„Das Sündenbockritual / der goldene Zweig von James George Frazer“


Hausarbeit, 2008

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Über James George Frazer

2. Sündenböcke im Allgemeinen

3. Öffentliche Sündenböcke
3.1 Vertreibung des verkörperten Bösen
3.2 Die gelegentliche Vertreibung des Bösen in einem stofflichen Träger
3.3 Die periodisch auftretende Vertreibung des Bösen in einem stofflichen Träger

4. Menschliche Sündenböcke im klassischen Altertum
4.1 Der menschliche Sündenbock im alten Rom
4.2 Der menschliche Sündenbock im alten Griechenland
4.3 Die römischen Saturnalien

5. Andere theologische Sichtweisen und Quellen
5.1 Bernd Janowski
5.2 Rene Girard

6. Zusammenfassende Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Ausarbeitung meines Referats bezieht sich auf das bekannte Buch „der goldene Zweig“ von James George Frazer. An diesem Buch möchte ich einmal näher die Sitten und Rituale zur Vertreibung des Bösen verschiedener Völker untersuchen. Besonderes Augenmerk lege ich hierbei auf das so genannte Sündenbockritual.

Ein Ritual umfasst in diesem Fall eine religiöse Zeichenhandlung und ist meist ein festgelegter Handlungsablauf mit einem geistlichen Ziel. Rituale geben einem Volk oder einer Gesellschaft Tradition und emotionale Sicherheit.[1]

In der Einleitung möchte ich zunächst einmal einige kurze Informationen über James George Frazer geben (Kap 1.1), um dann im zweiten Punkt auf Sündenböcke im Allgemeinen (Kap 2.) einzugehen. Der dritte Punkt beschäftigt sich mit den öffentlichen Sündenböcken (Kap 3.), die unterteilt sind in drei Kategorien: ‚Die Vertreibung des verkörperten Bösen (Kap 3.1), die gelegentliche Vertreibung des Bösen in einem stofflichen Träger (Kap 3.2) und die periodisch auftretende Vertreibung des Bösen in einem stofflichen Träger’ (Kap 3.3). Der vierte Punkt beschäftigt sich mit den menschlichen Sündenböcken im klassischen Altertum (Kap 4.) und wendet sich Rom (Kap 4.1), Griechenland (Kap 4.2) und den römischen Saturnalien (Kap 4.3) genauer zu. Unter der Berücksichtigung von anderen Theologen und deren Sichtweisen (Kap 5.) und einer zusammenführenden Schlussbetrachtung (Kap 6.) soll die Ausarbeitung noch einmal auf den Punkt gebracht werden und zum Ende kommen.

1.1 Über James George Frazer

James George Frazer, geboren am 01.01.1854 in Glasgow, war schottischer Anthropologe, klassischer Philologe und Religionswissenschaftler. Er wandte sich ebenfalls der Religionsgeschichte der Antike und des Orients, sowie der Ethnologie zu. Letzteres beschäftigt sich mit der Frage, wie Religion in den unterschiedlichen Gesellschaften in die Kultur eingebettet ist und wie man das genauer untersuchen kann. Weitere Begründer der Religionsethnologie sind Edward Burnett Tylor und Emile Durkheim.

Frazer ging es jedoch bei seinen Untersuchungen nicht darum, die theologisch korrekte Wahrheit herauszufinden, sondern die gelebte Religion zu beobachten. Dabei war ihm die gesellschaftliche und individuelle Relevanz von religiösen Handlungen oder Praktiken wichtig. 1907 wurde er dann Professor in Liverpool und 1921 in Cambridge, wo er dann auch am 07.Mai 1941 stirbt.

