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Konfliktfeld Atlantik. Zwischen Kolonialkrieg, Kaperei und Neutralität

Maritime Neutralität und internationales Recht im 18. Jahrhundert

Title: Konfliktfeld Atlantik. Zwischen Kolonialkrieg, Kaperei und Neutralität

Term Paper , 2023 , 15 Pages

Autor:in: Tobias Postel (Author)

History - Miscellaneous
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18.Jahrhundert: Kann Kaperei als legitimes Mittel im Seekrieg bzw. zur politischen Einflussnahme angesehen werden? Kann im Zusammenhang mit Kaperei von der Anwendung von unrechtmäßiger und rechtmäßiger Gewalt gesprochen werden? Inwiefern kann die See bzw. der Atlantik als rechts(freier) Raum bezeichnet werden?

„Jeder Nation steht es frei, zu jeder anderen Nation zu reisen und mit ihr Handel zu treiben.“ Dieses Zitat entstammt dem niederländischen Juristen und Philosophen Hugo Grotius und wurde in seinem Werk „Mare Liberum“ oder „Die Freiheit der Meere“ im Jahre 1609 abgedruckt. Grotius schreibt hier von der Neutralität des Meeres und der Möglichkeit bzw. dem Recht, das jeder Staat hat, das Meer für den Seehandel zu nutzen. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte und mit der Zunahme von internationalen Konflikten, auch in Bezug auf die Kolonisierung der Amerikas und den Bestrebungen der Unabhängigkeit, wird dieses von Grotius beschriebene Prinzip oder Recht der einzelnen Staaten weniger geachtet oder neu interpretiert. Die folgende Arbeit greift diesen Wandel auf. Um einen Überblick zu schaffen, soll zunächst die Situation Im und um den Atlantik im 18. Und frühen 19. Jahrhundert beschrieben werden. In diesem Zusammenhang Fallen Begriffe wie Kolonialkriege, Kaperei und Neutralität, wie sie auch schon aus dem Titel dieser Arbeit hervorgehen. Mit dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden, diese Begriffe zu ordnen sowie zu definieren. Weiterhin soll die Bedeutung dieser Begrifflichkeiten für die Lage auf See herausgestellt werden. Im Zentrum der Arbeit sollen die Begriffe Legitimität und Rechtmäßigkeit stehen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsstand und Forschungsbereiche

3. Die Bedeutung von maritimer Neutralität in und um das 18. Jahrhundert

4. Kaperei vs. Piraterie

5. Kaperfahrten als Mittel der Kriegsführung

6. Prisenjustiz

a. Französische Prisenjustiz

b. Britische Prisenjustiz

7. Der Fall Gadsden – Kaperung eines neutralen Schiffs

8. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen maritimer Neutralität, legitimer Kaperei und Piraterie im 18. und frühen 19. Jahrhundert. Ziel ist es, die Konzepte von Legitimität und Rechtmäßigkeit im seekriegerischen Kontext zu analysieren und anhand juristischer Fallbeispiele die Handlungsspielräume staatlicher und privater Akteure auf dem Atlantik zu hinterfragen.

  • Definition und Differenzierung der Begriffe Kaperei und Piraterie.
  • Bedeutung der maritimen Neutralität als politisches und wirtschaftliches Instrument.
  • Analyse der nationalen Prisenjustiz am Beispiel Großbritanniens und Frankreichs.
  • Untersuchung der Rechtmäßigkeit von Gewalt auf See anhand des Falls "Gadsden".

Auszug aus dem Buch

7. Der Fall Gadsden – Kaperung eines neutralen Schiffes

Der Fall der Gadsden zeigt, wie Kaperschiffe im Atlantik agieren. Am 08. September 1799 ist das Handelsschiff Gadsden auf dem Weg von Laguira, einer spanischen Kolonie, zum spanischen Passage. Beladen ist das Schiff mit Zucker, Reis, Tabak, Tierhäuten und Bienenwachs. Kapitän, Mannschaft sowie die Gadsden selbst stammen aus den Vereinigten Staaten von Amerika und überführen die Ladung für den amerikanischen Kaufmann Frederick Kohne aus Charleston. Während der Überfahrt wird die Gadsden beschädigt und muss eine Werft im amerikanischen Rhode Island ansteuern. Hier wird das Schiff repariert und die Waren in einem Lagerhaus zwischengelagert.

