Diese Facharbeit zeigt, wie Kinder mit AVWS im Vorschulalter wirksam unterstützt werden können – wissenschaftlich fundiert, praxisnah und mit einer innovativen Methodenkiste, die sofort im pädagogischen Alltag einsetzbar ist.
Töne, Klänge, Stimmen, Musik und andere Geräusche prägen den Alltag von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen. Während manche Menschen akustische Reize mühelos verarbeiten, empfinden andere dieselben Geräusche als störend oder überfordernd. Um die Bedeutung des Hörsinns einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf die grundlegenden Sinnesmodalitäten. Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) beschrieb bereits fünf Sinne, mit denen der Mensch zur Welt kommt. Es gibt den Sehsinn (visuelle Wahrnehmung), den Tastsinn (taktile Wahrnehmung), den Geruchsinn (olfaktorische Wahrnehmung), den Geschmackssinn (gustatorische Wahrnehmung) und den Gehörsinn (akustische Wahrnehmung).
Jeder dieser Sinne erfüllt spezifische Aufgaben, die für das Zusammenspiel des Körpers wesentlich sind.
Diese Facharbeit fokussiert sich auf die auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) bei Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren. Hierbei überschneiden sich die neurologischen Aspekte mit der biologischen Verarbeitungsstörung. Was heißt es, nicht „richtig“ zu hören? Welche Faktoren beeinflussen, dass man nicht „richtig“ hört und wie kann man die Kinder pädagogisch unterstützen? „Die auditive Wahrnehmung eines Menschen ist abhängig von der Aufmerksamkeit, dem Gedächtnis sowie den Emotionen. Sie ist eine Grundlage für den Erwerb der Sprache und kann somit die Kommunikation und zwischenmenschliche Beziehungen stark beeinflussen“ (vgl. Hammer 1997, S. 16 zit. in Saft 2009, o.S.)
Ziel der Arbeit ist es, die theoretischen Grundlagen der AVWS darzustellen und darauf aufbauend eine Methodenkiste zu entwickeln, die im pädagogischen Alltag zur Förderung der auditiven Wahrnehmung eingesetzt werden kann. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welche Bedeutung eine Methodenkiste für die Förderung auditiver Verarbeitungsprozesse bei Kindern mit AVWS im Alter von vier bis sechs Jahren hat und wie sie im pädagogischen Alltag wirksam eingesetzt werden kann?
Um die Fragestellung beantworten zu können, werden im folgenden Kapitel zunächst die theoretischen Grundlagen der Wahrnehmung sowie der AVWS dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Teil
2.1 Begriffsbestimmung Wahrnehmung
2.1.1 Definition Kindheit und Entwicklung im Kindesalter
2.1.2 Abgrenzung zur Hörstörung
2.2 Begriffsbestimmung AVWS
2.2.1 Erscheinungsformen, Symptome, ICD- Klassifikation
2.3 Wie erfolgt eine Wahrnehmungsförderung?
3. Methodischer Teil
3.1 Beschreibung zur Erlangung der Produktidee
3.2 Nennung und Beschreibung der Zielgruppe des Produktes
3.3 Produktbeschreibung
3.3.1 Beschreibung der Produktentwicklung
3.3.2 Merkmale und Qualitätskriterien des Produktes
3.4 Darlegung der Neuartigkeit des Produktes
4. Ergebnisteil
4.1 Planung und Vorbereitung einer Produkttestung
4.1.1 Auswahl der Testpersonen
4.2 Beschreibung der Durchführung der Produkttestung
4.3 Auswertung der Produkttestung
4.4 Qualitätskriterien
5. Diskussion/ Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Facharbeit besteht in der theoretischen Fundierung der auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) bei Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren und der daraus abgeleiteten Konzeption einer praxisorientierten Methodenkiste. Die zentrale Forschungsfrage untersucht dabei, welche Bedeutung eine solche Methodenkiste für die Förderung auditiver Verarbeitungsprozesse hat und wie sie im pädagogischen Alltag wirksam eingesetzt werden kann.
- Theoretische Grundlagen zur Wahrnehmung und zur Entstehung von AVWS
- Entwicklung eines ganzheitlichen, nachhaltigen und flexiblen Förderinstruments für den Kita-Alltag
- Durchführung einer praktischen Testphase zur Evaluation der Praxistauglichkeit
- Reflexion über pädagogische Haltungen und interdisziplinäre Zusammenarbeit
Auszug aus dem Buch
3.1 Beschreibung zur Erlangung der Produktidee
Bereits vor der Erstellung der Facharbeit wurde die Entwicklung eines geeigneten Produkts in Betracht gezogen. Ausgangspunkt war die Beobachtung eines Kindes im Kindergarten, das besondere Bedürfnisse erkennen ließ. Diese Beobachtungen, wie unter Punkt 2.3.1 beschrieben, verdeutlichten den Bedarf nach einem spezifischen pädagogischen 1:1 Angebot und bildeten den Anlass für die Konzeption einer Methodenkiste. Die Entwicklung orientiert sich an den Grundsätzen der Förderpädagogik, die die individuellen Bedürfnisse von Kindern berücksichtigt und gezielte Unterstützung bereitstellt (vgl. SGB VIII 2022, S. 40).