Im Buch ‚Der goldene Zweig’ geht James George Frazer sehr genau und detailliert auf die unterschiedlichen Formen von Sündenbockritualen in verschiedenen Völkern ein. Dabei versuchte er die griechische und römische Religionsgeschichte mit einer vergleichenden Methode aus der Forschung der Ethnologie zu verbinden. Dies gelang ihm, indem er in mühevoller Kleinarbeit alle erreichbaren Quellen, Reiseberichte und Sachbücher auswertete. Daraus entstand eine Entwicklungsgeschichte der Mythen und Motive des Volksglaubens oder aber auch eine Geschichte der Urreligionen. 1890 erscheint sein Buch in London und 1928 in Deutschland. Selbst die Kurzfassung umfasst noch um die 1000 Seiten.[2]

2. Sündenböcke im Allgemeinen

Ziel aller Sündenbock Zeremonien ist das Übel, das das Volk heimgesucht hat, egal ob in sichtbarer oder unsichtbarer Form, zu vertreiben. Der Sündenbock fungiert hier als sichtbarer, aber auch greifbarer Träger bzw. Mittler des unberührbaren Bösen.

Zwischen den Zeremonien liegt meistens ein Abstand von etwa einem Jahr und sie fallen sehr häufig mit dem Jahreswechsel zusammen. In der nördlich/gemäßigten Zone zu Beginn oder Ende des Sommers und in den Tropen zu Beginn oder Ende der Regenzeit. Vermeidliche Ursache für Unheil kann also auch eine höhere Sterblichkeit durch klimatische Veränderungen, wie eine schlechtere Ernährung oder Unterbringung, sowie schlechtere hygienische Verhältnisse sein. Das schürt natürlich den Glauben an Geister und Dämonen, die hier ihr Unwesen treiben.

Die Austreibungen des Bösen bezeichnen außerdem immer den Beginn eines neuen Jahres. Bevor ein neues Jahr beginnt, wollen sich die Menschen noch einmal von allem Bösem, was sie im letzten Jahr quälte, befreien. Oftmals geht den so genannten Austreibungen eine Zeit allgemeiner Ausschweifungen voraus. Hierbei werden gewöhnliche, gesellschaftliche Beschränkungen beiseite gelegt, Vergehen bleiben unbestraft und Gesetze werden gelockert.

3. Öffentliche Sündenböcke

3.1 Vertreibung des verkörperten Bösen

Im Kapitel der öffentlichen Sündenböcke geht Frazer im 1. Paragraphen näher auf die Vertreibung des verkörperten Bösen ein. Dabei geht es meist um Austreibungen, bei denen die Geister in sichtbarer Form verkörpert werden. Sie können aber auch auf einen stofflichen Träger übertragen werden. Als Beispiel führt er unter Anderem ein Ritual der Mandanindianer an, die bei ihrem Jahresfest einen Mann schwarz anmalen und ihn so als Teufel darstellen. Dieser jagt und erschreckt die Frauen des Dorfes, indem er eine Büffelrolle einnimmt. Dies hat auch den Zweck, im kommenden Jahr eine reiche Ernte an Büffeln herbei zu beschwören. Zum Schluss wird er dann aus dem Dorf gejagt und mit Stöcken geschlagen. Warum das Schlagen mit Stöcken in Sündenbockritualen häufig vorkommt; werde ich später noch näher erläutern.

Ein weiteres Beispiel fand Frazer in Zentral Queensland. Die Eingeborenenstämme glauben an ein schädliches Wesen, welches den Namen „Molonga“ trug. Dieses schleicht nach dem Glauben der Eingeborenen umher, tötet Männer und vergewaltigt Frauen, wenn nicht gewisse Zeremonien durchgeführt werden. Eine solche Zeremonie besteht aus Tänzen, die 5 Nächte andauern und in denen fantastisch bemalte Männer teilnehmen. Am letzten Tage stürzt ein verkleideter „Molonga“ aus dem Wald, um die Menschen zu durchbohren. Am Ende der Zeremonie verschwindet er wieder in den Wäldern.

In diesen verschiedenen Arten von Zeremonien wird das Böse wie Geister, Teufel oder Dämonen in einem Körper dargestellt und wird so greifbar.

