Umweltmanagement in deutschen und amerikanischen Unternehmen


Bachelorarbeit, 2010

53 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

TABELLENVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. DEFINITORISCHE GRUNDLAGEN
2.1 Ökologische Nachhaltigkeit
2.2 Umwelt
2.3 Umweltmanagement

3. NACHHALTIGES UMWELTMANAGEMENT IN UNTERNEHMEN
3.1 Motive für ein nachhaltiges Umweltmanagement
3.2 Integration von nachhaltigem Umweltmanagement in das Unternehmen
3.3 Umsetzung von nachhaltigem Umweltmanagement im Unternehmen

4. NACHHALTIGES UMWELTMANAGEMENT IN DEUTSCHEN UND AMERIKANISCHEN UNTERNEHMEN
4.1 Umweltmanagement in der Chemiebranche
4.1.1 Vorstellung der Unternehmen
4.1.2 Leitlinien und Ziele des betrieblichen Umweltmanagements
4.1.3 Entwicklungen der letzten Jahre
4.1.4 Ausgewählte Aktivitäten und ihre Wirkungsweise
4.2 Umweltmanagement in der Luftfahrtbranche
4.2.1 Vorstellung der Unternehmen
4.2.2 Leitlinien und Ziele des betrieblichen Umweltmanagements
4.2.3 Entwicklungen der letzten Jahre
4.2.4 Ausgewählte Aktivitäten und ihre Wirkungsweise
4.3 Umweltmanagement in der Automobilbranche
4.3.1 Vorstellung der Unternehmen
4.3.2 Leitlinien und Ziele des betrieblichen Umweltmanagements
4.3.3 Entwicklungen der letzten Jahre
4.3.4 Ausgewählte Aktivitäten und ihre Wirkungsweise

5. ABSCHLIEßENDE BETRACHTUNG

LITERATURVERZEICHNIS III

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Kennzahlen der Chemiebranche

Tabelle 2: Kennzahlen der Luftfahrtbranche

Tabelle 3: Kennzahlen der Automobilbranche

1. Einleitung

Wer in den vergangenen Monaten die Berichte zur Ölkatastrophe im Golf von Mexico verfolgt hat, dem wird nicht entgangen sein, dass es kaum abweichende Meinungen darüber gab, dass das Unternehmen BP diese Katastrophe zu verantworten hat. Doch die Verantwortung von Unternehmen gegenüber der Umwelt besteht nicht allein darin, derartige Ereignisse zu vermeiden.

Schon länger zeichnet sich die Tendenz ab, dass sich die ökonomische Entwick- lung langfristig negativ auf das gesamte Ökosystem auswirkt. Im Zuge dieses Prozesses hat auch die „alltägliche“ Unternehmensaktivität Auswirkungen auf das Artensterben, steigende Treibhausgasemissionen und die Verknappung von Res- sourcen.1

Betriebliches Umweltmanagement stellt daher ein bedeutsames Konzept dar, über welches die Unternehmen Verantwortung für eine nachhaltige ökologische Entwicklung übernehmen können. Für viele Unternehmen hat diese Verantwortung eine doppelte Bedeutung, da sie auf der einen Seite der Ausgangspunkt von Emissionen sind und auf der anderen Seite schaffen sie Innovationen, die zukünftige Umweltschäden vermeiden können.2

Die vorliegende Arbeit untersucht die Umweltmanagementaktivitäten von deutschen und amerikanischen Konzernen innerhalb einer Branche und geht dabei der Frage nach, ob sich das Umweltmanagement deutscher Unternehmen in seinen Maßnahmen und seiner Ausgestaltung signifikant von dem der amerikanischen Unternehmen unterscheidet.

Um dieser Fragestellung nachgehen zu können, sollen zunächst zentrale Begriffe definiert werden, um zu verstehen, was „ökologische Nachhaltigkeit“, „Umwelt“ und „Umweltmanagement“ im Rahmen dieser Arbeit bedeutet. Das dritte Kapitel betrachtet Umweltmanagement im Unternehmen, beleuchtet unternehmerische Motive für betriebliches Umweltmanagement und geht an- schließend darauf ein, wie es in die Unternehmensstrukturen integriert und umge- setzt wird.

