Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht Thomas Manns Erzählung Tristan, die, wie der Name schon sagt, auf dem Mythos von Tristan und Isolde beruht. Unter den verschiedenen Fassungen der Geschichte von Tristan und Isolde findet Thomas Mann die Anregung für sein Werk in Richard Wagners Oper Tristan und Isolde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehungsgeschichte, Genrezugehörigkeit und Gattungsbestimmung
3. Literatur und Musik
4. Musik in der Tristan-Novelle
4.1 Detlev Spinell – ein Künstler?
4.2 Gabriele Klöterjahn und die tödliche Wirkung der Musik
5. Schluss
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die zentrale Rolle und Bedeutung der Musik in Thomas Manns Novelle "Tristan", wobei ein besonderer Fokus auf dem intermedialen Bezug zu Richard Wagners Oper "Tristan und Isolde" liegt. Ziel ist es, die künstlerische Instrumentalisierung der Musik durch die Figur Detlev Spinell und deren fatale Auswirkungen auf Gabriele Klöterjahn zu analysieren.
- Intermediale Beziehungen zwischen Literatur und Musik
- Die Rolle der Musik in Leben und Werk von Thomas Mann
- Charakterisierung und Dekadenz des Künstlertypus Detlev Spinell
- Die "Tristan-Novelle" als Burleske und Auseinandersetzung mit Wagners Musik
- Die zerstörerische Wirkung von Kunst und Ästhetizismus auf die Lebenswelt
Auszug aus dem Buch
4.2 Gabriele Klöterjahn und die tödliche Wirkung der Musik
Im Rahmen der dekadenten Erotik kann man über „die Faszination durch den Fauentypus, der gegen die Fortpflanzungsfunktion der Erotik aufbegehrt“ sprechen. Detlev Spinell, der im Sanatorium „mit keiner Seele Gemeinschaft [hält]“ (S. 10), wird von „der neuen Patientin“ (S. 7) Gabriele Klöterjahn verzaubert und hält mit ihr Bekannschaft. Bezaubert ist er, wie bereits oben erwähnt, von ihrer dekadenten Schönheit. Sie ist ein „eigentümliche[s], außerordentlich empfindsame[s] Geschöpf“. Ein anderer Zug dieser Frau ist „[d]ie Zartheit [der] Konstruktion“; diese Zartheit nimmt die Form von „körperliche[n] Schwächen“ und „Lässigkeit“ an. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass solche Frauenfiguren durch „leidenschaftliche Liebe zur Musik“ gekennzeichnet sind. Diese femme fragile ist zart, kränklich und zerbrechlich, es ist „so viel schwache Grazie und zarter Liebreiz“ (S. 5) in ihr.
Aus Gabrieles Gesprächen mit Spinell erfahren wir, dass die Musik sie seit ihrer Kindheit begleitet. Ihr Vater spielte Geige und gab ihr seine Passion für die Musik mit. Sie selbst „spiel[t]e nur ein bißchen Klavier“ (S. 21) und sie hatten sehr oft zusammen gespielt. Seit sie aber gesundheitlich so schwach ist, ist ihr das Musizieren verboten. Ihre Gesundheit ist sehr schwach, besonders nach der Geburt ihres Sohnes und sie ist nach Einfried wegen ihrer Luftröhre gekommen. Von Anfang an wird Gabriele mit Krankheit und Tod assoziiert, dafür steht auch das Motiv des „kleinen, seltsamen Äderchen[s], das sich blaßblau und kränklich in der Klarheit ihrer wie durchsichtigen Stirn verzweigte“ (S. 18).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Musik in Thomas Manns "Tristan" ein und skizziert die methodische Untersuchung der intermedialen Verhältnisse sowie der Künstlerproblematik.
2. Entstehungsgeschichte, Genrezugehörigkeit und Gattungsbestimmung: Das Kapitel bietet einen Überblick zur Entstehung der Novelle im Kontext von "Tonio Kröger" und diskutiert die Einordnung des Werkes als Novelle bzw. als moderne Kurzprosa.
3. Literatur und Musik: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Intermedialitätsforschung erörtert und Thomas Manns spezifische Art der musikalischen Gestaltung in seinen literarischen Texten analysiert.
4. Musik in der Tristan-Novelle: Dieses Kapitel analysiert die konkrete Bedeutung von Wagners Oper für das Werk, untersucht Detlev Spinell als dekadenten Künstlertypus und thematisiert die fatale Wirkung der Musik auf Gabriele Klöterjahn.
5. Schluss: Der Schluss fasst die Synthese von Literatur und Musik bei Thomas Mann zusammen und betont die zerstörerische Wirkung des Ästhetizismus, der in der Novelle als lebensfeindlich dargestellt wird.
Schlüsselwörter
Thomas Mann, Tristan, Richard Wagner, Musik, Literatur, Intermedialität, Detlev Spinell, Gabriele Klöterjahn, Dekadenz, Ästhetizismus, Künstlertum, Novelle, Musikbeschreibung, Tristan und Isolde, Lebensfeindlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Musik als zentrales Motiv in Thomas Manns Erzählung "Tristan" und untersucht deren intermediale Verknüpfung mit Richard Wagners gleichnamiger Oper.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Wechselwirkung zwischen Literatur und Musik, das Phänomen der Dekadenz, die Darstellung des Künstlertums sowie die psychologische Verführung durch ästhetische Ideale.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Musik in der Novelle nicht nur thematisiert wird, sondern als "katalytische Funktion" zur Verführung der kranken Gabriele Klöterjahn durch den Pseudo-Künstler Detlev Spinell fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche Methoden, insbesondere komparatistische Ansätze und die Intermedialitätsforschung, um Strukturparallelen zwischen der Wagner-Oper und der Novelle herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Verhältnisses von Musik und Literatur bei Thomas Mann sowie eine detaillierte textimmanente Analyse der "Tristan-Novelle", insbesondere der sogenannten Klavierszene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Thomas Mann, Tristan, Dekadenz, Intermedialität, Ästhetizismus, Musikdramatik und Künstlerproblematik.
Wie lässt sich die Figur des Detlev Spinell charakterisieren?
Spinell wird als steriler, parasitäre Künstlertypus und dekadenter Ästhet dargestellt, der das bürgerliche Leben hasst und versucht, durch die Musik eine eigene, lebensfeindliche Realität zu konstruieren.
Welche Rolle spielt die "Klavierszene" für den Handlungsverlauf?
Die Klavierszene bildet das Zentrum der Novelle, in der Spinell durch die Musik von Wagner Gabriele Klöterjahn verführt und sie somit in eine Sphäre zurückzieht, die ihre physische Gesundheit endgültig zerstört.
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- Ievgeniia Bogomolova (Karashchuk) (Autor), 2009, Die Bedeutung der Musik in Thomas Manns Novelle "Tristan", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173439