Gleichzeitig wird der Ansatz der Inklusion aufgegriffen, indem ein Produkt geschaffen wird, das sich unter anderem auf die geistige Entwicklung von Kindern bezieht (vgl. SGB VIII 2022, S. 41 (3)). Darunter fällt auch die AVWS, wodurch die Teilhabe am pädagogischen Alltag erleichtert wird.
Ein zentraler Anspruch an das Produkt ist seine Nachhaltigkeit. Es soll nicht lediglich für den einmaligen Gebrauch bestimmt sein, sondern langfristig nutzbar bleiben. Zudem soll es variabel und erweiterbar sein, sodass es unterschiedliche pädagogische Situationen angepasst werden kann. Eine Recherche ergab, dass es eine Vielzahl erprobter Methoden für den pädagogischen Alltag gibt. Dies zeigt Lisa-Marie Janz in ihrem Werk „Der praktische Methodenkoffer für Pädagogen: Praktische Ansätze für den pädagogischen Alltag“ (vgl. Janz 2025, o. S.). Dennoch ergab sich keine Übereinstimmung mit der Variante, die speziell für das Thema entwickelt wurde (Microsoft Copilot o. J., o. S.).
Das Neuartige an dem Produkt ergibt sich aus der pädagogisch begründeten Zusammenführung verschiedener auditiver Fördermaterialien in einer einzigen Methodenkiste. Während bestehende Angebote meist nur einzelne Teilfunktionen ansprechen, ermöglicht die hier entwickelte Kiste eine systematische und ganzheitliche Förderung zentral-auditiver Prozesse wie Merkfähigkeit, Lautdiskrimination und Figur-Hintergrund-Wahrnehmung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Bedeutung des Hörsinns und Formulierung des Ziels, ein Förderkonzept für Kinder mit AVWS zu entwickeln.
2. Theoretischer Teil: Fundierte Analyse von Wahrnehmungsprozessen, Definition und Symptomatik der AVWS sowie Erläuterung von Förderansätzen im pädagogischen Kontext.
3. Methodischer Teil: Detaillierte Dokumentation des Entwicklungsprozesses der Methodenkiste, der Zielgruppendefinition und der Qualitätskriterien für den Einsatz.
4. Ergebnisteil: Auswertung der praktischen Testphase, bei der das Produkt im pädagogischen Alltag erprobt und hinsichtlich seiner Wirksamkeit evaluiert wurde.
5. Diskussion/ Fazit: Kritische Reflexion der Projektergebnisse, Einordnung in den theoretischen Kontext und Ausblick auf zukünftige Einsatzmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung, AVWS, Sprachförderung, Frühkindliche Bildung, Inklusion, Förderpädagogik, Wahrnehmungsförderung, Pädagogische Fachkraft, 1:1 Angebot, Methodenkiste, Kindergarten, Auditive Teilfunktionen, Lautdiskrimination, Merkfähigkeit, Figur-Hintergrund-Wahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Unterstützung von Kindern im Alter von vier bis sechs Jahren, bei denen eine auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) vermutet wird, durch die Entwicklung einer spezifischen Methodenkiste.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Grundlagen der auditiven Wahrnehmung, die pädagogische Förderung von Kindern mit AVWS, die Entwicklung von Fördermaterialien sowie die Reflexion pädagogischer Praxis.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Entwicklung eines praxistauglichen und nachhaltigen Förderinstruments, das gezielt auf die Bedürfnisse von Kindern mit AVWS zugeschnitten ist und im Kita-Alltag zur Förderung auditiver Teilfunktionen beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine Kombination aus Literaturrecherche zur theoretischen Fundierung und einem handlungsorientierten Ansatz (Produktentwicklung und praktische Testung in Einzelsettings) gewählt.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Bereich zur Definition und Symptomatik der AVWS sowie einen methodischen Bereich, der die konkrete Entwicklung der Methodenkiste inklusive deren handwerklicher Herstellung und pädagogischer Konzeption beschreibt.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Schlagworte sind AVWS, Sprachförderung, Inklusion, Frühkindliche Bildung, Förderpädagogik und auditive Wahrnehmungsförderung.
Warum spielt die Methode der „Isolierung der Sinne“ nach Montessori in dieser Arbeit eine Rolle?
Diese Methode, beispielsweise durch das Tragen einer Augenbinde, wird genutzt, um die Konzentration der Kinder gezielt auf auditive Reize zu lenken und Ablenkungen durch andere Sinneskanäle zu minimieren.
Welche Herausforderungen zeigten sich bei der praktischen Testung der Methodenkiste?
Die Testung zeigte, dass Kinder unterschiedlich auf sensorische Reize reagieren – insbesondere der Einsatz der Augenbinde löste bei einigen Unsicherheit oder Angst aus, was eine feinfühlige und individuelle Anpassung durch die pädagogische Fachkraft erforderlich macht.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2026, Entwicklung einer Methodenkiste zur Unterstützung von Kindern mit auditiver Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung im Alter von vier bis sechs Jahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1735770