Der eigentliche Vergleich von deutschen und amerikanischen Unternehmen ist Gegenstand des vierten Kapitels und stellt das zentrale Element dieser Arbeit dar. Dabei werden die Umweltmanagementaktivitäten verschiedener Unternehmen aus drei ausgewählten Branchen analysiert. Auf die genaue Vorgehensweise soll jedoch erst im vierten Kapitel eingegangen werden.

Aufbauend auf den gewonnenen Informationen soll die eingangs aufgeworfene Frage im fünften Kapitel beantwortet werden. Abschließend wird der Versuch unternommen, zu beurteilen, ob die Aktivitäten der Unternehmen tatsächlich einen Beitrag zur Erhaltung der Umwelt leisten oder nur der sogenannte „Tropfen auf den heißen Stein“ sind.

2. Definitorische Grundlagen

2.1 Ökologische Nachhaltigkeit

Mit einer nachhaltigen ökologischen Entwicklung beschäftigen sich die Menschen nun schon seit einigen hundert Jahren. Erste Beispiele dafür findet man in der Forstwirtschaft des Mittelalters3 und auch in der Schöpfungsgeschichte4. Die Grundidee ist dabei immer ähnlich: Ökonomische Systeme können nur funktio- nieren, wenn es gelingt die Funktionen des Ökosystems dauerhaft zu erhalten.5 Aus der Etymologie lassen sich zwei wesentliche Bedeutungen für den Begriff Nachhaltigkeit ableiten. In einer Form wird mit dieser Begrifflichkeit das Andau- ern oder die Beständigkeit von Gegebenheiten und Zuständen beschrieben. Eine etwas ältere Interpretation hingegen versteht unter Nachhaltigkeit, nicht wün- schenswerten Einwirkungen passiv standzuhalten und erstrebenswerte Zustände aktiv am Laufen zu halten.6

Ökologische Nachhaltigkeit soll im Rahmen dieser Arbeit als eine langfristige umweltverträgliche Entwicklung verstanden werden, in der Umweltschäden vermieden werden sollen, um künftigen Generationen eine lebenswerte und funktionierende Umwelt zu hinterlassen.

2.2 Umwelt

In der Literatur finden sich viele unterschiedliche Verwendungen und Bedeutun- gen des Umweltbegriffs. Dabei kommt es insbesondere darauf an, wie weit die jeweilige Definition ausgelegt ist. Aus diesem Grund soll die Begrifflichkeit für die vorliegende Arbeit aus der Unternehmensperspektive definiert werden. Unter Umwelt können in einer sehr weiten Auslegung alle Faktoren verstanden werden, die das Unternehmen in wirtschaftlicher, sozialer, kultureller, politischer, gesellschaftlicher und ökologischer Hinsicht beeinflussen.7 Diese Betrachtung schließt zwar fast alle Umweltaspekte mit ein, ist jedoch für diese Arbeit ungeeig- net, da im Folgenden vor allem Auswirkungen unternehmerischen Handelns auf die ökologische Umwelt betrachtet werden sollen. Alle anderen Dimensionen sol- len daher unter den Begriff Umfeld fallen.8

„In der engeren, hier verwendeten Interpretation wird Umwelt verstanden als die Gesamtheit aller ökologischen Faktoren sowie aller vom Zustand der natürlichen Umwelt abhängigen Standortbedingungen, die auf das Unternehmensgeschehen einwirken bzw. durch das Unternehmensgeschehen beeinflußt werden.“9

2.3 Umweltmanagement

Häufig wird der Begriff Umweltmanagement mit der staatlichen Umweltpolitik gleich gesetzt. Damit würden die Umweltgesetzgebung und alle politischen Initiativen zur Vermeidung von Umweltschäden ebenfalls unter diese Definition fallen.10 Für die vorliegende Arbeit sind jedoch unternehmerische Aktivitäten von Interesse, die auf eine Reduzierung von Schäden dieser Art zielen. Die getroffenen Maßnahmen können dabei freiwilliger Natur sein oder als Reaktion der Unternehmensleitung auf bestimmte Gesetze aufgefasst werden.

