Erneuerbare Energien gelten als zentraler Baustein für eine nachhaltige und resiliente Entwicklung von Small Island Developing States (SIDS), die besonders stark von den Folgen des Klimawandels sowie von fossilen Energieimporten abhängig sind. Diese Forschungsarbeit untersucht am Fallbeispiel Chã das Caldeiras auf der kapverdischen Insel Fogo die gegenwärtige und zukünftige Bedeutung von Solarstrom für die lokale Gemeinschaft. Im Fokus steht ein 2024 errichtetes solares Mini-Grid, das als dezentrale Energielösung erstmals eine systematische Stromversorgung für Teile der Bevölkerung ermöglicht und gleichzeitig fossile Energieträger ersetzt.
Auf Grundlage eines Mixed-Methods-Ansatzes, bestehend aus einer Kartierung der Energieinfrastruktur, problemzentrierten Interviews mit Bewohnerinnen und Bewohnern vor Ort, Experteninterviews sowie einer SWOT-Analyse, werden die Nutzung Erneuerbarer Energien und ihre Auswirkungen auf Alltag, Wirtschaft und Versorgungssicherheit untersucht. Ziel ist es, die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken dezentraler erneuerbarer Energiesysteme im lokalen Kontext systematisch zu erfassen und zu bewerten.
Die Ergebnisse zeigen erhebliche Potenziale hinsichtlich Energiezugang, lokaler Wertschöpfung, Versorgungssicherheit, Resilienz und der Reduzierung fossiler Abhängigkeiten. Gleichzeitig verdeutlicht die Forschungsarbeit, dass der Erfolg solcher Transformationsprozesse nicht allein vom Aufbau technischer Infrastruktur abhängt. Vielmehr sind der Aufbau lokalen Wissens, die Vermittlung technischer Kompetenzen sowie die aktive Einbindung und Schulung der Bevölkerung entscheidende Voraussetzungen dafür, dass Erneuerbare Energiesysteme langfristig wirksam werden und ihr Entwicklungspotenzial entfalten können. Die Arbeit leistet damit einen empirischen Beitrag zu einem vertieften Verständnis, unter welchen Bedingungen Erneuerbare Energietransformationen in peripheren Inselkontexten gelingen können.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung und Forschungsrelevanz
2. Theoretisch-konzeptioneller Rahmen
2.1 Klimawandel und Vulnerabilität von Small Island Developing States (SIDS)
2.2 Erneuerbare Energien als Instrument von Klimaschutz, Resilienz und lokaler Entwicklung
3. Energiewende auf den Kapverden
3.1 Kap Verde als Small Island Developing State
3.2 Kap Verde als Vorreiter für Erneuerbare Energien
3.3 Kap Verde als Investitionsstandort
4. Fallbeispiel Fogo - Chã das Caldeiras
4.1 Untersuchungsraum Chã das Caldeiras
4.2 Energieversorgung Caldeira vor 2024
4.3 Das Solar-Mini-Grid 2024
4.4 Solarbasierte Mini-Grids im Kontext peripherer Inselentwicklung
4.5 Zwischen Vision und Unklarheit
5. Forschungslücke + Forschungsfrage
6.Methodischer Rahmen
6.1Qualitative Sozialforschung in Chã das Caldeiras
6.2 Kartierung der Energieversorgung
6.3 Problemzentrierte Interviews nach Witzel
6.4 Experteninterviews
6.5 Leitfadenkonzeption
6.6 Methodische Auswertung nach Kuckartz
6.7 SWOT-Analyse
6. 8 Methodische Kontextualisierung
7. Datenauswertung
7.1 Ergebnisse der Kartierung
7.2 Analytische Strukturierung der Energieversorgung
8. Datenanalyse
8.1 Kategorisierung der Daten nach Kuckartz
8.2 Ergebnisauswertung nach Kodierung
8.2.1 Nutzungspraktiken / Zugang
8.2.1.1 Aktualisierung des empirischen Grundbestands der Energieversorgung
8.2.1.2 Energieinfrastruktur vor 2024
8.2.1.3 Energienutzung nach Sektoren
8.2.2 Verfügbarkeit / Verlässlichkeit
8.2.3 Kosten / Ökonomie + Wertschöpfung
8.2.4 Akzeptanz / Haltung
8.2.5 Governance / Wissen
8.3 Reflexive Einordnung der Datengrundlage
9. SWOT-Analyse über Solarbasierte Energiesysteme in Chã das Caldeiras
9.1 Stärken (intern)
9.2 Schwächen (intern)
9.3 Chancen (extern)
9.4 Risiken (extern)
9.5 SWOT-Matrix
10. Fazit
11. Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht am Fallbeispiel von Chã das Caldeiras auf der Insel Fogo (Kap Verde), wie Erneuerbare Energien, insbesondere Solarstrom durch ein Mini-Grid, zur nachhaltigen Entwicklung und Resilienz in peripheren Inselkontexten beitragen können. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Nutzungspraktiken sowie die daraus resultierenden Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken für den Alltag und die wirtschaftlichen Aktivitäten der lokalen Bewohner.
