Im Zeitalter von erneuerbaren Energien, fair trade und slow food erlebt auch die Kosmetikindustrie einen Sinneswandel ihrer Kundschaft.
Neben dem Bedarf des gesundheitsbewussten Verbrauchers, sich mit sogenannter „Naturkosmetik“ zu verwöhnen, die den Verzicht des Herstellers auf Inhaltsstoffe wie Propylenglykol, Silikone, synthetische Duftstoffe, Paraffine etc. suggeriert, wächst der Wunsch des Kunden nachhaltig zu konsumieren und ein „ethisch korrektes“ Produkt zu erwerben.
Die Antwort der Kosmetikbranche sind zertifizierte Marken, die diesem Anspruch gerecht werden. Die Fabrikate sind frei von synthetischen Substanzen, die Herstellung ist umweltfreundlich und ressourcenschonend und auf den Einsatz von Tierversuchen wird verzichtet.
Doch die Produkte als „tierversuchsfrei“ zu bezeichnen ist nicht ganz korrekt. Laut dem Deutschen Tierschutzbund existiert kaum ein Stoff, der noch nie an Tieren getestet wurde. Selbst mit Wasser und Salz wurden Versuche an Tieren durchgeführt. Aus diesem Grund gibt es auch keine Kosmetik, die „tierversuchsfrei“ ist. Die Aussage eines Unternehmens, seine Erzeugnisse seien „tierversuchsfrei“,
bedeutet, dass entweder am Endprodukt keine Tierversuche vorgenommen werden – was bei Waschmitteln und Kosmetika in Deutschland sowieso verboten ist. Oder sie meint, dass ab einem beliebig festgelegten Zeitpunkt keine Tierversuche mit den Rohstoffen gemacht werden. Auch juristisch gilt die Verwendung dieser Bezeichnung als irreführend und wurde schon mehrfach per Gerichtsentscheid verboten.
Die vorliegende Studie soll die Verwendung des Begriffs „tierversuchsfrei“ anhand der Analyse unterschiedlichster Herstellerhomepages genauer untersuchen.
Gemeinsamkeit aller untersuchten Hersteller ist die Angabe, bei der Produktion ihrer Kosmetik auf Tierversuche zu verzichten. Der Einfachheit halber wird daher in dieser Arbeit – trotz aller juristischer Bedenken - der Begriff „tierversuchsfreie Kosmetik“ auf
die Erzeugnisse der untersuchten Produzenten angewandt.
Dabei ist es das Ziel der vorliegenden Studie, bestehende Differenzierungsdetails hinsichtlich der Behauptung, die angebotenen Kosmetikprodukte seien nicht an Tieren getestet, herauszuarbeiten, die Anbieter anhand ihres Internetauftrittes vorzustellen und einen Einblick in das angebotene Sortiment zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Bezugsrahmen
2.1. Tierversuche
2.1.1. Draize - Test (Schleimhautverträglichkeitstest)
2.1.2. LD 50 Test (Toxizitätstest)
2.1.3. Hautreiztest
2.1.4. Gesetzlich vorgeschriebene Tests
2.1.5. Neue Prüfmethoden/ Alternativmethoden zum Tierversuch
2.1.6. Übertragbarkeit
2.1.7. Umdenken statt verzichten
2.2. IHTK
2.2.1. Tierversuche an Endprodukten
2.2.2. Stichtag 01.01.1979
2.2.3. Quälerei und Tötung
2.2.4. Wirtschaftliche Abhängigkeit
2.2.5. Offenlegung der Lieferanten
2.2.6. Vollständige Deklaration der Inhaltsstoffe
2.2.7. Sanktion
2.3. BDIH
2.3.1. Tierversuche und Endprodukte
2.3.2. Tierversuche und Rohstoffe
2.3.3. Tierische Rohstoffe
2.4. Kommunikationsmodell
3. Methodisches Vorgehen
3.1. Forschungsleitende Fragen
3.2. Hypothesendiskussion
3.3. Untersuchungsdesign
3.3.1 Inhaltsanalyse
3.3.2. Untersuchungsablauf
3.3.3 Messinstrument
3.3.4. Untersuchungsgegenstand
3.3.5. Pretest, Validität und Reliabilität
3.3.6. Untersuchungszeitraum und Auswertungsmethode
4. Präsentation und Interpretation der Ergebnisse
4.1. Formale Kriterien der Homepage
4.1.1. Existenz der Homepage
4.1.2. Anderssprachige Homepages
4.2. Produktangebot
4.3. Zertifizierung
4.3.1. IHTK und BDIH
4.3.2. Ökotest
4.4. Kundenservice
4.4.1. Onlinebestellmöglichkeit, eigene Filialen und der Vertrieb über Händler
4.4.2. Informationen über Tierversuche an Produkten
4.4.3. Nachhaltigkeitsprojekte – Engagement
4.4.4. Unternehmensphilosophie
4.4.5. Partner/ Supporter
5. Hypothesenprüfung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verwendung des Begriffs „tierversuchsfrei“ bei verschiedenen Kosmetikherstellern durch eine Analyse ihrer jeweiligen Homepages. Dabei ist es das primäre Ziel, die Differenzierungsdetails der Marketingbehauptungen hinsichtlich eines Verzichts auf Tierversuche herauszuarbeiten und einen Einblick in das Sortiment sowie die Kommunikationsstrategien der Anbieter zu geben.
