Die Untersuchung, um die es in dieser Arbeit geht, hatte das Ziel folgende Forschungsfrage zu beantworten: „Welche Bedeutung haben die Aspekte junges Aussehen und physische Attraktivität für das Empfinden von Schönheit für Frauen und auf welchen Gründen beruht dies“. Über diese Fragestellung sollte eine Theorie generiert werden. Es soll erforscht werden, warum physische Attraktivität von Frauen angestrebt wird, da sich Frauen nach Susan Sontag nicht bloß schön machen, um attraktiv zu sein, sondern um sich gegen Missbilligung zu verteidigen. Ebenso wird in der heutigen Gesellschaft angenommen, dass sich schön machen eine Frauensache sei. Damit ist gemeint, dass sich hauptsächlich Frauen mit Schönheit beschäftigen und sich schön machen. Dies ist jedoch eine moderne Zuschreibung, die historisch nicht zutreffend ist. Zudem werden die Standards für weibliche Schönheit stärker durch die Kultur bestimmt als die für männliche Schönheit. Die Bedeutung des Aspekts des jungen Aussehens soll untersucht werden, da Schönheit für Frauen mit Jugendlichkeit verbunden ist, die im Alter nicht mehr vorhanden ist. Nach der Meinung von Soziobiologen/innen ist eine Frau ungefähr zwischen dem 15. und dem 25. Lebensjahr schön und dies soll fast vollständig ohne gesellschaftlichen Einfluss Gültigkeit besitzen. Männer gelten zwischen dem 28. und dem 35. Lebensjahr als attraktiv.
Um die Fragestellung zu untersuchen werden zunächst Vorannahmen zur Schönheit aufgeführt, die sich durch die Literatur ergeben. Anschließend wird das Studiendesign erläutert und Überlegungen, die im Rahmen der Selbstreflexivität und der Forschungsethik aufkamen dargelegt. Danach wird die Auswertungsmethode vorgestellt und die Ergebnisse präsentiert. Abschließend folgt ein Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorannahmen
2.1 Allgemeine Wirkungsmechanismen der physischen Attraktivität
2.2 Schönheit und Alter
2.3 Schönheitshandeln
3. Studiendesign
4. Selbstreflexivität
5. Forschungsethik
6. Vorstellung der Auswertungsmethode Grounded Theory
7. Ergebnisse
7.1 Sanktionserwartung
7.2 Gesellschaftlicher Anpassungszwang
7.3 Arbeiten
7.4 Sozialer Kontext
7.5 Äußerliches Altern
7.6 Wohlfühlen
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende soziologische Forschungsarbeit untersucht die zentrale Fragestellung, warum Frauen in unserer Gesellschaft Wert auf ihr Aussehen legen und welche Bedeutung dem Älterwerden sowie physischer Attraktivität in diesem Zusammenhang zukommt. Ziel der empirischen Untersuchung ist es, mithilfe qualitativer Leitfadeninterviews und der Methodologie der Grounded Theory eine gegenstandsverankerte Theorie zu generieren, die aufdeckt, wie gesellschaftliche Schönheitsnormen, Erwartungshaltungen und subjektive Handlungsstrategien im weiblichen Alltag ineinandergreifen.