Einen Teil der Definition erhalten wir also, wenn man Umweltmanagement als Organisation und Koordination der betrieblichen Umweltprogramme unter gege- benen externen Rahmenbedingungen betrachtet.11 Allerdings muss diese Interpre- tation noch um die Möglichkeit der freiwilligen Einflussnahme von Unternehmen erweitert werden. Denn die Praxis zeigt, dass viele Betriebe ein Umweltmanage- mentsystem nicht mehr nur als Reaktion auf Gesetze und Richtlinien installieren. Solche Systeme werden auch genutzt, um Wettbewerbsvorteile zu realisieren und das unternehmerische Risiko zu minimieren. Darüber hinaus stellt umweltorien- tiertes Management der Unternehmen eine Übernahme von Verantwortung ge- genüber der Gesellschaft dar.12

Das Umweltmanagement umschließt demnach „[…] die Gesamtheit aller Ziele, Programme, Strategien und Initiativen, welche die Reduzierung der Umweltbelas- tung zum Ziel haben, die vom jeweiligen Unternehmen oder seinen Produkten ausgeht“.13

3. Nachhaltiges Umweltmanagement in Unternehmen

Seit mehr als dreißig Jahren realisieren Unternehmen eine permanent steigende Bedeutung von Umweltschutz für das eigene Fortbestehen. Auf der einen Seite nehmen politische Akteure mit neuen rechtlichen Rahmenbedingungen heute mehr denn je Einfluss auf unternehmerische Aktivitäten. Auf der anderen Seite haben umweltfreundliche Betriebe zunehmend bessere Absatzchancen und wer- den von externen Interessengruppen oft positiver bewertet.14 Zusätzlich müssen sich Konzerne in einer globalisierten Welt behaupten, ohne dabei die vorhandenen Ressourcen vollständig zu verbrauchen.15 „Die Frage ist nicht mehr, ob sich glo- bale Veränderungen und Herausforderungen auf die Unternehmen auswirken, sondern nur noch, wann sie spürbar werden und wie sie im Detail aussehen.“16 Aus dieser Perspektive erscheint betriebliches Umweltmanagement nicht mehr nur als verantwortlich, sondern auch als überlebenswichtig für Unternehmen.

3.1 Motive für ein nachhaltiges Umweltmanagement

Umweltschutz in Unternehmen und das damit integrierte Umweltmanagement wird von vielen Firmen keineswegs nur noch als externe Auflage und Belastung angesehen. Auf der Managementebene werden zunehmend auch die Potenziale für eine erfolgreiche Unternehmensführung erkannt und in die eigene Strategie mit eingebunden.17

Mit diesem Umdenken kann das eigene Geschäft noch rentabler gemacht werden. In einigen Geschäftsfeldern, die bereits als vollständig erschlossen gelten, kann man unter Berücksichtigung der gestiegenen Umweltsensibilität vieler Konsu- menten sogar neue Kunden gewinnen, die lieber ein ökologisch nachhaltig er- zeugtes Produkt erwerben und unter Umständen eine höhere Zahlungsbereitschaft dafür haben. Ein weiterer ökonomischer Vorteil liegt in der Betrachtung und Be- wertung der Unternehmen durch Externe. Ökologisch nachhaltig orientierten Konzernen fällt es häufig leichter sich frisches Geld auf den Kapitalmärkten zu beschaffen. Denn auch die Geldgeber honorieren diese Art der Risikominimierung und der langfristigen strategischen Ausrichtung. Maßnahmen, die eine derartige Wirkung entfalten, lassen sich daher relativ einfach rechtfertigen, da sie die klas- sischen Ziele eines Unternehmens nicht negativ beeinflussen.18

Ein effektives Umweltmanagement verschafft den Firmen, die sich ein solches System leisten können und wollen, teilweise nicht unerhebliche Wettbewerbsvor- teile. Auf der internen Unternehmensebene ist hier zum Beispiel der Faktor Arbeit zu nennen. Gesteigerte Motivation der Mitarbeiter und eine verbesserte innerbe- triebliche Kommunikation durch das Umweltmanagement können sich langfristig positiv auf die Identifikation der Arbeitskräfte mit ihrem Betrieb auswirken. Zu- sätzlich genießen Unternehmen auf der externen Ebene eine viel höhere rechtliche Sicherheit und können sehr flexibel auf Veränderungen der gesetzlichen Rahmen- bedingungen für Umweltschutz reagieren.19 Auf diese Weise gelingt es ökologi- sche Tendenzen gedanklich vorwegzunehmen, die Transparenz zu erhöhen, eige- ne Schwächen zu erkennen und somit insgesamt das unternehmerische Risiko langfristig zu minimieren.20