3.2 Die gelegentliche Vertreibung des Bösen in einem stofflichen Träger

Der Träger kann hier von verschiedenster Art sein, wie zum Beispiel ein Schiff. Dies verdeutlicht Frazer an einem Ritual von den Ceram Inseln. Erkrankt dort ein ganzes Dorf an einer Krankheit, so wird ein Boot angefertigt, das von den Dorfbewohnern mit Reis, Tabak und Lebensmitteln befüllt wird. Die Krankheiten werden so für ihre Reise ausgestattet und fort geschickt. Einen ähnlichen Brauch fand Frazer auch an der Küste von Borneo. Dort werden menschliche Gesichter aus dem Mark einer Palme geschnitzt und mit verschiedenen Lebensmitteln ebenfalls auf einem Boot platziert. Nachdem es mit allen Krankheiten beladen ist, wird es hinaus ins Meer geschickt. So sollen auch die Krankheiten die Küste verlassen.

Der stoffliche Träger kann aber durchaus auch ein Tier sein, wie zum Beispiel eine heilige Kuh bei dem Volk der Dinkas. Jede Familie besitzt eine heilige Kuh und wenn ein Krieg, eine Krankheit oder Hungersnot ausspricht, wird eine Kuh von einer Familie als Sündenbock ausgesucht. Diese Kuh wird von den Frauen an das andere Ufer des Flusses getrieben, wo sie solange umherwandert bis sie von Raubtieren gefressen wird. Die Frauen kehren zurück, dürfen sich aber nicht mehr umsehen, denn dann wäre das Ritual nicht mehr wirksam.

Auch in Indien ließ sich ein ähnliches Beispiel finden. Wenn dort Cholera austrat, zog sich jede Familie erst einmal in ihr Haus zurück. Priester gingen nun in den Straßen auf und ab und nahmen von jedem Dach eines Hauses einen Strohhalm, der mit Reis, zerlassener Butter und Kurkuma in einem Heiligtum im Osten verbannt wird. Im nächsten Schritt wurden dann Hühner, die vorher mit roter Farbe angemalt wurden, in die Richtung des Rauches fort getrieben. Sie sollten so die Krankheiten mitnehmen.

An diesen Beispielen sieht man, wie auf verschiedenste Art und Weise das Böse auf einen stofflichen Träger übertragen wird. Dies geschah jedoch nicht zu festgesetzten Zeiten oder Festen, sondern sozusagen bei Bedarf. Auch hier wurde das Böse greifbar gemacht, sodass es vertrieben werden kann.

3.3 Die periodisch auftretende Vertreibung des Bösen in einem stofflichen Träger

In dieser Kategorie kehrt die Vertreibung des Bösen in sichtbarer Gestalt regelmäßig wieder. Frazer nennt hier einmal ein Beispiel aus Europa, nämlich die Zigeuner. Diese sammelten in einem Holzgefäß Kräuter und Arzneipflanzen und legten dem Ganzen eine getrocknete Schlange bei. Jeder Dorfbewohner musste das Gefäß einmal berühren. Anschließend wurde es in Wolle gewickelt und vom ältesten Mann von Zelt zu Zelt getragen. Jeder spuckte einmal darauf, bevor es von einer Zauberin mit Beschwörungsformeln belegt wurde. Daraufhin wurde es in fließendes Wasser geworfen, um so jedes Jahr Krankheiten zu vertreiben.

Der Sündenbock muss nicht, wie in diesem Fall, ein Gegenstand sein. Es kann durchaus auch ein menschliches Wesen, ein Tier oder ein göttlicher Mensch mit Sünden bzw. Krankheit beladen werden.

[...]


[1] Vgl. Mitschrift Seminar: Reinheit und Versöhnung / Alttestamentliche Rituale zur Behebung von Krankheit und Schuld

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/James_Frazer

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
„Das Sündenbockritual / der goldene Zweig von James George Frazer“
Hochschule
Universität Osnabrück  (Institut für Evangelische Theologie)
Veranstaltung
Reinheit und Versöhnung / Alttestamentliche Rituale zur Behebung von Krankheit und Schuld
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V173207
ISBN (eBook)
9783640933921
ISBN (Buch)
9783640933501
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
James, George, Frazer, der goldene Zweig, Sündenbock, Rituale
Arbeit zitieren
Esther Kaiser (Autor), 2008, „Das Sündenbockritual / der goldene Zweig von James George Frazer“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173207

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