Bei der Weiterfahrt wird das Schiff von der britischen HMS Pheasant unter dem Kommandanten William Skipsey gestoppt und ins kanadische (britische) Halifax gebracht. Sowohl das Schiff als auch die Waren werden beschlagnahmt. Da der Händler und Eigner Frederick Kohne aus den Vereinigten Staaten stammt, einem neutralen Staat und es sich bei den geladenen Waren nicht um kriegswichtige Güter (Konterbanden) handelt entscheiden die „Lords of Appeal in Prize Cases“ am britischen Admiralitätsgericht 1804 am „Berufungsgericht“ in Nova Scotia zugunsten des Kaufmannes und gegen den Beklagten Kapitän der HMS Pheasant. Die Gadsden, wie auch die beschlagnahmten Güter müssen zurückgegeben werden. Dieser Prozess zeigt, dass zunächst jedes Schiff, auch eines, dass aus einem neutralen Staat stammt, gekapert werden kann. In diesem Fall entschied die britische Gerichtsbarkeit, dass es sich um eine unrechtmäßige Prise handelte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Situation auf dem Atlantik ein und definiert die zentralen Leitfragen bezüglich der Legitimität von Kaperei und dem Rechtsstatus der See.

2. Forschungsstand und Forschungsbereiche: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die aktuelle geschichtswissenschaftliche Forschung zur Kommunikation in der Frühen Neuzeit sowie über das Prize Papers Projekt.

3. Die Bedeutung von maritimer Neutralität in und um das 18. Jahrhundert: Es wird analysiert, wie Neutralität als politisches Mittel für Staaten zur Sicherung von Handelsinteressen in einer von Konflikten geprägten Ära diente.

4. Kaperei vs. Piraterie: Das Kapitel arbeitet die rechtlichen und methodischen Unterschiede zwischen staatlich legitimierter Kaperei und krimineller Piraterie heraus.

5. Kaperfahrten als Mittel der Kriegsführung: Hier wird die Kaperei als ritualisierte, verrechtlichte Form der Kriegsführung dargestellt, die oft zur Schwächung gegnerischer Handelswege eingesetzt wurde.

6. Prisenjustiz: Dieses Kapitel vergleicht die unterschiedlichen Verfahrensweisen der französischen und britischen Admiralitätsgerichte bei der Bewertung von Prisen.

7. Der Fall Gadsden – Kaperung eines neutralen Schiffes: Anhand dieses konkreten Falls wird die praktische Anwendung der Prisenjustiz und die Rolle der Neutralität im Konfliktfall illustriert.

8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Atlantik kein rechtsfreier Raum war, da das Kaperwesen einem regulierten System mit Kontrollinstanzen unterlag.

Schlüsselwörter

Kaperei, Piraterie, Maritime Neutralität, Prisenjustiz, Seekrieg, Völkerrecht, Prize Papers, Frühe Neuzeit, Atlantik, Handelsschifffahrt, Kaperbriefe, Admiralitätsgericht, Legitimität, Konterbande, Gadsden.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit den komplexen rechtlichen und machtpolitischen Strukturen des Seekriegs im 18. und frühen 19. Jahrhundert, insbesondere mit der Differenzierung zwischen Kaperei, Piraterie und neutralem Handel.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die völkerrechtliche Entwicklung des Prisenrechts, die Praxis der Kaperfahrten als Mittel der Kriegsführung und die Rolle der Neutralität für kleinere Staaten im globalen Konflikt.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Grad der Rechtmäßigkeit bei der Kaperung von Handelsschiffen zu bestimmen und zu klären, ob der Atlantik zu dieser Zeit als rechtsfreier Raum betrachtet werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse fachwissenschaftlicher Literatur und die Auswertung historischer Prozessakten, insbesondere des Bestands HCA 45/43/26 aus dem Prize Papers Projekt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Definitionen von Kaperei und Piraterie, die Bedeutung der maritimen Neutralität sowie die spezifische Gerichtsbarkeit (Prisenjustiz) in Frankreich und Großbritannien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kaperei, Prisenjustiz, maritime Neutralität, Völkerrecht und die Analyse historischer Fallbeispiele im atlantischen Raum geprägt.

Welche Rolle spielt der Fall Gadsden in der Argumentation?

Der Fall dient als konkretes Beispiel für die Fehlbarkeit und die rechtlichen Auseinandersetzungen im Prisenwesen, bei dem selbst ein neutrales Schiff trotz Beschlagnahmung vor Gericht erfolgreich sein konnte.

Inwiefern beeinflusste die britische Seeherrschaft die Rechtssprechung?

Die britische Marine setzte durch ihre Überlegenheit ihre Auslegung des Prisenrechts und des Visitationsrechts weitgehend durch, wobei diese Entscheidungen stark von der jeweiligen außenpolitischen Lage abhingen.

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Details

Title
Konfliktfeld Atlantik. Zwischen Kolonialkrieg, Kaperei und Neutralität
Subtitle
Maritime Neutralität und internationales Recht im 18. Jahrhundert
Author
Tobias Postel (Author)
Publication Year
2023
Pages
15
Catalog Number
V1736662
ISBN (PDF)
9783389195604
ISBN (Book)
9783389195611
Language
German
Tags
Geschichte der Frühen Neuzeit Maritime Neutralität internationales Recht 18. Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tobias Postel (Author), 2023, Konfliktfeld Atlantik. Zwischen Kolonialkrieg, Kaperei und Neutralität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1736662
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