Für ein nachhaltiges Umweltmanagement sprechen jedoch nicht ausschließlich finanzielle Motive. Heute knüpft ein Konsument eine Menge Erwartungen an den Kauf eines Produktes und verbindet eine gewisse Emotionalität mit einer Marke. Aus diesem Grund müssen gerade Firmen, die ein positives Image und eine ange- nehme Lebensweise in Form von Konsum- oder Gebrauchsgütern verkaufen wol- len, auf ihre eigene Darstellung achten. Wenn das vermittelte Bild nicht mit der Herstellung der Produkte und der Qualität des Unternehmens übereinstimmt, kann es zu Umsatzeinbußen bis hin zum Verlust der Glaubwürdigkeit kommen. Das Umweltmanagement muss dabei die komplette Wertschöpfungskette der Güter auf den Prüfstand nehmen, um eine solche Entwicklung zu vermeiden.21 Jedoch spielt die nachhaltige Positionierung nicht nur bezüglich der eigenen Produkte eine übergeordnete Rolle. Ein gutes und von außen wahrnehmbares Umweltma- nagement erhöht die gesellschaftliche Akzeptanz eines Unternehmens insgesamt. Diese Betriebe gelten als besonders innovativ und haben häufig erhebliche Vortei- le bei der Einstellung neuer Mitarbeiter und Fachkräfte.22

Aus dieser positiven Darstellung können sich letztlich weitere Vorteile entwi- ckeln, die sich in Form von einem besseren Verhältnis zu Behörden, einer erhöh- ten Kundenbindung und der Fähigkeit höhere Preise durchsetzen zu können äu- ßern.23

3.2 Integration von nachhaltigem Umweltmanagement in das Unternehmen

Ob ein Unternehmen tatsächlich ein Umweltmanagementsystem in die bestehenden Strukturen integriert, hängt auf der einen Seite von der Größe der Unternehmung und vom Kontakt zu den Endverbrauchern ab. Denn eine direkte Verbindung zu den Konsumenten erhöht häufig auch den Druck auf diese Betriebe und ihre Lieferanten ein derartiges System zu etablieren.24

Dabei gibt es eine Vielzahl von Gründen, die für die Institutionalisierung des be- trieblichen Umweltschutzes sprechen. Die erfolgreiche Integration kann insgesamt die Komplexität der verschiedenen Aufgabenbereiche reduzieren. Somit kann eine effektive und professionelle Organisation gewährleistet werden. Ein weiterer Aspekt dabei ist die Entlastung der Unternehmensführung. Folglich wird das betriebliche Umweltmanagement nicht nur als eine Randerscheinung neben vielen anderen Tätigkeiten betrieben, sondern kann mit der nötigen Gewissenhaftigkeit ganzheitlich umgesetzt werden. Daneben sprechen eine bessere interne und behördliche Kontrolle und Steuerung aller Umweltschutzaufgaben, die optimierte Koordinierung dieser Aufgaben und eine erhöhte Innovationsfähigkeit für die Institutionalisierung von Umweltschutz in einem Unternehmen.25

Das integrierte Umweltmanagement ist letztendlich als eine Aufgabe zu verstehen, die alle Unternehmensbereiche durchdringt und deren Zusammenarbeit bezüglich der anfallenden Umweltfragen koordiniert. Ohne diese übergreifende Koordination bleibt das Risiko, dass es zwischen den einzelnen Betriebsebenen nur zu einer Verschiebung oder Verlagerung der ökologischen Probleme kommt. Auch bei dieser Betrachtung liegt der Fokus auf jenen Bereichen, die direkt mit den Absatzmärkten verbunden sind und somit einen Einblick in die nachhaltige Orientierung eines Unternehmens erlauben.26

Dennoch muss die Unternehmensleitung beachten, dass die Integration eines sol- chen Systems und die Einführung neuer Mechanismen zur Vermeidung von Um- weltschäden allein nicht genügen. Dem Umweltmanagement und seinen Funktio- nären obliegt die Aufgabe alle Schwachstellen im Unternehmen, die sich negativ auf die Umwelt auswirken, zu analysieren und daraus ein Regelwerk und Strate- gien zur Vermeidung solcher Schäden zu entwickeln. Auf diese Weise soll sich die Integration von einem Umweltmanagementsystem nicht nur in neuen Positio- nen sondern auch in einem Umdenken im Unternehmen widerspiegeln.27