- Wirkungsmechanismen physischer Attraktivität und deren Einfluss auf soziale Ungleichheit und Status
- Der gesellschaftliche Doppelstandard des Alterns und die Abwertung des weiblichen Alterungsprozesses
- Das soziologische Konzept des Schönheitshandelns als kommunikatives Medium zur Identitätssicherung und sozialen Positionierung
- Sanktionserwartungen und gesellschaftlicher Konventionsdruck als Ursachen für Verhaltens- und Konsumanpassungen
- Bewältigungsstrategien durch kurz- und langfristiges „Arbeiten“ am eigenen Körper und Erscheinungsbild
- Das Spannungsverhältnis zwischen fremdbestimmter Anpassung und individuellem Wohlbefinden
Auszug aus dem Buch
2.3 Schönheitshandeln
Die Soziologin Dr. Nina Degele untersuchte Schönheitshandeln. Dieses bezeichnet sie als ein „Medium der Kommunikation“ (Degele 2004: 10), da das Ergebnis dieser Handlung, das äußere Erscheinungsbild wahrgenommen und darauf reagiert wird (vgl. ebd.: 17). Schönheitshandeln ist also kein privates Handeln (vgl. ebd.). Dabei geht es auch nicht hauptsächlich um Ästhetik, sondern um Anerkennung, da Menschen mit dem Schönheitshandeln soziale (Anerkennungs)Effekte erzielen wollen. Schönheitshandeln wird auch zur eigenen Inszenierung ausgeführt, um Aufmerksamkeit zu erhalten und zielt auf Identitätssicherung (vgl. ebd.: 10f.). Diese Definition widerspricht der Ideologie, die davon ausgeht, dass Menschen sich für sich selbst schön machen (vgl. ebd.: 17). Diese Ideologie wird entworfen, da sich für andere schön zu machen ein Signal für Abhängigkeit, mangelndes Selbstbewusstsein und wenig Charakterfestigkeit ist (vgl. ebd.: 9). Schönheitshandeln ist ebenso ein Prozess der sozialen Positionierung (vgl. ebd.: 10) und ist eng mit Wohlfühlen verbunden (vgl. ebd.: 92). Es kann nur als solches bezeichnet werden, wenn man sich dabei wohlfühlt.
Man fühlt sich wohl, wenn man von anderen Anerkennung erhält und dies ist auch der Grund, weshalb sich Menschen schön machen (vgl. ebd.: 95f.). Wenn sie behaupten, sich schön zu machen, um sich wohlzufühlen, so haben sie auch ein Bedürfnis nach Autonomie. Sie wollen ihr Handeln als eigene Entscheidung kommunizieren (vgl. ebd.: 201). Einerseits ist Wohlfühlen ein „Mittel zur Schönheit“ (ebd.: 92). Dies trifft zu, wenn man sich nur dann schön macht, wenn man sich wohl fühlt (vgl. ebd.). Andererseits kann Schönheitshandeln auch ein „Mittel [sein], um sich wohl fühlen zu können“ (ebd.). In diesem Fall macht man sich schön, um sich wohl zu fühlen, was sich wiederum auf die Ausstrahlung auswirkt. Um sich wohl zu fühlen, ist es ebenso nötig, sich an gesellschaftliche Erwartungen anzupassen (vgl. ebd.). Hierzu gehört angemessene Kleidung, an die je nach Situation andere Erwartungen bestehen. Wohlfühlen ist auch an Kontinuität und Authentizität gebunden. Mit Kontinuität ist gemeint, dem eigenen Selbstbild treu zu bleiben und in verschiedenen Kontexten ein weitgehend unverändertes Erscheinungsbild zu zeigen (vgl. ebd.: 93f.). Authentizität meint, sich im Handeln und Auftreten „zu Hause“ (ebd.: 93) zu fühlen.
Kapitelübersicht
1. Einleitung: Führt in die gesellschaftliche Relevanz von Schönheit ein und erläutert die Genese der zentralen Forschungsfrage zur Bedeutung des Aussehens bei Frauen.
2. Vorannahmen: Behandelt theoretische Ansätze zu physischer Attraktivität, die soziokulturelle Verknüpfung von Jugendlichkeit und Weiblichkeit sowie Nina Degeles Konzept des Schönheitshandelns.
3. Studiendesign: Schildert die Konzeption der qualitativen Leitfadeninterviews mit Frauen unterschiedlicher Altersgruppen zur Rekonstruktion ihres alltäglichen Wissens.
4. Selbstreflexivität: Reflektiert die methodische Herangehensweise der Forscherin, die thematische Sensibilisierung der Teilnehmerinnen sowie das Vermeiden von Verzerrungseffekten.
5. Forschungsethik: Thematisiert ethische Richtlinien wie informierte Einwilligung, Anonymisierung der Transkripte und das Gebot der Nicht-Schädigung im soziologischen Forschungsprozess.
