Im Rahmen dieser Arbeit wurde der Happy Community Index (HCI) zur Schaffung von Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung konzipiert und mittels eines Probeworkshops getestet. Das Ausmaß des Bewusstseins für nachhaltige Entwicklung bei Jugendlichen ist entscheidend, um die Erde mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen und somit die Lebensgrundlage und Lebensqualität der Menschen zu sichern. Jugendliche sind sich zwar den Umweltproblemen bewusst und befürworten umweltverträgliche Lösungen. Die Handlungsbereitschaft und das Erkennen der individuellen Verantwortung sind bisher jedoch schwach. Der HCI ist abgeleitet vom Happy Planet Index (HPI), der als Methode zur Schaffung von Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung von der new economics foundation konzipiert wurde. Die Berichte und Methodik des HPI sind sehr umfangreich, komplex und zumeist in englischer Sprache erhältlich. Der HCI dagegen ist kompakt, jugendgerecht und in einer Stunde durchführbar. Deshalb eignet er sich gut für Workshops bzw. für eine Schuleinheit. Der HCI ermöglicht mit der Hilfe von drei voneinander abhängigen Indikatoren Lebenserwartung, Lebenszufriedenheitsfaktor und dem ökologischen Fußabdruck nachhaltige Entwicklung einer Gemeinschaft zu messen, zu bewerten und zu analysieren. Durch die Erfassung des eigenen Lebenszufriedenheitsfaktors anhand von zwölf Fragen und der länderspezifischen Lebenserwartung wird das Bewusstsein für die Hauptfaktoren für sozial nachhaltige Entwicklung gestärkt. Mit Hilfe der Ermittlung des eigenen ökologischen Fußabdruckes in Form eines Fragenkatalogs werden die Hauptfaktoren des Ressourcenverbrauches jedes/r Einzelnen der jeweils zustehenden Biokapazität gegenüber gestellt. Demzufolge wird Aufschluss über die Belastung der Ökosysteme und über die globale Ressourcenverteilung gegeben und folglich der eigene Verantwortungsbereich aufgezeigt. Die Auseinandersetzung mit dem ökologischen Fußabdruck regt zur Reflexion der eigenen Konsum- und Verhaltensmuster an und stärkt die Gestaltungskompetenz und Handlungsbereitschaft durch das Aufzeigen von umweltfreundlichen Alternativen. Ein Wandel der Einstellungen und Handlungen wird jedoch nicht erreicht. Dafür ist eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit der Thematik von großer Bedeutung. Die HCI-Methode nimmt bei diesem Prozess eine unterstützende Rolle ein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Hintergrund und Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Motivation
1.4 Methodik
1.5 Struktur
2 Begriffserklärungen
2.1 Gesellschaftliche Entwicklung
2.2 Nachhaltigkeit
2.3 Nachhaltige Entwicklung
2.4 Ökologische Nachhaltigkeit
2.5 Soziale Nachhaltigkeit
2.6 Umweltbewusstsein
3 Happy Community Index (HCI)
3.1 Begriffserklärung „Community“
3.2 Ursprung und Nutzen
4 Berechnungsmethodik
4.1 HCI-Formel
4.2 Lebenserwartung
4.3 Lebenszufriedenheit
4.3.1 Fragenkatalog LZ
4.3.2 Berechnungsmethode des Zufriedenheitsfaktors
4.4 Happy Life Years (HLY)
4.5 Ökologischer Fußabdruck
4.5.1 Experimentelle Beispiele
4.5.2 öF-Jugendmethode
4.5.3 Bestandteile des Ressourcenverbrauchs
4.5.4 Verbesserungsvorschläge für einen nachhaltigen Konsum
4.5.5 Fragenkatalog öF
5 HCI am Beispiel Jugendgruppe AV Innsbruck
5.1 Ökologischer Fußabdruck
5.2 Happy Life Years (HLY)
5.3 HCI- Wert und Feedback der Jugendlichen
6 Grenzen des HCI
7 Kritik am HCI
8 Schluss
8.1 Ergebnisse und Fazit
8.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung einer jugendgerechten, kompakten Methode zur Messung von Nachhaltigkeit basierend auf dem Happy Planet Index, um das Umweltbewusstsein bei Jugendlichen durch praktische Anwendung zu fördern. Die Forschungsfrage untersucht, inwiefern der neu entwickelte „Happy Community Index“ (HCI) Jugendlichen als Instrument zur Bewusstseinsschaffung dienen kann.