- Analyse von Herstellerhomepages hinsichtlich Tierversuchsfreiheit
- Untersuchung von Kennzeichnungssystemen und Siegeln (IHTK, BDIH)
- Bewertung von Produktangeboten und Vertriebswegen
- Identifikation von Nachhaltigkeitsengagement und Unternehmensphilosophien
- Erforschung der strategischen Kommunikation von Herstellern gegenüber Kunden
Auszug aus dem Buch
2.1. Tierversuche
Ist eine neue Chemikalie für ein Kosmetikprodukt entwickelt worden, so schreibt das Chemikaliengesetz Tierversuche vor. Gesetzlich sind nachstehende Methoden vorgeschrieben:
2.1.1. Draize - Test (Schleimhautverträglichkeitstest) Bei diesem Test wird einem Kaninchen eine Probe der zu testenden Chemikalie ins Auge geträufelt. Da Kaninchen keine Tränenflüssigkeit absondern, bleibt die Substanz bis zur Reinigung des Auges - das sind in der Regel mindestens 24 Stunden - in konzentrierter Form im Auge. Starke Reizungen, Verätzungen und die Zerstörung des Auges sind mögliche Folgen.
2.1.2. LD 50 Test (Toxizitätstest) Im LD 50 Test zur Charakterisierung der akuten Giftigkeit einer Chemikalie geht es darum, die Dosis zu ermitteln. Statistisch stirbt die Hälfte der Versuchstiere. Die Chemikalie wird entweder ins Futter gemischt oder per Schlundsonde verabreicht. Für dieses Testverfahren werden pro zu testender Substanz mehr mindestens 30, meist mehr Säugetiere „verbraucht“. Über Tage hinweg werden die auftretenden Krämpfe, Lähmungen und andere Schädigungen protokolliert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des veränderten Konsumentenbewusstseins bezüglich tierversuchsfreier Kosmetik ein und definiert das Ziel der Studie.
2. Theoretischer Bezugsrahmen: Hier werden die gesetzlichen Grundlagen von Tierversuchen erläutert sowie die Bedeutung von Siegeln wie IHTK und BDIH im Kontext der Kosmetikbranche diskutiert.
3. Methodisches Vorgehen: Das Kapitel beschreibt das Forschungsdesign, die forschungsleitenden Fragen, die Hypothesenbildung sowie die Anwendung der quantitativen Inhaltsanalyse.
4. Präsentation und Interpretation der Ergebnisse: Die Ergebnisse der Untersuchung werden hier dargestellt und interpretiert, insbesondere im Hinblick auf Homepages, Produktangebot, Zertifizierung und Kundenservice.
5. Hypothesenprüfung: In diesem Kapitel werden die zu Beginn der Arbeit aufgestellten Hypothesen auf Basis der erhobenen Daten überprüft und validiert oder falsifiziert.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt das Zukunftspotenzial des Sektors sowie die Notwendigkeit einer verbesserten Kennzeichnung und Marketingkommunikation hervor.
Schlüsselwörter
Tierversuche, Kosmetik, Naturkosmetik, IHTK, BDIH, Tierversuchsfrei, Inhaltsanalyse, Nachhaltigkeit, Zertifizierung, Konsumentenverhalten, Marketing, Unternehmensphilosophie, LOHA, Produktsortiment, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Internetauftritte von Herstellern tierversuchsfreier Kosmetik, um zu untersuchen, wie diese Unternehmen ihre Produkte positionieren und mit dem Thema Tierversuchsfreiheit umgehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt die gesetzlichen Grundlagen von Tierversuchen, die Relevanz von Zertifizierungssiegeln, die Gestaltung von Hersteller-Homepages, Vertriebswege und das allgemeine Nachhaltigkeitsengagement der Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Verwendung des Begriffs „tierversuchsfrei“ kritisch zu hinterfragen, Differenzierungsmerkmale bei den Anbietern aufzudecken und ein Bild vom aktuellen Markt sowie der Unternehmensphilosophien zu zeichnen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung verwendet?
Es wurde eine quantitative Inhaltsanalyse der Texte auf den Homepages der ausgewählten Kosmetikhersteller durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Bezugsrahmen, eine detaillierte Erläuterung des methodischen Vorgehens inklusive der Kurzvorstellung der Marken sowie die Präsentation und Interpretation der empirischen Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören unter anderem Tierversuchsfreiheit, IHTK, BDIH, Naturkosmetik, quantitative Inhaltsanalyse und Nachhaltigkeitsengagement.
Welche Rolle spielen die Siegel IHTK und BDIH in der Arbeit?
Die Siegel dienen als wichtige Orientierungshilfen für den Verbraucher, und ihre Kriterien werden genutzt, um die Authentizität der tierversuchsfreien Behauptungen der Hersteller zu bewerten.
Warum haben einige der untersuchten Unternehmen keine Zertifizierung?
Die Arbeit stellt fest, dass bekannte Unternehmen wie BODY SHOP und Lush zwar auf Tierversuche verzichten, aber keine der untersuchten Siegel tragen, was zeigt, dass die Kennzeichnung nicht flächendeckend ist.
- Citar trabajo
- Katharina Maute (Autor), 2010, Kosmetik ohne Tierversuche - Eine Analyse der Hersteller-Homepages, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173474