Funktion des Kommentars

in Heiner Müllers "Anatomie Titus Fall of Rome - Ein Shakespearekommentar"


Essay, 2010

5 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Wenn man die Stücke von Heiner Müller liest oder ansieht, so wird man mit zahlreichen intertextuellen Bezügen konfrontiert. Müllers dramatische Werke, die als Kommentare bezeichnet werden können, nehmen also zunächst Bezug auf die Stoffe und Werke von antiken Autoren oder von Shakespeare (der neben Bertold Brecht eine wichtige Rolle in Heiner Müllers Schaffen spielt) und kehren immer wieder zu ihnen zurück. Eine bedeutende Bearbeitung eines Stücks von William Shakespeare ist Anatomie Titus Fall of Rome - Ein Shakespearekommentar. Wenn er Shakespeares Stück Titus Andronicus auf seine Weise bearbeitet und für seine Zwecke benutzt, spielen die in den Text eingefügten Kommentare eine besondere Rolle. Im Folgenden möchte ich betrachten, was eigentlich das Theater des Kommentars von Heiner Müller ist und welche Funktion diese Kommentare unmittelbar im Stück Anatomie Titus erfüllen.

Es war der Fatzer-Kommentar von Bertolt Brecht, der Heiner Müller dazu bewogen hat, mit Kommentare in seinen Stücken zu experimentieren. Der Kommentar im Sinne von Heiner Müller kann also als Mittel betrachtet werden, die Wirklichkeit des Autors ins Spiel zu bringen. Er kann nicht durch einen Erzähler vermittelt werden, sondern wird entweder durch eine Figur, auf die sich dieser Kommentar bezieht, oder mit Hilfe des Chors präsentiert.1 Im Stück Anatomie Titus wird der Kommentar vom Rest des Textes visuell abgesondert, und zwar durch Druck in Großbuchstaben. Es gibt fast keine Interpunktion, was dazu beiträgt, dass der Kommentar als fließender Text gelesen wird. Er erinnert an keinen ausgestatteten literarischen Text eines Stückes, sondern mehr an einen Bewusstseinsstrom des Autors. Während der Kommentar in den Text des Stückes eingefügt wird und autonom vom Text zu funktionieren scheint, ist er gleichzeitig vom Text untrennbar. So können die Kommentare kaum von den Reden der Figuren getrennt werden.

Die Frage ist aber, warum Heiner Müller entscheidet, den Kommentar im Text seines Stückes Anatomie Titus einzufügen. Zunächst muss man sagen, dass er keine Funktion von Regieanweisungen erfüllt, wie man zuerst erwarten würde.

[...]


1 Heiner Müller: Anatomie Titus Fall of Rome - Ein Shakespearekommentar. S. 192.

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Funktion des Kommentars
Untertitel
in Heiner Müllers "Anatomie Titus Fall of Rome - Ein Shakespearekommentar"
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
5
Katalognummer
V173438
ISBN (eBook)
9783640936991
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommentar, Heiner Müller, postdramatische Theater, Shakespearekommentar
Arbeit zitieren
Ievgeniia Bogomolova (Karashchuk) (Autor), 2010, Funktion des Kommentars, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173438

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