6. Vorstellung der Auswertungsmethode Grounded Theory: Beschreibt die Schritte des offenen, axialen und selektiven Kodierens, das Paradigma der Kategorienbildung und den Einsatz theoretischer Memos.
7. Ergebnisse: Präsentiert die empirischen Befunde rund um die Kernkategorie der Sanktionserwartung, den Anpassungszwang, das kurz- und langfristige Arbeiten am Körper sowie das resultierende Wohlbefinden.
8. Fazit: Fasst die Erkenntnisse zusammen, reflektiert aufgetretene Hürden beim Feldzugang und liefert methodische Ausblicke für weiterführende Erhebungen.
Schlüsselwörter
Schönheitshandeln, physische Attraktivität, Sanktionserwartung, Anpassungszwang, Altersdiskriminierung, Grounded Theory, Jugendlichkeit, qualitative Sozialforschung, Identitätssicherung, Leitfadeninterview, Selbstreflexivität, Körperkonventionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht im Rahmen eines qualitativen Forschungspraktikums am Institut für Soziologie, aus welchen Gründen Frauen Wert auf ihr äußeres Erscheinungsbild legen und wie physische Attraktivität mit gesellschaftlichen Erwartungen verknüpft ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die soziologischen Wirkungsmechanismen von Attraktivität, Schönheitsnormen im Generationenvergleich, Altersdiskriminierung (Ageism), Sanktionsmechanismen des sozialen Umfelds sowie Strategien des körperbezogenen Arbeitens.
Welches primäre Ziel und welche Forschungsfrage werden verfolgt?
Das primäre Ziel ist die theoriegenerierende Beantwortung der Forschungsfrage „Warum legen Frauen Wert auf ihr Aussehen?“ unter Berücksichtigung von Alter und physischer Attraktivität.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erhebung und Auswertung angewendet?
Die empirische Datenerhebung erfolgte über qualitative, leitfadengestützte Einzelinterviews mit Frauen im Alter von 25 und 61 Jahren; die Datenauswertung basiert auf den Kodierverfahren der Grounded Theory nach Glaser und Strauss.
Was wird im empirischen Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil analysiert die Kernkategorie „Sanktionserwartung“, den gesellschaftlichen Anpassungszwang (internalisiert und externalisiert), kurz- und langfristige Formen des Arbeitens am Aussehen sowie die emotionale Folge des Wohl- bzw. Unwohlfühlens.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Studie am besten?
Zentrale Begriffe sind Schönheitshandeln, Sanktionserwartung, Anpassungszwang, Alterungsprozess, Grounded Theory und Wohlfühlen.
Was versteht die Untersuchung unter der Kernkategorie „Sanktionserwartung“?
Frauen modifizieren ihr Aussehen vor allem deshalb, weil sie mit positiven Reaktionen (wie Respekt, Zuneigung und beruflichem Vorteil) bei konformem Auftreten bzw. mit negativen Sanktionen (wie Missbilligung, Scham oder abwertenden Blicken) bei Nichtanpassung rechnen.
Warum wird das Schönheitshandeln laut der Theorie von Nina Degele oft als scheinbar autonomes Handeln deklariert?
Weil das Eingeständnis, sich für andere schön zu machen, gesellschaftlich als Zeichen von Unselbstständigkeit oder mangelndem Selbstbewusstsein gilt; das Argument „Ich mache das nur für mich selbst“ dient der Wahrung von subjektiver Autonomie.
Welche methodischen Herausforderungen ergaben sich beim Feldzugang und Sampling?
Ein ursprünglich geplanter Feldzugang über Institutionen für Schönheitschirurgie schlug aus Skepsis und Zeitmangel fehl, weshalb die Rekrutierung erfolgreich über Kleinanzeigen und Social Media für eine qualitative Mehrgenerationen-Stichprobe erfolgte.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2014, Warum legen Frauen Wert auf ihr Aussehen?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1735399