Um diesen Zielen gerecht zu werden und den betrieblichen Umweltschutz effektiv in das bestehende unternehmerische Gefüge einzubinden, müssen auch die Auf- gaben in der Aufbauorganisation klar definiert sein. Die Integration an sich und auch die Ziele des Umweltmanagements sind dabei auf der obersten Manage- mentebene anzutreffen. Aufgrund der ungeheuren Vielseitigkeit dieses Bereiches ist jedoch eine Verteilung der Aufgaben zwischen den unterschiedlichen Hier- archieebenen nötig. Die zu erfüllenden Tätigkeiten werden dabei immer präziser formuliert, je weitere die betreffende Ebene von der Führungsetage entfernt ist. Das Top-Management entwickelt in dieser Hierarchie Richtlinien für den Um- weltschutz, formuliert die Ziele des Umweltmanagements und übernimmt insge- samt eine übergeordnete Steuerungsfunktion. Auf der Ebene des mittleren Mana- gements erfolgt anschließend die Zerlegung der Ziele und Richtlinien in einzelne Programme für die unterschiedlichen Unternehmensbereiche. Deren Überwa- chung und Koordination knüpft im Folgenden nahtlos an. Darüber hinaus liegt es im Verantwortungsbereich des mittleren Managements das Unternehmen in sämt- lichen Umweltschutzbelangen gegenüber staatlichen Einrichtungen und auch der Gesellschaft zu vertreten.28

Die tatsächliche Durchführung aller Projekte und die Überwachung der betreffenden Maschinen und Industrieanlagen übernimmt die unterste Managementebene. Zusätzlich stellt diese Ebene die Schnittstelle des Umweltmanagements zwischen der Unternehmensleitung und den Mitarbeitern dar und kann daher auch als eine Art Informations- und Anlaufstelle angesehen werden.29

3.3 Umsetzung von nachhaltigem Umweltmanagement im Unternehmen

Jeder Bereich eines Unternehmens ist in einer unterschiedlichen Intensität von den Maßnahmen des Umweltmanagements betroffen. Daher bedarf es für alle Ebenen unterschiedlicher Strategien und Instrumente, um den ökologischen Anforderun- gen gerecht werden zu können. Die Umsetzung in Form einer Balanced Scorecard eignet sich beispielsweise für nahezu jeden Funktionsbereich des Unternehmens als Steuerungskonzept. Ein Anreizsystem hingegen kann nur in den Bereichen erfolgreich wirken, in denen mehrheitlich Menschen und nicht Maschinen tätig sind.30

Bei der Umsetzung von nachhaltigem Umweltmanagement im Unternehmen fällt den innerbetrieblichen Informationssystemen die wichtigste Rolle zu. Denn „[e]in erfolgreiches Umweltmanagement erfordert die Erfassung und Verarbeitung um- fangreicher Informationen über Umweltauswirkungen in allen Funktionsbereichen der Unternehmung“31. Diese Angaben stellen im Anschluss die Grundlage für konkrete Handlungskonzepte und Maßnahmen der Unternehmensführung dar. Eine intensive Analyse der eigenen Produkte spielt in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle, denn mit ihnen kommt das Unternehmen in direkten Kontakt mit dem Endverbraucher. Bei der Produktlinienanalyse versucht man sämtliche Aus- wirkungen, im Lebenszyklus eines Produktes auf die Umwelt, die Gesellschaft und die Wirtschaft zu erfassen.32 Bei dieser Betrachtung geht es also nicht aus- schließlich um den Fertigungsprozess, sondern man betrachtet auch die Verwen- dung und die Entsorgung mit all ihren Auswirkungen auf die Umwelt.33 Aus dieser Analyse können unternehmerische Entscheidungen abgeleitet werden. In der Folge ist es möglich, eine umweltschonende Produktvariante auf den Markt zu bringen, die den jeweiligen Verbraucherschutzbestimmungen und Kundenbe- dürfnissen gerecht wird.34

