In der Hausarbeit werden Versprecher der deutschen Laut- und Gebärdensprache miteinander verglichen.
Zunächst wird der Begriff des Versprechens genauer untersucht und die Versprecher klassifiziert. Im Anschluss daran wird die Zusammensetzung einer gebärdensprachlichen Äußerung beschrieben.
Schließlich werden die Versprecher miteinander verglichen - und zwar vor allen Dingen morphologische Vergebärdler und Versprecher. Auch das Korrekturverhalten wird genauer betrachtet. Am Ende werden die Erkenntnisse in den Apparat der Sprachproduktion eingebettet und nach Ursachen und Folgen gefragt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in das psycho-linguistische Forschungsfeld der Versprecher
1.1. Versprecher – Definition und Forschungsüberblick
1.2. Klassifikation der Versprecher
2. Unterschiede gebärden- und lautsprachlicher Äußerungen
3. Versprecher in der Deutschen Laut- und Gebärdensprache
3.1. Vergleich zwischen Versprechern in der Deutschen Laut- und Gebärdensprache
3.1.1. Morphologische Vergebärdler und Versprecher
3.2. Korrekturverhalten
4. Die Sprachproduktion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Sprachproduktionssystem anhand von Versprechern in der Deutschen Laut- und Gebärdensprache, um aufzuzeigen, dass die Mechanismen der Sprachproduktion modalitätsunabhängig funktionieren, während die Inhalte modalitätsabhängig sind.
- Psycho-linguistische Grundlagen von Versprechern
- Klassifikation von Versprechertypen (nach Meringer)
- Strukturelle Unterschiede zwischen Laut- und Gebärdensprache
- Vergleich von Korrekturverhalten und Fehlerraten
- Analyse des Modells der Sprachproduktion nach Levelt
Auszug aus dem Buch
1.1. Versprecher – Definition und Forschungsüberblick
Das Wort ,versprechen‘ hat unterschiedliche Bedeutungen. Es wird wohl am häufigsten in zweierlei Hinsicht verwandt: Zum einen mit der Bedeutung, ein Versprechen, also eine Zusicherung, abzugeben, zum anderen im reflexiven Gebrauch, nämlich mit der Bedeutung, eine sprachliche Fehlleistung zu produzieren. Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich ausschließlich mit der letztgenannten Bedeutung des Begriffs ,versprechen‘. Diese wird im Lexikon der Sprachwissenschaft beispielsweise folgendermaßen definiert:
Störung der Sprachproduktion durch bewusste oder unwillkürliche sprachliche Abweichung der offenkundig beabsichtigten Form der Äußerung. (Bußmann 1990:834)
Die Forschungsarbeiten zu Versprechern in der Deutschen Lautsprache sind zahlreich. Als Begründer der psycholinguistischen Versprecherforschung wird Rudolf Meringer angesehen. Dieser veröffentlichte 1895 die erste deutsche Versprechersammlung mit dem Titel „Versprechen und Verlesen – Eine psychologisch-linguistische Studie“ (Leuninger 1993:69). Bereits zu diesem Zeitpunkt fanden Rudolf Meringer und der Neurologe Mayer heraus, dass sprachliche Fehler regelgeleitet sind (Leuninger 1993:67). Mittlerweile gibt es zahlreiche Sammlungen, die eine große Anzahl sprachlicher Fehlgriffe enthalten, in Deutschland beispielsweise das Frankfurter Korpus, das 1.000 Versprecher umfasst (Leuninger 1993:70).
Im Vergleich zur Deutschen Lautsprache ist die Erforschung von Versprechern in der Deutschen Gebärdensprache noch nicht so weit fortgeschritten, die Forschungsliteratur ist daher nicht so umfangreich. Es existieren jedoch umfassende Arbeiten zu diesem Thema von Helen Leuninger, die auch Grundlage dieser Hausarbeit sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in das psycho-linguistische Forschungsfeld der Versprecher: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Versprechers und gibt einen Überblick über die historische Forschung in der Laut- und Gebärdensprache.
2. Unterschiede gebärden- und lautsprachlicher Äußerungen: Hier werden die strukturellen Differenzen zwischen der simultanen Struktur der Gebärdensprache und der linearen Produktion der Lautsprache erläutert.
3. Versprecher in der Deutschen Laut- und Gebärdensprache: In diesem Kapitel werden empirische Daten zu Versprechertypen und deren Korrekturverhalten in beiden Modalitäten verglichen und analysiert.
4. Die Sprachproduktion: Das Kapitel erläutert das theoretische Modell der Sprachproduktion nach Levelt und zeigt, wie das Sprachsystem durch Monitoring Fehlleistungen erkennt und korrigiert.
Schlüsselwörter
Sprachproduktion, Versprecher, Vergebärdler, Deutsche Gebärdensprache, Lautsprache, Psycholinguistik, Morphologie, Phonologie, Korrekturverhalten, Monitor-Modell, Levelt, Meringer, Artikulation, Sprachliche Fehlleistung, Modale Unabhängigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht sprachliche Fehlleistungen, sogenannte Versprecher, als Fenster in das menschliche Sprachproduktionssystem in der Deutschen Laut- und Gebärdensprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die psycholinguistische Klassifikation von Versprechern, der Vergleich der modalitätsspezifischen Sprachstrukturen sowie die Analyse von Korrekturmechanismen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, dass die Prozesse des Sprachproduktionssystems (der Prozessor) modalitätsunabhängig arbeiten, obwohl sich die realisierten Sprachinhalte in Laut- und Gebärdensprache unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Analyse von empirischen Korpusdaten aus Versprecherstudien sowie theoretische Sprachproduktionsmodelle, insbesondere das Modell von Levelt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Sprachunterschiede, die empirische Auswertung von Fehlertypen wie Vergebärdlern und Versprechern sowie die Diskussion des Monitoring-Prozesses.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die modale Unabhängigkeit, das Monitoring-System, morphologische Fehlleistungen und die Differenz zwischen simultaner und sequentieller Sprachproduktion.
Wie unterscheidet sich die Korrektur in Gebärden- und Lautsprache?
Die Arbeit zeigt, dass Korrekturen in der Gebärdensprache teilweise schneller erfolgen können, da Gebärdensprachzeichen eine höhere Informationsdichte aufweisen und oft schon vor dem vollständigen Wort/Zeichen korrigiert werden.
Welche Rolle spielt das „Monitor-Modul“ nach Levelt?
Das Monitor-Modul fungiert als Kontrollinstanz im Sprachproduktionssystem, das die interne und externe Rede auf Richtigkeit überprüft und bei Abweichungen Korrekturen einleitet.
- Arbeit zitieren
- Julia Hans (Autor:in), 2009, Versprecher in der deutschen Laut- und Gebärdensprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173527