- Analyse der Energieversorgung in peripheren SIDS-Kontexten.
- Untersuchung der Rolle von solargestützten Mini-Grids für lokale Resilienz.
- Empirische Erhebung von Nutzungspraktiken und Akzeptanz vor Ort.
- Identifikation von Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken mittels SWOT-Analyse.
- Beitrag zur Diskussion über nachhaltige Entwicklung und Energieautarkie in Inselregionen.
Auszug aus dem Buch
4.3 Das Solar-Mini-Grid 2024
Mit der Inbetriebnahme eines solarbasierten Mini-Grids im Jahr 2024 in Chã das Caldeiras wurde ein entscheidender Schritt, hin zu einer dezentralen, erneuerbaren Energieversorgung in einer der periphersten Regionen Kap Verdes vollzogen. So soll mittelfristig der gesamte Ort Chã das Caldeiras an das Grid angeschlossen, elektrifiziert und mit Energie versorgt werden (ECCREE 2024).
Das Projekt wurde unter maßgeblicher Beteiligung von ECREE, der Regierung von Cap Verde sowie internationaler Partner – unter anderem USAID, der ehemaligen Entwicklungsbehörde der Vereinigten Staaten von Amerika – realisiert. In einer offiziellen Mitteilung bezeichnete ECREEE das Projekt als wichtigen Meilenstein für die Inselentwicklung (vgl. ECREE 2024).
Das Mini-Grid ist als autarkes dezentrales Inselsystem konzipiert und nicht an das nationale Stromnetz angeschlossen. Es umfasst:
eine Photovoltaikanlage zur lokalen Stromerzeugung
ein Batteriespeichersystem zur Überbrückung sonnenarmer Stunden
ein lokales Niederspannungsverteilnetz.
Durch diese Kombination aus Solarerzeugung und Speichertechnologie kann eine kontinuierliche Grundversorgung gewährleistet werden, ohne auf fossile Generatoren angewiesen zu sein. Gerade in einer Region wie Chã das Caldeiras könnte ein solches dezentrales System erhebliche strukturelle Vorteile bieten. So könnte bspw. der zuvor notwendige Transport von kostenintensiven, volatilen und ökologisch problematischen fossilen Brennstoffen reduziert werden (Energypedia).
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung und Forschungsrelevanz: Die Einleitung thematisiert die globale Herausforderung des Klimawandels und die spezifische Verwundbarkeit kleiner Inselstaaten (SIDS) durch fossile Energieabhängigkeit, womit die Relevanz der Untersuchung für nachhaltige Entwicklung begründet wird.
2. Theoretisch-konzeptioneller Rahmen: Dieses Kapitel erläutert die Verwundbarkeit von SIDS und stellt Erneuerbare Energien als zentrales Instrument für Klimaschutz und lokale Resilienz dar.
3. Energiewende auf den Kapverden: Die Autoren analysieren die Situation auf Kap Verde als Vorreiter unter den SIDS und beleuchten den Transformationsprozess sowie den Status als Investitionsstandort.
4. Fallbeispiel Fogo - Chã das Caldeiras: Dieser Abschnitt charakterisiert Chã das Caldeiras als Fallbeispiel und beschreibt die Energieversorgungssituation vor und nach der Installation des Solar-Mini-Grids im Jahr 2024.