Ein weiteres Instrument zur Informationsgewinnung ist ein so genanntes Öko- Audit oder auch Umwelt-Audit. Bei diesem Verfahren wird die Tätigkeit eines Unternehmens bezüglich der Auswirkungen auf die Umwelt dokumentiert und anschließend bewertet.35 Interne Audits fungieren hier als wichtige Informations- quelle für das Management und externe Audits liefern außenstehenden Interes- sengruppen wichtige Hinweise über die Beachtung von Vorschriften und die Ein- haltung von internen Vorgaben.36 Wichtig ist jedoch, dass diese Audits objektiv Bericht erstatten und in keinster Weise geschönt sind. Auch aus diesen Erkennt- nissen können sich unternehmerische Handlungsmöglichkeiten und Wettbewerbs- vorteile ergeben. Aufbauend auf dem Bericht über interne Schwachstellen kann das Management durch die Verbesserung der Energieeffizienz und dem Material- aufwand die Kosten teilweise erheblich reduzieren. Auf der externen Unternehmensebene kann ein positives Umwelt-Audit wiederum die gesellschaftliche Akzeptanz des Unternehmens und somit dessen Image fördern.37

Neben der Informationsgewinnung ist die aktive Steuerung ein weiterer wichtiger Bestandteil bei der Umsetzung von Umweltmanagement in einem Unternehmen. Hierbei gilt es nun, ausgehend von den gewonnenen Informationen und den ei- gens definierten Zielen, Einfluss auf das Handeln aller Mitarbeiter zu nehmen, um den betrieblichen Umweltschutz effizient umzusetzen. Im Umweltmanagement ist der Einsatz von Anreizsystemen bereits ein erprobtes Mittel, um umweltbezogene Ziele zu erreichen. Hier werden sie in Unternehmensbereichen genutzt, in denen umweltentlastende Maßnahmen relativ unproblematisch gemessen werden kön- nen. Ein Hauptanwendungsbereich ist beispielsweise die Produktion, in der das Management Anreize zum Einsparen von Rohmaterial und Energie schaffen kann. Das Erreichen der Ziele ist an materielle oder immaterielle Vorteile für die Mitar- beiter der entsprechenden Abteilung gekoppelt. Darüber hinaus honorieren viele Unternehmen gute Anregungen der Belegschaft zur Verbesserung der nachhalti- gen Unternehmensentwicklung im Rahmen eines innerbetrieblichen Vorschlag- wesens mit ähnlichen Vergünstigungen.38

4. Nachhaltiges Umweltmanagement in deutschen und amerikani- schen Unternehmen

Die Klimaveränderungen der letzten Jahre lassen sich vor allem auf die gestiege- nen Treibhausgasemissionen zurückführen. Durch sie wird der Treibhauseffekt ausgelöst, der maßgeblich für die globale Klimaerwärmung verantwortlich ist.39 Aus diesem Grund betrachtet die vorliegende Arbeit Unternehmen dreier ausge- wählter Branchen, denn „[d]er größte Zuwachs an THG-Emissionen zwischen 1970 und 2004 stammte aus den Sektoren Energieversorgung, Verkehr und In- dustrie […]“40. Um das Umweltmanagement deutscher und amerikanischer Un- ternehmen gegenüberzustellen, werden im Folgenden Konzerne aus der Chemie-, Luftfahrt- und Automobilbranche hinsichtlich ihrer Umweltmanagementaktivitäten analysiert. Diese Wirtschaftszweige können aufgrund ihrer Prozesse, Dienstleistungen und Produkte mindestens einem der eben genannten Sektoren zugeordnet werden, oder sind in großem Maße von ihnen abhängig.

Beim Vergleich der Unternehmen werden diese zunächst in tabellarischer Form vorgestellt, um einen Eindruck über ihre Größe und wirtschaftliche Leistungsfä- higkeit zu erlangen. Anschließend werden die Leitlinien des betrieblichen Um- weltmanagements analysiert. Dabei geht es vor allem um den Stellenwert von Umweltschutz und ökologischer Nachhaltigkeit im Unternehmen und um konkre- te Ziele, die im Rahmen des Umweltmanagements erreicht werden sollen.

