Ein wichtiger Zug des zeitgenössischen Theaters ist die Fokussierung auf die performative Ebene der Aufführung: Das heißt, dass das Schauspiel nicht mehr als Werk angesehen wird, sondern als Ereignis oder als Prozess. Deshalb ist der Begriff „Performativität“ bei der Betrachtung des postdramatischen Theaters besonders wichtig. Im Folgenden möchte ich zunächst klären, was das „Performative“ ist und danach zeigen inwiefern dieses Konzept für die Interpretation von Peter Handkes Kaspar nützlich sein kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff der Performativität
2.1 Sprachphilosophische Grundlagen nach Austin
2.2 Performativität in der Kulturwissenschaft
3. Das Sprechstück Kaspar von Peter Handke
3.1 Historischer Hintergrund und Grundproblematik
3.2 Die Macht der Sprache und die Rolle der Einsager
3.3 Performativität der Sprache und Identitätsverlust
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Performativität im Kontext des zeitgenössischen Theaters anhand von Peter Handkes Stück "Kaspar". Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern performative Prozesse die Identitätsbildung der Titelfigur sowie die Machtstrukturen zwischen den Akteuren auf der Bühne determinieren und wie diese Analyse das Verständnis von Texten im postdramatischen Theater verändert.
- Grundlagen der Performativität nach John L. Austin und Judith Butler
- Analyse der Sprachaneignung und Machtausübung durch die Einsager
- Wechselwirkung zwischen sprachlicher Ordnung und physischer Bühnengestaltung
- Veränderung der Rolle des Publikums und der Theaterfigur
- Neubewertung des Textverständnisses im postdramatischen Theater
Auszug aus dem Buch
Die Performativität der Sprache im Stück Kaspar
Im Stück Kaspar wird die Sprachproblematik selbst zum Thema. Die Performativität der Sprache besteht darin, dass Kaspar durch das Sprechen Kenntnis über die Wirklichkeit gewinnt. Es ist bemerkenswert, dass er im Prozess des Erlernens der Sprache gleichzeitig auch viele andere Erfahrungen macht: Er hört verschiedene Geräusche, er empfindet Gefühle. Indem er die Sprache zu beherrschen versucht, wird fast jede sprachliche Äußerung von bestimmten Handlungen gefolgt. Während er seine Sprache verbessert beziehungsweise ordnet, werden auch parallel dazu die Möbel auf der Bühne in Ordnung gebracht.
Die Einführung des Konzepts der „Performativität“ hat die Vorstellungen über das Textverständnis stark verändert. Der Text wird also in erster Linie aus der Sicht seiner Handlung und vielmehr dessen, was er zeigt erfasst, als dessen, was er sagt. Wenn wir über den Einzug des Performativen ins Theater sprechen, so hat es viele Veränderungen auf verschiedenen Ebenen mit sich gebracht. Vor allem sind es die präsenzgebundenen Strategien der Inszenierung, die aktivere Rolle des Publikums und die veränderte Rolle der Theaterfigur.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fokussierung des zeitgenössischen Theaters auf die performative Ebene der Aufführung ein und stellt das Untersuchungsziel anhand von Peter Handkes "Kaspar" vor.
2. Der Begriff der Performativität: Dieses Kapitel erläutert die sprachphilosophischen Wurzeln bei John L. Austin sowie die kulturwissenschaftliche Adaption des Begriffs durch Theoretiker wie Judith Butler.
3. Das Sprechstück Kaspar von Peter Handke: Dieser Abschnitt analysiert das Stück im Detail, wobei der Fokus auf dem Identitätsverlust durch Sprachaneignung und der manipulativen Macht der sogenannten Einsager liegt.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und resümiert, wie das Konzept der Performativität das moderne Verständnis von Theatertexten und Inszenierungsstrategien nachhaltig geprägt hat.
Schlüsselwörter
Performativität, postdramatisches Theater, Peter Handke, Kaspar, Sprachphilosophie, John L. Austin, Judith Butler, Sprechstück, Identitätsverlust, Einsager, Machtstrukturen, Theateraufführung, Sprachaneignung, Inszenierung, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Performativität und deren praktische Anwendung auf Peter Handkes Theaterstück "Kaspar".
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder umfassen die Performativitätstheorie, die Rolle der Sprache als Machtinstrument sowie die Identitätskonstitution im postdramatischen Theater.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Performative als interpretativer Schlüssel fungiert, um das Theaterstück "Kaspar" und die Machtdynamik zwischen der Hauptfigur und den Einsagern zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literatur- und kulturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Ansätze mit einer textnahen Interpretation verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Analyse der Sprachaneignung bei Kaspar, dem Einfluss der Einsager auf die Identität der Figur und der Korrelation zwischen Sprache und Bühnenelementen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Performativität, postdramatisches Theater, Sprachaneignung und die durch Sprache ausgeübte Machtstruktur.
Wie beeinflussen die Einsager die Entwicklung von Kaspar?
Die Einsager üben durch repetitive Sprachmuster absolute Kontrolle aus, was bei Kaspar zu einem fortschreitenden Identitätsverlust führt.
Warum wird die parallele Ordnung von Sprache und Möbeln auf der Bühne hervorgehoben?
Dieses Beispiel verdeutlicht, dass jede sprachliche Äußerung im Stück performativ wirkt und unmittelbare physische Konsequenzen oder Handlungen auf der Bühne nach sich zieht.
- Quote paper
- Ievgeniia Bogomolova (Karashchuk) (Author), 2010, Performativität am Beispiel von Peter Handkes "Kaspar", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173437