- Entwicklung des Happy Community Index (HCI) für Jugendliche
- Analyse der Indikatoren Lebenserwartung, Lebenszufriedenheit und ökologischer Fußabdruck
- Praktische Erprobung und Evaluation des HCI in einer Jugendgruppe
- Verbindung von theoretischem Nachhaltigkeitswissen mit individuellen Handlungsspielräumen
Auszug aus dem Buch
4.5 Ökologischer Fußabdruck
Der ökologische Fußabdruck stellt sich der Herausforderung ökologische Nachhaltigkeit zu messen und deckt somit die ökologische Komponente des HCI ab. Der öF wurde 1994 von den Wissenschaftlern William Rees und Mathis Wackernagel entwickelt, um den Ressourcenverbrauch der Biokapazität gegenüber zu stellen. Der öF ermittelt die Fläche, gemessen in gha- Global Hektar (10.000 Quadratmeter), die die Ökosysteme benötigen, um natürliche Rohstoffe (Input) zu produzieren und den verursachten Abfall und die Abgase wieder aufzunehmen, welche für/durch unseren Konsum verursacht werden. Diese Flächengröße wird der mit der zur Verfügung stehenden Fläche verglichen. Der ökologische Fußabdruck erfasst den Konsum unabhängig vom Produktionsort einer Bevölkerung. Ein/e DurchschnittsösterreicherIn lebt auf einen öF von etwa 4,8 Hektar (48.000 m2)davon fallen 1,82 gha für jede/n ÖsterreicherIn als grauer öF an, ein allgemeiner Fußabdruck in Österreich für Infrastruktur u.v.m.. Im Gegensatz dazu steht eine Biokapazität von 2,86 gha pro EinwohnerIn in Österreich zur Verfügung. Bei einer gleichmäßigen Verteilung aller zur Verfügung stehenden Ressourcen auf der Erde würde jeden/r ErdbewohnerIn 1,4 Hektar zu stehen. Die 1,45 Hektar bestehen aus 0,25 ha Ackerfläche, 0,58 ha Weiden, 0,59 ha Wald, 0,03 ha Siedlungsfläche und 0,55 ha Meeresfläche. Würden alle ErdbewohnerInnen so leben wie Europäer, würden drei Planeten benötigt werden. Derzeit brauchen Menschen weltweit 1,2 Planeten in der Größe der Erde. Das bedeutet, die Menschheit überschreitet seit Jahren den Grenzwert der natürlich zu Verfügung stehenden Ressourcen. Verbraucht eine Region oder eine Person mehr als die gerecht zustehende Fläche, lebt sie auf Kosten von anderen. Fakten wie die Todesrate von 100.000 Menschen, welche pro Tag aufgrund von Unterernährung sterben, oder die Anzahl von Menschen, die mit weniger als einem Euro pro Tag leben müssen, die sich auf 1.000 Millionen Menschen beläuft, zeigen, dass viele Menschen ihren Teil nicht erhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik ein, dass bisherige Wirtschaftsindikatoren ökologische Grenzen ignorieren, und definiert das Ziel, eine jugendgerechte Nachhaltigkeitsmethode zu entwickeln.
2 Begriffserklärungen: Hier werden zentrale Begriffe wie gesellschaftliche Entwicklung, Nachhaltigkeit, ökologische und soziale Nachhaltigkeit sowie Umweltbewusstsein theoretisch definiert und in den Kontext der Arbeit gesetzt.
3 Happy Community Index (HCI): Es wird der Begriff „Community“ erläutert und die Herleitung des HCI aus dem international etablierten Happy Planet Index (HPI) beschrieben.
4 Berechnungsmethodik: Dieses Kapitel erläutert detailliert die HCI-Formel sowie die Berechnung der drei Indikatoren Lebenserwartung, Lebenszufriedenheit und ökologischer Fußabdruck anhand von Beispielen.
5 HCI am Beispiel Jugendgruppe AV Innsbruck: Hier wird die Anwendung der entwickelten Methode im Rahmen eines Praxistests mit Jugendlichen beschrieben und analysiert.
6 Grenzen des HCI: Das Kapitel reflektiert die methodischen Einschränkungen des Instruments, insbesondere bezüglich der begrenzten Reichweite für komplexe ökologische und soziale Analysen.
7 Kritik am HCI: Hier wird der HCI kritisch hinterfragt, insbesondere hinsichtlich der Datenqualität und der Akzeptanz der gewählten Vereinfachungen gegenüber wissenschaftlichen Standards.
8 Schluss: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, zieht ein Fazit über das Potential des HCI als Lerninstrument und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Anwendung.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Happy Community Index, ökologischer Fußabdruck, Lebenszufriedenheit, Umweltbewusstsein, Jugendliche, Sozialmanagement, Ressourcenverbrauch, Lebensqualität, Nachhaltige Entwicklung, Bewusstseinsschaffung, Praxistest, Klimawandel, Konsumverhalten, Indikatoren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung eines einfach anwendbaren Instruments namens "Happy Community Index" (HCI), das Jugendlichen helfen soll, Nachhaltigkeit in ihrem eigenen Umfeld zu messen und zu analysieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themenfelder umfassen die ökologische und soziale Nachhaltigkeit, die Messung von Lebenszufriedenheit sowie die Bedeutung des ökologischen Fußabdrucks für einen nachhaltigen Lebensstil.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, eine wissenschaftlich basierte, aber kompakte und jugendgerechte Methode zur Förderung des Umweltbewusstseins zu schaffen, die innerhalb einer Schulstunde oder eines Workshops angewendet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine jugendgerechte Modifikation des "Happy Planet Index" verwendet, ergänzt durch spezifische Fragenkataloge für die Bereiche Lebenszufriedenheit und ökologischer Fußabdruck.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsdefinition, die detaillierte Beschreibung der Berechnungsmethodik der HCI-Indikatoren sowie die empirische Auswertung eines Praxistests mit einer Jugendgruppe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Nachhaltigkeit, Happy Community Index, ökologischer Fußabdruck, Lebenszufriedenheit und Umweltbewusstsein geprägt.
Wie wurde die Methode bei der Jugendgruppe konkret getestet?
Die Methode wurde in einem 60-minütigen Workshop mit der Jugendgruppe des Alpenvereins Innsbruck angewendet, wobei die erste Hälfte der Zeit der Berechnung und die zweite der Diskussion gewidmet war.
Welche Kritikpunkte werden an dem entwickelten HCI geäußert?
Kritisiert wird unter anderem die methodische Vereinfachung, die zu Abweichungen bei komplexen Analysen führen kann, sowie der Einfluss von Gruppendynamik auf die subjektiven Antworten der Jugendlichen.
- Quote paper
- Ilona Pertl (Author), 2010, Bewusst-Sein dank HCI? Stärkung des Bewusstseins für nachhaltige Entwicklung bei Jugendlichen durch den Happy Community Index (HCI), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173380