Von diesen Zielstellungen ausgehend, werden die Entwicklungen der letzten Jahre im dritten Unterkapitel jeder Branche untersucht. Besonderes Interesse hierbei gilt Maßnahmen, die zur Erreichung der ausgegebenen Ziele beitragen und sich positiv auf die Umwelt auswirken.

Im vierten Unterpunkt soll analysiert werden, ob die Unternehmen Umweltmana- gement auch über die Unternehmensgrenzen hinweg betreiben. An dieser Stelle wird exemplarisch auf ausgewählte Aktivitäten eingegangen, die zeigen, dass Umweltmanagement nicht nur auf die Prozesse und Produkte des jeweiligen Un- ternehmens begrenzt ist.

Der Vergleich der Unternehmen und ihrer Umweltmanagementaktivitäten findet auf jeder Ebene in den Grenzen der jeweiligen Branche statt, da das Umweltmanagement innerhalb eines Sektors vor ähnlichen Herausforderungen steht.

4.1 Umweltmanagement in der Chemiebranche

4.1.1 Vorstellung der Unternehmen

In der folgenden Tabelle werden die betrachteten Unternehmen der Chemiebran- che in Deutschland und den USA anhand einiger relevanter Daten gegenüberge- stellt. Um die Vergleichbarkeit der Informationen zu gewährleisten, wurden alle Angaben aus den jeweiligen Geschäftsberichten für das Jahr 2009 entnommen.

[...]


1 Georg-Christoph Schneider, Sustainable Innovation im Unternehmen. Anleitung zur Umset- zung (Saarbrücken: Verlag Dr. Müller, 2006), S. 47-48.

2 Herbert Gassert, „Umweltschutzorientiertes Management“, in: Erich Zahn/ Herbert Gassert (Hrsg.), Umweltschutzorientiertes Management. Die unternehmerische Herausforderung von morgen (Stuttgart: Poeschel Verlag, 1992), S. 3.

3 Rolf Kramer, Das Unternehmen zwischen Globalisierung und Nachhaltigkeit. Sozialethische Ü berlegungen (Berlin: Duncker & Humblot, 2002), S. 56.

4 Edeltraud Günther, Ökologieorientiertes Management. Um-(weltorientiert) Denken in der BWL (Stuttgart: Lucius & Lucius Verlagsgesellschaft, 2008), S. 40.

5 Heinz Karl Prammer, Rationales Umweltmanagement. Entscheidungsrahmen und Konzeption f ü r einökologieorientiertes Rechnungswesen (Wiesbaden: Gabler Verlag, 1998), S. 3.

6 Günther, Ökologieorientiertes Management, S. 44-45.

7 Peter Michaelis, „Betriebliches Umweltmanagement“, in: Klaus-Dieter Däumler/ Jürgen Grabe (Hrsg.), Betriebswirtschaft in Studium und Praxis (Herne/Berlin: Neue Wirtschafts-Briefe, 1999), S. 14.

8 Boris Braun, Unternehmen zwischenökologischen undökonomischen Zielen. Konzepte, Akteu- re und Chancen des industriellen Umweltmanagements aus wirtschaftsgeographischer Sicht

9 (Münster: LIT-Verlag, 2003), S. 23. Michaelis, „Betriebliches Umweltmanagement“, S. 14.

10 Braun, Unternehmen zwischenökologischen undökonomischen Zielen, S. 24.

11 Anne Seidensticker, „Umweltmanagement und Umweltmanagementsysteme“, in: Schitag Ernst & Young (Hrsg.), Das Buch des Umweltmanagements (Weinheim: VCH Verlagsgesellschaft, 1995), S. 2.

12 Paul de Backer, Umweltmanagement im Unternehmen (Berlin/Heidelberg: Springer Verlag, 1996), S. 8.

13 Braun, Unternehmen zwischenökologischen undökonomischen Zielen, S. 24.

14 Michaelis, „Betriebliches Umweltmanagement“, S. 1.

15 Kramer, Das Unternehmen zwischen Globalisierung und Nachhaltigkeit, S. 118.

16 Bundesumweltministerium (Hrsg.), „Innovation durch CSR. Die Zukunft nachhaltig gestalten“, Referat Öffentlichkeitsarbeit, 2009, URL: http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/broschuere_innovation_csr.pdf [20. Juli 2010].

