form von Partikel- und Präfixverben, die in die Analyse einbezogen werden. Gerade diese Kombination aus struktureller Variabilität und semantischer Kohärenz macht das Verb zu einem geeigneten Untersuchungsgegenstand für die Bestimmung von Grundvalenz.
Die Analyse erfolgt auf Grundlage korpusbasierter Daten. Hierzu werden Belege aus drei überregionalen Zeitungen (Die Zeit, Süddeutsche Zeitung, taz) im gleichen Zeitabschnitt herangezogen, die zusammen einen Korpus von insgesamt 450 Beispielen bilden. Diese empirische Grundlage ermöglicht es, typische Verwendungsweisen sowie wiederkehrende Muster zu identifizieren und systematisch auszuwerten. Zweifelsfälle werden unter Einbezug der einschlägigen Forschungsliteratur diskutiert und bewertet. [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Einordnung: Begrifflichkeiten und ihre Entwicklung

2.1 Verbvalenz

2.2 Grundvalenz

3. Methode

3.1 Das Korpus

3.2 Vorgehen

4. Artikel zur Grundvalenz für das Verb lernen

5. Diskussion

5.1 Differenzierung von Komplementen und Supplemente

5.1.1 Akkusativobjekte

5.1.2 Präpositionalphrasen, Präpositionen und Präpositionalobjekte

5.1.3 Adverbiale

5.1.4 Abweichende Verbformen

5.2 Ellipse

5.3 Reflexion der Skalierbarkeit

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Grundvalenz des Verbs lernen auf empirischer Basis zu bestimmen und in einen strukturierten Valenzartikel zu überführen, um die Variabilität der Argumentstruktur dieses polysemen Verbs systematisch abzubilden.

  • Grundlagen der modernen Valenztheorie und des Konzepts der Grundvalenz.
  • Methodische Vorgehensweise einer korpusbasierten Analyse (COSMAS II).
  • Detaillierte Identifikation und Differenzierung von Komplementen und Supplementen.
  • Diskussion von Zweifelsfällen wie Akkusativobjekten, Präpositionalphrasen und elliptischen Strukturen.

Auszug aus dem Buch

5.1.1 Akkusativobjekte

In der Forschungsliteratur werden Akkusativobjekte in der Regel als Ergänzungen bzw. Argumente eingeordnet (Welke: 2011, 56). Diese Einordnung erscheint zunächst naheliegend, erweist sich bei genauerer Betrachtung jedoch als diskussionsbedürftig.

Für den Ergänzungsstatus spricht zunächst die Subkategorisierung: Das Verb lernen kann transitiv verwendet werden, wie Beispiele zeigen: Kroos selbst hat seine Lektion gelernt [...]. In solchen Fällen bezeichnet das Akkusativobjekt den Lerngegenstand und ist damit eng mit der Bedeutung des Verbs verknüpft.

Auch semantisch ist der Lerninhalt zentral für das Verb: Ein Sommer in New York: Universitätsprofessor lernt neue Lebenslust von einem syrischen Immigranten, der von Abschiebung bedroht ist. Hier liegt die inhaltliche Leerstelle eindeutig beim Akkusativobjekt, während die Präpositionalphrase von einem syrischen Immigranten eher die Quelle des Wissens bezeichnet. Würde man nur sagen lernt von einem syrischen Immigranten, bliebe offen, was eigentlich gelernt wird. Dies deutet darauf hin, dass das Akkusativobjekt eine semantisch zentrale Ergänzung darstellt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die valenztheoretische Problematik und Vorstellung der Forschungsfrage zur Grundvalenz des Verbs lernen.

2. Theoretische Einordnung: Begrifflichkeiten und ihre Entwicklung: Darstellung des theoretischen Rahmens der Verbvalenz und des speziellen Konzepts der Grundvalenz in der Linguistik.

3. Methode: Erläuterung der korpusbasierten Datenerhebung mittels COSMAS II aus überregionalen Tageszeitungen.

4. Artikel zur Grundvalenz für das Verb lernen: Praktische Präsentation der identifizierten Grundvalenzstrukturen basierend auf der empirischen Korpusauswertung.

5. Diskussion: Kritische Auseinandersetzung mit der Abgrenzung von Komplementen und Supplementen sowie Analyse spezieller Fälle wie Ellipsen.

6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf weiterführende valenztheoretische Untersuchungen.

Schlüsselwörter

Valenztheorie, Grundvalenz, Verb lernen, Korpuslinguistik, Argumentstruktur, Komplemente, Supplemente, Akkusativobjekt, Präpositionalphrase, Valenzreduktion, Konstruktionsgrammatik, empirische Analyse, Syntax, Semantik, Valenzartikel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die valenztheoretischen Eigenschaften des Verbs lernen, um dessen grundlegende Argumentstruktur zu bestimmen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Konzepte der Verbvalenz und Grundvalenz, die korpusbasierte Analyse sprachlicher Daten sowie die Abgrenzung von Ergänzungen und Angaben.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Erstellung eines valenztheoretisch fundierten Artikels für das Verb lernen, der prototypische Verwendungsweisen empirisch belegt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine korpusbasierte Analyse angewandt, bei der 450 Belege aus überregionalen deutschen Zeitungen mittels der Plattform COSMAS II ausgewertet werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, das methodische Vorgehen, die Präsentation der ermittelten Valenzmuster und eine tiefgehende Diskussion syntaktischer Abgrenzungsfragen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Valenztheorie, Grundvalenz, Korpusanalyse, Argumentstruktur sowie die Differenzierung von Komplementen und Supplementen.

Warum werden Passivkonstruktionen von der Analyse ausgeschlossen?

Passivformen werden ausgeschlossen, da ihre Einordnung in der Forschung umstritten ist und sie die Argumentstruktur im Vergleich zur prototypischen Aktivform maßgeblich verändern.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des Akkusativobjekts?

Das Akkusativobjekt wird trotz seiner optionalen Realisierung aufgrund seiner engen semantischen Bindung an die Verbbedeutung als fakultative Ergänzung klassifiziert.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zur Grundvalenz des Verbs lernen. Eine korpusbasierte Untersuchung
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Valenztheorie
Note
1,0
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2026
Seiten
24
Katalognummer
V1731171
ISBN (PDF)
9783389194157
ISBN (Buch)
9783389194164
Sprache
Deutsch
Schlagworte
grundvalenz verbs eine untersuchung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2026, Zur Grundvalenz des Verbs lernen. Eine korpusbasierte Untersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1731171
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  24  Seiten
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