5. Forschungslücke + Forschungsfrage: Hier wird die zentrale Forschungslücke identifiziert, die darin besteht, dass die lokalen Wirkungen des Mini-Grids bisher empirisch kaum untersucht sind, woraus sich die Forschungsfrage ableitet.
6.Methodischer Rahmen: Das Kapitel beschreibt den Mixed-Methods-Ansatz, bestehend aus Kartierung, problemzentrierten Interviews und Experteninterviews, sowie deren Auswertung nach Kuckartz und SWOT-Analyse.
7. Datenauswertung: Die Autoren präsentieren die Ergebnisse der Kartierung von 404 Gebäuden und entwickeln eine analytische Strukturierung der verschiedenen Versorgungsformen.
8. Datenanalyse: In diesem Hauptteil werden die Interviewergebnisse hinsichtlich Nutzungspraktiken, Verlässlichkeit, Kosten, Akzeptanz und Governance detailliert ausgewertet und kategorisiert.
9. SWOT-Analyse über Solarbasierte Energiesysteme in Chã das Caldeiras: Zusammenfassende Gegenüberstellung von Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der Solarstromnutzung im untersuchten Gebiet.
10. Fazit: Das Fazit resümiert die Bedeutung dezentraler Systeme für die Elektrifizierung peripherer Regionen und hebt die Notwendigkeit begleitender Maßnahmen zur Wissensvermittlung hervor.
11. Ausblick: Der Ausblick schlägt weitere Forschungsbedarfe vor, insbesondere zu technischen Rahmenbedingungen und dem Zusammenhang von Elektrizität und Mobilität.
Schlüsselwörter
Erneuerbare Energien, Solarstrom, Mini-Grids, Kap Verde, Chã das Caldeiras, SIDS, Klimawandel, Nachhaltige Entwicklung, Energieversorgung, Resilienz, Qualitative Sozialforschung, Energietransformation, SWOT-Analyse, Energieabhängigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle Erneuerbarer Energien in peripheren Inselkontexten und untersucht deren Potenzial für eine nachhaltige Entwicklung am Beispiel von Chã das Caldeiras auf der kapverdischen Insel Fogo.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Klimawandel und die Vulnerabilität von SIDS, die Energieversorgung auf den Kapverden, der Einsatz von solaren Mini-Grids sowie soziale und wirtschaftliche Aspekte der Energietransformation vor Ort.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, wie Solarstrom in Chã das Caldeiras konkret genutzt wird und welche Auswirkungen sich daraus auf den Alltag und die wirtschaftlichen Aktivitäten der Bewohner ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein Mixed-Methods-Ansatz verfolgt, der eine quantitative Kartierung der Energieinfrastruktur mit qualitativen problemzentrierten Interviews und Experteninterviews sowie einer anschließenden SWOT-Analyse kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Kartierungsergebnisse zur Energieinfrastruktur dargestellt und die Interviewdaten systematisch anhand der Kategorien Nutzungspraktiken, Verfügbarkeit, Kosten, Akzeptanz und Governance ausgewertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Erneuerbare Energien, Solarstrom, Mini-Grids, SIDS, Kap Verde, nachhaltige Entwicklung, Energieversorgung und Resilienz.
Welche Rolle spielt das installierte Mini-Grid für die Bevölkerung?
Das Mini-Grid stellt einen grundlegenden Fortschritt dar, indem es eine erstmalige, kollektive Stromversorgung ermöglicht. Die Wirkung ist jedoch durch begrenzte Kapazitäten, technische Instabilitäten und ein Informationsdefizit bezüglich der Nutzung begrenzt.
Warum ist die lokale Akzeptanz so unterschiedlich ausgeprägt?
Während Solarstrom als Technologie generell sehr positiv bewertet wird, wird das Mini-Grid ambivalenter wahrgenommen. Gründe dafür sind Skepsis gegenüber staatlichen Betreibern, Sorgen über zukünftige Kosten und technische Probleme bei der Verlässlichkeit.
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- Simeon Thomm (Autor), Moritz Flottau (Autor), 2026, Erneuerbare Energien in peripheren Inselkontexten als Schlüssel nachhaltiger Entwicklung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1736455