17 Michaelis, „Betriebliches Umweltmanagement“, S. 8.

18 Ibid., S. 10-11.

19 Matthias Kramer/ Bernd Delakowitz/ Anke Hoffmann, „Operatives Umweltmanagement im internationalen und interdisziplinären Kontext“, in: Matthias Kramer/Heinz Strebel/Gernot Kaiser (Hrsg.), Internationales Umweltmanagement Band 3:Operatives Umweltmanagement im internationalen und interdisziplin ä ren Kontext (Wiesbaden: Gabler Verlag, 2003), S. 6-7.

20 Dieter Matthew Schlesinger, „Unternehmerische Motive eines umweltgerechten Verhaltens“, in: Hans-Dieter Haas (Hrsg.), Wirtschaft und Raum. Band 14 (München: Herbert Utz Verlag, 2006), S. 119.

21 Ibid., S. 116.

22 Bundesumweltministerium (Hrsg.), „Innovation durch CSR“, S. 6.

23 Schlesinger, „Unternehmerische Motive eines umweltgerechten Verhaltens“, S. 118-119.

24 Stefan Vorbach, Prozessorientiertes Umweltmanagement. Ein Modell zur Integration von Um- weltschutz, Qualit ä tssicherung und Arbeitsschutz (Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag, 2000), S. 56.

25 Ibid., S. 54-55.

26 Michaelis, „Betriebliches Umweltmanagement“, S. 14.

27 Martin Herberg, Globalisierung und private Selbstregulierung. Umweltschutz in multinationa- len Unternehmen (Frankfurt am Main: Campus Verlag, 2007), S. 120.

28 Michaelis, „Betriebliches Umweltmanagement“, S. 73-74.

29 Ibid.

30 Stefan Schaltegger/ Christian Herzig/ Oliver Kleiber/ Torsten Klinke/ Jan Müller, „Nachhaltig- keitsmanagement in Unternehmen. Von der Idee zur Praxis: Managementansätze zur Umset- zung von Corporate Social Responsibility und Corporate Sustainability“, Bundesumweltminis- terium/ econsense/ Centre for Sustainability Management - Leuphana Universität Lüneburg (Hrsg.), 2007, URL: http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/nachhaltigkeitsmanagement_unterneh men.pdf [22. Juli 2010].

31 Michaelis, „Betriebliches Umweltmanagement“, S. 88.

32 Schaltegger/ Herzig/ Kleiber/ Klinke/ Müller, „Nachhaltigkeitsmanagement in Unternehmen“, S. 145.

33 Heinz Strebel, „Umweltorientierung in betrieblichen Funktionsbereichen“, in: Matthias Kra- mer/ Heinz Strebel/ Gernot Kaiser (Hrsg.), Internationales Umweltmanagement Band 3:Operatives Umweltmanagement im internationalen und interdisziplin ä ren Kontext (Wiesba- den: Gabler Verlag, 2003), S. 15.

34 Schaltegger/ Herzig/ Kleiber/ Klinke/ Müller, „Nachhaltigkeitsmanagement in Unternehmen“, S. 145.

35 Michaelis, „Betriebliches Umweltmanagement“, S. 105.

36 Schaltegger/ Herzig/ Kleiber/ Klinke/ Müller, „Nachhaltigkeitsmanagement in Unternehmen“, S. 63.

37 Michaelis, „Bteriebliches Umweltmanagement“, S. 105.

38 Schaltegger/ Herzig/ Kleiber/ Klinke/ Müller, „Nachhaltigkeitsmanagement in Unternehmen“, S. 55.

39 IPCC, „Klimaänderung 2007 - Synthesebericht“, Interngovernmental Panel on Climate Chan- ge, 2008, URL: http://www.de-ipcc.de/_media/IPCC-SynRepComplete_final.pdf [27. August 2010].

40 Ibid., S. 40.

Ende der Leseprobe aus 53 Seiten

Details

Titel
Umweltmanagement in deutschen und amerikanischen Unternehmen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
International Business Studies
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
53
Katalognummer
V173473
ISBN (eBook)
9783640936601
ISBN (Buch)
9783640936953
Dateigröße
629 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umweltmanagement, unternehmen
Arbeit zitieren
Alexander Dötsch (Autor), 2010, Umweltmanagement in deutschen und amerikanischen Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173473

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